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Jüdische Rundschau · 1922-08-15 · Heft 64 (15.8.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 64 (15.8.1922)
Date
1922-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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(4 Kr. 64 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 423 *net!!ich״ •mm 2ssi0 3iese me,y aber de״- > sie dukt Oc• he- Sie uro• die lie• eil«, :hen der dentenz und von sich chti- Das die zur zu der :gier licht iüdihos, der!ade .uug irzel lott, >zin• der Urlern v'er- Getmd zen, bc- :ndstnl״ esse :11er 1״es den iger Stcn zur liier mit päialis״ :and ion, Vir- Fäl- Er״ (enmai 111er vorder uns ,nti- Erndc <öränfcor״ gen eiui ¬¬¬זי i ״ des rnst Vart , in icht lern tina rtcl, anfiT leni kIiin.1. leni des irdc •en »so״ legt Ziomst1sd>e Dritte Wdtkonfcrenz der Hifachduth Am Donnerstag, den 10. August, wmde in Berlin die dritte Wcltkonfercnz der ״Hitnchduth Hapocl-Hazair-Zei'rc Zion“ eröffnet. Delegierte aus allen Ländern sind anwesend, darunter aus Palästina, Amerika, Polen, Litauen. Lettland, Galizien, Rumänien, Bukowina, Oestericich, Deutschland usw. In das Präsidium wurden ge* u.ililt; Sprinzak (Pa'ästina), Abraham Lcwinsohn (Polen), Dr. Mcllmann (Lettland), Heller (Galizien), Kubowizky (Belgien. In seiner Eröffnungsrede überbringt Sprinzak die Grüße Palästinas und würdigt die Bedeutung der MandaHbestäligung, Durch die Bestätig״!!» des Mandates -ind wir, so sngr er, in die Reihe der orientalischen Völ-!!er offiziell curctretcn und haben unseren alten Rlatz «iedc״״cwonncn. Unsere nächste Sorge muH darauf gerichtet sein, uns der neuen Völkergemeinschaft einmgiiedcrii. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde der RcchcnschaLsbc:icht des Hauptbüros entgegen genommen, Eli'-ar K a plan berichtet über die organisatorische Tätig״ keit und über den Aufschwung der Bewegung in den meiden Ländern. Die Leitung stand im engsten Kontakt mit den •Landesverbänden, der {furch häufige Reisen sn.-gcsfaltet wurde. Vor allem die Landesverbände in Polen und Amerika haben sieh günstig entwickelt. Ferner berichtet er über die Tätigkeit der Vertreter der Partei im Zionistischen Actions-Comite und über das Vc.h.i'gui; zur zionistischen Exekutive. Der Bericht wird (furch Dr. Ahr. Katzenelson ergänzt. — Sodann cnfspiimt sich eine ausführliche Debatte, in welcher b. sonders die rumänischen Vertreter der Leitung vor* vcci fen, daß sic der Gegenwartsarbeit 7,u wenig Aufnicriunrnkcil geschenkt hat. Die Generaldebatte berührt infolgedessen bereits zahlreiche prinzipielle Gesichtsf•uiktc. Nach Abschluß der Generaldebatte berichtet Sprinzak über die Lage in Pa'ästina und schildert insbesondere die Tätigkeit des ihm unterstehenden Ressort:; für Arbeiten. Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Diskussion über das Parteiprogramm. Diese Diskussion wurde eröffnet durch ein ausführliches Referat von Dr. Ar 10soroff, in welchem er eine Reihe von Thesen auf״ stellte und einen Programmentwurf vorlegtc. Im Anschluiß daran sprach Kaplan über die Beziehungen zu den anderen Arbeitsparteien im Zionismus und erklärt cs für eine absolute Notwendigkeit, eine Vereinigung dicrer Parteien herbeizuführen. — Das dritte Rcicrat von Dr, Katzcnclson galt dem Verhältnis der Parteien ־׳Ur internationalen Arbeiterbewegung, Darauf wurde die Debatte mit Korreferaten von Bolegalowski (Litauen) und Kubowizki (Belgien) eröffnet. Während der Arbeit der Kommissionen wird am Montag, den 14. August, die K1111 u r k o 11 f e r c ח z eröffnet, die sich vor allem mit Fragen der hebräischen Erziehung befassen sollen, und bei der u. a. Dr. Siegf.Ld Bcrnfeid und Professor Koigcn Referate halten ue.den. Am 12. August fand aus Anlaß der Konferenz eine stark besuchte Massenversammlung in Berlin statt, bei der eine Anzahl von Delegierten sprachen. Zionistische Propaganda in Norderney ln Norderney hatte sich am Anfang August d. J. eine Reihe von Zionisten aus den verschiedensten Ui11• dem Deutschlands z.usnmmcngefundeu und besch'osscn, den zahlreichen jüdischen Kurgästen etwas vom Zionis״ nuis und von den Aufgaben des deutschen Judentums nach dem Mandat zu erzählen. Da die Versammlung trotz des guten Wetters und trotz der schwer nuszuhaltenden Konkurrenz einer Tanz-Reunion sehr gut bcsucht war, soll kurz von Vorbereitung und Verlaut der Versammlung hier berichtet werden und gleichzeitig an unsere Freunde in anderen Badeorten der Appell gerichtet werden, ähnliche Veranstaltungen nbzuhalten. Da man von der Voraussetzung ausging, 11:111 die deutschen Juden über das Ereignis der Maiuiais-Bcstiitigung und seiner Bedeutung sehr ungenügend oder gar nicht informiert seien, wurde eine gedruckte Einiadung versandt, in der wir auf die Bedeutung der Mandals-Erteiiimg liinwiescn und zur Versammlung eilige״ laden wurde. Die Adressen der Einzuladenden waren aus den Kurlisten unschwer zu beschaffen, da aber aus diesen Eisten im n'lger,!einen nicht ersichtlich ist, wer bereits den Ort verlassen hat, stellte es sieh als vorteilhaft herau-, die Einladung nicht durch die Post zu versenden, sondern, um Unkosten zu ersparen, sic direkt seihst heriiniztifragcn, wozu sich die anwesenden Zionisten gern bereit erklärten. Die. Versammlung wurde im Saale des koscheren Restaurants Falk ahgeh,alten, die von über 150 luden besucht war, unter denen sich etwa 20 Zionisten befanden. Die Versammlung, die von Rechtsanwalt G r 0 11 c 111 a n n - Berlin geleitet wurde, verlief in einen! der Sommerfrische angemessenen verbindüchen und leichten Ton und hat ohne Zweitel den Anwesenden viel gegeben. Als Redner des Abends waren bestimmt worden die Herren: Professor ■Carl L c w i n Berlin, Regierungsrat Goslar- Berlin und Dr. Fritz, Löwenstein• Berlin, von denen der erste durch Krankheit am Erscheinen verhindert war. Von den Rednern 2mg Dr. Fritz Löwenstein vor allem auf das Mandat, seinen Inhalt, seine Bedeutung und die sich daraus ergebenden Aufgaben des gesamten Judentums ein, während Regicrungsrat Goslar über die innere Situation des deutschen Judentums sprach. Es fand eine Diskussion statt, in der zunächst cm Agudist aus Frankfurt a. M. und dann ein holländischer Jude sprach, der zum erstenmal vom Zionismus hörte. Am Schluß der Versammlung wurde eine Nationalfoads-Sammluniz abgehaltetf, du« den Betrag von 81)0<ל ׳ JS^tifticf Kalender Bftroi BorlIn»r ZIonl»t.l»oh8 Y«r«ü1tenng, Berlin 010, Snydetrtr.# lelophom Zentrum 0014/15 » Ponteoheekkonto No. 13008 Berlin NW 7, Kn«»anverwaltan!c der B, Z. V. Donnerst dg, *Ion 17. Aaffuat »b*ndt 6% Uh! Mlfraehl -JufADdsromtltariinr», Ocanlonlmrt^f ßtr. 01 ÖUkas«l0ii4«bfBd Uli Kdmund I.«wjr. Rotmabond dem 1». Aflcaat nachm. 3 Uhr 01*anl«nKnr*«r Str. Ol. Kd man d Lowyi lUiproctlitmn פרהי־־-אבות X«U*a»«hU)1W. Sonntag, don SO.Augrnt Zioniatlad«•* Jagca!v«rcla SU»u1V>»rg-'XUfcni&« Ftthrerfn Uva FranMurtor, Troflpnnkt Ba.bnbof AloxandorpUts, Fombabnstoljj mit Katto Ö. KIbaro naoh ßtrauaborg hrnppfi Mittwoch, *band* fe'/4 TJhr Uoimtmtnaniflin tm öarton der Union •Mo, GraUawalder 8tr. 922 Otuppo der Zlottlaten aaa de«! (Men, Jc10׳n Montag, abda.BUhr Boliaminftrumn >m Et&bllasomont ,.Bolvodoro'*, An tlor Jaunowitibrück« (im Garten) Hobrilnclier KInderrarten Oft« Jablonaklalr« 76, Moutftg« bl« Kroitag von 9-1 Uhr Sonnabend, don 1». Anonat abond• HD Uhr llasair. im Holm Llnienntr. 1711 nprlcht Öher di« Vrtftkonfoioat der UltiehdaOi Rofortmti Gnawer Kliozcir Asehor OKato Willkomm*» Hapoäi-Ilarair joden Mittwoch, abend« 8 Uhr im Hoim, Tdn^natr. 121 HucLeranigah• uitHerer Hlbliolhek * »b«nd« HD Uhr ו Ritzung de« lokalen Waid Wir orsuchon dio Chawerim. 7ai den WaadaiUungen zu oreeboinon. Ibo Wahlen der B. Z. V. für den Dologioctantag finden «taiti Donnor*h»K, Jen 21. Anguait ftrupp© Kord, obonds 8—10 Uhr, in der Jüdiciohon Uomclndo, Koaonetr. 2-4. Freitag, dot! W>. Auguat: Oruppo HttdweathoU• Vororte, nachm. 4—d l'br, in der Wohnung von Herrn San-.Rat Dr. L»8«r*t«ia, Friodonan, KaUoralloo 114. Sonnabend, don 2•». APguati Hapoöl Uaealr, abonda 9H*־־^ Uhr, im Holm, Linipindr. 121. Sonntag, den 27. Anguat: Vorm. 10-1 Uhr im BQro der Z. V. f. D., Js{tohiiuchn Str. 8 (Archiv) Monlag, •!»,n 2W. Anfttiwt: Ornppn Kordweat, abend• 8—10 Uhr, 1» Jieitnurftat 'Iriimpcr, fr־t<m*i>11rRnr Mr. 3. Id1m«tag« den '/י, Aainai! Gruppe Chariottonburg nnd Watt, abonda 10 Uhr, im Sitznngiioal dor Synagoge, Knaaneratr. Mittwoch. 11מיז UO. Augoat: (linppa Süd, naobm. 2—6 Uhr, im Büro dar B Z. V.. SeydcUtr. 3. Mittwooli, don HO. Augunt: Gruppe 0«t, abends 8Uhr, in don Unlon«iUou. Orotfaw»i1׳er Htr. 222. Doaneralar. den Kl, Angn«t; Oruppa Woat, abend« 8—10H Uhr im Kartell JüdlHcber Verbindung•«, Kurtür*ton»br. lfeb Freitag, »Ion I.Soptomber: Nachm 2—6 Uhr, im Büro dar B. Z.V., Scydehtr. 3. Sonntag, don H, September: Oruppo der Z’oniston ans dem Osten, vorm. 10—1 Uhr. im Dohrorvoreinahao«, AJ«xand«ratr.40-4i, Mark ergab. Außerdem ließen die Veranstalter eine Liste licrumgchen, in ditf sich solche Personen cintragcn sollten, die weitere zionistische Informationen an ihren Heimatswlen wünschten. Diese etwa 30 Personen um. fassende Liste enthält Juden aus allen Teilen Deutschlands und einige ausländische Juden. Das Ergebnis der Versammlung sollte unsere Freunde ermutigen, derartige Versammlungen möglichst au allen Orten 7.1t wiederholen. Es stellt sich heraus, daß vielleicht gerade wahrend des Erholungsurlaubs Personen, die im allgemeinen geschäftlich überanstrengt sind, die Zeit finden, sich mit den jüdischen Problemen näher zu beschäftigen. Zionistische Versammlung in Berlin Die Versammlungen der Berliner Zionisten anläßlieh der Mandatsbestätigung 25״ Jahre Zionismus" fin״ den Mittwoch, den 16. d. M,, im Biüthner- und Klinkworth-Scliarwcnka-Saal, Lützowstr. 76, statt. Nach den letzten aus London cingetroffcncn Nachrichten ist, wie wir unmittelbar vor Blattschluß erfahren, das rechtzeitige Eintreffen von Herrn Sokolow zweifelhaft geworden. Die Versammlungen finden jedenfalls statt. Die Ortsgruppe ais Exponent der Oesamtbewegung Von Dr. Robert Wclss (Frankfurt a. M.). Man könnte mit gleichem Recht von der Gesamtfcewegung als Exponent ihrer Ortsgruppen sprechen. Denn Wechselwirkungen sind alle Beziehungen zwischen sozialem Teil und sozialem Ganzen, zwischen den Einzelncn, den letzten Ausläufern einer Bewegung, der breiten Gesamtmasse und den führenden Köpfen. Man weih nkmals, wo die letzten historischen Ursachen für das Entstehe» und Auswirkcn einer Idee in der Welt der Wirklichkeit zu finden sind, mau weiß niemals, ol> cs der Führer war, der das Wort in den Massen cntflaninic» machte, oder ob cs die Nähe der Massen war, die den Tiefen des Führers das erlösende Wort entrang, man weiß ebenso wenig, wo in der Geschichte der ׳'Ortsgruppe ihr Wesen als Exponent der Gesamtbewegung aufhört und ihr Eigensein, ihre Eigenart beginnt. ln diesen Tagen, «La 23 Jahre seit der Eröffnung des ersten zionistischen Kongresses verstrichen sind, werden viele Ortsgruppen ebenfalls auf fünfundzwanzig Arhcitsjahrc zurückbhckcn, auf ihre ersten tastenden Anfänge. So verschieden die Daten des äußerlichen Geschehens in der Wiener, Berliner, Frankfurter Ortsgruppe der zionistischen Gcsniiitbewcgtmg auch sein mögen, ihnen gemeinsam ist jene Veränderung Ihres Wesens und ihrer Struktur, die mit der Wandlung der Art und der Größe ihrer Aufgaben ciniretcn maßte. Von diesem Unterschied zwischen der Ortsgruppe, der Herzizcit und der Gegenwart ist im Nachfolgenden die Rede, wie sich der Rhythmus der Gesamtbewegung im RhyÜumis jeder zionistischen Ortsgruppe widcrspiegeltc, wie vcrschicdc».vtig die Beziehungen zwischen dem Zionismus als Weltbewegung und seinen örtlichen Aus* lä uleni von damals und jetzt geworden sind, EXimals: ein kleines Häuflein verspotteter Idealisten, deren Worte niemand ernst nahm, denen es aber mit ihren Zionismus bitter ernst war, nun Unterschied von heute, ■wo cs bereits salonfähig ist, Zionist zu sein. Damals war noch das Bejahen des Volkes, das Bciahen des Lindes für die meisten ein Neues, ein ganz Neues. Heute übernimmt der Neuzionist ein fertiges Gedaiikengcbäude, Worte, die ehemals aus den Ticten strömten, sind heute durch tausend Masscnversamtn״ hingen zu _ Phrasen, zu Schlngwortet! erstarrt und degradiert. Es ist sclvule, und doch gut,!laß dieser ur• sprüngliche Zionismus, dieser gestammelte Zionismus, nur mehr von den Kindern erlebt werden kann, daß nur für sie noch das Wunder eines sehr weit entfernt en, rätselhaften, mondn achtsschönen 'Landes Paliistina lebt, während für die Erwachsenen Palästina immer mehr und mehr eine Angelegenheit der hohen Politik und nüchterner, wirtschaftlicher Aufbauarbeit ge״ worden ist. Die gesunde Herzische Sentimentalität, die Hcrzlsche Gefühisbctcmtheit strahlte damals bis in die kleinste Gruppe, bis zum einzelnen aus, sic war es, dio aus tuichterocii Kaulieuten jene verspotteten weltfremden Idealisten, unsere ersten Zionisten, formte. Damals ahnte, aber wußte man noch nicht die welthistorische, die gcistcsgcschichtlichc Bedeutung def Jiscliuw Ercz Jisract. Die Masse des jüdischen Volke* lebte in einigermaßen stabilen sozialen und ökonomi* schm Verhältnissen. Palästina war für die breiten Massen noch nicht die ökonomische tmd politische Lebens• Notwendigkeit, die es uns heute ist. Ebensowenig war Ercz Jisracl das geistige Leben des Volkes von Be• dcutunrr. Die moderne hebräische Sprachbewcgiing• keimte noch kaum in ihren ersten Anfängen, die H,!Skala benutzte hauptsächlich noch das Jüdische, den söge* nannten Jargon. Und das Land? Es war noch typischer Orient, Das Morgenland lag im Frieden, das Auge des Europäers schaute von Jahrzehnt zu Jahrzehnt das gleiche, man sprach von Erstarrung des Morgenlandes, weil der Europäer das wesensfremde Leben des Ostens nur von unüberbrückbarer LHstanz aus vvahrnehmen konnte. Entsprechend der damaligen Verfassung des Volkes, seiner Kultur und seines Landes, war das Acuücre des Zionismus ein Konglomerat von Vereinen, Gruppen und Griippchen, Das Gehabe der Leitung war — wenn inan von der 23 Jahre vonvegneirmenden Geste Herzls absah — die Betriebsamkeit cicr Spitze eines sehr großen Vereins, Alles war noch klein, manches kleinlich, aber alles Heutige keimte bereits. Und die zionistische Ortsgruppe? Sie war ejn Verein, ein sehr kleiner Verein, aber es gab weniger, laue Mitläufer als heute. Die Ortsgruppe Destand eigentlich nur aus einigen: aber das war eine geistige Kampfgenossenschaft, damals war noch jeder , aktive Zionist Vorposten, war täglich gezwungen, seine ’ Gedanken und Ueberzeugungen zu revidieren, zu überprüfen, immer und immer wieder bis zu den letzten Voraussetzungen zurückzugchen, um zum Werben für die neuen Ideen gerüstet zu sein. Damals verließ man sich noch nicht auf die zicmistischcn Glanzrejiner, die Agitation ging von Mann zu Mnnir, von Jude zu Jude mit einer Intensität, die die heutige junge Generation kann! mehr hiertür aufbringt, weil sie fast alles fertig übernommen hat, weil ihr Zionismus bis beute kein urursprünglicher, sondern ein abgeleiteter ist, weil nur wenige unter uns auf der Suche nach unserer Argumicutation sind, nach unserem eigenen Stammeln. Def kleine Verein von damals aber hing mit der Gesamt• Bewegung enger zusammen als heute. Auch damal* gab es schon Momente unerlicirter politischer Spannung, die alle zionistischen Landesverbände, alle Ortsgruppen, alle einzelnen zu einer ateniaiihaltcndcn Einheit werden ließ. Aber: ״man kannte sich“ auch so viel mehr als heute. Der Zionismus war eigentlich die Angelegen• beit einer großen geistigen Familie, was, wie alles Familiäre, seine guten und seine schlechten Seiten hat. Der Kongrcßdelegicrlc war noch Sprachrohr seiner heimatlichen Gruppe, noch hatte sich nicht ein Partei״ incclunismus in die Familicnidytlc der Wahl cingedrängt, so Mancher poschcte Zionist, der nicht einmal ein glänzender Redner war, sogar nicht einmal einen Artikel schreiben konnte, ganz einfaches ,,Am haarcz“, was wir aber diesmal mit ״Stille im Lande“ Übersetzer* wollen, die wurden Delegierte, und sie machten ihre Sache besser, waren mit echterer hitlabuth bei ihrer Arbeit als viele unserer Heutigen, die so fein zu reden und 90 fein zu schreiben verstehen. Die Ortsgruppe bildete damals einen Typus des Durchschnittszionisten aus, von dessen nur mehr vereinzelten Vertretern wir alle gelernt haben und fernen. Wie gang anders ist Wesen unct Struktur einer zionistischen Ortsgruppe von heute! Die historische Entwicklung stellte selbst den kleinsten Ausläufer der Weltbewegung vor politische und kulturelle Aufgaben, die uiwiiöglich von einem ״Verein“ durcivgeführt werden konnten. Daß aber die Ortsgruppen in der Hast der letzten Jahrc keine Zeit zum Selbstbesinncn und da״ durch keine Möglichkeit zu einer organischen, von Innen kommenden geistigen und formalen Umwandlung hatte, | ist die Ursache so manchen Zeichens der Stagnation. Das Wesen der Oesamtbewegung hat sich völlig geändert. Massen des jüdischen Volkes irrten und irrert wiiv Land zu Land, die V-olksteile in Rußland, Polen usw. leben in den denkbar drückendsten ökonomischen Verhältnissen, Amerika ist verschlossen, die Einwan• derung nach Palästina ist für viele Zehntausende fast die einzige Möglichkeit geworden, zu produktiver Arbeit zu gelangen. Das ist die Peitsche, die, bewußt oder unbeu ußt, von Führer und Massen, von Gcsamtbc״ wegmg und Ortsgruppen die größtmögliche Krattan״ Spannung erzwingt. Die politische, wirtschaftliche, geistige Judcnnot war ja immer schon der Ausgangspumkt des modernen Zionismus gewesen, noch niemals aber war diese Lösung eines Teils der Judenfrage 00 aktuell, so drängend wie beute. Inzwischen ist die hebräische Sprachbewcgiing eine geistesgcschichtliebe Macht geworden, di« auch im Westen von Tag zu Tag vorrückt, aber nicht mir diese, auch ande־e Unterströimmgcn wachsen an, für Tausende im Osten ist der Zionismus keine politische, keine wirtschaftliche, keine sprachlich-kulturelle Angelegenheit, er ist ihnen eine religiöse Mizwoh. «in Gott gegebenes Gebot» Da*

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