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Jüdische Rundschau · 1922-08-11 · Heft 63 (11.8.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 63 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Nr. 63 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 413 Friscliinann aus den Quellen des Judentums geschöpft hat, t״n dann das Gehn 11 Je der jüdischen Literatur seihst 7« bereichern. Seine Verdienste um sein Volk und um die Sprache sichern ihm die Unsterblichkeit. Gerade in dem Augenblick, in dem wir durch die ftesLitigim״ des Pa!;istin>:H;!!ula!s an die Schwelle des jmlisclvcn Landes getührt u erden, bekLireu wir den Verlust dieser großen nationalen Persönlichkeit. Hierauf spraih Bialik hebräisch. Er erhob Klage Über das Unglück des Judentums, über die Leere und Verwüstung, die um uns Platz greift. Die jüdischen Institutionen, das mülisarn nufgebaute kulturelle Leben in der Ukraine und im Osten sind vernichtet, und mm stehen wir hier urd selicn, wie einer nach dem anderen von der alten Garde daiiinsinkt, ohne daß die Lücken aiisgefiiHt werden könnten. Pdalik charakterisierte Frischnumns Bedeutung in der Literatur, die darin besteht, dal', er zu den Dingen eine unmittelbare schöpferische 15c/ichmvt hatte. VViiiirenil andere ,ü b e r die CcdeuUtiig und die Beöitrir.issc der hebräischen Sprache und Uteratur seitlichen mul bedauerten, daß dieses oder jenes in hebräischer Sprache nicht existierte, ging Friselunmin sofort hin und schuf, was notwendig war. Die Hediirfpisse, die er erkannt hatte, suchte er ■zu erfüllen, nicht 7u beklagen. Frisrhmaiuts charakteristische Note ist seine unvergängliche Jugend. Er hat auch auf ■die hebräische Sprache verjüngend gewirkt. Er war eine Art Kostnetiku:n der hebräischen Literatur. Sein Name und seine Werke werden noch nach Jahren das Symbol der Blüte und Jugendzeit der hebräischen Literatur sein. — Namens der jüngeren Generation, namens der ihm befreundeten־ M'luiitsieHer, namens seiner Schüler sendet Bialik dem .Toten die letzten Grüße nach. Ais nächster Redner spricht Dr. Victor Jacobsohn namens der Zionistischen Organisation. Obwohl f'iischtnaim mit dem offizieilen Zionismus direkt nichts zu tun hatte, so ist doch sein Werk aus dem nationalen Oolst des Judentums entsprungen und hat die Nation belebt, sein Glaube war unser Glaube; die Zionistische Organisation steht trauernd vor dem Grabe dieses je- (li-wl en Kämpfers. Der Zionismus betrachtet es als »׳ine Aufgabe, im jüdische:« Lande Bedingungen für eine freie Enthltun T des Geistes zu schaffen, und cs ist ci;e zionistische Hoffnung, daß dort später jüdische Große erstehen, ciie' mit derselben Kraft für die Renaissaure des Judentums und seiner Sprache arbeiten, wie Eriidminnn cs im Galutft getan hat. Es sprachen noch namens der palästinensischen Schriftsteller Benzion Guttmann und schließlich!3 erg ei sohn. — Hierauf erklangen die iibiiclk'11 Traucrchörc und dann setzte sieb der Zug in Bewegung. Die Jüdische Gemeinde Berlin hatte ein Ehrenbegräbnis ,־mgeordnet. Noch lange Zeit, nachdem der Sarg in die Erde gesenkt war,'standen die Scharen der Trauer• gaste i:1 stummer Trauer vor dem Grabe. Autonomiefragen in Lettland Aus Riga wird uns beriditet: ln der Debatte über den Justizetat in der lettischen Konstituante he-;cl:werte sich der zc'ire-zionistische Abgeordnete Dr. Hcllinann über die Zurücksetzung der Juden, Er »hi!dc;1c die durch den Erlaß des Justizmimsters über den Gebrauch de! M in ■0 r i t ä t s s p r a ch c n entstandenen Zustände wie folgt: ״Männer, die im Dienste der Redi.sprccliung ergraut sind, sind durch die Anwcnctmg dieses Erlasses gezwungen, entweder dem An- 'vahbeiufe, den sic Jahre hindurch mit Eiire und Würde hikli'.Met haben, zu entsagen, oder aber stell zu Karrika.u en liciabvvürcKgcn• zu lassen, indem sic ihre Reden auisihrcibcn lassen und bei der Gerichtsverhandlung mcdianisch ablescn. Noch schlimmer stellt es mit der Beschränkung der Sprachenfreiheit der Parteien. Ein zweiter Punkt ist <Lle Frage der Immobilien- Übertragung. Seit JnJir und Tag wird die Korrobolierung von Immobilien verweigert, wenn der Käufer Jede ist. Ith glaube nicht, daß das Heil Lettlands in der Anwendung der zaristischen Praxis liegen kann,“ Der Justi ׳.mirJäter an lwortctc, seine Mhioritälcnverordnun״ sei völlig gesetzlich, und bei der Immobilien- Verweigerung handle es sich um Schieber, die bei den Juden besonders häufig Vorkommen. Darauf replizierte der Abgeordnete Hellmann mit einer großen Anklage- I rede gegen die Regierung. Er sagte: .,Das Kabinett hat keinerlei Schritte unternommen, um bei den Koaütr.iusparteicn des hohen Hauses für mnere nntiirlidhen Ri'ihic ciu/ulreten. So ist cs gekommen, daß, trotz nllrr Versprechungen und IMdarationzn, die Möglichk v it c n f ii r ein v öfkischcs Eigenleben der Al i n o r i t ii t e n v ö I k e r des Laude! durch unser Parl.'um'nt in keinerlei Weise rechtlich gesichert und fundiert wurden. Von c'ncr Verankerung dieser Rechte in unserer, wenn auch fragmentarischen, Verfassung scheint gegenwärtig überhaupt keine Rede mehr sein zu können. Selbst die Sprachen frage blieb voüstän- <ljg ungelöst. Sic hat sogar eine Verschärfung erfahren. Ebenso ist im grollen und ganzen das Gesetz über das Bürgerrecht so reaktionär geblieben, wie cs vom Volksrat sanktioniert wurde, und Tausende von jahrelang im Lande ansässigen Ein!volmcrn sind nach wie vor nur deshalb, weil sie Juden sind und in der Zarenzeit rechtlos waren, der Möglichkeit beraubt, sich n!s Söhne unseres Staates zu betrachten. Am schärfsten und unerträglichsten sicht die Frage der in Räteruß-!and in unbeschreiblichem Elend zurückgebliebenen Flüchtlinge, die selbst auf Grund unseres Gesetzes n!s IcttlämlLidtc Vollbürger zu gelten lüitten. Der einzige Grund einer solchen ungerechten Behinderung ihrer Recvnkuienmg Rann auch hier nur in dem Umstand liegen, daß diese Flüchtlinge nicht dem Majoritätsvolke des Landes zuzuzählcn sind. I;h habe bereits kürzlich auf die ungesetzliche Tatsuche hingcwicsen, daß auf den Namen von Juden keine Immobilien karroboriert werden. Der Herr Justizminister erlaubte sich daraufhin zu behaupten, daß dieses deshalb geschehe, weil unter Juden sich viele Schieber befinden. Ich könnte dem hohen Hause mit einer ganze״ Liste von Namen dienen, denen die Korroboricnui״ versagt blieb, obgleich sie, wie mir irgendjemand im Lande, so fern jeglichem Schicberfuni stehen. Ueberlumpt sollten wir zum allerwenigsten von einem verantwörtlichen Minister derartige unbewiesene und unbeweidiare, breite Volksmasseu licfvcrlctzcnde Belianptungen hier im holten Hause zu hören bekommen. Die größten Ku'.turstaatcn Europas, letzthin besonders Deutschland, haben die verderblichen und demoralisicrctidcn Wirkungen des Antisemitismus am eipenen Leihe erfahren müssen. Die kleineren Neustaateu sollten darin ein warnendes Zeichen erblicken.*‘ Pressestimmen ״Jcwish Chronicle“ vom 4. August schreibt: .,Die Bestätigung des Mandats war ein großer Triumph für den jüdischen Nationalismus u:!!d wäre ein vollständiger gewesen, wäre nicht die Erklärung Churchi'ls dazu getreten. Die verbleibende Zerit könnte von großem Nutzen sein, wenn sie von allen zur Uchcriegung verwandt wird. Die einen sollen cinschcn, was sic bis jetzt noch nicht erkennen, welch ungeheuren Eortsdiritt für die jüdische Sache die Erledigung des Mandats bc- Beulet. Die änderet!, die bisher für die Tatsache blind zu sein schienen, mögen dazu kommen, die schädliche Wirkling der Qmrcliili-Erldäriing zu begreifen, die nicht so sehr in der Interpretation seihst bestellt, sondern in der Zustimmung, die Mr. Churchill durch die bekannte von uns nicht näher zu charakterisierende Methode von der Exekutive der Zionistischen Organisation zu erreichen vermocht hat , . , Allenthalben scheint die Meinung zu bestehen, daß, so unglücklich auch die Handlungsweise der Exekutive war, sie doch nicht unvcrbcsserbarist. Die Zionistische Organisation wird während der Fcrienpaurc Zeit haben, die besten Mittel zu überlegen zur Wieder- Herstellung ihrer moralischen Position, die so ernstlich beeinträchtigt worden ist.“ Auch das Organ der belgischen Zionisten■, ״Hatikivali“ und das Organ uer holl,indischen Zionisten, ״Joodsche Wächter“ verurteilen heftig die Zusliiiiiniuijg der Exekutive zu Churchills Weißbuch und {ordern einen Widerruf dieser Erklärung und eine Wiederaufrichtttng der allen Ideologie des politischen Zionismus. Der Vorsitzende der holländischen Föderation, Professor Orn stein, veröffentlicht im ״Jcwish Chronic'c“ einen Brief, der in extremster Weise die durch das Weißbuch gegebene politische Situation kritisiert und die Einberulang eines Zkmistcnkongrcsses fordert, der erklären müßte, wir härten kein Interesse an der Einsetzung einer Jeivisli Agency zur Hilfe an der Entwicklung eines englisch-arabischen■ Pa'ästinn, Onistcin fordert den Rückirilt der zionistischen Leitung. In der letzten Nummer der jetzt in Berlin erscheinenden jiddischen Monatsschrift ״Die Tribüne“ fordert I. Schcchlmann die Einschränkung der kulturellen Tätigheit der Zionistischen Organisation und Verringerung des palästinensischen Sclmlbudgcts. Der Artikel vertritt den Standpunkt, daß der JBiiimv selbst sein Schulwesen i'mnn/icmi soll, allerdings vermag er die verschiedenen Einwendungen, mit denen er sieh auseinandersetzt, nicht zu entkräften. Beeinträchtigt wird die Sachlichkeit des Artikels durch demagogische Austä'lc wie z. B. eine völlig unsinnige Charakteristik des Adiadha,׳unismus. — J. K 1 inow wirft einen Rückblick auf die'25 Jahre Zionismus und fordert, daß nidit mehr der Schekel zum Wahlrecht berechtigen soll, sondern nur die Legitimation aktiver Mitarbeit in der Zionistischen Organisation. Das Heft bringt ferner ei״e UdierSetzung der Kritik der zionistisehen Finanz|x>!i1ik von Heinrich Margulies. — H indes beschäftigt sich mit den Vorschlägen für eine Kolonisation in Mexiko und kommt zu dem Resultat, daß wir uns vor einem neuen Uganda-Ideal hüten müssen, denn das einzige Lind, das für die Kolonisation in Frage kommt, ist Palästina. — Dazu bringt das Heft einen Artikel von Israel Za ng will, der das Mexiko-Projekt bespricht und erklärt, diß der Plan genau geprüft werde,n müssr, bevor man darüber entscheidet. — Das Heft ist auch sonst noch sehr reichhaltig. Fragen des Delcgiedcntages IV. Die verbreiterte Opposition ) Von Heinrich Margulies. Noch vor kurzer Zeit konnte Hugo Schichtet in in einem Aufsatz in der ״J. R.“ seine Zweifel darüber äußern, ob cs wirklich möglich' sein würde, die ver• schicdenen Richtungen in der Opposition zu einem ein• heitliclicn Zusammengehen unter einen Hut zu bringen. Nim, diese Bemühungen haben inzwischen ein derartiges positives Ergebnis gezeitigt, daß cs nunmehr notwendig erscheint, die deutschen Zionisten, die es doch schließlich angellt, darüber zu informieren. Es ist dies utnso wich« tiger, als die vereinigten Gruppen ja unter der Dezeichnting ״Unabhängige Koalit'.onsgntppc“ in Berlin eine eigene Wahlliste aufgestellt haben, so daß der Dele• giertentag bereits mit dieser Neuerscheinung zu rechnen haben wird. Um chronologisch zu verfahren, muß berichtet werden, daß vor einigen Wochen Neli.unia de Lieme auf Einladung eines Berliner Kreises, der bereits über den Binjan Haare! hinausging, mehrere Tag? in Berlin zubrachte, 11n־i in einer Rehe von ganz internen Be• spreclumgen diejenigen Aufklärungen und Informationen über die ganzen Vorgänge in Amerika, im Haag, in Palästina tisvv. gab, welche von den interessiert■.׳!« und nicht ״offizielle:«“ Zionisten bis dahin schmerzlich vermißt worden waren. Während dieser Tage fand mich ein 1 Vortrag de Licmcs vor geladenen Gästen statt, und hierbei zeigte sich besonders deutlich, daß der Kreis der sogenannten Oppositionellen bereits ganz erhebliche Gruppen außerhalb des Binjan umfaßte. (Auch Wl. Temkin vom russischen Mcrkas saß am Vorstandstiscl«.) Ueber all diese Besprechungen und Veranstaltungen wurden seitens der beteiligten Kreise damals keinerlei Notizen in die Presse gebracht — es sollte jedes Auf. sehen und jedes Aufbnuschen vermieden werden —, und statt dessen versucht werden, diejenige Plattform zu finden, auf welcher sich die verschiedenen Gruppen nunmehr zu einer wirklich positiven Betätigung würden ziis.mimenliinlcti können. Die jetzt zustande gekommene Liste der K1wiliti0ns״riippe ist vorläufig der erst: bereits äußerlich sichtbare Ausdruck der damals cingeleilcten Bemühungen. Schon dieser vorläufige Ausdruck erscheint mir in jedem Talle zumindest ein Fortschritt von allge* meiner Bedeutung zu sein. Haben wir doch endlich wieder erreicht, diß der Binjan Haarez sich zur Mitarbeit mit anderen Gruppen innerhalb der Partei — und daß umgekehrt auch andere Gruppen sie!« bereit erklärt haben, mit dem Binjan zusammen zu arbeiten. Ein trcffliclies Vorzeichen füjr den Dclegicrtcntag — wenn es dort in gleichem Maße gelingen wird, alle die T*•*׳ Aüa..L.ui.'.wa erlineü־ Zlosiästisciie Vereinigung Mittwoch, den 16. August 1922, 8 Uhr abends, Blüthner-Saal, Lützowstr. 76 Anläßlich der VÖlkcrbundsenisdicidung über Palästina: Am ffeniliGS&eiüundöebung הוי $ % Redner: Nahum S0k0!0Wa Präsident der Zionistischen Exekutive; Dr. Sciimarja Lewin. ' Ferner werden sprechen: Felix Rosonblttth, Dr. Arthur Hantke u. 0. ParalldveriammUni} Da bereits die Bidets für diese Versammlung ausvorkauft sind, findet Im KHndworth»Scharwenka• Saal im salben Hause mH den Bleichen Rednern und zur selben Zeit eine Parallelversammlung statt, zu welcher noch Blllets an den unten׳.onannfon Kassen zu haben sind. Eintrittskarten zum Preise von M. 5, 10, 20, SO, 50 zuzüglich 10% Aufschlag für den J.N. F. in den zionistischen Büros Seydelstr. 3' Sächsisch© Str. 8, hei Wertheim und Boto & Bock, sowie in den Buchhandlungen Ewer, Kncschcckstr. 41-55 und Flensburger Str. und 3G,

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