Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1922)
- Date
- 1922-08-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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! V Seite 398 erwartete uns, wenn der uneingeschränkte Macht- 11 aber sich von dieser Müdigkeit erholte? War «$ wirklich nur seine ״Müdigkeit“, die die Juden vor einer .Wiederholung der armenischen und syrischen Praxis in Palästina gerettet hatte? Haben nicht vielmehr die entsprechenden Weisungen von .Talaat Pascha und Interventionen der deutschen Behörden gewirkt? Und was wäre cingetrctcn, wenn Djernal sich doch entschlossen hätte, sich ■über diese Weisungen und Interventionen hinweg- 2usetzen, oder wenn das Intrigenspiel gelungen wäre und er Talaat verdrängt hätte? Allgemein gesagt: nun ersten Male ist die Möglichkeit einer Anwendung der armenischen Methoden auch in unserem Falle näher gebracht worden und die Tatsache allein, daß diese An- Wendung dieses Mal ausgeblieben ist, konnte nicht von der Verpflichtung belreicn, die aufgekommenen Zweifel mit allem Ernst in das politisclie Kalkül liineinzubringen. Man mußte sich sagen, daß bei einer auch mir leisesten Möglichkeit einer solchen politischen und administrativen Praxis die Theorie des reinen ״Asiatismus“ — in ihrer Einflußnahme auf unsere Haltung zürn mindesten einer sehr gründlichen Revision und einschneidenden Korrekturen unterworfen werden müßte, wenn auch der dauernde Wert der asiatischen Theorie an und für sich dadurch unberührt bliebe. Alle Illusionen hat Djernal Pascha unbarmheftig und für immer zerstört, noch bevor die gänzlich von unserem Wollen unabhängigen .Veränderungen im politischen Gesamtbild jeder Erärtcruug der Frage im früheren Sinne den realpolitischen Boden entzogen haben. Der Krieg hat der allgemein orientalischen oder der asiatischen Orientierung —- eine Orientierang nach dem ״Nahen Orient“ substituiert, und das alte Problem in neuem Licht erscheinen lassen. Es wurde die Frage nach der Kooperation der Armenier, Araber und Juden in den Vordergrund gestellt. Es liegt natürlich kein Grund vor das türkische Element aus dieser Kombination, die vorläufig nur rein theorcliseber Natur sein konnte, auszuschlicßcn. Auch mit den besseren tückischen Nationalisten, für welche ein Djernal als Prototyp rieht betrachtet werden darf, dürfte eine Vcrständigung möglich sein. ׳ :! Für die Djemalistische Politik der Vcrdrängung, Eliminierung oder Ausrottung, in besserem Fall der Knebelung und Unterjochung der anderen ethnischen Elemente darf im Nahen Orient kein Platz mehr sein. Weder mit Galgen und Dcportationen, noch mit gewaltsamer Proklamiening eines über allen anderen Elementen stehenden ״dominierenden“ ITcrrschcrvoikcs kann solche Politilc realisiert werden. Das Mandat über Palästina, das dem jüdischen Volke das Recht auf Schaffung seiner nationalen Heimstätte oktroyiert und die Realisierung dieses Zieles zu sichern bemien ist, gibt den Juden die Möglichkeit — und stellt sie vor die Pflicht — fji dem neuen Gemeinwesen einen Kristallisationskern für Annäherung und Zusammenfassung s!i111tlieber ethnischer Elemente des Nahen Orients, der Araber und der Armenier, der Juden, der Griechen und der Türken, mitzuschaffen. Auch ■ die Gcschicke Konstantinopels können bei dieser Ein- Stellung nicht gleichgültig sein. ... Auf diesen Stätten der alten mittelländischen Kulhir, wo Orient und Okzident sich gegenseitig befruchtend die Grundlagen der GesamtkuUnr der letzten zwanzig Jahrhunderte bestimmt hatten, soll wiederum ein höheres intensives Leben entstellen. Ein neuer geistiger und wirtschaftlicher Völkerorganismus wird dadurch notwendigerweise emporkommen. Für die in neuer Renaissance sich entwickelnde reue jüdisch-palästinensische Kultur kann kein größerer Ehrgeiz sein, als in diesem Prozeß befruchtend und richtunggebend mitzuwirken. J. Sakowitsch. JUED 13CHE RUNDSCHAU Starker Rückgang der Spenden für den IC KL. im ersten Halbjahr 1922. - Kundgebuitg der Convention« von Philadelphia und Ottawa für den KKL — Die Tischri- Aktion. Die Spendet!summen dc5 KKL. waren von 1902, dem ersten Jahres seines Bestandes, bis 1920 stetig, von £ 12,000 bis auf £ 152.000, gestiegen. Das Jahr» 1921 brachte zum ersten Mal einen Rückgang und zwar auf £ 120.000. Es bestand die Hoffnung, daß dies nur eine vorübergehende Erscheinung sei, Jedoch die Ergebnisse des I, Semesters 1022 zeigen einen weiteren Rückgang, und zwar im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres von £ 61,400 auf £ 36,700, also um nicht weniger als 40 0/0. Die nachstehende Tabelle, welche die dem Hauptbüro abgefiihrten Spendensummen in Pfund Sterling sowohl für das I. Scmester 1922 (wie für das des Vorjahres) anführt, zeigt, daß an diesem Rückgang fast alte Länder beteiligt sind. 1022 I.Sem. 1921 Ver. Staaten ■wem 6.746 7.647 En^lsiui )•uMtaamf 5.166 5.232 Mesopotamien 4.605 10.140 Tschechoslowakei 2.5(17 1.359 Erez JIsrael ,. 2.341 1.629 Polen **»•■ >1 1.822 2.278 Attisl ז al icn ■ ^•**■1 1.453 1.428 Deutschland 1.240 3.572 ״.״«״.., Ostgalizicn 820 1023 ־ Südafrika ■•»**».:*x«*.■ 771 12 1 Iollarid ■*!■•■ 6:8 784 Italien 615 854 T Kanada 612 •191 »״״.מ., Argentinien 5S2 2.211 Eisass-Lotitri'igen »״, 542 704f China *. r.-!.״- 500 2.393 Ikssarabien ״m., 423 536 \ Ncu-Secland ,.«au 281 1.902 Oslsibiiicil ,. 351 25 Belgien ». 348 £05 Straits fc'tl. ,.*״ ״״ 318 1.410 Westgalkien ,. «.»״« 299 400 Aegypten t ■ס■!«■!■ 296 166 Gricchcnlrnd ....,., 275 303 Oesterreich *.נ«"-**«* 275 1.559 ־ Schweiz ««sa:«x-1»*MvK<31 275 434 rtirxet׳ raw«.•«*4«<»• א«*י 235 54 Li aucn-Kowno ,.•«., 22J 999 ■Lettland r* 4 «•!וו•*׳c•■ 217 439 Lltauc1>Wilna 1י 2 8 53 Bu .OWl.ia r •ir•■«•■»* 0 ,93!,״ 597 TransyH’äiiicn ',.L■‘ 197 י,’ 559 ' ־ Tu ns 1,a,, . 191 ־ ־ 21 ..... Estland ■•jutas״■*•■*»:! 133 293 Indien »* 112 635 Ju'oslavicn!•,»«•?•iMi 111 1.460 Chile «•«. •« HO — Japan «•■■,au»**•****»*■ 106 V 44 Smyrna,. 1C6 — weie;e Länder 304 6.881 Summa £ 35.725 £ 61.434 Nr. 8! ן nen Zie'e ln beständig wachsendem Ausmaß mit Bt. 1 stimnttiieil erwartet. (l Gleich darauf hat die Zionistische Organisation vc,1 I| Kanada auf ihrer IS. Konvention, die vom 2. f| 4. Juli ü! Ottawa tagte, ausgesprochen: ' || ״Die Erlösung des Bodens von Erez-Israd stellt ü§ eine der ersten und wesentlichsten Aufgaben dar, d;{ ,I erfüllt werden müssen, um den Aufbau des jüdischen 4 Naiionaliieims zu scrwirklieltcn. Unbeschadet der Nv, Wendigkeit, für den Kcrcu Hajcssod alle Kräfte auf. |t zubicicn, können und müssen bei guter Organisten«' . und methodischer Arbeit genug Mitarbeiter und Mittel für den KKL. gefunden werden," If Von beiden Tagungen wurde ein« Reihe von Aut• |§ fülltungdicschlftssen gefaßt, um diesen Grundsätzen Q,;. tung zu verschaffen, ltn Hinblick auf die Leistungen gerade der Vereinigten Staaten und Kanadas für da Keren Hajcssod und andere jüdische Aktionen läßt siel! dort auch ein Umschwung bezüglich des Sammekrtragc! zugunsten des KKL. erhoffen. Wie verlautet, werden in der nächsten Zeit ein« Reihe weiterer Tagungen dem Beispiel Nordamerikas folgen. Die Organisation des KKL. selbst Ist intakt geblieben und bestrebt, durch verdoppelte Anstrengungen den Rück• gang des I. Semesters wettzumachen. Zu diesem Behuf« hat das Hauptbüro unter anderem den neuen Palästina• film, welcher die Errungenschaften des KKL für den Aufbau Erez-Israels In packelten Bildern vorführt, ia den Dienst der Propaganda gestellt, Dieser Film hat bereits in der Tschechoslowakei und in Deutschland gute Wirkung geübt. Für die Holten Feiertage im Tischri, welche stets der Höhepunkt der Werk• arbeit für den KKL waren, ist in allen Ländern eine große Aktion im Zuge, insbesondere wird die Orgaaisierung der N cu j a 11 rs A b lös un g s-SjW nden zu Rösch- Hascltaanah, der Spenden beim Thoraaufruf in den Synagogen und der Kaaroch-SpcnJcn zu Jom Kippur durchgclührt. Alle diese Anstrengungen müssen aber vergebens bleiben, wenn nicht die ganze Zionistische Organisation und das gesamte Judentum sich auf• raffen und diese Aktion tatkräftigst fördern. Nur dana kann sich das Jahresergebnis 1922 befriedigend geslalten und es dem KKL ermöglichen, daß er seiner hohen Aufgabe als Instrument der jüdischen Boden• politik gerecht wind. N Die rassische Einwanderung nach Amerika Washington, (J.C.B.) Das State Dopartcthcnt gibt bekannt, daß in Polen befindliche russisehe Bürger noch in d'tcsem Jahre nach den Vcreinigten Staaten eimvaudern können; sie ntiis'cii nicht mehr £in_ Jahr lang in Polen warten. Line gleiche ,Weisung ist an die aniciikanischen Konsulate in Polen ergangen, da Nachrichten aus Polen zufolge, den russisehen Bürgern von Seiten der amerikanischen Konsulate diesbezügliche Schwierigkeiten gemacht wurden. Ferner wird bekannt, daß Präsident Harding den Beschluß des Kongresse» zur Ernennung eines bc?o;1• deren Hilfssekretärs in Ulis Island genehmigt hat. Diesen Gehilfen fa h die Entgegennahme und Erledigung von Dcschwciden und Eingaben zurückgehaltencr' Einmilderer zu. Für den ' außerordentlichen Spendenrückgang lassen sich verschiedene Gründe anführen. Die Valuta ent Wertung hat ln fast allen Gc■ bleleu Zentral- und Osteuropas weitere rapide Fort• schritte gemacht, so daß autlt große Spendcnsteigcrungai in Landeswährung bet Umrechnung in Pfund eia Minus ergeben. Die Juden in den Ländern mit guter Valuta wiederum waren von großzügigen Sammlungen für verschiede גו e V/ohlfahrlszweckc bcanrpaicht. Auch die neue Organisation des Keren Hajcssod, die zur Deckung der laufenden Bedürfnisse Erez Israels alle Kraft aulbielcu mußte, hat einen Großteil der jüdisc’teii Energien an sich gefesselt. Dabei bestand in der Ocffentllch'ceit keine Klarheit darüber, daß der Kerenn llajcstxid nicht in der Lage war, die gebührenden 20<y« seiner Reineinnahmen dem KKL abzuführen und daß dieser daher auf seine eigene Anstrengung angewiesen ist, um die für den Bodenkauf nötigen Mittet aufm• bringen. Alle diese Gründe zusammengefaßt, läßt,sich doch nicht verkennen, daß die Jiidcnschaft vor allein der valutastarken Länder ihrer Verpflichtung gegenüber dem Natkmallonds jn ganz ungenügender ,Weise nachgckontmcn ist. ׳ Gegen die Gefahr, daß die zentrale Idee der ״Qculath Haarcz“ verdunkelt werde, macht sich aber schon ailenthalbe״ eine erfreuliche Reaktion geltend. Die größte zionistische Landetorgar.i.a ' n, die der Vereinigten Staaten von Nord amerika hat sich als erste auf ihre Pflicht gegenüber dem KKL besonnen.־ Bei ihrer 25. Konvention, welche vom 25. bis 27. Juni■ in Philadelphia tagte, wurden einhellig folgende bedeutsamen Beschlüsse gefaßt:! ״Die Konvention entbietet dem KKL zu seinem 20 jiihiigcn Jubiläum licrzUdistcu Glückwunsch. Gcschaffen und gefördert von der zionistischen Bewegung, ■ist der KKL. m einem Pfeiler ihrer Kraft geworden. , Seine glänzende״ Leistungen in Palästina und die ■ Größe seiner Aufgaben haben den KKL. zu einem machtvollen und 1111 en:U';dielten Faktor beim Aufbau des jüdischen Heimatlandes gemacht. Er ist für •. immerdar ztua Ecks׳,cl» tl« zionistischen, Bauwerkes geworden. Die Zionistische Organisation verbürgt neuerdings dein KKL. ihre vollste Unterstützung, In* dem sie die erfolgreiche Verwirklichung seiner eritabe- Svcz-XqyuX Neue' Bodcnkäafc ׳ Die palästinensische 'Abteilung des Jüdischen Na• tkmalfonds führt gegenwärtig Verhandlungen über den Ankauf großer Bodenstrecken in Palästina für Rechnung des Fonds. (J• C. B.) Dividende der Palästlae Land Development Co. Jerusalem (J. C. B.,. Die Jahresversammlung der Palestiue Land Development Go. beschloß, eine 6י/»-Di• vldcnd e für das abgelaufene Jahr zur Verteilung zu bringen. Ferner wurde beschlossen, 10°/0 der Gesamt• dividcude dem Jüdischen National-Fond» zukoinmai zu lassen. Pläne fSr den Ausbau der palästinensischen Häfei Jerusalem (J.C.B.). Die palästinensische Regierung hat den bekannten englischen Ingenieur Palmer beauftragt, Pläne für den Ausbau der Häfen in Haifa und in Jaffa auszuarbeiten. Die Kleinindustrie in Palästina Der Bericht der Handclsabtcüiutg der zionistischen Exekutive in Palästina an die nach Karlsbad cinbe• rufciic Jahreskonfcrenz sclilägt der Zionistischen Organi• satkm vor, 10000 bis 20 000 £ für die Förderung der Klein!ndustrio ki Palästina zu bewilliget• Der Vorschlag winl damit begründet, daß ohne eine aus• reichende Förderung jüdische Unternehmungen zugrunde gehen müßten, (j. C. B.) Kcrcn-Hajcssod-Propagacda ia Palästina Jerusalem (J. C. B.). Der Vaad Leuini hat an all* jüdischen Gemeinden in Palästina ein Zirku'.arschrcibett versandt, in welchem die Gmeindcn aufgefordert werden, die Werbetätigkeit zugunsten des Keren Hajcssod ohne Verzug cinzuleitcn. Die jüdische Emmigration nach Palästina London (J. C. B.). Das Colonial OffW gibt bekannt, daß während des Monats Juni 474 jüdische Immigranten in Palästina clnge* troffen sind. Dienstverweigerung am Sabbath Jerusalem (J. C, >B.). Ein jüdischer Angehörige» der palästinensischen Gendarmerie wurde mit '23 Tagen Gefängnis bestraft, weil er sich geweigert KA am S on nabend Dienst zu tun. , Bekanntlich wurde zur Zeit der Gründling der Gendarmerie mit dem Ober׳ rabhinat Palästinas vereinbart, die jüdischen Angehörigen der Gendarmerie am Sabbath vom Dienst zu befreien. Palästina für die Ukraine. Der Waad Leumi hat die jüdische Hilfsorganisation beauftragt, eine Kinde»* kiiehe iü 200 jüdische Waisen in der Ukraine einzu■ richten. Ma Be