Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1922)
- Date
- 1922-07-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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/{ Nr. 5s JUEDISCHE RUNDSCHAÜ Sefte 377 « Unsere Aufgaben nach der alsä rer« as : u- :ind!en, mß den Ziel 5SCden :cn,• uns itirj ich en, icn,1 ade de,! irb- •0(1׳ laran( )110 ri t» perden 1mg .־hcn a! e idle i lubt tion kein rist* ähli! Srt. hat* Wir jleti jiiitet. als den eincs :ine wie eile, aifa dir, unS ■die von und «ß und und uni- 10s, i«, von de- Ügc an״ gen üg־ mg Das Mandat ist (genehmigt. Wir befinden uns ju einer neuen Situation. Es gilt, Klarheit über unser«: Aufgaben zu gewinnen und über den Weg, den wir jetzt gehen müssen. Die Zionistische Organisation stellt in diesem Augenblick nicht in der imponierenden Geschlossenheit da, die der Augenblick erheischt. Die Oppo- 5ition ist vielleicht zahlenmäßig nur ein vcrschwindciiilcr Bruchteil der Organisation; aber sic ist vorhanden und ihr Widerstand lähmt den Elan unserer Arbeit. Deshalb erscheint uns Wie der 11 er- Stellung der Einigkeit in der Zionistisehen Bewegt! n g als unsere nächste und dringliebste Aufgabe. Die bevorstehende Tagung der jahreskonferenz wird sich mit dieser Frage bcschäftigen müssen. Vielleicht werden die Verbandhingen, die in Amerika mit der Brandeis-Gruppe angebahnt werden sollen, bereits einen Anfang zur Verständigung bedeuten. Die Grundlage für eine derartige Verständigung zu finden, wird schwer, aber darf nicht unmöglich sein, ln der Frage: Keren Hajes sod oder Privatinitiative liegt noch immer das Kernproblem, an dem sich die öei'fcr scheiden. Und doch scheint es uns, als wenn hier eine Verständigung möglich wäre. Man muß nur den Glauben an die Ehrlichkeit, des andcren haben; man muß uns glauben, wenn wir erklären, nicht nur keine Gegner der Privatinitiative nt sein, sondern auch ihre Förderung für notwendig zu hallen, wobei für uns die primäre Forderung des Keren Hajessod außer Frage bleibt, und cs sollte möglich sein, daß auch von der anderen Seite durch Taten bewiesen wird, daß man diese Notwendigkeit des Keren Hajessod erkannt hat. Alle anderen Fragen sind nicht von der Bedeutung, daß sie eine gemeinsame Arbeit unmöglich machen, insbesondere werden persönliche Gegensätze, wie sie sich In! Zusammenhang mit sachlichen Mcinurigsverscliicdcnheiten fast stets cinzustellcn pflegen, im heutigen Augenblick keine Rolle spielen können. In der Anerkennung der ziclbcwußlen und erfo grd eben politischen Arbeit, die Weizmann und So ko low getestet haben, wird in der Zionistischen Organisatnn Einigkeit bestehen. Wir sind vom heutigen Tage an nicht mir Zionistische Organisation, sondern Jewish Agency. Wir müssen einig sein! Die wichtigste Aufgabe der geeinten Zionistisehen Organisation, die nicht nur dem Artikel 4 des Mandats, sondern auch unseren eigenen Wünsehen und Tendenzen entspricht, muß cs jetzt sein, die nie h (zionistische Juden heit zur Mitarbeit am Aufbau der jüdischen H c i m a t a u f z 11 r 111 e 11 und 11 e r a n 7. u z i e h c 11. Die Frage, in welcher Form das zu geschehen hat, ist bisher nur im engen Kreise besprochen worden und wird erst auf der Jahreskonferenz zu einer Beschlußfassung führen. Es sind viele Wege vorgeschlagen worden, aber mag man nun den jiidi sehen Weltkongreß vorberciten wollen, mag man zunächst mit den großen jüdischen Organisationen eine gemeinsame Konferenz abhaltcn oder mag sich ein dritter Weg als der geeignetste herausstellen: jedenfalls haben wir heute die Aufgabe den Juden in aller Welt klar zu machen, was geschehen ist, sie auf das Vertrauen hinz.uwcisen, das der Vöikcrbundr.rat zu uns gehabt hat und sie an die kategorische Verpflichtung zu mahnen, die sie in diesem Augenolick haben. Das jüdische Volk darf jetzt nicht versagen, da es sich vor großen und Wahrscheinlich nie wicdcrkchrcnden Möglichkeit sicht. Es muß erreicht werden, daß in allen den Kreisen und Organisationen, wo noch Verantwortungsgefühl und Liebe zum Judentum vorhanden ist, heute ein starker Wille entsteht, am Aufbau Palästinas mit uns gemeinsam zu arbeiten. Die Zionistische Organisation hat große politische Erfolge zu verzeichnen gehabt; sic hat gearbeitet für das jüdische Volk, sie kann verlangen, heute beim Beginn der Aufbauarbeit nicht allein gelassen zu Werden. Mit der Genehmigung des Mandates ist die politische Arbeit nicht beendet. Auch weiterhin wird cs nötig sein, ständige Verbindungen mit der Regierung in London aufrechtzuerhalten. Aber fine andere politische Frage von eminenter Wichfigkeit tritt jetzt in den Vordergrund. Unser Verhältnis zu den Arabern ist ein überaus ernstes. Bis zur letzten Minute hat die arabische Delegation versucht, zuerst bei der englischen Re- ■ gierung die Aufhebung der Balfour-Erklärung, dann keim Völkerbundsrat die Nichtbestätigung des Mandates zu erreichen. Die Erklärung der britischen ,Regierung über ihre Politik in Palästina, mit der die Zionistische Organisation sich einverstanden erklärte, bat gezeigt, daß man. den arabischen td^!־ Wünschen weit entgegenzukommen bereit ist. Nunmehr sind die provisorischen Verhältnisse, die seit der britischen Okkupation Palästinas geherrscht aben, beendet, und wir haben endlich ein Definitivum erreicht. Die Araber haben in den letzten Jahren bewiesen, daß sic eines eigenen politischen Willens fällig sind, und daß sic imstande sind, wirksame Politik zu führen. Sie werden jetzt zu zeigen liahcn, daß sie die schwerste politische Kunst verstehen, nämlich mit Realitäten zu rechnen. Es kann sich nicht mehr um Aufhebung der Baifour-Erklärung handeln; Balfour-Erklanmg und Mandat sind unabänderliche Größen geworden, mit denen der ernsthafte arabische Politiker ebenso rechnen muß, wie der jüdische. Jetzt ist es notwendig, auf dem Boden der gegebenen Tatsachen, zu einer Einigung zu gelangen. Keine wichtigere Aufgabe stellt der Zionistischen Organisation bevor als die ״systematische Arbeit an einer Besserung der j üdi sch •ara bi sehen Beziehungen. Wir haben in Kongreß-Resolutionen und bei anderer Gelegenheit häufig genug zum Ausdruck gebracht, daß wir Frieden und Freundschaft mit dem arabisehen Volke wünschen. Wir haben unserer Ueber* zeugung Ausdruck gegeben, daß unsere Aufbautätigkeit in Palästina, weit davon entfernt die Araher schädigen oder gar verdrängen zu wollen, vielmehr geeignet ist, die materielle und kulturelle Entwicklung der Araber 7.u fördern. Und wir haben häufig genug unserem Wunsche nach ehrlicher gemeinsamer Arbeit Ausdruck gegeben. Jetzt wird es notwendig sein, die Kenntnis dieser unserer Vorstellungen von jüdisch-arabischer Arbeit dem arabischen Volke kund zu tun und so langsam jene Verständigung anzubahnen, ohne die eine gedeihliehe Entwicklung Palästinas nicht gedacht werden kann. Wir hoffen, daß in allen Tejlcn der Zionistischen Organisation dies erkannt und in diesem. Sinne gehandelt wird. So richten sich in diesem Augenblick unsere Augen wieder auf Erez-IsracI, auf das Land, an dessen Entwicklung wir nunmehr nicht nur kraft historischen Rechts und kraft eigenen Willens, sondern auch kraft völkerrechtlich anerkannter Be- Stimmungen Anteil zu nehmen haben. Die Zionistischc Organisation muß in alter imponierender Geschlossenheit das jüdische Volk mit sich fortzureißen suchen, sic muö durch eine aufrichtige und versöhn liehe Politik das arabische Volk zu gewinnen suchen und an die ,Arbeit im Lande gehen. Die britische Regierung hat in allen Wechselfällen der letzten Jahre gegenüber allen Versuchen, eine Aenderung ihrer Palästina-Politik hcrbcizufiiiircn, den standhaften Willen bewiesen, die Balfotir-Erklürung durclrzuführeri. Jetzt ward cs .sich darum handeln, auch die britische Politik in Palästina selbst den politischen Verhältnissen anzupassen. Das gesamte jüdische Volk empfindet die gegenwärtige Beschränkung der Ein w a n d e r u n g als unerträglich. Wir wollen heut nicht mehr untersuchen, ob die Einführung der jetzt noch geltenden Einwanderungsbestimmungen ein׳ mal berechtigt war. Heute ist sie cs nicht mehr, und der nächste Schritt der palästinensischen Bchörden muß in einer Nachprüfung und Aenderung der Ein wanderungsbe Stimmungen bestehen. Auch wir halten den Grundsatz für berechtigt, daß die Fassungskraft des Landes den Maßstab für die Größe der Ein- Wanderung abzugeben hat. Aber wir glauben nicht, daß die gegenwärtigen Bestimmungeg nur von diesem Maßstab bestimmt werden. Palästina braucht frische junge Einwanderer, die mithclfcn im Sinne des Mandats die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes zu erbauen. _ F. L. Das zionistische ErzUhangsbudget J c r 11 s a 1 c m (J. C. B.). Laut der von U s s i s c h k i n in der Lclircrkonfcrenz abgegebenen Erklärung beläuft sieh das diesjährige Schulbudget für Palästina auf 130 000 Pfund; hiervon entfallen 91)000 Pfund auf Lchrcrbcziigc. ICO 001) Piitml weiden von dcrzionistischcnOrga* 11 i s a t i 0 n, 20,000 Pfund von der jüdischen B e v ö 1 k c r u 11 g Palästinas und 10 000 Pfund von der J. C. A. gedeckt. Im nächsten Finanzjahr sollen die Lehrer■ gehißter insgesamt um 10 000 Pfund gekürzt werden. Die zionistische Organisation wird?,um Lrzichungsbudgct mindestens 60 030 Pfund beitragen, sofern diese Summe nicht 25״;* des zionistischen Gciumtbudgcts überschreiten wird. 1111 allgemeinen hat die zionistische Exekutive nach reiflicher Ucberlcguag beschlossen, dem Erziehungsetat für Palästina 20״» des gesamten Budgets des nächsten Finanzjahres (bisher bloß 16״») zur Verfügung zu stellen. Der Vorschlag auf Schaffung eines besonderen Spende n fonds für des jüdische Schul- und ßildungswesen in Palästina nach dem Muster der, Jüdischen Nationalfonds wird ven der rionistüchen Organisation propagiert u:td unterstützt werden. Boris Goldberg In der Nacht vom 18. zum 19. Juli starb in Palästina Boris Goldberg. Für diejenigen, die ihm näherstanden und in den letzten Monaten Gelegenheit hatten, ihn zu sehen, war es schon lange klar, daß eine schwere Krankheit sein Leben bedrohte und seine Tage gezählt waren. Und doch ■ kam diese Nachricht grausam überraschend. Da* bittere Gefühl, noch einen alten Freund und Mitarbeitcr verloren zu haben, ist noch dadurch gesteigert, daß cs ihm!, dem so sehnsüchtig Erwartenden nicht vergönnt war, die frohe Botschaft von der Verkündigung des Mandats mit uns zu erleben. : ’ , Boris Goklbcrg kam zu uns nicht am Anfang der Bewegung. Es war, glaube ich, auf dem! fünften Kongreß, daß ich ihn zum ersten Male gesehen habe. Aber sofort nahm׳ er den regsten Anteil an der zionistischen Arbeit in Rußland und in der allgemeinen zionistischen Bewegung. Und sofort trat er in die ersten Reihen ein. In Rußland wurde er zu einem der leitenden Führer der Bewegung und eine Zcitlang stand er an der Spitze des russischen Merkas in Wilna. Er gehörte zu den überzeugtesten Anhängern der russischen Richtung, die •für den Zionismus ein integrales Programm verlangten, in welchem alle Zweige der zionisti• sehen Tätigkeit, die politische und kolonisatorische Arbeit, die Förderung der Organisation und der Kultur, die Arbeit in Palästina und die Arbeit in der Diaspora alle gleichwertig als innerlich verbunden und voneinander nicht trennbar erschienen. Vor seinem frischen Grabe ist es mir, der ich die Freude hatte, ein langjähriger Freund von Boris Goldberg zu sein und besonders in den letzten Jahren in Kopenhagen und in London in intimstem Verkehr und in innigster Mitarbeit mit ihm 'zu stehen, unerträglich schwer, über die Einzelheiten seiner Tätigkeit zu berichten. Auf eines will ich aber allgemein hinweisen, auf den ,.unermüdlichen Optimismus“ und die uneingeschränkte Hingabe, mit der er sich in den Dienst der Sache stellte, der sein ganzes Leben unterordnet war. Nach vielen vorbereitenden Jahren ist cs ihm gelungen, seinen alten langjährigen Traum zu erfüllen und in Palästina an der Spitze großer von ihm ins Lebe® gerufener Unternehmungen mitbestimmend zu wir• ken. Da raffte ihn der Tod hinweg. Für alle, die ihn kannten und ihn liebten — und es waren ihrer sehr viele, — wird er in dankbarem' Angedenken weiterkben. Dr. V. J acobson. Jacob Moser Vergaiigeuen Dienstag starb in Bradford im Alter von 83 Jahren der bekannte Zionist Jacob ,Moser. Der greise Moser war eine bekannte Figur der zio• nistischen Kongresse, wo er sicli der größten Sympathien erfreute. Ocborcu im Jahre 1839 in Kappeln (Schleswig), kam er später zur Erzichmi״ nach Hamburg, trat dann ins Geschält seines Vaters ein und siedelte sidi im Jahre 1863 in Bradford an, wo er ein großes Handelshaus gründete. Moser wurde bald einer der angcschcmlstcn Bürger der Stadt und hat durch zahlreiche Stiftungen und Zuwendungen die vcrschiedendstert Wohltätigkeits-Institutionen der Stadt gefördert. 1895 wurde er zum Friedensrichter ernannt, ein Jahr später ‘ in den Stadtrat gewählt, 1908 7t1m Ehrenbürger der Stadt ernannt und 1910 zum Bürgermeister gewählt. Moser erfreute sich bei allen Schichten der Bevölkerung . einer solchen Beliebtheit, daß seine Wahl stets ohne Gegnerschaft erfolgte, obwohl er keiner Partei ange• hörte. In der Jiidi teilen Gemeinde wurde Moser stets als das eigentliche Haupt der Gemeinde betrachtet. Ob-, wohl er selbst der Reform-Gemeinde angchörle, hat er auch für orthodoxe Zwecke wiederholt Spenden gemacht. Moser schloß sich mit großem Enthusiasmus Herd an und wurde bald dessen persönlicher Freund. Nach Hcr/.ls Tod gründete er in Leeds mehrere Wobltäiigkcits-Insti• tiitioncn auf Hcr/’s Name״. Moser war auch ein besonderer Protektor verschiedener palästinensischer Institu* tionen. Er stiftete 830 IZ für die. Errichtung des Gebäudes des HerzJ-Gynmasitims in Jaffa. 4)cm Bczalei gab er einen jährlichen Beitrag von 2000 Fres. Das Hinschciden dieser patriacha'.ischcn Gestalt wird in zio• nistischen Kreisen das grüßte Bedauern‘hervorrafen. ׳, X‘ «׳'.*, ■ *■“m₪m~m . . Konstituierung jüdischer Dorfgemeinden Das Amtsblatt der pak'btücnsi-chcn Regierung ver• öffentlich( eine Kundmachung, 1r.it welcher auf!Emp• fchlung des Distrikts-Gouverneurs von Jaffa drei neue Gemeinden in Pctach-Tikwa, Rischon le Zion und Rcchoboth konstituiert werden. Den Ge• meinden wird ein Stcuerrccht auf Häuser, Haus• gründe, Handdslirenzen, Schichtung, Hunde, Gmndver• kauf, cingeräumt, ferner das Rocht auf besondere Steuern, für Zwecke der Bdruchlung und der Straßenverbesse-’ rting. ,Ucbcrdics dürfen alle Wahlberechtigten mit einer Kopfsteuer von einem halben Pfund belegt werden.