Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1922-07-18 · Heft 55-56 (18.7.1922) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 55-56 (18.7.1922)
Date
1922-07-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652410-2652458--15038-2673469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

j. Seite 304 JU EDI SCH E RUNDSCHAU Nf. 55/50 I Versprecht! ngcn und erklärt: ״Dieses Versprechen (nämlich die Unabhängigkeit der Araber anzuerkennen und zu unterstützen) wurde unter einem in demselben Briefe gemachten Vorbehalt gegeben, nämlich, daß von seinem Geltungsbereich der )Vesten des Wilajets Damaskus ausgeschlossen sein sollte. Dieses!Wilajct umschloß das ganze Ostjordanland, aber weder den unabhängigen Sandsdiak von Jerusalem, noch die zu Palästina gehör!- gen Teile des Wilajets Bcyruth. So war also das ganze Westjordanland von Sir Mac Mabons Ver* sprechung ausgeschlossen.“ Darauf ist zu erwidern: 1. Zunächst war das Wort Distrikt und nicht Wilajct benutzt worden. 2. War auch das Wort Distrikt und nicht Wilajct gemeint gewesen, als es in dem Briefe hieß: ״Die Distrikte von Damaskus, Horns, Hama und Aleppo.“ Jetzt, wo Horns und Hama Distrikte in den! Wilajct Syrien sind, wäre es überflüssig, Horns und Hama speziell bei dem Wilajct Damaskus zu erwähnen. Im übrigen sollte mft Wilajct das von Syrien und nicht das von Damaskus gemeint sein, da es damals kein ,Wilajct Damaskus gab. Palästina fällt also in den Bereich dieses ,Ver- Sprechens. Es besteht kein Zweifel daran, daß der Vorbehalt in dem Versprechen den Libanon meinte, wie es Sir Mac Mahon in einem vom 25. Oktober datierten Brief sagt: ״In Beziehung auf diejenigen!Teile der Territorien, in wclciien Großbritannien ohne Reibungen mit den Interessen seines Alliierten Frankreich frei verfügen kann, bin ich bevollmächtigt usw.“ Daraus folgt: ׳ ■a) Es ist bewiesen, daß. Palästina ausgeschlossen war von dem Territorium westlich von den Distrikten Damaskus, Horns, Haina und Aleppo, b) sobald die großbritannische Okkupation von Rücksichten auf das Interesse Frankreichs frei sein sollte, c) behält sich der Sherif sein Recht auf die oben erwähnten Distrikte bis nach dem Kriege vor. Daraus ergibt sich, daß Palästina in den britischen Versprec 11 ungen mit einbegriffen war und ein Anrecht auf Anerkennung seiner Unabhängigkeit hat. 8. In Beziehung auf die Selbstve rwaltung sagt das Memorandum: ״Die Regierung wünscht die Entwicklung einer vollen Selbstverwaltung in Palästina zu fördern, aber sie ist der Meinung, daß unter den besonderen Verhältnissen dieses, Landes dies nur in langsamer Entwicklung und nicht plötzlich geschehen kann.“ Weiterhin lesen wir: ״Der Staatssekretär ist der Meinung, daß, bevor eine weitere Maßnahme der Selbstverwaltung in Palästina eingeführt werden und eine Volksvertretung die Kontrolle über die Exekutive erhSH, es stell empfiehlt, noch einige Zeit verstreichen zu lassen.“ ln der den Arabern gegenüber eingegangenen Verpflichtungen dagegen heißt es: ״Großbritannien ist bereit, die Unabhängigkeit der Araber anzuerkennen und zu unterstützen.“ Die Delegation hat sich bemüht, die Gründe für die Notwendigkeit einer derartigen Erziehung zur Selbstrcgierung zu verstehen. Der Staatssekretär hat erklärt, daß ״keine Rede davon sein kann, daß man die Bevölkerung von Palästina als weniger fortgeschritten behandeln könne, ais ihre Nachbarn in Irak und in Syrien,“ denen sofort Selbstverwaltung gegeben wurde. Warum also ist dies der Fall in Palästina, dessen Bevölkerung sich früher sowohl in der Stadtverwaltung als im türkischen Parlament eines großen Maßes von Seibstverwaltung erfreuten? Im übrigen haben Palästinenser ihre Fähigkeit zur Verwaltung in der Türkei, Aegypten und im Sudan bewiesen. Wir finden keinen anderen Grund für diesen Aufschub als den Willen der Regierung eine Zeit verstreichen zu lassen ,wäh rend der die Zahl der Juden wachsei und die Macht des Zionismus im Land׳ stärker stabilisiert werden könne. 11 der Tat wird das deutlich ausgesprochen von dem Staatssekretär in einer vom März 1922 erlassenen Kundmachung, worin er sagt: ״Die, Lage ist die, daß die Regierung durch ein Versprechen gebunden ist und nicht gestatten kann, daß sich in Palästina, für welches sie gegenüber den alliierten Mächten die Verantwortung übernommen hat, ein verfassungs mäßiger Zustand entwickelt, durch den es undurch führbar werden könnte, ein von der britischen Re gierung und den Alliierten feierlich übernommene: ,Versprechen zu erfüllen.“ In demselben Schrift stück heißt es: ״Die Mandatarmacht ist verantwörtlich für Durchführung der Deklaration vom in 2. November 1917, für Errichtung eines nationalen Heims für das jüdische Volk in Palästina.“ Wir müssen also verstehen, daß Seibstverwaltung erst gegeben werden soll, wenn das jüdische stark genug sein wird, von der Selbstverwaltung janz Nutzen zu ziehen, aber nicht eher. Wir bcdauern, einen anderen Grund nicht erkennen zu können. Wir wiederholen noch einmal, daß die arabischen Interessen in Palästina nur durch die sofortige Schaffun ge inerna* tionalenRcgicrüngsichergestelltwerdenkönnen,die einem Pariament verantwortlich sein soll, das von der Landesbevölkerung, Mohammedancr, Christen und Juden, gewählt werden soll. 9. Das Memorandum erklärt zum Schluß: ״Die Erzichungsabtcilung hat als Ratgeber zur Seite ein Komitee, bestehend aus allen Teilen der Bcvölkerung, und die Handels- und Industrlcabteilung arbeitet mit den Handelskammern zusammen, welche in den Hauptorten errichtet worden sind.“ Das klingt plausibel genug. Aber wie liegt es wirklich? Das Erziehungskomitec hat keinerlei Recht, um Ent- Scheidungen zu treffen, die dann von der Verwaltung durchzuführen sind. Wie konnte es ferner geschchen, daß im. letzten Sommer trotz der wiederholten Warnungen der. Handelskammern gegenüber der Verwaltung, die Ausfuhr von Getreide und Oel niciit zu verbieten, diese Warnungen nicht befolgt wurden und das Ergebnis für das Land in dem Verlust von % Millionen Pfund Sterling liegt? Es liegt eben so, daß diese Komitees nur beratende Stimme haben, und wenn dieser Rat mit der zionistischen Politik der Verwaltung in Widerspruch steht, wird er nicht befolgt. 10. Es wird cqdllch in dem Memorandum 'der Meinung Ausdruck gegeben, ״eine nach diesen Prinzipien geführte Politik muß sich den verschiedenen Teilen der palästinensischen Bevölkerung selbst empfehlen.“ Wir würden uns freuen, wenn dem. so wäre. Aber was ist das wirkliche Resultat diescr Politik? Unzufrie denheit von 93 °1'0 der Bevölkerung, Unbeliebtheit der zionistischen Politik, eine starkeAntipathic gegen diejenigen, die geschützt von der Macht Englands in das Land kommen. Endlich erklärt das Memorandum, daß 'diese Politik dazu beitragen werde, einen Geist gemeinsanier Arbeit (Association), von welcher die Entwicklung und der Wohlstand des Landes in der Zukunft abhängt, herbeizuführen, ln Wirklichkeit sehen wir eine von Tag zu Tag zunehmende Gegensätzlichkeit und Streitigkeiten zwischen Arabern und Zionisten, die schließlich zu allgemeinem Rückschritt führen werden, da die von den verschiedensten Teilen der Welt in das Land .strömenden Einwanderer Sprache, Sitten und Charakter der Araber nicht kennen, und sie Palästina unter englischen Schutz gegen den Wallen der Bevölkerung betreten, die glaubt, daß sie nach Palästina gekommen sind, um, sie zu erwürgen. Die Natur gestattet nicht die Schaffung eines Geistes der Zusam. menarbeit zwischen zwei so verschic• denen Völkern, und cs ist nicht zu er• warten, daß die Araber sich!einer sol• eben Ungcrech tigkeit beugen oder daß die Zionisten in der Realisierung ihrer Träume so leichten Stand haben werden. Es steht fest, daß die Regierung sich in die Lage eines Teilnehmers an einer Politik versetzt hat, welche die Araber nicht akzeptieren können, weil sic ihre frühere oder spätere Austilgung (extinciion) bedeutet. Versprechen nützen nichts, wenn sie nicht von Taten unterstützt werden. Und so lange wir nicht eine wirkliche tatsächliche Aenderung in der Politik der Regierung sehen, müssen wir die Furcht hegen, daß die Absicht besteht, ein jüdisches, nationales Heim zu schaffen, 11m die arabische Bevölkerung, Sprache und Kultur in Palästina zum Verschwinden oder zur Unterordnung zu bringen. Ich bin usw. Moussa Kazim El-Husseini, Präsident der palästinensisch-arabischen Delegation. Der Sekretär: Shibly Jamal. Das Colonial Office an die arabische , Delegation Downing Street, 23. Juni 1922. Sir, in Fortführung meines Briefes von! 11. April 1922, auf wclciien bisher keine Antwort eingegangeri ist’ bin ich von dem Herrn Staatssekretär Churchill beauftragt, zur Information Ihrer Delegation Ab' Schrift der Korrespondenz mit der Zio. nistischen Organisation beizufügen, betreffend die beabsichtigte Erklärung über die Politik der Regierung in Palästina. Ein Entwurf diese* Statement war Ihnen am 30. Mai übermittelt worden, und sein Wortlaut wurde dann eingehend mit Ihrer Delegation am 1. Juli von Sir Herbert Sa• muel und einen Vertreter des Colonial Office dis•' kutiert. Die Bemerkungen, welche Sie zu der vor• geschlagenen Erklärung im Laufe jener Unterhai. tung machten, und die seitdem in Ihrem Brief vom 17. Juni wiederholt wurden, wurden von dem Staats- Sekretär einer eingehenden Untersuchung unterzogen, der sich, nachdem1 er sich mit den zustän• digen Behörden wegen der früheren Korrespondenz zwischen Sir Mac Mahon und dem Könige von Hodschas beraten hatte, zu einer Abänderung des Entwurfs in einer tatsächlichen Frage entschieden hat. Am 3. Juni wurde der Entwurf offiziell der Zionistischen Or gan i s a t i o n übermittelt, und der Staatssekretär hat, wie d:e Korrespondenz ergibt, von dieser Organisation eine formelle Zusicherung erhalten, daß sie die in dem Statement nieder ge legte Politik ak• zeptiert und bereit ist, die eigene Tä• tigkeit in Uebcreinstimmung damit zu führen. Herr Churchill sendet ein Exemplar der Anlagen dieses Briefes auch an den die Verwaltung führenden Beamten, damit er sie dem Präsidenten und den Mitgliedern der Gesellschaft weitergibt, die Sie hier vertreten. Er ist der Meinung, daß diese erneuerte Klarlegung der Politik der Regierung, verbunden mit der förmlichen Zusicherung seitens der Zionistischen Organisation, endgültig die Einwendungen beschwichtigen wird, die Sie bei! mehr als einer Gelegenheit während Ihres Besuches in London vorgebracht haben, und die von Ihren Freunden in Palästina in Beziehung auf Ziel und Zweck der britischen Politik unterhalten werden. Die Korrespondenz liegt nunmehr dem Parlament vor, Abschrift wird dem Völkerbundsrat gegeben Ich bin usw. 1 1 J. E. Shuckburgh. Pressesiimmen V Der ״Temps“ meldet aus London über die Ab- Stimmung im Unleihaus bezüglich der englischen Palästina-Politik: Durch diese Abstimmung sehe der Zionlsmus.seine . Position bedeutend gestärkt. Es seien nun zwei Punkte völlig skhcrgcstc'.tt. Der Zionismus strebe nicht nach der Schaffung eines jüdischen Staates, sondern nach einem nationalen Heim gemeinsam mit den Arabern; ferner, daß der Zionismus das Element sei, welches die Ökonomische Entwicklung Palästinas sichern und durch seinen Idealismus die Opfer aufbringen werde, welche die ersten Phasen dieser Entwicklung erfordern. Der Bericht weist darauf hin, daß die bevorstehende Tagung des Völkerbundes dein• zionistischen Statut seine endgültige Form zu geben habe werde, er erhnert an die Forderungen Italiens und die Frage der heiligen Stätten und erklärt, man habe nicht den mindesten Zweifel, daß, falls gewisse Divergenzen vor der nächsten Tagung bereinigt sein werden, das Mandat die definitive Bestätigung erhalten werde. Damit werde Palästina ein Statut zugcsichcrt werden, welches die erste Bedingung für die Ordnung bilde. ' Von den englischen Zeitungen, die die Abstimmung 1'm Unterhaus besprechen, äußern sich natürlich die ״Mor ni n g - Post“ und die Northciiffe-Presse abfällig. Das ganze raffinierte Geschütz, daß die ״Time s“ und die ״Da i I y Mail“ aufgefahren habet», scheint nutzlos verpufft. Der ganze Ton der ״Times“• Polemik in der letzten Zeit weist jedoch auf einen Rückzug hin, sie scheint sich mit dem Palästinamandat eher auszusöhncu, und greift vor allem das Rutcnberg-Projckt an. Dagegen ist fast die ganze übrige englische Presse einstimmig in der Billigung der englischen Mandatspolitik und in der Unterstützung der Zionisten. So vor allem der ״Daily Chronicle“, die ״Daily News“, der ״Daily Hcrakl“ und die ״Wcstminster Gazette", i . 1 ,.־ 1 ■- - » •״ a v ״Jewish Ouardian“ schreibt ln seinem Leit• artikel vom 14. Juli: s 11 ״Vorige Woche haben wir die Zionisten beglückwünscht — che wahren und rechtmäßigen Zionisten, wie wir sie nannten — zu dem Sieg ihrer Sache in׳ der Debatte des Unterhauses. Wir wicderlioicn heute diese Glückwünsche und möchten nach unseren Wunsch zum Ausdruck bringen, Dr. Weizmann mit uns«- r e n besten Kräften zu unterstützen in seinem Entschluß, die Tätigkeit der Zionistischen Organi- sation in Uebercinstimmung mit der im Weißbuch nicdergelegtcn Politik zu führen. Wir haben Dr. Wetz־ ,manu mehrere Jahre bekämpft, hauptsächlich, wie er weiß, aus dem Grunde — der sich jetzt ah triff« erwiesen hat — daß er persönlich oder durch andere direkt oder indirekt eine Politik in Palästina vertreten und ermutigt hat, die nicht die Politik: der kritischen R< pe gc däl \e Ei •fü Hsic Di Ut) a zi c* mi ist >n. In B« sc de Sä be «er hi< sti Ei W w! d> ut \v. j« je» sti br di O ist si! K1 rt* b V1 S* G le St Pi w d. D io se m di f» Im sc b, a! w bi B P u P «i b in D a ki L m w w h d G 11 4 ע a k s■ V a a

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.