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Jüdische Rundschau · 1922-07-18 · Heft 55-56 (18.7.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 55-56 (18.7.1922)
Date
1922-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 380 1UEPISCHE RUNDSCHAU; Nr. 55/58 Auffassung ein gewaltiger Unterschied besteht, der auch in dem erwähnten Artikel in feiner verblüffenden Form zum Ausdruck kommt. ״Jewisli Guardian“ polemisiert darin mit dem ״Jcwish Clironicle“, dessen Haltung wir allerdings auch für verfällt anschen. Aber in dieser Polemik wird eine Definition des Zionismus versucht, die die historischen Gegebenheiten der Bewegung völlig verkennt. Der Zionismus wird dort von der Baifour-Deklaration abgeleitet und das Weißbuch der Regierung gewissermaßen als sein Codex langesehen. Davon kann in Wirklichkeit natürlich nicht die Rede sein. Wenn die zionistische Exekutive erklärt, ihre Politik in völliger Ucbercinstimmung mit den im Weißbuch niedergelegten Grundsätzen zu führen, — eine Erklärung, die wir billigen und für deren strikte Durchführung die ganze zionistische Welt sich einsetzen muß, — so ist ddmit wohl für unsere gegenwärtige Politik eine Grundläge geschaffen, aber eine .Verwirklichung des Zionismus wäre niemals möglich ohne die spezifisch zionistische Ideenwelt, die in dem Weißbuch sogar auch gestreift wird, über deren Vorhanden• sein man sich in England völlig klar ist (Beweis Parlaments-Debatte) und die denn doch etwas anders beinhaltet ist, als die Auffassung des ,,Jewish Guardian“: die britischen Juden müßten das Experiment der englischen Regierung unterstützen, denjenigen Juden zu helfen, die an Stelle Zweifelhafter Minoritätsrechte in ihren gegenwärtigen Heimatländern die palästinensische Staatsbürgerschaft cintauschen wollen, weil sie nicht so glücklieh sind wie ihre Glaubensgenossen, die Untertanen der Mandatarmacht sind. Eine ' derartige philanthropische Einstellung ist — wir müssen es leider aussprechen — nicht Zionismus. Zionismus ist nur jene Bewegung, deren Ziel die Lösung der Judenfrage ist und deren Angehörige sich dessen bewußt sind, nicht für irgendwelche arme Glaubensgenossen, sondern für sich selbst, für die j:üdisclvc Zukunft, für die jüdische Ehre, für den jüdischen Geist den Weg zu bereiten. Diese Klar- Stellung muß erfolgen, damit nicht am Ende das von uns begrüßte Weißbuch den Effekt hat, die Klarheit über das Wesen des Zionismus zu trüben. Wenn die Gruppe des ״Jewish Guardian“ diese Ideologie nicht versteht oder nicht verstellen will, so bleibt sie außerhalb' der zio nistischcn Ideenwelt. Trotzdem begrüßen wir ihre Bereitschaft zur Mitarbeit mit großer Freude'lind sind überzeugt, daß es Mittel und Wege gibt, um diese Mitarbeit organisatorisch in völlig loyaler Weise zu sichern. Bisher haben die englischen Juden leider für den Aufbau Palästinas viel we niger Interesse gezeigt, als z. B. die deutschen Juden, die sich für den Keren Hajessod solidarisch eingesetzt haben, ohne Rücksicht auf die persönliehe Gesinnung des einzelnen. Wir hoffen, daß der Erklärung des liberalen Blattes nun auch in London die Tat folgen wird. Wir bringen heute an anderer Stelle die wichtigsten Teile der Parlamentsrcde von Mr. Morgan Jones, dem Vertreter der englischen Arbeiterpartei. Die Tatsache, daß die Arbeiterpartei bis in ihren linkcslcn Flügel der Unabhängigen hinein, also dne Gruppe, die sonst zur Opposition zählt, für die Politik der Regierung in Palästina gestimmt hat, ist genügend Beweis dafür, daß in dieser Politik kein Element nationaler Unterdrückungspolitik enthalten ist. Die, Rede des Arbcitervertreters zeigt, daß er nicht nur für den ökonomischen und sozialen Fortschritt Verständnis hat, den die Juden nach Palästina bringen werden und bereits heute bringen, sondern auch für die Judenfrage selbst, die doch der wichtigste Punkt dieser ganzen Debatte ist und deren Lösung eine unmittelbare und unaufschiebbare Aufgabe fürdie Weltpolitik geworden ist. Auch vom1 Standpunkt einer abstrakten nationalen Gerechtigkeit ist es nicht zulässig, immer die Möglichkeit einzelnem kleiner Verletzungcn in den Vordergrund zu schieben und darüber die große Ungerechtigkeit zu vergessen, die in der nationalen Entrechtung des jüdischen Volkes liegt. Die Gewinnung der englischen Arbeiterpartei kt ein großes Verdienst unserer Freunde von den Poale Zion, die es verstanden haben, den englischen Sozialisten die moralische und soziale Bedeutung der zionistischen Bewegung klar zu machen. Die Arbeiterpartei tirteilt auch nicht blind, denn einer ihrer hervorragendsten Führer, Ramsay Macdonald, war bekanntlich vor kurzem in Palästina und hat in mehreren Auf sätzen seine Eindrücke geschildert. Die Haltung der Labour-Party ist für den Zionismus eine poiitische und moralische Stütze von großem Gewicht, -J ‘ ן■"*־׳, ך־־1'• * 9 J■׳* •«*C■—■ . J-fr K וי *n! ■■^(ן(״׳׳ n, Q (De fest cu die briiisclic Nation“ ,Die arabische Delegation veröffentlicht in der Londoner Presse ein Manifest an die britische Nation, worin die bekannten Argumente gegen den Zionismus wiederholt werden. Die Delegation erklärt, die Verteidigung der Rcgierung im Unterhaus sei nicht überzeugend und habe keinen einzigen Punkt der arabischen Bcschwerden sachlich widerlegt. Die Erklärung Churchills, England sei verpflichtet, das den Zionisten gegebene Wort zu halten, sei keine Rechtfertigung eines Bruches der den Arabern zwei Jahre früher gemachten Versprechungen. Die Tendenz der gegenwärtigen palästinensischen Regierung sei die Zionisierung des Landes, was än der Hand von vielen Einzelheiten zu erweisen versucht wird, als deren Krönung die Erteilung der Rutenberg- Konzession erscheint. Churchill habe auch iin Unterhaus gesagt, die Abstimmung des Oberhauses könne Unruhen in, Palästina zur Folge haben. Demgegenüber erklärt die Delegation, der Beschluß des Oberhauses habe das britische Prestige int Orient wiedcrhergcstellt und durch solche Bc- Schlüsse seien Unruhen nicht zu befürchten.!Schließlieh werden die kulturellen Leistungen der Araber in der Vergangenheit erwähnt und darauf hingewiesen, daß die palästinensischen Araber durch ihre natürliche Intelligenz berufen wären, das Land kulturell zu heben. Wenn Churchill sich geringschätzig über die arabischen Fähigkeiten geäußert habe, so sei dies kein Mittel, um! die Millionen moslemischer Untertanen Englands zu gewinnen. Mehrere Zeitungen kommentieren die arabische Kundgebung und stellen fest, die Delegation glaube offenbar, daß ihre Vorstellungen doch noch zu gewissen Erfolgen führen könnten, so daß sie nicht mit ganz leeren Händen zu ihrem Volk zurückkehren. Beschlüsse der arabischen Executive Das Exekutiv-Komiiec des arabischen Kongresses hielt am 23. und 24. Juni eine Konferenz ab, wo nadistehende Beschlüsse ־- also vor der Abstimmung im englischen Unterhaus — gefaßt wurden: 1. Den Lords, welche die Resolution des Lord Islington unterstützt haben, den Dank nuszusprcdien, ebenso Mr. Crane für seine letzte ,Erklärung. 2. Die- Exekutive billigt den Beschluß mostemlsch-christlichcn Gesellschaft in Haifa, am 13. und 14. Juli als Protest gegen die gegenwärtige Politik alle Arbeit cinzustcllen.. Die Gesellschaften und ihre Vertreter sollen alles in ihren Kräften stehende tun, um die Ord nung aufrcchtzueriialtcn. Sic sollen überall von der Regierung fordern, daß sie die Veranstaltung von Dermon straiionen bewilligt.! 3. Vom 1. Juli an soll jede Gesellschaft und jede Organisation und alle Vertreter dc3 Landes systematisch ihre Beschwerden an den Völkerbund leiten und sic in den Tageh des Generalstreiks wiederholen, da an diesen Tagen Protesttelcgramme an den Völkerbund geschickt worden, 1 -! 1 1 4. Wenn das Mandat in seiner gegenwärtigen Gestalt ratifiziert wenden sollte, wird die Exekutive die Delegation nach Palästina zurückrufen, damit sie ihre Tätigkeit in diesem Lande aufnehmen kann, hn Orient und in der moslemisch-christlichen Welt: gleichzeitig ,wird sie gegen die RatUkation protestieren und erklären, daß die Nation das Mandat ablchnt, 5. Die Punkte 2—4 werden gcgcnstandlos, wenn die Ratifikation des Mandates aufgeschoben wird oder wenn wir die Uebcrzcugixig gewinnen, daß die britische Regierung das Mandat in Ucbercinstimmung mit den Interessen der Araber und den Beschlüssen dc3 englischen Obcihnuses vom' 21. Juni Verbessern wird. 6. Die Exekutive hat ein Budget auf der Grundlage 2 Piaster per Kopf aufgcstcllt zur Finanzierung der moslemisch-christlidicn Vereine und der Exekutive. Die Vereine sollen ihre Tätigkeit in den Städten wieder auf nehmen und mit Hilfe der Exekutive Zweigstellen in allen Städten gründen. 7. Es wurde beschlossen, mündlich bei der Rcgl rung gegen die Verletzung mehrerer Paragraphen des Bcisan-Ucbcrcinkommcns (betrifft Uebcilassung von Staatsläwlcrcicn an arabische Pächter.— A.d. R.) zu protestieren und ebenso gegen die Bewilligung einer ge heimen Landkonzession in Caesarea und Umgebung an die Juden. 8. 'Eine moslemische Delegation ist nach dem Hed schas zu senden mit der Aufgabe, mit allen Mitteln die Nation für die bekannten poüasdicn Ziele zu gewinnen, 9. Eine christliche 'Delegation soll zum Vatikan nach Rom geschickt werden, um in der gleichen Weise in der katholischen Welt zu wirken,! 10. Die Vollmacht der britischen Delegation umfaßt lediglich Melden und Rom, und ihr Ziel ist die Propaganda unserer Ideen einerseits in der moslemischen, andererseits in der christlichen- Welt, und zwar durch Bekämpfung d-cs Zionismus, der Bsl(our-Dcklaration und der Politik der gegenwärtigen palästinensischen Regierung, welche hartnackig an der Errichtung einer jüdischen nationalen Heim- Stätte festhält. ' ' 11. Die Delegation nach dem Hodschas wird fob gendennatten zusammengesetzt: Shcik Abd-cl-Kadcr, Ainun Jnrailah, Raff«! i’c-y Ej-Tamini und Acic Effendi Abu-Dibat als Sekretär. 12. Die Delegation nach dem Vatikan wird bestehen aus zwei christlichen Notabein, einem aus dem Haifacr und einem aus dem Jerusalemer Distrikt. 13. Die Exekutive wird im Juli ihr Jahresbudget vorfegen. 14. Die Exekutive hat ein Telegramm an die Dolegation nach London geschickt, sie möge Schritte bei der Regierung unternehmen, um Jabotinsky, dem bekannten zionistischen Revolutionär, die Erlaubnis zur Einreise nach Palästina zu ver• weigern. Die Exekutive winl auch an ehe palästinensische Regierung in diesem Sinne schreiben, weil es sich gezeigt hat, daß die Anwesenheit dieses Mannes in Palästina eine Ursache von Unruhen und Ausschreitungen ist. 15. Die Exekutive wird bei der Regierung dagegen protestieren, daß, während jüdische Angestellte unberührt bleiben, arabische Angestellte unter dem Vorwand von Ersparungsgründen entlassen worden sind. 16. Angesichts der Un.ä‘:i*kcil des P.üsidcntcn der Exekutive, Arif Pascha ci Dejane, seine Aufgabe zu erfüllen, hat die Exekutive beschlossen, ihn von seinem Posten rh Präsident der Exekutive zu entheben und die Stellung Omar Effendi a! Bitar (dem Vorsitzenden der moslcmisch-christlichcn Gesellschaft in Jaffa) anzuvertrauen, da der Mufti von Haifa, Mohammed Effendi Murad, wegen Uebcrlashmg die ihm angebotene Wahl abgeschlagen hat * Der zurückgetretene Präsident Artif Pascha sandte an die arabische Presse einen Brief, in dem er erklärt, daß er seit der britischen Okkupation unermüdlich für das politische Ziel gearbeitet habe. Jedoch finde er, daß die Situation kritisch sei und daß die gegenwärtige Arbeitsmethode zu keinem Resultat führen könne. Darum habe er schon vor einiger Zeit zurücktretcn wollen, die» jedoch bis zur Sitzung der Exekutive verschoben, weil er der Ansicht ist, daß einige der angenommenen Rcsolutionen höchst unklug sind. ״Doar Hajom“ teil; dazu noch folgendes mit: Vor ewigen Wochen bekam Arif Pascha einen Brief von Tufiik Ham ad, einem Mitglied der arabischen Delegation in London und Vizepräsidenten des syrischen Kongresses in Genf, in welchem dieser erklärt, daß alle Berichte der Delegation in .der Londoner und in der Landespresse Humbug sind; in Wirklichkeit habe die Delegation einen vollkommenen Mißerfolg gehabt, und ihre Anwesenheit in London sei völlig nutzlos und eine überflüssige Ausgäbe. Später bekam Arir Pa sein einen Brief von Musan Kasim, dem Präsidenten der Londoner Delegation, worin die Anschauungen Tuffiks bestä.igt wurden, doch schlug er vor, daß er und der Sekretär 1:1 London bleiben sollen. In der Sitzung der Exekutive gab nun Arif einen Ucber• ' blick über dis Situation, verlas die beiden Briefe und widersetzte sich der Abwendung derselben nach Hodschas und Rom. Nach einer leidenschaftlichen Diskussion wurde dann sein Rücktritt zur Kenntnis genommen. Die englischen Zusagen an die Araber In einer der ktzten Unterhaussitzungen stellte Mr, Ormsby-Gorc an den Staatssekretär für Kolonien die Anfrage, ob den Arabern in Palästina irgendwelche Zusagen iin Jahre 1915 gemacht worden seien, und ob das zwischen England und Frankreich vor dem Eintreten der Araber in den Krieg abgeschlossene Ab* kommen festgesetzt habe, daß im Falle des Sieges der Alliierten Palästina westlich vom Jordan mit. Ausnahme von Haifa ein selbständiger Staat werden solle, ferner, ob vor der Baliour-Erklarung bezüglich der Zukunft Palästinas irgendwelche Erklärungen oder Zusagen abgegeben worden seien. Mr. Churchill erklärte hierauf: Den paläa t i nen s i s c lien Arabern ist im Jahre 1915 keinerlei Zusage gemacht worden. Bloß dem Scherif von Mekka wurde versprochen, daß Englands Regierung die Unabhängigkeit der Araber innerhalb gewisser Grenzen anerkennen und fördern werde, mit Aus- Schluß der Distrikte von Mersina und Alcxandretta und der westlich von den Distrikten Damaskus, Harns, Hama uml Aleppo liegenden Teile Syriens. Die Zusage bezog1 sich also nur auf jene Gebiete, in welchen England freie Hand hatte, ohne Schaden für die Interessen seiner Alliierten vorzugehen. Palästina blieb immer von diesen Zusagen ausgeschlossen. Dies gehe schon aus der Tatsache hervor, daß im folgenden Jahre ein Abkommen mit den Regierungen von Frankreich um! Rußland getroffen wurde, weldvcs für Palä• ßtiua eine besondere Behandlung Vorsicht. Die erste Annahme, daß Palästina in die den Arabern gemachte Zusage einbezog-on worden sei, sei auf Emir Faisul, dem jetzigen König von Frak, zurückzuführen. Bei einer Unterredung im englischen Außenamte am 20. Januar 1921 sei der Standpunkt Englands dem Emir Faisul aufgeklärt worden, welcher selbst zu dieser Feststellung seine Zustimmung gegeben habe. Er, Mr. Churchill, habe, nachdem er die Verantwortung für die Politik Englands im mittleren Osten übernommen hatte, die gesamten Akten gründlich studiert, und könne fcststdlcn, daß die englische Palästinapolitik sich stets in jenen Richtlinien bewegt habe, die in der dem Hause vorliegenden Erklärung der Regierung zu finden seien. sch’ .Vei Ein Art Vei lieh sch Inf« Koi Sta; der, ist, lair. Ver Red öffe Gas Völ yf a m e boi an! Uet 'Auf der briti Mä< tion liisti won nid: rclij Gen den eine Satz ׳ an < 3• J Org tiert daß Pali Und. ein höri erwi de! 4 d s or tion meb sten Reg bei uchi tm '« entv auf Orj; men nocl und Stil für sind u n: Aus mac für 'Art. wco- •Kan lieh' der träcl sch der nehi ges< erw; Verl! 'vor! palä

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