Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 55-56 (18.7.1922)
- Date
- 1922-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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VII. 1922 S . . *■׳״ h״1־ji״h, a50% ״.*־»״ A«f,«t,1.r. w ■ An11ljf«n1chluQ1 Dienst«( sind rr*iUf nichmitUf 4 Uhr. Telephon: UhUml?AS *.KV,.!*״it.dierifVontoi Berlin Nr. I739*j Füf OMtcmiA. I’u»t*p»,W״.,mm* Wien, Konto Nr. \% MO.i Kur T^WWaweWü P««Up.,V.״fu*n>* Pr«r, Konto Nr. 156030. *»» Rdlsrlionisrlvluß Sonnt»(■ unH Mittwoch eichroiü•(• •— תפוז׳ תרס״ב ___ 1 XXVII. Jahrg. per Zionismus erstrebt für dos jOdischo Volle dlo Schaltung einer CttoniHch-rochUIch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm" Om das Mandat Der Vatikan Rom. (J.C.B.) Die katholischen Zeitungen teilen aus anscheinend inspirierter Quelle mit: Falls die das Palästina-Mandat betreffende Note des Staatssekretärs, Kardinal Gasparrian den Völkerbund rcsultatlos bleiben sollte, werde sich wahrscheinlich der Heilige Stuhl an die Christenheit der ganzen Welt mit einem Aufruf zum Schutze der Heiligen Stätten vor der Herrschaft des Zionismus wenden. נ Genf. (J.C.B.)' In hiesigen eingeweihten Kreisen verlautet es, daß sich der Vertreter des Vatikans mit'dem brasilianischen Mitglied des Völkerbundes in .Verbindung gesetzt lube^um auf ihn im Sinne einer Ablehnung des Palästina- Mandatsentwurfes, in;seiner gegenwärtigen Form einzuwirken. 1 ׳ , . I Krankreich Paris. (J.C.!B.) Zu den Besprechungen zwischen Poincard und Schanzer erfährt die Agence H a v a s, > Poincarc habe Schanzer mitgeteilt, daß Frankreich hinsichtlich der Angelegenheiten in Palästina, und der Heiligen Stätten in einem Meinungsaustausch mit England begriffen sei. Der Inhalt der zu treffenden Vereinbarung, die auch dem Völkerbund zu unterbreiten sein werde,,,soll Italien unverzüglich mitgeteilt werden. 11 Italien Paris. (J.C. B.) Das Mitglied der franlösisehen Keren Hajessod-Abtcilung, M. Bronstein, befragte-den gegenwärtig in Paris weilenden italienischen Außenminister Carlo Schanzer über die Stellung der italienischen Regierung zum Palästina-Mandat. Schanzer erklärte, die italicnisehe Regierung werde für die Ratifikation des Mandates stimmen und sie beharre nach wie vor auf ihrem dem Zionismus freundlichen Standpunkt. Zwar wird die italienische Regierung lauf einigen nicht allzu wesentlichen Acndcrungen im Mandatsentwurf bestehen, das würde jedoch keineswegs einen Widerstand Italiens gegen die Bestrebungen des jüdischen Volkes bedeuten. Die italienische Judenlicit für das Mandat Wie Reuter meldet, hat die Konferenz der jüdischen Gemeinden, die am 11. Juli in Mai• land eröffnet wurde, einstimmig eine Resolution zu• grnsten der sofortigen Ratifizierung des englischen Mandates in Palästina angcnommen. Die Resolution wurde dem italienischen Mini• Stcrium des Acußcrn, der britischen; Regierung und dem Völkerbundssckretariat telegraphisch, mitgctcilt. Aehnliche Telegramme sind von der Zionistischen Organisation Italiens ausgegangen. Reuter hebt hervor, daß die Geineimlekonfcrcnz von den Rabbinern autorisiert war, Herbert Samuel in Italien Rom. (J.C. B.) Nach seiner Audienz beim Papst wurde der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, noch am selben Nachmittag vom König Viktor Emanucl II. empfangen. ' Dem Besuch Sir Herbert Samuels beim Papst wohnte auch der englische Botschafter beim Vatikan, Graf de Salis, bei. Die. Unterreching dauerte ungefähr eine halbe Stunde und trug einen durchaus freundlichen Charakter. ׳ Wie das J.C.B. erfährt, drückte Sir Samuel seine Zufriedenheit mit dem Resultat seines Besuches Im .Vatikan aus und gab der,sicheren Hoff- «ung auf eine Verständigung mit dem Vatikan Ausdruck. ,! ■ י Sir Samuel besuchte auch den päpstlichen Staatssekretär Kardinal Gasparri und unterhielt &ich mit ihm eine längere Zeit. Am Freitag reist Sir Herbert Samuel über Neapel nach Brindisi ab. Von dort wird er sich nach Alexandrien einsclüffcn. Am 15. Juli wird ,er in Jerusalem erwartet Herbert Samuels Rückkehr j' ״Times“ veröffentlichen folgendes' Telegramm ihres Korrespondenten vom 11. Juli aus Jerusalem: Sir Herbert Samuel ist heute abend in aller Stille hier angekommen. Umfassende Vorsichtsmaßregeln werden getroffen im Hinblick auf den politischen Streik, der für Donnerstag angesagt ist. Es sind .Versuche gemacht worden, die מן• litisclie Aktion auch auf die Schulen auszudehnen, aber der Mufti und andere moslemische Führer haben dies mißbilligt. Auf seiner Rückreise hatte Samuel in Alexandrien eine Unterredung mit General Allenby.; Sokolow wieder in London 1 Nahum Sokolow, Pinchas Rutenberg und Colonel Patterson sind mit der ״Aquitania“ von New York abgereist. Sokolow hat sich zunächst nach Paris begeben, um noch gewisse politische Verhandlungen zu führen, und kehrte Sonntag, den 16. d, M., nach London zurück. Neue Abstimmung im Unterhaus London, 12. Juli (Havas). Im Unterhaus wurde -vom Rcgicrungstisch aus auf verschiedene Fragen geantwortet: Der Vertrag zwischen Großbritannien und Irak wird dem Völkerbund unterbreitet. Großbritannien wird Mesopotamien nicht räumen, weil in der Folge Unruhen im Linde entstehen würden. Der Völkerbund hat das brilkchc Mandat über Mesopotamien noch nicht san'iiionic.t. Inzwischen verwallet aber Großbritannien das Land mit großem Erfolg, Es würde den öffentlichen Interessen widersprechen, die in den Jahren 1015 und 1016 zwischen der britischen Regierung und dem Sheriff von Mekka gewechselte Korrespondenz zu veröffentlichen. Das Unterhaus verwarfeinen Antrag, wclchcrderRcgierung wegen der Verwaltung von Mesopotamien und Palästina eine Rüge erteilt, mit 270 g egen 79 S t i m m c n. Rundschau Kündigung der Lebrer in Palästina Wie aus Jerusalem gemeldet wird, hat die zionistische Exekutive, um bei der Neuregelung des Budgets freie Hand zu haben und keine Schadensersatzansprüche bcfriedigen zu müsse, g aßen bei ihr angestclltcn Lehrern mitgctcilt, daß ihr• Dienstverhältnis ab 1. Oktober gekündigt ist. Eine bereits eiitbcrufenc Konferenz aller Lehrer wird sich mit der dadurch geschaffenen Lage befassen, ln Lchrcrkrciscn herrscht begreiflicherweise große Bestürzung. Die Tageszeitung ״Haarei" hat eine Sondernummer über die Erzichungsfrage veröffcntücht. Die AC-Sifzung abgesagt London, 17. Juli. (Tel. d. Z. B.) Die A.-C.- Sitzung, die für den 22. Juli nach London einberufen war, mußte abgesagt werden, da keine genügende Beteiligung in Aussicht stand. <• Die vorstehende Nach״ icht gibt zweifellos zu denken und läßt die Frage entstehen, ob nicht die amerikanischen Gesinnungsgenossen auf dem rechten Weg sind, wenn sie eisten Abbau des A.-C. als ״überlebter“ Einrichtung fordern. Obwohl wir einseben, daß eine Reise nach London für die A.-C.-Mitglieüer mit Schwierigkeiten verbunden ist, besonders auch im Hinblick auf die bevorstehende Jahreskonferenz, können wir doch den Eindruck nicht abschüttcln, daß ein A.-C., das nicht einmal im entscheidenden Moment der Majiiatsbcstutiguivg mobilisiert werden kann, von problematischem Wert ist. An die Scbekelvcrl raucnsleule 1 Wir richten hierdurch die dringende Bitte an die Schekelkommissare der Ortsgruppen und die Sclickehertraoensleutc die Sciiekciaktion nunmehr unverzüglich zu Ende za führen, alle gesammelten Schekeigclder schleunigst an uns tu überweisen und die gebrauchten Schekelblock* nebst Schekelzahicr-Listen, die die genauen Adressen enthalten müssen, n11 uns eintusenden. Alle Gesinnungsgenossen, die den Schekei big jetzt noch nicht entrichtet hab.m, müssen hierzu noch schleunigst veranlaßt weiden, Die Schekelsammlung hat bisher auch noch dicht annähernd das Resultat erzielt, das wir nach dem Ergebnis de* Vorjahres erwarten mußten. Die Ursache hierfür kann, was die Erfahrungen an einzelnen Plätzen erwiesen haben, nur daran liegen, daß die Sammlung bisher noch nicht mit genfigender Sorgfalt betrieben wurde. Zionistische Vereinigung!Sr Deutschland Berlin W15, Sächsische Str. 8. Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Dep.-Kasse W15. Kurfürstendamm 211. Postscheckkonto: Berlin 8091- RW. Berlin, 16. Juli. Das Dunkel, das über der Mandatsfrage schwebt, ist nöch immer nicht aufgc hellt. Die Völkerbunds!agung dürfte erst im Laufe der kammenden ,Woche in London zusamincntrcten, und cs wird versichert, daß die Mandate dort ihre Bestätigung finden werden. Nichtsdestoweniger kann man wohl nicht mit absoluter Sicherheit damit rechnen. Die Zweilei gibt cs nicht etwa nur in zionistischen Kreisen, sondern auch die große politische Presse des Westens scheint die Sache noch nicht für endgültig geklärt zu halten.״ In letzter Stunde werden noch lebhafte Vorhand- Iungcn zwischen den Staaten geführt. England verhandelt mit Frankreich und Italien, wobei eine gewisse Divergenz zwischen diesen beiden Staaten zutage zu treten scheint, da offenbar Frankreich einer Ausdehnung des italienischen Einflusses im Orient nicht günstig gestimmt ist. Auch der Vatikan erhebt wieder seine Stimme gegen das Mandat. Es dürfte sich ihm nicht nur um die Frage der heiligen Stätten handeln, als vielmehr gerade um den im Mandatsvertrag ausgesprochenen Gedanken der Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina. Der Vatikan hat auch durch Spanien und Brasilien, die Mitglieder des Völkerbundes sind, auf die Entscheidung einzuwirken versucht Da die Entscheidung einstimmig sein muß, so ist im Moment noch nicht zu übersehen, ob alle die erwähnten Schwierigkeiten rechtzeitig überwunden sein werden. Daß auch das arabische nationale Komitee mit Terror droht, dürfte nicht , so schwer ins Gewicht fallen; im Gegenteil, gerade diese Agitation sollte den Mächten zeigen, wie dringend die Bestätigung des Mandats ist und wie schädlich cs wäre, mit dieser Sache noch jetzt wieder zu spielen. Für das jüdische Volk ist die immer wiederholte Verschiebung der Bestätigung eine starke Nervenprobe. Man darf eine Gemeinschaff, von der man in der Folge große wirtschaftlichc, und konstruktive Arbeiten erwartet, nicht vorher so zermürben, wie cs jetzt schon durch Jahre infolge der Nichtcrlcdigung der Mandats- Angelegenheit geschieht. Der feierliche Beschluß des Völkerbundes würde in Palästina klare Verhältnisse schaffen, einen großen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichen und auch durch die neu erwachende positive Tätigkeit, die alle Schichten der Bevölkerung in Atem halten würde, beweisen, daß sich auf dem Boden der Wirklichkeit bei gutem Willen Gegensätze leichter überbrücken lassen, als in akademischer Polemik und in der Atmosphäre der Londoner Klubs. •Mögen die Mächte des Völkerbundrates ihrer Verantwortung bewußt sein, dann werden wir in einer Woche schon vor einer veränderten politischen Sachlage stehen. Außerordentlich interessant ist die Stellungnähme des Organs der liberalen englischen Juden zu den letzten Vorgängen in der zionistischen Politik. Wir haben schon unlängst darauf hingewiesen, daß der ,,Jcwish Guardian“ von einer Niederlage des jüdischen Nationalismus spricht und die neugesebaffene Lage begrüßt. Diese Haitung findet einen noch deutlicheren Ausdruck in dem letzten Leitartikel vom 14. Juli, aus dem wir an anderer Stelle einen Auszug bringen. Dort wird Dr. Weizmann völlige Gefolgschaft zugesichert. In diesem Zusammenhang nennt das Blatt die Namen einiger prominenter englischer Juden, für die heute kein Hindernis mehr bestehe, innerhalb der Zionistischen Organisation für den Aufbau Palästinas zu arbeiten. Da der ״Jcwish Guardian“ als das offiziöse Organ dieser Gruppe angesciien werden kann, so muß man annehmen, daß eine solche Erklärung nicht ohne Wissen und Billigung der genau «teil Persönlichkeiten abgcgeben wird. Dadurch erhält diese Acußerung eine besondere Bedeutung und man wird abwarten müssen, inwieweit diese Versprechungen der Mitarbeit realisiert werden. Wir brauchen nicht erst zu betonen, daß wir eine Mitarbeit der genannten Kreise beim Aufbau Palästinas mit außerordentlichcr Genugtuung begrüßen würden, obwohl wir uns bewußt sind, daß zwischen ihrer und unserer