Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 53-54 (14.7.1922)
- Date
- 1922-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 352 trutrt kann nur Palästina’ sein, 'das Laftd, mit dem das jüdische Volk durch unlösbare Bande verknüpft Ist. Diese unlöslidie Verknüpfung (״oonncdlon“) Ist von allen Mächten der Welt ausdrücklich anerkannt worden, sie kommt im Friedensvertrag von Sevrcs und ln der Preajnble des Mandates zum Ausdruck. Diese Feststellung ist ihrem' ganzen Charakter nadi unwiderruflich; sie ist eine historische Erkenntnis und nicht etwa ein Uebereinkomtnen praktischer Politik. Nachdem das Völkerrecht einmal um diesen einen internationalen Satz bereichert worden ist, kann die Weit nicht mhcnr bevor nicht die zionistische Idee verwirklicht ist. Das nationale Zentrum ist nicht Identisch mit dem jüdischen Nationalstaat. Diese Erkenntnis war schon lange vor der Balfour-Dcklaration in breiten zionistischen Kreisen durchgedrungen. Das Baseler Programm sprach von einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk. Die Interpretation, die die Balfour-Deklaration jetzt durch die englische Regierung bekommen hat, entspricht genau dieser Formulierung. Dcnn^cs wird darin ausgesprochen, daß die Juden als Juden kraft eigenen Rechtes in Palästina zu leben berechtigt sind, daß der Bestand der jüdisch-nationalen Heimstätte international garantiert wird und daß die Juden *dort ihre nationalen Kräfte frei entfalten können. Das bedeutet, daß das jüdisclie Leben in Palästina so jüdisch sein soll wie das englische Leben in England englisch und das deutsche Leben in Deutschland deutsch ist Wir wissen und wußten immer, daß das palästinensische ,Territorium noch von anderen Volksstämmen bewohnt ist und daß wir nicht diesen anderen Bewohnem die jüdische Nationalität aufoktroyieren können. Wir wußten immer, daß cs für uns notwendig ist, mit diesen anderen Volksstämmen, deren bedeutendster die palästinensischen Araber sind, in Frieden und Eintracht zu leben, da unsere Bestrebungen nicht nur auf die Entwicklung des jüdischen Volkes gerichtet sind, sondern auch auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes überhaupt, so daß die Wirkungen unserer Arbeit auch den anderen zu gute kommen. Diese vom Zionistenkongreß in Karlsbad feierlich ausgesprochene Absicht wird von der englischen Rcgierung zitiert als Beweis dafür, daß die Angst der Araber vor einer Unterdrückung durch die Juden grundlos ist. Solange die gegenwärtigen Verhältnisse in Palästina dauern, betrachtet es England als seine Aufgabe als Mandatarmacht, das Land für die spätere! Selbstverwaltung vorzubereiten, indem' zunächst die Politik der Balfour-Dcklaration durchgeführt wird, die jetzt vom Parlament als feier- Uche ,Vapflichtung gegenüber dem jüdischen ,Volke anerkannt und bekräftigt worden ist 1 Die Zionistische Exekutive hat ln würdiger Form die Erklärung der Regierung angenommen. Schon jetzt zeigt sich, daß über diesen Schritt lebhafte Meinungsverschiedenheiten im zionistischen Lager laut werden. En Teil der zionistischen Presse unter Führung des ״Jewish Chroniclc“ greift die ׳ Leitung deswegen in heftigster •Weise an. Wir sind überzeugt, daß hinter diesen Angriffen nur eine verschwindende Minorität der Zionisten steht. Gc* rade darum׳ aber ist es notwendig, jetzt mit aller Deutlichkeit zu erklären, daß die überwältigende Mehrheit der Zionisten die Politik der Leitung in dieser Frage rückhaltlos billigt und die Erklärung der Exekutive mit voller Zustimmung begrüßt. Wir glauben . diese Erklärung im Sinne der weitaus größten Zahl der deutschen Zionisten abgeben zu können. Die zionistische Antwort beinhaltet die Verpflichtung der Zionistischen Organisation in ihrer Gesamtheit, ihre Tätigkeit in Uebcreinstimmung mit der in der britischen Regierungserklärung niedergelegten Politik zu führen, Die Zionisten sind entschlossen, diese ,Verpflichtung zu erfüllen und die Leitung bei allen lilerauf gerichteten Maßnahmen zu unterstützen, Diese Erklärung enthalt mehrere Punkte, die bisher noch niemals mit solcher Deutlichkeit ausgesprochen wurden. Es ist gut, diese auch der zionistischen Welt klarzumachen. Erstens: Der Satz, den Dr. Weizmann im politischen Fieberzusiand des Jahres 1919 gebraucht hat, Palästina müsse ebenso jüdisch werden wie 'England englisch, ist von der Regierung abgclehnt worden, und diese Ablehnung wurde von Weizmann bestätigt. Damit ist ein für alle Mal der Satz aus der Welt geschafft, der als stärkste Waffe der antizionistischen Agitatlon benutzt wurde, insbesondere zur Aufwiegehmg der arabischen Bevölkerung. Es ist vielleicht keine falsche Interpretation, wenn wir;annehmen, daß Dr. Weizmann schon damals, als er das Wort prägte, nicht an eine Judaisicrung der Araber gcdadit hat, sondern sägen wollte, daß das j ü d i s c h e Leben in Palästina so jüdisch sein müsse wie 7UEDI5CHE KUNPSCHÄD Nr. 53/34 England englisch, während wir in allen linderen Ländern nur ein Bim’rstricti-Judcnta* hafcca ,E3 ist keine Schande, wenn eine Formel, mit der viel Unfug getrieben wurde, zurückgezogen wird. Die zweite Feststellung ist die, daß die Zionistisdie Exekutive in Palästina keinerlei Rcgicrungsfunktbn hat, so liefern lüdigllch einen Einfluß auf die das jüdische Volk betreffenden Maßnahmen. Der wichtigste Punkt aber ist d'd ,Erklärung, daß die jüdische Einwanderung, nur int Rahmen der Wirtschaftliehen Fassungskraft des Landes vor sich gehen könne. Die Regierung anerkennt ausdrücklich, daß zur Durchführung der Balfour-Dcklaration eine jüdiscli e Einwanderung notwendig ist. Aber der Wirtscliaftliche Organismus, der diese ״Einwanderer zu 1 absorbieren hat, muß• gleichzeitig geschaffen werden, und cf kann von ■niemand 'anderem geschaffen werden als von den Juden selbst. Wir vertrauen darauf, daß England bei seinen reichen Erfahrungen auf dem Gebiete der Kolonisation wohl weiß und verstellt, daß diese Direktive nicht allzu engherzig verstanden werden darf. Die Kräfte, die ins Land kommen und die Verhältnisse des Landes kennen lernen, werden selbst durch Ihre Arbeit allmählich die wirtschaftlichen Bedingungen schaffen, aber es ist unmöglich, daß jeder Einzelne vor seiner Zu. lassung ins Land absolute Garantien Wirtschaftliclicn Gelingens gibt, Die Oründung der jüdischen Heimstätte ist auch vom wirtschaftlichen Standpunkt ein Wagnis, und die Menschen, die, von idealen Kräften getrieben, ihre ganze Existenz dafür einsetzen, werden die einzigen sein, die das Land in die Höhe bringen können. Die Erklärung sieht vor, daß die Immigration durch einen Ausschuß der einheimischen Bevölkerung geregelt wird. Dabei ist cs wohl selbstverständlich, daß auch die Je* wtsh Agency einen weitgehenden Einfluß in dieser Frage, die zu den wichtigsten jüdischen Angelegenheiten gehört, erhält. Aber vor allem ist cs notwendig, daß England in Ucberclnstimmung mit der in der Erklärung niedergelcgten Auffassung über das nationale Helm die Richtlinien für die Einwanderung so festsetzt, daß das politische Ziel und die Entwicklung des Landes gesichert bleiben. Auch dem jüdischen Volk aber wird durch diese Erklärung neuerlich ins Bewußtsein gerufen, daß׳ es alles daran setzen muß, die wirtschaftliche Fassurgskraft des Landes zu vergrößern, das heißt aber in dürren Worten: Es hängt jetzt alles davon ab, Keren Hajcssod, Natlonalfonds, die Banken und die anderen finanziellen Institutionen zu mächtigen , Per Verlaial der Bei der Debatte über das Budget des Oolonia! Office im britischen Unterhaus wandte sich Sir William Joynson-Hicks gegen das Palästina-Mandat und die Rutenbcrg-Konzcssran. Bereits vor ihm hatteOrras* by-Qore den Antragsteller daran erinnert, daß er im Jahre 1017 versprochen habe, alle seine Kräfte einzusetzen, damit das jüdische Volk sein Land zurückgewinne. Ormsby-Oorc gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung sich nicht ab'sclircckcn lasse!» werde, an der Balfour-Erklärung fc&tzuhaltcn. Er sprach vor» den starken Eindrücken, die er in Palästina erhalten habe und von der Notwendigkeit, der jüdischen Arbeit im Lande freien Spielraum zu geben. Ormsby-Oorc setzte sich dann mit den verschiedenen Richtungen auseinander, die heute gegen den Zionismus opponieren, mit der Befürchtung, ein britisches Palästina könne zu kostspielig werden, mit den Angriffen von katholischer Seite una mit antisemitischen Befürchtungen, , Die Rede Sir William Joynson-Hycks. Dann ergriff Sir William Joynson-Hicks das Wort, stellte, wie parlamentarisch üblich, den formalen Antrag, von dem Geholt des Kblonial-Stnntssckretiirs 100 Pfund zu streichen und begründete gleichzeitig den folgenden Antrag! ״Da 'nach der Meinung des Hauses da! Mandat über Palästina das Land in1 finanzielle und andere- Schwierigkeiten stürzen könnte, muß es der Billigung des Parlaments unterbreitet werden. Ferner sollen die vom Hid» Coinmissioncr mit Rutenberg abge* scli’osscnen Verträge einem besonderen Komitee zur Begutachtung und Berichterstattung vorgelegt werden,“ ln seiner Begründung erklärte der Redner es für Unverständlich, daß man das Mandat nicht dem Parlament vorlegt. Die Araber seien davon überzeugt, daß Pauistina zu demLandtomplex gehöre, dessen Unabhängigkeit ihnen _ seinerzeit zugesagt worden sei. Die arä* bische ״Nation würde nichts dagegen haben, daß die in Palästina lebenden Juden alle Freiheiten genießen. Er, der Redner, sei kein Antisemit. Nicht die Balfour- Erklärung hätte die Unruhen ln Palästina hervorgerufen, sondern die Art und Weise, in der es den Z»nistc11 unter.Billigung der Regierung möglich sei, die gesamte palästinensische Verwaltung zu kontrollieren, •Sir Herbert Samuel war zu gleicher Zeit organisierter Zionist und britischer Ministcr. ln dieser Eigenschaft habe er die z'oiüstischcn! Ansichten im Kabinett vertreten können und sei dann als Vertreter der Zionisten «ach Palästina gegangen. Weizmann selbst habe ja von Samuel gesagt: ״Samuel ist unser ׳Freund. Er hat von Anfans־ aii loyal mit uns zusammengearbeitet.“ Die Zionisten wünschten, daß 1 alastma so jüdisch würde, wie England. englisch. ׳ Sie sprachen von den Rechtes» der H Millionen Juda» tsrt'd aktionsfähigen Instrumenten des jüdischen ,Volkswillcns zu machen. Dazu muß das ganze Volk helfen. Aus der Debatte int Unterhaus muß auch dem extremsten Nidilzionisten klar geworden sein, in wie hohem Maße fortab die Stellung der Juden überall in der Welt vom Gelingen der jüdischen Arbeit in Palästina Abhängen wird. Wenn das Blatt der liberalen Juden Englands zwar den Beschluß der Zionistischen Exekutive über die Interpretation der Baifour-Dekla-' ration mit Genugtuung verzeichnet, zugleich aber fcststciien zu dürfen glaubt, daß damit der jüdisch« Nationalismus sich selbst hufgegeben habe, so dürfen wir diese sonderbare Betrachtungsweise ruhig in Kauf nehmen, wofern die betreffenden Kreise die Konsequenz daraus ziehen werden, nunmehr auch ihrerseits mit aller Kraft am Aufbau Palästinas mitzuarbeiten. ״Jcwish Guardian“ hat Immer theoretisch dem Aufbau Palästinas das Wort geredet, jedoch gegen jede tatsächliche Mitarbeit, insbesondere gegen den Keren Hajcssod, knlt der Begründung opponiert, daß die englischen Juden gegen Weizinanns Formel seien, Palästina müsse so ( jüdisdt werden wie England englisch. Wir haben1 wiederholt darauf hingewiesen, daß hier künstlich eine Sdicldcwand aufgerichtet wird, hinter deren Schutz man die Mitarbeit ablehnen zu dürfen glaubt Nun ist auch formell dieser Einwand nichtig geworden, und — wie ,,Jcwish Guardian“ anerkennt — eine neue Situation geschaffen; wir erwarten, daß die englischen Juden jetzt durch ihre Beteili• gung am Keren Hajcssod beweisen, wie ernst es ihnen mit dieser Sache ist, bei der auch England sein Vertrauen auf jüdische wirtschaftliche Ldstungen gesetzt hat. Damm «vollen wir uns heute in keine Diskussion darüber einiassen, ob der jü. dische Nationalismus wirklich unterlegen ist. Wir halten die englische Regierungs-Erkläruffg, Lord Balfours Rede und die Abstimmung im Unterhaus . für einen glänzenden Sieg des jüdisciien Nationalisnius und der zionistischen Idee. Mögen die Nichtzlonisten das Gegenteil glauben, wenn das ihrer Auffassung entspricht. Jedenfalls ist diese Polemik minder wichtig als die wirkliche Arbeit. Wir hoffen, daß die Entscheidung des Unter- Hauses und die vorliergegangene Aufklärung über die politischen Ziele die Wege der praktischen Arbeit ebnen werden. Wir wären glücklich, wenn die Zeit politischer Kämpfe abgeschlossen wäre und nun die so lange ersehnte Zeit käme, die Zeit des Aufbaus. UmüeAausdeberiäe auf Palästina. Die Araber aber, 90 ®/o der Bevölkerung, könnten nur mit Mühe im Zaum gehalten werden, wenn sic sähen, daß ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina gegründet werde, Redner kommt dann auf die Erteilung Wirtschaft• lieber Konzessionen zu sprechen. Im Jahre 1919 wurde Engländern keine Konzession gegeben. Dagegen habe jetzt R ute nb erg das Monopol für die Wasser- Kräfte Palästinas erhalten, obwohl das Alandat noch immer nicht genehmigt sei. Das sei geschehen im Sinne der Bestimmung des Mandats, das den Zionisten das Recht einräume, die natürlichen Quellen des Landes zu entwickeln. Zahlreiche hohe Beamte Palästinas seien Zionisten. Es sei auch nicht richtig, daß den Zionisten keine andere Konzession als die Rutenberg• Konzession gegeben sei. So sei z. B. die Angto• Pale; stlne-Com pany in Palästina zugelasscn, deren Direktoren der Redner unter Angabe ihrer wohn« orte aufzählt. Dies sei die einzige Bank in Palästina. (Hier unterbrach Lord Eustace Percy den Redner, indem er darauf hinwics, daß aud» die National Bank of Egyptc und die Anglo-Egvptlan-Bank in Palästina zugelasscn seien.) Dam» entwickelte Joynson-Hicks die weitere Konzessionspolitik der Regierung. In zahlrcidien Fällen seiet» Konzessionen abgelehnt worden, weil sie vor Genehmigung des Mandats nicht erteilt werden könnten. Rutenberg dagegen habe seine Konzession erhalten. Er habe in seinem Leben nodi nicht eine m erstaunliche Konzession gesehen. Die gesamten Wasserkräfte des Landes, das in erster Linie iamlwirt• schaftlicli: Entwicklung nötig habe, sei diesem Manne gegeben worden. Außerdem enthalte die Rutenberg* Konzession!licht einmal Bestimmungen darüber, daß Aufträge an britische Firmen gegeben werden müssen. Wenn das in Widerspruch zu aem Mandats- System steht, 90 sei das Mandatssystem zu bedauern. Er wünsche auch genauere Aufklärungen über die tech• nisclie Seite der Konzession. Ein englischer Ingenieur, Alexander Kannedy, habe diesen Plan als kindisch bezeichnet. Die britische Regierung habe um so weniger Veranlassung, Rutenberg diese Konzession zu geben, als dessen Persönlichkeit schweren Anzweiflungen unter* legen habe. Die ״Times“ habe die bedenklichsten Sachen über ihn mitgeteilt ' Diese Dinge müßten untersucht werden. DIo ersten Erwiderungen. Lord Eustace Percy sagte, er bedauere,׳ daß sich Angriffe gegen Sir Herbert Samuel und die britische Regierung richteten, die heute allein Ordnung und Sicherheit in Palästina verbürgten. Wer die Verwaltung Palästinas hegte kenne, wisse, daß sie jeder Unterstützung wert sei. (Beifall.) Was die Einwendungen gegen Rutenberg beträfe, so seien offenbar Konkurrenz- . cfwäcuncrca hier maßgebend. יו spne Air, Erk־ die Voll Hei bau daß mit( abci in berj I *re• zitie wo unt< den und wer eint seht Wir den des u n da! hö: ,Red Hei geg ilic Sein um gier :;cb Bes Hei Fra Mal veri Hat satz zu. na' nur Krii feie Die grit Die die wie äuß mit d e haf• mal Ma und den Pol sieh ein! Bai Err <•! k! ltev bes Vor ver' Pal tvu wie grö und ״es füll 100 und wü: wei Hup Jor ruf Bei der im die! Ru■ des gea sch 1.11)1 sch lau her Re! kÜ gcl un< Q! Rt sch etn Pix Ru fo ist sei Es lief gei