Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 53-54 (14.7.1922)
- Date
- 1922-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Rundschau G.n. b.H., Berlin W15, Sädisiiche Str. 8 Telephonl Amt Uhland 845 and 846, /, AbK Ig n p r « I für die •i«ben;Mp«Hen• Nonp»roiila*til# 81— VL, V Für hebraUche Anreisen 50% Aufaohlag, A 1ו *o i? t n c h 1 u Ü 1 Di*!n«Uf und rniU2 n*<itmitt«f 4 Uhr. Teleobon: UbUndl #?45 *,§16. PotUdrotik©•*•! Barün N», 17 592, Für Oesterreich. Po«t*p*rkn«1eramt Wien, Konto Nr, 156 Q3Q, Für Ta»hocli0alowaVfi: Pe*Up?r'<&1«e!18m11 Pr«!־, Konto Nr. 15.6056, — R&laktinninWuQi Sonntag׳ und Mittwoch nachmlttaf. — תמוז׳ תרס״י I 1 י" XXVII. Jahrg. Der Zionismus erstrebt fOr das JUdische Voile die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten HelmsfOtte In Palästina. ״Baseler Programm". Votum des englischen Untesrhauses: 292 Stimmen für, 35 gegen die Palästina-Politik der Regierung . SLÜli־©^’ ־׳ Politische ücberslcht Die Sitzung׳ des Völkerbundrates ist für den 17. Juli nadi London einberufen werden, weil Ute englische Regierung Wert darauf legt, durch Lord B a I f o u ת vertreten zu sein, der um diese/ Zeit in England unabkömmlich ist und nidit nach Genf reisen könnte. Als erster Punkt steht auf der Tagesordnung die Bestattgung des Paläsünamandates. Auch die anderen Mandate soSen zur Bestätigung vorgekgt werden. Was die Haltung der anderen Mächte anlangt, so hat Wcinnann bei seinem letzten Besuch in Paris von der französischen Regierung die Zusicherung erhalten, daß sie sich der Bestätigung des Mandates■ nidit widersetzen wird. I>c wichtigste interessierte Madit ist gegenwärtig Italien, das in Palästina bestimmte Mittetmecrmicrcsscn wahr nehmen zu müssen glaubt, audi unter dem Einfluß der mächtigen kaiholisdien Volkspartci die vatikanische Politik stützt. Ein großer Teil der Verhandlungen Schanzers in London war der Palästinafrage gewidmet. Schanzcr hatte'wiederholte Unterrodungen mit Lloyd George und Bnlfonr in dieser Präge, wobei er vor allem gewisse kommerzielle Begünstigungen sowie die Obhut über das Cocnaailum (Abcndmal11sa.il) für Italien beanspruchte. Aus den Stimmen der Presse ist nidit genau zu crkctuien, ob sdion eine Einigung erzielt wurde. In Rom wird das Resultat der Reise Schanzers sehr ungünstig bcurteflt, allerdings heben die Blätter hervor, daß gerade bezüglich der ״offenen Tür“ in Palästina und Mesopotaniicn ein gewisser Erfolg erzielt wurde.! Von außerordentlicher Bedeutung ist natürlidi die Stellungnahme Amerikas. Am 30. Juni bat das amerikanische Repräsentantenhaus die Resolution i'ish zugunsten der jüdischen Heimstätte in Palästina in der Fassung des Auswärtigen Komitees, die wir bereits in Nr. 17 wicdergcgcbcn haben, angenommen. Nunmehr haben also Senat und Repräsentantenhaus, beide Kammern des amerikanischen Kongresses, einen, offizivilen Beschluß zugunsten der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina gefaßt, und damit ist die Be- ״ünstigung des Z ton ismus ei n Bestandteil der offiziellen auswärtigen Politik der Vereinigten Staaten geworden. Dieses Resultat, das mir nicht hoch genug veranschlagt werden hanh, ist der Haltung des amerikanischen Judentums zuzuschrcibcn, das uadurdi ein neues Ruhmesblatt seiner .Mitwirkung bei der poätischen Arbeit des Zionismus hitzugciiigt hat. Dieser große Erfolg ist aber zweifellos auch eine Frucht der unermüdlichen politischen Arbeit Nah um Sokolows in Amerika. , Auf die Note des Vatikans hat England durch' eine teilweise Abänderung des Art. 14 des Mandates (Heilige Stätten) geantwortet. Wir geben die englische Note vollinhaltlich wieder und können mir hoffen,^ daß daraus die übrigen i!n Völkerbundsrat vertretenen Mächte die Ueberzcngung gewonnen, haben, daß eine Verletzung katholischer Interessen nicht beabsichtigt ist. Von katholisvhcn Mächten sind auch Spanien und Brasilien .Milglieder des Völkerbundrates. Nach den Statuten muß ' des Mandates einstimmig erfolgen. ׳ ׳,Die jnosl em i s ch •ch ri stti ch c Gesellschalt in Palästina versucht noch im letzten Moment durch das Mittel des Terrors die Bestätigung des Mandates zu verhindern. Für den 13. und 14, Juli wurde der arabische Generalstreik proklamiert. Auch nach Mekka wurde eine Delegation gcsandt, um die Pilger aufzuwicgcln. De Regierung hat erklären lassen, daß sie alle Maßnahmen getroffen hat, um Unruhen zu verhindern. Eine Meldung spricht sogar v0n der Ankunft von neun englischen Kriegsschiffen im Hafen von Jaffa. Wir hoffen, daß die Veröffentlichung der von der Regierung aufgeslcllten und von der Zk>- ni'itischen Organisation akzeptierten Grundsätze der Pa• kisünapolitik dazu beitragen wird, die arabischen Massen selbst davon zu überzeugen, daß die gegen den Zionismus Eeführlc Agitation mit falschen Argumenten arbeitet und oiicnbar Parteiinteressen dient Jedenfalls muß cke^Lage m Palästina als ernst angesehen werden. ״Times‘ vet׳ öffentlichen ein Telegramm, wdnadi die Nachricht von öer Interpretation des Begriffes ״Nationale Heimstätte m arabischen Kreisen eine gewisse Beruhigung hervor- ן gerufen hat, doch verlange man die Abamicriuig mehrerer Punkte des Mandats. 1 Die Zionistische Organisation Amerikas (auf der Konvention üi Philadelphia), der' amerikanische Absmdti, der amerikanisch-jüdische Kongreß, die Con• vention der Zionisten Canadas. sowie ahe oltentliehen jüdischen Vcrtrctungskörpcrsdiaffcn Palästinas haben an den Völkerbund bzw. an die englische Regientng Telegramme gerichtet, die die Notwendigkeit der Bestätigung des Mandates betonen. Auch der südafri- Ionische Premierminister General Smuts telegraphierte in diesem Sinne an Lloyd George. Fortsetzung der arabischen Campagne;Wie Reuter erfährt, hat die palästinensische arabische Delegation seitens der Exekutive des palästincnsisdi-arabischcn Kongresses die Instruktion erhalten, sofort die Rückreise nach Palästina anzutreten, da nach der neuen Festlegung der englischen Regierung auf die Balfour-Dcklaration der fernere Aufenthalt der Delegation in London ohne Nutzen ist. Die Delegation beabsichtigt, noch vor ihrer Abreise das Colonial Office zu besuchen, um dort eine Konferenz mit Churchill nbzuhnlicti. Der Londoner Korrespondent der ״N. Z. Z.״ spricht die Erwartung aus, Churchill werde in dieser Besprechung den Arabern einige Hoffnungen machen. Sollte die Delegation vor der Völkerbumltagung abreisen, befürchte man eine ״Verschärfung der Lage“. Die Exekutive des palästinensisch-arabischen Kongrosses hat bei dem Völkerbund und bei der englischen Regierung gegen eine Annahme des palästincnsischcn Mandates im Voraus Verwaltrung eingelegt ln dem Schreiben wird gesagt, die Araber Palästinas werden niemals das Mandat in seiner gegenwärtigen Form billigen. Die Exekutive hat gegen die Aufnahme der Balfour-Deklarat ion in das Mandat eine Resolution gefaßt Mehrere arabische Organisationen haben zu diesem Beschluß des arabischen Kongresses ihre Zustimmung ausgedrückt Die nationale arabische Gesellschaft von Tnlkcram und das mohammedanisch-christliche Komitee von Jaffa stellten die Forderung nach absoluter Unabhängigkeit Paläsünas auf. . > Herbert Samuel beim Papst! Rom,• 7. Juli (Funkspruch). Sir Herbert Samuel, der britische Kommissär für Palästina, wurde gestern vom Papst in Audienz empfangen. A.-C.-Sitzung — Jalireskonferenz ■ L o n d o n, 6. Juli. (Telegramm der ,Exekutive). Das Adions-Comite wird auf den 22. Juli nach London einberufen. Als Termin für den Beginn der Jalireskonferenz ist der 25. August, der 25. Jahrestag der Eröffnung des I. Zionistenkongresses, festgesetzt worden. Die Jalireskonferenz findet in Wien statt. Da sehr wichtige politische, finanzielle und organisatoriseke Fragen zur Verhandlung gelangen werden, so ist beschlossen worden, nur diese wichtigen und drängenden Angelegenheiten auf die Tagesordnung der Jahreskonferenz zu setzen. Berichte der Exekutive werden in gedruckter Form vorlicgcn, im ■übrigen aber soll die Tagung nicht durch lange mündliche Berichte und Diskussionen übet sämtliche Arbeitsgebiete belastet werden. Die volle Aufmerksamkeit der Konferenzteilnehmer soll sich auf die entscheidenden Punkte konzentrieren. .Vorläufig wurden als solche fcstgcstcllt: 1. die politische Situation, 2. die organisatorischen Fragen, ,die sich' ergeben, falls das Mandat inzwischen vom Völkerbund genehmigt und die Zioni• stisclic Organisation dadurch zur Jcwish Agency wird, 3. das Palästinab'u'dget,• ׳ 4. die Klärung des Verhältnisses der , Zionistischen Organisation zum Keren Hajcssod, , ־ 5. das System der Finanzierung der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen, insbesondere die Frage der Vereinheitlichung der Finanza k t i 0 n e n. Die Tagesordnung ist noch' nicht endgültig fest• gesetzt, aber die erwähnten Punkte werden voraussichtlich den Hauptinhalt der Tagesordnung,bilden. Klare Ziele, klare Wege RW. Berlin, 12. Juli ׳ Während der Berliner Buchdruckersfrcik das Erscheinen der ״Jüdischen Rundschau“ verhinderte, sind in der politischen Welt Ereignisse von außerordentlicher Bedeutung vor sich gegangen. Wir haben schon früher darauf hinweisen können, daß entscheidende Schritte der englischen Regierung it der Palästinafrage bevorstehen, und die Abstimmung int englischen Obcrhaitsc wurde als der Auftakt zu einer lebhaften Auseinandersetzung der Palästina• Politik empfunden. Diese Abstimmung hatte bcwiesen, wie große Unklarheiten über den Sinn der Palästinr.politik bestehen und was für Verhängnisvolle Folgen nidit nur für den Zionismus, sondern vor allem auch für die Lage in Palästina die herrsehende Unklarheit haben kann. Wir haben daher die! Nachricht begrüßt, daß eine strikte Intcrpretation der Balfour-Erklärung beabsichtigt ist, sowie wir stets gefordert haben, daß von zionistischer Sritc eine authentische Erklärung über unsere Absichten in Palästina im gegenwärtigen Augcnblidc erfolgt. Beides ist nun geschehen, und wir glauben, daß wir mit dem Resultat zufrieden sein können. Die Bedeutung der Klarstellung sowohl der britisdieti als auch der zionistischen Ziele in Palästina wird noch dadurch erhöht, daß das englische Unterhaus, dem die betreffenden Dokumente vorgelegt worden sind, mit einer überwältigenden Majorität diese Politik gutgeheißen hat. Das Resultat der Abstimmung im Unterhaus beweist, daß das englisclie Volk tatsächlich hinter der durch die Baifour-Deklaration begonnenen Politik steht. Die Debatte selbst, die Rede Lord Balfours im Oberhaus und die Rede Churchills im Unterhaus, ferner die Kundgebungen anderer bedeutender Redner, unter denen an erster Stelle der Vertreter der Arbeiterpartei, Mr. Morgan Jones, 7.u nennen ist, haben gezeigt, daß volle Klarheit darüber besteht, daß es sich hier um mehr handelt, als um ein Stück englischer Kolonialpoliiik. Das Problem, um dessen Lösung cs geht, ist die Judenfrage, und jeder vvcitscliauende, großzügige Politiker versteht heute, daß die Judenfrage ein Stück Wcltproblcm ist und daß ihre Lösung eine notwendige Voraussetzung für die Beruhigung und die kulturelle Konsolidierung der Welt ist. Die geniale Entdeckung Herzls, dessen Todestag wir gerade jetzt wieder in aller Trauer um den unersetzlichen Verlust des größten Juden der Neuzeit, zugleich aber mit detn dankbaren Gefühl für das Glückdieser geschiehtliehen Erscheinung un Judentum begehen —, diese Entdeckung, daß die Jtidcnfrage ein internationales politisches Problem ist und daß sie daher gelöst -werden muß, nicht nur um der Juden willen, sondern um aller Völker willen, daß also die Mächte der Welt schon aus eigenstem Interesse gezwungen sein werden, an ihrer Lösung nützuhelfen, ist heute, wenigstens in England, bereits von einem׳ großen Teil des Volkes verstanden worden. Ein Volk von 15 Millionen muß einen moralischen und kulturellen Rückhalt haben; es darf nicht in der ganzen Welt als ausgestoßen, preisgegeben, ohne das Bewußtsein einer Heimat umherirren, denn ein solcher Zustand ist unerträglich und muß auch auf. die Seele dieses Volkes zersetzend wirken. Das jüdisehe Volk muß einen Ort haben, wo es frei seine schöpferischen Kräfte entfalten kann, einen Ort, wo jüdisches Leben nichts anderes als jüdisch ist und auf den die Welt blicken muß, wenn sie über Judentum ciri Urteil abgeben will. Dieses nationale Zentrum muß nätürlich durch die eigene Kraft der Juden geschaffen werden, und cs kann innerlich und äußerlich nur allmählich wachsen und werden wie alles Organische, und allmählich wird esseine Anziehungskraft auf die Judenschaft der ganzen Welt ausüben, allmählich wird es immer sichtbarer und. maßgebender werden.. Dieses nationale Zen-