Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1922)
- Date
- 1922-06-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3. V'־ V ^51 Schaft bisher 1 brin. t ihrer e ich er Po. h von ha n n, VC|vt.'< 1' ׳ e 11. nisnnis hielten, ic Bect das et. sei e r heirziehc. Projekt 91 Bai- S t o 11. . Wii״. reellen, m der ■idil in unter• Antrag mit 60 kutive isation ״K: ff stern Antrag seiner >ar ist undrat sworte uf die tie beündete di das ircli S. amaclit iffende (rauten tervor- 1111 der nismus arl of en Er- » Manliistinn, ic, daß st, daß dichten :rat die tat, sie Juden as tisch! Möfiitischer einigen 5er mit tisation Antrag ans/uwurde i• 111 n R ״׳Iler er zio- Kräfte!11. Sie iic bri- »t c r itischcn welclie Aeuße־ Weise nisation 917 die Vcrteil Bc* jtioiwle folk z'1 >ci vcfist, Hat er Weit He Zio־ daß die eit, <1* ic!! r Nr. 51 Rathenau Das Verbrechen, dem am Sonnabend vormittag ן,," (I!msche Reichsministcr des Aeußcvcn, Walther g ,11!1 0 n a u , zum Opfer gefallen ist, ruft in der ״esamten Kulturwelt die 1größte Empörung hervor. Seit Wochen beobachtet man in Deutschland eine iimehinendc Verschärfung der rcpublikfeindlichen, (li'iitschvölkischcn und antisemitischen Tendenzen, 11״d der 24. Juni, der Mordtag, wurde bereits vor Worhen von der ,,Freiheit" als der Beginn eines planmäßigen Umsturzes bezeichnet. Walther Raihriiau selbst ist wiederholt gewarnt worden, aber lt hat den wohlgemeinten Stimmen kein (Ichor ge• ״,■heu und hat auf Waclum verzichtet. So ist er 11,11 Mördern erlegen 111 Walther Rathenau ist ein Mann dahinge- ,unken. der, einer jüdischen Familie entstammend,■ |11dc geblieben war, dessen stärkste seelische Vcrlaiupfungen in seinem Bewußtsein aber jedenfalls ״i,-ht jüdisch waren. Dennoch waren in dieser eigen- ,iftigen Persönlichkeit mit ihrem Gemisch von eminiiiter Begabung für das praktische Leben und einer den. letzten Gründen der Erscheinung nach- »purcndctt Geistigkeil viele Grundzüge jüdischer Eigciiart. Dieser Mann, der die von seinem Vater;:(׳sdiaffciie große Industrieunternehmung jahrelang ״(■Uitet hat und zu den führenden Finanzmännern Deutschlands gehurte, war zu gleicher Zeil der Vcrfasset von klugen, etwas skeptischen Schriften, in denen er fast alle Probleme unseres Lebens erör* urte, auch jüdische Fragen, und deren maischliehe Gesinnung, aber auch deren leiser, resignierter und pessimistischer Unterton uns immer als cliarak-■ teristisch für den modernen Westjuden erschien. In der Kette von Mordtaten, die seit dem Ausbrach der Revolution im November 1918 führende Persönlichkeiten aus dem republikanischen und sonalistischcn Lager dahingerafft hat, ist Walther Kathcnau nicht der erste Jude. Rosa Luxemburg und Gustav Landauer, Eisncr und Haasc waren jüdischen Stammes. Den blutigen Opfern, die das deutsche Judentum in fünf Jahren auf allen Schlachtteldcrn Europas für das kaiserliche Deutschland gebracht haben, reihen sich diese Opfer an von luden, die der neuen deutschen Republik ihr Lekn dahingegeben haben. Das deutsche Judentum ist um jeden dieser Männer ärmer geworden. Freilieh war Gustav Landauer der einzige unter ihnen alle״, dessen Beziehungen zu seinem Judentum einen wirklich wesentlichen Platz in seinem Leben einnahmen. Aber der unflätige Kampf, der gegen diese Persönlichkeiten geführt wurde, benutzte als stärkste Waffe ihr Judentum. Selten ist eine so vcrhccrende antisemitische Agitation geführt worden wie in Deutschland während Rathenaus Minister- '<11,־tft. Die antisemitischen Instinkte des Volkes wurden aufgepcitscht, um Rathenau um so sicherer m treffen. Und doch hat er an jüdischem Lehen niemals aktiv Anteil genommen, obwohl er in letzter Zeit gelegentlich auch für die Fragen des Palästinaäufbaus Interesse zeigte. So ist die Situation des Judenvolkes: In einer Zeit schwersten Existenzkampfcs, in einer Zeit, da niemand einen Weg sieht, auch nur den dringendsten Erfordernissen des jiidischtui Lebens nachzukommen, in einer Zeit, da der Aufbau Palästinas und die Leitung der jüdischen Politik jeden jüdischen Mann erfordert, sehen wir eme F״He von Begabungen, Staatsmänner und Parhmentarier, Redner und Schriftsteller, ',1ben und in einem Kulturkreis wi״kcn, zugehöriger glauben als dem Volk, ^stammt sind. Unsere Hoffnung ist,' 1•er erstarkenden jüdischen Bewegung, mit dem Entsichen eines palästinensischen Zentrums und mit dem Wiedererwachen echten jüdischen Lebens in d<n Ländern des Galuth.es uns in höherem Maße 1110glich sein wird, Menschen von einem großen d’wntai, von großer und entschiedener politischer Begabung* in unseren Reihen wirken zu sehen. Der Mord an Walter Rathenau ist für uns cm ״euer greller Lichtschein, der auf das Problem d('s Juden in der europäischen Umwelt fällt. Man 'ia״״ dieser Frage nur gerecht werden, wenn man ile historisch betrachtet. Was wir heute sehen, ist das Ergebnis der Vorstellungen und Wünschen, mit denen einst Hardenberg und seine. Freunde die Emanzipation der Juden durchführten. Sic wollten jüdischen Volk alles verweigern, dem ein- *Inen Juden alles geben. Napoleon verlangte, daß dle Juden sich als Franzosen und nur als Fran- *0SC|1 fühlten. Auflösung des Judentums, Entwurzc- Ung des einzelnen Juden aus seinem Kulturkreis seine Verwurzelung und Verschmelzung mit 111 Drnwclt war das politische Ziel, das den Lmanzi- Moren vorschwebte. Dieses Ziel ist zu einem grotn Teil erreicht worden. Heute bilden die Juden ei- ״cn erheblichen Teil in der Politik, in der Wirtschaft, beiseite dem sie dem sie daß mit .. JUEDISCHE RUNDSCHAU im Rechtswesen, in Wissenschaft und Kunst der t uro paischen Volker. Und wenn wir von einem wiedererwachten jüdischen Nationalgefühl aus wünschen,, ‘■*aß jüdische Kräfte wieder in jüdischem Leben lSetütigungsnioglichkeitcn finden, sind wir zu diesem \V uusch berechtigt, die die Emanzipation nicht gemacht, sondern mit denen sie vorgenomrnen worden ist. Nicht aber dürfen jene, flic von den Juden verlangten, daß sic jeden Zusammenhang mit ihrem Volkstum aufgeben, sich heute dagegen wehren, daß die Juden ihren Platz im; (öffentlichen Leben vcrlangen. Ein Mann wie Walter Rathenau liebte Deutschland mit einer echten und tiefen Liehe, l'.r gab eine Stellung auf, um, die ihn viele in Deutschland beneideten,, um sich einer Regierung zur Verfügung zu stellen, deren Aufgabe eine verzweifelt schwere war. Er tat das, pbwohl die 'Spuren derjenigen, die vor ihm gemordet dahinsanken, ihn hätten schrecken können. Der Kampf, der nicht nur gegen den *Republikaner, sondern auch gegen den Juden Rathenau geführt worden ist, war ein verbrecherischer, und tief erlogen war die Behauptung, daß dieser Manu jüdischen und nicht deutschen Interessen dienen wolle. Rathenau fühlte sich ehrlich als ein Stück •dieses deutschen Volkes, dem er zu helfen versuchte. Er war ein Patriot von reinstem Idealismus, der schwer bedrängt war von der Not seines Vaterlandes, und seine reiclm Begabung in den Dienst *»einer Rettung stellen wollte. Das deutsche Volk hat ihn als Volksfeind behandelt; nachdem er monatelang als ,,innerer Feind", als ״Verräter deutscher Ehre" gebrandmarkt worden, seine Berufung zum Außenminister als ״Sieg des internationalen Judentums" ausposaunt worden war, ist er als Opfer dieser Hetze gefallen. Es ist ein echt jüdisches Schicksal; ist die jüdische Tragik dieser, Gestalten, daß sie in reinstem Wollen einer Gemeinschaft dienen, die sie brutal von sich stößt. Das jüdische Volk aber sieht mit schmerzlicher Trauer diese Potenzen jtidischer Kraft dahinschwinden; es steht mit tiefer Erregung an der Bahre eines Mannes, der, obwohl er etwas wußte von der Eigentümlichkeit seines Blutes, 'doch keinerlei innerliche Brücke zu Juden und Judentum fand, der zwar über religiöse Fragen philosophierte und rassische Tatsachen bejahte, aber die jüdische Zukunftsschöpfung nicht für seine Sache hielt. Er ist für das Judentum verloren gegangen, ohne an der Stätte, die er erwählt hat, zu fruchtbarem Wirken zugclassen zu werden. Menschlich erschütternd und historisch deutbar ist dieser Fall für uns. Und er gehört zu den Erfahrungen, die unsere Anschauung bekräftigen und uns die 'Richtigkeit unseres Weges von neuem erkennen lassen. Es wird Aufgabe unserer nationalen Erziehungsarbeit sein, daß in der kommenden Gciieraticm die Zahl derjenigen immer größer wird, die die Illusion einsehen, die sich das deutsche Judentum seit einem Jahrhundert gemacht hat und für die es heute zu büßen hat. und die den Rückweg zu ihrem eigenen Volke finden. F. L. Antijüdische Tendenzen an amerikanischen Universitäten J.C. B. Bei der Harvard-Universität in Boston sind Tendenzen zutage getreten, die Zahl der jii disehen Studenten zu beschränke». Die antisemitischen Umtriebe gehen auf den Einfluß und die Treil1erei.cn des wegen seiner judonfeiivdlidien Gesinnung bekannten Professors Roger B. Mary man ziinick. Wie min bekannt wird, habe» die Anschläge eines Teiles der Professoren gegen die Lcrnfreiheit der jüdischem Studenten bereits zu ernsten Konflikten innerh a 1 b d e s P r o f e s s o r e n k o 11 e g i u!11 £ geführt. I>er Dekan der semitischen Fakultät, Professor Lyons, setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Absichten Profcssor Marymans nicht durelulriingen.’Gegen Marymans anfijüdischen Tendenzen tritt auch die rechtswisscnschaftliehe Fakultät auf, in welcher die früheren Schüler der Fakultät, Richter Brandcis, Richter Mack und Professor Felix Frankfurter großes Ansellen gonicllc». Der Freund und Kollege Professor Frankfurters an der rcchtswissenschaftiieheii F'akultiit, Professor Z. Ciiaffee, der in überaten Kreisen große Achtung genießt, kämpft und pro-' testiert fortwährend gegen die reaktionären Absichten eines Teiles der Fakultät, In amerikanischen U.itiversitätskreisen verlautet, daß auch an der C o r 11 e U ־ U u i v e r s i t ii t im Staate New York und an der Y a l c- U n i ve r si t a t im Staate Connecticut die antijüdische» Tendenzen Wurzel gefaßt haben. Hs!reißt sogar, .daßi eine organisierte Bewegung vorhanden ist, die das Ziel verfolgt, die Zahl der jüdischen Studierenden an, sämtlichen amerikanisdien Universitäten beträchtlich zu vermindern. Also auch in Amerika madtt sich die antisemitische Bewegung geltend! IZtim Verständnis der Vorgänge muß inan daran erinnern, daß die amerikanischen Universitäten nicht Staatsaiistalten, sondern autonome, gewöhnlich von Stiftimgen unterhaltene Körperschaften sind, Seite 337 Pressestimmen zur Oberhausdebatte Die englische Presse vom 22. Juni beschäftigt sich eingehend mit der Obcrhausdebatte vom 21. Juni.. Der ״Daily Chrouicle‘‘ schreibt z. B. in einem Leitarlikej: ״Balföurs erste Hede im Oberhaus gehalten. Ls war eine geistvolle Verteidigung des Pakistinamamlates. Ls witxl uns schwer zu glauben, daß die palästinensischen Araber ernstlich aufgeregt sind, weil man den Juden eine nationale Heimstätte in Palästina versprochen hat. Ls war sowohl in der ursprünglichen Deklaration, als auch int Mandatscutwurf ausdrücklich festgestellt worden, daß alle bestellenden bürgerlichen 11ml religiösen Rechte respektiert werden wurden. Wenn mit jüdischem Geld mul jüdischer Intelligenz sich das Land entwickelt, so werden die Araber Anteil;111 allen Fortschritten haben. Wenn man schon anitiinrnt, daß man zur britischen Regierung in der Frage der Behandlung der verschiedenett Rassen kein Zutrauen haben könne - ein seitsanier Verdacht, wenn ihn das britische Oberhaus ausspricht! -־- so besteht noch die weitere Sicherung durch den Völkerbund, Die Juden werden in keiner Weise vor den Arabern bevorzugt werden, und alles, was man verlangt, ist, daß Juden und Araber in gleicher Weise an der Schaffung eines neuen palästinensischen, Staates und eines glücklichen Landes mitwirken sollen. Wir können uns nicht denken, daß ,die Araber, die über ganz Nordafrika und Asien verbreitet sind und unseren Waffen ihre nationale Existenz zu verdanken haben, so unvernünftig sein sollten, den kleinen syrischen Winkel zu ,Naboths Weinberg* zu innchrn. Wir geben Lord Balfour Recht, wenn er die Befürchtungen einer völkiselten Gewaltherrschaft der Juden über die Araber für ziemlich phantastisch erklärt. Wir bezweifeln, daß die, sogenannte arabische Agitation gegen den Zionismus wirklich von Arabern ausgeht.‘‘ Der parlamentarische Korrespondent des ״Daily Ommide‘‘ schreibt ferner: ״Ls war ein Streich gegen den Völkerbund und nicht gerade sehr höflich gegen den ausgezeichneten Minister, der dem Antrag widersprach. Aber die Regier trug wird durch diesen Beschluß nicht sachlich b e einflußt werden.“ Der parlamentarische Mitarbeiter des ״M an ehester Guardian‘‘ schreibt zu der Debatte: ״Trotz all der feurigen Beredsamkeit Lord Bnlfours hei seiner ersten Rede im Oberhaus, die er am gestrigen Abend für die idealistische Idee eines jüdischen I ieims in Palästina hielt und trotz des ungewöhnlichen Maßes an Feuer, das er in seine Rede legte, wunde das Amendement von Lord Islington mit der stattlichen Mehrheit von 60 zu 20 angenommen. Die Rede Balföurs machte auf das Haus eineu starken Eindruck, überzeugte es aber noch nicht.“ in den ״Daily News“ heißt es: ״Lord Balföurs Rede war mcistcrisch und erhob sielt an manchen Stellen zu waiircr staatsmäunischcr Beredsamkeit. Das war besonders bei seinen Sdilulibetnerkungcn über die wundervolle Geschichte des jüdischen Volkes der Fall. Obwohl er erklärte, daß er zugunsten der Juden nicht voreingenommen sei, wird wohl kein Angehöriger dieser zähen Rasse ohne Bewegung seine Worte des DankeS für ihre der Menschheit geleisteten 1 Heilste lesen. Eine Welle von Idealismus zog durch seine Rede.“ j e w i s 11 G u a rd i a 11“ schreibt in Besprechung des Beschlusses des Oberhauses, daß ein der Regierungspolitik entgegengesetztes Votum des Oberhauses selten eine ernste Angelegenheit sei, diesmal aber haben die speziellen Bedingungen der Niederlage von Mittwoch den Ernst der Sache noch vermindert. Es war nämlich derselbe Nachmittag, an welchem der Prinz von Wales in die Hauptstadt zurückkchrte und infolgedessen ist nicht mehr als der siebente Teil der Oberhausmiiglicder bei der Abstimmung anwesend gewesen. Die Tätigkeit der arabischen Delegation Ein Bericht Schibly Dschatnals Schibly D s e 11 a in a I, der Sekretär der arabischen Delegation in London, veröffentlicht in einer arabischen Zeitung Palästinas eilten Bericht über die Tätigkeit der arabischen Delegation in London. Dieser Bericht, den ״Doar Hajom“ wiedergibt, ist interessant wegen der Beleuchtung, die die Londoner Vorgänge dadurch bekommen. Man soll auch den Gegner hören, auch wenn er offenbar tendenziös berichtet. Wir haben daher den Bericht hier übersetzt. Schibly schreibt: ״Die Angelegenheiten liier entwickeln sich in einer für uns günstigen Weise. Lord Northcliffe bemüht sich sehr für um». Auch de. Fcidmarschall Henry Wilson (es handelt sich um denselben General, der dieser Tage in London ermordet wurde. Anm. d, R.) hat in einem Interview mit dem Vertreter der ״Daily Mail“ die Poliük der Regierung in Palästina scharf kritisiert und 11. a. gesagt, die britische Armee befinde sich nur in Palästina, um die Araber zu verhindern, alle Juden zu ermorden, und die Juden bleiben dort, weil die englischen Bataillone sie beschützen; wenn die weggehen wend.en, werden sie auch Weggehen. Letzten Dienstag wurden wir zu einem Mittagessen cingcladeti, bei dem Sir Joynson Hicks (der die antizionistische Resolution im Unterhaus eiitgebracht hat. Aum. d. R.) den Vorsitz führte. Er behandelte uns mit großer Hochachtung. Darauf sprach ich und noch andere, und am nächsten Tag erschien ein Bericht darüber in der ״Times“, ״Morning Post“, ״Daily Telegraph“ ״Manchester Guardian“ und noch anderen Zeitungen.