Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1922)
- Date
- 1922-06-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 336 Augenblick, bevor alle ökonomischen Entwicklungen, die | ich erwarte, eiiilrcteii konnten, Und wenn die llol'l-; mmgen, die idi liege, nicht völlig enttäuscht werden, , so wird Palästina die Möglichkeit haben, eine weit; größere Bevölkerung zu erhalten, als cs jemals unter < türkischer Herrschaft hatte oder Italien konnte. ׳ Soweit meine Informationen reieltcu, ist k c i n; e i n z i g e r I m 111 i g r a 111 ein c m öffentlic 11 e u , Ponds’ zur Last gefallen, seit er die von der britischen Verwaltung überwachte Grenze passiert hat. Palästina kann eine viel• größere Bevölkerung ernähren, ' als es das jetzt tut. Aber das kann nur geschehen,; wenn nia.11 mit der Begeisterung der Juden in aller ׳ Welt rechnen kann. Sobald die Mandats!rage endgültig i entschieden ist, sobald alle entstehenden gesetzlichen 1 Schwierigkeiten aufhören werden, werde« sie, glaube i ich, kommen und am Aufbau des jüdischen Heims; mithelfen. E s h a adelt sich nicht n in g r o II e s p e k 111 a live I 11 v e s I i e r 1111 g e 11, 11 i 1' h t d a r 11 m , j Millionen in die Taschen der iiiternatioj n a 1 e 11 Tina n z zu bringen, sondern ei 11 1 großes id e a 1 i s I i s eh e s Werk durch zu- | führen. 1 Ich möchte daher den Vorredner Tragen, ob nicht j auch vom m a t e r i e 11 e 11 Ci e s i c h t s p u 11 k t aus. ' jede Unterstützung der jüdischen Heimstätte j int Interesse der arabischen Bevölkerung l liegt. Er hat selbst gesagt, daß Juden und Araber j bis jetzt dieselben Privilegien gehabt haben. Sie hatten z. B. bisher das Recht, unter türkischer Regierung zu stehen. Dieses Privileg wurde unparteiisch auf alle Teile der Bevölkerung ausgedehnt, und auch die Restiltäte dieses Systems kamen allen Teilen zugute. Dieser Stand der Dinge ist jetzt erfreulicherweise zu Ende. Aber wenn die bisher von den Türken geknechtete Bevölkerung nun wirklich alle nur iiiöglidn’ii Wohltaten genießen wird, so kann das nur durch die Einführung der modernste״ Methoden geschehen, unterstützt vom Kapital aus der ganzen Welt, und daß kann 1111 r d u r eh j die Ausführung jenes große« Plans geschchen, den die große Menge der Juden - - nicht alle, ich weil! wohl, und häufig nicht die reichsten die große Masse der Juden in Ost und West, in Nord und Süd jedenfalls für einen großen Schritt auf dem Wege der E r leichterung des Loses hält, das ihre Rasse allzulange zu trage 11 ״ a 11 e. Ich glaube, daß ich nicht weiter bei dem angeblichen Unrecht verweilen muß, das das jüdische Nationalheini der lokalen arabischen Bevölkerung antut. England und die Araber. Aber das ist nicht der einzige Vorwurf, der erhoben wurde. Es wird auch behauptet, daß wir der ar abischen Rasse als ganzer ein groß es Unrecht tun und daß unsere Politik int Widerspruch steht mit den vom General Mac Mahon übernommenen Verpflichtungen und mit den cnglisdi-fran/ösisdien Erkläningeii, die General Allenhy der eingeborenen Bevölkertnig übermittelt hat. Mir scheint, (laß von allen hobeneu Vorwürfen dieser der seltsamste ist, daß wir ungerecht gegen die Araber handeln. Wc Befreiung der Araber vom türkischen Joch ist durch Vergießung britischen Blutes, durch britische Geschicklichkeit und Kraft, durch die Führung britischer Generäle uiul durch britische Truppen aus allen Teilen des Reiches ,durdigeführt worden. Und daß wir nach allen Ereignissen dieses Krieges einer Ungerechtigkeit beschuldigt werden, wir, die wir eben einen König in Mesopotamien eiligesetzt haben, die wir vorher einen arabischen König in Hcdschas eingesetzt haben, die wir mehr für die Araber getan haben, als in den vergangenen Jahrhunderten für sie geschehen ist, daß man uns beschuldigt, ihre Feinde zu sein, erscheint mir nicht nur eine .Ungerechtigkeit gegenüber der Politik dieses Landes, sondern eine phnntastischc Absonderlichkeit! Ich erkläre, daß die Politik Sr. M. Regierung und die Politik der verbündeten Mächte in Palästina den Arabern nützlich ist und nützlich sein wird. Ich sehe keinen Grund ein. warum die Teile der palästinensischcn Bevölkerung, die, wie mein Vorredner gesagt hat, unter türkischer Herrschaft in Freundschaft miteinander lebten, unter britischer Regierung!11 Streit leben sollen. Ich behaupte, daß vorn rein materiellen Gesichtspunkt aus unsere Politik in Palästina eine erfolg reiche Politik ist. Aber wir haben niemals hehauptet, und ich habe es ganz bestimmt nicht, daß die Deklaration vom November 1017 ihren Ursprung in rein materiellen FI rwäg ungen gehabt habe. Ich betrachte diese Erklärung nicht als eine Lösung, wohl aber als eine Teillösung der großen und dauernden Judenfragc. Judenfrage und Zionismus. Mpin Vorredner erklärte, und ich glaube ihm das, daß er gegen die Juden keine Vorurteile habe. Ich denke, ich darf sagen, daß teil keine Vorurteile zu ihren Gunsten habe. Aber ihre Lage und ihre Geschichte, ihre Beziehung zu den Wdireiigioneit und zur Weltpolitik ist eine ganz einzigartige. Es gibt dazu keine Parallele, und nichts, was sich einer Parallele nähert, i,!1 irgendeinem Teil menschlicher Geschichte. Da ist ein kleines Volk, das Ursprunglieh ein kleines Land, etwa von der Größe von!Wales und Belgien bewohnte, das niemals in seiner Geschichte eine materielle Macht hatte, ־zuweilen erdrückt von den orientalischen Großmächten, dessen Bewohner dann deportiert und verschlagen JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr 51 wurden, die aus ihrem Laude in alle Teile der Welt vertrieben wurden und die bis heute ihre religiöse und Stammestradition in einer Weise aufrechtcrhalteil und weitergeführt haben, zu der wir keine Parallele kennen. Das ist, wie mir scheint, schon bemerkenswert genug. Man bedenke min noch — und das dürfen wir nie vergessen — wie die 'Juden in langen Jahrhunderten behandelt worden sind, in Jahrhunderten, die in;manchen Teilen der Welt bis zu dieser Minute andauern, in der ich spreche. Mau beachte, welcher Tyrannei und welchen Unterdrückungen sie untervvorfen waren; man frage sich, ob nicht die ganze europäische Kultur mul alle Religionen Europas sich von Zeit zu Zeit der größten Verbrechen gegen sic schuldig gemacht haben. Ich verstehe gut, daß einige Menschen dieser Ibisse Veranlassung zu diesem Verhalten gegeben haben, und ich weiß nicht, wie das "bei der Behandlung, die man ihnen hat angedeihen lassen, anders hätte sein können, Aber wenn man sich alles vergegenwärtigen will, darf man auch nicht die Rolle vergessen, die sie in der intellektuellen, künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Entwicklung der Welt gespielt haben. Ich spreche nicht von ihren okonomischen Leistungen, auf die die Aufmerksamkeit der Christen sich stets richtet. ich bitte die Lords, vielmehr die andere Seite ihrer Tätigkeit ins Auge zu f;essen. Niemand leugnet, daß sie gerade in letzter Zeit mit ganzer Euergie sich für den wissenschaftlichen, intellektuellen und künstlerischen Fortschritt eingesetzt haben. Wir finden sie an jeder Universität, in jedem Zentrum j der Gelehrsamkeit. 11t der Zeit ihrer größten Verj folgtnigeu seitens der Kirche entwickelten ihre; Philosophen Gedanken, die die größten Kirchenlehre!־ ihrem religiösen System einvcrlcibtcn. So war es im Mittelalter, so ist es jetzt. Und doch — gibt es hier jemand, der mit der Lage der Juden zufrieden wäre? Sie haben durch die besondere Zähigkeit ihrer Rasse sich bis heute zu erhalten vermocht, und dies ohne eine jüdische Heimstätte zu haben. Was war das Resultat? Man schilderte sie als Parasiten, die sich in alle Kulturen drängten, recht nützliche Parasiten zuweilen, möchte ich sägen. Aber sei dem, wie cs wolle. Halten Sie, meine Herren es nicht für notwendig, daß die Christenheit das Unrecht nicht vergißt, das sic den Juden angetan hat, und wenn sie ihnen, ohne Verletzung anderer, die Möglichkeit geben kann, zu ׳zeigen, ob sie imstande sind, ihre Kultur in ihrer Heimat atifzubatm, wo sic vor Verfolgungen geschützt sein werden — müssen wir es nicht tun? Würden wir nicht, vv eit n wir s o handeln, ei n e n alten FI e c k a b w a s c 11 c 11, der auf linserer Zivilisation ruht? Und wenn wir die jüdische Rasse in wirksamer Form aufncluncn in jenen Ländern, wo sie Bürger sind? Wir würden ihnen das geben, was jede andere Nation hat, einen Ort, wo sie die ihr eigentümliche Kultur und ihre Tradition entwickeln kann. Ich gebe offen zu, daß ich, so Weit ich mit dieser Politik etwas zu tun hatte, dazu durch Anschaumigen׳ veranlaßt worden bin, von denen keine in der Rede meines Vorgängers erwähnt worden ist. Ich kann das Palästinanrandat auch von einem ganz materiellen Gesichtspunkt aus verteidigen — ich habe es versucht und ich hoffe, mit Erfolg —. Von diesem Gesichtspunkt aus ist es einer Verteidigung fähig. Ich habe mich bemüht, *es vom Gesichtspunkt der heutigen Bevölkerung Palästinas aus zu verteidigen, und ich habe, wie icli hoffe, mit einigem Erfolg, gezeigt', daß ihr Wohl ergehen eng mit dem Erfolg des Zionismus verbunden ist. Aber wenn icit mich mit allen meinen Fälligkeiten bemüht,habe, das Mandat von diesen beiden Gesichtspunkten aus zu rechtfertigen (dem ökonomischen und dem der palästiiiensisclien Araber. D. R.), so würde ich den Lords einen falschen Eindruck von meinen Ansichten geben, wenn ich nicht mit dein Aufgebot aller meiner Kräfte betonen würde, daß über alle diese Momente hinaus es dieses große Ideal ist, dein die, die denken wie ich, nachstreben, und das zu erreichen, wie ich glaube, in unserer Macht liegt. Es kamt freilich auch scheitern. Ich leugne nicht, daß es sich tim ein Wagstuck handelt. Aber haben wir nie etwas gewagt, niemals Neues versucht? Das Wagnis kann gerechtfertigt werden, Wenn dafür irgend eine Grundlage ist. Wahrlieh, wir sollten eine Botschaft senden zu jedem Lande, in das die Juden verschlagen worden sind, eine Botschaft, in der wir ihnen sagen, daß das Christentum ihren Glauben nicht vergessen hat, daß es der Dienste eingedenk ist, die sie den großen Weltreligiouen geleistet haben und vor allem auch der Religion, 1zu der der größte Teil dieses Hauses sich bekennt, und 1daß wir ihnen mit allen Kräften die Möglichkeit eröffnen wollen, Antrag in Frieden und Ruhe unter britischer Herrschaft die großen Gaben zu entwickeln, die sie bisher gezwungen waren in Ländern zur Geltung Zu bringen, die nicht ihre Sprache sprachen und nicht ihrer Russe angehörten. Dieses Ideal m ö c 111 e ich verwirklicht sehen, das ist das Ziel der Po. litik, die ich verteidige. Und wenn es, auch von jedem Standpunkt aus verteidigt werden kan«, dies ist der Grund, der mich vor allem bewegt.‘! Die weitere Debatte. ln der weiteren Dissknssion wies Lord Sy den• 11 a m darauf hin, daß führende Juden den Ziouisimn geistig für falsch und wirtschaftlich für ungesund hielten Die Rechte der Araber würden bedroht. Die Bt. iinilmngci! des Zionismus würden scheitern, aber!las Unglück, das die jüdische Iinmigratioii aurichtei, so nicht mehr gut zu machen. Lord Buck in a st er hedauerte, daß Baltour Ideale den Tatsachen vorziehe Er beschäftigte sicii dann mit dem Riithenberg-Projikt und fragte, wo die Kapitalien bleiben, von denen liaj. four geredet habe. Dann sprach Lord Laming ton. Es seien keinerlei Versuche gemacht worden, den Wü״. scheu der palästinensischen Bevölkerung zu entsprechen. Man müsse sofort etwas tun, um den Argwohn der Araber zu beschwichtigen. Das Mandat könne nicht m dem gegenwärtigen Zustand bleiben. Ebenso unter• stützte Lord W i 11 o 11 g c b v d e Brok e den von Islington. Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit 60 gegen 29 Stimmen angenommen. Eine Erklärung der Zionistischen Exekutive Die Exekutive der Zionistischen Organisation veröffentlichte am 22. Juni folgende Erklärung: ״In der Sitzung des Hottst׳ of Lords gestern nachmittag wurde von Lord Islington ein Antrag eingebracht, daß das Mandat für Palästina in seiner gegenwärtigen Form dem Hause unannehmbar ist uiul daß seine Annahme durch den Völkerbundrat attfgesciioben werden soll, bis die Einleitungswortc (״preamble“) und die Artikel, die sich auf die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte bezielten, geändert werden. Lord islington gründete seinen Antrag auf die irrige Annahme, daß das Mandat Versprechungen verletze, welche durch S. M. Regierung dem Volke von Palästina gemacht worden seien und stützte ihn durch unzutreffende Angaben, so z. R., daß die jüdischen Immigranten in Palästina eine beträchtliche Verwirrung hervor• gerufen haben und daß eine sehr große Zahl der jüdischen Gemeinde in Palästina dem Zionismus mit Abneigung gegenübersiche. Der Earl of Balfour gab in einer langen und geistvollen Er• vvidertmg eine machtvolle Rechtfertigung des Man•! dates und der Politik der Regierung in Palästina. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dal! diese Politik im Jahre 1917 initiiert worden ist, daß sic von den alliierten und associierten Mächten gebilligt worden ist und daß der Völkerbundrat die Aufforderung an S. M. Regierung gerichtet hat, sie durchziiftihreii. Er wies die Darstellung, die Juden wollten die Araber unterdrücken, als phantastisch zurück und trat dafür ein, daß den Juden die Möglichkcit gegeben werde, ihre Gaben unter britischer Herrschaft in Palästina zu entwickeln. Nach einigen Reden zu Gunsten des Antrages wurde dieser mit M) gegen 29 Stimmen angenommen. Die Exekutive der Zionistischen Organisation bedauert die Annahme von Lord Islingtons Antrag und kann nicht umhin, die Anschauung auszu• sprechen, daß dieses Ereignis herbeigeführt wurde durch die systematische Verbreitung irreführender und vo r 11 r t c i I s vo'ller l> a r s t c 11 u 11 g e ti seitens der Gegner der /.io• nistischen Bewegung, welche offenbar ihre Kräfte für die gestrige Abstimmung organisiert haben. Sic vertraut darauf, daß in ,der Debatte über die britische Politik in Palästina, welche heute im Unterh a u s stattfiiulen soll, die Sympathien des britischen Volkes mit den zionistische״ Bestrebungen, welche vor wenigen Jahren eine so weit verbreitete Aeußerang gefunden hat, wieder in unzweideutiger Weise zum Ausdruck kommen werden. Die Exekutive der Zionistischen Organisation muß darauf hiinveisen, daß im November 19D die britische Regierung ein feierliches Versprechen gegeben hat, daß sie ihre besten ßc* 111 iil tun gen dafür einsetzen wird, eine nationale Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk יה schaffen. Dieses Versprechen, welches bei '׳erschiedencti Gelegenheiten bekräftigt worden ist, hat die Hoffnungen der Juden in allen Teilen der Welt bestärkt und ihre Dankbarkeit erweckt. Die Zionistische Exekutive erwartet zuversichtlich, daß die britische Regierung die Ehrenverbindlichkeit, d* sie gegenüber dem jüdischen Volke auf sich 'ge־ nomrnen hat, getreulich cinlösen wird. Nr. Da der dci R .11 h ( ״esamti Seit W!׳uiiehtn (Iriltseb und de Woche! pl.intnri thi-nau er hat ״eben .len Min ■,unken, Jude g knüpf ul nicht ji; ,!rügen m־nü׳r einer d spurcnC genart. gcschal geleitet Deuthd fasse!׳ denen tertc, i liehe G und pe! scrisüsc In bruclt 1 l'ersönl zialistis• Ratlum, und G jüdisch! deutsch fcldcm gebracl luden, ben da ist um lieh wa allen, (1 wirklict nahmen diese I stärkste heerend wie in schaft. wurden־ 2u troff niemals Zeit gel aufbaus Juden v׳( kämpfe auch n dischon der Auf l’olitik eine Fti lamenta '1!(־hon 5,ich zu *ntstam der erst ,teilen dein \\ den Lä '••״glich iormat ’״tgabu De: ׳ m neu des ju< kam! d 1<־e hist• •las ן<ין denen d ücm B