Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1922)
- Date
- 1922-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Für T«checbo»lowekei; Poataperk•ueniffit Pr«f, Konto Nr. 1*4050, ־־־־ Re<lnkti«n«sci11uß Sonntag und MiHwoci atdhrmtUg. —* '־'!1■Jaiirgו/<^ןדא?חרש תמת* חרס״ר 0er Zionismus erstrebt für das jüdische Volle die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Helmsratte In Palästina. ״Baseler Programm״. י® ירון ח?> וחזז י־> רך״ י־־; ■־äs! י?> Ueberraschcnde Abstimmung Im Oberhaus — Große prozionistische Rede Balfours - Eine Erklärung der Zionistischen Exekutive twl>üll(f W 1'Kbnrül י 8«<1. Tmb,“ י""». M»B, * llulga«,1 RW, Berlin, 25. Juni. Der Beschluß des Oberhauses in der Palästinajj.igc hat peinliche Ueberraschtuig in der jüdischen feit luTVorgenifcii. Kurz nachdem der amerika-;lischo Senat einstimmig eine Resolution zugunsten ,!er judischen Heimstätte angenommen hat, wird im Hotise of Lords, dein Oberhaus der Maiidatarniaclit «elhst, die die jüdische Heimstätte verbürgende r ilanjl Fassung des Mandatsvertragcs mit Zweidrittehnelir- In niic’i!!»'״׳״ V״: F G«* Walii te Klick 5n 1 שוחט ו, poluisf eise. M«ii.;ende Enr, Bad icit abgelehnt! Amerika, bisher das ■grollte!,linder iiis für die Mandatserteilnng, spricht ein starkes Wort für die von England mit nachträglicher Zu- Tiiummg aller Enteiitestaaten eingeschlagene Pa-;astina-Politik, England selbst bemüht sich, die Widerstände der andern Mitglieder tles Völkerbundrates gegen die formale Bestätigung des Mandates zu überwinden, sein offizieller Vertreter erklärt aadulrüeklich vor aller Welt, dal) nicht ein Wort w\\ den Regierungserklärungen geändert werden kann, mul fast gleichzeitig, unmittelbar vor der zur Bestätigung des Mandats anlXTauinteu Sitzung, fallt die erste Kammer der britischen Regierung in Jen Rucken. Eine ungewöhnliche Situation! Die erste Frage, die wir stellen müssen, ist die nach der Tragweite dieses Ereignisses. Im Augen- Wirk sind die Folgen noch nicht ,zu übersehen. Dali!imnitlelbarc politische Konsequenzen daraus gezogen werden, ist nicht anzunehnten. Ein Beschluß des Oberhauses hat in England keinen derartigen kiuiliil) auf die Politik der Regierung, und es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Regierung ihren Kurs nicht ändern wird. Diese Auffassung Millert auch die zionistische Exekutive in ihrem zu der Siehe ausgegcbcncii Cominuniquec. Die De- 1I hatte im Unterhalts, die am Donnerstag statt- | finden sollte, ist infolge der Trauersitzung für Geil. Wilson unterblieben; das Unterhaus ist unverglcichlieh maßgebender als das Oberhaus und gibt einen uel getreuere״ Spiegel der öffentlichen Meinung Englands. Im Unterhaus hat der Zionismus viele / Hei» 18 freunde, nicht zuletzt die Labour Party, deren Füllrigsplatx 1 rer Raiusay Maedonald einen so glänzenden Einr-י)': '!nick vom sozialen Werden Palästinas von seiner ־T 1; feix!• mitgebracht hat. Wenn das Uulcrhaus die Inn All;ti ’’()lilik der billigt, durfte der Beschluß i* 1■ 1icS Oberhauses kaum ins Gewicht fallen. Aber es r&ann fnet lYg tldcne» Hirsch BismareU oiohwtt* w! •H*pr90fc*f 1' י inja״ «äre falsch, sich darüber zu täuschen, dal) dieser Beschluh doch unserer Sache schweren Schaden ™fügt. Die Stellung des englischen Delegierten im V>lkerl>1111drat, der das Mandat vor andern Mächten ertretcu soll, wird dadurch nicht erleichtert, und ’11e Agitation aller unserer Gegner auf der ganzen | l.mie erhält nicht nur eine Stütz.e und neue Beltämig, sondern auch ein willkommenes Argument «,li ''1'FT'11 die britische Regierungs-Politik. Die Lage ':} "ird dadurch zweifellos ernstlich erschwert. Die zweite Frage ist die. wies״ ein solcher Beschluß, der anscheinend auch der Loiuiouer «Miisiischen Zentrale unerwartet kam, zustande w"»1m.'11 konnte. Zweifellos ist er vor allem , ™י Resultat der planmäßigen und geschickten T ,1 Arbeit der arabischen Delegation in London. Dieser Delegatior-, vor allem ihrem geistigen Führer, Köche dem Sekretär Schiblv Dschatnal, ist es gelungen, Wl'l״יד,!; 2״ wc‘torc Kreise der englischen Oeffentliche *^Vktiri d>it f״r sid1 /״ gewinnen, bcs11״de«־s die reaktionären ,"-*ץ ,ן Militärkreise, aber auch auf die Liberalen hat 1'''IS ArK1״nt*nt von der Vergewalligimg einer Majo-, JCLAO־11« ׳»tat durch eine herrschen wollende Minorität einen MlbeltN sVA’isseu Eiiulnu k gemacht. Die Araber haben vor B“,AUg®E,| die englivLlie Presse und die Mitglieder der?ÄH[, r!,U’" Häuser des Parlamentes bearbeitet, mul wir >u״H <•״ 'k\! ',״‘־י gesehen, wie ein Lord nach dem andern zu swIbw, j1 nieii übe1gm;,_ Wir haben an dieser Stelle vom 7 | '־י1־*'•» Augenblick an, als die arabische Delegation i&Iofl |״ac״ London kam, davor gewarnt, diesen Gegner 1^111''? ר*‘vcliätzen, wozu leider damals und nocii ^8״'- später m manclien zionistischen Kreisen Nci- ז fU״K lKstwd; wir haben immer wieder, ««hon' vor ‘ l״ör‘ Jahre, gefordert, daß die Zionistische Organisatinn durch eine klare und offene Darlegung unserer realpolilischcn Ziele und unserer nicht auf Herrschaft, sondern auf unsere eigene, mit allen positiven Elementen des Lundes «»operierende Ent- Wicklung und auf ein friedliches• kulturfördcrudcs Zusammenleben der Völker gerichteten Bestrebuugen die politische Atmosphäre entladen und den Agitatorcu den Wind aus den Segeln nehme. Leider haben unsere Bemühungen nicht die gewünschte Wirkung gehabt; nicht einmal der Kongreß vermochte in seiner Gesamtheit die primäre 'Bedeutung dieser Angelegenheit zu verstellen. Wir glauben, daß die heute in London befindliche Delegation keineswegs die wirklichen Anschauungen der palästiuensischen, Araber repräsentiert; aber je länger wir sie wirken lieben, ohne <1 ein Teil des arabischen Volkes näherxznk<11m1K־n,■ der uns verstehen könnte, desto mehr vermochte sie sich populär zu machen und nationale Lorbeeren zu sainnieln (wir veröffentliehen, z, B. an uiulcrer Stelle einen Bericht, den die Delegation nach Palästina sandte). Heute ist wahrscheinlich nicht mir ihre Position bei den Arabern stärker als vor einem Jahre, sondern es ist auch heute schon viel schwieriger, den Weg zu Verhandlungen zu finden. Dennoch muß er gefuiulen werden, müssen die Beziehungen entgiftet und ein direkter Kontakt hergestellt werden, sonst kompliziert sieh das Problem immer mehr. Den Lords allerdings, die für den Antrag Islington gestimmt haben, scheint eine derartige Verständigung unerwünscht zu sein. Diese Feudalen, die stärkste Stütze des alten impcrialislischen Systems, die skrupcllos jede Unterdrückung und Lxploitierung der Kolonialvölker betreiben, wurden plötzlich aus ״Gcrechtigkeitsgefiihl“ für die palästinensischen Araber sentimental: plötzlich gelten ״moralische“ Argumente,über die man sich sonst leicht hinwegsetzte; cs ist eine Sache der politischen Konjunktur und eine Frucht des erstarkten Antisemitismus, und vielleicht sind die Araber dabei ebenso die Werkzeuge der Lords wie umgekehrt. Manche von den wütendsten Gegnern der Regiermigspolitik gehörten vor fünf Jahren zu den Männern, die die Balfour-Deklaration öffentlich gefeiert haben, als diese als der probateste Weg erschien, Palästina zu gewinnen. Heute sprechen sie von den den Arabern gegebenen Verspreclnmgcu, als ob cs keine Balfour-Deklaration, keinen Beschluß von San Remo, keine wiederholt den Juden gegebenen feierlichen Verpflichtungen gäbe, die zu brechen eine der schmachvollsten und folgenschwersten Schandtaten der Geschichte wäre. Die englische Regierung, die Ehre und Interesse des Reiches zu wahren hat, kann sieh nicht in einer solchen Sache überrumpeln lassen. Der Tag der Palästina-Debatte im Oberhaus war aber zugleich ein kleines parlamentarisches Ereignis, dem man schon vorher mit Interesse entgegensab: An diesem Tage sollte Balfour, der neue Lord, seine erste ״Rede im Oberhaus halten. Die Geschichte hat es gefügt, daß der Manu, mit dessen Namen Englands l’alästiriapolitik unlöslich vcrbtinden ist, diese erste Rede zur l'alästinafrage zu halten hatte. Durch Balfours Rede ist diese Debatte mehr als eine parlamentarische Sensation geworden; sie ist ein Ereignis von moralischer Bedeutung. Nie zuvor sind in einem Parlament der Welt solche Worte zur Judcnfrage gesprochen worden; nie zuvor ist mit solcher Schürfe die geschichtliche Perspeldive des Verhältnisses der christlichen Völker zum Jndeuvolk, die älWste Wiedcrgutmachungspflicht charakterisiert worden. Dieser greise Philosopli hat auch in der Wirrnis der Nachkriegsjahre, in denen die politischen Sitten verrohten, die großen Parolen von 1 DIS zu Phrasen zusanrmcnschrumpften, der Egoismus wieder schrankenlos oberstes Gesetz wurde, den Glauben an die Macht des Geistes nicht verloren. Nicht im Namen der Gewalt öder des Profits, sondern im Namen der Idee hat er die Sache der jüdischen Heimstätte vertreten. Seine großartige Kundgebung,die das Niveau der Debatte hoch überragte, war ein Versuch, der Idee wieder Geltiing in der Politik zu verschaffen. Der Versuch fiel auf unfruchtbaren Hoden. )X(eit entfernt waren die Hörer von seiner Geisteswelt. Aber diese Rede war nicht;111 die Lords gerichtet, sie galt der ganzen *diristeulicit, und sie wird gehört werden, früher oder später. Der Verlauf der Oberhausdebatte Line Debatte über das Palästkianmmlat und die Rinlu'iilK'iK-Knn/csMoii fand ui der Sitzung de< britisdu’ii Oberhauses vom 21. Juni, wie wir bereits kurz gemeldet haben, statt. Lord Islington begründete folgende Resolutionen: ״Das Mandat für Palästina ist in seiner gegenwärtigen Font! für das 1 laus u n a 11 n e h in bar, da es direkt die Verpflichtungen verletzt, die Sr. M. Regierung gegenüber dem Volk von Palästina in der Lrkliimug vom Oktober 1015 und wiederum in tler Erklärung vom November 1018 übernommen bat und ela das Mandat in seiner gegenwärtigen Form den Gefühlen und Wünschen der großen Mehrheit tler palästinensischen Bevölkerung entgegengesetzt ist. Infolgedessen soll seine Annahme durch den Völkerbmulrat so lange verschoben werden, bis solche Aendcrtmgen vorgcnommeii worden, sind, die mit den von Sr. M. Regierung übernommenen Verpflichtungen in Einklang ste- Iten.“ Im Laute seiner Ausführungen erklärte Islington, daß er ein Gegner der auf Errichtung eines jüdischen Nationalheinis in Palästina ahzielenden Polilik sei. Insbesondere bekämpfte er die Einleitung (״preamble‘‘) ' mul die Artikel -I (Jewish agencv), i> (Einwanderung) und 11 (Wirtschaftliche Konzessionen) des Mandates. Zum Rutheiiberg-Proji'k! übergehend, behauptete er, daII dieses Projekt, auch wenn es modifiziert würde, den jüdischen Bürgern eine grolle Macht üher die arabische Hcvölkcrung gähn. Obwohl in Palästina eine britische Verwaltung bestehe, sc! die zionistische Kom- 111 iss io 11 die hinter tler Regierung stehende wirkliche Macht. Der Zionismus widerspreche der ganzen inensch- ׳ liehen Psychologie tlieses Jahrlmnderts. Die Rede Balfours . Darauf ergriff Baitour das Wort und setzte auseinander, dal) das Mandat nicht im Widerspruche mit der Politik stehe, die diejenigen Machte verfolgen, die das Mamlatssystem erfunden haben. Er sagte: ״Es liandelt sich um eine zwischen den alliierten und asso- /iierten Mächten bereits vor dem Waffenstillstand vereinbarte Politik.' sic war in Amerika und in tmserem Laude akzeptiert worden, sie war in der ganzen Welt kumlgcgeben worden, und wenn es jemals eine Deklaration gab, die hinter «i c h die Zustimmung der gesamten öffentlichen Meinung hatte, so glaube ich. dal) es die Erklärung von! Novcinbcr ldl7 war.‘׳ Zit der Behauptung einer zionistischen Herrschaft in Palästina übergehend, erklärte er: ״Ich kamt mir nicht vorstellen, daß irgendwelche politischen Interessen in höherem Maße sichergestellt sein können, als die der arabischen B e v ö I k e'r u 11 g Palästinas, Jede tlniullung der Regierung wird eifersüchtig überwadil. Die Zionistische Organisation hat keinen Anteil au der politischen Macht. Wenn sie pplitischc Macht ausiibie, wäre das ein 1!surpatoristiter Akt. Ist so etwas denkbar und möglich unter den Luchsaugen der Kritiker, wie z. B. meines Vorredners, exler der Mandatskommission, deren Aufgabe die lieber* wachmig der Durchführung der Mandate ist oder unter den Augen eines britischen < »ouvcnieiir-Oenernls, der in den Traditionen britischer Gerechtigkeit tatd britischer guter Regierung atifgcwachscu ►st, oder endlich hinter all den Sicherungen, die die freie parlamentarische Kritik in beiden Häusern des Parlaments sicherstem? Das sind phantastische Beftirchtauigen. Was auch immer geschelten möge, ich bin davon lief überzeugt, dal) unter britischer Regierung kein« Form völkischer oder reiigiöscr Tyrannei gestattet werden wird,‘‘ Die Einwanderung. Mein Vorredner kritisierte das ganze System der Einwanderung, Ich weiß nicht, warum er das tat. Kein Mensch kann behaupten, daß Palästina ein übervölkertes Lind sei. Es ist vielmehr ein Land mit zu geringer Bevölkerung int gegenwärtigen