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Jüdische Rundschau · 1922-06-23 · Heft 50 (23.6.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 50 (23.6.1922)
Date
1922-06-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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328 JUEDISCHERUNDSCHAU Nr. SO *;n JLsclmw /u inaclien, /um Grundfonds des 1s. Es geschah nicht. Welche Erwägunge« .er Konteren•/, dagegen sprachen, ob die, daß neue, auch den Anschein der Nichtneutralität ,ollig vermeidende Organisation besser geeignet sein würde, als der KKL., der bei vielen, die man zur Mitarbeit gewinnen wollte, durch seinen zweiten Namen, J. N.-P., Anstoß erregen könnte, oder tiefer liegende Gründe, es drang nicht hinaus. Der KKL. blieb also beschränkt auf seinen 11 rsprüngliclieii, auf seinen von Anbeginn an alleinigen Zweck: Bodeukauf in Erez-Israel, imd für den Aufbau wurde ein neuer Fonds, der Keren Hajessod, geschaffen. Es war klar, daß er eine Konkurrenz für unseren KKL. sein würde. Um so mehr, als er diesem sofort eine Einnahmequelle nahm, ־ eine, die eben gerade im Ausbau begriffen, gute Aussichten eröffnet hatte: die Selbstbesteueruug, die Selbsteiuscliiitzung für den Bodenkauf, für Gculath Haare/.. Man sah das allgemein ein und suchte! den KKL. zu entschädigen. Es wurde bestimmt: Aus den Eingängen des Keren Hajessod sollen mindestens 20 <y« dem J. N.-F. zugeführt werden. Hierüber wurde ein förmlicher Vertrag zwischen den Vertretern der beiden Fonds geschlossen. Die alten Freunde des KKL. fürchteten trotzdem eine Schädigung ihres Fonds, dem sie bisher ihre Liebe und ihre Arbeit zugewendet hatten. Wohl wußten sie die Bedeutung und die Notwendigkeit des Keren Hajessod zu würdigen und unterschätzten beides nicht. Es war auch kein Rivalitätsgedauke bei ihnen. Aber sie unterschätzten noch weniger die Anforderungen, die an das Instrument des Bodenkaufs in Erez-Israel gerade in den nachsteil Jahren gestellt werden würden, gestellt werden mußten. Es war ihnen klar, daß in de» letzten Zellen der Zionistischen Organisation, in den Ortsgruppen, die Arbeit für den Keren Hajessod doch zumeist von denselben Leuten gemacht werden würde, wie bisher für den KKL. Ist doch überall ein Mangel an aktiven Mitarbeitern trotz aller Begeistening, besonders wenn es gilt, Geldmittel zu beschaffen. Wenn deren Interesse nun für den neuen Zweck, dessen Größe 'und Dringlichkeit einem jeden ja sofort einleuchten mußte, abgelenkt wurde, mußte das alte Arbeitsgebiet leiden, konnten sieh die Hoffnungen lind Erwartungen auf ein immer steileres Ansteigen der Eiunahmekurve für Gculath Haare/, für den KKL. nicht erfüllen. Dies in achte ihnen um so größere Sorge, als sie schon inniier eins beklagten: bei der Leitung, bei den Direktoren des KKL. ein mangelndes Verstiindnis für den Wert und die Bedeutung der Prop Uganda. Das fortschreitende Anwachsen der Eingänge und des Vermögens ließ zu leicht die Arbeit übersehen und unterschätzen, die dazu führte, — ließ zu leicht glauben, daß die Maschine auch ohne Oel gehe. Es zeigte sich bald, daß die Befürchtungen nicht grundlos' waren. Dazu noch die Schäden, die dem KKL. aus der schlechten Valuta gerade der Länder erwuchsen, die früher das meiste für ihn aufgebracht halten: Rußland, Polen, Galizien, Oesterreich,!Deutschland usw. x Alles wirkte zusammen, der Fortschritt geriet ins Stocken, die Eingänge gingen zurück. Aber auch die Eingänge für den!Keren Hajessod waren nicht so hoch, wie man sic erhofft und wie man sie für den Aufbau Erez-Israels brauchte. Da faßte der Karlsbader Kongreß einen Beschluß (es ist manchmal ein eigen Ding um diese Be- Schlüsse), wonach vo!1 den Keren Hajessod-Eingangen des nächsten Jahres zunächst der regelmäßige Etat zu decken und ״sodann alle Beträge für die übrigen Ver- Keren Hajessod zu re sc rweiteren einlaufenden wendlingszwecke des vier.en“(?) seien. Damit war auch diese sichere Hoffnung des KKL. zunächst für ein Jahr zuschanden geworden. . . Und dabei war der KKL. durch die große« Btodeiikäufe der letzten Jahre weit über seine verfügbaren Mittel hinaus engagiert, die zu erwartenden Eingänge waren im voraus verfügt. Neue Gelegenheiten zur Vermehrung des doch im ganzen noch sehr geringen jüdischen Besitzes in EreZ-Israel *werden an ihn herantreten. Was daun? Ja, was dann? Und das im Jubiläumsjahr des KKL! Es gibt nur eine Antwort: Neuaufnahme vermchrter Tätigkeit für den KKL. Unbeschadet der Arbeit f ür den Keren H a j essod muß eine neue W c 11 e v o n Arbeit für den KKL. e i n s e t ze n , die versuchen muß, die Schäden der letzten Jahre auszugleichen, die die Kurve wieder in ihr alte Neigung zu steilem Aufstieg zurückbiegen muß. Ich weiß von Nathan Groß, dem eben viel zu früh uns Entrissenen, der ganz aufging in der Arbeit für den KKL., mit dem er völlig verwachsen war, wie schwer es ihn bedrückte, daß die Entwicklung seines KKL. nicht den Verlauf nahm, den er und mit ihm alle Freunde des KKL. erhofft hatten, ln Briefen und in mündlichen Gesprächen in Hauuover und in Karlsbad drehte sich ihm alles, um diese Sorge, die ihm zu einem seelischen Schmerze wurde. . : Wollen wir sein Andenken ehren, das Andenken an seine großen Verdienste um die bisherige Entwicklung des KKL., so müssen wir mit erneuten Kräften an die Arbeit gehen. Mann* über Bord: die Reihen dichter geschlossen! Die Armee der freiwilligen Kämpfer für den KKL. muß neue Reserven erhalten, vielleicht ganz neu aufgebaut werden. Dabei sei offen eines ausgesprochen: Es dentet einiges darauf hin, als wolle man den KKL. im Keren Hajessod aufgehen■ oder ihn subordinieren oder sonstwie verunselbständigen lassen. Auch dieses war eine von den ihn sehr bedrückenden Befürchtungen Nathan Groß’•. Hoffentlich war es nur ein Gespenst, das ihn narrte. Demi es wäre ein Experiment, vor dem man sich hüten sollte. Man unterschätze nicht die Popularität des KKL. Und man bedenkq, daß sich Sympathien nicht so leicht übertragen lassen. Der KKL. existiert min bereits 20׳ Jahre und ist als ein dauerndes Instrument des jüdischen Volkes gegründet worden. Er hat eine Geschichte Micha Joseph Berdiczevsky der Romantiker Von Simon Ernst, Jaffa. ״Seine Seele stiebte dem innersten Kern des Lcbensriitsels, der Weltvergeistigung, den namenlosen Tiefen entgegen . .?• (Perez über Berdiczevsky) Die in schmerzlicher Hast hingeworfenen Pflichtnckreloge und summarischen Werturteile sind schnell uikltmgeu. Nunmehr soll eine längere Pause des stillen Hineimerscnkcns in das vielgestaltige Schaffen des großen Heimgegangenen eintreten. Der Dichter mul Denker, der Publizist und Kritiker und Literamrlnsturiker (und wer würde seine Gedanken- und Bilder■ weit in die schablonenhaften bequemen Fächer eiimizwangen wagen?) - sie alle harren der liebevollen, ein■ 'gellenden Betrachtung im Lichte der Zeitverliiiltnisse. Demi so •lange wir in unbezwingbarer Aufregung gegen das wütende Geschick, den Bück unverwandt auf das Häuflein Erde senken, darf wohl von einem irgendwie abgeklärten Urteil noch nicht die Rede sei״.״ Noch ist es offenbar zu früh, die dauernde Stellung Bcrdic/.evskys in unserer jüngsten Geistesgesdiidite zu bezeichnen. Noch bleiben alle Versuche solcher Art Tcilcliaraktcrisierungen, um einzelne Akkorde aus der soeben ahgebrochenen gewaltigen Symphonie in die Seele■ der berauschten Zuhörer zurückzurufen, also im besten Falle -- Fragmente. Die Romantik des Chassidismus ist sicherlich einer der 11crv0rstecl*cnden Züge im Schaffen Berdiczevskys gewesen. Er war bei weitem nicht der erste, der es wagte, der chassidisdien Ghettovergangenhcit ewige kul- Grelle Werte abntgewinnen. Perez und Asch haben gleichzeitig, ziui! Teil auch vor ihm, versucht, uns die wunderlich verzückten, ins Dämmerlicht der galizisdipolnischen Nester getauchten Gestalten menschlich hinter sich, die ein iesiimirissencs Bild von jj,n1 allen cingcprägt hat. Er hat einen reichen Schatz von Erfahrungen gesammelt, die nicht ohne Bc. dcutung und Wert sind. Der Keren Hajessod ist eine noch junge Gründung, die eigentlich nur für fünf Jahre in Aussicht gcitonuticn war. 111 der kurzen Zeit seiner Existenz war er schon Gegenstand heftigster Kämpfe, die wohl noch nicht ganz abgeschlossen sind. Sein Charakterbild schwankt noch in der Parteien 1 laß und Gunst. Es ist sehr mag. lieh, daß er noch seine Struktur wechseln wird, Vielleicht wird er, wenn wir die definitive Jewisli Agency haben werden, ganz apders gestaltet werden. fX׳r KKL. wird bleiben, wie und was er ist, dies Instrument der Gculath Haurez, er ist ein Definitivum, wie auch alles sich sonst gestalten möge. Sehr erfreulieh ist, was der eine der neuen Direktoren des KKL. nach seiner Inspektionsreise in Palästina über ihn in einem Interview gesagt hat: wie beliebt der KKL. in Erez-Israel ist und welche Erwartungen man dort an ihn knüpft, wenn er erst nach Erez-Israel übergesiedelt sein wird. Gerade diese Actißerungen dürfen baffen lassen, daß eine neue Blüte des selbständigen KKL. bald alle, die in ihm mehr selten als eine von vielen In• stitutionen, erfreuen wird. Daß Nathan Groll sie nicht mehr erlebt, werden alle die tief schmerzlich empfinden, die ihn in seiner Arbeit für den KKL. gekannt und geschätzt haben. Neue Anspannung aller Kräfte für den KKL. ist das schönste Denkmal, das ihm gesetzt werden kann. . . Die in Karlsbad beschlossene, aber immer noch nicht in Kraft getretene Konstitution des KKL. wird hoffentlich bald Gelegenheit haben, hier einen Bcweis ihrer'Existenzberechtigung ab/.ulegcn und an dem Neuaufbau des KKL. in erster Reihe mit־«• wirken. S. Abreise von Stephan Wise nach Europa New York. (J. C. 11.) Am 17. Juni ist f)r. Stephan Wise nach Europa abgereist. Dr. Wise wird sich zunächst nach Paris begebe« um dort im Aufträge der amerikanisch-jüdischen Kongreß-Organisation mit dem Komitee der jüdischen Delegationen wegen der E i nberufu!t״ eines jüdischen Weltkongresses Fühlung zu nehmen. Hierauf wird er England, Deutsch- 1 a n d , Polen und Palästina besuchen. Letzte I^acbrichten Das Oberhaus das Palästinamandat gegen Nach Abschluß dieser Nummer erhalten wir eine vorläufig noch nicht bestätigte Nachricht, wonach das englische Oberhaus einem Antrag von Lord Ellington mit <10 gegen 2S) Stimmen zustimmte, der das P a 1 ä s t i 11 a m a n datinsciner gegenwärtigen Fo rin für u n anno 11 mbar erklärte. Der Standpunkt der Regierung wurde von ׳ Lord Balfour vvrtrclen. Wir gelten die Nachrieht mit allem Vorbehalt wieder. Mäher zu bringen; ihre Schilderungen sind aber realistisch orientiert und laufen, namentlich bei Asch, auf ergreifende Safyne hinaus, •Bevor nun Berdiczevsky uns die Innenwelt der Chasskliiii in impressionistischer Einfüllrting Iiinzaubcrte, machte er sieh durch seine tempernmcntvoll zugespitzte Polemik gegen die Richtung Achad- Haams bekannt. Er war der erste Nietzseiieaner in der neuen hebräischen Lcbensphibsophie. Niemand hätte vor ihm gewagt, das religiöse Heiligtum, die Propheten, in einem derart scharfen individualistische(» Ton als angeblich Schuldigen an der üeliirnhypcrtrophie des späteren Judentums anziigrcifen. Das frohe ״Hohe Lied“ trat in den Kampf gegen den weinerlichen Jcremia, und Herdiczevsky war der Bannerträger des ersten. Nichts von Geistüherladung und vom Kultus der Vergangenheit wollte er wissen. Und .nun•, trittderselbe Ueiiquieiv- Stürmer als-'sejiwärineiisdter Verehrer der cliassidisdun Seelenlyrik atif'r ilas klang als paradox, ja noch schlimmer - es sah nach atavistischer Rückbildung ans. Man hört über auf, sieh• über dtp neue liehe Herdiezevskys zu wundern, wenn man vor allem das ״Saffcr Cliassidrm“ liest: und tut man das, so hat man wenig Lust, darüber zu schreiben. ׳Das Nadiempfimleii!nimmt einem den ruhigen Atem, der ihm» einmal zum Aneinanderreihen von Wörtern gehört. ״Und fragt er dich: wozu tanzt mau eigentlich, so eröffne ihm: Einfältiger du, Tanz ist eben Gottesdienst, und die Welt bestellt ans Singender» und Tanzeiidcn, selbst die Buchstaben halten׳ cs nicht mehr aus, unbeweglich dazustelicn, und siehe, sie haben, sich schon aus dem Buche tosgevissen \1m! tanzen toll ini Unetidliehen“ . . . Gebet ist schweigsame Anbetung der Schönheit in Wiese und Wald, oder aber bis zum Krampfhaften verstiegene Inbrunst; dm gewaltiger Ruck ans dem Leibe hinaus in die berückendem Himmelshöhen der ״Sehe- China“. Und dabei eine dauernde Feststimnntng über der Wirklichkeit atisgogossen. Das ״verborgene licht' zieht hinan. In' den Chassitlim offenbarte sieli der jüdiselte Dionysos, der die tagcshclie ״gründliche“ Gelehr• samkeit, die apoilinarisch durchsichtige, mit dem glühe»־ den Dampf der seelischen Spannung abbriihte. An Stelle der abgemessenen Geliii narbeit und der planvolle» Zwecklosigkeit tritt die lebenstrimkcuc IXiiikgebet-Stimimmg• Das Leben ist die Schöpfung der Nacht. Jede Mystik hat diese mit namenlosem Jubel erlauscht. Im Chassidismus der naiven Gläubigen cröffnete sich dem kritisch überladenen Geiste. Berdiczevskys der Stoff zu einer durchgängigen seelischen Erneuerung Es fehlt mir eine der heutig־«! Kompliziertheit zusagende Form. Wer Marti» liube-r gelesen hat, wird die Rninantik in dieser jüdischen Ausprägung besser zu «,זין• digen wissen. Die Melodie ist da, und das Instrument wird sieh schon finden, auf dem sie am tiefsten ins th'in»• dringen kann. * Die vorstehende Betrachtung unseres palästnic!*׳ sischen Mitarbeiters würdigt ein Motiv der literarischen Arbeit Bertlyc/cwskis. In der letzten Zeit seines Lehen5 hat siel! der Dichter bekanntlich vorwiegend der Quellenforschung gewidmet; in seinem Drang nach unbedingter Ehrlichkeit erhob er die Forderung, die Erkenntnis des Judentums, in der unser Geschlecht kaum bis zu den ersten Schichtet! \w gedrungen war, und die doch na® seiner Meinung am A 11 f a » g aller jüdischen Autorität stehen mußte. Wir danken dieser Tätigkeit Berdyczewskis wertvolle Werke, die auch in deutscher Sprache vorliegcn. Erbat aus der ganzen ungeheuren Literatur die Märchen. Legenden, Erzählungen zusaiinncngetragvii und in dner Form geordnet und publiziert, die wissenschaftlich «־״ wandfrei und dichterisch vollwertig ist. Die bisher er- -sdiienenc» Publikation«! in deutscher Sprache wurden soeben um einen Band hereicliert: Der Insel-Verlag ge u an foi ist he Zv Fü de Ta Sc [Qi sd Re Sp du Ini nis m H« vei be׳ An ן *hau" (1 des ״Ha der Ucb* der neue beleucht« ßcachtun das Kult nonistisd Zeilen ir steht di« ״Ani-Haa liner V« Palästina Zionistis« die m.utj der Di a Oesehich! ein Kapü es wohl, über die keine So 1 )er |! deren jti> national« /u realia m perma last um« kennte in Kräfte ui Kräfte un praktisdtc AutgalH'0 standen 1 äefen u« werden. I Daß' ״Hebraist ׳u werd« Kt, wie!! Stelle kai Nicht Volke, de grenzen, ,־i '»einsame die empo die dahin!׳rächte de Juda s‘1; Me Diiti ״usgeber Israel 111־1־ crzählimgi ■ms späte die Selms ׳m Lande 1,'re magla des Volke geistige | Landern, : dem hohe ״on P״eai ׳'־usgebrdi iäcsenarb!11111011 do G auch t 11'H'g voi sdiluß fin . Jüdis '« K״r 1,erlüg Ve "oin Kart< ״Jüdische' der i״ lhr ''Onsbrose (/eise ni, ■j'äterie ei Aufs! ,»twicklui Nlitifc. 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