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Jüdische Rundschau · 1922-06-20 · Heft 49 (20.6.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 49 (20.6.1922)
Date
1922-06-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 322 JU EDI SCH E RUN DSCH AU den Centralverciu leitete, Versuche, ilm zu einer Vereinigung eigener jüdischer Priignng /u entwickeln. Damals tauchte im Ceiitralvereiu der Gedanke auf, dall ahne Abwehrarbeit nicht geliiigc, daß man positive jüdische Arbeit leisten müsse. Damals begann man, sich mit J Fragen wie der des Ostjudeutums, mit der Auto- , nomie und mit dem Palästinaproblcm auseinander- | zusetzen. Es schien, als entstände hier eine ldeo- I logie, die zwar die nationale Einheit des jüdischen Volkstums leugnete, die ihren Schwerpunkt nach wie vor im Kampf für die Rechte der deutschen Juden erblickte, aber das Bestehen gesamtjüdischer Aufgaben anerkannte, an ihnen mitwirken wollte und statt der Phrasen des Abweiirkamples zu einer tieferen Durchdringung der Probleme zu gelangen suchte. Heute blickt man vergebens umher, um auch nur eine Spur dieser Tendenzen zu finden. Der Kreis von K. C.crn, der heute den Centralverein zu beherrschen scheint, ist imstande gewesen, die Entwicklung wieder dahin zurückzubiegen, von wo sie ausgegangen ist. Wir haben die großen Worte, mit denen die letzte Nummer der Zeitschrift ״Im Deutschen Reich“ das Erscheinen der Wochenschrift ״C. V.-Zeitung“ ankündigte, von vornherein etwas skeptisch betrachtet. ־Aber'das Niveau das die bisher erschienenen Nummern dieser Zeitschrift haben, hätten wir nicht für m.'iglieh gehalten. In diesen Nummern findet sich keine Zeile, die auch mir den Versuch inachte, andere jüdische Probleme, als das ries Abwebrkanipfcs, zu erkennen. Von einer seinerzeit von uns wiedergegebenen, mir wenige Zeilen umfassenden Notiz gegen den Keren Hajcssod abgesehen, wird ebenso wenig über Palästina gesprochen, wie über irgendeine andere wichtige Frage. Alle jene uns zum Ucberdruß bekannten, gleichgültigsten Angelegenbeiten finden wir dort. Man hat cs fertig gebracht, im' Seebad Heringsdorf auftrelende judrufcindliehe Tendenzen zu unterdrücken; mau bekämpft die empörende Tatsache, daß bei einem Rennen der Jockey ein Hakenkreuz als Abzeichen getragen hat; man versichert Herrn Maurenbrecher von der ״Deutschen Zeitung“, er sei ein größerer Fälscher als Eisucr, weil er seinen Lesern nicht mitteilt, daß es jüdische Monarchisten in Deutschland gibt: Das und nicht ein Sterbenswörtchen von anderen Dingen lesen wir in dem C. V.■Organ. Als Zionisten können wir mit dieser Entwicklung vielleicht ganz zufrieden sein, ln Selbstbescheidnng erkennt der Centralverein, daß ־ er zu positiver jüdischer Leistung nicht fähig ist und wird wieder zu dein, was er früher ausschließlich war, zu einem Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus. Auf diesem Gebiet mag er seine Arbeit leisten; aber er sollte dann darauf verzichten, zu allgemeinen jüdischeu Fragen Stellung zu nehmen und gegen den Keren Hajcssod zu arbeiten. Der Centralverein hatte seine neue Zeitung mit den Worten angekündigt: ״Das ,Deutsche Judenblatt‘ soll geschaffen 1werden, gedeckt von der weitaus größten Ver- Anmerkungen zu einem Buch Von Eugen Hoefl ich. ״Ganz Asien ist eins.“ Mit diesem lapidaren Salz beginnt das let/hin im 111 sei Verlag (Leipzig) erschienene Buch des Japaners Kakuzo Okakura (in der ganz vorzüglichen Uebcrsctzung von Margueritte Steindovf). Man kennt von diesem Autor das uiiciidlieh zarte und feine ״Buch vom Tee“ (in der Inselbiieherei), das wie ein Auftakt in Pianissimo zu dieser grandiosen Sinfonie des panasiatisdien Gedankens ist, die unter dem bezeichnenden Titel ״Die Ideale des Ostens“ — längst erwartet — endlich in deutscher Ausgabe erschien. Man müßte eigentlich ein neues Buch schreiben, um erschöpfend über diese Schrift von höchster Bedeutung zu sprechen. * ״Mit der gleichen Zähigkeit, mit der sich Japan zur Stellung einer modernen Großmacht erhebt, halt es seiner asiatischen Seele die Treue.“ Diese wenigen; Worte decken ein Geheimnis auf, das kurzsichtige Freunde des Ostens schon lange irre machte, die hinter den modernen Rüddaufgeschützcn Japans, die Fratze einer Kopie Europas sahen. Die Treue der asiatischen׳ Seele halten, heißt hier nichts anderes, als mit den Waffen Europas den letzten Versuch zu machen, sich des vordringlichen Westens zu entledigen. Der Versuch gelingt. ״Asien den Asiaten!“, beginnt ein unheimliches Schlagwort zu werden für die, die mit östlicher Baumwolle handeln, eine frohe Botschaft für die, die um die Seele des Ostens fürchteten. * ״Arabische Ritterlichkeit, persische Poesie,' chincsische Ethik und indische Philosophie.... sind verschicdenartige Blüten .... aber nirgends eine scharfe Tremiungslifiiie“ Das Judentum — so lange es nicht vcrievantinert — gehört in den Kreis. Keine Tremumgs- Ihne ist zu sehen, die es vom Orient scheidet. ״So unleugbar Asien eine Einheit ist, sind seine Rassen Maeiiiigung der deutschen Juden. Wir werden wöchentlich über unser Tun jtml Denken berichten können.“ Wir hoffen, daß der Ccntralvereiii selbst nicht mehr behaupten wird, das ,,Deutsche Juücnblatt“ geschaffen zu haben. Unsere Aufgabe aber bleibt, wie sie war. Der Aufbau Palästinas und die Erweckung wahrhaften nationalen Lebens im deutschen Judentum sind untrennbare Begriffe. Wir behalten die Aufgabe, unsere Ideen unbeirrt zu vertreten, in der Lieber- Zeugung, daß wir die Jugend gewinnen müssen und jenen Teil der älteren Generation, der noch nicht in festgefalireiien Geleisen des Denkens einherfährt oder im völligen Indiffcrentisimis erstarrt ist. Wir glauben daran, daß nur in unserem Lager die Kraft vorhanden ist, nicht nur Erez-Israel zu bauen, sondern auch ein neues deutsches Judentum. F. L. Herbert Samuel an Ruthenberg Herbert Samuel hat an Ruthenberg vor dessen Abreise nach Amerika einen Brief gerichtet, in dem es heißt: ״Die Mission, der Sie in Amerika dienen wollen, ist von größter Bedeutung für Palästina. Der Plan zur Nutzbarmachung der hauptsächlichen Wasserkräfte des Landes zur Hervorbringung elektrischer Energie, verbunden mit der Bewässerung und Kolonisierung von bestimmten, jetzt gar nicht oder spärlich kultivierten Landstrecken gehört zu den wertvollsten Maßnahmen, die für die ökonomische Entwicklung des Landes getroffen werden können. Die Regierung Sr. Majestät und die Verwaltung von Palästina sind an diesem Plan sehr interessiert und sind gewißt, ihm jede Ermutigung angedeilien zu lassen. Seine erfolgreiche Durchführung zur Vergrößerung der Blüte des Landes wird allen Teilen 11 er palästinensischen Bevölkerung niitzen. Es wird ein schlagendes Beispiel für den Nutzen bieten, der durch die E i 11 f ü 11 r u 11 g j üd i s c 11 e r U 111 e r - nc 11 mutigen u nd j üd ische n Kapitalsund durch die Errichtung weiterer j üdischer Siedlungen erreicht werden kann. Ich möchte der ernstesten Hoffnung Ausdruck geben, daß Sie in Amerika eine große finanzielle Unter- Stützung finden mögen, die geeignet ist, Ihr sehr wertvolles Projekt zur Ausführung zu bringen.“ Arabisch - Jüdischer Stadtrat in Tiberias In Tiberias ist ein neuer Beweis für die Möglidikeit fruchtbarer gemeinsanier Arbeit von Juden, und Arabern gegeben worden. Es ist ein gemeinsamer Stadtrat gebildet worden, dem drei Juden, drei Moliain niedaner und ein Christ angehören, Bürgermeister ist ein Araber. Die gemeinsame Arbeit findet ohne alle Reibungen statt, auch das gegenseitige Verhältnis der Bevölkerungsteile ist ein ausgezeichnetes. Alle Vcriügungeii des Stadtrates erfolgen in hebräischer und arabischer Sprache. Die Palästina-Resolution im amerikanischen Kongreß angenommen. (J.I* *. Z.) Ein Telegramm aus Washingt«: meldet, daß der amerikanische Kongreß selbe Resolution wie der Senat über die g., günstigmig der Errichtung einer jüdischen Heim, statte in Palästina mit einer Majorität «(,. 32 Stimmen angenommen hat. Es ist sehr erfreulich, daß im Kongreß die Palästina-Resolution, über deren Zustandekommen wir in Nr. 47 berichtet haben, nunmehr von beiden Häusern der amerikanisch«! Volksvertretung bestätigt und somit die Vereinigter, Staaten sich 111 aller gesetzlichen Form offiziell für die Schaffung der jüdischen Heimstätte jm Sinne der Balfour-Deklaration ausgesprochen haben K1 n 11.11 »e y v״", l r.iht. Lirr V von > i 1 1׳ l>s L ■ A'lt/ י»'.!! durch die Annahme Russland 11II 11 g״ ,11 Freil Ein Interview mit Tscliitscherin 1 t Tschitschcrin hat vor seiner Rückreise vor] Genua nach Rußland der ״Jüdischen Prcßzentnile Zu i rieh“ ein Interview gegeben, in welchem er sich mit’ großer Energie dagegen verwahrt, daß den russischer,: Juden die freie Ausübung ihrer kulturellen Wünsche irgendwie behindert würde. Auf die Frage, wie sich die Sowjetrcgierung nm Zionismus verhalte, antwortete Tsdiitsclicrin: ״Wir haben nichts gegen die zionistische Bewcgung im allgemeinen, wir bekämpfen aber du1 Gruppen, zu denen die Herren Pasmanik und Tem kin gehören.“ Der Korrespondent wandte ein, daß die Genannten keinen offiziellen Posten in der Zio nistisdien Organisation bekleiden, weshalb diese für deren Tätigkeit nicht verantwortlich gemadit werden könne Tsdutseherin eutgegnete hierauf: ״Seihst Dr. Brut?■ kus, der doch als Führer der russisdten Zionisten angesehen wird, war eine Zeitlang gegen uns. Wir haben Dokumente, die deren Schuld in der Konterrcvoliition erweisen,“ Die Frage, ob den Juden Rußlands gestattet werde, frei nach Palästina auszuwaiuleni,1 beantwortet( Tsdiitseherin daltin, «laß die Genehmigung erst nach genauer Prüfung erteilt werde. Dagegen sei die Au Wanderung nach Amerika frei gestattet. (Joffe erklärte dagegen dem Korrespondenten der J. P. Z. kategorisch, daß es keinem arbeitsfähigen jungen Manne gestattet werde, Rußland zu verlassen, da das Land diese selbst brauche.) Freilassung der verhafteten Zeire-Zion Wie uns soeben gedrahtet wird, sind die Teilnehmer der Z e i r e ־ Zio 11 - K o 11 f e r c n z in Kiew, die gemaß der in Nr. •17 wiedergegebenen Nachricht verhaftet wurden, bereits wieder frcigelasscn worden. Wir begrüßen diese Nachricht mit Genugtuung und bedauern sehr, daß immer wieder derartige lJebergriffe der Sowjetpolizei — wahrscheinlich auf Anstiftung der jüdischen Kommunisten — Vorkommen, obwohl solche Zwischenfälle keineswegs im Interesse der Sowjetregie• rung liegen und auch den Intentionen der wirklich maßgebenden Persönlichkeiten der russischen Regierung nicht entsprechen dürften. Die jii Chic» •dien Ref Paul W :sehen E ׳er diese werde L'xiko t </;ehnng < 1:i 11׳wallt Simen. fi!31;e ein 1 groß W dem h N Bode nt Eine G si demnj ז Fort!uh bestellt ganisatiot P’xiko ins New 1׳,irrell er Braun g ■'•:cilei A acht de« s!v vorli sehen eines einzigen Gewebes.“ Maschen werden zerrissen; sie wieder knüpfen heißt hier: sich regenerieren int Sinne einer östlichen Orientierung. Der jüdische Geist, Teil des großen allasiatischen Geistes — wie iialie sind Lao-tse und die Propheten, wie nahe der Gemeinschaftsinami Moses dem Staatsmann K’ung-fu-tse — kann nur in Asien, woher er kann, wieder neu aufblühen. Zu bemerken ist mtr, daß Asien nicht ansschließlich geographischer Begriff ist. So unleugbar Asien die Bezeichnung für eine einheitliche geistige Bewegt!ngslenden/, ist, so unleugbar ist das Judentum eine Manifestation Asiens. * ״Keine Wahrheit steht außerhalb der Einheit des Ganzen.“ Was hindert uns, allen Menschen Brüder zu sein? Daß wir aber mir nie vergessen, daß auch unsere Wahrheit innerhalb des Ganzen steht! Dies erkennen und daraus die Konsequenzen ziehen, hieße ein Toleranzedikt von unermeßlichstem •moralischen Gehal( proldamieren. Dies bleibt dem jüdischen Nationalismus vorbehalten, der sich dadurch von der fatalen Verwechslung nüt der nationalistischen• Gebärde europäischer Denkkategorien frei,macht und in ein« Linie mit der Ethik K'ung-tses 1u1d der Propheten stellen würde. * Für Okakura fei die Einheitlichkeit Asiens Selbst- Verständlichkeit, Er beweist sic an' der Einheitlichkeit asiatischen Kunstschaffens. Jeder einzelne Pinsclstridi wird zum Manifest einer erhabenen, spezifisch östlichen Philosophie, Ein echtes japanisches Bild sagt nichts anderes als ein Stück aus den Veden, nichts’ anderes als die erhabene Pracht arabischer Moscheen, /üchts, das nicht in der Mystik und in der Ethik des Judentums enthalten wäre. Man lese: K’ung-fu-tse, Lao-tse und die andern, man lese die Propheten, diese jüdischen Spezifika asiatischer Gottgcbundeiilieit. ״Der nationale Genius hat sich nie überwältigen lassen.“ Weder in Europa, noch' ln Asien. Er kann aber verschleiert, verkleinert, verwässert werden, wenn I ,\!a״ -er seine Eigengcsetzlichkeit einem erborgten Ideal zum| Opfer bringt. Jap,111־ kann nie Europa werden, selb!( |;l״llt״is wenn der letzte Kuli den europäischen Rock rinzieht, ‘ , uneiitlli so lange die japanische Volksseele .sieh nicht den zer-1 Wholfc*n€ setzenden wesensfremden Einflüssen öffnet. Okakura er-1ainientlriii kennt wohl die Gefahr, aber er erkennt auch das ge-1.;1״ ej־ ״ waltigc Priiventivmittel: .die unerhört enge Verbundenjln;( v heit des letzten japanischen Menschen mit dem Geiste | :ankrje , der japanischen Vergangenheit und das Bewußtsein d« f;c Kunst letzten japanischen Menschen, daß der Geist seiner | Kultur durchaus anders ist als der Geist des Okzidents § *hrieben Man müßte ri 11 Jude״ dieser Tage das Bewußtsein|,״״|1; 0׳£ der Eigengesetzlichkeit seiner Vergangenheit, der Eigen־ g. iind gcsctzlichkcit seiner alten Kultur wieder wecken. Da״ ״״!!lr״k,|j]j ließe sich der jüdische nationale Genius nicht mir nicht ■erg״lf,c•: übermächtigen, er ließe sich auch nicht verschieden',״״ ן.)!; ן£j verkleinern, verwässern, nicht vcrlevanüiicrn, es würde ן;cgenhejt aus der wcstöstlichen Kreuzung wieder der Edcitypus des östlichen, innerlichen Menschen werden. Als Vajrapani den Strahlenden vor sich sah, fragte er. j Wer ist er? Und Buddha sprach: Er ist du selber! P״tl j Vajrnpnnk heißt cs, ward augenblicks des höchsten Zick’•'’ ן teilhaftig. Dieser Selbsterkenntnis verdankt Japan se'״c | Wiedergeburt. Wiedergeboren werden heißt: seine wahre ן Natur erkennen. Seine wahre Natur erkennen heißt: ih'j unbedingt folgen, Dies scheint mir die beste Anweisung 1 zum verständigen Gebrauch des Judentums zu sein,, nachdem man sich klar geworden ist, was die זי31׳״® Natur des Judentums ist. Dl Die er;M«!1 im r Gesell ־•־iimen. Jmii ,r *1 r i c i ':fr Kda ■:',‘זי diese ••iihlet 11, '3״!;«rung n. in Eine Frage drängt sich mir immer wieder auf- Ist cs ein Fluch, ist es ein Vorzug, daß man bei der Lektüre eines östlichen Buches unwillkürlich immer dj« Parallelen zum Judentum sucht? Allenfalls ist cs .Cl״ C;u' neue — wenn auch kleiner — Beweis für die asiatischen ן n-|!Vu ‘Affinitäten des Judentums. |‘1calis\er * T,Iad Nah

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