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Jüdische Rundschau · 1922-06-20 · Heft 49 (20.6.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 49 (20.6.1922)
Date
1922-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Zionismus erstrebt IQr das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Helm&tfitte In Palästina. ״Baseler Programm". Der Weg des deutschen Judentums m ,M;1u war vor dem Auftreten des Zionismus;cntschl.'ind gcwohnt, die deutschen Juden m Orthodoxe, Liberale und Reformer ein/.utcilen. Das j Prinzip der Einteilung war also ein religiöses, ׳.)der, l״n es richtiger zu sagen, die Frage der Stellung 1״m jüdischen• Gesetz. Die Orthodoxie erklärt das (iesetz als für alle Juden verbindlich; der Lilier.ilismiis wandte den Entwicklnngsgedanken auf die jüdische Religion an; •die Reform steigerte diese Tendenz im Sinne einer möglichst weitgehenden Anpassung an konfessionelle Gebräuche der Umwelt. Wer auf Grund dieser üblichen EinßUCs'fl teil“"? c'n starkes religiöses Leben in Deutsch- 11%, 1 .»4 z t... 4 r ». ,•. ..?•' Vf fpq ז An unsere Abonnenten im Auslande! Wir verständigen hierdurch alle unsere Abonnenten davon, daß die Weiterlieferung unseres Blattes nach dem 1. Juli d. J. nur erfolgen kann, wenn die von jedem Abonnenten direkt clngcfordertrn Abonnementsgebühren für das 3, Quartal 1922 rechtzeitig eingegangen sind. Mit Rücksicht auf die wesentlich gestiegenen Druck- und Papierpreise sind wir genötigt, die Abonnementsgebühren für einige Länder heraufzusetzen. Die Gebühren betragen zur Zeit pro Vierteljahr: hninnii 11 in 7. 1 «miß oh 1 aarckitrin ’“מלי I •k«r! Me! OWt f pil'1 OtOCt Pnrkstr* 1rpTl׳gn»r lener Kr 160. liißigt« I md erwartet hätte, wäre schwer enttäuscht worden. Der großen Masse des deutschen Judentums waren die religiösen Probleme keine Herzensfragen. Gewohnheitsmäßig hielt ein kleiner Teil der deutschen Juden au überlieferten Gebräuchen ganz oder zum Teil fest, der großen Masse, vor allem in den (iroOstiidtcn, war jüdisches Leben ein fremder Begriff. Daneben existierte eine große Anzahl jüdischer Organisationen. Die deutschen Juden haben es ja von ihrer Umwelt erlernt, Organisationen für alle erdenklichen Zwecke zu schaffen. Und auch wer die Fülle dieser Organisationen überblickte, Ccntralvonein und Verband der deutschen Juden, Logen und HiKsvcrein, e tntti quanti, hätte glauben müssen, das jüdische Leben pulsiere kräftig in Deutschland. Auch das wäre ein Fehlschluß gewesen. Der überwiegende Teil des deutschen Judentums war zwar formell Ln einem oder mehreren dieser Vorhände organisiert, aber ohne innere Anteilnahme an ihren Aufgaben. A11 ihrer Spitze standen einige wenige Männer; vielfach herrschte Personalunion in den großen Verbänden, so im Centralverein und im Verband der deutschen Juden. Für den grollen Teil des deutschen Judentums aber war I n d i f f e r e n t i s m u s das charakteristischc Merkmal. Die Jugend wuchs in Fremdheit gegenüber ihrem angestammten Volkstum auf, jede Generation war assimilierter als die ihr vorhergehende. Taufe und Mischehe zehrten am Marke des deutschen Judentums, wozu die geringe Vormclming noch beitrug, ausgeglichen nur durch die östliche Einwanderung. 'Die Prognose war eine überaus traurige; Teilhabers Buch ״Der Untergang des deutschen Judentums“ bczeichnete das Endziel, dem die Entwicklung zuzustreben schien. Dann kam der Zionismus. Das er zuwege brachte, war, daß er die Juden vor das jüdische Problem in seiner stellte und sie zur Stellungnahme zwang. Für Afrika 2 sh. 11 Amerika 75 cts. ff Aegypten 2 sh. t» Belgien 6 Frcs. »» Bulgarien 50 Lewa 1• Dänemark, Schweden und Norwegen 3 Kr. n Dciitich-Oesterrelch 3000 Kr. »1 England 2 sh. tt Estland 100 deutsche Mark M Finnland 20 finn. Mark II Frankreich 6 Frcs. זז Griechenland 6 frauz. Frcs. tt Holland 2 Gulden M Italien 8 Lire 11 ft Jugoslawien Lettland 45 Dinare 100 deutsche Mark tt Litauen 100 deutsche Mark Dt Palästina 2 sh. DD Polen 2000 poln. Mark t| Rumänien 50 Lei Schweiz 4 Frcs. ft Spanien 3 Pesetas t* Tschechoslowakei 30 Kr. Türkei 6 Frcs. tt Ungarn 300 Kronen lg T» iguiiS rr1»*•'' *0035' , tcs-&s 2 Tsä« 4fc!:.e I, Bi*• V11־ F*j erste, was deutschen Totalität Im Vergleich zu den vorhergehenden Zuständen war die Haltung der 'Protestrabbiner und die ernsthafte Empörung weiter Kreise über die Ziele der Zionisten geradezu als ein Fortschritt zu bezeichnen, ^er imstande war, sich filier den Zionismus ernsthaft zu entrüsten, war doch nicht völlig indifferent! Hann brachte der Zionismus ein zweites neues■ Moment. Nicht nur das Ziel, dem er zustrebte, sondern bereits die Frage, die er stellte und auf die er die Antwort gab, war eine verblüffende Neuerung. Die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen jüdischen Situation, die Einheitlichkeit der Judenfrage auf der ganzen Welt und die Notwendigkeit ihrer Lösung auf nationalem’ und weltpolitischem Wege durch Konzentration in Palästina war ein V(i!lig neuer Aspekt für die deutschen Juden, deren Gesichtskreis über die Bekämpfung antisemitischer Beliergriffe, den Streit um die Orgelsynagoge und höchstenfalls über eine Sammlung für Pogromopfer ״>d1t hinausging. So wirkte der Zionismus aufrüttelnd. Er erfaßte die Jugend, und vor der staunenden jüdischen Weit erstand eine jüdisch begeisterte neue Generation. . Eine Neuorientierung bahnte sich itn deutschen Judentum an. Zwar blieb die religiöse Differenzierung, zwar blieben alle jene | Organisationen mit ihrem kleinen, wenn auch not- * wendigen Programm. Aber ihre Bedeutung trat mein■ und mehr zurück vor den entscheidenden fragen, vor die der Zionismus die Umwelt gestellt batte, und vor der Notwendigkeit, selbst bei jahr- *dintelang geübter jüdischer Arbeit, wie sie etwa öer Abwehrkamprf darstellte, vor der unerbittlichen ra8׳estellung der Zionisten zu neuer Klärung der Die Einzahlung der Abonnementsgebührea kann erfolgen: Für Deutsch-Oesterreich iliirch Einzahlung auf Postspar• kassenkonto Wien Nr. 156030. ״ Polen durch Einzahlung auf die Allgemeine Verkehrsbank Wien, Filiale Krakau. ״ Litauen durch Zentralbank zur Förderung des Jüdischen Genossenschaftswesens in Litauen. ״ Rumänien durch Bankkonti: Wiener Bankverein, Filiale Czernowitz. ״ Tschechoslowakei durch Einzahlung auf Postsparkassenkonto Prag 59410. ״ Ungarn durch Einzahlung auf Postsparkassenkonto der ״Welt“ Nr. 15655. Für alle übrigen Linder durch Einsendung von Originalnoten (nur Staatsschclne!) oder durch Schecküberwcisuug. Verlag Jüdische Rundschau Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Die Schekelaktion An die Ortsgruppen and Vertrauensleute ergeht erneut die dringende Mahnung, die ScliokoIsaKiralung unter Anspannung aller Energien fortznführen. Die Schekeleinginge können nur dann als befriedigend bezeichnet werden, wenn jede Ortsgruppe mindestens die gleiche Anzahl der vor jährigen Schekel aufbringt. Die Ablieferung aller gesammelten Schekel muß״ bis zum 1. Juli d. J. erfolgen. Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin־ W15, Sächsische Str. 8. Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Dep.-Kasse Kurfürstcitdamm 211. Postscheckkonto: Berlin 8091. Probleme zu schreiten. Zionist und Antizionist wurde die Parole, wobei höchstens ein Teil der Orthodoxie als abseits stehend anztiscben war. Der Kreis der Antizkmistcn aber bestand aus einigen Führern, die, in andersartigen Auffassungen herangereift, sich zum Umdenken nicht mehr fällig zeigten, und aus der großen Masse, die aus Träg■ heit ihren Führern folgte. Der Zionismus wurde zum Schibholeth, an dein sich die Geister schieden. Freilich gab cs immer Kreise im deutschen Judentum, die, von wirklicher Liebe zu ihrem Volkstum erfüllt, gleich uns von der Lage des jüdischen Volkes tief beunruhigt waren, aber der zionistischen Lösung der Judenfrage um ihrer Durchführbarkeit willen skeptisch gegenüberstanden. Sie sind cs in erster Linie gewesen; die in und nach dem Kriege um'gclernt haben. Die politischen Erfolge des Zionismus klärten sie über seine Durchführbarkeit auf, und sie gelaugten entweder in unsere Reihen oder sic waren bereit, im Bunde mit uns an der entscheidenden jüdischen Aufgabe der Gegenwart, dem׳ Aufbau Palästinas, mitzuwirken. Es entstand eine neue Gruppe im Judentum, die, durch allerhaiul!Bedenken von! letzten Schritt, dem Eintritt in die Zionistische Organisation ferngelfalten, gewillt waren, auf praktischem Gebiet mit uns zusammenzugehen. Auch in anderen Kreisen macht sich immer deutlicher der belebende Einfluß unserer Ideen geltend. Als die zionistische Arbeit in Deutschland begann, existierte nur ein ganz kleiner Kreis jüdischer Jugendorganisationen. Den K.(נ. konnte man im Grunde damals so wenig dazu rechnen wie heute. Eine zionistische Studentenschaft war im Entstellen begriffen. Die ersten Turnvereine, auch sie von nationaler Tendenz getragen, begannen ihre Tätigkeit. Dann griff der zionistische Gedanke in der Jugend um sich. Welch ein Weg von dem ersten ״Verein jüdischer Studenten“ in Berlin, der vorTJcrzis Judenstaat entstanden war, zum heutigen K. J.V.! Kurz, vor dem Kriege entstand der erste jüdische Wanderbund Blau-Weiß, heute ist die Blau- Weiß-Bewegung zu einem gewaltigen Bunde geworden. Die zionistischen Kaufleute schufen den Her/I-Hund, die Turnvereine verbreiteten sich schnell. Aber noch bemerkenswerter ist vielleicht der Einfluß, den zionistische Gedanken auf andere jüdische JugcndkrcLse ausübten. Wer die ״Jüdisehen Jugendblätter“, die Zeitschrift der neutralen Jugcndliimde, liest, wer den Verhandlungen ihrer letzten Tagungen in Cassel und Bonn gefolgt ist, kann nicht verkennen, daß es die von uns gestellten Fragen sind, mit deren Lösung auch hier jüdische Menschen ringen. Die Frage Palästinas, die Erlernung der hebräischen Sprache als eines Elementes der jüdischen Kultur, die Vertiefung jüdischen Wissens und jüdischer Inhalte: Es sind unsere Gedanken und unsere Terminologie. Ja, man kann selbst sagen, daß uns so gegnerisch gegenüberstellende Strömungen, wie etwa die ״Kameraden“, nie ohne den Zionismus entstanden wären und in der Auseinandersetzung mit ihm und seiner Ideenwelt leben. Die Wirkungen des Zionismus auf diese Kreise der deutschen Juden .sind unverkennbar. Aber auf der anderen Seite hat die Kluft sich vertieft. Der Indifferentisrmis ist nicht gcschwtmden, Taufe und Mischehe grassieren schlimmer denn je. Teilnahmslos steht der größte Teil des deutschen Judentums nicht nur den entscheidenden jüdischen Problemen Tier Gegenwart gegenüber, sogar zur Erhaltung der jüdischen Institutionen in Deutschland ist man nicht fähig! Keine Tagung jüdischer Lehrer, Gemeinden oder Rabbiner vergeht, ohne daß auf den beschämenden Zustand liingewicsen wird, daß die kleinen Gemeinden ihre Kultusiiistitutioiieii nicht erhalten können, daß sie den Beamten Hungerlöhne zahlen. Der jüdische Indifferentismus steht diesen Fragen mit derselben Interesselosigkeit gegenüber wie den großen allgemeinen Fragen des Judentums. Man kann nicht sagen, daß die Naumaunr Gruppe sich von den Indifferenten wesentlich unterscheidet. Es jst gewissermaßen der organi- .sierte Indifferentismus, verbunden mit Antizionismus und jüdischem Antisemitismus. Eine Spielart, die wir kannten und die es vielleicht früher nur nicht gewagt hat, mit dieser Deutlichkeit hervorzutreten. Naumann kann ein Verdienst für sich in Anspruch nehmen; er hat den Begriff der Zwischenschicht aufgcstcllt. Freilich ist cs ungerecht, den Centralverein mit dieser Schicht zu identifizieren. Man muß es sich abgewöhnen, den Ccntralvcrcin als eine jüdisch-politische Riehtung anzusehen. Es ist ein Zweckverband, der Juden der verschiedensten Stellung zur!Durch־ führnng einer gewissen Aufgabe verbindet. Das zeigt sicli mit aller Deutlichkeit. Die Stellungnähme der Centralvcrcinsleitung gegen den Keren Hajessod ist von einem großen Teil seiner Anhänge!■ nicht beachtet worden, die vielmehr ihrer ganzen Anschauung nach zu jenem Kreis gehören, |mit dem wir ein Stück Weges Zusammengehen können. Auf der anderen Seite hindert der Kriegszustand, der zwischen Naumann und dem Centralverein besteht, viele Mitglieder des Centralvereins keineswegs, mit Naumann zu sympathisieren und ihn zu unterstützen. Aber vielleicht vertreten wenigstens die führenden Männer des Centralvereins einen bestimmten Standpunkt in den großen Fragen des Judentums? Man kann diese Frage nicht bejähen. Es gab einmal, als noch Geheimrat Fuchs

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