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Jüdische Rundschau · 1922-06-16 · Heft 48 (16.6.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 48 (16.6.1922)
Date
1922-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Juni, abends 8% Uhr, im großen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße 22-23 Große Jüdische Versammlung Redner: 4r> ■»«-Hl tinw'ii ■■!Lu ׳m\m kJ ו lick Der Kampf um die Verwirklichung des Zionismus. Karten im Vorverkauf zum Preise von Mk. 11,— und 5,50 erhältlich im Büro der B. Z.V., Seydelstr. 3, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Sächsische Str. 8, Buchhandlung Ewer, Knosebeckstr. 54, Buchhandlung Feld. Ostertag, Augsburger Str. 28, Buchhandlung Rosenberg, Grenadierstr. 38, Buchhandlung Gonzcr, Oranienburger Str. 26. Für Mitglieder der Jugend organisation Karten ä 8,30 Mk., aber nur im Büro der B. Z. V., Seydelstr. 3, erhältlich. Deutschland Die Arbeit des K.J.V. In Hannover hat wahrend der Pfingsttage der iiiiiftc Kartelltag des K. J.’V. stattgefunden. Mehr als i(fl junge und alte K. j. V.er waren in Hannover verammelt, Die Verhandlungen gaben einen Ucberblick über die gesamte Arbeit, wie sic heute vom K.J.V. geleistet wird, und boten überdies Gelegenheit, die zionistische Stimmung und Einstellung eines betrachtiiehen Teiles des deutschen Zionismus 7.« prüfen. Sind Joch Tagungen des K.J.V. gerade dadurch bemerkeusvert, tlal'1 sie zionistische Jugend und zionistische Männer Hitruiandcr verbinden um) in einer Weise 71! gemein- Miner Arbeit /usammenfiihreii, die sonst an keiner Steile;,,leistet wird. Der Rückblick, der in dem gedruckt vorliegenden ikridit des Präsidiums dem Kartell tag gegeben wurde, kl! mit aller Deutlichkeit erkennen, daß das K.J.V. seil in einer aufsteigenden Entwicklung befindet und dal! die große Mehrzahl der in der wirklichen K.J.V.- Arbeit stellenden Menschen von einer ״Krise*' nichts wissen und nichts wissen wollen. Es war natürlich, daß die ersten Jahre nach Kriegsende grob, Schwierig- Ruch mit sich brachten: Der Verlust ganzer (Jenerationell während des Krieges, die große Schwierig- Leit, den während des Krieges aufgenommeiieii Nachwuchs zu erziehen, mußte eine Kluft /wischen den Micratioiien entstehen lassen, die die Arbeit hemmte. ls war ein erster, Schritt zur Besserung, als gegen f״de des Krieges der gesamte studentische Formelkam, soweit er noch existierte, über Bord geworfen wurde, und damit Zeit und Energie für die eigentliehen Aufgaben gewonnen werden konnten. Dann erfolgte unter Führung der heute den Binjan Haare/, bildenden Kreise eine Reihe von Austritten aus dem K J.V., die zur Bildung des B. Z, K. durch die Ausfetretenen führten. Es kann heute gesagt werden, dal! dieser Austritt des I). Z. K. der Entwicklung des K.J.V. in jeder Beziehung förderlich gewesen ist. und da(! das Entstehen eines Konkurrenzverhältnisses edelste Geister ihm Gestalt und Ausdruck verliehen. Daß d׳e Juden, s0־ lange sie, es in ihrer Gesamtheit sein ״»Ilten, ihre Religion stärker gelebt haben als andere, d« legt Zeugnis mehr noch als für die Religion für die ,!kuschen ab, die so waren, so sein wollten. Ebenfalls in die Sphäre nur unmittelbar zu crf.111- '(״der Realität mündet eine Linie, die aus ganz anderer Richtung kommt. Die Analyse, welche jüdische Denker am Gottesbegriff vorgenommen haben, leidet vom Beginn dieser Spekulation im Mittelalter bis auf den ״einigen ja(r a!1 einer bedenklichen Einseitigkeit. In dein Bestreben, den Gottesbegriff zu klären, rationalisierte man!t1״; zur ״Reinheit“ der Idee sollte er erhoben werden, 111 offenkundiger Absicht, dein ihn denkenden Menschen e|n Gegenstand möglichst widerspruchsfreier Erkenntnis ''׳ werden. So geriet die Religion in die Gefahr, in der Wissenschaft aufgelöst, zu einer Metaphysik der um den tnheshegriff herum sich gruppierenden Ideen zu weiden. ׳« beiden klassischen Beispiele dieser die Religion durch mlosophic ersetzenden Denkart sind Moses M a i in o - n,'des und Hermann Cohen. Bacck beschreitet hier i'mt den Weg der Metaphysik oder der in diesem Falle Pctchbedeutcndcn;Ethik, sondern er hält sich auf dem 'achtbareren Erdreich der Beschreibung 'des religiösen C'vußtscins, Und dieses lehrt ihn, daß cs in der Eratiimg des Göttlichen einander widerstreitende Momente Pn: Gott ist der zugleich Ferne und Nahe, der Lieberd u 6י u,u* '■m Herzen wohnende, der liebende Valer ״' Menschen und der erhaben thronende Weltenrichtcr. i/hisc'wn <ms diesen Beispielen, daß dies alles ent zu einer Myst k dunkel schwärmenden Gefühjs führt, Prf s111 zu ^em Erlebnis ejnes Geistes, dessen tiefste ahnmg das Bewußtsein sittlicher Verpflichtung bleibt, r aber vor den Paradoxien dieser Erfahrung nicht die!en verschließt, sondern sie demütig anerkennt. Im zwischen den beiden zionistischen Verbänden schon aus dem Grunde nicht eingetreten ist, weil das B. Z. K. zu irgendwelchen nennenswerten Werhecrfolgen nicht gelangen konnte. Seit dieser Zeit hat sich eine st.indige Aufwärtsentwicklung bemerkbar gemacht. Das K.J.V. ist heute vielleicht die einzige Stelle im deutschen Zionismus, die durch systematische Arbyit einen großen Personenkreis - die Abiturienten der höheren Schulen und die jüngeren Semester unter der Studentenschaft — zionistisch zu beeinflussen und einen Teil von ihnen zu gewinnen vermag. Freilich macht sich der all* gemeine Rückgang im akademischen Studium gerade in jüdischen Kreise״ besonders bemerkbar. Dennoch kann (las K.J.V. mit dem Ergebnis seiner Werbet.itigkeit im ganzen zufrieden sein, was heute von tun so größerer Bedeutung ist, als die allgemeine zionistische Lage es mit sich gebracht hat, daß außerhalb der Jugendbewegung und speziell des K.J.V. von systematischer Werbearbeit kaum noch die Rede sein kann. Was dieser Kartelltag allen Teilnehmern bewies, war, daß das K.J.V. seine entscheidende Aufgabe, die Erziehung der neugewonnenen Menschen, durdtzuführen, zu lösen versteht. Die fehlenden Generationen sind heute ersetzt worden. Der größte Teil der Kartelltagsbcsucher bestand aus den jungen in und nach dem Kriege aktiv gewordenen K, J. V.crn, die heute in den Verbindungen, in der Jugendbewegung und im wachsenden Maße auch in der Zionistischen Organisation ihre Arbeit leisten und die durch die Stärke ihrer zioiustischeu Gesinnung und das Verständnis für die gegenwattige ernste Situation unserer Bewegung zeigten, daß aus ihrer Mitte der wirkliche Nachwuchs des deutschen Zionismus hervargeht. Die letzten Monate vor dem Kartelltag waren durch eine Diskussion ausgefüllt worden, die im Anschluß an einen Artikel von L>r. Gerhard Holdhcim das! Problem des Verhältnisses vom Individuum zur Gemein- | schaft behandelt und die ganze erzieherische Aufgabe j des K.J.V. erörtert hatte. Diese Fragen bildeten auch einen Teil der Diskussionen des Kartelltngcs, der mit einem Referat von ■Felix Roscnblüth eröffnet wurde. Es zeigte sich, daß von schwerwiegenden Gegen- Zusammenhang mit diesen Problemen sei jedoch dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß die dritte Auflage eine schärfere Auseinandersetzung mit dem religiösen Begriff der Offenbarung bringe, auch nach der geschichtlichen Seife hin. Die in diesem Buche mit solcher Treff- Sicherheit geschilderte Wucht und Durchschlagskraft der religiös sittlichen Forderungen des Judentums scheinen zu empfehlen, daß dem Grunde dieser Wirkungen in nicht bloß beiläufiger Darstellung nachgegangcn würde. Daß Bacck das Zc re mo n ialg c s c t z in seiner Bedeutung für die Erhaltung der religiösen 'Gemeinschaft zu werten weiß •und es nicht geschämig in den Winkel stellt, ist selbstverständlich für ein Weih, das zu schildern versucht, was ist, und nicht nur, was sein könnte oder sollte. Wer sich über sein Wesen mit Ehrlichkeit und wirkliehen! Verständnis Rechenschaft gibt, vertieft und bereichert dieses Wesen selber. In diesem Sinne bedeutet das Buch von Bacck nicht bloß einen Beitrag zur besseren Erkenntnis des Gegenstandes, dem es gewidmet ist, sondem eine Bereicherung der Sache selber — des Wesens des Judentums. Etwas über palästinensische Kunst Was bis jetzt an Kunst in Palästina erschienen ist, zeigt wohl alle Zeichen Palästinas, aber nur so, wie der’ Reisende sie sieht, das, was am augenfälligsten ist, Palmen, Kamele, arabische Dächer. _ Für den Einwohner oder tiefen Anscham r aber enthält Palästina in künstlerischem Sinne viel tiefere Probleme: starke Sonne, temperamentvolle Bewegung der Bevölkerung, die Kamheit des Landes, Sand, Kaktus, wilde Ziegen,' heiße Luft, aut der anderen Seite die ruhige Fruchtbarkeit der terrassenförmigen Berge, wilde Tänze und Gesänge. Und über allem: Sonne, viel, Viel Sonne. Sätzen innerhalb des K. J. V. heute überhaupt nicht die Rede sein kamt; in einer so komplizierten Frage wie der der Berücksichtigung der Individualität bei der Fr• Ziehung stellten sich so geringfügige Nuancen in der Auffassung heraus, daß die Frage der Bildung besondrer Gruppen innerhalb der Verbindungen durch einen einstimmigen Beschluß entschieden werden konnte, mit dem die Vertreter aller Auffassungen überein• stimmten. Mit Klarheit .und Deutlichkeit erkennt das K.J.V. die Notwendigkeit, wie der Kartelltag von neuem he• wiesen hat, die Erziehung ebensowenig einseitig mir auf Palästina wie ebenso einseitig auf bloße zionistische Diasporaarbeit ein/ustdlcn. Die Tendenzen in an eher Kreise der licufigeu zionistischen Jugeiidhewegtmg, unter Vernachlässigung der großen Aufgaben der Zioni• stischcn Organisation die ganze Erziehung nur auf die Uebersicdlung des einzelnen nach Palästina einzustellen, wurden ebenso aus z.ionistisdieu Gründen verworfen, wie es ahgelchnt wurde, die Aufgabe des K. J. V. etwa in der bloßen Erziehung des Nachwuchses fiir die Zionistische ■Organisation zu erblicken. Die Wahl des Berufes ist ja der entscheidende Augenblick, der bei den meisten Menschen darüber entscheidet, ob sic später nach Palästina kommen können oder nicht. Die Beeinflussung der Bcrufscntschcidiing wird deshalb in immer erhöhtem Maße eine erzieherische Aufgabe des K. J. V. sein. Diese Aufgabe ist um so schwieriger zu lösen, als natürlidi nur von einem wirklichen Zionisten erwartet werden kam!, ־daß er bei der Wahl seines Berufes zionistische Momente imtspreclien läßt. Da mm dfc• jungen K.J.V.er, die die Benifsenl dicidung fällen müssen, vielfach erst a!11 Anfänge ihrer zionistischen Entwicklung stehen, können sic eine solche Entseheidüng noch nicht fällen, während später die Armierung der Berufsentsdieidung natürlich sehr schwer ist. Aber die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Behandlung dieser Fragen war auf dem Kartelltag allgemein verbautet und hat seit dem vorigen Kartelltag entschiedene Fortschritte gemacht. Auf der anderen Seite legt man heute im K.J.V. entscheidenden Wert darauf, die K. J. V.er zu positiver Mitarbeit in der Zionistischen Organisation zu erziehen. Der Gedanke, von dem alle Für den Künstler darf Palästina nichf nur das historische Land sein. Nicht die historischen Monumente und Platze geben dem Lande seinen Charakter. Es existiert vielmehr in seiner gegenwärtigen Realität als interessantes orientalisches Land, und in diesem Sinne auch für den arbeitenden Zionisten. , Vor kurzem ist eine Mappe ״Aus Palästina“ erschienen, von dem in Palästina erzogenen jungen Künstler Nachtim ü u t m a n n. Diese Blätter erwecken unsere Aufmerksamkeit, denn sie enthalten interessante palästinensische Motive vom rein künstlerischen Standpunkt. Die verschiedenen Typen, die er vorführt, zeigen immer einen von Sonne durchglühten Hintergrund: Arabische Schiffer grinsen zur Sonne,־ das bewegte Leben am Strande, ״Effcndis“ im Cafchaiis, Arabischer Markt, Ycmeniten, echt jüdisch-semitische Köpfe, jüdische Patriarchcn, stille Gegenden von Jerusalem mit schwarzen Ziegen, das alte Jerusalem mit der Klagemauer, Oran- Interessant ist Nachum Gutmanns Stellung zu den historischen Orten Palästinas, Er, der Idealist, zeichnet z. B. den Oelberg nur, um die Bewegungen der Kletterer mit ihren Eseln zu zeigen. Als Motto zu diesem Album selten wir eine kleine Zeichnung: ein kleines Haus, einige Bäume, ein paar Ziegen — alles in Sonne getaucht. Dieses Bild charakterisiert zur Genüge den ausgesprochen künstlerischen Wert dieser Mappe. Außer dieser Mappe hat Gutmann noch verschiedene andere Arbeiten vollendet. Sein Hauptwerk ist seine Skulptur ״Hiob und seine drei Freunde“, die in englischeu und amerikanischen Kunstblättern erschienen sind. 'Augenblicklich arbeitet Gutm^nn am Illustrationen zu Bialiks neuen ״Kindcr-Qedichten“. Aus diesen Arbeiten kann man ersehen, daß wir schon palästinensische Künstler haben, die nach etwas Eigenem streben. E)0ch wollen wir nicht übertreiben und sagen, daß wir schon palästinensische Kunst haben; wir wollen diese Entwicklung aufmerksam verfolgen und sich entwickeln lassen. F. r.

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