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Jüdische Rundschau · 1922-05-19 · Heft 40 (19.5.1922) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 40 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I I־■'• Seite 264 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 401 Nr• 40 da ich von Margulies persönlich apostrophiert werde, diese Entgegnung auch ״an!׳ persönlich eiustelle״ muli. Trotzdem glaube ich, dali dieses persönliche Moment im Interesse der Sache mit in den Kauf genommen, werden muß, denn es ist doch notwendig, der Möglichkeit derartiger Mißverständnisse öffentlich ein linde /.!» machen. Der Artikel von Margulies beabsichtigt, Begriffe zu klären; meiner Ansicht nach klärt er nicht, sondern bringt in heillose Verwirrung, was jedem auch nur halbwegs aufmerksamen Leser der ״Jüdischen Rundschau“ klar sein mnll. Um dies zu verdeutlichen, bitte ich jeden Leser dieser Polemik zunächst nochmals, sich der Mühe zu unterziehen, und den Artikel ״Herbert Samuel in London“ in Nr. 'JO durchzuleseu. Lr enthält nichts von dem, wogegen sieh Margulies wendet. Die Lntgegiumg würde siel» zu einer Broschüre auswaehsen, wollte ich den Gedaukcngang jenes Artikels hier noch- 111.11s wiedergeben, und (was hei manchen Menschen nötig zu sein scheint) kommentieren. So muH ich mich darauf beschränken, einige ganz krasse Stellen hervorzuheben. In dem Artikel ,,Herbert Samuel in London" war 1vin referierend lestgestellt, dali eine (huppe liberaler englischer Juden sich selbst als ״gemäßigte Zionisten“ bezeichnet und Bereitschaft zeigt, der Regierung beim Versuch einer MilSinterpretation der Baij tour-Deklaration entgcgenziikoinmen. Gleichzeitig wurde referierend darauf hingewiesen, daß in den Artikeln von Ciravcs diese Terminologie aufgenommeii ist, und daß Graves selbst zur Erklärung dessen, was er unter ״gemäßigten Zionisten“ versteht, bemerkt, es handle sich tun die Leute, die von den Zionisten ״Assimilanteii“ genannt werden, oft aber bessere Polotiker• seien, als die Zionisten usw. Demgegenüber habe ich nun in jene 111 Artikel selbst versucht, eine Interpretation der Balfour-Deklaratioii zu gehen, die, wie ich glaube, der zionistischen Auffassung entspricht, und habe gleichzeitig nachgcwiesen, daß die Zionistische Organisation bewußt mul planmäßig die Verständigung mit den Arabern anstrebt. Dies ist die zionistische Plattform, die von zionistischcr Seite noch niemals einzusdiränken versucht wurde. Was aber Herr Graves ,,gemäßigten Zionismus“ nennen will, ist eben nicht mehr Zionismus, und dies Nichts anderes stellt im 4. Absatz seines ,gemäßigten Zionisten‘ Ich antworte mit der mußte deutlich gesagt werden, in dom bezogenen Artikel. Herr Margulies aber fragt Artikels: ״Wer hat ein Recht, die als Assimilantcii zu bezeichnen?“ Gegenfrage; Auf welche Bemerkung stützt sieli dieser mir völlig unverständliche Satz des Herrn Margulies, der sogar der Redaktion Taktlosigkeit vorwirft, weil sie einer Bemerkung, die nicht gefallen ist, nicht widersprachen hat. Margulies schreibt ferner im nächsten Absatz, daß in jenem Artikel eine ״sehr, sehr bedenkliche Politik den Engländern und den Arabern gegenüber eingeschlagen worden ist“, und fährt fort, ״im 11 ä c h s t f o I g e 11 d e!1 Leitartikel . . Diese Verfälschung deutlichster Worte muß ich nicht nur im Interesse der Klarheit, sondern auch aus politischen Gründen auf das schärfste ztiriickwcisen. 'Durch das Wort ״nächstfolgenden“ kann doch nur gemeint sein, daß in dem vorhergehenden Artikel nicht jene, auf unbedingte Verständigung mit den Arabern abzielende, politische Haltung eingenommen wuide. Mau zeige mir ein Wort üi dem Artikel ״Herbert Samuel in London“, aus welchem eine derartige Schlußfolgerung möglich wäre. 1111 selben Absatz schreibt Margulies in bezug auf die Resolution des Kongresses; ״Nur in Parteikreisen interessiert man sich für Interna" usw. Dies ist eine so;.".gchciicrliche Bagatellisierung der Kongreßbcschlüssc, daß dagegen Verwahrung eingelegt werden muß. Gerade die Tatsachen, die Margulies erwähnt, 7. B. die bekanntlich mit stürmischem Protest auf- Verquickung dichterischen Erfassens mit philosophischer Problemstellung, die den Leser beunruhigt, weil sie den Dichter beunruhigt. Auch Ibsen sucht vergeblich einen Ausgleich zwischen Wollen und Können, und Tolstois Menschen kommen nach langem Irren zu einer Klarheit, die für die meisten von uns keine Lösung darstellt. Aber die besten Werke dieser Dichter führen iiuahhängig von solchen Fragen noch ein gesondertes Dasein, sie sind unantastbare Objekte voll hinreißender Wahrhaftigkeit, die es gleichgültig erscheinen lassen, wie ihr Schöpfer sich schließlich zu ihnen stellt. Schnitzler vormag sich nicht in gleicher Weise in seine Werke zu verlieren, oder anders gesehen; er ist zu tief in sie verwickelt. Seiner Kunst fehlt die letzte Geschlossenheit, die sich selbst und doch auch die andern ausspricht, die Fähigkeit, über und in der Flut zugleich zu sein. Es ist gar keine Frage, daß diese innere Beschaffenheit sehr viel inehr bedeutet als mir das Besondere, das einen Dichter von anderen Dichtern unterscheidet: Sie ist ein wesentlicher Zug des westeuropäischen Juden, wie er uns um die Wende des 20. Jahrhunderts entgegentritt. Zunächst freilich bleibt Schnitzlers Wirken ein Ausdruck der Epoche, in der er heraurciftc. Eine Zeit, die plötzlich die Last erstarrter Traditionen von sich wirft und wie am ersten Tag voraiissct/uugslos tutd unerbittlich das Leben erkennen will, die die schal gewordenen Begriffe einer vergangenen Größe bis zu den Wurzeln zu zerstören beginnt, so daß ihr in der Eile keine neuen heranwachseu, die endlich von angstvoller Gründlichkeit, von quälender Bewußtheit bescssen, im Geistigen und Sittlichen überhaupt nichts Entscheidendes mehr auszusagen wagt, — diese durch zahllose i.cucrschlosscue Tatsachen, Beziehungen, Abhängig- Seiten tieferschütterte Zeit hat zweifellos bedeutenden Einfluß auf Schnitzlers Schaffen gehabt. Aber eben in der Art, mit der er sie begreift, liegt für mich etwas den Juden Eigentümliches, Er wird nicht wie der unter wolkenlosem Jugendhimmel hintramnende Dorian Grey plötzlich durch die Zweideutigkeit des Lebens aus seiner harmlasen Bahn geschleudert, sondern fühlt sich der Gegenwart von Grund aus verwandt. Seine Literaten (und kaum eine seiner Gestalten ist ohne genommenen Entgleisungen in der Rede Jabotinskys, sind vielleicht ״Interna", hingegen gibt es keinen feierlieberen und verbindlicheren Akt des Kongresses, als einerseits die Reden des Präsidenten der Organisation Dr. Wcizmann, und andererseits die Resolution des Kongrosses, die eindeutig den Willen zu einer Zusammen-׳ arbeit mit den Arabern auf dem Fuße der Glcichhercch* tigung proklamiert. Und nun muß ich leider noch persönlicher werden. Margulies wirft mir vor, daß mein Artikel mit Entsetzen gelesen worden ist von ״all denjenigen Zionisten, die gleich dem Schreiber dieses seit geraumer Zeit für einen politisch gemäßigten Zionismus cintreten". Der Leser der ״Jüdischen Rundschau" wird sich die Augen reiben! Dieser politisch gemüßigte Zionismus, der von dem ״Schreiber dieses“, H, M״ ״seit geraumer Zeit vertreten“ wild und den er gegen den extremistischen Redakteur der ״Jütl, Rdscli,“ in Schutz nimmt, ist nicht erst dadurch in die Well getreten, daß er von H. M. akzeptiert wurde. Eine tierartig egozentrische lietrachtaug trübt den Blick für klar zutage liegende Tatsachen, ln der ״Jüdischen Rundschau“ wurden im vorigen Jahre eine ganze Reihe von Leitartikeln, gezeichnet R. W., veröffentlich!, die alle in verschiedenen Variationen dasselbe Thema behandeln, nämlich die Notwendigkeit einer Verstämligung mit den Arabern. Ich kann nicht alle diese Artikel hier zitieren, vielleicht genügt es aber, einen Passus aus Nr. 70 vom 2. September 1021 wörtlich hicrherziisctzcn, damit einer Legeiideubikhsiig vorgebeugt wird• ״Wir halten es für die Hauptaufgabe des Kongrosses, daß er ein entschiedenes Wort der Vorständigung an das arabische Volk spricht. Der Kongreß muß unzweideutig darlegen, daß wir nicht mit Hcrrschnftsansnrüchcn nach Palästina kommen, weil wir ein I lerrschattsverhältnis z,wischen zwei Völkern überhaupt verabscheuen. Er darf cs aber nicht bei Erklärungen bewenden lassen, die von den Arabern mit Recht als Phrasen angesehen werden könnten. Er muß vielmehr dem arabischen Volk völlige Sicherheit anbieten, daß Palästina ein binationalcr Staat, ohne ,Majoritäts‘- und ,Minoritiits'volk werden soll, daß uns seihst der zweite Teil der Balfour-Deklaratiou, der von den Rechten der Araber spricht, ebenso bindend erscheint, wie der erste Teil, und zwar nicht nur weil er in der Balfour-Dekloration steht, sondern weil wir darin eine moralische Notwendigkeit selten. Der Kongreß muß doch eine solche Erklärung endgültig jeden Verdacht des Imperialismus von sich abtun und dadurch vor der Welt für die gerechte Sache des Zionismus zeugen.“ Ein paar Wochen zuvor hatte ich au anderer Stelle (Robert Weltsch, ״Krieg oder Verständigung“, in der Arbeit“, August 1021) folgendes ge- Zusammenleben; daß wir in diesem Gemeinwesen!!!!,e heute Zentrum jüdischer Kultur und jüdischer protlukt״ jenen, di< Arbeit errichten wollen und zu diesem Zweck die j;','' 1״f organ Einwanderung produktiv arbeitender Juden ii״ RahpD' rdert der fortschreitenden wirtschaftlichen Entwickln!!׳ .1.,indes mit allen Kräften fördern wollen. Fs 11111(11״, f ausgesprochen werden, (lall wir uns bewußt sind,!:.1 Palästina mitten in dem entstehenden großarabiscl• S Reiche liegt, und daß wir dementsprechend eint p.: tische Intcresscngcinciusdiaft mit diesem Reiche I streben.“ f ich könnte die Beispiele beliebig vermehren.! muß aber noch an eine Episode erinnern. Bei der Zent; I komitcesitzimg der Z. V. f. D. im Januar 1021, wo | tinsky zum ersten Male in Deutschland auftrai um! politische Programmrode Dielt, erhob sich als t Icinrich Margulies , Diskussionsredner ein gewisser wahrscheinlich mit dem ״Schreiber dieses“ niclit ident!, ist, und erklärte enthusiastisch, endlich sei der erschienen, der der neue Führer des Zionismus /!! , p!,- berufen ist. In derselben Diskussion gab es einen |> f} ,* 1. kussionsredner, der trotz dem faszinierenden I imln;; den labotinsky auf die Versammelten geinacht ]!;,״ es wagte, dem Hauptprograinmpunkt Jahotinskis widersprechen, nämlich der Jüdischen Legion, uml נ die Gefahren hiiizuwcisen, die nicht nur die Le׳;״ selbst, sondern die durch sie charakterisierte na! nalistisdic Gesinnung für die Verständigung mit!' Arabern, d. h. aber geradezu für den Zionismus beiten: Vielleicht erinnert sich Heinrich Margulies und du■; deren Teilnehmer dieser Sitzung, wer dieser zweite ft f{ Majonto* kussionsredner war. Jedenfalls entbehrt es nicht!■!;׳ «daran, da gewissen Pikauterie, wenn heute der z.weilgcnannfc b 5|a.־oklamat' kussionsrediiur von dem ersterwähnten Belehrungen uk %ko;11p<>htß ' die Notwendigkeit eines gemäßigten Verhaltens 1״gv|t:uncl11ual \ über den Arabern aunchincn soll. Wenn Heinrich M,׳f habe unla 31. 19« 11(1 nicht .. ״•‘:utig 11 eil vs iderspric!re ostuft!.ehr gesc j;inner wi rieben bi׳ ' Ae die' hi j .,roiiiincnt jnis(1*n־I ’.rc i ‘nrcli die Mcliei zu!.;;,iriicn k §s1)p|,osillOJ heu E״,; f mu\ d ciin siel Cal.isef gsird nun Über Lmzi Wohl ך s’iitwcmlq tj jurch klai t:;ucht Mlff 11' .!:worden )'!;r Zeitschrift ״Die schrieben: ״Es bleibt dem arabischen lieh schwierig werden. Der mir ein Weg; die Verständigung mit Volke. Dieser Weg mag heute unsägscheinen, er uijili dennoch betreten Kongreß muß eine Erklärung abgeben, die sich wesentlich unterscheidet von den bisher üblichen, gedankenlos ausgesprochenen formalen Ver- Sicherungen, daß wir die Araber nicht aus dem Lande vertreiben wollen. Es muß in einer Form, die jede Illoyalität ausschließt, authentisch erklärt werden, daß w fr eine 11 J u d e 11 s t a a t nicht a 11 s t r c h c n, auch keinen Staat in i t jüdischer Vorhcrrschaft, daß• wir, auch wenn die berühmte ,jüdische Majorität' erreicht ist, keinerlei Herrschaft über das arabische Volk ausz.uiiben wünschen und dies in irgendeiner völlige Sicherheit gebenden Form gewährleisten. Daß wir vielmehr ein palästinensisches Gemeinwesen wünschen, in welchem beide Völker, luden und Araber, bei Respektierung ihrer nationalen Eigenart, in engstem Verkehr uml gemeinsamer Arbeit gulics jetzt beklagt, daß jahotinsky beim Kongreß vw.i| in die Exekutive gewählt wurde, — und jeder Kongr.j teilnehmer weiß, daß gerade ich, bei aller Hoclunhtc! vor Jabotinskys persönlichen Qualitäten, aus sachli!];. j Gründen ganz offen einer der schärfsten Gegner du Wald gewesen bin, ••־ so möge er doch bedenken,!'! wahrscheinlich ein großer Teil der Kongrelklelegieit: j im September 1921 noch dieselbe Auffassung halte! wie der Diskussionsredner Heinrich Margulies im Jan 1921. Daß aber Heinrich Margulies seit Januar Ke sich in anderer Richtung entwickelt hat, gibt die 11׳ nung, daß auch die Majorität der Kongrcßdelegiut dies'e ernsteste politische Angelegenheit nächstens ander betrachten werden als noch beim XII. Kongreß. Die Sache hat aber noch eine andere Seite. Ls ״:( nämlich in der Tat heute noch eine Gruppe von L nisten, die in jenem Sinn ״extreme Zionisten" sin. den Graves meint. Nur sind diese Personen he!.: in keiner Weise mehr repräsentativ für die in der 1! nistischcu Bewegung herrschende Anschauung. F.s hr delt sich um die Ausläufer des sogenannten ״politisch! Zionismus“ im engeren Sinn, in jenem parteipolitisch! Sinn, wie er sich seinerzeit gegenüber dem ״praktisch! Zionismus“ abgrctizen wollte. L's sind jene 1*000:1! die damals nicht verstanden haben und noch htm nicht verstehen, daß jedes Gemeinwesen eines Volke ein Organismus ist, der sich nur organisch 0״. wickeln kann, in schmerzhafter, jahrelanger Entwickln־., der keine Etappe des schöpferischen Weges ergo werden kann. Jene Gruppe meinte und meint noch hem daß die Wiedergeburt des jüdische» Volkes durch irgir. weiche mechanische oder juristische Akte erfolgen km,: /. B. durch Proklninicnnig des Judeustaates. Diese A. fassung war im Zionismus schon vor dem Krieg eb! wunden, und der Gedanke des Judenstaates versehen: nicht etwa aus irgendwelchen außenpolitischen löi!'־ sichten, sondern einfach aus der besseren Einsicht das Wesen und Werden geschichtlichen Geschehcr,׳ Mumcr s! (;;iltbitr-D de re Spra• als heute, proktamat keine prä kann. I lc auch im iorderlich Artikel d> Emwicklu emgetrete große״ R Araber dl nicht im ״Palastiui wie Fran Seite an 5 »am!• Sad at üxiott 10. 3־. d. sprach NX du■ S c 1 ker entk alter Zeit ',teilen tu saniiiienai :ה der ״״ staat"-lde bei der t besonder# ta,mn ist! •Seine! dt nehtige . ,;■!״/ glei personell fcxlarf es einen solchen Einschlag) zeigen mit schmerzlicher Deutlichkeit, was hier gemeint ist, Sic alte gehören, auch wo sie ein Adelswappen führen, zum Typus der Literatur• judeii, die so überaus charakteristisch für das geistige Gepräge dieses westlichen Judentums sind. Sie tragen die Entwurzelung, die Heimatlosigkeit ihres Volkes als Kainszeichen an der müden Stirn, - geschmeidig geworden durch eine fast gewaltsam schnelle Emanzipation, sind sie überall zu Hause, während sie in Wahrheit nirgends zu Hause sind, unfähig, das Leben zusammenfassend zu spiegeln, aber begabt mit dem unheimlichen Blick des Analytikers und ohne die wohltätige Schranke, die das nationale Gebuudetiseitt in den andern errichtet. Es ist ihr Glück und ihr Unglück, daß sic gerade in ein solches unsicher gewordenes Jahrhundert hineingeboren sind. Die europäische Kultur liegt offener ausgebreitet, sie kann schneller aufgenommeii, von vielerlei Seiten begriffen wenden; ja, einzelne Bevorzugte, wie Sala, wie Schnitzler, hören mit besonderen Sinnen das vielstimmige Chaos, das so überreich beladene Kulturen erzeugen, und werden tief davon ergriffen. Aber den von keinem einheitlichen Volksgefühl Getragenen, die sich noch dazu mühsam, ohne das Mindestmaß innerer Festigkeit, gegen eine feindliche Umgebung behaupten müssen, hallt sich aus solchem Erleben keine geschlossene Weit.■ Sic entnehmen der Gegenwart mit schmerzlicher Genugtuung, was sie au Vieldeutigem, dunkel Schillerndem birgt, das Bodenlose, das zwischen den Grenzen dahinfährt und die Dinge zu zersetzen droht, Ihr Lehen, gewinnt au Wahrscheinlichkeit, an Echtheit, wenn sie dies Auflöseiule und Versclnvebcnde zum philosophischen Inhalt des ganzen Daseins machen. Sie suchen nicht, wie cs Nietzsche getan, einer neuen Bewegtheit• eine neue Antwort: ihre erschreckende Begabung will nur diese Bewegtheit restlos aussprechen und gelangt bald an den Abgrund, wo das Individuelle, das doch den Grundstock alles Werdens bildet, in allgemeine Dunkelbeiten zerfließt, wo ihr Lachen und Weinen, die ganze naive Besonderheit ihrer Instinkte, sich an der kalten Glut ihres Wissens verzehrt. Doch da auch sie Geschöpfe dieser Erde sind, die zu ihrem Lichte wollen, so wird ihre Sehnsucht doppelt starte und doppelt ohnmächtig: Sie fühlen, dali es hier zu Ende ist. Ach, es ist nicht zu Ende! Denn diese Literaten, diese JuJ gehen ja nicht unter der Last solcher Lebensstimm::; zugrunde wie eben jener Dorian Grey,. den man ein. Morgens erstochen vor seinem Bilde findet. Das Fm> lose bedrückt sie nie so furchtbar ernst, weil il'1 Geburt schon, ihre Abstammung sic darein gestellt U und ihre Sehnsucht hängt sich mit nie ganz ermatten״ Gebärde noch an den ärmlichsten Tag. Hierin liegt ״ unleugbare Niedergang, das im letzten Grunde Lebt׳'1׳ unfähige dieser Menschen: der Geist, wie sic ihn b. greifen, gewährt ihnen mir mehr hoffnungslose Mugb keiten, und doch leben sie weiter, leben selbst mit *׳ ״metaphysischen Uebcrzeugung von der eigenen Ed'׳ flüssigkeit“. F.s bedeutet hiergegen wenig, wem! cl״ bei Schnitzler der Dichter Filippo Loschi sich sein! tötet. Man glaubt ihm die Ruhe eines solchen Schlusses nicht, mau weiß, daß er nicht zum ersten״' von tiefem Ekel vor allein Menschlichen erfüllt ׳״ er steht am Schlüsse da, wo er eigentlich schon '׳ Anfang au stand. Uml Stefan von Sala? Erst aß untrüglich erfahrt, wie nahe sein krankes Her■׳ lJ Tode ist, erst da entschließt er sich, ״den B11׳' zu beenden“. Und auch da erinnert er sich noch ,j schwermütigem Lachen an die Thermen des (••»•>•' an den Park von Lugano und sein hübsclu’s kl!'1 I laus, und man fühlt, wie wenig die Traurigkeit1 ׳ ihn aus den Dingen anwehte, das Gefühl seiner n|UI liehen Einsamkeit, das unfaßbare Entgleiten jeder wart, — wie wenig dies alles ihm das Sterben leichtert. Gerade der recht äußerliche Zwang, der dazu treibt, wirkt so ergreifend wahr, weil cf י‘ י'ג tiefste Tragik dieser Menschen die Unfähigkeit^ Tragik enthüllt: Sie kämpfen nicht mit dem j-c* sondern es ist ein schmerzlich wartendes Geschehen״»■ ein innerer Stillstand, gleichviel, wolun sic £c«riw"'l*11, weiden, ein Aulhcbcn alles Handelns, aller f.ntw!‘ ‘ zum Bessern wie zum Schlimmen. Dies Untragische, diesen Niedergang des Juden hat Schnitzler dichterisch erfaßt, wie Stninniesgleicher, vom selben Schicksal Heimges!"- Werken dj" einer Kr•' modern» allein 0 es vermag. Er findet in seinen besten Worte von erschütternder Einfachheit, von des Vcrschwebens, die nur einem wahren Künstle i. schenkt * Wurf nl* stiegen b dieselben *״geben seine Stä des nuxk bracht, u «eh ihn Dami «och nid der er s« daß es : gebt, und •*'11 sehw!111• t «iuc S!cg ist, *di sein, whrcitct' Sala geh 1,berhaup rtn bess* dies bei stxdt sei ״Mehr H •י'!':" Sjx Manu au 50 ironis des Todi ״'Bit als "tuipt, vv a'1 den , Mimmteu (jnk-|\1t4׳ Uei(lll;ry| SLltlgn״׳, V'ieltvgre *1 "!ס f"״ \>>t h:'t, bt־w ' eg M V|״c• int “d!U

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