Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1922)
- Date
- 1922-05-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I 40 1 Nr. 40 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 235 <tcn(r;1| vo |a!x1. tna scIik s i'rsif, iIk's, d, iskys m und au! ’ Lcgionj e nalio' mit de!: bedeute׳ lesen dvll)׳e heute im Zionismus führenden Menschen gehören zu iduktiv ■I i'nen die am energischsten jene innere Entwicklung die frc; ״״ן■ organischen Auffassung in der zionistischen Partei ׳ Hah!nt?Sbefördert haben. Weiziiiann und Sokotow zum Beispiel hin״ de'Ifind nicht deswegen keine judenstaatler, weil es der a(i terncllwitiee» Konjunktur widerspräche, sondern deswegen, lind, d'ifllvci! es ihrer Jahrzehnte allen zionistischen Auffassung ^hisditi'liiklerspricht. Jene politischen" Zionisten, die dura! jno סח!!'n3!rc öffentlichen Aeulleningeii den Zionismus allerdings *ch״ a1II«hr geschadet haken und die in den letzten Jahren üinrcr wieder in der luftigsten Weise Opposition geiriebeii haben, sind zum Teile identisch mit den Kreisen, (1(0 die Haager Konferenz einberufeu haben. Die Namen prominenter Pcrsöilidikcitcn dieser politischen Exla'inisten stehen unter dein Haager Manifest. Sie haben jiirdi die Ürganis eriing dieser Opposition sich ein Relief ׳׳» geben verstanden, das doch nicht vergessen idcmt'o'ii»«•'1’" kann, daß die Ursprünge dieser organisierten ‘r Mi!Opposition <״ ic״c״ lcidenscnaftlichcn Attacken der poliw“ji'ck'11 Extremisten gejen den hcutigeit Kurs im /ionimmis, der ihnen zu geiniiHi(jt erschien, liegen. Erst "indru kl״cl1n sic*' a״c*' g':gcl1 *her diesen Kreisen die ortt!׳!,״״anischc Anpassung des Zionismus durchgesetzt hat, U »11d man auf dieser gemeinsamen Anschauungsgrundlagc :!,er Einzelfragen diskutieren können.. Dies nur nebenbei. Wohl ist es richtig, daß die Erkenntnis über die ,Notwendigkeit der Neuorientierung unserer Araberpolitik durch klare Formulierung unseres politischen Zieles nodi nicht Allgemeingut der zionistischen öffentlidien Meinung י worden ist. Dies liegt aber nicht daran, daß die eite [Tlkjorität unserer Zionisten extremistisch ist, sondern •‘ht cine,fi<bran< *faß sie noch nicht aus dem Bezirk der reinen mte 1>;.|proklamatorisd1-idcologi sehen Politik in den Bezirk der Zen ühc^l Kealimiitik übergegangen ist. Ein solcher Uebergang ist j ״egen 1 manchmal auch von aulieren Zeitumständen bedingt. Ich icli Mari1,11)0 111'kingst (Nr. 24 der ^Jüdischen Rundschau“ vom *!). 3. 1022) darauf hingewiesen, daß unsere führenden Minner selbst sich dessen bewußt sind, daß zur Zeit der Balfour-Dcklaratioii unJ der Wilson-Deklaration eine anderc Sprache im internationalen Leben gesprochen wurde als heute. Damals galten extreme Formulierungen, die proklanintorischen Wert hatten, trotzdem klar war, daß keine präzise Umsetzung in die Wirklichkeit erfolgen kann. Heute gilt die Sprache der Realitäten. Daher ist ״. auch im Zionismus heute eine andere Formulierung er- Ja r "192$ forderlich und ich habe■ gerade in dem zuletzt erwähnten üe Hofi'll Artikel der Genugtuung Ausdruck gegeben, daß diese legiert«« Entwicklung bereits ins klare Bewußtsein unserer Führer 1s ander! «ingetreten ist. Wcizniann sagte in seiner großen ן fiollcn Rede in Glasgow, daß das nationale Leben der Fs ״;hi «aber durch die Errichtung des jüdisch-nationalen Heims von ZiiiS im geringsten beeinträchtigt werden darf, und daß n“ sind! »Palästina in derselbe»! Weise aufgebaut werden muß, _ heuteS w‘e hranzose״1 ״«I Engländer Kanada aufgebaut haben, der ,J» an Seite in cinhcätlicher Harmonie für eine gemein- Fs hmlsame Sache zusammenwirkend“. Und in der großen Rede j lm Oxford, die auch in der ״Jüdischen Rundschau“ vom alitischoi 10' ־*• (l- J•» Nr. י®׳ in Uebcrsctzung abgedruckt war, »ktisrliciS'PracI1 Weizmann davon, daß ״I*a 1 ä s t i n a so wie *ersoneni'e Schweiz zwei gleichberechtigte Völdi heutjrer enthalten wird, daß Juden und Araber so wie in ■ Volke! J'icr ^c't, als Europa noch im Dunkel lag, einander ver- ’ h Cn*lstehen und friedlich für die Kultur der Menschheit zu- ״: j.|U1,'l Mnmienarbeiten werde n“. Erst kürzlich hat die Exekutive erSp;lfIin der ״Times" den Brief Zangwilis mit seinen ״Judench heii'til ',,131‘‘־Ideen desavouiert. Die gleiche Auffassung trat h irgend*1!**• ^cr A-C.-Sitzting zutage, die deswegen von mir als ו koluitcfcj besonders wichtiges Ereignis gewürdigt wurde. Weizlese AiiilJ ,?3״״ ist der politisch repräsentative Mann der Bewegung, ec über! ^'n<: Erkiärimgen müssen auch von den Arabern als aufrschwaiuB hditige Meinung des Zionismus angenommen werden, n RiickiPanz gleich, ob rechts oder links von ihm sidi Einzelnsicht i!I Pers0״cn finden, die -andere Meinungen äußern. Gewiß »chehcn'l ^31'f cs auch, was gerade von uns immer betont wurde, ß uiede Kongreßhaditui!:, acliiidici! Jr diese ken, da' legiert« 1 hatt, ת Janu:l se Judcd •timmuni an ciaij as Fried« veil ihr{!teilt Iwf nattendej liegt dej . Leben■! ihn Ix iimcrbalb des Zionismus einer gewissen Erziehungsarbeit, um diese .Erkenntnis von der Notwendigkeit des friedliehen jüdisch-arabischen Zusammenlebens tief zu verankern, Aber das ist nicht dadurch möglich, daß man politische Gruppen bildet, die unter dem Drude der Konjunktur und äußerer Ereignisse ein ״Programm“ akzeptieren, sondern nur dadurch,, daß man den abgriindtiefen Ernst der zionistischen Losung von der Wiedereiiigiicderting ries jüdischen Volkes in die asiatische Völkergemeinschaft begreifen lernt und sich darauf einstellt, so große Opfer auch ein derartiger seelischer Umschwunp erfordern mag. Von hier ergibt sieb leicht der Uebergang zu jenem Problem, das im Zentrum der von Heinrich Margulies aufgeworfenen Fragen steht und mich das Zentrum, seines Irrtums ist. Denn unversehens setzt er die außenpolitische ״(lenüißigtheit“ der inueipalitischcn gleich. Ich glaube, im Vorstehenden genügend naehgewiesen zu-haben, daß ich bezüglich der Stellung zu den Arabern einen Standpunkt einnciime, der, wofern man überhaupt die von mir abgelehnte Terminologie bcibelüilt, sicherlich auf die Bezeichnung ״gemüßigt" Anspruch erheben darf. Eine völlig andere Frage ist aber die Frage der Stellung des einzelnen Zionisten zu den i n ne r j ü d i sch c n. Fragen, vor allem zu der Frage der Assimilation und der Uuberwindting des Ghettojudentums, Es zeugt von einer völlig falschen Beurteilung der jüdischen Lage, wenn Margulies hier, wie er so gern tut, wieder einmal die Analogie anderer Völker heranzieht. In Deutschland freilieh sind die nationalistischen Parteien gleichzeitig die Scharfmacher nach außen und die Intoleranten nach innen. Bei uns liegt die Sache völlig verkehrt. Denn die Frage der Assimilation der Juden in Deutschland oder England hat nichts zu tun mit unserer Stellung zu den Arabern. Der dentsdi-assimilicrte Jude wild den Arabern nicht sympathischer sein als der jüdische Jude. Ich bin allerdings der Ansicht, daß der Zionismus eine hochgespannte Forderung au den einzelnen Zionisten ist, tiielit nur in״ materieller Beziehung, sondern vor allem in seelischer Beziehung. Gerade die Juden, welche die ganze Tragweite dieser Forderung verstehen und in ihrem eigenen Leben damit Ernst zu machen bereit sind, wozu mehr gehört als die bloße geographische Uehcrsiediung nach Palästina, gerade diese im innerzionistischen Sinne radikalen Zionisten werden cs sein, welche auch die Schwierigkeiten einer Umstellung ihrer bisherigen curopäischen Denkweise auf den neuen asiatischen Lebenskreis auf sich nehmen werden. Wer diesen Zusammenhang nicht sieht, rührt kaum an die Oberfläche des Problems. Um neuen Mißverständnissen vorzubeugen, muß auch an dieser Stelle wieder gesagt werden, daß! diese Forderung in keinem Gegensatz steht zu der Forderung der Schaffung einer breiten jüdischen Einheit^• front für den Aufbau Palästinas, Ich habe das wiederholt ausdrücklich betont. Alle Juden, die irgend wie, wenn auch mir mit Rücksicht auf eine vielleicht vorübergehende Konstellation, für Palästina zu interessieren sind, müssen zur materiellen und Intellektuellen Mitarbeit hcrangezogen werden, Aber •das Streben nach dieser Einheitsfront darf kein Vorwand sein, um die gebieterische radikale Forderung abzusdnVächcn, die der Zionismus an jeden einzelnen Zionisten — und in werbendem Sinne natürlich auch an jeden anderen Juden — stellt. Denn gerade wer an den organischen Prozeß der jüdischen Wiedergeburt glaubt, weiß, daß alles davon abhängt, die s e 1 i s eh c11׳ Kräfte zu beschwören, die das Werk vollbringen können. Dies ist ohne tiefe Erschütterung des Volkes nicht möglich. Aber auf dieses Problem im Einzelnen hier einzugehen, würde zu weit führen. Absicht dieser Entgegnung war es ja mir, eine Entwirrung des Knotens zu versuchen, den Heinrich Margulies kunstvoll geschlungen hat. Idi wiederhole nur noch, daß diese Entgegnung ganz persönlieh ist. Robert Weltsch. XVI i I. Delegiertentag derZIonietischen Vereinigung für Deutschland ata 25., 26. (abends) and 27. August 1922 in Cassel, Stadthalle mode1״: illcin •י gesud'1‘{!׳ len 1er Kr:־t jstlef H senenkt wird, Man hat sein Schaffen mit dem Vor• "urf abgelehnt, seiner psychologischen Werkstatt entstiegen bei aller Fülle seelischer Nuancen immer wieder dieselben schwankenden Gestalten. Beides müssen wir zugeben; nur daß *wir seine Schwäche zugleich als seine Stärke empfinden. Er hat einen wesentlichen Zug <ks modernen Westjuxlen zu dichterischem Ausdruck gebracht, und seine Begabung endet an den Grenzen, die auch ihm das Geschick seines Stammes gesetzt hat. Hamit ist aber die Schnitzlersche Wcltauffassuiig ״«ch nicht ganz Umrissen, Mit derselben. Klarheit, mit der er sein eigenes ,Wesen erfaßt, sieht er doch auch, daß es noch ein anderes Verhältnis zu den Dingen 2d)t, und man hat oft den Eindruck, als laste seine Kunst Jnt schwersten auf Inn selbst. Schon Anatol beneidet d«■ Glücklichen, deiK'11 jedes Stück Leben ein neuer “icft ist, und Filippo ruft verz.weifcit: ״So einer möcht lcl1 sein, der festen Schritts und lächelnd vorwärts schreitet, derselbe aaifstcht und zur Ruh sich legt!“ *da geht auch hierin noch weiter: ״Es scheint mir überhaupt,“ sagt er zum Schluß, ״daß jetzt wieder *jn besseres Geschlecht heranwächst —und als wäre ׳״es bei ihm gewiß unerwartete Geständnis ein letzter m * scincr sterbenden Ueberlegenhcit, fügt er hinzu: ״Mehr Haltung und weniger Geist.“ Ich sehe hier durcli J“en Spott doch die Erkenntnis schimmern, die diesen mann am tiefsten treifen muß und zu der ihn, selbst in Ifonisierender Form, wohl hur die befreiende Nähe . Todes führt: er empfindet sich und seinesgleichen jjlcht als einen Ausdruck menschlichen Wesens über- JUPt, wie es ist und immer sein wird, sondern nur s den bestenfalls 110ch gesteigerten Gestus einer bc- •*nmten zum Untergang verdammten Zeit. Die nächste jucratkm erzieht Schon nicht mehr jene Sdiar von jpchgerichteten, die seine besondere Art zu ihrer Bevielt?U״® kfaucht, dan Leben geht weiter, ohnfe vor der ^•begreifenden Schärfe seines Geistes Halt zu machen, 7 S<H" Dialog ist im weitesten, in einem vernichtenden!6״ ל«ndet. Daß Schnitzler diese Deutung gewollt > bewcist mjr sej״ yjgj. jaj,re später erschienener *weg ins Freie", Hier zum erstenmal offenbart er fühlf 'nnerc Beziehung zum jüdischen Volk, und man Hermann, m Nürnberger aufs neue, wie sehr auch all seine früheren Literaten, wie sehr seine ganze Welt aus jüdischem Erleben geboren ist. Aber wesentliclicr scheint mir, daß er zum erstenmal mit einem vollen Roman ausspricht, was der ״Einsame Weg“ nur im Vorübergehen streifte: Auch für Schnitzler sind Paracelsus und ' Sala und Filippo Geschöpfe jener schwankenden Epoche, deren schärfste Spiegelung der Jude Heinrich Ikrmann darstellt, und diese Epoche nähert sich ihrem Ende, weil kein lebender Organismus solche auflösenden \Verte dauernd erträgt, weil auch das jüdische Volk sie in irgendeiner Form überwinden muß. Es ist der aufrichtigste Gerichtstag,• den hier ciir Dichter über sein ganzes bisheriges Schaffen hält. Denn indem ■er Heinrich Bcrmann trotz, allem Wissen von den Menschen, trotz aller Herrlichkeit seines Verstehens an einem Punkte enden läßt, wo er bestimmt ist, ״irgend einmal hinabzustürzen ins Leere“, — stellt Schnitzler auch seine früheren Geschöpfe in den dür.tcrn Schatten dieses Zu• sanimcnbruäis. Der dunkle Rhythmus hoffnungslosen Entglcitens, der ihm früher aus allen Erschütterungen entgegenschlug, wird hier zur besonderen Atmosphäre einzelner gezeichneter' Menschen, Freilich ist Schnitzler auch hier nicht und noch weniger in seinen späteren Werken der Aufbau einer fester ge fügten Welt geglückt. Er gibt uns auch im ״Weg ins Freie“ nur ״ein Grüßen unbekannter Tage“, nicht ein neues Bild des immer unerschöpften Lebens, Und zugleich fühlen wir mit immer besserer Bestimmtheit, daß die junge jüdische Generation wirklich nicht mehr da steht, wo dieser Dichter steht: in ihr beginnt jener Sinn zu wachsen, den Felix Wegrath besitzt und um den sie schwerer kämpfen muß als andere glücklichere Völker: 'Der Sinn für das Wesentliche, Wenn das jüdische Volk noch eine Mission hat — S;,dn: des 0';:i:k,:us. vzl־: jede tiefere Angelegeiiheit --,-ס:.׳ kann cs gleich'asm lange irrenden Peer Gyht mir die eine haben, ״es selbst“ zu sein, Und wir erhc-an r •־'״f;".,ע• '>el׳e und mit warten■ dem Humor an die mv. «:iui Worte des Oberleutnants Stanzides, in' cHjtn imm kn• ׳ "••;■׳: für unsere Zukunft liegt: ״Ls l: nchna de: : - . ־׳,׳.re Rassk“ Tagesordnung de« Delcgiertentagei. Freitag, den 25. August 1922, Vormlttagultzung 9K Uhr. I. Eröffnungsrede des Vorsitzenden über: ״Die all gegemeine Lage der zionistischen Oesamt• . bewegang sowie der zlealatiichen Arbeit ' In Dentiehlaad." 9. Wahl dea Büros, 8. Diskussion. NachmiU&gssltzung 3H Uhr. 4. Referat: ״Die allgemeine Lage In Pallitlaa and die Pal Ast 1 na ■ Anfgaben dea deat* sehen Zionlsmas.“ Referent wird noch bekannt gegeben. 6. Debatte Ober das Referat zn 4. Sonnabend, den 26. Angust 1922, Abendsltzang nach SabbataosgaBg. 6. Referat: ״Inhalt und Möglichkeit zlonlstlscher Propaganda.“ Referent wird noch belcanntgegeben. 7. Debatte Ober das Referat za 6. Sonntag, den 27. August 1922, Vorolttagssltzang 9H Uhr. 8. Fortsetzung der Debatta Ober da Referat za 6.. Naehwlttagssltzang 3K Uhr. 9. Fortsetzung der Debatte Ober du Referat iss 6. , 10. Decharge. II. Wahlen Landesvorstand; Zentralkomitee, cj Finanzausschuß; d) Revisionskommission; e) Ehrengericht. Nach Schloß des Deleglertentages finden am Montag, den 28. August 1922 vormittags Sonderberatangen Ober Oemelndcarbelt, Jugendarbeit, Keren Hajessodarbelt and Kulturarbelt statt. Die Referenten fOr die Sonderberatungen werden noch bekannt gegeben. Krieg gegen Kinder Dem österreichischen Parlament lag in diesen Tagen das Gesetz über die Schülerspeisungcn vor. In diesem Gesetzentwurf, der die Verwendung der amerikanischen Hilfsgelder bestimmen soll, hatte man folgende Bestimmung als § 2 aufgenommen: ״Das Hilfswerk hat den Zweck, Kindern österreichischer Bundesangehörigkeit während des Schuljahres Mahlzeiten zu verabreichen.“ Die ״Wiener Morgenzeitung" wies sofort darauf hin, daß die Annahme dieses Paragraphen, dem natürlich antisemitische Tendenzen zu Grunde liegen, vermutlich die Wirkung haben würde, daß die amerikanische Organisation die Hilfstätigkeit cinstellen wird. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Robert Stricker,, intervenierte bei den pariamentarischen Parteien und erreichte die Abänderung dieses Passus, so daß es jetzt lautet: ״Das Hilfswerk hat den Zweck, Kindern in schulpflichtigem Alter, die dieser Fürsorge bedürfen, während des Schuljahres Mahlzeiten 7.u verabreichen,“ Bei der Abstimmung über das Gesetz entfernten sich die Angehörigen der antisemitischen Parteien aus dem Saal, so daß die zuletzt angegebene Formulierung angenommen werden konnte. Die Wahlordnung zum polnischen Sejm Der Polnische Sejm beschäftigt sich zurzeit mit der Ausarbeitung der Wahlordnung für den Sejm, Der Entwurf hat die Tendenz, die städtische Bevölkerung und die nationalen Minderheiten zu benachteiligen. Gegen den Gesetzentwurf sprachen der Sozialdemokrat Liebermann und der Abgeordnete Grün bäum vom Jüdischen Club. Er wies darauf hin, daß nach dem Vorschlag Wahlkreise mit 51000 polnischen Seelen ein Mandat erhielten, dagegen Wahlkreise mit gemischtnationaler Bevölkerung erst hei 80 000, Grünbaum erklärte, daß dieses Wahlgesetz die Juden zwingen werde, einen Block der nationalen Minderheiten zu schaffen, was für den polnischen Staat kein Vorteil bedeute. Auch der Vertreter des deutsehen Clubs sprach sieh gegen die Wahlordnung aus. Dann wurde in die Spczialdebatte eingetreten, wobei die jüdischen Abgeordneten Hirschhorn und Hartglas den jüdischen Standpunkt vertraten. In der letzten Sitzung des Sejm brachte die Regierung einen Gesetzentwurf ein, durch den die aus der zarlstischcn Zeit stammenden Rechtsbe- Schränkungen der Juden aufgehoben werden sollten. Das Gesetz wurde der Verfassungskommission überwiesen. Es wäre, wirklich an der Zeit, wenn der polnische Staat endlich wenigstens die Ausnahmegesetzgebung gegen die Juden auflieben würde, die im krassesten Widerspruch mit der polnischen Verfassung steht. . .* 1