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Jüdische Rundschau · 1922-05-19 · Heft 40 (19.5.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 40 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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j 4 1 י ן 1 JBp -"-- Nr. **0! Extremer und gemäßigter Zionismus | Von H 1׳ i n r i c h M n r g u 1 i c s. | (k־r in Nt. 37 der ״J. R.“ erfolgte Meinungs■ f ״tausch /wischen Torczyncr um! der Redaktion scheint ־l,fa11f liin/mletiten, daß'die Stunde für eine wirklich ־, ,nsth.ifte und sachliche Diskutierung der vorhandenen •:.׳״(Tcnsat/c gekoinnien ist. Sobald jedoch an die Stelle l׳fr bisher geübten Art, diese Gegensätze aus/ukämpfen. ,t eidliche 'Villc tritt, den Gegner au/.uhdren und (>m /u begreifen, wird sich rasen herausstellen, daß!ז gegenwärtig eine ähnliche Situation erleben wie er hoher *r neun, pnst «eif vcf. Wild - Wahri»,; rieh fiy hen y^j., bsen ןג,! anisati«: teilen j״ י Konncri 1״]Crzcj( jm Endstadium des Kampfes zwischen den ,”«jcssorü^jiischcn und den Praktischen: damals waren von dem * schaft1 |h״mpf nur noch die Mißstimmungen und Mißverstand- |,|iSc übrig, man redete aneinander vorbei, und war j.,ch in Wirklichkeit viel, viel näher, als man sieh ,,•,•stehen mochte. Genau so muß man auch jetzt I j!cr die Fülle der dümmsten Mißverständnisse statinen, Jt|Che die Gemüter gegeneinander aufhetzen. Ich L״chtc auch meinerseits an dieser Stelle dazu bei-!־ragen, einige von ihnen aus dem Weg zu räumen T:,d durch eine bedauerlicherweise bei uns beiderseits! ,räumte klare Formulierung zu ersetzen. | Ich nehme hierzu den Leitartikel der ״J. R.״ in '”y, 30 zum Ausgangspunkt: ״Samuel in London.“ Er \1 geradezu ein Schulbeispiel für die Verwirrung rangels einer einheitlichen Terminologie, und'das Uu- , das er dadurch angericlitct hat, ist nicht gering. 1 werdeirtjjitsch polemisiert dort dagegen, daß sieh in England sind all|j;1!1c Art ״gemäßigter“ Zionismus stabilisiert habe, der s Wirklichkeit überhaupt kein Zionismus sei, sondern 11c Parole der englischen Assimiianten, unter welcher ,!c den Zionismus bekämpfen wollen. In diesem Zu- ,äinmenhang läßt er sich zu der Fomfulicning hinreißen: ״Die Unterscheidung zwischen gemäßigten und fdrcmen Zionisten ist nichts anderes als eine vertappte Form des Kampfes gegen den Zionismus, nichts ,alleres als der Versuch, eine Rüekzugslinie zu hauen rnr den Fall, daß es der englischen Regierung vielleicht finnial einfallen sollte, aus der mit der Balfour-Dc- »Ijiation begonnenen Unternehmung herausrutschen, Jtne sich in aller Form des Wortbruches schuldig /!ו machen." Mit Staunen, ja mit Entsetzen *lasen und diips all diejenigen Zionisten, die gleich dem Schreiber ' verlasscifi''KCS scit geraumer Zeit für einen politisch gemäßigrücktrclp Zionismus eintreten, der sich den Engländern und die RücJ'*1״ gegenüber deutlich und unzweideutig von jenen .. . . Batremen politischen Aspirationen abhebt, mit welchen utat cme,|,j1T1ijTC zionistische Katastrophenpolitiker unsere miihvoll m Deeds, igierunf f Abord Icherun : Erleich ח, die in fon Pdr. :e habt׳!:, trug wähl den ladt den nach de* mmgeuc Position zu untergraben drohen M.nuiijjVnv ■ V/JIUV/II LH I'IIIVI ^•UKVII uiviivii W1C| litauisdieigiif wären nichts anderes als eine Erfindung der bösen Snti/ioiiisten, des Lord Northcliffcs Kreaturen woniög- '•eh, die hier lediglich den Engländern eine Brücke är den Wortbruch bauen wollten? Wie war das zu ■:greifen? Wie auch damit zu vereinen, daß gerade Robert Weltsch z. B. in seiner Haltung gegenüber ibotiuski immer selbst diesen gemäßigten Zionismus ertreten hat — wie ja auch bereits der Leitartikel einen liifller nächsten Nummer ein deutliches Verlangen nach *r die Ahl feitens dc| 1, Chandlii i cd de f r s a m n!■ mächtigteif m, Litam;| icren, failj der amerif!Hin stärkeren Abrücken der offiziellen Politik vom Mrcmisinus enthielt? Nichts als Mißverständnisse, geboren aus unz.uniglichem Willen, die Terminologie des Gegners zu erstehen. Die Redaktion behauptete dem Verfasser ieses gegenüber, sie hätte bei dein Wort gemäßigter Zionismus nicht an die innerzionistische Opposition geg L1taue!H|1״d1t, weil ״eine solche Terminologie innerhalb des n. ffionismus nicht gebräuchlich sei.“ Und sie rechtht die AI ״ ־»genommene Identifizierung von gemäßigten Zio- Wien und Assimiianten nicht von ihr, sondern von « ״Times“ eingeführt sei; Hierzu wäre folgendes zu bemerken: wenn die ,Times“ in jedem Assimiianten einen gemäßigten Zior wies au|• _ ן es heil״{! rtinistcnufif Glück! «m jitzler ver■ Geringste ״Einsame Weg“, in dessen Mitte diese Gestalt steht, fiir mein Gefühl Schnitzlers bedeutendste Schöpfung —, uV1'*™ Leser .seine besondere Art zu empfinden voller, ierglcic l'l'igrcifender mit als seine anderen Werke. Auch hier ‘ Clh 11 ׳ cr Grundgedanke, daß selbst die Nächsten vonein- * . 'ihtlk ׳'" 45י*0'11 זssen, sie ״flattern auseinander, weiß ^cr:. Tr011 wohin“, ohne sich wirklich gekannt zu haben. ״ der enge Kreis von klugen und gebildeten * c Hail e״SC*1<!״’ •d<־'r dieses Drama trägt, fühlt das Ausln SCc^|,Jffsc*1.'oss<;n<־‘> das Alleinsein des Einzelnen doppelt stark;;der . üpjf höher die Individuen geistig stehen, ,.um■ so ferner r!וו* "י ••i j ben. s'e sicü. auch wo ihr Verhältnis als Freundschaft ferke, aiu Liebe erscheint. Ein Professor wirbt vergebens um; wr «,!',«ל Frau» e'n Vater um seinen Sohn, eia junges Mädchen * . h״!l! vor der Einsamkeit des Elternhauses hinausfliehen in blogis ן,! י c weite weit mit ihren Wonnen und Gefahren. Und f°K1 ״r'!1י <,Wisc*,cn׳ n°ch loser mit allem verknüpft, geht Stefan l . nid '• ״ Sala’ dcr dichter, das letzte veredcltstc Glied jener p*״" dt f.!tC V0״ Literaten, ein arbiter elcgantiaruni von viel- 1' •׳ Par^ ir ^r,;|hnu1g und verstehendem Gefühl. Ein getisdie ‘;;11Iritencf Geist, begabt mit dem ״tiefsten Wissen von Fc I!dl׳t11׳:t ,^c׳“״ Lißt sich auf seine besondere Weise von fcholog^^||־er Wirklichkeit durchdringen und gibt sich ihrem Werden VcrRchcn, ihren Uebergiingcn und geheimnisvollen r>7 « uJ^pcktivcn hi". wägend und distanzierend, mit Zurück- M1stc ■ 1er]cunß u״d doch mit dunkel hervorleuchtender Ergriffen-??0rLcn*!1' 'lbcr dieser Kenner ist unentrinnbar an das Drama Verbürg & ni ״Einsamen Weg“ gekettet. Sein Wissen von der '1 P״hc׳Ji*11C W‘rd kcine ihn erfüllende Einheit, sondern mündet -JL«״ GTundgefiihl des Vcrzichtenmüssens, das hinter I Hf s4Cm,e’ Mond und allen Sternen seiner Sehnsucht ent- ™ **""י"* Nicht nur die Menschen, auch die Dinge anifitÄ'11111 ״״׳ einsam zurück, auch er spürt ungleich tiefer *"ס» £' |.a! Vorüber! ־ ׳ ‘ ־ ־ ־ |gc .'״•.raccbi'plyn!818 11״11^^"■;!•״־ die Gegenwart, die unbestimmbar 11?r-hi£ff '•!!. ״ Grcnzen als den eingcsehlosscnen Inhalt. Die P W״hrc״>:LACrsclllteß‘ 8י*״ ihm, aber sie zeigt nur mit nanien- lu" iirlicr i t . Deutlichkeit, was ihm endgültig versagt bleibt. *'״ ”״jad | « erechütternd, wie er dies nie Auszugleichende ,*f" g "cn überlegenen Gestus des Skeptikers zu mildern “i"*1 •«it epigrammatischer Schärfe an den Zu* ״zeff ״{ja jkio-L 6"•,äugen rührt, um ihnen ihren Stachel zu nehmen. s ן SCl»e kältesten Worte offenbaren den einsamen JUEDISCHE RUNDSCHAU nisten sucht, so ist das ihr gutes Recht — wer aber hat ein Recht, die gemüßigten Zionisten als Assiniilauten zu bezeichnen? Wenn also die Redaktion eine solche Identifizierung auch nur unwidersprochen übernommen hat, so war das 111. E. im höchsten Grade unvorsichtig und taktlos. Wenn sie gewußt hätte, daß 'die Terminologie vom gemäßigten Zionismus sehr wohl bei uns üblich ist, so hätte sie nur folgendes schreiben dürfen, umsomehr als die Redaktion selbst ja den gleichen Standpunkt t'eilt: ״Es muß hier klar unterschieden werden, wen die ״Times“ unter den Geinäßigteu versteht, die sie der englischen Regierung als bessere Basis der zionistischen Politik., im Gegensatz zu den Extremen, empfiehlt, Wenn sic die geschlossene Zionistische Organisation als extrem und daher politisch gefährlich bezeichnet, so ist das eine Verleumdung und gleichzeitig ein Kampf gegen Windmühlen. Erstens ist sowohl in der Leitung wie auch in weiten offi- /.»eilen Kreisen des Zionismus der Wille zum politisch gemäßigten Zionismus längst deutlich zum Ausdruck gebracht worden, zweitens gibt es außerdem innerhalb ues Zionismus starke oppositionelle Gruppen, welche grade unter der Parole des innenwie außenpolitischgemäßigten Zionismus gegen die Leitung Front machen. Wir brauchen auf diese Weisheit also nicht zu warten, bis wir sie Von den Assimiianten erhalten,“ Nichts wäre leichter gewesen als eine solche Stellungnahmc. Statt dessen ist jene andere unglückselige Formulierung erfolgt, die nicht nur für alle ״Gemäßigten“ zunächst als Aflront gelten mußte, sondern es ist damit mich eine sehr, sehr bedenkliche Politik den Engländern und den Arabern gegenüber eingcschlagcn worden. Im nächstfolgenden Leitartikel beklagt R. W. selbst, daß die araberfreundlLcheu Erklärungen des K011grosses kein Echo. gefunden hätten, daß vielmehr bei Arabern und Engländern andersartige Kundgebungen und Reden einzelner Persönlichkeiten deutlicher in der Erinnerung haften geblieben wären. Wer könnte daran zweifeln? Nur in Parteikreisen interessiert man sich für Interna — Außenstehende wissen von Karlsbad nichts als die Tatsache, daß jabotinski trotz unverantwortlichster Reden gegen die Araber in die F.xekutive gewählt wurde. Selbstverständlich muß dies im Zusammenhang mit der immer noch nicht durch eine Kongreßerkiärung beseitigte Vorstellung vom Juden- Staat den unzweideutigen Eindruck erwecken, dal) die Zionistische Organisation geschlossen der extremen Auffassung huldige, und aus der Balfourdeklaration ein Recht zur Judenhegemonie über die Araber ableite. Damit entsteht die gleiche Situation wie die, unter welcher während des Krieges Deutschland zu leiden hatte: durch Kundgebungen einzelner, aber offiziell in der Regierung vertretener Gruppen wurde das gesamte Ausland der .Meinung, daß Deutschland geschlossen für den Amiexionstricdcn cintrete. Diejenigen, die dengegenüber eine Politik der Mäßigung verlangten und einen Verstandigungsfricden predigten, wurden von der Presse als nationale Verräter gebrandmarkt, die der Regierung im entscheidenden Moment in den Rücken fielen und die Front erdolchten. (Es ist nicht ohne Interesse, festzustcilen, daß eine fast gleiche Tcrininologie den Besuchern der Haager Konteren/ gegenüber angewendet worden ist.) Es hieß dann immer: es sei eine Wortspielerei, zwischen gemäßigtem und extremen Nationalismus zu sprechen, das י deutsche Volk stünde einmütig hinter der Regierung. Wenn jedoch dieses Volk rechtzeitig verstanden hätte, von seinen extremen Führern deutlich abzurücken, und der Welt begreiflich zu machen, es wäre doch keine Wortspiderci, sondern die Mehrheit wäre in Wirklichkeit gemäßigt und wolle nichts mehr von den Hegemonie- Bestrebungen wissen — so wäre die Katastrophe wahrschcinlieh vermieden worden. Und in genauer Analogie spreche ich die Befürchtung aus, daß wir einer ähnlichen Katastrophe entgegengehen, sofern cs uns Reiz eines Mannes, der sein Inneres an das Lebet» als an eine Macht verschwendet, die er glühend liebt — lind der er im Grunde nirgends gewachsen ist! Schnitzler ist in Stefan Sala restloser enthalten als in seinen anderen Welken, Schöpfer und Geschöpf sind kaum mehr zu trennen. Aber auch früher durfte der Leser, wenngleich nicht mit dieser Klarheit, hinter jeder Person von tieferer Bedeutung immer den Dichter selbst erkennen, die Gedanken seiner Menschen waren fast immer seine eigenen. Von hier aus fällt ein letztes entscheidendes Licht auf Schnitzlers Persönlichkeit, Jeden Dichter treibt gewiß nur der eine Drang, sein Bild vom Leben und damit sein Inneres zu möglichst klarem־ Ausdruck zu bringen. Aber ein Roman wie etwa die ״Versuchung des Pescara“ zeigt bis ins kleinste die Welt C. F. Meyers und faßt doch so grundverschiedene Männer wie Pescara und den Marone. Schnitzlers Menschen stehen miteinander in engster Verwandtschaft, sie sind in ihrem Kern so orientiert wie Ihr Erzeuger, Filippo und Paracelsus, Anatol und Professor Wegrath und der Puppenspieler, ja, so triebhaft gedachte Naturen wie Beatrice und Marie Moser gehören zu den reflektierenden, ungleich mehr getriebenen als treibenden Geistern, sie ergreifen nicht durch ihre individuelle Beschaffenheit, sondern durch die ihnen allen mit ihrem Dichter gemeinsamc Art: Den Schwerpunkt des Erlebens auf das Unerfüllte, nie .zu Haltende, das Gleitende und hoffmingslos Vorschwebcndc zu legen, die Sehnsucht gleichsam nur an einem Ende zu erfassen. Am lebendigsten werden diese Menschen da, wo sie wie eben Sala vollkommen die Schnitzlcrsche Seele atmen, am' unwahrscheinlichr.ten, wo sic dem Kreis der Handelnden angehören sollen. Der Waffenschmied Cyprian, der ״fest auf seinem Grunde steht“, wirkt wie eine rhetorische Figur, man hört wohl, daß er ein seßhafter, selbstgefällig in sich rnkivder Bür;׳,er ist, rf::r er gewinnt keine placticchc i.:.:r!:.:,.•י■•; IDntivo;lio, der als Staatsuruisi imd Ksh, wr :.n' ,,>•!» elnrn beabslditigten' Gegen!» f; zu r'ii.,::: >;־ \ M>;1 sy!I, läßt sich genau wie Fiw 0. durch i. tuem höchst gefährdeten .1..׳:■״! n׳d reiir r , 7\ .׳i!’.u;!0s ablenkcn und verliert siih d׳״ui da׳;׳ :׳.in;;; . .■hü; in schwankendes Seite 203 nicht recht bald* gelingt, Engländer und Araber zwingend davon zu überzeugen, daß wir alle ernst machen wollen mit dein gemäßigten Zionismus, und daß wir abrücken wollen von den Extremisten, ganz gleich wo sie stehen. Hier ist mit Kompromissen und mit Rücksichten auf Personen nicht geholfen. Hier muß ein klarer Schritt erfolgen. Vielleicht überlegt sich jet/t R. W., ob 09 politisch klug war, den gemäßigten Zionismus als eine Legende und eine Angelegenheit von Assimiianten und Anti/ionistcn zu bezeichnen? Und ob cs nicht klüger gewesen wäre, die Bezeichnung ״gemäßigt“ für sieh zu reklamieren? Und damit nicht in Zukunft wieder die Unkenntnis vom Vorhandensein gewisser Terminologien zu Mifl- Verständnissen und politischen schweren Fehlern verleitet, will ich einen Passus aus dem Programm einer der ״gemäßigten“ Gruppen hier verlautbareu: ״Gestützt auf die Baitourdeklaration und deren Verankerung im Mandatsvertrag erhoffen wir, daß die Mandatsmacht all diejenigen Maßnahmen treffen wird, die einer ungehinderten jüdischen Einwanderung in Palästina und einer raschen Steigerung der ökonomisehen Aufnahmefähigkeit des Landes dienen. Die Errcichung des von uns erstrebten Zieles, im Lande selbst kann nur durch allmähliche organische Fortcntwicklung im Einklang mit den jeweilig gegebenen Verhältnissen erfolgen. Die Forderung nach dem jüdischen Einheitsstaat steht mit diesen Verhältnissen nicht im Einklang. An ihre Stelle tritt das deutlich und ehrlich betonte Programm, gemeinschaftlich mit den Arabern das Land zu einem jüdisch-arabischen Nationalitätenstaat zu entwickeln, in welchem Araber und Juden friedlich und ökonomisch sich gegenseitig unterstützend und fürdernd ihre gemeinsame Heimat finden.“ Und ein zweiter Passus: ״Wir erstreben die Herstellung der jüdischen Einheitsfront und die Umwandlung oder Erweiterung der zionistischen Exekutive zur Jewish Agency in dem durch den Mandatsvertrag vorgesehenen Sinne, d. h. durch Sicherstellung der Mitarbeit all derjenigen Juden, ״welche willens sind, an der Errichtung des national home mitzuwirken“. Hierüber hinausgehende Forderungen, welche das Bekunden einer besonders nationalen Ocsinming zum Ziele haben, können und dürfen nur von Einzclgruppen im Zionismus, nicht aber von der Zionistischen Organisation als solcher erhoben werden. Soweit solche Forderungen zur Bekundung eines linjüdischen Chauvinismus führen, der innerpolitisch die Herstellung der jüdischen Einheitsfront gefährdet, außenpolitisch auf die Araberpolitik unheilvoll rückwirkcn muH, werden sie von uns abgelehnt und bekämpf t.“ Solange nicht der Kongreß gründlichen Wandel schafft, und solange er nicht ein solches klares Programm in deutlicher Abkehr von bisherigen Tendenzen und von den Personen die mit ihnen ״belastet“ sind, d. h. also durch Majoritäts- und Regicrungswechsei dokumentiert, werden alle Versuche, den Arabern und den Engländern Vertrauen cinzuflößen, aut Sand bauen. Also, verehrlichc Redaktion, mache den Gegnern. das Leben nicht so leicht, indem du ihnen sagst, es . ' * ErfinJung der Assimiianten! י * Erwiderung Der vorstehende Artikel von Heinrich Margulies nötigt mich zu einer Erwiderung, die im Interesse der Deutlichkeit ziemlich ausführlich gehalten sein muß. Ich bedaure außerordentlich, daß ich aie Spalten der Zeitung mit diesen Zeilen zu füllen gezwungen bin, zumal ich, Grübeln. Eine Bewegung wie die Renaissance, das hellste Erwachen urkräftiger Instinkte und einer vielgestaltigen Geistigkeit, wird bei Schnitzler ein schattenhaftes, verschwimmendes Irgendwo und teilt mit dem großen Italien kaum mehr als Daten und Namen. Schnitzlers Weltbild kehrt sich gegen sein eigenes Schaffen und setzt ihm die Grenze. Auch in diesem Dichter lebt die Grunderkenntnis jedes wahren Künstlers: Daß die Dinge um uns stumm sind, mit undurchdringlicher Gleichgültigkeit gegen unseren Schmerz und unsere Freude gesetzt, eines fremden Gottes verschlossener Besitz; und gerade sie erregen doch erst das Bewußtsein unsrer selbst, unser Siegen und Verzichten, sie geben erst dem Innern die Sehnsucht, um die es zu ringen lohnt, und wir steigen an ihnen empor zur* Höhe des Beschauers, der das oft wiederholte Wirrsal der Geschehnisse in etwas Einmaliges, Höchstpersönliches umbildet — Innen und Außen, Natur und Kunst in ewiger Flucht und ewigem Begegnen. Aber diese Erkenntnis findet an Schnitzler keine zugreifende Stärke. Er steht dem wilden Glanz des Chaos nicht als Herrscher gegen• über und vermag nicht die zahllosen Fäden in eine aus ilim klingende Einheit zu ordnen. Schwermütig fühlt er sich ergriffen, gewiß, daß ihm das Ganze entgleitet, wie es ihm geschenkt wurde, und darum willenloser hingegeben als es mit seiner zurückhaltenden Vornehm• heit im Grande vereinbar ist. All sein Witz, seine wienerische Grazie können diesen Riß nicht überbrücken, sie tragen ihn im besten Falle auf die schmerzliche Höhe der Sclbstverspottung. Er wird wohl unendlich bewegt, aber zugleich verwirrt und entwaffnet, weil er für die tausend Erscheinungen gleichsam tausend Augen besitzt, die ihm zu viele Seiten entblößen. Daher gestaltet er auch keine eigentliche Handlung, an der sich das Leben auswirken könnte, daher kommt er nicht dazu, bestimmte Menschen mit bestimmtem Tim für sich reden zu lassen, sondern stellt immer wieder wie seine Gestalten die Frage nach dem Sinn und kann nur immer aufs neu« ihre Unlösbarkeit dartun, Das Allgemeine, die Dunkelheit psychologischer Verknüpfungen, der Ucbcrgang von Wunsch zur Wirklichkeit, lahmt und verdrängt das Be• sondere. Es bleibt ein Rest von Tendenziösem, eint

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