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Jüdische Rundschau · 1922-05-05 · Heft 36 (5.5.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 36 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 228 JUEDISCHE RUNDSCHAU erwartet man in ihm einen Bundesgenossen zu finden, zumal er sich bisher gegenüber solchen Verlockungcn nicht sehr stark erwiesen hat. Wir könnteil uns min damit beschäftigen, die Artikel von Graves im ein/elutn zu zergliedern und darauf hin* zu weisen, in welchem krassen Widerspruch seine Schlußfolgerungen zu seinen tatsächlichen Bcobachtungcu stehen. Wir könnten z. B., wie es mehrere unserer englischen Uruderblüttcr tun, zeigen, *laß Graves selbst die Grundlosigkeit aller arabischen Befürchtungen, di*.‘ vollkommen korrekte Haltung der Juden in allen entscheidenden Dingen, die Vorteile der Araber durch die jüdische Aufbauarbeit schildert, um dann plötzlich trotz dieser Tatsachen den Vorschlag zu machen, die Zionist Commission!müsse gehen, weil die Araber :•ie als Privilegium der. Juden empfinden usw. Wir könnten auclr aiuleuten,, daß die Tendenz dieser acht langen Artikel, die sich seihst ״unparteiische Untersuchung“ nennen und in ihren iäeobachtungen auch tatsächlich großenteils weitgehend(: Objektivität beweisen, von- Lord Nortlicliffe diktiert ist, der zwei tage im Automobil Palästina bereist und sielt mit erstaunlicher Geschwindigkeit ein Urteil darüber gebildet hat. Aber wir wollen hiervon abselujn und uns damit begnügen, auf dasjenige ciuztigeheii, was uns als das G r 1111 d p 1 ob 1 cm ■erscheint, Das <iriiiidpi'obk'iu aber ist folgendes: Graves rekapituliert in seinem letzten Artikel, der von der Interpretation der Balfour-Dckiaratiou und der Zusammensetzung der Jewisli Agency bau* delt, zunächst seine Beobachtungen über die arabische Bewegung, schildert dann die jüdischen Parteien, von denen er die zionistische als die stärkste erklärt, neben ih ״ aber noch die ,,gemäßigten Zionisten“ (worunter er die von den Zionisten so genannten ,,Assimilanten“ verstanden haben will) tind die nmerikanischeu Zionisten als besondere Parteien anfuhrt, und verlangt, daß die Zionistische Organisation erstens ״ihre Basis verbreitere“ und zweitens aufhört, eine ״jüdische Herrschaft“ zu fordern. Dann empfiehlt er der englischen Regierung die Förderung der Tendenzen Achad Haams. und fährt'schließlich fori: ״England kann anständigerweisc keine Politik unterstützen, die den arabischen Rechten, feindlich• und einer zionistischen politischen Herrschaft ׳über die arabische Majorität günstig ist. Die Araber müßten verstehen lernen, daß sie nur durch ein Zusammenwirken mit dein gemäßigten Zionismus einen ökonomischen und kulturellen Aufschwung des Duules erluhfeu können.“ Nachdem er dann noch die arabischen Besorgnisse widerlegt hat, schließt er mit folgenden Sätzen: ״Die biitiiche Regierung mul! einen Ausweg ans der gegenwärtigen Situation finden. Wir haben beschlossen, früher oder später unsere Truppen .ans Aegyptenin die Kanal/ime ztirtickziizielten und wir brauchen ein hcsscrcs Hinterland für diese Truppen ah die trockene Wüste Sinai. Wenn diese Truppen, welche den wichtigsten Lebensnerv unseres Verkehrs bewachen, von Aegypten oder vom Mittelmeer her angegriffen werden, brauchen sie ein Land int Rücken, nicht einen Saridhitgel. Aber cs muß ein ruhiges Land sein, ein militärischer und moralischer Aktiv* posten, nicht ein Passivposten. Wenn wir den gemäßigten Zionismus unterstützen, werden wir das erstere gewinnen: unterstützen wir den politischen Ziemis-mus, dann sind wir mit1 dem letzteren belastet Unser Kurs in Palästina ist also klar." ln diesen Sätzen offenbart sich die Irrtümlichkeit des Ausgangspunktes. Zwar waren Wir niemals so naiv aii/.unclunen, daß England die Balfour-Dekiaration nur aus.Sympathie für die Juden erlassen, hat und nicht auch darum, um gleichzeitig eine Legitimation zur" Besetzung Palästinas zu haben. Aber diese Legitimation war anders gedacht. Es handelte sieh nicht darum, ein ,,günstiges militärisches Hinterland für die Bewachung des Suezknnals“ zu haben, sondern cs handelte sich um eine Sache grundsätzlich ganz, anderer Art, um die Lösung der Jude 11 frage. Als die Bnlfour-Deklaration gegeben wurde, war cs nicht nur den Empfängern, sondern auch dem Gebern und der ganzen aufhorchenden Welt klar, daß die Begriindung einer nationalen Heimstätte für das ji'tdisclte Volk in Palästina die Lösung der Judenfrage durch Bildung eines festen kulturschöpfcris'chen Zentruins fiir das zerstreute jüdische Volk bringen sollte, natürlich nicht von heute auf morgen, aber doch im Laufe einer jahrzehntelangen, an Arbeit, Schwierigkeiten und Opfern reichen Entwicklung, die durch die Balfour-Deklaration eingeleitet wurde. England hat in großzügigem Verständnis für Weltproblcme gewissermaßen die Patronanz über diese historisch bedeutungsvolle Entwicklung übernommen; daß cs dabei auch den eigenen Vorteil (Sicherung des Suezkanals, Landweg nach Indien usw.) walirzunehmen in der Lage war, ist ein Zusammentreffen,!über dessen Tragweite die Zionisten sich nic'jjetäuscht haben. Die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdistehe Volk bedeutet selbst* verständlich, daß in Palästina solche Verhältnisse geschaffen werden, daß die dort lebenden und einwandernden Juden ihr eigenes Leben entwickeln können, ohne unter dem Druck einer nichtjüdischen Majorität zu stehen, wie cs in anderen Ländern der Fall ist. Daß sie ihre eigenen Einrichtungen entwickeln können, daß sic den Boden bebauen, in der Urproduktion wieder vertrauensvoll Wurzel schlagen können, ohne stündlich eine Vertreibung be* fürchten ,:11 müssen; daß sie in •allen diesen Dingen, in zunehmendem Maße Selbstbestimmung erlangen. Dies eb:n unterscheidet die jüdische Heimstätte von den Ländern der Diaspora, wo Juden sielt stets nur verkrtippelt und ohne Entfaltung ihres eigensten Wesens, ■ohne Schöpfung einer eigenen Kultur entwickeln!•:minien. Damit ist nun nicht gesagt, daß die Juden selbst eine Hcrr.schäftsstcllung in diesem! Lande haben wollen. Sie wollen nicht herrschen, aller auch nicht beherrscht sein; und solange sie rein physisch die Minorität im Lande: bilden, müssen gewisse politische Einrichtungen getroffen werden, um ihnen die Freiheit dieser Entwicklung zu garanticrcii. Einen anderen Sinn kann das Wort ״Jüdisclic Heimstätte“ nicht haben und ״gemüßigter“ kann man es nicht interpretieren, ohne sein Wesen anzutasten. Denn wenn heute manche Leute ernstliaft versuchen, das Wort ״Nationales Heini“, wie es in der Balfour-I)eklaration steht, dahin zu luterpreticron, daß jedem Juden gestattet werden soll, nach Palästina zu kommen und dort sein inclivjduellcs I leim aufzuschlagcn, so ist das eine geradezu groteske Entstellung, deren Widersinn in die Augen springt. '; Wenn man sielt diesen elementaren Sinn der Balfour-Dckiaratiou vor Augen hält, dann wird es klar, welcher Unterschied zwischen dem Verhältnis der Juden und dein der Araber zu' Palästina bestellt. Es gibt in dar Welt keine Araberfrage, die ihre Lösung in Palästina finden soll. Wenn wir dies aussprechen, ,so bedeutet dies keine Herab- Setzung der Araber und auch keine Verminderung der arabischen Rechte. Die Araber sind eben so glücklich, nicht in der furchtbaren Situation der Juden zu sein. Daher brauchen auch die Araber keine nationale Heimstätte; sic haben bereits* ihre arabischen Vaterländer. Die Juden aber brauchen ihre nationale Heimstätte, und, bevor sie nicht verwirklicht wird, wird eine der schwierigsten und kompliziertesten internationalen Fragen, deren alle Staaten und Völker iiiitberiihrendc Allgemeinheit in jüngster Zeit wieder kraß offenkundig wurde, nicht gelöst werden. Darum ist es eine lächerliche Wortspielerei von gemäßigtem und extremem Zionisimts zu sprechen. Es gibt nur einen Zionismus, der auch von den englischen Staatsmännern — selbst von denjenigen, die sich heute vergeßlich stellen -״ ganz gut begriffen worden ist, der die Lösung der Judatfra.gc durch die Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina anstrebt. Diesen prinzipcllcn Tatbestand gilt es wieder ins Gedächtnis zuriiekzurufen in dem Augenblick, wo I lerln rt Samuel das englische Gestade betritt und vielleicht Verhandlungen über die Palastlnnpolitik cinset/cn werden. Steht man auf diesem Beiden, dann ist es viel leichter, sich auch über die konkrete Politik des Tages und über die zu treffenden Maßnahmen zu verständigen. Denn wenn vielleicht Herr Graves als Outsider den Eindruck bekommen hat (wahrscheinlich auf Grund freundschaftlicher 111- Formationen), daß die extremen“ Zionisten (darunter verstellt er nicht einzelne Individuen, sondern die Zionistische Organisation schlechthin) eine ungerechtfertigte Vorherrschaft verlangen, so konnte er sich leicht durch die maßgebenden zionistischen Emmziationen eines besseren belehren lassen. Er selbst sagt ja, daß ihm1 -kein einziger Fall der Verdrängung oder Unterdrückung eines Arabers durch Juden bekannt geworden ist. Er könnte darüber hinaus aus de» Beschlüssen des letzten Zionistenkongresses, der einzigen offiziellen maßgebenden Instanz des Zionismus, entnehmen, daß die Zionisten ־־■ trotz dem ungeheuren Unrecht, das den palästinensisdien Juden vor nun genau einen! Jahre seitens der Araber geschehen ist, ein Unrecht, das Herr Graves selbst in seiner vollen Schwere erkanut hat - entschlossen sind, mit dem arabischen Volke Hand in Hand an der Erschließung Palästinas zusannnciizuarbeitcn. Wenn er die Entsciir düng Kalvariskys in die Exekutive und die Gründüng einer jüdisch-arabischen Bank als Symptome der Besserung bezeichnet, so hätte ihm doch ein Licht darüber aufgehen müssen; daß es sich hier nicht um eine zufällige Besserung handelt, sondern um׳ die planmäßige Politik der von ihm 90 genannten extremen Zionisten, die nichts sehnlicher wünschen als ein friedliches Zusammenleben mit den Arabern, das die Voraussetzung aller wahrhaft aufbauenden Arbeit im Lande ist. ׳׳ 4 Nr. 36 Und die konkrete Forderung, die Abltku!,, der Zionist Commission durch eine gemischte jt wisli Agency, in der das ״gemäßigte“ Element (<] 1, die Nichtzionisten) milwirkt, ist ein Kampf ge״cl 'Windmühlen. Die Zionisten haben stets erklär daß sie sich nur als Mandatare des Volkes |x! trachten und daß sie das ganze Volk zum Anfb;!׳ Palästinas hcranzu/ichen wünschen. Wenn cs nick gelungen ist, dem Artikel ■1 des Mandatsvertra״u ■eine andere Fassung zu geben, als er heute hat' so liegt cs daran, (laß es außer der Zionistische!■ Organisation kein organisiertes politisches (iebild■ im Weltjudcntum gibt. Die Zionisten verstehen d!• Artikel 4 dahin, daß sie den Auftrag haben e|j{ Mitarbeit aller jener Kreise, die am Aufbau’ (V lästinas mitwirken wollen, zu sichern, und sie werden selbstverständlich jede Mitarbeit willkommen lieifk!; Aber Herr Graves sollte'verstehen, daß die von ihm selbst angeführten Parteien die extremen Ort hodoxen und extremen Sozialisten schließt er aus . keine großen Perspektiven eröffnen. Er nennt di, amerikanischen Zionisten, die doch formell auch heule noch ein Bestandteil der Zionistischen 0;. ganisation sind (die Meinungsverschiedenheiten sin : eine interne Angelegenheit) und jene Palästinafreundlichen Nichtzionisten, die er ,,gemäßigte Zio. nisten“ nennt, also offenbar die Kreise des Fco. riomic Board. Gewiß gehören auch diese /u de Kreisen, deren Mitarbeit die Zionistische Organ! sation gemäß Artikel 4 zu sichern hat; aber «■::■ cs darauf ankommt, wirklich große und umfassend! Arbeit in Palästina zu leisten, so haben außer der Zionistischen Organisation bisher alle Gruppen leider versagt. Weizmanu hat mehrmals öffentlich erklärt, daß die Zionisten bereit sind, demjenigen die Jewish Agency zu öffnen, der durch seine p״>; tive, vor allem seine ökonomische Leistung in IV Iästi 11a ein Anrecht darauf erwirbt. Für den. Zinns■ mus bedeutet cs kein Prinzip, daß die Zionist Gun■ mission in ihrer heutigen Zusammensetzung in je rusalem sitzen muß; aller wer vor der gesamter Öffentlichkeit die Verantwortung für die Arber trägt, wird trotz aller Kritik, die an ihm geübt wird Positionen nicht aufgclx'ii, so lange nichts Konkret(- und Vertrauenswürdiges au seine Stelle zu treter vermag. Die Unterscheidung zwischen gemäßigte: und extremen Zionisten ist nichts anderes als ein• verkappte Form des Kampfes ■gegen den* Zionismus nichts anderes als der Versuch, eine Riick/iigslini zu bauen für den Fall, daß es der englischen lü gierung vielleicht einmal einfallen sollte, aus der 11:1: der Balfour-Dckiaratiou begonnenen Unternehmung licrauszurutschcn, ohne in aller Form sieh des Wortbruclis schuldig zu machen. Darum ist es notwendig, mit aller IXutlichkeit zu sagen, daß cir. solches Spiel 'unzulässig ist und daß die Erfindung eines gemäßigten Zionismus, mit dessen Hilfe mar sich der eigentlichen, vor aller Welt übernommener Verpflichtung entledigen kann, ein Manöver wäre Dies alles Ist auszusprechen in dem Moment., wo Herbert Samuel nach zwei Jahren nach London; mrückkclirt. Vielleicht wird die Distanz seinen: Blick schärfen, vielleicht wird er auch von Ein■ flüssen frei werden, *lenen er in Palästina sich zi* entziehen nicht die Kraft gehabt hat. Herbert S3 nuicl hat in diesen zwei Jahren viel gearbeitet, vic für Palästina geleistet, es wäre ungerecht, sein*: großen Leistungen verkleinern zu wollen; und ״ hat in diesen zwei Jahren viel gelitten, viel Bittet־! keii und Enttäuschung durchlebt. Wir hoffen, *D sein Aufenthalt in London, seine Fühlungnahme mit den kompetenten Faktoren ihm neue Kraft unc: neuen Mut gehen werden, daß er trotz aller Sclnvierigkeiten wieder zu seinem Werk zuriiekkehrt ״!״'; die Aufgabe, die ihm die Geschichte gesetzt hat,?!; einem glücklichen Ende führt. R-W. Nr/3« om; I kr erfahrt a p.iti'11 aU Pdega;mt den i! 1,1 rischen r ji1*lisc׳y i.mgt hie Jic \V!C(I* r.inthim a iiTtine <h Im (״ Jien und reu Op״,; ׳::!eist ..alt Tulftm kr Orte wen pfer errC׳. iirten W Tausende f Liniment!lande tun >:nd ganz;;xistieren Jen l’ogn -iiuler, di;n.fkT, V Iddcsopfe jer in den ::cn Lipide Die (;;hiedeneti och kata eine geua äs Kontc;dnen Ko Lins, VF kanten ih Hfchming :«sonders 1? c 11 j 11 r scheu D.! '■'reise Pr< :..iSerdem irden IC.־ :!samt er snien ge 2 .000(V nge sind• Die R i g a. 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Hern־ tm M. Southard, über die ökonomische Lage •־׳־• 1 und ® ökonomischen Möglichkeiten Palästinas in Buchform v«:

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