Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1922-05-05 · Heft 36 (5.5.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 36 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2652410-2652442--14875-2673290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«<**׳**_ i f \ ץ ' v ' מן״־ייי^י mjf\ c **•״ ו!ז de, Chaft u [fehl, f _ Je! 1\ V 1■״״ V«rU* W 15, S»ü״״.cl>. Str.B« S. Erachtinl jed« v “"מ•״8 *י™ b״i d«f E*p«liti״a und «t«n {, Hl ül* . ,_..־_:־.{. n* ... \l 1״ ״...,. v.,_ > * ., ■ , ־;״״. Sil An «"״ ...;T.... ...... ^.. ,״.., . . r --r.; c 1 g c u-V «rwallun(׳: ־ f.״K? fi’HaJt '11 P«1lirai'fn viertiljihrliüi 25.— M.!ם D«utschl«n!L AuiUudubotm«- II 1,״, Wtrdtn in der Witninf der «!meinen Linder hemdmet 1 •<4(,111111״ Nummer 36 »nalfond.,11 .— Berlin. 5. V 1022 JüditchoRondsdmuG.m b.H. Brrli״ WJ5, Sächiiich«Str.8 Tiicpboa: Amt Ub*«ml 845 und 846« A.» l ij •Up t © 1 a Hur di« •ieH^n|e90«h»־no HonptrelHeiiU« 5,— M.t Familieü*r!r**i׳,rn 6 M. pru Zcü• Aaiei^Bmcblufll Dirn«1*$ «nd י r«ilaj nedhrnlttiif ft Uhr TeUphont Uhl«nd ft45 o.846. Pr»«t*chrrkkpntoi Berlin Nr. 1TS92. Für Pn«Y*parkft»»»n«mH ״Wien, Konto Nr, 156 050. Für Tichecboilownkeij PosUp«rk**»enerot Pr**, Konto Nr. IJ6QS0, ־־־ Red»ktion*»c}iluß SonnUg uu<j Miliwodb »achmittag־. — ז׳ אייר׳ תרס״ב heu%Jper Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung .einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte Hi Palästina. ״Baseler Programm". XXVII. Jahrg. £ Yr 7 ־«׳יי רן רייחי\ ' .U4 Jm.1 ח־ e wmfl otlen '111,1 "י Hausil 1 Linien! jßung 1 C S der r für All-! me; Hc-i :ene, von! ■0 Uhl Interview mit Dr. Wcizmann in Genua Vor seiner Abreise von Ucnua nach Paris empfing fWn/nnin״ den daselbst weitenden Vertreter des ). C. II. :11 fallt.- seine Eindrücke über seine Heise in Italien ’׳!rmlevninlk'n znsnmtm•»: Die italienische öffentliche Meinung und die ita- ,nisdie Regierung sind über den Zionismus, über seine S'nicriingen und über die Lage in Palästina nur schwach informiert. Mädchen j‘4.111 hat in Italien bis jetzt zu wenig in diesem Sinne rbeitet. Das ist umsomehr zu bedauern, als Italien lexandc[! ׳׳r u״s *■״'־ wichtiger Post e u ist: Ls ist ein 0f ] Tr■'־!;(telnieerl.'imJ, das m nahen Beziehungen zum neuen |;!!;is!ina stehen wird, dessen Einfluß im Orient, speziMJ 1 der Lewinte, im Wachsen begriffen ist, welches seine Minime im Völkerbund hat und in seiner Hauptstadt 1!en Heiligen Stuhl beherbergt. Es muH also liier viel «,ehr als bis jetzt informatorisch gearbeitet werden, 8,11 es ist aiiztmcbmeii, dal! in Zukunft die Lage besser iifd. Damit soll aber nicht gesägt sein, dal! der linnisimis in Italien einer ausgesprochenen Feind-׳ jciiglieit begegnet. Wenn mail die Leute hier gut :formiert, wechseln sie ihre ursprüngliche nicht ganz. hicsigo! atze! tand derj in dtf, Jtwemlirf Dngresscil on Hanl traßburg.J , welches,!! in der jar 5682, mr Tutil t»rb»r. I JliiGl istel t [ohrenstr. ..mstrge Meinung. Der Empfang, der Dr, Wcizmann \! seinen öffentlichen Vorträgen in Rom und in Florenz ,:;nacht wurde, die Qualität find die Masse "der Zu- •wer, die Haltung der Presse (mit Ausnahme ries .lkservatore Romano־'), die' zahlreichen und recht warw1 Artikel und Interviews, die dem Zionismus seitens i.r Presse gewidmet wurden das alles beweist, dal! : Sympathien• Italiens erworben werden können. Die ־crhamlltmgen, die Dr. Wcizmann mit den Führern der ■Stisehen Parteien, (darunter auch mit Don Stur/o,;11 Führer der Katholischen ״Partitu Populäre") und 1t der Roßiprung geführt hat, haben iljr Ziel erreicht, he aus der Erklärung' Minister Schnitzers gegenüber ז. Wcizmann in (ienna herxorgeht, wird der Ratifizie- »11; des Palästina-Mandats seitens Italiens kein Hi 11- •tntis bereitet werden. Dä das gleiche auch von '1111;rika z.11 erwarten ist, kann man bestimmt 0,(ie 11, daß dii Ratifizierung während der ichsten Sitzung des Völkerbundes erfolgen wird. Die Stellung des Vatikans. Seitens des Vatikans begegnet der Zionismus 'ollerem Widerstreben, was auch zu erwarten **'. Was die heiligen Stätten anhetrifft, so wurde \011 Dr, Weizmaun die Erklärung abgegeben, 1I11LI die Zionisten die ganze Frage den interessierten, Faktoren überlassen mul, soweit es in ihrer Macht steht, werden sie alles tun, 11111־ eine t lebereiiistinimiing zu fördern. Ls ist bezeichnend, dal! das zweite Gespräch mit Staats- Sekretär Gasparri viel freundlicher verlief als das erste. Ls ist aiiziinehmen, daß mit guter und ständiger Information auch hier vieles z.ur Verständigung getan werden kann, ' ( Italienische Befürchtungen. Außer den rein religiösen Motiven des Vatikans wird die öffentliche׳ Meinung vor allem durch zwei Fragen beunruhigt; Die Z 11 r ii ck s e t z 1111 g 11 c r lta- I i e 11 e r beim Aufbau von Palästina und die Ex pans i.o n Englands, welcher, der Zionismus angeblich dienen sollte. Der erste Punkt beruht auf Mißverstandnissen, und es war relativ leicht, den Beweis zu erbringen, daß die Zionistische Organisation sieh im Aufbauwerke von rein• sachlichen Gesichtspunkten leiten liilit. Was den Zionismus angeblich als Werkzeug des englischen Imperialismus anhetrifft, so gab selbstverständlich Dr, Wcizmann zu, daß der Zionismus sich im Bereiche des englischen Einflusses befindet, und ׳ dal! die A1*t, in• welcher England die Lösung des jüdischen Problems voriiimint, ihm die Sympathien des jüdischen Volkes sichert, betonte aber andererseits, daß die Zionisten• ein jüdisches Palästina erstreben und daß, je mehr die Juden aller .Länder an dem Aufbau Palästinas teilnehmen werden, desto weniger englisch oder russisch oder deutsch und desto mehr jüdisch Palästina sein wird. Weizmann bei Schanzer ׳ Genua. (j.C. B.) Dr. Cliaim Wcizmann, der zu vorübergehendem Aufenthalt in Genua eingegetroffen׳ ist, wurde am 2Sr April vom Italienischen Staatssekretär des Addieren, Schanzer, empfangen. Schanzer versicherte, daß Italien in der palästinensischeu Mandatsfrage keinerlei Schwierigkeifen machen wird. Schanzer wünschte am Schlüsse des Gespräches l)r. Weizmaun vollen Erfolg bei seinen Bestrebungen. Am selben Abend reiste Dr. Weizmann nach Paris ab, wo er mit Sir Herbert Samuel Zusammentreffen wird, um mit ihm die Reise nach London fortzusetzen. Der zweite Besuch im Vatikan Rom. (J.C, B.) Uebcr den am 21). April statt gef iiu״ 1׳vn zweiten Besuch Dr. Wcizmaiins bei dem päpst-!111m Staatssekretär Kardinal Gasparri liegen inmmelir 11wlhciten vor, Die Unterhaltung soll diesmal in weniger formeller ,geführt worden sein als bei Gelegenheit der ersten "lliij'il(lien,z Dr. Weiz.maniis im Vatikan. Dr. Weizmaiiin j l!be die Aufmerksamkeit Kardinal Gasparris auf die |l;|K'1che, daß das offizielle Organ!‘des Vatikans ״Osser« '11,re Romano־־ seine in Rom gehaltene Rede vielfach : "Gellt wiedergegebei» habe, indem es ihm Aeuße- A'Gcii in den Mun.l legte, die er •niemals getan hatte .1 die seiner (ksimung widersprechen. ,,Wenn dernmen in Hon! passieren kann, wo sich ja• die Tbt- ״l|cn selbst abgespielt haben׳“, sagte l>r. Weizmann, r׳| kann man eine Vorstellung daraus gewinnen, wie in 1 1,״‘tiiia vorgekoinmene Ereignisse in der Welt miß- 1'Kt werden kömmt“, Kardinal Gasparri gibt zu, daß 1l«‘s auf Mißverständnisse ziirtickgeführt werden muß, M bezug auf die angeblich bevorzugte Stel- 1 ng der Juden in Palästina erklärte Dr. Weizanann, «״ Juden wcrde|1 nur die Stelle in Palästina entnehmen, '11'sie sich durch ihre Energie, und i h re r»eit verdient haben, nicht mehr und nicht 1 Kfr• ״Das“, erwiderte der Kardinal, ״ist ein schöner '"־•spruch“ 4 .•'״ weiteren Verlauf des Gespräches betonte F>r. , 1'־zmami, die J u d e 11 u ״ d d i e •k a t .11 01 i s c h e 1«he müssen in Palästina nebeneinander wohnen; es 1'1T k'״t, wem! beide auf Mittel sinnen, wie sie fric.d- M1״. ff ״־,'men wohnen können. ״Das ist mein Haupt- _ '׳ erwiderte Kartlinal Gnsparri. Schluß berichtete Dr. Wcizmann: über die /io- Tätigkeit in Rom und meinte, die Zionistei► :ber^i׳''* könnten von! Zeit zu Zeit den Kardinal tat) um« M.H». »־*'•* ca. |n Kitu•11'״ n V ־10 in ,b.H Bericht der italienischen Zionisten entnehmen. Dr. Wcizmann hat die englische Botschaft beim Quirinal besucht, ebenso den englischen und französischen Botschafter beim Vatikan, Fr hatte ferner Zusammenkünfte mit folgt iidcn Pcisöuliclikeiteii: Signor Cesare mul Senator Ruffini von der Christljchen Pro-lsrael-Gcsellschaft, dem Kolonialuiinister M. Amendola, dem Präsidenten des parlamentarischcn ■Komiteesfür Acußcre Angelegenheiten, dom ehemaligen Mildster des Addieren, Nitti, der im Namen Italiens seinerzeit den Vertrag von San Rem» unterzeichnet hatte, dem Leiter des Immigratioiisanites, Herrn M, Michelis, dem Privatsekretäf des Ministers Schanzer, Herrn Marquis Giovanni Visconti Vcnosta, Bei dieser Gelegenheit sei •bemerkt, daß Dr, Weizmann früher in Paris Gelegenheit fand, den Außenminister Schanzer zu sprechen, Dr. Wciziuaiin besuchte .auch die Führer der politischen Parteien einschließlich des politischen Sekretärs der italienischen Volkspartei, Don Stiirzol, mit dem er zweimal eine Unterredung batte. Die bedeutendsten italienischen Blätter '(einschließlich des ״Giörnale d’Halia“, ״Messagero“, ״Le Mondo", ,,Le Resto del Carlino“, ״La Epoca“, ״Le Secolo“), veröffentlichten Interviews mit Dr. Weizmann und sympathische Artikel über Ziouismus, Wiihreml seines Aufenthaltes in Rom hatte Dr. Wld/maiin mehrere private Zusammenkünfte mit den führenden Zionisteij und den Repräsciitauten der Jüdiselten Gemeinde. Bei einer dieser Zusammenkünfte /.eichnete Herr Sigismund Hirsch 5000(1 Lire für den Keren Hajessod. Die jüdische religiöse Volksgescllseliaft überreichte Dr, Weizmann eine Reproduktion der Menorah mit der Inschrift ״Cliaim Weizmann, dein Vorkämpfer, dem Meister, dem Führer der jahrelangen Hoffutmg Israels“. ״ die Lage in Palästina informieren. "1'Vorti'te, das Der Kardinal wäre ihm sehr angenehm. UeherWeizinanns Anwesenheit in Italien werden noch w ,,'Icrc'sSante. Einzelheiten bekannt, die wir eyiem Sir Herbert Snmuel in. London London, 2. Mai. (Funkspruch.) Sfr Herbert Samuel, der britische ■ Oberkummissiir in P;tl:istina, ist gestern in London cingetioffen. Herbert Samuel in London Während diese Zeilen geschrieben werden, dürfte der Obcrkoiniriissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, bereits in London eingetroffcii sein. Er kommt nach beinahe zweijähriger RegierungstaUgkeit, nach ■einer Zeit, die au Leistungen reich war, aber auch reich an gewonnenen Erfahrungen; und es ist an/unehmen, daß seine Anwesenheit in London dazu dienen wird, die ungelösten Fingen der Verwaltung Palästinas einer Lösting näher zu bringen. Herbert Samuel wird von vielen Seiten bestürmt werden. Schon lange vor seiner Ankunft haben sich die Stimmen wruelutjen Wissen, die, teils fordernd, teils schmeichelnd ihre Wünsche vortrugen. Samuel mußte schon während der letzten zwei Jahre lernen, wie schwierig das von ihm übernommene Amt ist, und die größte Ucberrnschuiig mag für ihn, der dem internen jüdischcn Leben vorher doch etwas ferner gestanden hat, die Haltung des jüdischen Volkes selbst gewesen sein, Herbert Samuel hatte mit einer kräftigen Unterstützung seiner Position durch die Juden gerechnet. Diese Unterstützung sollte sowohl und in erster Linie ökonomischer Natur sein, als auch politischer Natur. Das .Argument, dal! das heute . in der Entwicklung weit zurückgebliebene Palüstina nur durch die moralische, intellektuelle und matc- , riclle Kraft der Juden wirtschaftlich und kulturell empiOrgebracht werden kann, sollte sofort durch den Zustrom von jüdischem Kapital und jüdischer. Arbeit seine augenfällige Bestätigung finden, lnfolge einer Verkettung von Umständen, ntlf die wiederholt hingewiesen worden ist (zuletzt in dem Artikel von Jabotinsky in unserer vorigen Num- 111 er), ist die Leistung des jüdischen Volkes picht im erwartet •n Mal!׳: *:ing־״r:len. wenngleich dank•-• der zionistischen Anstrengungen immerhin Betracht- , liebes vorbereitet wurde und jetzt in Erscheinung zu treten 'beginnt. Aber auch politisch haben die Juden nicht die Reife erwiesen, die das Werk von .ihnen verlangt. Statt einer großen einheitlichen Antwort au,f den Ruf, statt deutlicher tätiger Manifestatiou des Willens zum Aufbau traben viele Juden Argumente gesucht, um in kleinen Gruppen und Grüppchcn passiven Widerstand leisten zit können. Die zersetzende Wirkung dieser kleinlichen Politik ist schon deutlich geworden. Herbert Samuel, der mit dem von ihm selbst deutlich proklamierten Entschluß, die Baifour-Deklaration in Wirklichkeit umzusestzc», nach Palästina gegangen ist, ist durch diese Versuchungen von dem geraden Weg auf die Linie des geringeren Widerstandes gedrängt worden. Besonders in der letzten Zeit ist von »ich* rcren Seiten systematisch versucht worden, die klare Politik der nationalen Heifnstätte in Verwirr11ng zu bringen. Den Anstoß dazu hat allerdings! Samuel selbst gegeben, als er unter dem Eindruck der Maiunruhen seine unglückselige Rede vom 3. Juni IÜ21 hielt, in der er eine Definition der Baifour-Deklaration versuchte, die we'der.mit den von ihm bis dahin stets vertretenen Anschauungen, noch mit der Auffassung der englischen Regierung, noch mit den Bestimmungen des Mandats in Ueberein- Stimmung war. Ermutigt durch Samuels Haltung, haben gewisse Kreise des englischen Judentums. die neue Intyrpretation zu einer Plattform gemacht,- von der aus der Zionismus bekämpft werden konnte. Man hat, da nun einmal der Begriff Zionismus von England anerkannt war, für sich einen sogenannten ״gemäßigten Zionismus“ konstruiert, der unter Aus- Schaltung aller zur nationalen Heimstätte führenden Aspirationen die Förderung der palästinensischen Kolonisation im Rahmen der Möglichkeiten erstrebt, unter Verzicht auf den jüdischen Charakter des Landes. Diese neue Theorie wurde besonders von dem Organ der liberalen englischen Juden, dem ״Jcwish Guardian'־, vertreten und ausgebaut. Zuletzt wurde diese Terminologie von der ״Times“ übernommen; die Artikelserie des Herrn Philipp Graves klingt in die Forderung aus, daß der sogenannte ״gemäßigte Zionismus“ von der englische» Regierung gefördert wird, der ,,politische Zionismus“ dagegen bekämpft werden soll. Es handle sielt •nicht um die Zurücknahme, sondern um die Interpretatkm der Baifour-Deklaration. Dieses schwere Geschütz wird aufgefahren in dem; Moment, wo Herbert Samuels Ankunft bevorsteht. Vielleicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.