Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 35 (2.5.1922)
- Date
- 1922-05-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 222 JUEDISCHE RUNDSCHAU Theoretisch war dieser Han ja sehr put; in. der Praxis erwies er sich aber als undurcliführbar. Das Leben selbst griff in diesem Moment ein, um uns eine Leine zu erteilen, indem es uns auf die wesentliclK' und fuiuhunentale Wahrheit, auf der unsere. Stellung in Palästina beruht, verwies. Diese Wahrheit besteht darin, daß, wenn wir unsere schwei• erkämpften politischen Errungenschaften in Palästina aufrecht erhalten wollen, wir ununterbrochen bestrebt sein müssen, sie durch konstruktive Arlx'it zu sichern, ein Bestreben, welches Tag um Tag und unter allen Umständen verfolgt wer- »len, muß. Kaum hatte die Zionistische Kommission den lobenswerten Entschluß des ״Abwartens“ gefaßt, machte sich diese Wahrheit in höchst verhängnisvolier Weise bemerkbar. Sofort begannen alle unsere üegner der Regierung ins Ohr zu flüstern -־ und zwar den Militärsowohl wie den Zivillxiiürden daß die Untätigkeit der Zionistiselten Kommission den besten Beweis für die organische Impotenz der zionistischen Bewegung liefere. Sie erklärten: Sie wollen abwarten, weil sie nichts anderes tun können, weil sic keine Unter- Stützung haben, weil selbst die jüdischen Klassen und Massen nichts mit dem Zionismus gemein haben wollen, weil die ganze Sache nur ein ״Bluff“ ist; und tun dieses Bluffs willen habt ihr die Balfour-Deklaratioii gegeben, habt ihr euch mit den Katholiken verfeindet mul den Moslems Furcht eingejagt. Die Zionistische Kommission begriff die Leine; sie erkannte, daß die stärkste Waffe I der Balfour-Deklaration konstruktives Sueben ist j und daß diese Waffe ohne Unterlaß geschwungen werden muß, ungeachtet der Aussichten auf Erfolg, selbst gegen eiserne Mauern. Sie standen vor eisernen Mauern, die durch konstruktive Leistungen nietiergerissen werden mußten; ein solches Niederreißen ist aber mit (icklausgabcn verknüpft. Unter den Berichten, welche dem XII. Kongreß unterbreitet wurden, befindet sich noch ein anderer, den ich den Kritikern empfehlen möchte. Es ist dies der politische Bericht, insbesondere Seite T3 bis 57, ״die politische Situation in Palästina“ behandelnd. Eine Reihe von Begebenheiten werden in diesem ‘Bericht geschildert, welche einen Begriff davon geben, mit welchen Schwierigkeiten'die Ausführung konstruktiver Arbeiten unter der Militärverwaltung verbunden war. Bodentransaktionen waren natürlich völlig ausgeschlossen; aber auch der Ankauf einer Fabrik, eines Hotels, die Anschaffung von Röhren zu Irrigationszweckeii, das Mieten von Kraftwagen für den Transport von Maschinerien, oder die Benutzung der militarisierten Eisenbahnstrecken zu Transporizwec’ m -- alles wurde aus wirklichem oder vorgeschobenem militärischen Zwange erschwert. Nicht einmal der Waffenstillstand brachte eine Acnderuug dieser Situation. Die Militärbehörden betrachteten den Waffenstillstand als eine Formt des Krieges, nicht des Friedens, und sahen ihre Hauptaufgabe darin, alles zu inhibieren, was «len Neid erwecken, zu Reibereien führen oder auch nur unfreundliche Bemerkungen von seiten der Eiligeborenen liervomifeii könne. Auf diese Weise waren die Zionisten genötigt, ״zu versuchen, aufzubaudt“, unter Bedingungen, die vom wirtschaftlichen Standpunkt aus von vornlH.ain die Möglichkeit konstruktiver Aufbauarbeit ausschlossen. ltn Juli 1<)'20 wurde die Militärverwaltung durch ein Zivilregime ersetzt und Sir Herbert Samuel traf als erster Obcrkomiuissär Palästinas ein. Die ersten zehn Monate seiner Verwaltung unterscheiden sich ganz, wesentlich von der oben geschilderten Periode. Die Verwaltung verhielt sich allen konstruktiven Unternehmungen gegenüber höchst entgegen kommend. Eine neue Legislatur wurde sofort erlassen, wonach die Einwanderung, Bodentraiisaktianeit und Gründung neuer Banken zulässig wurden. Während dieser zehn Monate stand es uns in jeder Beziehung frei, unsere wirb schriftliche Tätigkeit nach Belieben zu entwickeln. Die Ironie des Schicksals wollte es aber, daß unsere materiellen Mittel gerade zu dieser Zeit versagten. Fast ja demselben Moment, als Sir Herbert Samuel in Palästina landete, wurden wir von zwei finanziellen Katastrophen heüngesucht. Die erste dieser Katastrophen war das Versagen der zionistisehen finanziellen Tätigkeit in Amerika. Es liegt mir ferne, irgendwelche Beschuldigung zu erheben; lediglich, auf Tatsachen will ich zurückgreifen. 111 denti Zeitraum zwischen der Londoner Konferenz im Juli 1920 und April 1921, als das Kcren-Hajessod- Bureau in New York eröffnet wurde, betrug der Beitrag der zionistischen Organisation Amerikas für Palästina uur 03 578 Pfund Sterling. Die zweite Katastrophe war der ciugetretene Kursrückgang osteuropäischer Währungen. Das osteuropäische Judentum wurde dadurch außerstande gesetzt, finanziell zur wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas bc.-zutrngon; das amerikanische Judentum aus Gründen, die zu erörtern mir nicht ziikomint, war inoralisch außerstande, ents|m.׳chc:1d beizutragen. Hierin liegt vielleicht der Hauptgrund für die traurigen Ereignisse des 1. Mai 1921, sowie für die noch bedauerliebere Veränderung, die nach den Jaffacr Unruhen .',11 Sir Herbert Samuels Stellungnahme eintrat. Ein unparteiischer Beurteiler unserer Nachkliegsarbeit in Palästina darf diese Dinge nicht! außer acht lassen. Und was bleibt nun als konkretes | Ergebnis unserer verschiedenen Tätigkeiten seit j 1918 übrig? Die landläufige Antwort darauf ist ״nichts“. Ip Wahrheit jedoch lautet die Antwort | anders. Ein zusammeugefaßter Bericht von dem, j was seit dem Waffenstillstand geleistet worden ist, ן würde folgendes Bild ergeben: Einen 25prozentigen Gesinnungsgenossen! Der zionistische Zentralrat (Jahres* konferenz) tritt am 1. September 1922 zusammen! Die Zahl der Delegierten des Deut• sehen Landesverbandes richtet sich nach der Zahl der abgelieferten Schekel. Der Schlußtermin, an welchem die Schckclgeldcr bei der Exekutive ein• gegangen sein müssen, ist dar 15. Juli 1922. Zionisten! Tut Eure Pflicht! Werbet neue Schekclzahler unter der (Parole: ״Wer für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-recht• lieh gesicherten Heimstätte in Palästina erstrebt (Baseler Programm), zahle den g§©tt©]k©ll“ Aufschwung der jüdischen ßcvölkcrung.sziffer, einen 20 prozeiitigcii Aufschwung der jüdischen Kolonien, eine 20׳ pro/entige Erhöhung des in jüdischem Besitz befindlichen Bodenreals Palästinas, eine 100 prozentige Erhöhung des Bodenbesitzes in Jerusalem und Jaffa, zwei neue jüdische Banken und ein bisher nie gekannter Aufschwung in jüdischer Privatinitiative, Häuserbau, Meer- und Seeschiffahrt, Handel und Industrie umfassend. Einem unvoreingenommenen Leser dürften wir es getrost überlassen, zu entseheklen, ob all dies ״nichts“, oder doch etwas bedeutet. Man vergegenwärtige sielt eine kleine curoniiisclie Provinz, in der die jüdische Bevölkerung iut gleichen Zeitraum von vier Jahren in Wirtschaft- Ik'her Beziehung ähnliches geleistet hätte. Die Juden selbst hätten eine derartige Errungenschaft als einen ganz hervorragenden Fortschritt begrüßt, während die, Antisemiten den Ruf erheben würden, die Juden hatten bereits die Provinz erobert oder seien zumindest im Begriff, dies zu tun. Den Umständen Rechnung fragend, unter welchen all dies in Paläslina erreicht worden ist, glaube ich, daß man bei objektivem Urteil eher zu der Ucbcrzcugung kommt, daß wir unsere kolonisatorischen Fähigkeiten, unsere Ausdauer und unser Anpassungsvermögen bewiesen haben. Wenn auf irgend etwas, so können wir stolz auf unsere' Leistungen sein, und diese Leistungen gehen uns das Recht, mit einem gewissen Maße von Selbstvertrauen in die Zukunft zu blicken. Stellt man mir aber die Frage; ״Sind Sie mit dkm gemachten Fortschritt zufrieden?“ so würde meine Antwort• wie die Antwort eines jeden Zionisteu — ganz besonders, wenn er ein Mitglied der Zionistischen Exekutive ist —- nein lauten. Wäre der von uns erzielte Fortschritt um das Zwanzigfaelie größer, so wären wir immer noch unzufrieden. Es wäre alles ״nichts“ im Vergleich ,zu dem, was wir erzielen wollen! Ein Staatsvertrag zwischen England und Amerika New York, 25. April. (j.C. B.) 111 eitlem Gespräch mit einem führenden amerikanischen Zionisten erklärte Senator Lodge, die Vereinigten Staaten von Amerika und England hätten sich, über die Frage der offenen Tür in Palästina geeinigt. Die B al f ou r - De k 1 a ra t i o ״ soll dem Staatsvertrag zwischen den Vereinigtun Staaten und England einverleibt v/ erde n. Staatssekretär Hughes habe bereits seine Zustimmung zu diesem Plane erteilt. Nr. 3$ 35 .זא Keren F)ajessod Dr. Schmarja Levin in Südafrika L, Z. B. I)r. Schmarja Lev ins Besuch jn »^ afrika hatte schon eine beispiellose Entfaltung der j'j' nistisdien Tätigkeit und Arbeit für den Keren Hajes״, zur Folge. Trotz, der Tatsadle des kiir/lichen Strci in den Ratulstaaten und des Zustandes der Unsich!, heit, der in Transvaal für beinahe sechs Wochen T normale öffentliche l eben unmöglich machte, wurde <!', Arbeit des Keren liajessod «Inte Unterbrechung f0... gesetzt und in Natal, Cape Provinz und dem Orangl. Freistaat energisch durchgeführt. Wenn daran erimn! wird, daß die Hälfte der jüdisdteit Bevölkerunj׳ Vfj Südafrika sieli in Transvaal befindet, das am mcia.; unter dem Streik litt, so wird man sich vors«!, können, mit welchen Schwierigkeiten Dr. Lcvin tt kämpfen hatte. Anfang Februar war Dr. Lcvin der Gast der Z! nisten von Pretoria, füll öffentlicher Empfang wurde ihr; zu Ehren von dem Bürgermeister der Stadt einberufe der in seiner Rette die Wichtigkeit des Erfolges d■ zionistischen Bewegung für die endliche Erreichung tlc. Weltfriedens betonte. Ein großes Massenmeeting ia,־,; in der Stadthallc statt, und Dr. Levins Rede versetzt»-’ die Zuhörerschaft in großen Enthusiasmus, Als Re•׳,;;! von Dr. Levins Besuch in Pretoria sind annähen;!• 1000 £ gezeichnet worden. Ein Keren Hajcssod-Komitu wurde gebildet, und es wird erwartet, daß Pretoru während des Jahres gut über 5000 £ aufbringen kann Am 5. Februar besuchte Dr, Lcvin Blocmfon• tein, wo er zwei Meetings abhielt. Am Tage seines Besuches wurden über 3000 £ für den Keren llajcs«cd gezeichnet. Diese Summe erhöhte sich in den nädi,!•; folgenden Tagen auf über •1000 £. Am 12 Februar besuchte Dr. Levin Durban,»! ihm ein offizieller Empfang von den städtischen Wurde!;• .triigern bereitet wurde. Bei einem Massenmeeting vnirden über!200 £ für den Keren liajessod gezeichnet I>er Gesamtbeitrag Durbans wird auf etwa 3000 i geschätzt. Am 10. Februar kam Dr. Lcvin in Port Elmb e t h an. Bei seiner Ankunft wurde Dr. Levin vor Vertretern der ganzen Bevölkerung unter Führung d« Bürgermeisters, Colonel Wares, Sif Lewis Richard• soll und den prominentesten Repräsentanten der jud!• sehen Gemeinde empfangen. Beim ersten Masscnmcetiig wurden 200 £ gezeichnet, und die Sammlungen vverdu, fortgesetzt. Am 23. Februar traf er in Kapstadt ei«! wo eine Anzahl Meetings, die sich über zwei Wochen ausdelinten, von dem örtlichen Keren Hajessod-Komit« arrangiert wurden. Bei ein;m Massenmeeting in der Stadtiialle am 26. Februar wurde die Liste für Kappstadt mit Einzahlungen, die 3300 £ betrugen, eröffnet Dieser Betrag hat sielt jetzt wesentlich erhöht. Von Kappstadt kehrte Dr. Lcvin nach Johannesburp zurück, wo er in seiner Arbeit für den Keren liajessod fortfuhr. Gleichzeitig mit Dr. Levins Reise im Lande, begann Dr. Olsvangcr von Kapstadt eine Tour in Sud• afrika int Interesse des Keren liajessod. Er besucht» eine Anzahl kleiner jüdischer Gemeinden in Transvaal und int Freistaat, und es gelang ihm, eine beträchtlich»' Summe aufzubringeu. Die Arbeit für den Keren liajessod füllte nicht die ganze Tätigkeit Dr. Schmarja Levins aus. Glcieh nach seiner Ankunft in Südafrika wandte er sich an eine Anzahl südafrikanischer Juden mit dem Projekt einer O&ellschaft für Hamk-Isimtcmehmunge״ in Palästina. Schon vor Dr. Levins Ankunft bestanden in der sudafrikanischen Jukiiheit Pläne, an palästinensischen Han• dclstintcrneltmungcn Anteil zu nehmen. Bei einer zwang■ losen Besprechung, die vor dem 12. ZionistenFoi'girB in London abgclialtcn wurde, und vo:1 einer Anz'M südafrikanischer Geschäftsleute besucht war, wurde be schlossen, diese Pläne zu verwirklichen. Herr J. J an0־ wer, der Schatzmeister der südafrikanischen zionisti• scheu Föderation, der Palästina nach dem Kongreß be־ suchte, erforschte die Bedingungen im Lande und bradite eine Anzahl von Gescliäftsvorschlägon mit. Am 8. Januar fand in Johannesburg ein Meeting statt, tx: welchem die Gesellschaft gebildet wurde mit cm«״ Kapital von 100 000 £, die« in 5 £-Shares zu zeichnen sind. Bis jetzt sind schon 2085 Shares gezeichnet worden, und eine weitere Zunahme in der Anzahl der Zcidt־ ntutgen wird in kurzer Zeit erwartet. Sobald die Gesell- Schaft eingetragen ist, soll eine Kampagne für weitere Zeichnungen eingcleitet werden, IV. Schmarja Lcvin wird voraussichtlich noch ein«'11 Monat in Südafrika bleiben. Sein Zweck war, eine halbe Million' Pfund für die nächsten fünf Jahre arir־״ bringen, das sind 100 (XX> £ jährlich. Der Betrag, d«f schon für das erste Jahr allein gezeichnet ist, betrag* 47 000 £, und die Führer der Kampagne konzentriere11 ihre Energie, um vor Dr. Levins Abreise mindesten9 80 000 £ aufzubringeu. ton enden titlT den teilt, nie Jaulen icgeml 0׳ Oie ölfei llai :,e K״nf iter stat •;,tiven ui che . / Regien kr Koop* s Monat' *׳;«rnbalvp ״fte vor Arbeiten ' Die v ative für -oth) hat Arbeit-׳״! uf Hausern 1 Awivv), be :!sdiäftig';m im B •ach Petr Arbeiter f Außerdem sie i’riva trscfm'de uberuomm ur offen: Eine!kn Jordai nunmehr f Damit erv .;!1f|:estdlt> I >ie I ücwerb Berufe in 1!«:endet nein F'a: 1 011 der Auf A me ücsd k'biete c Die Gesell (sonders .chen Spl itcrnle K!. Utmaln .Suche l'n>cr li« «uiorgan eben wm kr Bestrt utselieit׳ nd findet E i t Aus l m .1111 ו is :,nn von 1 (•ereilet V ,hesem A '׳:re r, / onlichkeit «her Lin dajcssotH ■brimmge 3 »,1 s s c :niher eit hin Zio 1 ’0f! ssof «escnlküt •:mcm gr» Mim ei!!ן» utlise 111:11 'lem l-nbl Zi«! . Rom;'nwcscnh -ollegio 1tom.’eme äiistaltctc :h'Ptitierte hütnmgen ,;״1•'•׳!Mti• "nsscnvci Die Werbetätigkeit für des J. C. T. Die Zionistische Organisation Amerikas hat d״c Werbetätigkeit begonnen, die sich die Unterbrtnguri■ von 250000 Aktien der jüdischen Kolonlal-BanJf (J.C.T) zum Ziel gesetzt hat. Zum Vorsitzenden des Aussduisscs der Werbezentralc ist Herr Peter Sch weitzer ernannt worden. Eine Anzahl jüdischer Bankier• haben sich der Aktion angeschlossen VC Polen Das J ^di, t]j0 «klieren, ן KcRi«imnt, *',erkenne «sehen J» *Ü5 Mm 1 ״1״gern < Luxler h verw«