Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 33 (25.4.1922)
- Date
- 1922-04-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.. J Nr. 33 33■ .זא j fVf* ׳ ■'-Mi t Kongreg ^0־ Vor- •gelegen, -odge ׳ für die 1einer jjj. 1 gemäß Komitee •entanten- des Abi Begiin. Palästina 5*»isation «״g beiwird das Senates מ irv Bis legi ermiß einer na. dfovir-Deder jß. *י Orden chen den ז» haben wald aus Reformeine Autid stellte■ I Protest öffentlich ibe. imlssion! traves siebenten es, der jter dem!nisten hi keiner igh-Com ,aufrichtilistrator״!irrer vor der poli-!den erder Baiwohl die■ iber teils »ß anerinde hat , B. ver- .agc der insystem aktiv ist. errichtet; m dichtrrbessert. a betrug »fanden, ,aren 82 vichtigen ten. In- »■ Araber v e s. kel über Schlußd meint, ezichunp Zionisilitischen ״Times״ nistische tklusiven in Pä• ,Sondern : ״Per ung, die jedoch n, wenn tische ew ish len der rentiere*1 nus und!na und /erwirk־ les jöd>־ « (Wir inntlich ent der; Dckla־ ftroffe"• Brief aus Palästina Jerusalem, Mitte März. Während die zionistische Welt des Auslandes |ftzt vor allen! von der Frage bewegt wird, ob JjUll endlich der Mandatsvertrag seine Bestätigung linden wird, tritt diese Frage in Palästina selbst!unter andere, weniger die Diplomatie als die praktische Kolonisation betreffende Fragen zurück. Wkdeutlich spürt man nämlich hier, daß auch die schönsten Mandatsverträge und Regie rungserklärungen uns auf die Dauer nichts helfen werden, ^eiin wir nicht in uns selbst die Kraft finden, in ganz anderem Ausmaße und ganz anderem Tempo $ bisher zu kolonisieren. Und immer mehr Raum gewinnt auch die Anschauung, daß alle diploma- Aschen Siege nur dann einen bleibenden Wert für ans gewinnen werden, wenn es uns gelingt, nvischen uns und der arabischen Majorität eine Gemeinsamkeit — nicht nur eine wirtschaftliche, amlem auch eine kulturelle Gemeinsamkeit — (1erzustellen. Daß wir von beiden: der großzügigen *irtschaftlichen Entwicklung und der Verständigung mit den Arabern noch so weit entfernt sind, schafft eine recht ernste Stimmung im Lande. Immerhin ist das Vertrauen auf die Regierung groß genug, um allen die Hoff* Mg zu geben, daß sich — dank ihrer vorbeugenden Maßnahmen — Katastrophen wie die am 1, Mai und 2. November des vergangenen Jahres nicht wiederholen werden. Dank der ■eifrig wüh* lenden arabischen Presse und offenbar auch infolge gewisser Machenschaften der noch immer im Aus* lande weilenden arabischen Delegation herrscht gerade jetzt, vor Pessach, wieder eine Stimmung von Gereiztheit auf arabischer und von Besorgnis auf jüdischer Seite, die aüch durch die Tatsache, daß die Gemeinde von Petach Tikwah mit den Bewohnern der benachbarten arabischen Dörfer einen durch Blut besiegelten Friedensbund geschlossen hat, nicht gehoben wird. Gewisse Vorkehrungen der Regierung deuten aber darauf hin, daß sie bereit ist, alle Uebergriffe im! Keime zu ersticken. Obgleich Mr. Storrs unverändert auf seinem Posten steht! ln Anbetracht der arabischen Wühlereien im1 ln-und Auslande wird es umso schmerzlicher cmpfunden, daß .Lord Northcliffe. der sich während seiner Palästinareise ohnehin nicht gerade als ein Förderer der zionistischen Sache erwiesen hat, von orthodoxer Seite, unter Führung des Professors de Haan systematisch gegen den Zionismus bedniiußt worden ist. Der Streik, den de Haans Hörer erklärt haben, dauert noch fort: noch immer werden seine Vorlesungen, zum Zeichen des Pro festes, von den Studierenden gemieden. Ueber die Stellung der Regierung zu den zionistischen Ansprüchen wird man sich erst klar weiden können, wenn Sir Herbert Samuel von der schweren Erkrankung, die ihn nun schon seit Wochen ans Krankenzimmer fesselt, genesen sein wird. Durch die Rückkehr des bei ihm in •hohem Ansehen stehenden Dr. Eder von seiner Europareisc, wild der Verkehr zwischen Regierung und zionisti- «Aer Leitung auch wieder sehr erleichtert werden. Im: innerpolitischen Leben des jüdischen Jischub 5teilt noch immer die soeben beendete Tagung der Assefath Haniwcharim im Mittelpunkt des Inter ,'«cs. Es wird tief bedauert,־ daß diese Körperschaft, •üe dem Judentum der Diaspora eine geschlossene Palästinensische Gemeinschaft zur Seite stellen soll, äuich die dem Fortschritt feindliche und unnachgiebige Haltung der Orthodoxie — dieses Mal in 1Ier Präge des Frauenwahlrechts — eine so erheb- Wie Beeinträchtigung erfahren hat. Wenn auch ,kr Biuch zwischen orthodoxen und nichtortho- «oxen Elementen keineswegs irreparabel erscheint ' die Teilnahme der Sepharden an der großen Landesversammlung und das ständig wachsende Verständnis für sozialen Zusammenschluß in den ״reisen der orthodoxen Jugend sind hoffnungs- ״olle Symptome — so ist doch vorläufig die Wirksamkeit des Waad Leumi einigermaßen gehemmt ״urch die Tatsache, daß nicht alle Teile der pa- JastinensisChen Bevölkerung die Erhebung der deuern beschlossen haben und die Ausführung ך®« Beschlusses daher an manchen Orten auf starke Widerstände stoßen wird. Ein unerschöpfliches Gesprächsthema bietet ■ * wirkungsvolle Rechtfertigung, die Ussischkin nLvu״er großen Rede der zionistischen Leitungs- Politik gegeben hat. Von seiner sensationellen ussöhnung mit dem ״Doar fciajom“ verspricht an sich zum mindesten die Einstellung eines ns in Art und Ton vor der Außenwelt beschä- «״den Pressekampfes. — pH rennender als alle außen- und innenpolitischen nD1״eme ist für Palästina in seinem gegenwärtigen JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 209 EDS© c'^zto Sütamnnf״ Die Immigrationsfrage — K&lvarisky Der von der zweiten Session dar Assefath Haniwchariin neugewählte Waad Lcuml, der Nationalrat der palästinensischen Judenschaft und als solcher das oberste Organ des organisierten Jischuw, hielt am 5. April seine erste Sitzung ab. Zu Beginn der Sitzung referierte David Y e 11 i n über den Besuch der Mitglieder des Waad Leumi beim Zivilsekretär und Justizsekretär der palästinensischen Regierung, Die Vertreter des Waad Leumi haben mit den Regicrungsvcrtrctem verschiedene Fragen der Organisierung der jüdischen Gemeinden und des Steuersystems besprochen. Insbesondere handelt es sich dabei um die Frage, ob das Instrument der Steuercinhebunng die Delcgicrtenversammlung oder die einzelne Oemeinde sein sollen. Nach einer ausführlichen Diskussion über das Referat Yellins wurden vom Waad Leumi folgende Vorschläge angenommen: 1. Die Steuern sollen von den einzelnen Oemcinden eingehoben werden mit dem Zusatz, daß die Ausschüsse der einzelnen Gemeinden gehalten sind, ihr Budget dem Waad Leumi zur Bestätigung vorzulegen. 2. Die Exekutive des Waad Leumi soll einen Entwurf der Gemeindeorganisation ausarbeiten und dem Waad Leumi zur Bestätigung vorlegen. 3. Der Vorschlag von Rabbi Fischmann, einen Vertreter der Misrachi-Organisat i o n als Mitglied in den Waad Leumi aufzunehmen, wird gleichfalls angenommen und Rabbi Ostrowski hierzu bestimmt. Hierauf referierte Ben Zwi über die Beziehungen zu den Arabern. Aus der anschließenden Diskussion ergab sich, daß alle Anwesenden übereinstimmend der Meinung sind, daß ein enger Kontakt mit den Arabern insbesondere durch gemeinsame kulturelle und wirtschaftliche Bemühungen angestrebt werden müsse. Es wurde beschlossen, die Exekutive des Waad Leumi aufzufordern, mit den anderen Teilen der Bevölkerung in direkten Kontakt zu treten und. zusammen mit der zionistischen Exekutive, sich zu bemühen, ihre Tätigkeit im Einvernehmen mit der ganzen Bevölkerung des Landes zu gestalten. Hierauf berichtet Prof, Pick als Vertreter der zionistischen Exekutive über die Lage der Immigration. Er erklärt, daß die Immigrationsfrage infolge der neuen Einschränkungen äußerst schwierig ist. Die Zahl der Immigranten nehme ständig ab. Im Januar und Februar betrug die Zahl 979 und 953, im März hingegen, nach Inkrafttreten der Bestimmungen vom 15, Januar, sank die Ziffer auf 790. Die Beamten, die mit der Aufsicht über die Immigration betraut sind, annullieren beim Entreffen der Immigranten in Palästina die ordnungsgemäßen Visa der britischen Konsuln, und viele Einwanderer, weiche viel gelitten haben, um hierher zu gelangen, werden unmittelbar vor den Toren Palästinas wieder zurückgeschicht. Für diese Einschränkungen gibt es keinerlei vernünftigen Grund trotz dem dauernden Gerede über Zunahme der Arbeitslosigkeit. Wir wissen, daß 4000 von den neuen Immigranten sich bereits im Lande niedergelassen haben, abgesehen von denen, die finanziell unabhängig waren. Von den 9000 Personen, welche das Land seit Anfang 1921 betraten, befinden sich jetzt nur 550 in dein Lager der zionistischen Exekutive, eine relativ so geringe Zahl ist es, die noch keine Beschäftigung gefunden hat. Sprinzak ergänzte die Mitteilungen des Vorredners, Er wies darauf hin, daß das Verhältnis zwischen Einwanderung und Arbeitslosigkeit sich während der letzten Jahre nicht verschlechtert hat, sondern im Ge- TTy/asf! ־]Leumi ' in die zionistische Exekutive entsandt genteil, als die Immigration zunahm, hat die Zahl der י Arbeitslosen abgctioinmcn, weil die neuen Einwanderer neue Arbeitsgelegenheiten nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere schufen, und zwar stiegen da-! durch die Arbeitsgelegenheiten nicht nur für Juden, sondem auch für Araber. Im Jahre 1919 gab cs etwa 12 0/0 Arbeitslose. Obwohl im Jahre 1921 etwa 8000 Personen ins Land gekommen sind, betrug die Zahl der Arbeitslosen nur 8 0/0. Gleichzeitig mit den Arbeifern kam eine ganze Anzahl begüterter Personen; Häuser wurden gebaut, Fabriken errichtet. Im Verhältnis zu! anderen Einwanderungsländern ist die Zahl der Arbeit»- losen m Palästina gering. Gegenwärtig gibt cs keine Verträge für Regierungsarbeiten; trotzdem finden die Immigranten ohne Schwierigkeit Beschäftigung. Ke Einwanderung bedeutet keine Belastung der Regierung, und vom ökonomischen Gesichtspunkt aus besteht daher keine Rechtfertigung für die Einstellung der Ein- Wanderung, Die Sitzung nahm eine Resolution an, welche die Exekutive beauftragt, alle notwendigen Schritte zu « unternehmen und alles in ihrer Macht liegende zu tun, um die Aufhebung der Bestimmungen vom 15. Januar und 3. Juni durchzusetzen. Die Exekutive soll für die Zunahme der Einwanderung sorgen und mit allem Nachdruck gegen die Zurücksendung von Immigranten protestieren, welche bereits in den Häfen des Landes angelangt ׳ sind. Ferner wurde die Exekutive beauftragt, einen Bericht übcrdiclmmigration und die durchgeführtc Arbeit während der letzten drei Wochen der Okupation zu verfassen. Hierauf ging der Waad Leumi zur Beratung des Budgets über. Es wunden nach einem Referat von David Y eil in folgende Beschlüsse angenommen: Die Steuer ״Sela Hajischuw“ Soll erneuert werden, nicht nur aus finan-• ziehen Gründen, sondern auch aus dem moralischen Grunde der Anerkennung der Pflicht des Jischuw, für die Erhaltung seiner wichtigsten Institution zu sorgen. Ferner soll ein Komitee gewählt werden, das sich mit der Frage der Besteuerung des Verkaufes von Immobilien . und des Häuserbaues sowie mit der Festsetzung der’ Beiträge der jüdischen Stadtgemcinden und Kolonien befassen soll. Sodann wurde beschlossen, eine Exekutive von 7 Mitgliedern, zu wählen, dazu 2 Mitglieder der palästinensischen zionistischen Exekutive, die gleichzeitig Mitglieder der Exe« kutive des Waad Leumi sein sollten. Als Vertreten des Waad Leumi in der zionistischen Exekutive wurde Herr H. M, Kalvarisky gewählt; das andere Mandat soll mit einem Sepharden besetzt werden, doch wurde diese Wahl aufgeschoben. Zum Präsidenten des Waad Leumi wurde David Y e 11 i n gewählt. In die Exekutive des Waad Leumi wurden gewählt (Stellvertreter in Klammern): Eisenberg (Mairowicz); Ahronowicz (Dr. Thon); Ben Zwi und Ben Gurion (Ettinger und Blumenfeld); David Yeilin (E. Berlin); J. Mejuchas (Dr. J. Levy); H. M. Kalvarisky (Dicscngoff)• 1 Weiter wurden gewählt: Ein Erziehungsausschuß (Waad Hachinuch):׳ Yeilin, Rabbi Asaf und Suchowitzky. Ein Immigrationskomitee (Waad Alijah); Licbermann, Elmaiiah und ein noch zu bestimmendes, Mitglied der orthodoxen Partei. , Ein Landwirtschaftskonritee (Waad Chaklai): Eisenberg, Herzfcid und Wiikansky. Ein Oesundhci tskomitee (Waad Habriuth): Dr. Brünn und Dr. Goldberg, sowie einige kleinere Ausschüsse. , Zustande die wirtschaftliche Frage, und zwar vor allem die Absorption der Einwanderer. Die Lage auf dem Arbeitsmarkte hat sich — teilweise durch den Beginn der Arbeiten auf den Emckböden, teilweise infolge einer lebhaften Bautätigkeit —־ etwas gehoben, obwohl von den 12—15 000 Einwanderern, die in der letzten Zeit ins Land gekommen sind, noch zirka 1000 arbeitsflos sind. Etwa die Hälfte dieser Arbeitslosen sitzt im Einwanderer heim in Jaffa herum, das infolgedessen nach wie vor davor geschützt werden muß, ein Hort der Unzufriedenheit mit der bürgerliehen Gesellschaft zu werden. Ein großer Teil der Arbeitslosigkeit ist natürlich auf das Aufhören der durch die Regierung vergebenen Wegearbeiten, ein Teil auf die noch so geringen Arbeitsmöglichkeiten, für Frauen, die erst mit der Einführung namhafter Industrien Betätigungsfelder finden werden, zurückzuführen. In der Landwirtschaft wurden 1700 Leute untergebracht (darunter 600 von ״Gdud Haawoda“). Daß es nicht mehr sind, ist darauf zurückzuführen, daß die Landwirtschaftliehe Abteilung noch nicht einmal den dritten Teil des ihm vom Keren Hajessod für die Zeit seit Oktober bewilligten Budgets erhalten hat. Dennoch sind 11 neue Siedlungen eingerichtet worden, unter denen besonders die nach dem1 Prinzip der ״Moschawe OwdLm“ organisierten, in Malul und der Gdud Haawoda in Nuris, mit großem Interesse‘ beobachtet werden; in diesen Siedlungen arbeiten־ jetzt 60—80 Familien meistens älterer Palästina- Arbeiter. Bei den beginnenden Drainage- und, Bewässerungsarbeiten auf den Emekböden werden weitere Hunderte Arbeit finden. ’ Die Mehrzahl der Arbeitsuchenden hat aber, in der Bau-Industrie Unterkunft gefunden.' Die Entwicklung der Bautätigkeit in Tel-Awiw ist. eine der erfreulichsten wirtschaftlichen Erscheinungen im Lande. Augenblicklich sind dort unge-' fahr 100 Wohnhäuser im Bau, was etwa 1000 Ar- [ beitern. und einem Stab von Ingenieuren und Hand-', werkern Beschäftigung gibt. Abgesehen von einer■ gewissen' Konzentrierung des einfließenden Kapitals. in Tel-Awiw ist die rege Baulust dort auch dadurch gefördert worden, daß die Zementziege!- und Silikatstein-Jndustrie dort einen billigen und guten' Ersatz für Natursteine geschaffen hat Diese Industrien haben — neben der Ermöglichung des ' Bauens, ohne allzu große Mittel — auch den Vorzug, daß sie Hunderte von jüdischen Arbeitern, die im* Steinbruch unerfahren und unverwendbar sind, in der Vorbereitung von Baumaterial eine Lebensmöglidikeit erschließen. Auch in Jerusalem und Haifa wäre man mit' der Abstellung des drückenden Wohnungsmangels ] schon bedeutend weiter, wenn man hier ein ebenso