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Jüdische Rundschau · 1922-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1922) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1922)
Date
1922-04-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Hamburg . . .... 250.— 1 200.- Ottenbach .... Quenstedt 1U0.— ־־־״־ :;hau ••••'* 60.— — Hannover. 6 422.60 210.— b. Aschersleben 100.— — — 1400.— Hagen ....... _ 18.60 Osnabrück .... Pforzheim .... 905.- 30- _ .5;l;< ׳*‘bcfnßft — 690.— Hameln. 136.- *Mm. .;,een. 300.- ■- Ichenhausen . . . 100.- — Ratibor. 100.— — ftatklurt a. M. .;^sieben 750.— —־* Köln. Königsberg .... 2 475.- 3 027.- 1 305.- 2 600.- Stuttgart. Tarnowitz .... 600.— 800.- ״*־־ b Lud»igsl1afen 400.- — Lübeck. — 1160.- Wanne . 1000.— — fieiburg. jdsenkirchen . . 100 — 610 — Ludwigshafen . . Gesamtbetrag 120.— 31k. 5» 855.- Worms. 200.- iß diese /eise als f kg «gt cf• tn. Di« jicn mit f Wgt.) Vpjfr ■veröffentlichen vorstehend die Eingänge an jionistenstcuc r int März d. J., die hinter dem forumchtog weit zurückgeblieben sind. Der größte Teil w Ortsgruppen lut die erste Vierteljahrcsratc Steuer ko nt ingen t c s für 1922 noch nicht jVdüflirt. Zahlreiche Gesinnungsgenossen, die ihre;*!מ direkt nach Berlin zahlen, haben der an sie eri ,•jitgenen Zahlungsaufforderung bisher nicht Folge ge* Md. Wir riditcn hierdurch an alle Ziomstensteuerkom׳- [ssare die dringende Bitte, nunmehr die erste Fl a 1 bjhresratc schleunigst cinzuzielic« und die eingehenden Beträge laufend zu überweisen. Wir bitten ferner alle Gesinnungsgenossen, die direkte Zahlung» auffonderungen erhalten habend denselben nunmehr 90fort nachzukommen. Die Versendung van Mahnbriefen verursacht über• flüssige Ausgaben, die im Interesse einer produktivem Arbeit besser vermieden werden. Zionistische Vereinigung fUr Deutschland Berlin W15, Sädtsi&chc Straße 8. Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Dep.-Kasse Kurfürstendamni 211. Postsclreckkonto: Berlin 8091. Nationalfondsarbeit in den Peßacli- Halbfeiertagen ln den ersten drei Monaten dieses Jahres haben *scrc Vertrauensleute für den N.-F. 750 000 M. aufjebracht, was einer Jahrcscinnahme von 3 Millionen «:spricht. Da die Ergebnisse zu Anfang des Jahres «fahrungsgemäß hinter denen der übrigen Monate mckblcibcn, 90 besteht dieses Jahr zum ersten Male die Aussicht, daß die deutsche Sammclstellc die vom Hauptbüro kontingentierte Summe von 4 Millionen Mark voll erreicht. Daß dieser Betrag für die Fortführung der praktischen Aufgaben in Palästina unbedingt er- Meriich ist, bedarf keiner Begründung. Daß er in Deutschland aufgebracht werden kann, haben die biskerigen Einnahmen gezeigt. Denn die Summ« von 30 000 M. ist tatsächlich nur von einem Teil unserer Veriraucnsleute eingebracht worden, ein großer Teil hat sich leider bisher sehr wenig um seine Pflicht gekümmert. Die bevorstehende Biichsenlcc rung und Ncuauf- Stellung in den Pessach-Halbfeiertagen, wird der Prüfstein dafür sein, ob alle unsere Vertrauensleute 'ich ihrer Verantwortung gegenüber dem Aufbau Palistinas bewußt sind. Wenn jeder einzelne unsere Anregungen in die Tat umsetzt, dann besteht kein Zweifel, daß wir die Minimalforderung unseres Haupt- Bros erfüllen werden. Allein die restlose Leerung!Der Büchsen wird die Einnahmen schon ganz betracht- W1 erhöhen, und wenn sich daran eine umfangreiche hcuaufstelhing schließt, so kann schon die nächste liichsenleerung im Herbst dieses Jahres eine weitere kalbe Million ergeben. Jeder tue in den Halbfeicr- Sgen seine Pflicht! Wir ergreifen die Gelegenheit, um mit Genugtuung iKtzuslellen, daß eine Reihe von Vertrauensleuten ihren foiilingentsantcil, ja einige besonders erfolgreiche Mitärbeiter sogar jetzt sclwn ihr ganzes Jahrcskon- 1 ing ent erreicht haben. Die gesamte Jahressumme brachten bis Ende März 1״f: Alsfeld, Arnstadt, Berncastel, Cie- Der Sedertisch Die Vorlesung der Haggadah findet am häuslichen Familientisch statt, der dazu festlich gedeckt wird, und den verschiedene, für die Abhaltung des Seder er- Forderliche Gegenstände gestellt werden müssen. Ge- «?entlieh werden für den Scderabend besondere Tisch- Decken benützt, die eingewebt oder aufgestickt, meist 8^r bedruckt, Darstcllmigen einer Familie beim Sedertisch oder die Reihenfolge der vorzunchtnenden Handiiätgcn bei der Vorlesung der Haggadah, seltener auch Text des Kiddttseh zeigen. Von den zu benötigenden Gegenständen ist in erster Linie die Sedcrschüsscl zu ״״nen, auf der die drei Mazzoth ihren Platz finden. ״1״sc kreisrunde, flache Schüssel ist meist aus dem *vjkstümlichen Zinn heigcstcllt, ähnlich wie der Gaben- ״״er des Purimfestes, mit dem sie des. öfteren ver- Wechselt wird. Wie dieser ist sie über und über mit Grar Vierungen Ixnteckt, die wichtigsten Sätze aus der Hagga- 1’ IMMcr des Auszuges aus Aegypten, der 10 Plagen der vier fragenden Kinder schmücken den Rand mul lc Hädie des Teilers. Diese Arbeiten sind oft in ihrer P°mitiven Technik Ivochintcrcssant und von großer Lebft^keit des Ausdrucks; sic stammen etwa aus dem '•Jahrhundert, doch werden im Osten heute noch Seder- Hussein angefertigt, die die gleichen Formen zeigen wie '5 der Vergangenheit. Man ist leicht geneigt, sie für ®“Chungcn zu halten; in Wirklichkeit handelt cs sich eine Folge der konservativen und deshalb konscrwenden Weltanschauung der Juden. Aus Majolika haben ,!®FFenischeu Juden ihre Sederschüsseln verfertigt; j•®1 *®0»t sogar die Namen einiger jüdischer Künstler, damit befaßten (in der Zeit vom 16. bis 18. feld, Hcydekrug, Homberg, Ichenhausen, Limburg, Pirmasens, Plauen, S c h m a 11 e - ningken, Siegburg, Thalc. Ihren Kontingcntsantcit haben erreicht, zum Teil eriicblich überschritten: Alzey, Ascherslcben, Baden-Baden, Bclgard, Bergzabern, Bcrlin, Brandenburg a. H., Chemnitz, Cleve (Rhld.), Danzig, Darmstadt u. Umg., Deutsch- Eylau, Dillingen, Dortmund u. Hörde Eisenach, Elberfeld-Barmen, Emmerich, Erfurt, Essen, Fisch ach, Forst, Frankenhausen, Frankcnthal (Pfalz), Frankfurt a.M., Fraustadt, Gailingcn, O cl se nki rch en, Gera, Ologau, Görlitz, Greifenberg, Gr.- Streblitz, Hachenburg, Halle, Hameln, Hamm, Hammelburg, Hammer91ebcn,Hi1vden bürg, Hopps tätten,!Johann isburg, Karls ruhe, Kattowitz, Kibarty, Kiel, Kirchhain, Kudowa, Labiau, Landsberg, Leipzig, Liegnitz, iLyck, Magdeburg, Mannheim u. Ludwigshafen, Marggra bowa, Markenhof bei Freiburg, Merzhausen, Militsch, München, M.-Oladbach, Münster, Neustadt a. H., Neuwied, Nien bürg, N iesky, Oberhausen, Pforzheim, Ratibor, Rees, Saarbrücken, Salzwedel, Schneidemühl, Schwedt, Schwerin, Seiters, Solingen, Sondershausen, Stendal, Tapiau, Tiefenort, Viersen, Waldenburg, Wanne, Wiesbaden, Würzburg, Zülpich, Zwickau. Erklärung In meinem Artikel ״Genügt die Antwort der Exekutive an die Opposition?“ in Nr. 21 der ״Jüdischen Rundschau“ habe ich Stellen aus einem Brief von Frau liclciie Hannali Thon zitiert. Dieser Brief war ein privater Brief an mich, von dessen Veröffentlichung die Absenderin nichts wußte. Julius Berger. Jahrhundert bestanden jüdische Fayencefabriken in den italienischen Städten). Auch aus Silber hcrgestcllte Seder- Schüsseln sind erhalten, sie haben sich in neuerer Zeit zu ansehnlichen Kästen entwickelt, an denen Anhänger für Moraur, Charaußcth, frische, grüne Kräuter und die symbolische Andeutung des Pessachopfers ihren Hatz finden. Das Innere, das durch ein Türchen zugänglich gemadit wird, zeigt drei Fächer, um die sogenannten Schimurim-Mazzoth: Cohen, Levie und Jisroel, die bcsonders für diesen Abend gebacken werden, getrennt! voneinander untcrzuäwingcn. Bei den flachen Schüsseln wird diese Trennung durch Decken bewirkt, welche wiederum Anlaß zu reichen Stickereien geben, die auch das Tuch zum Bedecken der Sedcrschüsscl schmücken. Auf diesen Textilien sieht man alle möglichen Symbole und Darstellungen, in den verschiedensten Sticktechnikcn angebracht; oft geben Inschriften über Datum und Ort der Anfertigung, sowie über den Verfertiger Auskunft. Zeichnungen und Schrift sind meistens alten hebräischen Handschriften entlehnt und zeigen deshalb ein altertümliches Gepräge. Bisweilen läßt sich mit ihrer Hilfe ein ziemlich genaues Bild der mittelalterlichen Kunst- Übung der Juden gewinnen, von der sich nur verhiiltnismäßig wenig Zeugen eihalten haben. Zu einem Seder gehören außer Mazzoth noch die symbolische Andeutung des Pessachopfers, Moraur und Ghamißeth, Um diese unterzubringen, wurden früher besondere Oeräte hergestellt. Dias gebratene Ei fand auf einem einem Doppelbecher ähnlichen Ocfäß, dessen obere Schale je loch eiiörm'g gebildet war, seinen Platz, für das Bitterkraut wurden zum Teil reich verzierte Schalen benützt. Der Fruchtbrei, der als eine Erinnerung an den Lehm gedeutet wurde, den die Juden in Erinnerungen Beiträge zur Geschichte der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland Von Dr, Alfred Apfel, Berlin. Wir entnehmen diesen Artikel der soeben erschicnenen Nummer 1 der ״Jüdischen Blätter״, Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Der Rückblick auf jüdische Ereignisse des Jall res 1905, auch auf zionistische Verhältnisse in dieser Zeit, wird für unsere Leser von Interesse sein. Die Redaktion. I Pogrom. 27. November 1905. Der große Saal der Rheinlandioge in Köln ist dicht gefüllt. Ich bin nicht sehr ar^enehm berührt, daß die von Zionisten einbemfene Versammhmg eine so große Anziehungskraft ausgeübt hat Meine Abneigung gegen die nationaljüdische Bewegung war groß. Ihr sogenanntes Baseler Programm, das ״für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“ vorsah, störte mich weniger, da dieses Streben als Utopie angesehen wurde; meine Antipathie beruhte darauf, daß in meiner Jugend die deutschen Zionisten die staatsbürgerlichen Ideale der grölten Mehrheit der deutschen Juden rücksichtslos bekämpften. Dirch Gespräche mit den zahlreichen Bekannten stellte ich fest, daß die Kölner jüdisdw Gemcindc fast ln ilircr Gesamtheit den zionistischen Gedankengängeu fremd und ablehnend gegenüberstand. Man war lediglich aus Neugierde gekommen, tun sich einmal die vielgenannten und viehunstrittenen zionistischen Oberhäupter anzuselien. Nach dem Tode Theodor Hcrzls war die Leitung der damals noch recht schwachen zionistischen Organisation aus Wien in meine Vaterstadt verlegt warden. An diesem Tage war das große Aktionskomitee der Partei in Köln versammelt. Seine hervorragendsten Mitglieder sollten sieh in der Versammlung in einer für die Oeffentlichkeit bestimmten Kundgebung vorstellen. Also gewissermaßen eine kleine Sensation. Aber bereits die ersten Worte des Versammlung» Icitcrs bannen die Sensationslust. Emst verkündet der Vorsitzende, Dr. Max Bodenheüner, daß der ursprüngliehe Zweck der Kundgebung geändert werden müsse, und zwar unter dem Eindruck soeben cingctroffcner Nachrichten über grausige Judenmetzcleicn in Rußland. Wohl wußten wir alle, daß die 7 Millionen russischer Juden der primitivsten Menschenrechte entbehrten, trotz dem Manifeste vom 33. Oktober des gleichen Jahres; das Rußland eine Verfassung gegeben hatte; wohl haftete in unserem Gedächtnis noch die Erinnerung an die bestialischen Pogrome in Kischincw (1903), aber ein Grausen, erfaßte die Versammlung, als der Vorsitzende die neuesten Pogromberichtc bekanntgab, wonach in den letzten Wochen und zuanal in den letzten Tagen mehr als 10000 Juden hingemordet, mehr als 100000 ver- Wtmdet und an den Bettelslab gebracht wordert waren. An einem Tage waren 140 jüdische Gemeinden vernichtet worden, nach einheitlichen Plänen unter Mitwirkung der Chidigam, Polizisten, verkleidet und in Uniform, und des Militärs. Die nachfolgenden Redner illustrierten das Vorgebrachte durch erschütternde Einzelhcitea Zunächst sprach David Wolffsohn, der ncugcwählte Nachfolger Theodor Hcrzls. In Jekaterinoslaw ist die jüdische Sdbstwehr, 75 junge Juden, gefaJIca Wenige Werst davon ist ein Ort, dort wohnen!5 jüdische Familien, Alle, Eltern und Kinder, alle sind ermordet; nicht einer ist übriggeblieben, die Trauernachricht zu bringen. Die anderen haben sie uns gebracht. Die Leichen haben sie von Hunden zerfleischen lassen. Dann weist Alexander Marmorek, der Pariser Tuberkuloseforscher, auf das Unglück des jüdischen Volkes, auf seine Zerfahrenheit hin, und ficht die Judcnhcit an, aus ihrem zweitausendjährigen Schlummer zu erwachen und ihr altes Volkstum wieder aufzubauen. Nach ihm sprach 1?____Jl .!..•» IIU■. ■ .I g■ i'■»■»—-gg- 1 LJJ0.1!» Aegypten stampfen mußten, wurde zumeist in einem kleinen Schiebkarren gefahren, aus dem man sicli zuweilen mit Arbeitsgeräten naelsgcbildetcn Bestecken bediente. Vier verschiedene Handlungen eröffnen den •Seder, die vier soeben besprochenen Speisen machen ihn erst rituell vollgültig, vier Fragen richten die Kinder an den Vater und vier Arten von Kindern werden vorgeführt. Diese Vierzähl, die eine besondcrce Rolle an dem Scderabend zu spielen scheint, ist auch für die zu trinkenden Becher Weins vorgeschrieben. Als Merk-' Zeichen, damit nicht vergessen wird, nachzusehenken, findet man in den Sederbcchcrn hin und wieder vier Kerben angebracht, die, jedesmal um einen Einschnitt vermehrt, den Hausherrn daran erinnern sollen, wenn er frisch einzuschenken hat. Es wird natürlich vorausgesetzt, daß er nicht vergißt, den Becher regelmäßig weiter zu drehen Solche Becher gibt es aus Silber, Glas und Porzellan; die größten und prächtigsten sind die; die für Eiiah« Hannvi bcreitgchaltcn werden. Zum Scliluß muß noch des Omcrbuches gedacht werden, aus dem am 2. Scderabend der erste Tag jener 7 mal 7 Wochen verkündet wird, die bis zum Sei»- wuauß hin täglich gezählt weiden. Die älteren und meist reich verzierten Omerbüchcr, die bisher bekannt geworden sind, sind nicht vor 1700 hergestellt; es gibt auch einige kabbalistische, die einer kabbalistischen Miarachtafel nicht unähnlich sind. Ferner befinden sich auch Omer rollen im Gebrauch, die den Vorteil haben, daß sie stets, gleich einem Kalender den betreffende» Tag Anzeigen und so ein Verwechseln verhüten. E. Toeplit*.

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