Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1922)
- Date
- 1922-03-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2« Nr. 26 Seite 185 fschau י®, Killte. «״ivcreitat aatsrccht,!^»raischp Jh IJcwc. » ]*syclio- «!ח«0.׳ J- Thon, nd Chab, ft «ng des den Beschrift an *zugeben rem (]er fen. S>׳“, wird ten. Die Zeit au(■ Britischen isinowka, istin Ln-!inem jjj- CH. 13b ickkehrte, »er einen fte Dorf• U«1g den r unterentsandt r Unterfest und tgearhtet »en noch mpolitik 01 nisehen Jüdischen r zweiten Offiziers-?öle eints Gesetz tion he tr dritten hen Abfcz lautet Armee olnischer räischer t Armee ttet, den eirtet ein •ns. Der Nischba a“ (Hi«■ B König I Deutschland Der Fall Naumann*) Von Gustav Krojanker. ״... Man muß nicht aufhören, sie zu ärgern; das allein kann helfen. Man soll sie nicht einzeln ärger« — cs vzärc unrecht, cs sind sogar gute Leute, man muH sie in Masse ärgern. Man muß sie rum Nationalarger stacheln, kann man sie nicht zur Nationalfrcude begeistern, und vielleicht führt das eine zum anderen.“ (Börne.) I. Wenn ich noch denke, wie einige Jtüire vor dem kriege die Synagoge Fasanenstraße in Berlin cinge- ״(.iht wurde, — rinnt mir die Zähre. Audi sonst sdilug!,dem Patrioten das' Herz höher. Ich sage nur, wen ״ja unter den Anwesenden bemerkte. Man bemerkte y;״ General v. Kessel, Exzellenz; man bemerkte audi don Polizeipräsidenten Traugott v. Jagow; von den son- ,!igen Spitzen sonstiger Behörden, deren ehrfurchtheischende und freudeweckende Namen meinem Ge■ djehtnis leider entfallen sind, ganz zu schweigen, jeder merkte, daß etwas angebrodien war: eine aeue Acra nämlich. Jüdischerseits revanchierte man ddi. Den Umstand, daß hier ein jüdischem Geiste ,nid jüdisdier Frömmigkeit gewidmetes Haus seiner Bejinuniuig iilxrgc'bcu werden sollte, streifte mau leidit, ohne im übrigen viel Aufhebens davon zu madicn; dafür war vom Erbfeind und anno Siebzig die Rede. Ströme jüdischen Blutes waren geflossen. Kurz: man bcging Sedan mit einem unzweckmäßigen Zeremoniell. Und mit dem Augenblick, wo die hohen Gäste den jüdischen Cbkuten zum Schluß beglückwünschend die Hand drück-!01, — mit diesem Augenblick datierte man einen neuen tbschnitt in der jüdischen Geschichte. In so glanzvollen Zeiten stand der Zionist abseitig u,1d gedrückt in der Ecke, als ein nicht genug zu veribtdicuendcs Individuum. Seine freche Behauptung, daß 1; ein jüdisches Volk gäbe; sein schamloses Eintreten ar die Interessen dieses Volkes; überhaupt die pein-!!die Betonung jüdisdier Sonderaufgaben erforderte icgenmaßregdn. Nicht als ob rnan diese fanatisdien Edicnsteher an sich ernst genommen hätte. Ihre utopistisehen Narreteien beurteilte man mit jenem gediegenen tachensiiiii, der ״Ware ,sofort greifbar“ bevorzugt. Aber die ßefürditung bestand, daß der General und der Prä.siifcnt zur nächsten Einweihungsfeier nicht mehr kommen «ärden. Solche Leute verstehen so schlecht, Zwischen Juden und Juden zu sdieidcn. Man mußte also den Zeigefinger erheben und den Mund auftun. Dieser Zeiget'inger war weithin sichtbar und aus dein Munde kam nichts Gutes. Der Zionist, so ließ man austrommein, tei eine wesentliche Ursache des Antisemitismus, ein Staatsbürger minderen Grades und überhaupt jedem Pasrioten hädist verdächtig. Ich hatte immer geglaubt, daß dies alles nidit mehr Verboten werden könnte. Getrost, es ist überboten »,Orden, Reditzeitig in dem Augenblick, wo durch den Krieg, seine Erfahrungen und seine politischen Folgccrsdiei- ״®gen zwischen der offiziellen Judenheit und den Zionisten erträglichere Beziehungen geschaffen sind — *1 Der Aufsatz ist uns als Vorabdruck aus einer vom H V. herausgogebenen, demnächst erscheinenden Pro- IMgandabroediüre zur Verfügung gestellt worden. just in diesem Augenblick betritt geräusdivoll ein Herr Naumann, Max Naumann, seinerseits die Bühne, O, daß er im Parkett geblieben wäre! Es hätte sich da gut mit ihm plaudern lassen: er erschiene als ein Mann von menschlichen Qualitäten mit an sich achtenswerten Ge- Pul den und einer etwas komischen Theorie. Denn wenn einer von der aussdilicßcndcn Intensität seines deutschen Gefühls und der belanglosen Acnßerlidikeit seiner jüdisdicn Abstammung ein Bekenntnis ablegt, -- viel Oliick auf den Weg, denkt man daran; und im übrigen gellt einen dieser Weg, der Weg manches stark assimilierten Westjuden, nichts weiter an. Unser Naumann aber stellt sidi auf die Bühne und bemüht sich, Aufsehen zu erregen. Es wird also notwendig, an seinen Gesangskünsien, je nach Standpunkt, öffentliches Aergcmis oder öffentliche Heiterkeit zu nehmen. Zunädist taucht die Kardinalfrage auf, warum er sich überhaupt produziert. Wer sonst Öffentlich eine Meinung verficht, wünscht, andere zu überzeugen, um möglichst viele Mensdicn durch die eigene Tiefe zu beglücken. Max Naumann will das ausgesprochenem,aßen nicht. Und er kann es audi gar nidit wollen, weil er sidi eine Spczinlthcoric ausgeheckt hat, die diesem Bestreben widerspredicn würde. Es gibt in Deutschland, so singt er, drei Sdiiditen von Juden: die Nationaldcutsdicn, die Jüdisdmationalcn und die Zwischcnsdiicht. Die Nationaldcutschcn sind in ihrem Ocfiihl kerndeutsch; kein jüdisdier Hauch weht mehr durdi ihre liditdeutsdie .Seele. Die Jüdisdiuntionaleii wieder sind kcrnjtidisdi; kein Säftlciu deutscher Erde hat irgendwie bestimmend in sie cinzuströmen vermocht. Zwisdicn diesen edlen Harmonien taumeln vertattert die Mischlinge der Zwisdtcnschicht. Deutsches und jüdisches Gefühl halten sidi hier etwa die Wage: ihr Deutschtum findet schnell am Judentum, ihr Judentum am Deutschtum' seine Grenzen. Wobei vor allem wichtig bleibt, daß sie der wahren Deutschtums, durch den nationaldcutschen Juden präditig vertreten, leider gänzlich ermangeln. Und wie entstanden diese drei Gefühlsgruppen? Glaubet nur, hier ist ein Rätsel der Natur; so versdiiedene Triebe sproßten aus glcidiem Stamme. Ach, cs ist ein Gesang von mvstisdicr Lyrik, wenn unser Sänger von dem Wunder lallt, das ״ein fremdes Qcwächs (den Juden nämlich) in ein kerndeutsches (den nationaldcutschen Juden nämlich) mngezüehtet" hat. So mystischem Gcschdien blieb der Jüdischnationale völlig unzugänglich, während in dem Zwisdienschiditlcr ein großer noch unausgetragener Ringkämpf entstand. Diese drei durch unbccinflußbarc und vicllcidit schon weit zurückliegende Naturvorgänge gcbildeten Gruppen sind also unabänderlich gegeben. Die Frage, für wie lange Zeit diese Unabänderlichkeit Geltung haben soll, läßt unser Völkerpsychologc gnädig irrr Dunkel. Er droht zwar, die Jugend seinerseits infizieren zu wollen, aber nach seiner Naturtheorie ist anzunehmen, daß nur dem Teil der Jugend sein reicher Born wird fließen können, den ihm die Gunst der Natur bereits hinlänglich vorgebildet hat. Die große Masse aber der nicht Prädisponierten wird nicht nur in dieser Generation, sondern auch in der künftigen des wahren Deutschtums ermangeln und neidisch auf jene hehre Tafelrunde um den Ritter Naumann sehen müssen, die des Gnadenaktes teilhaftig wurde. Und da sind wir wieder bei der Kardinalfragc, warum der also Begnadete, statt in der verliehenen Weihe dankbar zu verharren, die anderen Gnadenempfänger um sich schart und mit ihnen politischer Verband spielt. Politik muß ändern wollen. Und da an den Juden nichts ge-- ändert werden kann, wird wohl die Absicht bestehen, an den Deutschen etwas zu andern, und zwar offenbar ihre Meinung über die deutschen Juden. Mi» anderen Worten: Herr Naumann begeht auf seine Art die Ein-1 weihungsfeier in der Fasanenstraßc. Er hat eine geschmachvollere und würdigere Form, aber i!1 ihr ruht der Geist einer noch ungleich wilderen Groteske. Als der Zcntralverein . er mag hier als Inbegriff der offiziellen Judenheit und gleichzeitig als Haupt- Organisation der von Naumann bemängelten Zwischen- Schicht stehen —• als der Zcntralverein sich vor den Zionisten die GJoricnkrone des Deutschtums aufsetzte, war dagegen zwar alles einzuwenden, was ich später dagegen noch cinwcndcn werde, aber es hatte wenigstens einen gewissen politischen Sinn. Die geschlossene Majorität der deutschen Juden rückte um ihrer Stellung in Deutschland willen von den paar Zionisten ab. Sie äußerte dabei audi nicht, daß die Zionisten ein für allemal des Deutschtums unfähig wären, sondern schilderte sic als verrannte und gefährliche Gesellen, die aber im Prinzip auf den Pfad der Tugend zuiückgcfiihrt werden könnten. Der eigene Tugendpfad, durdi diesen Gegensatz um so heller beleuchtet, sollte gleichzeitig ein Mittel im Kampf gegen den Antisemitismus sein. Was aber macht unser politisdicr Naumann? Er erklärt die Gesamtheit der deutscheu Juden, ausgenommen sdn Grüppchcn, des wahren Dcutsditums für unfähig, und zwar ein für allemal. Wenn der Hammer-Verlag ein Preisausschreiben erließe, durch welche Maßnahmen der Antisemitismus entscheidend gefördert und ein Pogrom mit Besdilcunigimg herbeigeführt werden könnte, Naumann dürfte sich den ersten Preis holen. Man fragt sich verblüfft, was der Mann eigentlich will. Ich mödite der häßlichen Annahme, daß er in der deutschen Politik ein Röllchen zu spielen begehrt, eine ausschlaggcbcnde Bedeutung nicht beimessen. Ich glaube vielmehr, daß er entgegen seiner Theorie (wer wird sich immer an Theorien halten?) doch damit rechnet, immer weitere jüdisdic Kreise in den von ihm eingcJeitcten Anbiederungsprozeß einzubeziehen und uns so allmählich herrlichen Zeiten entgegenzuführen. Er dürfte hier aber, fürchte ich sehr, seine Sdiwierigkcitcn haben. Die Juden nämlich werden sich nicht umzüchten lassen wollen, und was die Nichtjuden anbetrifft, so könnte cs sein, daß sie auf diesen Umzüchtungsprozeß auch gar keinen Wert legen. Der peinliche Gedanke taucht auf, daß Naumanns gannzes Fundament leidit wacklig ist. Wir wollen mal ein bißchen daran stoßen. n. Dem Politiker Naumann steht Naumann, der Denker, nicht nach. Er behauptet zwar besdieiden, nidit originell zu sein. Ich aber verbürge mich dafür, daß er sogar sehr origindl ist; zugegeben selbst, daß er aus der zionistischen Literatur vieles mit Nutzen entnommen hat, was vor dieser Literatur unbekannt war. Aber welcher Denker wäre ohne Vorgänger? Wesentlich bleibt, was einer aus dem Gegebenen macht. Und was Naumann aus den zionistischen Gedankengängen macht, ist unsagbar neuartig, einmalig und ganz und gar Eigenprodukt. Schon seine Operationsbasis, die Einteilung in die drei Gcfühlsgnrppcn, ist grundsätzlich falsch. Ich will natürlich nicht leugnen, daß es Juden von verschiedenen Stärkegraden Jüdischen Empfindens gibt; aber ich zweifle sehr, daß eine Einteilung nadi diesem Gesichts»- punkt mit den drei politischen Gruppen zusammenfällt, die Naumann Nationaldcutsdie, Jüdischnationale und Zwischenschicht nennt. Demi erstens sind die bewußten Gefühle der Menschen (und dämm handelt es sich bei politischen Gruppierungen) keineswegs mystisch gegeeligiöscn iagg‘11 er eine fr vorand Nachlas erste nttücktc, ׳enn das n Stifter borenea /inl hi« olkstüm- :n Form Und an fevvisscn jidie is•;steigen-;ersucht, (lassidis■ als ewi־ (Ssumg*״ ens nt״ len cflt■ cn Vor- > finden 1 Be*'« Ödst«־!es nid’1 t Bub« Iwisdi«1 oder if tsamkd1 Bland«* rieb 0 hier t״ mit d״ ■*״״/! f «diatologischen Tendenzen der lurionischcn Mystik im diassidismus ein völlig anderes Element gegenübertritt. An die zentrale Lehre vom Menschen schließt sidi 1יי® eigenartige Wirklichkeit des zentralen Mensdicn, 'Js der in seiner anfänglichen Reinheit der ״Zaddik“ erscheint. Historisch stellt Dow Bär von Meseritsch, l£r große Baalsdiemjünger, den erster» Lehrer des Chassidismus dar, das erste Zentrum, dem in der Reihe ",ehrcrer Generationen zahllose Leuchten der weit ver- Zeigten Bewegung entstrahlen. Seine Wirksamkeit nach »aßen betätigt sich in drei Kreisen: der Sdiülcrsdiaft, 1fr Gemeinde, die durch das gemeinsame Gebet fast Winiert werden, kann, und des ״Olam“, der rat- und hfeudienden Menge. Meisterhaft ist es Buber ge- ™״gen, in wenigen Strichen — zu denen die doch wohl iMtigen Berichte der Volkslegende den Stoff boten — den wenigen behandelten Meistern ein konzentriertes zu entwerfen. Nur manchmal erscheint mir — 1^entlieh bei den mehr dem Problemhaften zuneigenden Wen Persönlichkeiten eines Jakob isak und Simcha ßunam von Przy9ucho — das in der Einleitung gc- Sebcne Bild, das sich aus den überlieferten Stücken ״geben sollte, mit diesen nicht ganz übereinstimmend. ״*' anderen Meistern freilich macht schon die bloße ,'-'Ordnung der Stücke das Bild zu einem völlig ge- ™״deten, so bei der völlig ins Legendenhafte gehobenen ^cs cogolglohb*-’11 Abraham (des Sohnes des ■Maggid“), aber auch bei der grotesk-stürmischen Natur .י,Levi Isak, des ״wandernden Leviten“ oder bei der ihrer Mischung völligster Demut und Ekstase so seits*!nen Gestalt des .,Gottesnarren" Sussje von Hanipol. Es ist in diesem Rahmen nicht wohl möglich, auf u *1'*Wliche der einzelnen, zumeist sehr kurzen Anek- 1 ,cn naher einzugehen. Nur einiges mit dem Wesen Chassidismus völlig Verwobene im Inhalte derselben, wohl in dieser Fassung zum ersten Male in den *■״Wien künstlerischer Literatur eintreten, mag hier bewZ* Wer(*en* Bie Grenzen der Zaddikimlegende reichen I 3 *kfen Wunder geheimnisvollen Schonens, Wirkens I ייייי* wenigstens Geschehens bis zum Alltäglichen Nicht das Was, sondern das Wie ist entscheidend. Beim ersten Besuch erfährt der Maggid vom Baalschem nichtssagende Vorfälle einer Reise und erst, als er von seiner enttäuscht unternommenen Rückfahrt nochmals zurückgerufen wird, überirdische Visionen als unmittelbares Erlebnis. Die beschwingende Kraft lim Leben und Wirken der Meister liegt in der Ekstase. Der richtige Zaddik verliert sich beim Beginn einer Gebetsformel derart ins Zeitlose, daß die Fortsetzung sich schon gar nicht in diese entrückte Welt ciniügcn will. Das ekstatische Element fließt in die Predigt (Schmdke von Nikolsburg) und trägt manchmal — wie bei Sussje und bei Levi Isak von Bcrditschcw — groteske, manchmal mehr innerlich geläuterte Formen. Das zentrale Element jedoch in aller Mc11schenbc2iehung bildet eine unbegrenzt positive Liebe, die in der Sünde und dem Sünder sdbst noch den reinen QotteSqudi erkennt, wovon es manche wunderliche Ucberlicfcrungen gibt. Auf dem Wege ins äußere Leben verwandelt sich Heiligkeit in Weisheit, Weisheit in gottgcadelte Lebensklughcit. Die Verbindung aber mit dem Mysterium des 'Mcnsdienseins wird durch das Gleichnis aufrecht i gehalten. Die Gleichnisse vom Holzhacker, vom Königs׳• sohn im Exil, in der ״Frucht der Kasteiung“ und j von den drd Gefangenen erscheinen wie Splitter einer i imsichtbaren Daseinslcgcndc. Manchmal lassen die Er- Zahlungen irgendeinen alltäglichen Vorgang, wie das Gesprach mit einer Witwe, in einen tief symbolischen, etwa in die Anrede der verbannten Herrlichkeit Gottes, übergleiten. Als Ausläufer ins Leben erscheinen Wunder- Wirkungen, wie sie besonders machtvoll zur Zeit schwerer politischer Verhängnisse sich äußern — wird doch einem | Bunde dreier größter Chassidim sogar eine Beeinflussung der Geschicke Napoleons zugeschrieben — andererseits neue und Innerlichere ethische Lehren, die mit dem lebendigen Beispiel in eins verschmelzen. Besonders sind die ersten Zaddikim vorbildliche Meister des reinen Dienstes. Als dem Maggid nach einer leisen Auflehnung gegen das Sdticksal der Anteil an der kommenden Welt als zweifelhaft verkündet wird, freut er sich, nun ohne Lohn erst wahrhaft dienen zu könnei}. Und Schitour Salman betet zu Gott: ״Ich will nicht dein Paradies, ich will nicht deine kommende Welt, ich will nur dich allein.“ Insbesondere aber ist es die Demut, welche von der Volkslegende oft in grotesken Erzählungen beschrieben, den am höchsten verehrten Begriffen von Heiligkeit und Frömmigkeit gegenüber ein neues Element besonderer Verinnerlichung bedeutet. Von einem schonungslos tiefen Einblick in die Psychologie religiöser Bewegungen und zugleich von der ganzen Reinheit des ursprünglichen Chassidismus in dieser Beziehung zeugt der Ausspruch, daß die Erlösung nicht durch die gemeinen, sondern durch di( gehobenen Menschen aufgehaltcn wurde, welche zur Demut nicht gelangen können. Was. von seiner Irihaitlichkeit abgestoßen, den Chassidismus von anderen religiösen Bewegungen sehr stark unterscheidet, ist der volkstümliche Zug, dessen Grundtendenz Buber sehr angezogen zu haben scheint. So stellt sich mitunter neben die Wundertat eines Zaddik ebenbürtig die aus reinsten Impulsen hervorgegangene Guttat eines einfältigen Mannes aus dem Volke. Leider haben der Kultus der Wundermänner, wie ihn Schneur Salman als Gefahr vorausgesehen hatte, und das dynastische Prinzip, das neben die geistige Kette von Lehrer- und Schülerschaft eine leibliche setzt, eine der Wurzein des reinen Chassidismus abgegraben. (Charakteristisch ist z. B. die Abfolge vom Maggid bis zu dem Urenkel, dem prunkliebenden, ״geistreichen“ Rishiner, dem Begründer der Sadogorer Dynastie.) Nicht bloß die Heiligkeit des Meisters selbst, sondern die tiefen Volks- Instinkte der Verehrung gelangen im Zaddikimkult zur Vergröberung und Entartung. Und dennoch scheinen die lebendigen Seelenkräfte des Ostjudentums noch zum! großen Teile in der Volksbewegung eines gegenwärtigen j oder vergangenen Chassidismus zu wurzeln. Abef zur , richtigen Beurteilung solcher Volksbewegungen bedürfte es noch einer anderen Begriffskategorie des ״Volkes“ als der üblichen politischen oder sozialen oder geistigabstraktea . *