Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1922)
- Date
- 1922-03-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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"'.Kl Mi 4 I ,j« ׳ *- Nr. 25 י‘"• fcche F8■ U>» ersten. Biien, den1 [Palästina, tltr.iie iüf fer Beitag« f auf dem ndentunv -s ist von; e Zeitung licnblatt״ > Familien Ben hat, in י» die der besondere Wrd sagen tteilungen j, geeignet ״ gegen• iu geben, der Wirtfcuch die md eines i, ferner?od-Kam-;Ländern!fen, daß Hummern Et hat — i machen tn Juden• lärz-April•; fl Deut•' letztenmal' tritt ein־ ben, auch1 u können,; Ibe einer(! tlarakter“. hau״ und len. Man, jedenfalls;; Juden•' (iicn ein.; I zurück-, Odet sich( titung ist Eältmssen; Zeitung״: Kige, d!e! ־ traurige garete •m zwei•! nie ,Dön•; dadurch I Mannes j. Frau.“ escr An• flei dem es gibt ׳as heute er Herr• genblick, t Hunger Viel un• »che Be-f ist, die, gekostet *uptung, | stet hat. ז Auge־״ e Rcsul• fachweis »abt und!m selben!. te, Per• tmg für!!weisen. Fall gej absolut fewesen neuen |8e,S' 1. c n u ־ rer als itung Nr. 25 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 159 t dunkelje Nase, I, dann brahams F ewige I frag־ f Ercig־ »andere laß ein feugung Semd* Beratung för professionelle Bildung in Bjalystok Vom 20. -23. Februar dL I. hat in Bjalystok auf die initiative der Gesellschaft ,,ORT“ die erste jüdische Konferenz für professionelle Bildung für ganz Polen und ujtlcllitaucn stattgefunden. — An der Konferenz haben Oclccicrtc von 3t) Anstalten für professionelle Bildung on Koiigrcßpolcn, Mittcllitauen, Wolhynien und Galizien!״jlgcnoinmcn. Außerdem Vertreter der folgenden zenrilcn Organisationen: ״ORT“, ״Joint Distribution Com- ,Kcc Reconstruktion Dcp.“, Handwerkerrat, Zentrale yjd1c Sdmlorganisation, ,,Tarbut“. — Die Gesamtzahl ir Delegierten betrug 50 Personen. Zunächst wurden informatorische Referate über pro- Ifnsioncllc Bildung in Oalizicn (Frau Dr. glatten, Lemberg) und in Deutschland (Dr. Er- ,in Ko 1111, Berlin) gehört, danach wurde die Frage behandelt, welche Typen von professionellen Bildung*- mstalten im gegenwärtigen Moment in Polen zu erfjdtten seien. — Als Griuidlagen dienten Thesen des In». Fränkel, Wilna. Nach selir eingehender Debatte wurde die folgende Resolution angenommen: Die Beratung anerkennt, jaB auf dem Gebiete der professionellen Bildung im wfcmvärtigcn Moment die folgenden Anstalten iJzubaucn sind: 1. Die erste und wichtigste Aufgabe ist die Errich- « von Anstalten, die imstande sind, in Verhältnismäßig kurzer Zeit junge Handwerkergehilfen m jenen Fächern auszubilden, die unter Juden verbreitet tind nicht besonders kompliziert sind, beispielsweise: Schusterei, Schäftcmacherei, Sattlerei, Schneiderei,Wäschejicrei, Tischlerei, Schmiederei. 2 Die zweite Aufgabe ist die Ausbildung ge lernter Arbeiter für dJe Industrie und für höher qualifizierte Fächer, wie z. B.: mechanische Schlosserei, Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobiischlosserei, Texändustrie, kunstgewerbliche Fächer. 3. Die Hebung des allgemeinen und technischen Niveaus des jüdischen Handwerks und der jüdischen Industrie durch Organisation spezieller Anstalten für die technische Weiterbildung von tmadisenen Handwerkern und Arbeitern ist eine weitere nichtige Aufgabe. 111 Ucbercinstimmung mit diesen Thesen hat die Beratung anerkannt, daß man im gegenwärtigen Moment Lehrwerkstätten mit einem zweijährigen, und Vorbercitungs- Lehrwerkstätten mit einem einjährigen Kursus zu gründen hat, wo die praktische Arbeit den größten Raum einnimmt; ferner Abendkurse für zciclitierische und graphische Disziplinen. In den großen Städten sind außerdem Fachschulen und Spezialschulen nit einem dreijährigen Kursus zu gründen, dazu Abend- Ergänzungskurse. — Die Beratung hat gewisse Mittel, den Verlust an Lernzeit, wie ihn die verkürzte Ausbilfair in den beiden Lehrwerkstatt-Typen mit sich bringen wird, auszugkichen als wichtig una einführungswert anerkannt. ~ Es wurde auch der Grundsatz ausgesprochen, daß die fachlichen Bildungs-Institutionen für Jugendliche ra gleicher Zeit ihre allgemeine Bildungsanstalten zu sein haben und eine organische Fortsetzung der Volksschule darstcllen müssen. Die Beratung wurde nun in drei Sektionen fortge- *tzt. Die erste dieser Sektionen, die für dei'1 t h e o r e - tischen Unterricht, hat ausführlich die Frage der Anlondcnmgen, die die Fachschulen an die Volksschule u stellen haben, behandelt (Referat Ing. Tscherniakow, Warschau) und hat die Notwendigkeit an er- «nnt, Schulwcrkstätten und ein Lehrerseminar für Ar- ״eitsschulpädagogcii in den Volksschulen zu errichten. We Sektionen für die Nadelfhcher und für Holz- und Mallbearbeitung haben eine Reihe spezieller Referate wandelt und zwar: Programm- oder Bcstcllarbeit (Ing. tssorodobrey Warschau), Lehrwerkstätten für das «adelfacli (Abrainowitsch, Wilna), innere Betriebs- ®fganisation der Lehrwerkstätten (Ing. Goschansky, ,JnxlDo), und haben verschiedene grundsätzliche Ucschlösse, die auch für andere Fächer von Bedeutung sein *erden, angenommen. — Insbesondere ist hier zu er- »ahnen, daß man sich im allgemeinen gegen die Lohn- ׳ahlung^ an Schüler ausgesprochen hat und für eine Unterstützung der hilfsbedürftigen Zöglinge durch spezi- '!te Hilfskomitees unter Kontrolle der Schule war. Sehr heftige Meinungsverschiedenheiten traten in der Tage der Errichtung von Le h rl i ng s - F ii r so rg c - 1״stitutionen auf (Referat Kagon, Wilna). Die watung hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, daß P? .System der Ausbildung von Lehrlingen in Privat- ״«neben in keiner Weise den modernen Bestrebungen f'achbi!dung entspricht, aber indem sie die Tatsache ®erkannte, daß die Ausbildung junger Handwerker und whciter sich nach wie vor zum größten Teil in Privat- . y°'lziehen wird, hat die Beratung mit Stimmen- TOnriieit für richtig befunden, daß diejenigen Institut!- Jvn• e sich mit professioneller Bildung überhaupt bc- ®»uigcn, 1*'־111י׳ die Aufgabe übernehmen sollen, die ־!,betriebliche Ausbildung von Lehrlingen zu regufaen und zu verbessern. 10 1׳־e Präge der Ausbildung von Instruk- ,, r professionelle Bildung ist nach 3'*Sememen Referat (Dr. Erwin Kohn, Berlin), Die 0er besonderen Kommission behandelt worden, iähri״ es?1!u"on dieser Sektion, die im wcscntiidicn eindunmj 60,״retisch-tedmische und pädagogische Ausbil- UnrUf*Jör '״struldoren an den größeren Plätzen des «enommai wurcle von 4*6,י einstimmig antcJ211** ״g auf technische Literatur (Referat Ja- ״ls_H"sl()\..WUna), wurde beschlossen, aaß die HernofL,t^1-von Jiddisch-technischer Literatur einen durchaus der Bestandteil der Tätigkeit auf dem Gebiete KdunrU essi° oe"en ®*düng darstcllt. Die Beratung hat J ״aß vorwiegend praktische Handbücher für toklt1nLCI*cr u״d Arbeiter, und Fachbücher für Fach- Ei״MnÄta״cn herauszugeben sind. Fra״»"a ™PP0 delegierter auf der Beratung hat die fessj״»״״ r ״gesellschaftlichen Organisation der pro- Vor״;״״ ®'düng in Polen angerührt Nach ihrem S'notnm wur(*f einstimmig die folgende Resolution aneines ״d*e. Beratung anerkennt die Notwendigkeit auf Jr«a"'satorischen Zentrums, das die ganze Arbeit leitet, und das in sich die Tätigkeit der einzelnen Organ!• Hationen auf diesem Gebiete vereinigen soll.“ Da die Teilnehmer der Konferenz sich vorwiegend aus Schulleitern. Lehrern, Instruktoren zusammensetzte, konnte die Konferenz nicht die gesellschaftliche Aufgabe auf sich nehmen, ein solches organisatorisches Zentrum unmittelbar zu schaffen. Aber die Beratung darf als wichtiger Schritt auf dem Wege zur Vereinigung der verschiedencn Strömungen auf dem Gebiete der jüdischen professionellen Bildung im Osten betrachtet werden. — Abgesehen davon war die Konferenz auch dadurch bedcutungsvoll, daß zum ersten Mal in breitem Maßstab alle speziell-technischen Fragen der jüdischen professioncllcn Bildung behandelt worden sind, und daß man sich aut diese Weise mit der ganzen Summe von Erfahningen ausciiiandcrsetzen konnte, die ln der Vor- und Naclikncgsarbelt auf diesem Gebiete gemacht worden sind. Die Resolutionen der Beratung erscheinen in nächster Zeit in Form einer Broschüre, in einem späteren Zeitpunkt werden alle Materialien der Beratung publiziert werden. Handwerkliche Cfaaluz&usbildung Von Max Epstein, Elberfeld Vor allem ist es nötig, klar und deutlich Ziel und Richtung unserer Arbeit zu erkennen und festzustellen. Drei Faktoren sind es, die das Ziel unserer Vorbereitung und damit diese selbst bestimmen: 1. Erez-Israel mit seinen wirtschaftlichen, technischen und energetischen Verhältnissen 2. Das Bild, das wir von dem Aufbau Palästinas und dem dortigen Gemeinschaftsleben haben Der dritte Faktor, der bestimmend auf die Berufswähl wirkt, ist die Berufsschichtung unseres Volkes bzw. der Mangel an bestimmten Berufen; diese Ersdiciming ist eigentlich die Voraussetzung unserer Berufswahl. Was die teclinischen und ökonomischen Gegebenheiten Palästinas angeht, so läßt sich, ohne auf Einzelheiten einztigchen, sagen, daß augenblicklich die Situation drüben noch sehr primitiv ist und alle Voraussetzungen für moderne, maschinelle Betriebe erst geschaffen werden müssen. Warm und in welchem Umfang das geschehen wird, läßt sich jetzt noch nicht absehen. Nur soviel erscheint sicher: sowohl die mangelnden Vorbedingungen rein technischer Art, als auch die Fragen der Rohniaterialienbcschafhuig und des Absatzes werden einer baldigen nennenswerten Industrialisierung hindernd im Wege stehen, und somit ist die Ausbildung als Arbeiter in irgendeinem Zweige der Industrie vorerst nicht erforderlich und auch nicht wünschenswert. Dagegen werden d i e Gewerbe, die irgendwie mit dem Aufbau (Wohnungsbeschaffung, Kultivierung des Boden® und Schaffung von technischen Möglichkeiten) und der Befriedigung der Augenblicksbedürfnisse zusammenhängen, d. h. also vor allem sämtliche Handwerker- und Baubcrufe, sofort und in immer steigendem Maße benötigt werden. Das zweite wesentliche Moment, das die Richtung ■unserer Galuthvorbereitung festiegt, ist abhängig von den Vorstellungen, die wir von einem zukünftigen Wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben in Palästina haben. Auch hier will ich nur kurz einige Linien aufzeigen, da es mir nur darauf ankommt, auf Selbst- Verständlichkeiten aufmerksam zu machen, die allzuoft nicht beachtet werden. Wir sehen in der landwirtschaftlichen Kolonisation die Grundlage eines gesunden Palästinaaufbaius. Das bedeutet für jeden, der ein gewerklichcs Fach ergreift, — er mag zur Frage der Einzel- oder Oenossenschaftssiedlung stehen, wie er will —, daß er als regelrechter Handwerker (Handwerker im Gegensatz zu Industriearbeiter) hinübergehen muß. Stets ist der Handwerker ein mehr oder minder notwendiger Bestandteil der agrikulturcllcn Siedlung, aller selbst für etwaige industrielle Ocnosscnschafts■* arbeit ist die rein handwerkliche Vorbereitung sicherlieh die beste. Ganz allgemein scheint die Ausbildung als Handwerker geeigneter für unsere Menschen, da, bei der bei uns in der Regel herrschenden geistigen Regsamkeit und den Ansprüchen in intellektueller Hinsicht, die eintönige, mechanische, immer gleiche Arbeit des Industriearbeiters auf die Dauer nicht befriedigen kann. Es mag sein, daß man wie M. Goldschmidt in seinem Aufsatz in den Blau-Weiß-Biättcrn sagt, auch der maschincllcn Industriearbeit angenehme Seiten abgewinnen kann; das trifft aber bestenfalls nur für einzelne zu. Im allgemeinen glaube ich an!« meiner Erfahrung sagen zu können, daß unsere Menschen nie längere Zeit Maschinenarbeiter sein werden, ohne an ihrer Arbeitsfreude, Ihrem Arbeitsvermögen und ih •er menschlichen Persönlichkeit Schaden zu erleiden. B*i allem Unschönen, das auch jedes Handwerk mit siet bringt, kann man in einem Handwerk wirklich eine■» sinnvollen Beruf für sein Leben finden, in der Industrie dagegen scheint es mir außerordentlich schwer, Bindungen und Beziclumg zur Arbeit zu crhaltea Doch davon völlig abgesehen, schafft die 11 andwerkliche Ausbildung für das Land und den einzelnen die besten Möglichkeiten. Das wird sofort klar, wenn man Handwerks- und FabrUcbctrieb gegenüberstellt und auf ihre Arbeitsweise untersucht. Che industrielle Arbeit ist durch die Herstellung eines Produkts —־ oder auch mehrerer engbegrenzter charakterisiert, wobei selbst bei kompliziertem und mannigfachem Herstellung»־ prozeß, der einzelne nur bestimmte Sondergebiete bearbeitet, Wirkungskreis und Arbeitsmethoden des Handwerkers dagegen sind stets vielseitig. Das zeitigt notwendigcrweise beim Industriearbeiter eine Höchstleistung auf einem bestimmten Gebiet und ein völliges Versagen anderen, allgemeinen Notwendigkeiten gegenüber. Das Umstellen auf andere Arbeitsgebiete, die aus dem Kreise seiner früheren Tätigkeit fallen, ist ihm schwer, und er muß quasi eine neue Lehrzeit durchmachen. Den Handwerker jedoch zwingen die, variablen Ansprüche, die an ihn gestellt werden, alle Gebiete seines Faches zu kennen und möglichst gut zu beherrschen. Die mannigfachsten Aufgaben schärfen seinen Blick für die raktischcn und ökonomischen Notwendigkeiten. Jede ituation muß von der richtigen Seite erfaßt und mit *־'־iiirums, uas ine ganze /\rum 1 oiiwauv» mwu *v«•!« *״ י«® Gebiete der professionellen Bildung rationell geringstem Kraft״ und Materialaufwand gelöst werden. Innerhalb seines Faches darf cs nichts geben, das er nicht irgendwie bewältigen könnte, imd zwar häufig mit ganz primitivem Werkzeug und unzulifhglichen Mitteln. Der Industriearbeiter, der ganz auf seine Maschinen eingestellt ist, tn u ft bei den meisten Anforderungen! die aus dem engen Gebiet seiner Maschine heraus-! fallen und ohne gute Hilfsmittel erledigt werden müssen, versagen, da ihm jegliche Schulung in dieser Hinsicht fehlt. Ein weiterer Fehler der Industricausbildung ist die trotz der Wirtschaftlichkeit des Betriebes an sich, unrentable und unökonomiiichc Arbeit des einzelnen Arbeitcri, Während der Maschincnarbcitcr oft Arbeit»- mittel und Material mit großer Geringschätzung behandelt, trachtet der Handwerker danach, den kleinsten Abfall zu Verwerten. Die Arbeitskraft wird in der Fabrik vergeudet, da die Arbeiter jeder Leistung, die über ein Minimum hinausgeht, feindselig gegenüberstehen. Arbeiten überhaupt und praktisch arbeiten kann man nur im Handwerk lernen. So ergibt sich, daß für uns die Ausbildung als Industriearbeiter sinnlos ist. Selbst wenn bald eine Industrie erstehen sollte, wird diese für die erste Zeit nie derartig spezialisiert sein, daß sie so einseitig« Arbeiter benötigte, wie sie in der deutschen Industrie herangebiidet werden. Handwerklich geschulte Kräfte werden durchaus für solche Betriebe genügen (ganz abgesehen davon, daß es nicht dem Sinn unserer Ein- Stellung entspricht, Palästina mit Industriearbeitern zu versorgen). Das Ziel unserer Vorbereitung kann mir da9 sein: Menschen zu schaffen, die bei glänzendster Fachausbildung fähig sind, alle Anforderungen, die an sie herantreten, mit den primitivsten Hilfsmitteln unter bester Materialausnützung in ökonomisch und technisch einwandfreier Weise zu bewältigen. Chaluzwoche In Polen. Die Organisation de! Chaluz in Polen hat im ganzen Reiche eine Chaluzwoche organisiert, die in den einzelnen Bezirken zu verschiedenen Zeiten abgehalten wird. Im ganzen ist die Zeit vom 12. Adar, dem Todestage Josef Trumpeldors, bis zum 20. Nissan dieser Arbeit gewidmet In den einzelnen Städten wurden Lokalkomitees organisiert, die mit der Vorbereitung betraut and. Die Chaluzorganisation hat sich mit der Abteilung des Palästinaamts dzw. mit den darin vertretenen Arbeiterparteien in Verbindung gesetzt, um die ganze Aktion gemeinsam durchzuführen. In einzelnen Orten wurden bereits beträchtliche Erfolge erzielt Die Jüdischen Minderheitsrechte in Wilna Wilna, 19. März. (W. M.-Z.) Der derzeitige Leiter der regierenden Kommission in Wilna, Oeneral Mokrzycki, erklärte in einer Konferenz nlit den Vertretern der jüdischen Presse, daß eine Verstaatlichungder jüdischen Sc 11 ulcnbevorstehe. Gegenwärtig hat das Departement für das Bildungswesen in seinem Budgetpräliminare für das erste Schulsemester dreißig Millionen Mark zur Subventionierung der jüdisehen Schulen und Wohlfahrtsanstalten bestimmt. Diese Summe gedenkt das Departement auf die philantliropischen Institutionen, die allgemeinen und fachlichen Schulen zu verteilen. Bezüglich der Sicherung der Minderheitsrechte erklärte General Mokrzycki, daß hn zukünftigen Gebiet von Wilna jeder Bürger ohne Unterschied im Vollgenuß der bürgerlichen Rechte und Freiheiten stehen wird, so daß es nicht notwendig sein wird, die sögenannten Minderheitsrechte sicherzustellen. (1! Die Red. d. ״J. R“) Auf die Frage wegen der nationalen Autonomie für die Juden und ihre eventuelle Anerkennung im zukünftigen Wilna oder in der zukünftigen Wilnacr Wojwodschaft erklärte der General, daß diese Frage noch nicht aktuell sei. General Mokrzycki nahm auch Stellung zu der vom jüdischen Minister Dr. Soloweitschik auf der letzten jüdischen Gemeindetagung in Kowno gemachten Aeußcnmg, daß die Juden in einem polnischen Wilna sich niemals werden national frei entwickeln können. Der General erklärte, daß die polnischen Behörden in einem polnischen Wilna niemanden unterdrücken werden, was er jetzt feierlichst versprechen könne. Eine Erklärung Take Jenescus Ober die Fotderungen der rumänischen Juden Bukarest, 16. März. (J.C.B.) Take Jonescu präzisierte in einer an den Reichsverein der rumänisehen Juden gerichteten Deklaration seinen Standpunkt in bezug auf die jüdischen Forderungen. Ich glaube, führte Jonescu aus, daß die Inartikuliening des 7. Artikels des St. Qermainer Friedensvertrages in die Verfassung keinen wesentlichen Wert besitzt, da Rumänien im Artikel 1 dieses Vertrages anerkannte, daß die in den Artikeln 2—8 festgesetzten Prinzipien als fundar mentale Gesetze Rumäniens zu gelten haben. Dieser Abschnitt ist also mit einem Konstitutionsartikel gleichwertig, um 90 mehr, da eine Verfassung einseitig geändert werden kann, was bei einem übernationalen Abkommen nicht der Fall ist. Selbstverständlich lehne ich die Inartikulicrung nicht prinzipiell ab, behaupte aber, daß dieser Abschnitt keine größere Bedeutung dadurch erlangen wird. Hingegen ist die gesetzmäßige Zuerkennung eines jüdischen Charakters der jüdischen Gemeinden überaus wichtig, denn nur auf diese Weise könnten die jüdischen Gemeinden ihre charitative Arbeit vollführen. Der Staat hat auch die Pflicht, die jüdischen Schulen zu unterstützen und ihnen den Unterricht durch Subventionen zu ermöglichen. Bisher ist der Staat die Subventionierung schuldig geblieben, mm müsse er seine Schuld bezahlen, um ■o mehr, als sonst die Lasten des Unterrichtswesens ganz auf den Staat zurückfallen würden,