Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1922)
- Date
- 1922-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 151 »rtmwtngcj ««»Ol |1(S »ci11schaflt״ fimll selbst, ich« Recht״ e1״ Vopbi](j ic Siciiiinj, i in Bche^ öde!־ »r, daß *!ic Ich׳ auch in 1 in Tran^ edlnn״ be* ifttidie und Privatkönne die ic״. Wenn a zunächst fürde auch ist etwas, »gen. Mit st inaarbeit iciie prin- : der Auf- :foständigr er/eugung ז Art der ürd. losenblaft, er boden- g“ im . demnächst jüdischen Arbeitergruppen in Bearbeitung!:^n wird. 2 bis 3 °/0 der Mitglieder der ״Commonifcäith“ werde״ selbst als Landwirte nach Palästina .ehe®■ * jm Verlauf des weiteren Gesprächs betont Herr jj,,5enblatt insbesondere die große Notwendigkeit der Hypothekenbank. ו׳ glaubt, daß ein solches Institut nicht nur außer- ",jciiliich zur Belebung von Landwirtschaft und ln- ',j'tfie beitragen kann, sondern auch ein ökonomisches I1׳.jjn1n1enarbeiten mit den Arabern fördern würde. Herr j,Vcnblatt wird dafür cintreten, daß alle Arbeit auf eine j-ing ökonomische Grundlage gestellt wird. Der Keren!Iitssod soll. ״1״ öffentliche Arbeiten usw. zu ermög- 1!,ei», nicht Subventionen geben, sondern Darlehen an;c Muni/ipien gegen die Verpflichtung, eine bestimmte khl jüdischer Arbeiter zu beschäftigen. Die Frage ^landwirtschaftlichen Siedlung soll entpolitisiert und rein sachlich experimentell betrachtet Verden. Z. B. sollte ein Experiment mit einer Kwuzah ,macht werden, der man alles Geld und beste Be- :igungen gibt und die aus den besten Menschen be- :tht, um an den Resultaten wirklich das System auspibicrcn zu können. Roscnblatt glaubt, daß nur eine Kombination von individualistischer und genossen Schaft-;der Betriebsform erfolgreich sein d&rl'te, also etwa das Schema des ״Moschaw Owdim“. Eine der wichs־tcn Bcschfiffigungsmöglichkeiten für die nächste Zulauft sieht er im Häuserbau. Im allgemeinen betrachtet Herr Roscnblatt die Lage eptimistisch. Wir haben aus der Unterredung den Eindruck gewonnen, daß man seiner Tätigkeit in der palästiiicnsischen Leitung mit großen Erwartungen entgegendien darf.!übte ich, Boden- |Urch die , ich von der polilieh, eine fr Aktion ie Araber bin über- (lenpreise ,eise, die!r Boden V York, aftel des Arabern 1ssischkin i Hi unter!alte das:!ein Ver-!sächlich, ' besitzem j ir haben j Ir sollen Wir den ttu Wir lind den litzender!senblatt, fehörigon! •ben hat!ן so über m Sdiritt »er sein!1! Juden t; Jüdische Arbeit in Kanada, Die Exekutive des lanadisch-jüdischcn Kongresses setzte eine Spczialkommsion zur Ausarbeitung eines Planes liir die Schaffung lincs besonderen jüdischen Schulsystems in Kanada ein Die Exekutive entsandte auch eine Abordnung an die Regierung zwecks Verhandlung über die Fragen der jii.'.iran Einwanderung nach Kanada. Im Januar wandert״! ach Kanada ■1S3 judisclic Emigranten ein. Ein Jude amerikanischer Obcrrichtcr. In uslüngtoiver poütisdien Kr.iscn erwartet man die Er- :aaung des jüdischen Kongreßmannes Siegel zum '.:>3'd«l des amerikanischen Obergerichts an Stelle des 'ti.iercn ()ixriiehters Julius Mayr. Koiv^rcßniaiui N1;׳d ist bekanntlich Mitglied der Einwanderunmskom- »״ des amerikanischen Kongresses und ein‘heiße» tapfer für die freie Einwanderung in die tercimgten Staaten. In jüdischen politische! Kreisen s™ erwartet, daß nach dar Ernennung Mister Siegels wm Obcrrichtcr ein anderer Jude, 1.1 die Eiinvandcmgskommissian entsendet werden wird. (J. C. B.) Eine amerikanische Automobi gesellschaft füi ».astina. In New York wurde eine Gesellschaft zui wbesserung des Automobilverkehrs in Palästina durcl «״ Import guter Automobile und Automobilbestandteil( «Stundet. Das Aktienkapital beträgt vorläufig 10J 00t War und es wurden bereit! größere Bestellungen be Co. gemacht. Der erste Automobiltrans ^P1'^ nac‘' Palästina abgeiien. Diese Ge Jscliatt fuhrt ae.i Nainen Palestine-Motor Co. und zähl Pcr} ״.e!) Mitgliedern eine Reihe angesehener ameri J* *״fcch-jud1sd1cr Kaufleute, darunter auch Spezialistei ״ AutomobilfacJie. : ©oscr Haß exist ert nidit. ״Judas hat Christus vc iiuit sagen Kinder oder Betrunkene; das Volk i V.er.fV bl. ^,״־ Ka־ernen, im sibirischen Gefängnis 11;!V V ”|cn>31s die Juden wegen ihrer Religion od( ff religiösen Geb-äudic angegriffen oder verspotte .r ucr ciafadie Russe begreift nur zu gut, daß di c nidit mit ihm essen will, daß er ihn verabschet V 1•'I1 meidct, soviel er nur kann. Der Russe ist nid ,•fsnkt, entschuldigt ihn, sagt: ״das tut er, weil ( In* C.1״Cn. 0]aube34י* ״“• Wie würden umgekehrt d .,nh *1■1™ein, wenn sie in der Ucberzahl wären? E ii * >cm Yorurtcils.vollcr Haß .gegen die Juden, ni ja! 1 n,'Pafb'c: ״dodi beruht diese Abneigung nid •t»i[*\C,KT׳ncm Passen- oder Rcligionsliaß, sondern ai Ll',sc,n Tatsachen, an denen aber nicht das russisch *5"uld ist, sondern der Jude selbst.“ :1r ” Tatsachen.“ Die Juden haben währen hin! .Kt‘°“lcbstc!1 tausendjährigen Verfolgungen eine *"ן a s,3.tu aufrechterhalten. , Kein Vorwurf, nur K01 ssn ״״/\.cblcr Tatsache. Seine Kennzeichen: die b;tsrtuUl0,3cn erhobene Absonderung und Al Wrh ssf,,cit .v0״ allem, was nicht Judentum ist; Ui יי dertty 1״deren Völkern; Glaube, daß! ' die!ן nur e‘״ emsige* persönliches Volk gil Völker k״ ~ ut,d die Ucberzcugtmg, die andere *»den S0..bcban<!e'a *u müssen, als ob sie nicht vo »ibiiLCt1i»W׳zVCn ’ unc* nacb c'ncr Reihe von Sätzen, d ״־ verfi •״' a*e Vüriäuschen: ״Glaube an all das, w c!!!«!mjCl Jcn '»zwischen aber lebe, verachte, beul |latU3! erwarte“. ״Das ist die Quintessenz diese |und p״h 1 u' Al|ßerdcm gibt es natürlich noch innci Qi V™ Gesetze, die diese Idee lebendig erhalten, dieser 11 C •^udcn erhalten; der religiöse Charakt« l“ltl'öe'lc!. 1 b3t das Ucbcrgewtcht: ״es ist gar 10, ltlJ .' Sl£h einen Juden ohne Gott vorzusteliei *'׳ ״ r Staube auch nicht an gebildete jüdisch! Bauer )essert I^1eilten• 1!'* ו• ■——— ׳.,■.. juui,! ,יי« der W o S'n^ s‘e €'ncs Wesens, und Gott wc ^steht!« nu v?n ^er JÜJisehen Intelligenz noch 1 «gen hfi״.״ cis: 318 Kind habe er oft von Juc w'teder n SIC wan;eten alle auf den Messias, der * Jerusalem führe; deshalb zögen sie c .IIDJ1P5 iia DScrllit Wir haben schon kurz über das zionistische Meeting berichtet, das am 19, d, M, in Berlin stattfand. Wir geben nachstehend den Inhalt der Reden wieder. Herr Rosenblatt, der englisch sprach, drückte zunächst sein Bedauern aus, daß er in einer fremden Spradic sprechen müsse. Er überbrachte die Grüße der amerikanischen Zionisten und betonte, daß eine intime Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ländern bestehen müsse und daß er sich freue, durch seine Ansprache den Kontakt zwischen den amerikanischen und den deutschen Zionisten zu erneuern. Jede zio- »istischc Gruppe habe ihre besondere Bedeutung und be&onderc Aufgabe. Wir alle zusammen haben die ungeheure Aufgabe, ein Land aiufzubauen, und wir haben als wichtigstes Mittel hierzu ein Bcstcucrungssystcm eingeführt in der Institution des Keren Hajessodv Amerika hat die Bedeutung des Keren Hajessod begriffen und ebenso Deutschland. Berlin und New York reichen sich die Hand und verbinden sich zu der gemeinsamen Erziehungsaufgabe, das ganze jüdische Volk zu dem Gedanken des Maasser für den Keren Hajessod zu erziehen. Die kurze Ansprache Rosenblatts wurde lebhaft akklamiert. Hierauf ergriff das Wort der zweite Redner, Dr. Soloweilschik, Kowno Viele Jahre hindurch war die jüdische Gesellschaft von dein Gedanken erfaßt, ob das Judentum als solches noch eine Zukunft habe und ob dem Judentum die Möglichkeit der weiteren Entfaltung seiner schöpferischen Kräfte gegeben sei. Dem stand die Idee der Assimilation entgegen. Jahrzehnte hindurch hatte die nationalc Idee im Judentum mit der Idee der Assimilation zu kämpfen. Es wurde die' Frage aufgeworfen, welche von den beiden Kräften die Oberhand gewinnen würde, ob die soziale Kraft der Umgebung, der assimilierende Wille oder die dein Judentum innewohnende Kraft, die schöpferische Kraft des Judentums die Siegerin in die em Kampfe bleiben werde. Und dann, an dieses Haupt- Problem anknüpfend, gesellte sich eine ganze Schar von Problemen. Ob es wertvoll sei, daß das Judentum in seiner nationalen Art bestehen solle, ob cs der Mühe wert sei, dafür zu kämpfen oder ob vielleicht der daseinsmüde Jude, das vielgemartcrte jüdische Individuum im Ozean der Menschheit sich auflöscn* seine ewige Ruhestatte finden solle. Es waren Probleme der Wertung. Und diese Probleme der Wertung haben viele jüdische Köpfe und viele Teile, vielleicht sogar Schichten der jüdisehen Gesellschaft im Osten und Westen Jahre hindurch beschäftigt. Und im Laufe der Argumentation pro und oontra um diese Probleme herum drang immer mehr in den Vordergrund der Faktor, den wir durch unseren nationalen Willen geschaffen haben, der Faktor des aufblühenden jüdischen nationalen Lebens in Erez-Israel. Und Erez-Isracl wurde mit in diesen Ideenkampf hineingezogen. Es hieß, es wird einerseits die nationalen Kräfte stärken, indem wir ein Zentrum des nationalen Judentums schaffen, andererscits wird cs den natürlichen Prozeß der Assimilation erschweren, dem» es wird uns der Welt als eine Nation in ihrer höchsten Entfaltung zur Erscheinung bringen. So wurde das werdende Palästina ein Faktor in diesem Ideenkampfe, und mm fragte es sich, ob das Tempo Handel mit Gold und mit allem, wa9 sich schnell in Gold verwandeln läßt, aller Arbeit vor, um nicht durch den Ik itz, an das Land Fremder gebunden zu sein! Trotz dieses Status in statu muß alles, was Maischiidikeit und Gerechtigkeit verlangen, für die Juden getan werden. Aber würden sie dann nicht besser dastehen als das rus.iichc Volk, das schon jetzt nur eine Klage hat: die Unbarmherzigkeit der Juden. Sic haben schon übergenug der Rechte über das russische Volk; sie haben es immer verstanden, gut Freund mit denen zu sein, von denen das Volk abliüngt. Ursache: Status in statu, Verachtung des Volkes Auch im übrigen Europa dürfte dieser status in statu kaum so unschädlich gewesen sein, wie es anfänglich scheinen mag: Triumphieren des Mateiialismus und Niedergang des Christentums: ״nidit durdi die Sdiuld der Juden, sondern durch jener Völker eigene Schuld, doch nichtsdestoweniger kann man and» in Europa auf einen großen Sieg des Judentums, das viele fridiere Ideen durch seine Idee verdrängt hat, hinweisen.“ ־ Also Sieg der Juden auf der ganzen Linie! Die ״Gegner“ sagen, die Juden, zumal in Rußland, seien arm. Aber sie sind Könige der Börse, ״der Jude handelt mit fremder Arbeit“. Die reichen Juden erobern immer mehr die Herrschaft über die Mcnsclihcit und streben immer eifriger danach, der Welt ihr jüdisches Antlitz aufzudrücken. Gut oder schlecht? Nicht darum handelt es sieh; war etwa James Rothschild ein schlechter Mensch? ״ich spreche doch nur im allgemeinen vom Judentum und von der jüdischen Idee, die die ganze Welt ergreift, an Stelle des ״mißlungenen“ Christentums “ Doch es lebe die Brüderlichkeit! Alles, was die Gebote Christi fordern, muß für die Juden getan werden. Aber die Hindernisse sind von seiten der Juden größer als von seiten der Russen: die Juden haben Vorurteile gegen die Russen, sie sind hochmütig. Brüderlichkeit beiderseits ist erforderlich. Aber das jüdische Volk muß sich der Rechte, die man Ihm cinräurnen wird, so bedienen, daß die eingeborene Bevölkerung nicht darunter zu leiden hat der Entstehung des jüdischen Staa׳tswcscns in Palästina so schnell gehen wird, daß wir der Assimilation mit Kraft und Energie werden entgegenarbeiten können. Tk׳r Wandel der Zeiten, die historischen Ereignisse der letzten 7 bis 8 Jahre, haben dieses ganze Problem in ein ganz anderes Licht gerückt. Wir stehen heute vor einer ganz anders gearteten Wirklichkeit, auch auf dein Gebiete der Frage des jüdischen Seins. Alle Völker sind zum neuen Leben gerufen. Nationen, die keine nationale Existenz hatten oder deren nationale Existenz sich in ganz primitiven Formen äußerte, haben die Blüte des nationalen Seins, das Staatswesen, erreicht. Dem sozialen Problem, das auf die üe- Seilschaft auch im nationalen Sinne nivellierend wirkt, steht überall das Bewußtsein des nationalen Wesens und seines Wertes klar entgegen. Wir kommen ln ein Zeitalter der Verwirklichung der nationalen Aufgaben. Es ist heute fast keine Frage, daß dem jüdischnationalen Judentum nicht der Untergang droht. Im Gegenteil, auf der ganzen weiten Front des jüdischen Gemeinwesens sehen wir eine unerwartete Entfaltung nationaler Kräfte und die Assimilation als Ideologie ist tot Es kann heute niemand mehr ideologisch mit Begeisterung für den Untergang des Judentums kämpfen. Und nun bei dieser völlig veränderten Situation: Wie werden wir heute diesen werdenden Staat, das neue Palästina, einreihen? Seitdem wir Juden vor 19C0 Jahren uns von der Stätte unseres nationalen Lebens getrennt haben, verlief die Geschichte des jüdischen Volkes und die Geschichte des jüdischen Landes getrennt. Erez-Israef existierte weiter als Land, als Stätte verschiedener historischer Geschehnisse, und die Geschichte von Erez-Isracl, seitdem wir uns getrennt haben, ist ein sehr intercssantes Kapitel in der Geschichte des Orients, es ist aber nur in kleinem Maße unsere Geschichte. Das Land hat feine Geschichte durchgcmadit und kam mit in den Bereich der großen Geschichte Europas, allein ganz unabhängig von jenem Volke, das diesem Lande seine ewige Bedeutung gab. Und ebenso unabhängig vom Lande vollzog sich sozial und völkisch in diesen 2300 Jahren, von eisernen Gesetzen bedingt, die Geschichte des Volkes Israel während seiner Wanderung, unter dem Einfluß der Ereignisse, die im Galuth bestimmend auf die Geschichte des Volkes wirkten. Und mm vollzog sich das, was wir, wenn wir oberflächlich sind, Zufall nennen können, und wenn wo wir, wenn wir mystisch sein wollen, von einer Fügung sprechen. Diese zwei unabhängigen Ketten der Ereignisse, die Geschichte des vom Volke unabhängigen Landes uni die Geschichte des vom Lande unabhängigen Volkes trafen in einem Zeitpunkt zusammen, wo das Volk nicht mehr ohne das Land existieren konnte und wo das Land nach einem Volke, das es befruchten sollte, lechzte. Am Ende des 19. Jahrhunderts vollzog sielt dieses historische Wunder. Land Israel, Volk Israel, die gehören zus am men. Wir sind die Faktoren dieses großen Geschchens. Uns sind diese beiden Ketten in die Hand gegeben worden und von uns hangt cs ab, sie zusammenzuschmieden oder cs bleiben zu lassen. Wenn wir es nicht tun, dann liegt das Zusammenschweißen dieser beiden Ketten in unserer Vergangenheit und uns bedroht Den Abschluß der Schrift bildet ein Kapitel: Die Beerdigung des Alimensclien. Eine edle Jüdin schreibt dem Dichter vom Begräbnis eines Arztes, den alle liebten; Juden und Cbihten weinten an seinem Orabe; der Pastor und der Rabbiner sprachen. Ein einzelner Fall, wird man sagen. Aber steter Tropfen höhlt den Stein: diese ״Ailmenschen“ besiegen die Welt, indem sie sie vereinigen. Es sind nur sehr wenige solcher Menschen erforderlich, um die Welt zu retten, dermaßen stark nnd mächtig sind sic. ״Ist dem aber so, — wie soll man dann nidit hoffen?“ — So weit Dostojewskis Verteidigungsschrift wider den Vorwurf des Judenhasses. Zweierlei scheidet sie von anderen Pamphleten - denn sic ist ein Pamphlet, das zeigen schon die kurzen Umrisse — besonders von solchen unserer Tage. Einmal wohnt ihnen eine Kraft der Ucbcrzeugung i.ine, der die Ehrlidikeit nicht abgesprochen werden kann. Zweitens bemüht sie sich, selbst an den Stellen sdiärfsten Angriffs, vornehm und würdevoll zu sein und madit dadurdi die Lektüre erträglidi. Sie erweckt den Wunsch, eine ernsthafte Auseiuandcrsctzung mit dem Autor und seinen Motiven herbü/.ufiihren, wären nidit alle Gründe schon tausendmal widerlegt, um bei denen, die es hören sollen, auf 110 en Wilen oder taube Ohren zu stoßen. Dostojewsl i lebt nidit mehr. Der Judenhaß aber hat audi im überdauert. Nur fehlt heute dem größten Teile seiner Vertreter die Kraft der Ueberzeugung und die Vornehmheit der Gesinnung.־ Iin übrigen spridit die Schrift für sich. Sie ist auch heute, besonders aus den angeführten Gründet^, noch lesenswert Cie Argumentation Dostojewskis wird nicht agitatorisch streng durchgeführt, sie ist oft geradezu feiillctonistisd! gehalten; zuweilen sprunghaft, ist sie nicht einmal formal logisch einwandfrei. Neues hat sie nicht gebracht, und auch später hat man neues nicht hinzufügen können. Seine Lösung der Judenfrage, als literarischer Absdduß eines Buches vortrefflich, ist eine prakti!che Unmöglichkeit Eine Judennot als Menschheitsproblem, besteht, wie für keinen Antisemiten, auch für Dostojewski nicht