Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1922)
- Date
- 1922-03-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 108 -י Nr. 18 I M. *8 ־־-־-<! nr lakob Thon über die palästinensische Orthodoxie ״*« cnijv luden pic Erklärungen, welch« eine Abordnung orthodoxer unter Führung des liolländischcn Professors ׳ j|1an [relegeittücli des Besudics Lord Northdiffes * Palästina diesem abgegeben hat und die die Grundci״cr ausgedehnten antizionistischen Kampagne der tlieii ” 1 irischen i>rcssc weil sie die Möglidikeit für! der B0־"' Nachweis bieten, daß die palästinensischen Juden ״r" ׳ ' angcblidi gegen die Forderungen des ״extremen;jonismus" seien, haben unseren Mitarbeiter veranlaßt, M gerade in Berlin weilenden Präsidenten des National- (]cr palästinensischen Juden (Wand Leumi), Dr. jJ^ Thon, einige Fragen bezüglich des Charakters 45er 0rÜ1«foxcn Gruppen vorzulcgcn. Herr Dr. Thon!3b darauf folgende Information: y Angesichts der letzten Ereignisse ist es viclieidit (ohvctidfe. die in unseren Reihen manchmal herr- «liemic Meinung m zerstreuen, als ob wir jetzt einen Kunpf gegen ״die Orthodoxie“ beginnen müßten. Man ״ultdarum daran erinnern, daß die Orthodoxie Palästinas j ihrer überwältigenden Meiirheit durdiaus auf dein joden unserer Forderungen steht und den Aufbau Pajsiinas als jüdische Heimstätte wünscht. Diese Stirn!- uüfig ist in der Vergangenheit wicderliolt zum Ausdruck [(kommen. Als Weidmann «nit der ersten Zionist MBimission ivieh Palästina kam, hat sich das ganze pjlästincnsisclic Judentum einschließlich der Orthodoxie a ihn geschart und die Zionist Commission anerkannt. Dieselbe Stimmung zeigte sich später, als die amerikanitclie Kommission zur Befragung der palästinensischen tooDcening hn Lande eint rat. Der Kommission gehörte eine Persönlichkeit an, die Palästina aus früherer Zeit genau kennt und den judenfeindlichen Kreisen nahe- «11t. Diese Persönlichkeit versuchte cs, jiklisdie Eie* 1«nte hcranzuzichen, von denen sie sich antizionistische taiüerungen versprach, z. B. aus den der Alliance nahestehenden!Kreisen und aus dem alten Jisclunv. Aber dieser Versuch mißlang. Zu den feurigsten Für- (׳ircthern des jiidisclict* Ansprudis auf Palästina gehörte damals der greise Oberrabbiner Jacob Mcir, aber auch ier Rabbiner Sonnen fehl, der überhaupt als integrer, auch von Gegnern geachteter Mann und das Muster im thoratreuen Rabbiners im alten Sinne bezcidinet die zjo ,1, j, daß die!'Amerikas iatianaka! ieu über •dt Kali-; I der Gft.1 ißtn. Ein nach der föikermw lu Ehre״! tnd Wün! »sul teil die Dcks ine, daß; Bdcstens?! Massen- *: dit war. t für die J genaue Slegatioo ne!» mit!ilnimmt, und be- Iten B<* bn wird Woche!ren Ha-! i t z e r, ic Vor■ 1 Herr Agne in mit der «!den kann, hielt damals eine Rede, die ganz und! gar in nscrcm Sinne war. Eine undurchbrechbare Einheitstont hat sich auch in der Stunde der Gefahr gezeigt dircnd des Pogroms in Jerusalem im Frühjahr 1*520 «ad bei der Verurteilung JabotirHkys. Auch damals) nr die Orthodoxie vößig einig mit der jüdischen Geamtheit. Dies muß erwähnt werden, trotzdem cs eine Heine Oruppe Orthodoxer gibt, die jeder Organisation»• tetrcbung Widerstand leistet und in allen gesamt- ® jüdischen Aktionen als Störenfried auftritt. Diese kleine Oruppe ist jedoch fast belanglos und kein Kenner der fch de» 1 v«fhä!tnis!5e kann ihre Bedeutung überschätzen. Diese finippe hat die Begründung der vereinigten jüdischen!j Gemeinde in Jerusalem zu verhindern gesucht und hat rten dem gemeinsamen, alle bis dahin getrennten Ge-!908/14 | BfWcn umfassenden Waad Hair einen besonderen Waad 1,3 <y«.) iMtoasi gegründet. Dieselbe Gruppe hat sich auch der " teriafh Haniwcharim femgchaltcn, angeblich wegen des haucnwahlredhts, sie hat sich auch geweigert, die AutorS- 02,6 <y« .31 ®des gemeinsamen Oberrabbinats anzuerkennen. Dio 3,9 ja ö™Ppe wäre übcrluuipt bedeutungslos, wenn sie nicht 2,7 <ya || ®wehen Gegnern unserer Sache als geeignetes Instrcte»t erschienen wäre, um sic gelegentlich gegen uns Steige» iischc» »10/14 Skaijahr i *t oder rückge- )• Jude* ite der iber 45 je der ctriker, liervon Indier) jp h * * j.‘ zwar I!wäre» d nur uf die tsachukoste). isalem, letzten (entum selbst• ander• fand»• endete weiter, tinzige ie tra* kränge (eil htshof Mstig• j Pro- , also jmacirf tka 6» I, die prdcH Vor!rag Max Brod Am letzten Sonntag hielt Dr. Max Brod in Berlin Men Vortrag über die ״Erotik des Hohen Liedes“. ״ entwickelte die Grundzüge seiner jüdischen Welt- *uifassunfr, wie sie ausführlich in seinem Buch ״Heidenfr! ^,r1stCT1tum, Judentum“ dargelegt sind. Diese 3 *Wassung geht aus von der Scheidung alles mensch- T w 8®'«sals in ״edles“ und ״unedles“ Unglück, 1 **wi unter edlem Unglück das metaphysische, schlecht- ״» unbehebbare Leiden zu verstehen ist, während wir unedlem _ Unglück das endliche, in den mcnschwen Verhältnissen begründete und daher bei starker ™Spannung des sittlichen Willens behebbare Unglück!,«1״ haben. Das ״edle“ Unglück ist das Bereich; Dnade, das ״unedle“ Unglück das Bereich der iff zJlc^cn Freiheit Die großen Weltanschauungen PfhL Oesdhichte, Heidentum, Christentum, Judentum iJßh Sl* durch dieses Schema leicht auseinanderff‘ä.c'j1■. Das Heidentum mit seiner unbedingten Dies- R fPtag kennt nur das Reich des uncndlen Unk S*5• Das Christentum mit seiner Diesseitsverneinung ' lu 11 Unglück auf metaphysische Wurzeln zurück. I «Judentum hingegen kennt eien Unterschied, es weiß | q die Abhängigkeit des Menschen von göttlicher I £jUU? dort, wo die Grenzen der Kreatürliclikeit einen ’ltntH Menschen unmöglich und sinnlos rnadien;! a^cr bejaJit das Judentum das Diesseits und die Verpflichtung des Menschen, bis zum Letzten Mi• ■ *scr.u״ff» der Versittlidumg der Welt zu dienen. *ist ®ח Wunder widerfahren, darum will ich eine «irrt*״®Emdditung treffen,“ An diesem Talmudwort (v° Br°d das Wesentliche der jüdischen Wcltauffassung. Ver,14-״U® die jüdisdie Weltauffassung weiß, daß die ״ Qc״‘”'p,lnS der zwei Reiche, die Uebcrbriidcung des I AtMf?! nur durch ein Wunder möglich ist Aber die I! y dieses Wunders gehören dem Diesseits. 1 )ud ״*n״t darum dieses Wunder, das er für־ das 1 üj« n-m ®3•,3•*teistisch erklärt, das ״Diesseitswunder“. ikL 1^cds^und?r kt verwirklicht im Phänomen der Liebe ist jenes von allen anderen Gefühlen!Lii'f unterschiedene Gefühl, das nadi dem Un- | la strebt und doch ins Endliche verstrickt ist י edlem .?e2ncn wir einer völligen Durclidringung von j HobiiM11 < unedlem Unglück. Die Tatsache, daß das 1X1 trotz seiner nicht mißzuverstehenden Sinnlichauszuspiclcn. So liabcn z. B. gewisse Beamte, wie der Gouverneur von Jerusalem, Storrs, die SotKlerslellimfl dieser orthodoxen Gruppe auszunützen gesucht. Wie wenig es diesen Leuten gelungen ist, Bedeutung zu erlangen, erließt daraus!, daß dir von ihnen bekämpfte Waad Leumi sich durchgesetzt hat, und auch der Misrad llarabbanuth hat sich seine Autorität verschafft, dieser allerdings mit besonderer Unterstützung des High Commissioners und des Justizsekretärs Bentwich. Verderblich sind vx>r allein die Einflüsse, die von außen kommen und diese Gruppe zur Aktivität an* spornen. In diesem Fall scheint de Haan die treibendc Kraft gewesen zu sein. Dieser Mann ist ein nicht ganz ernst zu nehmender Sonderling, der schein* bar nicht immer volle Gewalt über sein Denkvermögen hat. Wir müssen damit rechnen, daß auch Leute dieser Art na di Palästina kommen. Er ist ein Mensch, den man nidit nach einem tiormalcta Maßstab beurteilen kann. Ich erinnere mich einer Konferenz wegen des Mischpath sclinlom, bei welchem sich de Haan gegen die Zuziehung des Rabbiners Kuk äußerte und sich in 90 respektlosen abfälligen Bemerkungen gegen den auch von Gegnern geachteten!Rabbiner erging, daß dies aUgcmeines Mißfallen hervorrief. Schon in der letzten Zeit hat sidi de Haan einmal politisch bemerkbar gemacht, und zwar als nach den Jerusalemer Ereignissen vom 2. November der ganze Jischuw gesdilossen die Abberufung Storrs’ verlangte, hat de Haan dem Gouverneur einen Sympathiebrief geschrieben. Ich vermute, daß bei der Hcrstcllunng der sonderbaren Beziehungen zwischen Lord Nortlvcliffe und ■ de Haan auch General Storrs vielleicht nicht ganz unbeteiligt gewesen ist, denn er war seinerzeit Korrespondent der ״Times" und hat daher Beziehungen zu Noitlidiffc. Daß de Haan sich zu einer derartig verräterischen Handlung mißbrauchen ließ, ist zweifellos eine unzurechnungsfähige Handlungsweise. Der ganze Jisdiuw, cinsdiließlicli der überwältigenden Mehrheit der Orthodoxie, steht jedenfalls andi heute noch auf dem Boden des Programms der nationalen Heimstätte. Es ist keim Zweifel, daß de Haan sich in Palästina vollständig unmöglich gemacht hat.“ Ini weiteren Verlauf des Gesprächs, das dann auf andere Gegenstände überging, äußerte sich Dr. Thon über seine Eunopareisc, Er hat bisher die Länder des Ostens besucht, um Interesse für den Bodenkauf zu wecken. Er bezeichnet den!Bodenkauf als eine der dringendsten jüdischen Aufgaben in Palästina. Tatsächlich gibt es jetzt große Möglichkeiten, und eine Reihe von Vorverträgen sind schon abgesdilossen worden, aber es fehlt das große Reservoir von Käufern, das vor dem Krieg im russischen Judentum vorhanden war. Damals konnte das Angebot die Nachfrage niemals befriedigen. Heute sind natürlidi für östlidic Juden die Schwierigkeiten des Bodenkaufs wegen der Valuta sehr groß, trotzdem erklärt Dr. Thon, er habe gestaunt, welches ungeheure Interesse sieh in allen Ländern des Ostens, besonders in ,Polen, für den Bodenkauf gezeigt hat. Wciwt dio Möglichkeit gefunden wird, den Reflektanten durch Kreditgewährung die Erwerbung zu erleichtern, so haben wir auch heute aus diesen Ländern mit einer großen Beteiligung zu rechnen. Auch in Berlin wird Dr. Thon versuchen, für den Bodcrtkauf durch die von ihm vertretene P.LD.C. Interessenten zu finden. Dr. Thon betonte zum Schluß, daß in Palästina jetzt alles Interesse auf praktische Arbeit konzentriert sei. Man hat erkannt, daß diese praktische Arbeit wichtiger ist als das Ausschaucn nach politischen Sensationen. Für die praktische Arbeit gibt es vor allem drei Punkte, den keit als Allegorie des Verhältnisses zwischen Gott und Israel gedeutet werden konnte, daß also das Judentum diese kühnsten Bilder aus dem Reich der Liebe nicht für unwürdig erachtete, ein Kleid des Oöttlidicn zu sein, dies ist Brod der stärkste Beweis für die jüdisdie Auffassung der Liebe als Diesseitsvvunder. Brod ging im weiteren Verlauf scine3 Vortrags auf das Hohe Lied selbst ein und erklärte die von ihm nach langer Durch« forschung des Textes gefundene Hypothese, daß cs sich in diesem Gedicht um eine revolutionäre, gegen den Ucbermut des Königtums gerichtete Dichtung haudelt Brod hat das Lied selbst durch Umstellung zu rekonstruieren versucht und ihm eine dramatische Form egeben, in weldicm der Liebe des Hirten, die Liebe es Königs gegenübergestellt wird. Das Mädchen Suiamith verziditet auf Glanz und Rciditum und flicht aus dem Königspalast, wohin sie geraubt worden war, zu ihrem Hirten zurück. Denn ״wollte ein Mann seinen ganzen Reichtum und all sein Gut geben für die Liebe, man würde Bin doch nur verachten“. Brod verstand es durch seine fesselnde Darstellung, das Publikum, das den sdiönen Saal des Theaters am Kurfürstendamm bis zum letzten Plätzdien füllte, durch!>/» Stunden völlig in seinem Bann zu halten. Er erntete reichen und verdienten Beifall. Am Abend vorher ging am ״Neuen Volksthcater“ Brods Drama ״Die Fälscher“ in Szene. Wir haben dieses Drama schon anläßlidi des Erscheinens des Buches (bei Kurt Woiff in München) an dieser Stelle ausführlieh gewürdigt. Der gcdanklidie Inhalt des Stackes gehört durchaus zu jenem Komplex, der Brod bei Abtassung seines religiösen Hauptwerkes beschäftigt hat. Der Präsident der Republik, der sich von seiner Partei aus seiner idealistisdi-schöngcistigcn Welt in jenen Posten hat drängen lassen, erkennt die Nichtigkeit und Verlogenheit aller Macht, die Unbehebbarkeit des edlen Unglücks und beschließt, durch eine Liebestat im kleinsten Kreise das Wenige zu tun, was einem einzelnen Mcnsdien zur Behebung unedlen Unglücks >7.u tun übrig bleibt. Der Gedanke' hat allerdings' keineswegs einen adäquaten dramatisdien Ausdruck gefunden, un 11 die Aufführung itn ״Neuen Volksthcater“ vermochte nicht, die guten Seiten des Stückes auf Kosten der schwächeren ins rechte Licht zu rücken. Der Hauptdarsteller, Herr Lange, gab den Barka zu ungeschlacht und ungeistig, während Fräulein Kanitz und Herr Lion oft den rechten Ton Kauf von Boden, die Hereinschaffimg geeigneter Mensehen Und die Schaffung Vom. Arbeitsgelegenheiten. Diesen drei Dingen müssen die Anstrengungen der Zionisten und PalisUnafrcunde auch außerhalb des Landes gewid• met sein. Die jüdische Autonomie in Lettland Die in Lettland wohnenden Minoritäten haben dem Parlament einen gemeinsamen Gesetzentwurf, betreffend die Autonomie für die einzelnen Minoritäten, übermittelt Der betreffende Entwurf wurde einvemehmlich separat von der jüdischen, deutschen und russischen Minorität in der Konstitutionskommission, in der diese Minoritäten durch ihre Abgeordneten vertreten waren, formuliert Wie bereits gemeldet wurde, hat das Parlament diesen Entwurf einstimmig zum Gesetz er• hoben. Der Entwurf der jüdischen Autonomie enthält vier Abschnitte, die 1. den Bestand und die Rechte der jüdischen Volksgemeinschaft, 2 die Organe der jüdischen Volksgemeinschaft, 3. den Haushalt der autonomen Institutionen und 4. die Stellung der jüdischen Volksgemeinschaft zur Regierung be• handeln. Sämtliche lettländischcn Staatsangehörigen jüdischer Nationalität bilden nach diesem Entwurf auf Grund des § 116 der lettländischcn Staatsverfassung zur Bcfriedigung ihrer national-kulturellen Bedürfnisse eine autonome jüdische Volksgemeinschaft öffent« lich-rechtlichcn Charakters. Die Zugehörigkeit zur jüdischen Volksgemeinschaft wird durch die Eintragung in den jüdischen Nationalkataster, welcher von den der jüdischen Volksgemeinschaft zu ernennenden und zu erhaltenden Beamten bei den örtliehen Standesämtern geführt wird, erwiesen. In den Kataster werden nur jene jüdischen StaatsbArger Lettlands eingetragen, die im Paß die jüdische Nationalität angaben und sich freiwillig zur jüdischen Nationalität bekennen. Falls ein jüdischer Staatsbürger Lettlands sieh zu einer anderen Nationalität bekennt, kann dessen Austritt aus dem Nationalkataster erfolgen. Durch die Zugehörigkeit zur jüdischen Volksgemeinschaft wird co ipso die Verpflichtung zur Erfüllung der Leistungen, welche die nationale Gemeinschaft ihren Angehörigen im Sinne der verfassungsrechtlich beschlossenen Autonomic aufcrlegt, übernommen. Die jüdische Volksgtmeinschaft ist als solche berechtigt, sowohl bewegliches als auch unbewegliches Eigentum zu erwerben, wirtschaftliche Unternehmungen, zu, grün-, den und zu führen, Verträge abzuschließen und vor Gericht als Klägerin und Beklagte aufzutretn. Nach diesem Entwurf umfaßt die Tätigkeit der autonomen jüdischen Volksgemeinschaft: a) das gesamte jüdisdie Schulwesen; b) die Gründung und Verwaltung von allen Einrichtungen, die der nationalkulturellen Entwicklung der lettländischcn Judenhcit dienen; c) die soziale Fürsorge für jüdische Volksgenossen, soweit eine solche vom Staate oder von der Kommune überhaupt nicht oder in ungenügendem Maße gewährt wird; d) die Fürsorge für die öffentliehen religiösen Bedürfnisse der jüdischen Volksgemeinsdmft mit Ausnahme der Erhaltung von Synagogen und Bethäusern. Als Organe der Autonomie funktionieren: Der Vo 1 ksrat mit dem Vorsitzenden, der Ausschuß fanden. Das Versagen der Regie aber, die eine merkwürdige Mittellinie zwischen Realistik und Phantastik cinhalten wollte, führte oft zu beinahe komischen Wirkungen, so z. B. in der improvisierten Hochzeitsszene des . 3. Aktes, in der der Redakteur sich plötzlich ein Priesterhemd anzicht, während der Koch schon mit dem Hoch• zcitsmahl bereit steht. Die Intentionen des Autors wurden jedenfalls durch diese Aufführung nicht rein zur Geltung gebradit. Das Stück fand starken Bei« fall, in den sich jedoch auch deutlicher Widerspruch mischte. -©־. BQcherschaa Prof. Dr. Gaston Raphael (Paris): Walther Rathenau. Seine Gedanken und Entwürfe zu einer Wirtschaft»• Organisation auf philosophischer und nationalökonomisclicr Grundlage nebst einer Biiitenlcse der fundaraen« talsten Thesen aus seinen gesamten Schriften, ln deutscher Bearbeitung und mit kritischen Anmerkungen versehen von Dr. Rudolf Berger. — Verlag Ernst Litfass* Erben, Berlin C 19. 15 M. In diesem Buch wird eine Zusammenstellung der Ideen Rathenaus von französischer Seite versucht, und zwar sehr geschickt und verständnisvoll, so daß in sieben Kapiteln wirklich das Wesentliche aus seinen Schriften in systematischer Einteilung wiedergegeben wird. Der Verfasser gibt zunächst eine Beschreibung des Werdeganges des aus bürgerlichem Stande und iü« dischcr Abstammung hervorgegangenen Präsidenten der A. E. G. und gegenwärtigen deutschen Außenministers, und vermittelt dann seine Gedankenwelt, die Anschau־ ungen über die ״Mechanisierung", das ״Reich der Seele“, die wirtschaftliche, sittliche, politisdie Erneuerung. Ra* hacl läßt dem starken etlnsdicn Pathos, das Rathenaus chriftcn durchzieht, volle Gerechtigkeit wiederfahren und läßt ihn in vielen Zitaten selbst sprechen, so daß das Buch beinahe den Charakter eines Ratlicnau-Brevieres erhält und jedem willkommen sein wird, der sich über die Anschauungen des jetzt so heiß umstrittenen Mannes orient/eren will, der über dem Drange gegenwärtiger Not niemals das geistige Endziel aus dem Blickfeld verloren hat