Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1922)
- Date
- 1922-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Exekutive der Zionistischen Organisation erläßt folgende Erklärung: In der letzten Zeit haben einzelne Zionisten und zionistische Gruppen, inbesondere in Frank• reich, Belgien und Holland, schwere Beschuldigeneen gegen die Leitung der Zionistischen Organiation erhoben. Die Exekutive hat cs bisher vemtieden, auf diese Angriffe zu antworten. I!n Interesse des Ansehens der zionistischen Bewegung und im Interesse der jüdischen Arbeit für Palästina kann jedoch nicht länger geduldet «rden, daß unwahre und verleumderische Be- Imiptungen über die Tätigkeit der Zionistischen Organisation und ihre Finanzgebarung verbreitet »erden. Wir haben uns daher entschlossen, vor der jüdischen Oeffentlichkeit diese Angriffe zurückzuweisen, indem wir ihr das nötige Zahlenmaterial unterbreiten. Her Jacobus Kann iin Haag hat in der ״Jüdischen Prcßzentrale“ in Zürich am 27. Januar 0, J. ein interview veröffentlichen Lassen, worin er behauptet, die Zionistische Organisation habe zu viele Beamte und zu große Büros, wir hätten heute ״einen Bluff- und Beamten-Zionismus, anstatt eine mächtige, ln die richtigen Bahnen gclenkte Volksbewegung“. Herr Kann behauptet ferner, daß für den Keren Hajessod eine ״tolle Propaganda“ geführt würde und daß ״die großen Gelder an Saläre und andere Kosten verschwinden, für ökonomisehe Arbeit bleibt nur wenig übrig“. Herr Dr. Max Nordau, Herr Dr. Alexander Marmorek und 25 andere Zionisten in Paris haben in dem offiziellen Organ der französisch-zionistischen Föderation am 23. Dezember 1921 eine Erklärung veröffentlicht, die dazu bestimmt ist, Mißtrauen gegen die Finanzgebarung der zionistischen Leitung und des Keren Hajcssod-Direktoriums herrorzurufen. Es wird in dieser Erklärung gesagt, daß der Keren Hajessod ״commence son travail par la Constitution d'une vaste bureaucratie, largement retribude, destinöc ä absorber le plus clair des fonds qui lui seraient confids“ (״seine Arbeit beginnt mit der Einsetzung einer großen hochbezahlten Beamtenschaft, die bestimmt ist, den größten Teil der ihr anvertrauten Oeldcr zu ab- *rbieren“). In dem Leitartikel des gleichen Or* gans vom 3. Februar heißt es ״que par le devc-!Opponent monstrueux de notre fonctionarisme Wal dans le sionisine est maintenant devenu la oourse effrende ä des emplois scandalcusement retribues“ (daß durch die monströse Entwichtag unseres Beamtenwesens das Ideal iin Zionis- ״us zur zügellosen Jagd nach skandalös bezahlten Posten geworden ist“), und weiter heißt es in dem gleichen Artikel ״que Pargent rccueilli ne doit l>as etre gaspille ca experiences sociales, en traitcwtrts inouis, en subventions ä des entrepriscs P enrichissent notre patrimoine national et for- Wient nos positions dconomiques en Palestine“ (״daß das gesammelte Geld nicht verwendet werden darf in sozialen Experimenten, in unerhörten Gehältern, in Subventionen an eine Wählerkund- *haft, sondern einzig und allein verwendet werden muß für Unternehmungen, die unser nationales bbe bereichern und unsere wirtschaftlichen Positionen in Palästina befestigen“). Die Zeitschrift der belgischen Zionisten pro- ״stiert in ihrer Ausgabe vom 30. Dezember 1921 1״gegen, daß im Actions-Comite ״un grand nombre de dccisions soit pris par des hommes d6- P™dants du tnouvement“ (״eine große Zahl von 1״*Scheidungen getroffen werde durch Männer, von der Bewegung abhängig sind“). Das ßlatt der französischen Zionisten entschuldigt in jemer Ausgabe vom 27. Januar das Fernbleiben J• Mannoreks vom Zionistenkongreß damit, daß /■ Marmorek schon im voraus an der Art, wie er Kongreß vorbereitet wurde, erkannt habe ״que ׳״ui ne sera qu’une parodie et que la voix de Opposition y sera gtouftee“ (״daß dieser nur ™ס Parodie sein und daß die Stimme der Oppo- 51"0וי erstickt werden würde“). Wir erklären hierzu folgendes: ' J* Wir protestieren gegen die Beleidigungen? Beschuldigungen, die ohne jede sachliche Be- Rundung gegen unsere Beamtenschaft gerichtet Ofden. Es ist charakteristisch, daß diese Angriffe optsächlich von solchen Personen kommen, die für .vieIe” Jahren keinen Anteil an der Arbeit int01‘־* 1 ׳*ismus genommen haben. In der fran-!sehen Föderation, die sich unter Führung Dr. fuoreks fortgesetzt mit der Verbreitung wahr- 77ק o // ji!ןוךוז;זז. , LL ■ki. 4*1 A4 Am IIJ L*. heitswidriger Beschuldigungen gegen die Exekutive und ihre Beamtenschaft beschäftigt, ist seit vielen Jahren zionistisch fast nichts geleistet worden. Die französische Föderation hat im letzten Kongreßjahr 600 ׳ Schekel abgeführt. In denjenigen Ländern, wo 'rege zionistische Tätigkeit herrscht und die führenden Elemente ernste Arbeit leisten, sind die unerhörten Beschuldigungen der zionislisehen Beamten niemals erfolgt. Die Schwierigkeit, diese Angriffe zu entkräften, liegt nur darin, daß sie gewollt unklar und allgemein gehalten sind und niemals irgend etwas in bezug auf die Zahl Tätigkeit und Gehälter der Beamten mitteilen. Daß die Zionistische Weltorganisation Beamte haben muß, ist wohl unbestreitbar. Die Namen der Beamten und ihre Gehälter sind in dem gedruckten Finanzbericht an den XII. Zionistenkongreß mitgeteilt worden. Die Beamten sind weder übermäßig hoch bezahlt, noch ist ihre Zahl zu groß. Außer den Mitgliedern der Exekutive gibt es in Europa 15 Herren im ständigen Dienste der Zionistischen Organisation, nämlich die leitenden Sckretäre des Londoner Büros, die Leiter des Berliner Büros der Exekutive und den Leiter des Palästina- Amtes in Wien. Angesichts der vielfältigen und komplizierten Aufgaben politischer, finanzieller und Organisator»- scher Natur, mit denen die Zionistische Exekutive befaßt ist, kann die Zahl dieser Beamten nicht als zu groß betrachtet werden. Außerdem sind selbstverständlich Beamte in den zionistischen Institutionen tätig, wie z. B. im Jewish Colonial Trust, im Nationalfonds und Keren Hajessod und ferner in den zionistischen Landes- und Sonderverbänden. Auch die Zahl dieser Beamten ist nirgends zu groß. Die Behauptung, daß Beamte die Bewegung nach ihrem Willen lenken, daß wir einen Beamten- Zionismus anstatt einer Volksbewegung hätten, entbehrt jeden Sinnes. Die Zionistische Organisation wird geleitet von der vom Kongreß gewählten Exekutive. Die Beamten arbeiten unter der Kontrolle und nach den Weisungen der Exekutive. Niemals haben die Beamten Anlaß zu der Behauptung gegeben, daß sie die Bewegung ungebührlich beeinflussen. Der Kongreß ist völlig unbeeinflußt von der Exekutive und ihrer Beamten- Schaft aus freien Wahlen hervorgegangen. Unwahr ist auch die Behauptung, daß oppositioncllen Delegierten auf dem Kongreß das Wort abgeschnitten oder das Reden unmöglich gemacht worden sei. Die Wahrheit ist, daß gerade den Rednern der Opposition die größte Redefreiheit gewährt wurde. Unwahr ist schließlich die Behauptu!1g, daß im Actions-Comitö durch ״Männer, die von der Bewegung abhängig sind“ Entschei* düngen herbeigeführt worden seien. Das Actions- Comite ist vom Kongreß nach seinem freien Ermessen als ein Kontrollorgan gewählt worden und vereinigt in sich die Führer der größeren Landsmannschaftcn und Parteien. Selbst wenn darunter eine größere Anzahl von Personen wären, die als besoldete Beamte im Dienst der Organisation stehen, so könnte dies die Autorität des Actions- Comites nicht beeinträchtigen, weil seine Wahl durch den Kongreß erfolgt. Tatsächlich aber befinden sich unter den stimmberechtigten 25 Mitgliedern nur zwei im Dienst der Zionistischen Organisation tätige Herren. Diese beiden sind ehemalige Mitglieder der Exekutive, die durch Ihre langjährige Tätigkeit in allererster Linie darauf Anspruch erheben können, im Actions-Comite za sitzen. Das hat der Kongreß durch die Wahl dieser Herren anerkannt 2. Der Hauptvorwurf der Herren Kann, Marmorek und Genossen richtet sich gegen die Finauzwirtschaft der Zionistischen Organisation. Hier sind wir genötigt zu erklären, daß die genannten Herren und ihre Gefolgschaft in leichtfertiger Weise, ohne sachliche Begründung unge* rechtfertigte Vorwürfe erhoben haben, die zur schwersten Schädigung des Ansehens der Organisation .führen können. Sämtliche Ausgaben des Londoner Büros für Gehälter an Mitglieder der Exekutive, an die Sekretäre und die übrigen Beamten, für Miete, Büromaterial, Telegramme, Porto- Spesen usw. belaufen sich auf rund 2200 £ pro Monat. Hierzu treten noch Beträge für Reise und andere gelegentliche Ausgaben, sowie eine Subvention an das ״Gomitö des D6l£gations Juives“ im durchschnittlichen Gesamtbeträge von monatlieh 500 £; insgesamt sind das monatlich 2700 £. Ein solcher Betrag für die Verwaltungskosten der Zionistischen Organisation kamt keineswegs als zu hoch bezeichnet werden, er ist im Gegenteil gering. Die Zionistische Organisation hat jährlich Hunderttausende von Pfund zu kontrollieren, die durch ihre Kassen gehen, sie hat die Oberaufsicht über große Gesellschaften wie den Jewish Colonial Trust und den Nationalfonds auszuüben, sie ist dazu berufen, kolonisatorische Untemehmungen für Palästina zu gründen, politische Ver* Handlungen zu führen und endlich den Zusammenhang mit Hunderttausenden von Anhängern in der ganzen Welt aufrecht zu erhalten. Die Fülle und Kompliziertheit dieser Aufgaben kann mit den vorhandenen Mitteln und Kräften nur mühsam bewältigt werden. Wir sind selbstverständlich bemüht, unnötige Ausgaben zu vermeiden und werden immer bereit sein, Vorschläge, die sich auf die Verminderung einzelner Ausgabeposten beziehen, zu prüfen; aber es würde keiner Verwaltung möglich sein, die jetzigen Spesen wesent* lieh zu vermindern. 3. Von den für den Keren Hajessod gcsammelten Geldern wird kein Pfennig für die vorstehend erwähnten Ausgaben der Zionistischen Organisation verwendet. Diese Gelder sind ausschließlich für Palästina bestimmt und werden nur für palästinensische Zwecke verausgabt. Sclbstvcrständlieh verursacht die Einrichtung und der Ausbau eines so gewaltigen Sammelapparates, wie ihn der Keren Hajessod darstellt, Spesen, die aus den Sammlungen selbst gedeckt werden müssen. Die Spesen sind naturgemäß im Anfang bei der Einleitung der Propaganda, dem Aufbau des Sammelapparates, höher als sie voraussichtlich in der Zukunft sein werden. Wir geben nunmehr die Zahlen: Die gesamten Unkosten des Keren Hajessod einschließlich aller einmaligen und laufenden Spesen für bisher unternommene Reisen, sowie aller einmaligen und laufenden Spesen des Londoner Hauptbüros und der Abteilung für Zentraleuropa belaufen sich seit der Gründung des Keren Hajessod, d. h. vom 1. September 1920 bis zum 31. Januar 1922, auf rund 45000 £. (Ueber die Spesen der Landesbüros werden weiter unten Angaben gemacht. Die Kosten der in Nordamerika unter Führung von Herrn Sokolow tätigen Delegation werden von der amerikanischen K. H.- Verwaltung gedeckt.) Bei der Oründung des Keren Hajessod wurde von einigen Gesinnungsgenossen zur Deckung der ersten Propagandaspesen ein Betrag von 12 500£• zur Verfügung gestellt. Wenn wir diesen abziehen, so bleibt ein Betrag von 32 500 £, welcher aus den gesammelten Geldern für Spesen verwendet wurde. An baren Eingängen hat die Londoner Zentralverwaltung des Keren Hajessod in derselben Zeit aus sämtlichen Ländern nind 326 500 £ erhalten, sowie vom Jewish Colonial Trust gegen unterwegs befindliche weitere Ucberwcisungen aus Amerika 25000 £, insgesamt also 351 500 £. Nach Abzug der Spesen im angegebenen Betrag von 32 500 £ verblieben 319 000 £. Der Kassenbestand betrug am 31. Januar rund 9000 £. Der Betrag von rund 310000 £ wurde der Exekutive der Zionistischen Organisation für das Palästina-Budget zur Verfügung gestellt und von dieser ausschließlich hierfürin folgenderWeise verwendet: 1. An die Zionistische Exekutive in Palästina für das Palästinabudget. 2. An die Ä. P. C. für Häuserbaukredite. Für Eintragungsgebühren der Hypothekenbank .... 3. ä Konto der Beteiligung an der Elektrizität«- und Bcwässcrungsgescllschaft (Projekt Ru• tenberg) ....... 4. An Ankauf der Hilfsverein»■ schulen .. 5. An Misrachi-Organisation für ihre Auslagen in Palästina . 6. An den TN.-F. £ 252,253.14.5 24,000 1.000 £ 25,000. 0.0 10,297. 8.6 9,512. 3.8 10,891. 8.6 2.000. 0.0 £ £ £ 309,954.15.1 Aus diesen Zahlen geht hervor, daß von den gesammelten Geldern, welche in bar bei der Zentralverwaltung des Keren Hajessod eingingen, nicht mehr als 10 0/0 für Spesen verausgabt wurden. Die monatlichen Unkosten des Londoner Hauptbüros und der Abteilung für Zentraleuropa betragen gegenwärtig rund 1600 £. Die Gehälter und Reisespesen der zurzeit auf Reisen befindlichen Agitatoren (mit Ausnahme der in Amerika tätigen Delegation) betragen rund 500 £ monatlich. Wenn t