Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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b Seite 68 Eine hebräische Universität in Jerusalem Von Dr. Joseph Klausner. Am letzten Vorkriegskongress im Jahre 1913 wurde nach einer glänzenden Rede U s s i s c 11 ־ k i n s der Beschluss gefasst, möglichst bald eine hebräische Universität in Jerusalem zu eröffnen. Nach fünf Jahren, am 15. Aw 1913, legte Chain! W e i 7. m a n n den Grundstein zum Univcrsitätsgebäude. Seitdem sind wieder drei Jalue verflössen, und die Universität ist noch immer nicht eröffnet. Die Araber hindern uns nicht daran, Herbert Samuel tat nicht mir nichts da* gegen, sondern im Gegenteil, er wies die zionistischc Leitung und den Waad Lcumi auf diese Aufgabe direkt hin. Professor Einstein ging nach Amerika, um die materielle Grundlage der Universität zu sichern, ein Vertreter der amerikanischen Aerztesehaft weilte in Universi tätsangelegenheiten in Palästina; die Universität jedoch ist noch immer nicht eröffnet. Ich kenne alle Einwände, die gemacht werden können: Wir haben kein Geld und keine Menschen. Die Universität erfordert Riesensummen, während wir nicht genügend Mitte! haben, um die gekauften jcsreel- und Patriarchatböden zu bezahlen. Die Kwuzoth leiden, die Lehrer hungern, die Kolonien machen eine ökonomische Krisis durch usw. Das alles ist richtig. Doch denkt niemand daran, dass vielleicht gerade weil wir keine Universität haben, wir weder für die Kwuzoth, noch für die Einwanderer, noch für die Lehrer Geld haben. Seit den Chowewe-Zion haben wir immer von den künftigen grossen Taten gesprochen. Nun sind die Tage von B a 1 f 0 u r, von S a n Retno und der Ernennung Samuels gekommen, die, wenn sic auch nicht die Geulah selbst sind, zu der wir sie in unserer Siegestnmkenheit gemacht haben, doch grosse 'läge bleiben, doch der Anfang der Geulah sind. Und das Volk kann nicht begreifen, dass wir in solchen Tagen nichts Grosses unternehmen. Es kam: sich für unsere Kleinigkeiten nicht begeistern. Daher der Mangel an Geld, darum bekommen wir immer nur Pfennige. Wenn wir die Patriarchatböden nicht gekauft hätten und nicht gezwungen wären, sic zu bezahlen, hätten wir auch dies Geld nicht aufgetrieben. Solange wir keinen grossen Wurf tun, werden wir keine grossen Geldmittel erhalten. Eine Bewegung wird nie durch äussere Hindernisse gehemmt, wohl aber entartet sie infolge ihrer inneren Widersprüche. Eine solche Grosstat, die die ganze Bewegung mitreissen könnte, ist unter den obwaltenden Umständen nur die baldige Eröffnung einer iiebräischen Universität in Jerusalem. Die Befürchtung, dass es an Student« n mangeln würde, ist grundlos. Schon jetzt verlässt eine beträchtliche Anzahl junger Leute das Land, um iin Auslände ihre weitere Ausbildung zu suchen. Mit der Entrüstung allein über ihre ״unpalriotische Tat“ ist es nicht getan. Ihre An- Wesenheit ausserhalb Palästinas trägt nicht gerade zur Hebung der zionistischen Stimmung bei. Sollen wir noch an die allen Verfolgungen ausgesetzten jüdischen Studenten Polens, Ungarns und anderer Länder erinnern, die gern nach Palästina kommen würden, um dort zu studieren? Für die Unterstützung solcher Studenten, die infolge der schwachen Valuta ihrer Heimatländer sich selbst nicht werden ernähren können, werden sich immer Kreise interessieren, die für andere zionistische Unternehmungen in Palästina sonst wenig Interesse zeigen. Denn das Wohl und Welie eines jüdischen Studenten ist noch immer grösseren Kreisen verständlich, als die Bedürfnisse der ״Kwuzoth״ oder der Kolonisten. Viel schwieriger ist die Frage des Lehrkörpers. Man hört hier die üblichen Einwände. Berühmte Professoren würden nach Palästina nicht gehen und können nicht hebräisch. Mit weniger berühmten dürfe man nicht anfangen, denn eine Universität in Jerusalem müsse das Ansehen des ganzen jüdischen Volkes und der wissenschaftlichen Welt gewinnen, lieber diese Einwände muss man um so mehr staunen, als Ussischkin und Weizmann es waren, die immer . gegen H e r z 1 den Gedanken vertreten halten, dass wir nicht warten sollten, bis die Bedin J U EPISCH E RUNDSCHAU gebildet werden. Auch diese waren in ihrem Anfänge nur kleine armselige Anstalten, die nur im Laufe der Zeit zu dem wurden, was sic sind. Was sollten denn die Bulgaren, Serben oder Griechen tun, die überhaupt nur solche kleine Institute haben? Würde es ihnen denn jemals einfallen, ihre Universitäten zu schlicsscn, nur weil sie keine erstklassigen Eorschungsinstitute sind und noch lange nicht sein werden? Die Ehre Israels verlangt, dass in Palästina eine erstklassige Universität bestehen soll. Sollen wir aber vorläufig die I lande in den Schoss legen und warten, bis die Engländer eine englischarabische Universität gründen werden, an der das Hebräische die dritte Stelle eiiinehmeu wird? Würde dies uns zu einer grösseren Ehre gereichen? Ein solcher Plan besteht, und die praktischen Engländer suchen nicht erst grossartige Pläne zu schaffen. Gewiss, berühmte Professoren können wir aus dem Auslande unter den heutigen Umständen nicht bringen. Wir dürfen sie auch gar nicht nach Palästina bringen. Nicht nur, weil Palästina für sie keine Möglichkeit bietet, ihre Wissenschaftliehen Arbeiten fortzusetzen, nicht mir, weil solche Professoren als Fremdkörper mit der Erziehung und Bildung in Palästina und in Osteuropa, woher die meisten Studenten stammen werden, nichts Gemeinsames haben und ohne lebendigen Kontakt mit der palästinensischen Gesellschaft bleiben werden, sondern weil diese ״Berühmthcitcu" nicht hebräisch können und es nicht so schnell erlernen können. Man wird ihnen ihre Tätigkeit ״erleichtern“ müssen und sie vorläufig deutsch und englisch lesen lassen. Dieses wird aber unter den heutigen Umständen ein permanentes Provisorium bleiben. Vor 150 Jahren konnten die Russen bei der Gründung ihrer Universitäten die Professoren in anderen Sprachen lesen lassen. Aber die russische Sprache war lebendig, und die Macht war in ihren Händen. Wir aber, die wir um das Hebräische unter uns selbst zu kämpfen haben, während die Macht im Lande noch nicht in unseren Händen ist, wir dürfen uns auf solche gefährliche Experimente nicht einlassen. Sollen wir etwa warten, bis wir eigene ״grosse" Gelehrte haben, die imstande sind, ihre Vorlesungen hebräisch abzuhallen? Aber dies wird nie dor Fall sein, wenn wir keine eigene, wenn auch bescheidene, hebräische Universität haben. 1 lehräischc Professoren werden wir nur von innen heraus erziehen können und nicht von aussen her importieren. Schlechte hebräische Professoren werden mittel massig erziehen, und allmählich werden eigene hebräische Forscher entstehen. So war cs auch mit den Anfängen der modernen hebräischen Schulen. Die ersten Schüler haben zuweilen besser hebräisch gesprechen als ihre Lehrer, und nur auf diese Weise ist mit der Zeit ein hebräisches Schulnetz entstanden, das bereits jetzt über eine ansehnliche Anzahl guter hebräischer Lehrer verfügt. Genau so, wie die kleine Bevölkerung Palästinas uns als Grundlage für die nationale Heimstätte dient, so muss uns eine miltelmässige Universität als Grundlage für eine grosse hebräische Universität dienen. Wie nötig haben wir jetzt eine hebräische Universität in Palästina! Nur ein Blinder merkt nicht die A n g 10 in a n i e, die sich jetzt in Palästina breit macht. Die Nachahmung fremder Sitten und Gebräuche war ja von jeher unsere Schwäche. Um so mehr, als England diese Anglomanic nicht mit Gewalt betreibt. Wer weiss, ob wir nicht in Palästina einer Anglisierung cntgcgcngchcn, die viel gründlicher, weil freiwilliger sein wird, als die mit Gewalt betriebene Russifizierung war. sich Setzt diese Anglomanic durch, so werden wir in Palästina ein neues Galulh, eine englisch-arabische Kolonie, aber keine jüdische Heimat haben. Wer kann hier den Kampf mit dieser Assimilation aufnehmen, wenn nicht hebräische Studeuten? Die Lehrer sind müde von ihrer Arbeit und der dauernden Hungersnot, die sie leiden. Die Arbeiter sind beschäftigt mit ihrer Arbeit und Parteipolitik, die Schriftsteller haben keine gesicherte Existenz und können nur durch die Zeitungen auf ihre Leser wirken. Wer sollte denn die ganze Schwere des Kampfes mit der neuen g u n g e n in Palästina grosse Taten ermöglichen, j Assimilation auf sich nehmen, wenn nicht die Nr. m' Nr. 1 die Hochschule in Kairo, ist das geistige Zcntn!״ ־׳ der grossen arabischen Bewegung. Wenn En;\ \ land den Arabern in Aegypten heute gr<3!!־ \ Konzessionen macht, so haben sie es diev’ j Mink Studcntenbewegung zu verdanken. ]'/Montag Wenn wir die zionistische Bewegung rct: Jwollen, wenn eine neue Begeisterungswelle 4; Volk emporheben soll, das uns die Mittel zu ein grossen Tat geben sollte, wenn wir dem Lau seine besten Söhne erhalten wollen und 4 Jischuw vor einer neuen Assimilationsbeweg« schützen wollen, müssen wir möglichst bald *• hebräische Universität in Jerusalem eröffnen. (Aus dem Hebräische» »ach ״Haarez*, Jeriisjk■ ’ für die .)iid. Rundschau״ übersetzt.)!!;j* d!•r Kur jjichtigt! Jude»), Indien gtein; {Juden‘ |,)!mt si Ml juch de י״ Jjc.'intwC A. ץ, ן (jß Handwerkerausstellung in Palästina ga Im April 1<122 wird im Davidsturm zu Jcrusap. fVen f eine i I,11(־dvv׳crkera11 Stellung eröffnet werden. Der OKp mTI{ kommissar set/t eine Kommission ein, die die Vom j^|1ren8, rcitungen treffen soll. Von der Ausstellung werden 1,1 |n!1stfcl mit Maschinen angefertigten Gegenstände ausgeschkwJ J!״ (kg sein. Die Ausstellung wird zwei Abteilungen enthalt{ |a״sung altes Handwerk und neues Handwerk. In der er?{♦1 eine Abteilung werden I bmdwcrbgegenstämlc ausgestellt w«|fc',crTt den, die seit Jahrhunderten im Lande hergestellt wcrbli*1!, wie Weberei-, Wirkerei- und Töpfereierzeugnis**•. i>| 1^[;^, zweite Abteilung wird die in den letzten Jahren ti|,.j1g <Ji geführten Handwerkszweige nach europäischem Mue| j0||jg, enthalten, und zwar: Zementsteine, Zigarren und Zi4 ft.inicri! retten usw. Eine (huppe von I landwerkern wird auf dr| jrhaft I Platze vor dem Aiisstelltingsgebäude ihre provisorisch Arbeitsstätten aufschlagcn und die in der Oeffr khkeit hergestellten Gegenstände an Ort und Stelle «- kaufen. | wird a am Ku Aus den Kolonien 1״trag is Zu Beginn dieses Jahres wurde bei Sieh ro n JilJ 'c.^ י k o b eine Kwuzah von 11 Personen gegründet. Auf A l gekünd ihr zur Verfügung gestellten 750 Dunarn betreibt 01 schung Ackerbau und Gemüsezucht. Auel) eine MikhwirtsdiaT »prcchc wird von dieser Kwuzah betrieben. I kcnnlni Die Chaussee zur Eisenhahnstation Sichron-Jakf y;;t tu wird demnächst zu Ende geführt werden. Es werden Vo:| führen, bcrcitungcn getroffen, um 1000 Chalu/im bei d Trockenlegung der Sümpfe zwischen Kissariah und Atl zu beschäftigen. Das Lager der Chalu/im wird am Ft! des Berges von Sichron-Jakob aufgcschlagcn werden Ar aus Pi «,ine f rdiau“, Märzht Keren Hajessod in Amerika Die amerikanische Delegation mit Herrn So ko 10*1, ^1 an der Spitze besuchte Detroit, wo sie 1111 gaierl wird 1 zwei Tage verblieb. Nach der ersten Versammlung ך Kurfür der der Bürgermeister die Delegation im Namen der SWl <!rf O begrüßte, wurde Herrn Sokolow ein Scheck über 25f"i , ׳’rr2״ Dollar überreicht, .außer zahlreichen Zeichnungen, *I auf bedeutende Summen lauteten. 1 In Cincinnati, wo Herr Sokolow in Begleit)!.־, von Colonel Patterson weilte, wurden in der erd Versammlung 10000 "Dollar in bar außer Zeichnung« gesammelt. Indien Dr. Ariel Benzion Ist Ende Januar in Ade« eingi troffen, um die indischen Juden für den Keieil Hajcssod zu organisieren. Das erste Massenmeeting :1 Aden hat besonders günstig auf die sephardischen Jod« gewirkt, deren Gewinnung für den Keren Hajcssod sid Dr. Benzion zur Hauptaufgabe gestellt hat. (Ziko.f Sie haben immer für den kleinen, aber sofor tigen Anfang gekämpft. Grosse Taten sind immer nur eine Summe von kleinen Anfängen. Solche Kulturinstitute wie eine Universität können niemals sofort nach dem Maßstabe der Oxforder oder Heidelberger Universität jungen Studenten? Uebcrall gingen die nationalen und Befreiungsbewegungen von Studentengruppen aus, die sich um eine Hochschule geschart hatten. So war cs in Russland, in Bulgarien, Tschecho- Slowakei und vielen anderen Ländern. Ein noch näheres Beispiel bietet Aegypten. Die ״Al-Ashar“, Keine Preßfreiheit für die russischen Juden? Riga, 15. Februar. (J. C. B.) Wie aus Moskn gemeldet wird, haben die Juden von der Wied)׳• iicrstclluug der Preßfreiheit in Rußland nichts zu n• warten. Im allgemeinen wurde wohl die Preßfral»' wicderhergcstellt und die Einfuhr von Literatur *« dem Auslände gestattet. In bezug auf jüdische Litera!״' soll jedoch die bisherige Politik in Geltung Verbleibes, da die neueste Verordnung von jedem jüdischen Vf!■ leger zunächst die Erlangt■»:: einer So 11 d e r e r I .יי1»ו 111 s vom Volkskommissariat für Nationalitäten ver)•!'•.' Nun ist jedoch die I laltung des gegenwärtigen K«'r■' missärs derartig, daß keinerlei Aussicht für «Ire Währung solcher Erlaubnis an nichtkommiinistisd״ Juden bestellt. Das gleiche gili für den Import '°s nichtkommuuistisehcr jüdischer Literatur nach RttlßJ״*; da die indischen Kommunisten in dieser Hinsicht Ul strenger als die russischen Kommunisten verfahren. h'f> wird auch durch die Tatsache des Wcilervcrble1b|!:i aller Referate für jüdin-he Angelegenheiten im iüdiscb' Departement des Nationalitälcnkoinmissariats besl'dL Arabische Statistik. ״Palestine Weckty“ durch ein ״Eingcscndct“ auf die arabische Statistik י״ג! merksam gemaent. ״Times“ brachten am 10. Dezcfflb eine Zuschrift des Führers der arabischen Ausi.m:״ ddegation Mussa Kasiin, in der es heißt: ״Nach 1*(| letzten Volkszählung beträgt die Zahl der Juden 1ך Palästina (10000 bis 70 000 gegenüber einer Ucvölw, rung von 800000.“ Vor zwei (ähren haben die Arab I angegeben, die Bevölkmmgszafit betrage 700000 M{*| sehen, enter ihnen 75 000 Juden. Während der leb 5,1׳ zwei Jahre sind zirka 15 01H) Juden eingewandert. 1*י Erfolg dieser Einwanderung ist eine Vcrmehnmg 1״״ arabische» Bevölkerung um 11)0000 und eine ,«*״i nähme" der jüdischen Bevölkerung um 5 bis 150w Je Vertag nehme der V( befind« vii, d Atisga' ist. t und H (:inleit rische! schien« setzim Sorgfa Kunsti gei «sehe! Fi Der ji ’ftntrc Materi von B W kdtren beuad auf Ak V0B CUe