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Jüdische Rundschau · 1922-02-24 · Heft 16 (24.2.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 16 (24.2.1922)
Date
1922-02-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kann, Haag, j Berichtetes Schreiben mit der Bitte um Ver- I öifcntlichung. , j Sehr geehrter Herr Kann! , IHir Rundschreiben mit der Einladung zur Teilnahme j 4״ der Konfe cnz habe id! erhalten. Ich lube mich | anfangs darüber gewundert, daß Sie mich zu dieser Konferenz einladen, zu einer!,Konferenz, welche diel vollkommene Opposition gegen die jetzige zionistische Lcilimß zuin Ziele hat, — daß Sic mich einladen, der ich ,joch ein Mitglied dieser Leitung bin. Aber nach einiger Ucbcifcgung habe ich. gefunden, daß Sic vielleicht doch fCC|1t hatten. Sic haben ja für Ihre Opposition gegen die Leitung keine Ziele und bringen nur eine neue Auffassung über die Regelung der Arbeit in F.rcz-Isracl «sr, und deshalb wiire es nach ihrer Meinung der Mühe wert, daß wir alle au dieser!Konferenz tcitnehincn,. Aus'diesem Grunde halte ich es für meine Pflicht, Ihnen auf Ihren Brief zu antworten, daß Ich an dieser Konferenz nicht teilnchmen werde, da ich die Hauptjiiotive in Ihrem Schreibern nicht anerkennen kann. Ich will Ihnen in meinem!mutigen Schreiben zu allen diesen Fragen meine Meinung sagen und werde Ihnen dankbar sein, wenn Sie meine Antwort der Konferenz Vorlegern, Die Hauptpunkte Ihres Briefes sind folgende: fl j. Die Zionistische Organisation hat eine gewaltige 8 Bürokratie in allen Ländern, besonders in London und Palästina geschaffen, eine Bürokratie von vielen Hun» taten von Beamten, welche den größte« Teil der Einnahmen der Zionistischen Organisation verbrauchen. Es sei daher nötig, gegen diese Bürokratie anzukämpfen und sie auf ein Minimum zu reduzieren. b. Alle, die jetzt au der Spitze der zionistischen Leitung stehen und die Arbeit in Palästina leiten, ver- Ständer» es nicht, tatkräftige, ökonomische Arbeit zu leisten, und deshalb habe das Volk kein Vertrauen zur ganzen Zionistischen Organisation. Man gebe kein Odd und werde kein Geld, .geben. ,Die Zionistisch^ Organisation müsse sich mit ausschließlich politischer Arbeit und Propaganda zufrieden geben und den Aufbau des Landes anderen Leuten überlassen. c. Die Personen an der Spitze des Economic Council in London, die Brandeis-Gruppe in Amerika und noch einige Leute in Europa müßten den ganzen Aufbau Palästinas in die Hand nehmen und alle Gelder, weiche bei der Zionistischen Organisation einfließen werden! müßten ihnen für den Aufbau des Landes übergeben werden. Dann werde, nach. Ihrer ,Meinung, das Volk Vertrauen fassen, und dem Economic Gonncil große Summen zur Verfügung stellen. ,Die Mitglieder des* selben würden die Arbeit in Palästina aufs beste leiten, da sie für eine solche Tätigkeit geeignet seien. Ich will nun der Reihe nach auf diese Behauptungen antworten: a. Schaffung einer Bürokratie. Dieses Wort ist jetzt zu einer äußerst populären Losung geworderi. Es ist vor einigen Jahren von Amerika und von einigen Leuten in Europa, unter denen auch Sie sich befanden, ausgegangen. Audi in Palästina macht eine bekannte Gruppe für diese Losung Propaganda: - Ich ertaube mir nun aber, Ihnen, werter Herr Kann, au sagen, daß diese Losung inhaltslos ist. Denn, wenn Arbeit vorhanden ist, braucht man für sie auch Bo untc, ergebene Leute, die ihr Leben dieser Arbeit widmen vollen und in demselben Maße, in welchem die Arbeit wäclist und sich vergrößert, muß auch die Zahl der Beamten wachsen. Zur Zeit der Gründung der Zio- ״islischen Organisation war die Arbeit in Palästina gleich Null; ebenso war es in Westeuropa und Amerika; in Zentraleuropa war sie fast bedeutungslos und nur in Rußland war sie umfangreicher. Damals war die Zahl 1ler Beamten in Wien, in der Türkenstraße, sehr klein. Die Arbeit nahm aber allmählich zu, und als die zionistische Leitung nach Köln übersiedelte, wurde natürlich aucl> die Zahl der Beamten größer. Als endlich die Arbeit der Zionistischen Organisation in Europa und Amerika immer mehr wuchs, die Schckelzahl von 50000 auf eine Million stieg und die Arbeit 5n Erez-Isracl 'on Jahr u Jahr an Umfang zunahm, da mußte auch Bie Zahl der Beamten ־wachsen, ,und es ist nur zu "ünschcn, daß sie weiter wächst. , Ucber die Bea״!tcn in London und der ganzen Welt kann ich nichts Bestimmtes sagen, Bezüglich der Beamten in Palästina *»er kam» ich Ihnen genaue!Zahlen augebeii. Unser L AUnimalbudget, zusammen mit dem des Nationalfonds, I bebägt jetzt 826 0(» £. Wenn auch dieses Budget mcht ganz, durchgeführt wird, so gehen doch nicht Weniger als 500000 £ durch unsere Hände. Die Auspben für unsere Beamten in allen Deparfment9 aber, angefangen von den Mit-?liedernderExckutivebiszudcnDienern! betragen nur ungefähr 30000 C, jährlich, *י• nicht mehr als 4—6 °/0 vom Budget. Ich "age nun Sie und alle, die Ihrer Meinung sind!, ob?a״ diese 4—6 ״/״ des Budgets als Ausgabe für den Ämtern stab als Kriegslosung gegen die zionistische Büror*üie benutzen kann? — Ich möchte zwei andere öffent-!che Institute zum Vergleich hcranzichcn. Das eine *eie Zionistische Organisation in Arne- >ka in der Periode von Brandeis und Genossen. Ich w seihst in Amerika gewesen und konnte mich überugcn, wie riesenhaft die Summe der Ausgaben für 'amte gegenüber den Einnahmen!war, zur Zeit, als Amerika Leute an der Spitze standen, von denen ׳!e Kriegslosung gegen die Verschwendung der zioart!'a Bürokratie ausging. Die zweite Institution! C E p.^n Palästina; es ist die Anglo Palcstine Für die ganze Tätigkeit dieser Bank waren Sic bis zur jüngsten Zeit verantwortlich und Sie wissen ja ebenso genau wie ich, welche Summen die Ausgabe!* für Beamte in allen Filialen der APC. im Lande verschlingen. Ich will hier nicht etwa die Leitung der APC. kritisieren, sondern ich sage nur: Wo es Arbeit gibt, dort, glaube ich, sind Leute nötig; die ihr Leben der Arbeit widmen, und das kostet Geld. Aber man darf doch nicht gleiche Organisationen und Institute mit verschiedenem Maße messen Ich zweifle andererseits keinen Augenblick daran, daß bei der Leitung der Büros der Exekutive in London und auch hier Fehler Vorkommen, wie bei der Organisation in Amerika zu B r n!1 d c i s' Zeiten und auch jetzt. Es gibt vielleicht einige überflüssige Beamte, man soll vielleicht Gehälter herab setzen, oder bisweilen erJ höhen. So geht es in der ganzen Welt mit der Arbeit. Aber daraus kann man doch unmöglich eine Kampflosunß gegen die Zionistische Organisation machen. b. Die Leites unserer Arbeit sind nicht dazu geeignet, und das Volk will ihnen! kein Oeld geben. Auch diese Losung ist vort Amerika ausgegangen. Ich aber bestreite ihre Richtigkeit. Das Volk gibt sein Geld für einen Gewinn; für die Befriedigung unseres nationalen Bew u ß t s e i n 9, — durch den Aufbau unserer nationalen Heimstätte. Da9 Volk ,wird auch in Zukunft sein Geld nur Männern geben, die cs instinktiv als brüderliche Gesinnungsgenossen anerkennt. Wir sehen, daß die Einnahmen der Zionistischen Organisation im Laufe von 25 Jahren immer mehr gestiegen sind, und gerade jetzt, wo nach Ihrer Mcinung ungeeignete Männer an der Spitze der Organisation stehen, gerade jetzt haben die Einnahmen das Maximum der ganzer» Zeit erreicht, und es gibt keine andere Organisation in der jüdischen Welt, welche so große Einnahmen hat wie die Zionistische Organisation. Dies aber ist der Fall zu einer Zeit, wo die Judenheit in Zentral- und Osteuropa, wdehe uns in ihrer nationalen Gesinnung! am nächsten steht, gänzlich zugrunde gerichtet ist. Sie können sich daher vorstellen, wie gewaltig unsere Einnahmen sein würden, warn die Valuta in Europa nicht so entwertet wäre. Der J. N,-F., der keineswegs ein Institut ist, welches den Geldgebern Zinsen abwirft und an dessen Spitze Leute 'stehen, die von ״Business“ weit entfernt sind, vergrößert von Jahr zu Jahr seine Einnahmen. UnsereBaukdagegen.ein schöpferisches Institut, an dessen Spitze immer Personen'standen, die in der Welf der Tatkraft und des Handelns bekannt sind, unter ihnen auch Sie, gerade dieses Institut ist nicht gewachsen und hat sich in 15 Jahren nicht erweitert. Das zeigt nur deutlich, was mir immer klar war, daß für Palästina und das Äuflcben des jüdischen Volkes nur solche Leute Geld gegeben haben und Geld geben werden, welche ideales Natkxnalbcwußtsein besitzen. Für solche Leute muß auch die Leitung aus Personen bestehen, die Fleisch von ihrem Fleische sind. Wenn sich ein Abgrund öffnen wird zwischen der Psychologie der Führer auf der einen und den Massen des Volkes auf der anderen Seite, dann erst werden wir keine Gelder für den Aufbau des Landes mehr bekommen und unser Volk wird keine Zukunft haben. c. Die ganze Arbeit dein ״Economio Council“ und Personen dieser Gesellschaftsklasse zu überlassen. Ich kann dieser Auffassung unter keinen Umständen beipflichten. Ich habe nicht nur kein Vertrauen zu diesen Männern, sondern ich bin sogar sicher, daß unter ihrer Leitung unserer ganzen Zukunft der völlige Rum winkt. Die vielen Millionen, welche für den Aufbau des! Landes nötig sind, werden diese Leute in der Welt der hohen Finanzen nicht aufbringen. In den 46 Jahren, seitdem die Bewegung für die Kolonisation Palästinas begonnen hat, habe ich nur einen Mann aus der Finanzweit kennen gelernt, in dessen Herzen die Begeisterung für das Land glüht und der mit ganzem Herzen und ganzer Seele dem Aufbau sich widmet, das ist Baron E d m on d d e Rothschild. Ohne zu warten, daß das Volk kommt und ihm seine Arbeit und sein Geld übergibt, begann er selbst mit der Arbeit und gab bedeutende Summen, und seine Liebe zum Lande wächst von Tag zu Tag. Im Laufe von 10 Jahren ist ihm kein Mann aus der Finanzwelt zu Hilfe gekommen. Er aber hat die Psychologie unseres Volkes verstanden. Vor 35 Jahren, soweit ich mich erinnere, zur Zeit der Chowcwe» Zion-Bcwegung, Stellten einige der leitenden Chowewe- Zionisten die Forderung, die geringen Mittel, die zu ihrer Verfügung standen, dem Baron Rothschild zu übergeben, damit er darüber verfüge. Damit war er nicht einverstanden: Das Volk braucht seine eigene Organisation, es solle seine Gelder selbst verwalten und es brauche keine Bevormundung. Zu meinem Bedauern muß ich sagen, daß heute viele von uns nicht verstehen, was der Baron vor 35 Jahren verstanden hat. Der ״Economic Council“ ist vor eineinhalb Jahren geschaffen worden und hat sich in seiner Arbeit noch nicht vom Fleck gerührt, obwohl an seiner Spitze so reiche Leute stehen. Diese Institution hat nicht die innere Begeisterung und die für den Aufbau des Landes nötige Aufopferungsfähigkeit. Nach da» letzten Nachrichten heißt es, daß der '״,Economic Council“ sich mit 50t» £ an der Genossenschaftsbank beteiligen wird! das ist eine Summe, die wir hier hn Lande in einigen Tagen ausgebea 1 . , Auch in Amerika sind schon eineinhalb Jahre verflossen, seit Brandeis und Genossen in der Konferenz von Buffalo die Privatinitiative und die kaufmir*. irische Arbeit zum Programm erhoben haben, und doch haben sie bis jetzt noch nichts für Palästina getan. Nach den letzten Nachrichten gehen sic jetzt daran, eine Genossenschaftsbank zu gründen, und diese ganze Oruppe soll eine Summe von 30000 £ in die Bank investieren Das ist das Resultat der Arbeit dieser Leute in 1 >/■׳' Jahren. De 50000 £,' welche das Joint Committee dieser Bank geben wil und die 20000 C, welche die ICA. zu investieren ge» denkt, kommen nicht in Rechnung. Denn das Joint Committee und die ICA, haben sein«! in Palästina gearbeitet, bevor diese Gruppe von der ״privaten Initiative“ zu reden begann. Im Laufe von 30 Jahren sind in Palästina viele Gesellschaften privater Initiative, für welche Sic cintrctcn, gegründet worden, wie z. B. die Gesellschaft ״Geula“, ״Habonch“, ״Raananiah", verschicdeue Achusoth, Silicate und andere kleinere Unternehmungen. Leute, die gar nicht vermögend sind, waren die Gründer und haben ihr Geld investiert. Sind da* nicht die Leute, über welche Sie jetzt herfaUcn? — Von den Leuten aber, auf welche Sie hoffen, war kein einziger auf dieser Liste. Das alles beweist mir folgendes: wenn es vielleicht auch gut wäre, daß die ganze Finanzwelt am Aufbau des Landesteilnimint.soistdochbishernichts derartiges geschehen. — Das Gegenteil sollt« sein: Nicht die Zionistische Organisation sollte ilne Arbeit niederlegen und neue Leute sollten ihre Kraft zeigen, sondern diese Leute, wenn sie wirklich ln da־ Welt existieren, sollten den Kampf gegen die heutig» zionistische Leitung dadurch aufnehmen, daß sie mit der Arbeit beginnen, ihr Geld investieren und ihre Opferfreudigkeit für die Arbeit zeigen. Nach kurzer Zeit schon, wenn «Las Volk wirklich sähe, daß neue Kräfte für den Aufbau vorhanden sind, würde es sich ihnen langsam nähern und willig seine Arbeit diesen Leuten übergeben. Bis das aber der Fall Ist, bisdie vielen Millionen vondiesen Leuten herbeiströmen, (wie sie bis heute von Baron Rothschild h e r b ei ge flösse n sind und wie jetzt die Millionen aus der Sam inlung von Pfennigen herbeifließen, bis zu dieser Zeit würde es eine schwere Sünde von seiten der ZionistischenOrganisation sein, eine Sünde, für die es keine Sühn« gibt, wenn sic auf die Rechte verzichten wollte die aus ihrer Arbeit her- Vorgehen. - Die Gebeine der Schöpfer unserer Bewegung, Dr. Herzls und seiner Gefährten, würden im Grabe erzittern, wenn sie sähen, daß die Zionistische Organisation, das Werk ihrer Hände, begraben wind, bevor man in lebendiger Schöpfung und nicht bloß auf dem Papier, eine neue Organisation aufgebaut hat. Wir, die Zionistische Organisation von heute, leiden jetzt sehr unter inneren Kämpfen, und wenn nicht Sic, die Besten in unserer Organisation, die Verwirrung der Geister irt unsere Mitte gebracht hätten, dann wären unsere Kräfte vielleicht doppelt und dreifach stärker als jetzt. Ihr habt die Zionistische Organisation geschwächt und macht sie von Tag zu Tag schwächer, aber eine neue Schöpfung habt ihr nicht hervorgebracht, nicht hier im Lande, und nicht als Bewegung in Europa und Amerika. — Laßt uns also in Ruhe arbeiten und Ihr geht hin und zeigt Eure Kraft am neuen Aufbauwerk So stark, daß alle Finanzmänner, die jetzt nur f orde rn k ö n n nc n , daß die Zionistische Organisation ihnen ihr Geld übergeben soll, selbst die Millionen, die sie besitzen und die sie bis jetzt nicht geben wollten, aus der Tasche nehmen und Euch übergeben. — Mögen sie kommen und ihre Leute nach Erez-Israel schicken! Wir werden ihnen helfen, soweit sic es wünschen, politisch, moralisch und durch Information, wenn sie es nur wünschen. Geht vorwärts auf dem Wege, den sich der Gründer des Jischub, Baron Rothschild, erwählt hat, auch zur Zeit, wo es Meinungsverschiedenheiten zwischen der Organisation und ihm gab. Wir haben ihm stets mit der größten Liebe und ,Verehrung gegenüben, gestanden. Es werden Jahre vergehen, und wir werden die Taten der neuen Leute sehen, und es wird die Zeit kommen, wo sich die Arbeit dieser Leute und der Organisation in ein» vereinen wind. Aber bis zu diesem Tage werden wir alle, die wir auf die Fahne geschworen haben, die Herzl in Basel erhob, werden wir alle für die volle Autonomie der Zionistischen Welt-Volksorganisation auf alten Gebieten kämpfen. Hochachtungsvoll י M. Ussischkin. Jerusalem, Februar 1922. Handelsschule ia Jerusalem In Lehrer- und Handclskrciscn Jerusalems entstand der Plan, eine Handelsschule zu errichten. Die jüdische Kaufmannschaft setzte gemeinsam mit Vertretern der Lehrerschaft eine Kommission ein, um die Frage zu prüfen und die nötigen Schritte einzulciten. Die Kommission entschied sich für die Eröffnung der Schule, die bereits nach Peßach erfolgen soll. Eine zweite Sitzung gemeinsam mit Vertretern der Eltern wird die finanzielle Frage regeln. I

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