Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 13-14 (17.2.1922)
- Date
- 1922-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652410-2652422--14693-2673088- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 13/14 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 70 | oder! Auch livalca!treten j Wehr I vor•! statt aß«״,!durch tiilage I, sein tionen [ Kam * eine ■ auch, י Uni-! Einersität e Be Exiischen (druck legentrsität ka zangsiet/.cv ge in ißver- Einige 3!opae als Depuy ein einen Tag n ein- 1 der *ropal einliich- *elcnmen• tauten r das rcsses treten Konreisen tigkeit dem e der igkeit, L In lilagation eheml ärung ei der liehen 1 und Vise resses Ibamt• Ichten rget iterrat , daß »ung 0 H»• David ,Holz• indes־ es der )r. H. •t - abrik-? ׳fogen lehret';t Df• ׳!{ultu ׳1 f :1 j Die Opposition der Mißvergnügten I Es ist eine peinliche Notwendigkeit, sich in dieser J stunde mit inncrzionistisdien Auseinandersetzungen be- » schattigen zu müssen. Peinlich darum, weil wahrhaftig die I Situation des Zionismus die Verwendung unserer Kräfte j (flr andere Aufgaben erfordert; Notwendigkeit trotz* i dem, weil nur durch offene Aussprache Schäden vermieden , »erden können, die durch dunkle Wühlarbeit und durch »״kontrollierbare Ausbreitung von Gerüchten entstehen und die so notwendige Tatkraft der Zionistischen Or* ganisation schwächen, die Arbeitslust der Zionisten lähj men. Jede Partei hat ihre inneren Reibungen und K011j (likte; um wieviel mehr eine Partei wie die zionistische, < die eine ganze Volksbewegung repräsentiert, die die verschiedenartigsten Elemente umfassen muß, die zudem ן durch die ungeheure lokale Zcrdehntheit über den ganzen i Erdkreis eine dauernde Verständigung und einen ständigen | Uebcrbück des einzelnen Parteimitgliedes über das Ganze 1 unmöglich macht Konflikte sind unvermeidlich, so tmverineidlich wie Oegensätze von Weltanschauungen, so unvermeidlich wie die Verschiedenheit menschlicher Typen in einem sozialen Ganzen. Es muß nur danach gctraclitet j werden, die Gegensätze der Ansichten auf einem mög- | liehst hohen Niveau und unter möglichster Wahrung der j primitiven Grundsätze des menschlichen Verkehrs auszuj tragen. Und gleichzeitig muß man sich über irgendein i Grundprinzip verständigen können, nach welchem Ent- I Scheidungen getroffen werden können, die bindend sind, j also z. B. über das Prinzip der Demokratie, nach wclchem die Beschlüsse der satzungsgemäßen Körperschaft ' die Gesamtheit verpflichten, unbeschadet der Frei- , heit der Opposition, bei der nächsten Gelegenheit ihre Ansicht durdizusetzen, der dann, wenn sie zum Be- Schluß erhoben worden ist, dio Gegenseite sidi fügen; müßte. | Im Zionismus gibt cs heute eine ziemlich starke Opposition. Die einfache Tatsache, daß in der Schlußj sitzung des Kongresses noch nicht sicher war, aut welchen I Mehrheitsblock sich die Leitung eigentlich wird stützen 1 können, beweist dies zur Genüge. Es gibt eine so- 1 zialistische Opposition von links, es gibt eine bürger- | liehe und eine religiöse Opposition von rechts; es gibt viele Einzelzionistcn, die nicht alle Handlungen der Leitung anerkennen und vielleicht sogar in prinzipiellen poli- I tischen Fragen anderer Ansicht sind. Alle diese Gruppen aber stellen im zionistischen Lager, im zionistischen Kongreß, arbeiten, wie immer die Entscheidung in ein-; zelnen Fragen fällt, unbeirrt im Dienste des Zionismus weiter. Eine Gruppe aber gibt es, die sich in der letzten Zeit eine Art der Opposition zurcchtgelegt hat, die beinahe nach Sabotage aussicht Ihre Opposition l richtet sich nicht gegen die zionistische Leitung, gegen , diese oder jene Handlung, sie geht so weit, daß sic geradezu die Zionistische Organisation als Ganzes bedroht. Die Gruppe, um die es sich handelt, ist verhältnismäßig schwach; aber es gehören Männer zu ihr, deren Namen zum Teil mit der Geschichte des Zionismus verknüpft ist und die vielleicht gerade darum, weil sie ehemals prominente Stellungen innehatten, aber von der Entwickiung überholt wurden, auch eine gewisse Verärgerung und Gereiztheit nicht überwinden können. Dieses per* sönlichc Moment mag die Erklärung für vieles bilden, was j sonst unverständlich bliebe. ן Die Gruppe, um die es sich handelt, ist vertreten insbesondere in Westeuropa. Frankreich und Holland haben in letzter Zeit die Führung ergriffen. Wir haben bereits in Nr. 5 unseres Blattes die Beschlüsse des holländischen Dclegiertcntages wiedergegeben, die allerdings noch nicht deutlich genug sind, wenn man nidit die übrige Literatur hcranzieht Gleichzeitig haben einige •üiziellc Zionisten in Paris, darunter die Herren Nordau und Marmorck, einen Aufruf unterzeichnet, in welchem sie unmögliche Bedingungen für ihre Beteiligung am Keren Hajessod stellen, so daß die Keren Hajcssod-Lcituiig genötigt war, in Paris ebenso wie vor einem Jahre in Amerika ein von der Landcsorganisatiou unabhängiges Büro des Keren Hajessod zu eröffnen, das natürlidi unter diesen Umständen nicht so fruchtbar arbeiten kann, wie es im Sinne der Kongreßbeschlüsse tun müßte. Die Gruppe hat Anhänger in einzelnen Ländern, z. B. bekennt S sich in Belgien das ehemalige Mitglied des A.-C., Herr Jean Fisdier, zu ihr, und ihre äußersten Ausläufer sind j die Brandels-Oruppe in Amerika und der deutsche Binjan ן Haarez. ז Wie betätigt sich diese Opposition? I *• ' Zunächst die formale Frage. Wir bestreiten natürlidi niemand das Rcdit, gegen die Leitung zu kämpfen. Zur Zeit der Jahreskonferenz hatte die Opposition sogar i den Schein des Rechtes für sich, denn sic wies darauf j hin, daß seit acht Jahren ein illegaler Zustand in der Organisation bestellt, daß trotz immerwährender Versprechungcn der Kongreß nidit einberufen wurde und die Bewegung von einer Gruppe von Diktatoren, die 1 ®י^י selbst eingesetzt haben, automatisch geleitet wird. | Die Opposition erhob mit Recht die Forderung nach Einberufung des Kongresses. Nun ist der | Kongreß endlich einberufen worden, es war die Möglich- | heit zu demokratischer Kontrolle und Mitbestimmung ge* 1 geben. Man mußte erwarten, daß die Opposition diesen ן Kongreß zu einem großen Sturmlauf benützen wird, ihre I Anklagen mit Begründungen Vorbringen, Anschauung | Eegen Anschauung stellen wird. Aber es geschah das j wunderbare: Die Opposition ist in ihren wichtigsten Rc* t |räsent.inten Kongreß ferngeblieben. Die Brandeis-Oruppc, die in Cleveland eine Schlappe erlitten hatte, zog sich in den Schmollwinkel zurück und kam ®seht übers Meer. Nordau kam nicht, Marmorck, der seit drei Jahren nach dem Kongreß gerufen hatte, kam nicht, Jacobus Kann, ehemaliges Mitglied des E. A. C., der kurz zuvor einen Antrag auf Ersetzung der Zionistischen Organisation durch eine allgemeine Palästinaorganisation gestellt hatte, kam nicht. Auf dem Kongreß waren die Sprecher der Opposition Julius Simon und de Licme. Sie wurden mit größtem Respekt angehört, und speziell Julius Simon hat sidi die offenkundige Sympathie des Kongresses erworben, er hat durch die Art, mit der er seine Ansichten sachlich vertrat, trotzdem seine Anträge in den meisten Fällen abgclehnt wurden, durch sein vorneluncs und von zionistischer Treue zeugendes Aul treten den stärksten Eindruck auf den Kongreß gemadit, so daß seine Wahl ins A.-C. einen Sondcrbcifall fand, eine bezeichnende Kundgebung des Kongresses für den Mann ehrlicher Opposition, ein Zeichen der Dankbarkeit für den nidit erlahmenden Willen zur Zusammenarbeit. Der Kon* groß bewies, daß er solche Männer zu ehren versteht. Audi andere Vertreter dieser oppositionellen Oruppc wur* den respektvoll angehört, z. B. Dr. Kollcnscher, und Jean Fischer hat ia der Generaldebatte das Wort er* griffen und dann noch in der politischen Kommission reidilich Gelegenheit zur Auseinandersetzung gehabt Angesidits dieser Tatsachen muß es wahrhaftig sonderbar anmuten, wenn in ״L'Echo Sioniste“ Dr. Marmorck von Bim nahestehender Seite folgendes schreiben läßt: ״Wir haben hier Dr. Marmorck freumtediaftlich« Vorwürfe gemadit, daß er nidit zum Kongreß ge, fahren ist. Aber cs scheint, daß Dr. Marmoreck besser als wir die Tafelrunde (״le cönacle“) kennt, welches in diesem Augenblick die Gesdiicke des Zionismus in Händen hält. Da er intuitiv vorher gewußt hat, daß nach der ganzen :Vorbereitung der Kongreß nichts anderes als eine Parodie sein wird und daß die Stimme der Opposition dort unterdrückt werden wird. Und tatsächlich, uin einige Beispiele zu erwähnen, hat man Herrn Jean Fisdier das Wort abgeschnitten, und Herrn Bddcmheimer. einem bckannten Zionisten, sowie Herrn Bcn-Awi, einem De* legierten aus Palästina, das Wort verweigert.“; 1 Diese Angaben stehen im absoluten Oegcnsatz zur Wahrheit, wie unsere obigere Feststellungen beweisen. (Ob Herr Dr. Bodcnheimer, dem niemals das Wort verweigert worden Ist, überhaupt damit einverstanden sein wird, dieser Gruppe von Opposition zugerechnet zu werden, erscheint uns zumindest fraglich. Ben-Awi ist der Chefredakteur des Jerusalemer ״Doar Hajom", der wegen plötzlicher schwerer Erkrankung seines Töchterdiens unvermittelt aus Karlsbad abreisen mußte und daher nicht zu Worte kam, was er selbst bereits vor Monaten in einer Berichtigung demselben Pariser Organ erklärt hat, das jetzt wieder mit dein Märchen, man hätte ihm das Wort verweigert, Unfug treibt.) Eine ״Parodie“ nennt ״L’Eclio Sioniste“ den Kongreß darum, weil er nach seiner Ansicht keineswegs das zionistische Volk repräsentiert, sondern nur ״eine Versammlung von zionistischen Funktionären oder solchen Leuten, die es werden wollen“. Mit dieser Begründung entzieht man sich der Notwendigkeit, die Entscheidungen desselben Kongresses zu respektiereii, den man vorher angerufen hat und der auf Grund allgemeiner Wahlen beschickt worden ist Ein Wort darüber zu verlieren, wäre überflüssig. Sachlich spaltet sich das Hauptargument der Oppo* sition in zwei Zweige: Einerseits bekämpft diese Gruppe, die die alte Tradition der sogenannten ״politischen Zionistep“ repräsentiert, unsere politische Leitung wegen Aires angeblichen Defaitismus, & h. weil sie sich mit dem Mandat zufrieden gegeben und nicht die sofortige Proklamicrung des Judenstaates gefordert hat, andererseits kritisiert sie die ökonomische Tätigkeit der Zionistischcn Organisation und erklärt, daß die Organisation als solche für ökonomische Arbeit überhaupt ungeeignet sei. Darum müsse an ihre Stelle eine andere Palästina- Organisation treten, in der nach der Vorstellung der Herren Kann und Genossen Irgendwelche imaginäre jüdische Finanziers maßgebend sein sollen. Der politische Maximalismus, der sich nicht darum scherte, mit welcher Konstellation wir cs zu tun hatten, auf welchen Grundlagen Wcizmana zu verhandeln hatte und was bei der gegenwärtigen Lage für uns sachlich überhaupt wünsehenswert ist, hat durch seine verantwortungslosen radi* kalen Acußerungcn großen politischen Schaden angcrichtet Die ökonomische Kritik, die weniger von großen Gesichtspunkten ausgeht, als mit kleinen Sticheleien operiert, hat Positives nichts zutage gefördert, dagegen manchen Leuten die erwünschte Ausrede geliefert, ihre Zeichnungen für den Keren Hajessod zu verweigern. Es wurde verschwiegen oder übersehen, mit welchen ungeheuren finanziellen Schwierigkeiten die Organisation arbeitet; wie durch die Vernichtung der materiellen Position der Ostjuden, durch die Ungunst der hohen Valuta Palästinas, durch die mangelhafte finanzielle Vorbcrcitung ein geradezu grotesker Zustand herbcigcfiilirt wurde, der eine Fortführung der Arbeit, eine Wahrung des nationalen Besitzstandes in Palästina und eine Schaffung neuer wirtschaftlicher Positionen nur bei Aufgebot aller Kräfte des jüdischen Volkes ermöglicht. Da das jüdische Volk leider das Oeld nicht von selbst zuträgt, hat die Organisation einen großen Apparat, der sich bisher stets noch als zu klein erwiesen hat. Immerhin ist cs nach großen Anstrengungen heute schon gelungen, wenigstens das laufende Palästinabudget sicherzustellen. Man könnte die Propagandabiiros schließen, die Reisen der wahrhaftig keine leichte Arbeit leistenden Delegierten cinsfcllcn, wenn genügend Pfllchtbewußtscin in den Kreisen des jüdischen Volkes von den ärmsten Schichten bis zu den reichen Bankiers vorhanden wäre, den vom Kongreß Ihnen auferlegten Maanscr ohne Aufforderang zu zahlen. Statt aber zu solcher 'freiwilligen Leistung aufzufordern, sagt Herr Jacobus Kann, ehemaliges Mitglied des zionistisehen E. A. C. und einer der reichsten Bankiers Hollands, von dem wir allerdings nicht wissen, ob er selbst schon seiner Maasscrverpflichtung nachgekommen ist, in einem Interview der ״Jüdischen Prcßzentrale Zürich“ folgendes: ״Wir haben zu viele Beamte und m große Büros. Das kommt, weil man Regierung spielt, und machen will, was man nicht versteht. Das kann man durdi Anstellung von Beamten nicht gut machen. Die Zionistisdic Organisation kann die Leitung einer prak4 tischen Arbeit nicht auf sidi nehmen: man darf nicht vergessen, daß die jüdisch-nationale Bewegung! — die im der Zionistischen ,Organisation zum Ausdruck kam — ein Ideal propagiert; ihre Anlüinger sind vorwiegend Idealisten und haben keine praktische Erfahrung. Das lut 9id» auch wiederum gezeigt bei der Gründung des Keren Hajessod, Man führt ein« tolle Propaganda und die großen Gelder verschwinden( an Saläre und andere Kosten. Für ökonomische Arbeit bleibt nur wenig übrig.“ Er erklärt, die Politik der Leitung sei sdiuld, daß wir heute ״einen Blulf- und Beamtenzionismus haben, anstatt eine mächtige, in die richtigen Bahnen gelenkte Volksbewegung“. Auch eine soldie Kritik, daß die gesammelten Oelder in die Taschen der Beamten verschwinden, wäre an sich zulässig, wofern der Ankläger, der solche Beschuldigungen erhebt, den Beweis zahlenmäßig zu erbringen in der Lage wäre. Sind aber solche schweren Anschuldigungen aus der Luft gegriffene Schlagworte, der Ausfluß eines Partei-Rcsscntimcnts, dann richten sie den Kläger, zumal wenn er es vorgezogen hat, gar nicht vor dem Forum zu erscheinen, das sinn- und sachgemäß Angaben prüfen und Entscheidungen fällen konnte. Damit kommen wir zu einem der Hauptpunkte im Programm der Opposition, das ist die Beamtenfrage. Diese Opposition will es nicht einschcn, daß Männer, die ihre ganze Zeit und Arbeitskralt ausschließlieh der zionistischen Sache zur Verfügung stellen, für ihre Tätigkeit entlohnt werden müssen, da sie sonst vor die Wahl gestellt werden, entweder mitsamt ihren Familien zu verhungern oder aber ihren Dienst abzubrechcn. Eine einfache Tatsache, die in der ganzen Welt längst zu einer Banalität geworden ist, wird bei uns in einer unglaublich beleidigenden Form aufgebauscht So schreibt z. B. der bereits mehrfach zitierte Artikel von ״L'Echo Sioniste"; ״Es ist sicher, daß es eine Anzahl von F unktionären gibt, *welche Jahre selbstloser Arbeit dem Zionismus geopfert haben, daß die einen Juden ihre Karriere gemadit haben, während die anderen Zionismus trieben, aber es ist nicht minder sicher, daß viele auch. Jahre selbstloser Arbeit hingaben und doch gleichzeitig ihre Karriere machten und um ihre Existenz kämpften, und darum haben sie das ,Recht, die Sittenrichter jener zu sein, die dafür bezahlt werden, um die freiwilligen Kämpfer zu unterstützen und ihnen zu dienen» nicht aber, um ihre Meister zu sein. Wir neigen *uns vor denen, welche dem Zionismus Jahre selbstloser Arbeit geopfert haben; aber die Tatsache, Beamte geworden zu sein, vergrößert den Respekt keines- Wegs, sie kompromittiert sogar, wenn — eine unvermeidliche Folge des Bürokratismus — sie die Menschen veranlaßt, ihre eigenen Interessen über das Gesamtinteresse zu stellen. Die Tatsache vergrößert auch nicht die Wahrscheinlichkeit Ihrer Fähigkeiten; denn man wird uns schwerlich zehn zionistische! Funktionäre aufzählen können, welclie für ihre Posten auf Grund ihrer sachlichen Qualitäten, die sie in anderen analogen Berufen bewährt haben, ausgewählt worden sind. Die Tatsache allein vergrößert auch nicht die Wahrscheinlichkeit ihrer Hingabe und ihres Opfcrwillens; wir unsererseits kenne!» keinen einzigen zionistischen Beamten, der eine vorteilhafte Stellung aufge-1 geben hätte, um eine weniger oder auch nur gleich vorteilhafte im Zionismus an zu nehmen. Messen wir daher nidit die Fähigkeiten der Beamten an ihrer Unfähigkeit, eine Karriere zu machen, noch ihren Widerstand gegen die süße Gewalt, die sie sich antun lassen, indem sie Stellungen abnehmen, die sic sonst keineswegs gefunden hätten.“ Man braudit gegen diese Ausführungen nicht zu polemisieren. Jede Provinzstadt, die einen zionistischen Parteisekretär hat und noch besser die, die keinen finden kann, wird davon zu erzählen wissen, welches Opfer es heute für einen jungen Mcnsdicn bedeutet, seine Karriere als Student, etwa als Rechtsanwalt, abzubrechcn und sich ganz für die zionistische Bewegung zur Verfügung zu stellen, um dann derartige Vorwürfe hören zu müssen, daß er, weil er zu nidits taugt und keine vorteilhafte Stellung finden konnte, sich zur Futterkrippe der Partei gedrängt hat. Und von hier geht es fort bis hinauf zu jenem Chaim Weizmann, der als Chemiker keineswegs in der Lage war, zu beweisen, daß er die Fähigkeiten cine9 Staatsmannes besitzt und der doch, obwohl er sich nodi niemals zuvor in einem ״analogen Beruf“ bewährt hatte, vom Zionismus als erster Staatsmann engagiert wurde. Und vielleicht denken wir auch an jenen Theodor Herzl, der als Fcuilletonredaktcur der ״Neuen Freien Presse“ keineswegs seine Schulung als Führer der Zionistischcn Organisation erhalten konnte. Und da wir nun einmal bei den großen Paradoxien sind, aus denen eben der Zionismus entstanden ist und auf denen, so seltsam cs klingt, noch heute seine Existenz und alle seine Zukunftshoffnungen beruhen, — mögen jene Artikelschreiber einmal bedenken, was es heißt, daß jener Theodor Herd »ein ganzes Leben lang, während sein zentrales Tun längst die Führung des Zionismus war, dennoch in der Redaktion des Leibblattes der . Börsenjuden sitzen mußte, um den empfohlenen ״Kampf um die Existenz“ zu führen, und daß er mit 44 Jahren dahinsank. Es ist nicht ״Staatsspielerei“, wenn wir heute sagen, daß wir von den Männern, die den Zionismus führen und sogar von jenen kleinen Funktionären, die Irgendwo in einem Lande oder in einer Stadt gegen alle Widerstände das zionistische Leben in Oang halten, verlangen, daß sie sich ganz der zionistischen Sache