Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (14.2.1922)
- Date
- 1922-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU 6bru»r. |d hier piteei IStilutt fcrein» »inent* jWiena trung Obertinung I He* len als!durch kt da* ► nahe, Ität za te am fk. der »rben. B der äirücbmedl- »riehst hlung, I man *׳ einer diese bögen Peilte, | von *tigea le ein lg des lg der iuhilf« untertoktor Istina krehä« I. ein I daß ^iach eines I Ibc- ( *° )3 ft- ״ 1 I be- «״ יו dem Btrallofrat Inn, ger, sowie Über- }rn lerer ( zur Istina garillverppert inde, S jü- (USblieb genti der i Dr. sag“ j im (dige 1107 I das * gefe.1t• sie I die jtive |ges pnt- Idea |i)er »ge ten za der im- 1 I Nr. tllll Seile 7i Litauen Statistische Daten Dos jüdische Ministerium von Kowno- Litauen hat vor kurzem genaue statistische Daten Uber die litauische Judenheit publiziert. Nach diesen zählte Litauen im Jahre 1920 144000 Juden* aeelcn. Von diesen leben 60 Prozent in den grösseren Stiidten, 40 Prozent in kleinen Städten und auf dem Lande. Im Handel sind vertreten 50 Prozent, im Handwerk 20 Prozent, in den freien Berufen 7 Prozent, in der Landwirtschaft 7 Prozent, in der Industrie ס Prozent. Fünf Prozent der jüdischen Bevölkerung lieben im Bezug von öflentlicben Unterstützungen. In Litauen bestehen gegenwärtig siebzehn jüdische V 0 1 k s b 0 n k e n , die ein jährliches Umsatzkapital von 30 Millionen Mark haben. Seit November 1921 besteht auch eine jüdische kooperative Bank, deren Betriebskapital drei Millionen Mark bilden. Cer Kampf um die nationale Autonomie — Die Minoritatenministerien beschlossen Am Montag, den 30. Januar, hielt die Verfassung»- kommission der Litauischen Nationalversammlung eine Sitzung ab, die für die nationale Autonomie von enticheidender Bedeutung ist. Die jüdische Sejmfraktion wurde ausser dem Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. Soloweitschik, von Dr. Rachmilewitsch und dem Sachverständigen für die Nationalitätenfragen vertreten. Zur Tagesordnung stand die Frage der Kompetenz der nationalen Autonomien und der Organe der nationalen Selbstverwaltung. Die Kompetenz der nationalen Autonomien ■wurde in der folgenden Weise festgelegt: ln das Bereich der natiooalen Autonomie gehört die Volksbildung in allen ihren Stufen, die Wohlfahrtspflege, die gegenseitige Hilfe, wie überhaupt die Bcfriedigung aller Bedürfnisse der nationalen Kultur. Zu dem Bereich der jüdischen nationalen Autooomie gehört ausserdem die Befriedigung aller mit der Religion in Verbindung stehenden Bedürfnisse der jlldischen Bevölkerung. Was die Organe der nationalen Autonomie betrifft, wurde von der Verfassung folgender Paragraph angenommen: ,,Zur Befriedigung der erwähnten nationalen Bedürfnisse wählen die Mitglieder der nationalen Verbände ihre Organe.“ Die von den Mitgliedern der jüdischen Sejmfraktion beantragte Aenderung ״Zentrale und lokale Organe“ wurde abgelehnt. Die Frage der nationalen Ministerien rief leidenschaftliche Debatten hervor, in denen alle Fragen der nationalen Autonomie susführlich behandelt wurden. Die Gegner der nationalen Ministerien beschuldigten die jüdischen Vertreter, dass sie die Pariser Deklaration missbrauchen wollten, um dem Sejm gegen seinen Willen eine Institution oufzu zwingen, dergleichen in der ganzen Welt nicht existiert. Der jüdische Minister wies diese Beschuldigungen in einer langen Rede zurück, in der er die Geschichte der nationalen Autonomie in Litauen ausführlich schilderte. Die Initiative hierzu ginge nicht von den Juden hervor, sondern die litauischen Politiker selbst wären es gewesen, die mit ihren Versprechungen von nationalen Die Scholen der nationalen Minderheiten ln einer der letzten Sejmsitzungen hat Abgeordneter Schipper in einer längeren Rede die Verfolgungen besprochen, welchen die jüdischen Schulen ausgeeetzt sind und eine Resolution beantragt, in der die Regierung aufgefordert wird, im Verlauf der nächsten zwei Monate dem Sejm ein Oesctzesprojekt betreffs der Oründung und Erhaltung von Schulen der nationalen Minderheiten vorzulcgcn. In seiner Begründung stelhc Abgeordneter Schipper fest, daß der Staat, der den Versailler Minoritätenvertrag ratifiziert hat, auch d'e Pflicht übernommen habe, das Schulwesen dieser Minoritäten za erhalten. בית הוער העברי בברלין 11 בשעה uo. Februar) ביום א כ״א שבט לפני הצהרים באולם MelBleraaal KlMheneratrasae 88, am Potsdamer Fiat■ אספת זכרון לם. י. ברדיצבסקי ז״ל פתיחה: מנגינה וצ׳לו בלוית פסנתח - - פליבם רוברט מנדלסון הנואמים: ביאליק, בעל־טחשבות, ברגפלד. ויסלבסקי-קלינמף מחיר הכניסה 10 טרק, לחברי בית הועד 6 מרק. Antisemitische Exzesse iß Warschau Warschau, 23. Januar. (J. C. B.) Antisemitische Studentengruppen versammelten sich vor einigen Tagen, den aufreizenden Plakatanschlägen des ״Rozwoj* folgeleistend, vor dem Qebäude des Philharmonischen Saales, wo ein jüdischer Sänger gastierte, und versuchten, in den Saal einzudringen. Der Versuch scheiterte' aber am Widerstand der Polizei, die die Tore besetzte und den Ansturm zurückschlug. Da der Angriff vereitelt wurde, schloß sich eine Menge von einigen tausend Studenten zusammen, die durch die Hauptstraßen zum Kopernikus- Denkmal zog, wo eine große Protestversamnilung improvisiert und scharfe Hetzreden gegen die Juden gehalten wurden. Die aufgereizte Menge griff die vorübergehenden jüdischen Passanten an und verwundete einige. Unter den Verletzten befinden sich mehrere jüdische Studenten. Die Forderungen der Juden von Wilna. Der Präsident der jüdischen Gemeinde, Dr. Wlgodski, bcspricht in einem in ״Unser Frajnd“ erschienenen Artikcl die Forderungen der jüdischen Bevölkerung nach einer nationalncrsonellen Autonomie und tritt gegen die Behauptungen der polnischen Pres«: auf, die die jüdischen Forcierungen als Privilegien bezeichnet. Wigodski stellt fest, daß die Juden die nationatpersonclle Autonomie auf keinen Fall als ״Privilegium“, sondern lediglich zum Schutze ihrer nationalen Minderheit verlangten. Die Juden vertreten ebenso den Standpunkt, daß die nationalpersonelle Autonomie nicht nur ihnen, Autonomien die Einheitsfront aller Nationalitäten in sondern allen nationalen Minderheiten, ähnlich wie in Litauen sichern wollten. Alle Nationalitäten und an erster Stelle die jüdische, hielten treu zu dieser Front, und so ist es in Litauen, wie in keinem anderen Lande, au einer Eintracht aller Nationalitäten Litauens gekommen. Die Juden erstreben in Litauen nicht nur die Gleichberechtigung aller Bürger, sondern auch die Gleichberechtigung aller Nationalitäten in den Gebieten, in denen sie autonom sind. Wir sagen es offen heraus, dass wir als eine Nationalität an der Souveränität des litauischen Staates Anteil nehmen wollen, selbstverständlich nur auf den Ge- ׳ bieten, die unsere nationale Autonomie umfasst. Wir erklären offen, dass die geistige Kultur Litauens nur die Summe aller Kulturen der Litauen bewohnenden Nationalitäten darstellt, und wir wollen, dass nicht nur die herrschende Kultur der Litauer, sondern auch die semitische Kultur der Juden in Litauen geschätzt und gepflegt wird. Und nicht nur im Staate, sondern auch durch den Staat, Dazu muss der Staat die entsprechenden Organe ins Leben rufen. Und darin besteht die Aufgabe des jüdischen Ministeriums wie der Ministerien aller anderen Nationalitäten. Lehnt man die Schaffung nationaler Ministerien ab, 80 muss man konsequenterweise auch das Ministerium Air litauische Kulturangelegenheiten, d. h. das litauische Ministerium •ur Kultus und Unterricht ablehncn, da dieses Ministerium natürlicherweise bei der Lage der Dinge nur mr die Kulturangelegenheiten der Mehrheit sorgen kann. Ohne ein nationales Organ, das direkt mit der Regierung in Verbindung steht, ist jede nationale Autonomie wertlos, Mit 5 gegen 4 Stimmen bei einer Stimmenthaltung wurde folgender Paragraph angenommen: ״Jeder nationale Verband hat im Ministerkabinett einen eigenen Minister für die Angelegenheiten dieses Verbandes“. Hierdurch wird die Existenz des jüdischen Mini- *tenum» in der Verfassung verankert. Kowno-Litauen, zu erteilen scii Die nationalpersonelle Autonomie bedeute die einzig mögliche Scher- Stellung ihrer bürgerlichen, politischen und nationalen Gleichberechtigung. Sie biete auch die einzige Garantie, daß die Gleichberechtigung tatsächlich durchgeführt weide. Lettland Die AstonomiefraRe (J. P. Z.) Am 10. Januar fand in Riga erne Sitzung der auf der zweiten Qemcindekonferenz in Lettland gewählten jüdischen Nationalrafskonunission statt. Namens der juridischen Vorbercitungskotnmisslon legte Magister Mint z das Autonomieprojekt vor, das im Zusammen־ hang mit der bevorstehenden Verhandlung der lettländisehen Konstitution in der Konstituante eingebracht werden solL Ein ähnliches Projekt überreichen auch die Deutschen und die Russen. Das Projekt umfaßt folgende Punkte: Schulwesen, Schaffung und Entwicklung von national-kulturellen Einrichtungen und sozialer Versorgung in jenen Fällen, wo der Staat oder die Gemeinden diese Bedürfnisse nicht gänzlich befriedigen, gegen welch letzteren Punkt sich der Bund aussprach. Rabbiner Nu rock brachte namens des Misrachi und der Agudas Jisroel einen Antrag ein, in das Projekt auch einen besonderen Punkt aufzunchmen wegen ״Fürsorge für die öffentlich-religiösen Bedürfnisse der jüdischen Siedlung in Lettland, außer der Erhaltung der Bote Midroschim“. Rabbiner Nurode verwies darauf, daß auch die Orthodoxie für Trennung von Kirche und Staat sei, wie dies auch beim Rabbinat der Fall ist, aber die täglichen Bedürfnisse der Judenheit seien eng verbimden mit der besonderen Eigenart des jüdischen Volkes. Der Vorschlag von Rabbiner Nurodt wurde mit 8 gegen ö Stimmen 3 -״ vom Bund, einer von der Volkspartei und 2 von ,den Zeirc-Zion, während! ein Zionist sich der Stimme enthielt, — angenommen. Der Bund erklärte, daß er sich in dieser Frage freie Hand vor• behalte. Rumänien Die Katnmerwahlea. Bakirtit, 2». Jantur. (J. C. B.) Anläßlich der b#- vorstehenden Kammcrwahlcn hat der jüdlzcht Reich *verein in Rumänien die ersten Vorbeieitungc■ zum Wahlkampfe getroffen. Der*Reichsverein der ruminisclien Juden wird eine Reihe jüdischer Kandjdaturen *ufs'elle« und organisiert zu diesem Zweckt * jüdische Wahlkomitccs in allen Ortschaften, wo »ich bedeutende jüdische Mutdchcitcn befinden. Bukarest, 01. Januar. (J C. B.) Der .Reichsverein der ru manisch en Juden" fordert die mit der Erledigung ib׳er Optionsangelcgenheiten im Rüch- *lande gebliebenen Juden auf, ihre Optionen raschelt durchzuführen und ihre Aufnahme in dieWählerliste zu überwachen, da bei deu bevorstehenden Wahl«■ jede jüdische Stimme ausschlaggebend sein könne. jüdischer Wahlkampf in der Bukowina Die Wahlen zum rumänischen Parlament haben 11 Czemowitz die bedauerliche Erscheinung eines Innerjüdischen Wahlkampfes gezeitigt. Die Stadt Czernowitz hat drei Mandate für die Kammer, davon entfäitt eines auf die Juden. Die zionistische Landesorganisafion hat ihren Präsidenten, Dr. Mayer Ebner, als Kandidat aufgestellt. Bisher war die Judenschaft durch Dr. Benna Straucher vertreten, der auch früher das Czernowitzer Mandat im österreichischen Parlament innegehabt bat, Dr. Straucher, der auch Präsident der Czernowitztr Kultusgemeinde ist und seit Jahren eine traditionell gewordene Führerrolle i■ der Bukowinaer Judenschaft spielt, hat jedoch gleichfalls seine Kandidatur angemeldet. Der Innerjüdische Wahlkampf wird daher unvermeidlich, nnd es ist za befürchten, daß durch die Stimmenzersplitterung die Juden um ihre Vertretung gebracht werden. Die Bukowina war schon immer ein Land innerjüdischer Kämpfe, Noch zur Zeit des alten Oesterreich war die nationale Judenschatt in zwei Lager gespalten, deren eines durch Dr. Straucher repräsentier{ war, wihrend die andere Partei unter Führung des Universitita- Professor» Dr. Leon Kellner stand. Der Kellner-Partei hat auch Dr. Mayer Ebner angchört Bei den Wahlen zum Bukowinaer Landtag ist cs den beiden Parteien gtlungen, zusammen elf Sitze zu erobern, und et wurde eis gemeinsamer ,Jüdischer Klub" begründet Nicbtsdeafoweniger wurden die Kämpfe foitgeselzt, vor allem auch in Form einer maßlosen Pressefebde, und leben jetzt wieder auf Das zionistisch« Organ ״Ostjüdische Zeitung" in Czernowitz iühit gegen Dr. Straucher insbesondere aa, daß er nach dem Umsturz in Wien geblieben war und Dr. Ebner die Meisterung der außerordentlich schwielige■ Situation der Uebergangszeit, der rumänischm Annexion, der Flüchtlingsfürsorge usw. überlassen hat. Er könne nun *icht darauf Anspruch erheben, wieder die Führerrolle zu übernehmen. Auch »ei e« unmöglich, gleichzeitig in Czemowitz Knltusprisident und in Bukarest Abgeoidnetei zu sein. Die Zeitung sagt ironisch, Dr. Straucher habe bewiesen, daß sein hohes Alter von über 70 Jahren ihm die Ausübung der mit dem Mandat vtrbundenen Pflichten unmöglich mache. Es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn es nicht gelänge, noch im letzicn Moment eine Einigung zustande zu bringen und den inne! jüdischen Wahlkampf zu vermeiden, der zweifellos die landesüblichen unerquicklichen Formen annehmen und das Ansehen der Judenschait nicht fördern würde. Antisemitische Wahlkampagne 10 der Bukowina. Die dem Minister für die Bukowina, Dr. Nistor, unterstehenden Blätter nehmen die bevorstehende Wahlkampagne zum Anlaß einer Juden hetze. Namentlich die Bauernbevöikeiung wird gegen die Juden aufgehetzt, daß sie in Rumänien den Bolschewismus einfühieu und aus Ruminien ein zweites Rußland machen wollen. Di* Erschießung: jüdischer Heimlosen an der tuBarabiichc■ Grenze Bukarest, 30. Januar. (J. C. B.) Die zur Untersuchung der Missgriffe in Bessarabien entsendet« Kommission hat ihre Arbeit beendigt. Die Kommission, die nus dem Vorsitzenden, General Popana und aus drei Aerzten bestellt, hat ihren Bericht vorg eiegt Diesem Berichte zufolge wurden insgesamt 4 Todesfälle, konstatiert (». Die zur Verantwort ung gezogenen Soldaten erklärten, 4 Juden wollten die Grenzüberschreitungsverordnungen umgehen und Uber den Dnjestr die Grenze passieren, weshalb sie von der Waffe G*- brauch machen mussten. Gegen die Grenzschutzorgane soll das Strafverfahren eingeleitet worden sein. Alle Berliner Leser der ״Jüdischen Rnndichaa“ machen wir darauf aufmerksam, daß die Anzelgen-Verwaltong nnstrer Zeitung direkt durch die nachstehenden Nummern dar Zionistischen Vereinigung für Deutschland telephonisch zu erreichen ist. Wir bitten olle Gesinnungsgenossen, von dieser Erleichterung bei Aufgab: von Inseraten!owie bei Anfragen hinsichtlich der Anzeigenpreise Gebrauch u machen. (Jhlarid 849 u. 846. JBdische Rundschau Aaitigcn-Verwalfaag.