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Jüdische Rundschau · 1922-02-14 · Heft 11-12 (14.2.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 11-12 (14.2.1922)
Date
1922-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die jüdischen Arbeiter verlassen Chcdera Jerusalem, 6. Februar. (J.C.B.) Vor einigen Wochen ist gemeldet worden, daß zwischen den Kolonisten von Chcdera und den Arbeitern ein Vertrag geschlossen worden ist, demzufolge *ich Chedera verpflichtet hat, 60 jüdische Arbeiter in der Landwirtschaft und 40 in verschiedenen anderen Arbeiten zu beschäftigen. Dieser Vertrag ist zwischen der allgemeinen Arbeiterorganisation und Dr. B r ii n n als Vertreter der Kolonisten abgeschlossen worden; die Kolonisten haben jedoch in ihrer Versammlung den Vertrag nicht genehmigt, , infolgedessen haben sämtliche jiidischen Arbeiter die Kolonie, welche nach den Mai-Ereignissen 250 jüdische Arbeiter beschäftigt hat, verlassen müssen. (Wir werden uns mit dieser traurigen An- Gelegenheit, welche den völligen nationalen Bankrott der privatwitf schaff liehen Kolonisation iliuitriert, noch beschäftigen müssen.) Rekrutierung fUr die Arbeitsarmee. Im Januar 1021 hat die palästinensische Militär- »erwaltung ein besonderes Arbeitskorps gebildet, das sechs Monate dienen sollte. Es bestand aus 180 Mann, die meist den Reihen der Chaluzim entnommen waren und einen Teil des ägyptischen Arbeitsbataillons ersetzten, das der britischen Armee in Palästina zugeteilt ist. Nunmehr wurden, nachdem die Dienstzeit der im Juni Eingestellten abgelaufen war, am 0. Januar neuerlich Rekrutierungen vorgenommen und in Jaffa 68, in Haifa 94 Rekruten von ungewöhnlicher Körperkraft ins Korps eingereiht. Diese Arbeiterabteilung soll von nun an dem ingenieurkorps beigegeben werden und wird beim Bau »on Lagern und anderen militärischen Beschäftigungen im Gebiete von Ludd verwendet werden. Zur Ergänzung der üblichen Verpflegung, die von den Militärbehörden geliefert wird, hat die palästinensische Exekutive ein Spcisezelt und eine Feldkantine eingerichtet. In dem militärischen Hospital wurde eine jüdische Abteilung reserviert. Bau eines Arbeiterhelms Die jüdischen Arbeiterorganisationen treten egenwärtig an den Bau eines eigenen Arbeitereims in Jaffa, in dem alle Arbeiterinstitutionen und Vereine untergebracht werden sollen, heran. Die jüdischen Arbeiterorganisationen wandten sich an den Jüdischen Nationalfonds und an die Stadt- Verwaltung von Tel-Awiw mit dem Ersuchen, ihnen Grund und Boden für diesen Bau zuzuweisen. Ein arabisches Blatt gegen arabische Hetzer Jerusalem, 25. Januar. (J.C.B.) Da» Jcrusalemcr arabische Tageblatt ״Lissan cl Arab“ berichtet, daß Hctzagente 11 unter den arabischen Massen neuerlich gegen die Zionisten agitieren mit dem Zwecke, Blutvergießen herbeizuführen. In Jerusalem befinden sielt — schreibt das Blatt — bezahlte oder nicht bezahlte Agenten, welche den Auftrag haben, die öf fentliehe Meinung durch Gerüchte zu bcunruhigen. Sie nützen dem arabischen Volke gar nicht, schaffen nur einen Abgrund zwischen dem Volke und der Mandatarmacht und trachten, die Sympathien der naiven Massen für eine andere Macht zu gewinnen. Es ist uns bekannt, daß ein Agent die niedrigen Kaffeehäuser aufsucht und erfundene Geschichten erzählt; die Setzer unserer Zeitung kamen aus derartigen Kaffeehäusern und berichteten, daß ein fremder Konsul in Jerusalem 20 Kisten Waffen gefunden habe, welche den Juden zugeschickt wurden. Es ist Pflicht der Regierung, welche einzelne Leute für Waffentragen zu 10 oder 15 Jahren Kerkers verurteilt hat, vor allem den Mann zu bestrafen, der hinter den Kulissen Haß und die Keime zu Unruhen sät ״Kuntreß“ klagt die Regierung Jerusalem, 3.Februar. (J.C.B.) Das Departement fürllntersuchung von Verbrechen und Vergehen (Criminal Investigation Departement) der palästinensischen Regierung hatte vor zwei Monaten das Erscheinen des Blattes Achduth Haawoda ״Kunt ress“ verboten, weil in der Nummer vom 14. November Nachrichten enthalten waren, welche nach Ansicht der Regierung geeignet waren, inneren Hass im Lande zu erregen. Die Regierung berief sich hierbei auf § 23 des ottomanischen Pressgesetzes. Nun schreibt dieser Paragraph vor, dass die Schliessung eines Blattes nur zugleich mit der Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens gegen die Zeitung erfolgen kann. Da die Regierung kein gerichtliches Verfahren gegen den ״Kuntress“ eingeleitet hat, klagt nunmehr die Redaktion der Zeitung die Regierung und verlangt Entschädigung. Die Parteileitung der Achduth Haawoda hat vorsucht, während der Einstellung des ״Kuntress“, eine Zeitung ״Hamichtaw“ hcrauszugeben; die Regierung hat daraufhin die Druckerei versiegelt, obwohl die Parteileitung seit Jahren im Besitz einer Erlaubnis zur Herausgabe des ״Hamichtaw“ ist. Inzwischen ist das Wiedererscheinen des ״Kuntress“ gestattet worden. Ein neues jüdisches Viertel in Jerusalem Jerusalem, 3. Februar. (J.C.B.) Auf den dem Nationalfonds gehörigen dem Patriarchat abgekauften Gründen, soll demnächst mit dem Bau eines neuen Viertels für Kleinhäuser begonnen werden. Zu diesem Zwecke hat sich eine Gruppe gebildet, die meistens aus Beamten besteht. Die Kosten des Baues für ein Haus von zwei Zimmern werden — abgesehen vom Grundstück — auf 400 Pfund berechnet. Die Teilnehmer der Gruppe haben sich verpflichtet, 150 Pfund einzuzahlen, für den Rest hofft man von der Hypothekenbank Anleihen zu bekommen. Die Baulust ist derartig gross, dass sich weit mehr Leute angemeldet haben, als Häuser gebaut werden können. Wintcrnocht bis ans Ende der Stadt, wo Rabbi Mosche Leib an einer armseligen Hütte stchcnblieb und das Holz ablud. Der Schüler schlich sich ans hintere Fenster heran und sah eine leere Stube, einen erloschenen Ofen und auf einem Bette liegend eine Frau, die mit trostloser Gebärde ihr neugeborenes Kind an die Brust presste. Schon aber stand der Sassowcr in der Stube, Rubbi Hirsch sah ihn auf die Frau zutreten und hörte ihn sie in ruthcnischer Sprache anreden: ״Ich habe eine Last Holz zu verkaufen und mag damit nicht weitergehen; willst du *io mir um geringen Preis abnehmen?“ Die Frau antwortete: ״Ich habe keinen Heller im Haus.“ Der Rabbi aber Hess sich nicht abfertigen. ״Das Geld will ich mir ein andermal bei dir holen, nimm mir nur das Holz ab.“ Die Frau widersprach weiter: ״Was soll mir das Holz? Kann ich es doch nicht in kleine Scheite hauen, und ein Beil ist auch nicht da.“ Darauf der Sassower: ״Dafür lass mich sorgen,“ ging *or die Tür hinaus, zog ein Beil hervor und hackte da* Holz klein. Und während er das Holz klein hackte, hörte Rabbi Hirsch ihn den Teil einer Mittcrnachtsklage sprechen, der unter dem Namen der Urmutter Rahel *teilt, und die Worte drangen zu ihm: ״Erwache, vom Staube erhebe dich, Gefangene Jeru- *alemsl“ Dann trug der Rabbi das Holz, sich tief bückend, um durch die niedere Tür den Eingang zu finden, in die Stube und heizte den Ofen. Während *ז die Scheite hineintat, sprach er mit leiser Stimme den anderen Teil der Mittcrnachtsklage, der unter dem Nomen der Urmutter Lea steht, und beschloss ihn: ״Du wirst dich Zions erbarmen, die Mauern Jeru- *slems wirst du aufbaucn.“ Sodann verlies* er die Stab• und ging eilenden Schrittes nach Hause. Georg Brandes Vor einigen Tagen feierte der bekannte Schriftsteiler und Publizist Georg Brandes seinen 80. Geburtstag. Brandes ist eine der markantesten Figuren jener Generation assimilierter Judon, die durch die Schule der Aufklärung, des Liberalismus und des Humanismus gegangen sind und die Grundsätze von Freiheit und Recht in ihrem üffentliehen Wirken vertraten, allerdings unter jenem rationalistischen Aspekt, der dem Geist jenes Zeitalters gemäss war. Stammten diese Persönlichkeiten aus einer Atmosphäre allgemeiner Anschauungen, die einen gewissen Individualismus und Kosmopolitismus förderte, die Bedeutung der europäischen Bildung und des Intellektualismus als Ganzes überschätzte und daher kein tieferes Verständnis für die tieferen Bindungen und den entscheidenden Wert des Irrationalen hatte, 80 musste ihnen die Assimilation als Lösung der Judenfrage und insbesondere auch ihrer persönlichen Judenfraga erscheinen. Georg Brandes ist ein typischer Vertreter dieser europäisch assimilierten Juden und einer ihrer Besten. Wenn wir heute in der Anschauung über Judentum und Judenfrage Uber jene Generation hinausgekommen sind und wissen, dass die jüdische Ent- Wicklung einen ganz anderen Weg einschlägt, ala den Brandes und seine Freunde ihr weisen wollten, so muss man doch des Mannes mit Respekt gedenken, der in seiner Weise ein jüdisches Schicksal, ein Kapitel jüdischer Geschichte repräsentiert. Brandes hat die Solidarität mit dem Judentum stets gewahrt und öffentlich betont. Er ist im Kriege wiederholt mit Nachdruck für die Juden — wie für alle Unterdrückten — eingetreten und hat sich durch *ein energisches Auftreten gegen die Pogrome sogar die Gegnerschaft der Polen und der ihnen befreundeten Bau eines Geichfiftsyleriels in Jerusalem Jerusalem, 25. Januar. (J.C.B.) Infolge de* Ankaufes der großen Gründe durch die Palestine Devclopment Co. ist der Plan aufgetaucht, ein großes G e s c 11 ii f 18 v i e r t e 1 zu criichtcn. Die:,er Tage lind eine Versammlung von Kaufleutcn statt, welche die vorgclcgtcn Pläne diskutierte. Auf dem in Betracht kommenden Grundstück sollen dreistöckige Häuser ge־- baut werden, das erste Stockwerk ist für Geschäfte gedacht, die oberen Stockwerke für Büros. Ein Drittel des Platzes wird für Straßen und öffentliche Plätze reserviert Der Preis des Grundstücks beträgt 230 Piaster (zirka 2'/» Pfund) per fjuadratpik. Derzeit schweben zwischen dem Komitee der Kaufmannschaft und der Palestine Land Development Co. einerseits und einer Jerusalemer Bank andererseits Verhandlungen wegen eine* Kredites für die Rauten. Ein jüdisches Arbeiterbataillon Unter den verschiedenen Kooperativen Palästinas ist die grösste der Gdud Haawoda (Arbeiterarmee), welche derzeit 600 Mann zählt, die an verschiedenen Punkten Palästinas arbeiten. Der grösste Teil der Arbeiter befindet sich in Ain Charud (N u r i s) auf den neugekauften Gründen des Nationalfonds; dort befinden sich die zentralen Instiiulionen dieser Arbeiterorganisationen, eine gemeinsame Schusterei, Schneiderei, ein zentrales Lebensmittelmagazin. Eine grosse mechanische Tischlerei wird dort demnächst eröffnet. 30 Mitglieder arbeiten in Migdal an der Vollendung der Strassenbahnarbeiten, 100 Mitglieder arbeiten in Tibcrias an einer neuen Strasse für das jüdische Viertel; diese haben eine eigene Fischerei am Kinereth-See, 45 Mitglieder arbeiten in Kfar Giladi an einem grossen Stallbau, den sie von der Ica übertragen bekommen haben. Auch in Jerusalem ist seit einigen Wochen ein Teil des Gdud konzentriert, gegen 20 Mann arbeiten in der alten Stadt an dem Synagogenbau Porath Joseph, gegen 100 Mann befinden sich am Rande Jerusalems in Giwat Schaul, wo sie in einem grossen Steinbruch Steino für Frühjahrsbauten vorbereiten. (J. C. B.) Herabsetzung der Schlffsnnladegcbühren in Jaffa Unter dem Vorsitz de* Oouverneur* von Jaffa hat neuerding* ein Schiedsgericht getagt, das den gesamten Verkehr im Jaffaer Hafen einer Revision unterziehen soll, in der ersten Sitzung beschäftigte *ich das Gericht im wesentlichen mit der Festsetzung neuer Umladesätze, da die alten Gebühren mit den gegenwärtlgen Landespreisen und Frachtraten nicht mehr im Einklang stehen. Die Umladung in Leichter ist aber erforderlich, solange der Jaffaer Hafen nur aus einer ofienen Reede besteht. Wegen des flachen Strandes sind die anlaufenden Dampfschiffe bekanntlich genötigt, 1 km von der Küste entfernt zu ankern, um alle Waren durch Boote ans Land schaffen zu lassen. D e Höhe der daraus entstehenden Unkosten hat den Hafenverkehr und damit die gesamte Wirtschaftslage des Landes stark beeinträchtigt. Das Schiedsgericht schlägt jetzt dem palästinensischen Oberkommissar eine Reduzierung der Umladeraten von etwa 50 Prozent vor. Es ist zu erwarten, daß der Oberkommissar sich diesem Vorschlag anschließen und eine entsprechende Verfügung erlassen wird. (Ztko). Franzosen zugezogen. In seinen Aufsätzen zum Weltkrieg und zum Friedensschluss, die gesammelt im Verlag Perthes (Gotha) erschienen sind, gedenkt er auch mit Worten herzlicher Sympathie der damals weltpolitisch aktuell gewordenen laee der Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, obwohl er früher dem Zionismus ablehnend gegen- Uberstand. Er spricht zuversichtlich Uber die kommende Gemeinschaft von Juden und Arabern und bezeichnet als einzige Gefahr die vom Katholizismus und von Frankreich beeinflussten christlichjesuitischen Araber. Wir wünschen dem unerschrockenen Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Frieden einen ruhigen Lebensabend und hoffen, dass auch er, der ein feines Gefühl für den Gang von Entwicklungen hat, der wiedererwachenden jüdischen Nation mit gesteigertem Interesse sich verbunden fühlen wird. David Kolm Wie aus Wien gemeldet wird, ist dort der hekannte jüdische Maier und Zeichner David Kohn gestorben. David Kohn war ein strenggläubiger Jude und gütiger Mensch. Er war in Wien geboren und bat seine Ausbildung an der Wiener und Münchner Akademie genossen. Schon seine erste Beteiligung an einer grossen Ausstellung, der Internationalen Jubiläums- Busstcllung in München, brachte ihm einen grossen Erfolg. Zwei seiner Genrebilder wurden für die Verlosung angekauft. Ganz besonders pflegte er das Pastell und hat suf dem Gebiete dieser Kunstgattung Hervorregendes geleistet. Maler David Kohn erreicht• ein Alter von 61 Jahren.;1

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