Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1922)
- Date
- 1922-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 57 I: 1' I‘' '•itel, rc! e, in | ','i־ «len!i״ ihm, gf. 5(11• Ab- '11• ״(.'in, )1<V ab- I 1 r.ijjcr löhnlich- » ״Her- Wenn 11 i itioil R ״ach I als la ü sie ften/bc- 1 dieses tzterem «tigkcit chkeits- { keine Sin de* I Wuttcresse 1,!' ״I 1er- (st der is als;;tanz 1diesen keinen Bderen 1schien ift er- Sgegc« I und to tatli de» flaam Ist es »teile- |s jü- Bisten jen?“ E1»!iesc rkt erk so ren!ntber *Haß ksten ander iiien- Haß, 1 Zu »ehen Wird echte; sich farbc Ikern Iftig- , wie »Che. |tzen Jlään- 1 errvortun» f In leitet 1 Re-; aus itsse den Oerzen dem denleien des mit!den Tci- (iten des und :lien encr (den in de die . Mtften alle b*• bto• w K Hi 9 mra Ulrich v. Hüften oder Schopenhauer, vergleicht mit jüdischen, wie etwa Heine, Hörne, Hiller, so ist der Unterschied sofort am Oesclimack spürbar. Der gcrmanische Haß hat irgendwo ein Ende, aber der jüdische 4 bodenlos.“ (Im folgenden entwickelt dann Bliihcr j fj״e meiner Ansicht nach unrichtige Genese des gegen I den eigenen Stainmcsgcnosscn tendierenden jüdischen i Hasses.) Entschuldigung für diesen Zustand der jüdischen Seck g’-hf cs wohl, auch Verständnis für die besondere Tragikomik jener jüdischen Autoren, die durch Schimpfen JU| alle anderen jüdischen Autoren Ihr Anderssein bebinden wollen, während sie gerade dadurch ihre jüdische «d jüdisch-mangelhafte Art aufs sicherste bezeugen. Sidit Verlust des speziellen Eros Paidikos ist es, wie ßlühcr meint, der irrigerweise alles Gemeinschaftbildende ml mannmännliche Beziehungen zurückführt und der in Unkenntnis der chassidischcn Praxis den Juden diese Beziehungen abspricht Wohl aber hat sich das Judenmm nur um den Preis der Verkümmerung wesentlicher Lebensfunktionen erhalten. E9 hatte die Wahl zwischen dieser Verkümmerung oder vollständigem Untergang unter den anderen Völkern. Tiefen Instinktes wählte es das Sein, wenn auch unter schwierigsten Bedingungen. Dieses Sein aber verlangte immerwährende Opfer. Die Opfer, die Selbstverleugnungen, die gesteigerten Moralforderungen haben uns aufgezehrt Uns und unsere Nervcnsubstanz. Die geminderte Nervensubstanz vorsteht nicht mehr zu lieben. Vibriert sie, so entsteht Haß. Unverträglichkeit ist das deutlichste Symptom unseres nationalen Krankheitsbildes. — Höchste Zeit für uns, in gesündere, natürlichere, leichtere Lcbensve'rhält- Bisse zu gelangen. Das jüdische Volk ist zu lange in der Schule, auf der Schandbank, im Karzer gesessen. Es braucht mindestens 200 Jahre Ferien und gute Luft Unser Kranksein ist die einzige Entschuldigung für unsere unverträglichen Brüder. Die freilich legen sich die Sache anders zurecht Für sie ist Unvcrträgkeit kein Weh, das man heilt sondern cm Paradestück, ein Prunkstück von Herz und Kopf. Sehr einfach, sie meinen ihren Haß nur anders; etwa Unbedingtheit, Kompromißlosigkeit. Ja, auf dieses Predigen der Unbedingtheit unter Zionisten bin ich seit einiger Zeit nicht sehr gut zu sprechen. — Man tut nämlich so, als ob Kompromißiosigkeit eine sehr seltene Eigenschaft, eine sehr schätzbare Rarität im Verkehr der Menschen und Völker untereinander wäre. Indessen haben wir ja im Krieg erlebt daß die Völker durchaus nicht in Kompromißbaftigkeit exzedierten, sondern ganz im Gegenteil: jedes ging in jeder Situtation immer bis an die Grenze seiner Forderungen, und jedesmal verlangte die Partei, die im Vorteil war, so erstaunlich viel, daß der Laienverstand sich sagen mußte, um solchen Preis könne der äugenbliddich Unterlegene den Frieden denn doch nicht er* kaufen. Verzichten — das war die Kunst, die die Deutsehen nicht verstanden, als die Situation sie begünstigte. Der klare Verzicht auf Belgien hätte in einem gewissen Zeitpunkt den Frieden und unermeßliches Glück für Deutschland bedeutet. Als dann die Entente im Gewinnen war, diktierte sie ebenso rücksichtslos wie vordem die Deutschen in Brest-Lltowsk. Nicht das ist also der Fehler der Politiker, daß sie Kompromisse schließen, sondern daß sie solche nicht zu schließen wissen. Es ist ja so leicht, so einschmeichelnd, immer bis ans äußerste zu gehen. Jeder Dummkopf, jedes Haßherz kann das. Höre man doch endlich auf, Unbedingtheit in diesem Sinne als etwas Schönes, Wünsehenswertes darzustcllen. Nachgiebigkeit vielmehr soll man loben. Nur an Nachgiebigkeit wird die Welt gesunden, nicht an starrem Festhalten des vermeintlichen Rechts. — Oegen sich selbst unbedingt sein, von sich «!bst das Hödiste verlangen: diese Formel lasse ich miltelt wirkenden, breitspurigen Einfügungen des Uebcrsefzers. Man könnte noch manche Vorzüge des Werkes rühmend hervorheben, z. E die glückliche Art, wie Dubnow Antithesen herauszuarbeiten versteht (Chassidim- Misnagdiin, Orthodoxe-Maskilim) oder den musterhaften Index des Werkes u. a. in. Neben ihnen stehen vielfache Mängel, die in einer Oesamtwertung nicht übergangen werden dürfen. Zunächst in rein stofflicher Hinsicht. Das Werk weist wesentliche Lücken auf, weil bedeutungsvolle Qucllcnwerke ignoriert werden. Dubnow nimmt z. B. von der im Moskauer Verlag ״Mir“ herausgegebenen ״Geschichte der Juden in Rußland“ (Bd. I,!913, nicht weiter erschienen), in welcher viele hervor- Agenden Forscher mit ihren auf neue Materialien gegründeten Arbeiten zu Worte kommen, keine Notiz, er benutzt ferner das besonders für das 17. und 18. Jahrhundert sehr wichtige gleichnamige Werk J. Hessens (1916) nicht, er übergeht die Geschichte der Juden in Rurland und Livland mit Stillschweigen, ohne ein Wort der Begründung usw. Bei einem Historiker vom Range Dubnow8 kann man nicht ohne weiteres ein Ueber- ,elien annehmen, sondern muß auf eine mit der Anlage des Werkes zusammenhängende Absicht schließen, was *uch durch die überaus lückenhafte Bibliographie bc- *tätigt zu werden scheint Darum mag diesem Mangel Rein allzu großes Gewicht beigelcgt werden. Wesentlicher sind u. E. die in der Oeschichtsauffassung und Methode liegenden Fehler, die alle Arbeiten IDubnows kennzeichnen. Dubnow gehört zur Kategorie der politischen Geschichtsschreiber, zu denen in der deut- *eben Historiographie z. E Sybcl, Droysen, Treitschke *ählen. Ihre Auffassung vom Wesen und den Aufgaben dar Geschichtsschreibung besteht darin, daß sie, von «iner bestimmten politischen Ueberzeugung ausgehend, | diese aus der Entwicklung der geschichtlichen Ereignisse *Weiten wollen. Durch Wertung der auf das nationale J U EPISCH E RUNDSCHAU _ gelten, wenn auch mit Vorsicht. Denn auch das Opfer, das man der guten Sache bringt, darf die natürlichen 1 Kräfte des Menschen nicht um so viel übersteigen, daß ׳ es einen anspumpt, verbittert. Freilich Ist es gut, in; dieser Hinsicht etwas zu riskieren und die Größe des t möglichen Opfers nicht im vorhinein bequev-niedrig abzuschätzen . . . Erst im Laufe der Tat selbst, die auch Kräfte Zuwachsen läßt, zeigt sich die wahre unübcrschrcitbare Kraftgrenze. Dies alles aber gilt nur für den Bezirk der eigenen Seele.. Nach außen hin ״kompromißlos“ auftreten, sich mit ״Angriffen“ einführen, einen Verband ״sprengen“, kleine Mißverständnisse aufbauschen, persönliche Streitigkeiten ins Sachliche hinüberspielen und ihnen auf diese Art das Pathos einer sittliehen Forderung erborgen: ach, wie Inferior ist das alles und wie durchdringt cs wahrhaft ״kompromißlos“ unser jüdisch-politisches Leben, so daß man kaum einen Schritt nach vorn machen kann, ohne von rechts, von links, von hinten und von vorn durch Fauststößc ins Schwanken gebracht zu werden 1 Es gibt Phantasten, die immer wieder mit der Idee auftreten, in unserem Lager gebe es zu wenig Kritik, zu wenig Opposition. — O viel zu viel KritikI Und was die Opposition anlangt, so haben wir so viel von ihr, daß nur manchmal der ״Regierende“ fehlt, gegen den diese Opposition sich zu wenden Anlaß hätte. Man braucht nur die jüdischen Zeitungen auf zuschlagen. In Litauen: Konflikt zwischen J. D, C. und Nationalrat. in Palästina: ein Konflikt zwischen Eder und Ussischkin ausgebrochen. England: Konflikt zwischen Jabotinsky und der Exekutive. Amerika: Konflikt zwischen Brandeis und Weiztnatm. Die vielziticrte Talmudstclle von Kamza und Barkamza fällt mir ein. ״Wegen Kamza und Barkamza ist Jerusalem zerstört worden. Es bcfand sich nämlich ein Mann daselbst, der einen Freund hatte, namens Kamza und einen Feind, namens Barkamza. Er hielt eine Mahlzeit und befahl seinem Diener, den Kamza einzuladen; der Diener lud aber den Barkamza. Als dieser bei der Mahlzeit sich eingefunden hatte, sprach def.Hausherr zu ihm: Da du mein Feind bist, wie kommst Hu hierher? gehe hinweg. Jener sagte: Da ich nun einmal hier bin, laß mich bleiben und ich will dir gerne bezahlen, was ich esse und trinke. Er aber antwortete: Nein. Jener bot ihm an, ihm den halben Aufwand des Festmahls, ja das ganze Fest zu bezahlen. Allein der andere verharrte bei seiner Weigerung, nahm ihn an der Hand und führte ihn hinaus. Da sprach der Beleidigte: Es sind Rabbiner dabei gewesen und keiner derselben hat Einsprache erhoben. Daraus folgt, daß sie damit einverstanden waren. Nun will ich sie zur Vergeltung bei der Regicrung denunzieren.“ Der Urtyp jüdischer Streitigkeiten mit ihrer Verknotung von zufälligem Mißverständnis, altem Haß und pseudo-sachlicher Begründung Ist hier genial getroffen. Es ist gut, seine Fehler und die Fehler seines Bluts zu kennen, selbst wenn sie schauerlich sind. — Mit Entsetzen las ich in Simon Bcrnfclds neuerschienenem Buche ״Die jüdische Literatur“: ״Der Widerstand, den die zadokkitischen Priester bei der Festsetzung ihrer auschticßlichcn Tempelhcrrschaft seitens einiger Icvitischer Familien unter der Führung der Korachidcn fanden, wurde in den priesterlichen Kreisen als Auflehnung gegen Gott gebrandmarkt. Diesem Unterfangen ist die Erzählung von der Rotte Korah gewidmet ... In dieser wird die levitische Familie der Korachidcn als eine gegen Gott und die Priesterordnung verschworene Schar geschildert, ״die noch zu Moses Zeit ihren Untergang gefunden habe, während diese hochgeachtete Sängerfamilic, der wir eine Reihe der schönsten Psalmen zu verdanken haben, noch im Zeitalter der Chronik, somit etwa ein halbes Jahrhundert nach Esra und Nehemia, in hohem Ansehen stand“. — Die bibelkritischen Daten können Leben bestimmend einwirkenden ״politischen Prinzipien“ werden Grundsätze festgestellt, die, ähnlich den Naturgesetzen, für alle Zeiten maßgebend seien. Und so soll der politische Standpunkt des Verfassers dem Leser als eine aus den geschichtlichen Ereignissen mit Notwendigkeit sich ergebende Folge erklärt werden, quod erat demonstrandum. Es ist nun nicht zu leugnen, daß ein derartiges Verfahren fruchtbare Anregungen und Erkenntnisse bieten kann, wenn cs auch mit der von dem Historiographen so viel geforderten, allerdings kaum jemals erreichten Objektivität in stärkstem Widerspruch steht. Und zumal für die jüdische Geschichtsschreibung ist es sicherlich von Vorteil, wenn auch einmal eine andere Auffassung als die konventionelle von der jüdischen Konfessionalität zum Ausdruuck gelangt. Freilich ist es wohl zuviel des Outen, wenn die lehrhafte Tendenz des Historikers soweit geht, daß er nicht nur von der ihm unzweifelhaft zustehenden Freiheit der Stellungnahme zu den Ereignissen Gebrauch macht, sondern weit darüber hinaus Sympathien und Antipathien vom Blickpunkt des politischen Glaubensbekenntnisses verteilt. Man muß zugeben, daß Dubnow wenigstens in der Analyse des Zuständlichen sielt größere Reserve aufcrlcgt hat als die oben genannten politischen Geschichtsschreiber oder etwa Graetz, aber in der Beleuchtung der Handlungen großer Persönlichkeiten mußte er zu schiefen Urteilen gelangen, weil er sie an einem bestimmten Maßstab wertet, anstatt ihr Wirken aus Zeit und Verhältnissen zu erklären. Auch nach anderer Richtung wohnt Dubnows Dar- Stellung eine gewisse Tendenz inne. Seine Auffassung der jüdischen Geschichte als einer Geistesgeschichte, des jüdischcn Volkes als geistiger Nation öffnet seinem Blicke neben der politischen nur die geistige Entwicklung. Die in den Zustunden zum Ausdruck kommenden Ideen, die Persönlichkeiten als Repräsentanten vor. Ideen — das ist es, was Dubnow in der Geschichte sucht Der freilich bestritten werden. Gibt man sie zu, so Hat man es mit dem grandiosesten und scheußlichsten Beispiel einer literarischen Verketzerung zu tun, das die Weltgcschichte kennt. Und dies im heiligen Pentateuch. Wahrhaftig, — hätte unser Volk neben seinem Typ de9 Unverträglichen nicht auch die ewig wiederkehrende Erscheinung des milden Ahron, des friedfertigen Hillel usw. hervorgebracht: man könnte verzweifeln! Man könnte sagen (in der Verzweiflung): Wir Juden sind eine so hochgezüchtete Rasse, daß wir für dai Außerordentliche zwar gut genug, für das natürliche Leben aber verloren sind. Es ist nicht so. — Obwohl es oft genug gefährlieh so ausschaut, als ob der suggestive Typ des ״Hassenden“, des Unverträglichen und auf seine Unversöhnlichkeit Stolzen die Oberhand in unserem jüdischen Leben, selbst im kleinen, heute noch so zarten zionistischen Bau gewänne. Wie man dieser Gefahr begegnen kann? Vielleicht auf eine einzige Art. Indem man diesen Typ nie beim Nächsten voraussetzt. Ich habe es oft genug erfahren, daß die Art, in der man sich an einen Konferenztisch setzt, die Höflichkeit, mit der man fremde Ansicht anhört, wesentlicher ist als alles Programmatische. Meine einzige Hoffnung: wir sind nicht so bös gegeneinander, als wir tun. Nur gereizt sind wir, abgespannt von zweitausendjähriger Erhaltungsmühe. Ferien brauchen wir, lange Ferien in frischer Luft Die orthodoxe Denunziationsmethode Krakau, 22. Jan. (J. C. B.) Bei den vor einigen Tagen stattgefundenen Kultusgcmeindewahlen in Lanc u t haben die Zionisten die Majorität errungen. Ein Teil der Orthodoxen hat bei den Behörden auf schriftlichem Wege die Zionisten als Feinde des polnischcn Staates (!) denunziert, da nur dank den Zionisten das Ausland sich in innere politische Angelegenheiten menge. Wenn aber die Kultusstuben in den Händen der Orthodoxie verbleiben würden, so könnte das Aus-!and nie etwas über die inneren Angelegenheiten in Polen erfahren. (!) Die gesamte polnische Presse hat diese Denunziationen mit Befriedigung wiedergegeben. Die jüdische Presse bezeichnet das Vorgehen dieser Orthodoxen als ״eine Spekulation mit der Religion". Für diesen unglaublichen Verrat jüdischer Interessen- Politiker, die sich ״religiös“ nennen, wird wohl das gesamte Judentum aller Parteien nur ein einziges verdämmendes Urteil haben. Es ist wahrhaftig tief bedaucrlich, daß derartige Methoden bei der Orthodoxie einreißen. (Jüngst konnten wir einen Fall aus Litauen beriditen.) Was sagt der ״Israelit“ dazu? Wiedereinführung der Pressefreiheit in Rußland Warschau, 22. Jan. (J. C. B.) Zuverlässigen Informationen aus Moskau zufolge, beschloß der Rat der Volkskommissare, die Wiederherstellung der Pressefreiheit im Bereiche der russischen Sowjetrepublik. Demgemäß werden in Kürze neue Zeitungen verschiedener politischer Richtungen auf Orund einer bloßen Registrierung wieder zu erscheinen beginnen. Man erwartet, daß dadurch auch die allgemeine jüdische Presse Wiedererstehen werde, wodurch die Außenwelt wieder die Möglichkeit bekommen wird, mit der wirklichen Lage der russischen Judcnhcit vertraut zu werden, was aus der einseitigen Berichterstattung der kommunistisch-jüdischen Presse nicht möglich war. Die Einwanderung nach Kanada. Die amtliche Statistik über die Einwanderung während der letzten 8 Monate ergibt eine Verringerung der Einwanderung»- Ziffern um 37 0/0. ln diesem Zeiträume kamen nadi Kanada im ganzen 76 575 Emigranten, von denen 25 279 aus den Vereinigten Staaten stammen. sozialökonomische Faktor, der doch in der jüdischen Geschichte ein nicht minder starkes Agens außer den beiden genannten bildete, wird ignoriert oder tritt allzu stark in den Hintergrund. Gerade die Qeschichte der Juden in Polen und Rußland bietet reichhaltiges Material zur Beleuchtung der wirtschaftlichen Tätigkeit der Juden und muß in dieser Hinsicht weit ausführlicher gestaltet werden, als dies der Verfasser tut. Es ist zwar immerhin ein Fortschritt gegenüber der ״heroisehen“ Geschichtsschreibung, wenn Dubnow sein Augenmerk auf die Betrachtung des Zuständlichen in der politischen und Geistesgeschichte richtet, aber die überholte Konstruktion der jüdischen Geschichte als einer Summe vor Martyriologie und Literatur wirkt wenigstens in ihren letzten Ausklängen bei ihm nach. Dubnow hat sich eben von der Beeinflussung durch den historisehen Idealismus nicht hinreichend freigemacht, ja Ihn noch nach gewisser Richtung ausgebaut. Die modernen Schulen der Historiographie haben in seinen Werken noch keinen Widerhall gefunden, und dies ist ein neuer Beweis dafür, wie sehr die jüdische Geschichtsschreibung noch der Vervollkommnung bedarf. Gewiß wird diese nicht in der sklavischen Nachahmung anderwärts gewonnencr Methoden und Auffassungen bestehen dürfen, aber doch von ihnen viel, viel lernen müssen. Unbeschadet dieser grundsätzlichen Abweichungen von Dubnows Standpunkt bleibt er für uns die stärkste Persönlichkeit unter den lebenden jüdischen Historikern. Man wird seine Werke, auch sein letztes, selbst wenn man ihm nicht überall folgen kann, immer wieder mit Nutzen lesen. Aber man sollte sidi klar darüber sein, daß er noch lange nicht, auch auf den ihm am nächsten liegenden Gebieten, das letzte Wort der jüdischen Oeschichts• Schreibung gesprochen hat. Dr. Josef MeisL