Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1922)
- Date
- 1922-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 49 8׳ Mina, k»־c1 ndcn, Wien, jniclit piiU'n [vor ן r־״ {eben ,H.,1 s I aus lt?11 I Ein• tigen ^vohl \ des »tina. eruniptcn täg- Hilfe I« ja i wir rung nicht iiclie Untrotz t die s?11 bern daß : des!teilt Chen thaft 1 wir lalti• des un f und 1Üen, Kurtö'.eu das I an Iben amtl so L sic. der ' jü• daß von Jdct, dreh tiilx-n Nr 8 Gegenüber einem so ausgesprochenen Willen können wir unseren Standpunkt vor uns selbst und vor der Welt nicht rechtfertigen, indem wir BUr unsere freundschaftlichen Absichten gegenüber dem arabischen Volk beteuern. Wir müssen un- 5eren wahren Anspruch deklarieren, wir müssen Ihn aber auch begründen und müssen die Mittel i w seiner Ausführung angeben. Wir haben diesen Anspruch schon seit 2000 Jahren immer wieder 1 deklariert, wir begründen ihn vor uns selbst mit 1 unserem historischen Recht und wir begründen ihn 1 juch vor der modernen Welt mit dem Hinweis auf die Unverjährbarkeit unseres geschichtlichen Anspruchs und zugleich mit der Verpflichtung zu einer großen Zukunftsleistung. Wir lehnen das Argument der Araber, welche sich auf ihre heutige Majorität im Lande berufen, damit ab, daß wir wahre Gerechtigkeit fordern. Die wahre Gerechtig- Veit kann nicht darin bestehen, daß die heutigen Zustände an jedem Punkt der Erdoberfläche für immer sanktioniert werden. Man darf nicht aus der Zufallstatsache, daß gegenwärtig einige hunderttausend Araber in Palästina wohnen, ablcitcn, daß Palästina deshalb für immer arabisches Land bleiben müsse. Das Zentrum des Arabertunis liegt nicht in Palästina, es liegt in Mekka und Dnmaskus. Wären wir heute in der Lage, wirkliche arabische Politik zu treiben, d. h. wären wir schon eine jüdische Macht, so würden wir den Arabern vielleicht etwas bieten können, was sie zu ei!etn regelrechten Verzicht auf Palästina im politischen Sinne (unbeschadet der Rechte der arabischen Ein- *01111׳er) bewegen könnte. Manche arabische Poiiiiker, nämlich solche, die keine lokalpalästinensische, sondern großarabische Reichspolitik treiben wollen, haben schon vor dem Kriege und auch jetzt Verständnis hierfür gezeigt. Es gilt, diese?arten Fäden weiter zu spinnen, die bisher immer wieder abrissen, weil wir noch nicht die Macht sind, die zu einem wirklichen Abkommen mit den Arabern gelangen könnte. Und da wir nur aus eigener Kraft diese Macht nicht werden können, da wir unseren Aufbau in Palästina nur gestützt auf Englands Hilfe vollbringen können, so muß auch gegenüber den Arabern dieses England für uns eintreten, nachdem es sich einmal entschlossen hat, die Errichtung des jüdischen Palästina zu fördern und unseren Schutz als Mandatarmaclit u übernehmen. Die arabische Politik, die wir erstreben, wird dann möglich und vielleicht auch erfolgreich sein, venn England zunächst das machtlose jüdische Volk nicht nur gegenüber Ausbrüchen der arnbi-!dien Feindschaft schützt, sondern wenn es durch dne konsequent durchgeführte Politik dem arabisehen Volk deutlich macht, daß die in der Balfourlirklärung niedergelegte Politik endgültig und unerschüttcrlich ist, daß das jüdische Palästina kommt und kommen mul!, auch wenn die Araber sich dagegen sträuben. Nebenbei sei hier bemerkt, daß unsere alte l'arole, die Arbeit in Palästina unter allen Umständen fortzusetzen, bis wir die erstrebte Position tmmgen haben, heute als allgemeines Axiom genau so richtig ist wie zu der Zeit der Türkenherrschaft (und des historisch gerechtfertigten Kampfes der ״Praktischen“ gegen die ״Politisehen“). Aber wir dürfen nicht übersehen, daß inzwischen die arabischnationalcn Aspirationen weit lebhafter geworden sind und daß heute — nach der Balfour-Erklärung — ein Nachgeben gegenüber dem arabischen Widerstand eine ganz andere Bedeutung und eine viel tiefere Riickwirkung auf die Araber haben müßte als die frühere türkische Politik, die uns zwar nicht wohlwollte und uns hinderte, aber niemals programmatische Stellung nahm und auch das Aufkommen der arabiscli-nationaien Bewegung nicht gestattete. Heute bedeutet das Zurückweichcn vor den Wünschen der Araber die Zerstörung der notwendigsten Voraussetzungen jeder nennenswerten jüdischen Kolonisation, wofür die Ereignisse des letzten Jahres deutliche Beweise sind. Dem arabischen Widerstand nicht nachgcben, heißt — positiv ausgedrückt — die Einwanderung der Juden, den Schutz ihres Lebens und Eigentums, die Gewährung größerer wirtschaftlicher Konzessionen, kurz die jüdische Kolonisation gegen diesen Widerstand durchsetzen, und das kann heute nur durch das Einsetzen von Machtmitteln geschehen — was nicht mit der Anwendung von Gewaltmitteln identisch zu sein braucht. Schon der Hinweis auf diese Macht, schon ihr Vorhandensein genügt. Nur muß ganz deutlich sein, daß sic vorhanden und zur Durchführung der Balfour-Politik entschlossen ist. Ein großer Teil der Schwierigkeiten, die wir in der letzten Zeit zu bestehen hatten, rührte daher, daß die englische Verwaltung in Palästina gegenüber den Arabern nicht die nötige Festigkeit zeigte. Das Verhalten gewisser Beamten, die nachgiebige Haltung des High Commissioners hat in manchen arabischen Kreisen die Hoffnung groß werden lassen, daß hartnäckiger Widerstand noch zur Be-, seitigung der Balfour-Politik führen könne. Es hängt von der Haltung Englands ab, ob diese Hoffnung sich in nächster Zukunft weiter in den arabischen Kreisen befestigt oder ob sie zerstört wird. Es ist Aufgabe der zionistischen Politik, England zu einer so festen Haltung zu bestimmen, daß über die wahren Absichten Englands bei den Arabern kein Zweifel mehr aufkommen kann. Wir fordern keine Politik der Brutalität, aber eine Politik der festen Hand, denn unbeirrbar ist unsere Ueberzeugung, daß die zionistische Sache in Palästina nur durchgesetzt werden kann, wenn die Araber darüber belehrt werden, daß ihr Widerstand gegen das zionistische Ziel vergeblich bleiben muß. Diese Ueberzeugung kann durch keinerlei Uebcrredungskünstc geweckt werden, wenn die Araber nicht zugleich die Macht sehen, welche entschlossen ist, die jüdische Sache im Lande durchzusetzen. Es ist nur eine Frage der Taktik, der politischen Zweckmäßigkeit oder Möglichkeit, ob diese Macht sich äußerlich in indischen oder jüdischen Soldaten, in einer britischen Polizei oder in jüdischem Selbstschutz ausdrückt. Diejenigen, welche alle Machtpolitik verwerfen, die uns in Artikeln und Reden von der friedlichen Ver- . 1«׳,■««*■■וו■.■■ ■״■י■״ ■יff!■‘!■■!«mmmssmumm?»mmmmmmmmmmmmmmmmm itarld Uml iS an Auflicht«' $1111 in 178«), *, di«1;■ Bearum Ireinl!weg* , auf• 01• rid!•;»mW isse״• eben )dem wert•!h s<» ST er per• nicht jerein 1 di« man 1 die blich, leben ן ob r huin, Jüdische Geschichte hätte viel eher dm• Bciiaiullttiig des wirtschaftlichen und des geistigen Status der Juden verlangt, wir würde!» eine umgekehrte Ver- *Ölung des Schwergewichtes in diesem Werke, eine Märkern Betonung der geistigen Verfassung — nicht bloß Literaturbcridit — und der wirtschaftlichen Lage, 1v'Jn der wir fast gar nichts hören — und dne viel geringere Behandlung des Politisdien für weit richtiger gehalten haben. Wirtschaftlich und geistig hat im '9. Jahrhundert die, Judenhcit ein äußerst reges Leben entfaltet, politisch hingegen ist Verfall und Passivität äcr Ge.uemsdiait — trotz der Emanzipation des individuums — das Signum dieser Epoche, und deshalb : ist keine Zeit wie diese in den Augen des Historikers *0 unpersönlich armselig und reizlos Aber all diese Ausstellungen haben auch eine Kehr- «vite. Von der Biologie des Judentums hören wir zwar wenig, aber umsomehr lernen wir den Anatomen Dubnow schätzen. Was der Anatom an tatsächlichen! Aufzeigen Man, das tut Dubnow mit bewundernswertem Ernst und großartiger Sachlichkeit. Die Präzision der Dar- 5tellung besonders der politisdien Verhältnisse ist außer- °ul entlieh. In dem umfang reichen, von chrliohstcr Genauigkeit erfülltem Werte — Hannover ist allerdings 0*t 1866 von Preußen annektiert worden (II S. 29) die größte dänische Gemeinde ist wohl nicht Kopen- ״a8cn, sondern Altona gewesen (II, S. 482) - ist kein *dz, der nicht mit tatsädilidvcr Mitteilung erfüllt wäre. ,!e schliditc Sadütehkeit und die riesige ehrlidic Arbeit, I 'c '״ de״ beiden Bänden stedet, lassen den Verfasser |?•?. eu1c ^*״zweifelhafte Respektsperson im Wissenschaftichen wie jüdisdicn Leben ersd icincn. Mehr Leute rw!״ *“־ י1**״"d mancher Not wäre abgelsolfeti. ן Verfasser Hat bis vor kurzem in Sowjet-Petersburg ־־־ ״ ,wie man sagt — gehungert lind ist jetzt na dt Liucn gegangen. Wir warten mit größter Sympathie ] »«! die weiteren Bände. Oskar Baum Id» habe zum letztenmal Werke dieses blinden Prager Diditcrs vor dem Kriege gelesen; als mir nun in diesen Wochen seine neuen, in den zwei letzten Jahren erschienenen Bücher*) bekannt wurden, waren sie mir eine Uebcrrasdiimg. Die zuversichtliche Versonnenheit, die vertrauensvolle Güte, die Oskar Baums frühere Geschichten ausgezeichnet haben, waren kaum mehr zu merken. Die Erschütterungen dc9 Krieges und der Revolution haben die Probleme Baums geweitet, ins Allmenschliche gehoben, haben seiner Phantasie einen weiteren Flügclsdnvung verliehen und seiner Sprache neue Ausdrucksmöglichkeiten, ohne sie aber in die geballten Knalleffekte expressionistischen Stiles verfallen zu lassen. Die Bücher stellen unter der Einwirkung des Krieges und der Ideen, die er erweckt hat. Und das ist gut. Man kann nicht oft genug davon sprechen. Denn der Bürger vergißt allzu leidit. Und gerade deswegen, weil man so wenig mehr vom vergangenen Kriege spricht, erwachen die Möglichkeiten neuer. In den drei Büchern, die am stärksten von der Idee des Krieges beeinflußt stink ist vom Krieg überhaupt nicht die Rede. Nur von Versuchen, von Möglichkeiieit einer neuen Welt, einer neuen Menschheit der Gerechtigkeit, eines schöneren, geist- und liebeerfüllten Lebens. Und jtklinch ist in diesen Büchern der Glaube, der in ihnen immer wieder ausgesprochen wird: ״Es ist ein Sinn, ein Vorwärts, eine Richtung nach dem Himmel in der Welt" Aber diesem Glauben tritt der •) ״Das Wunder“. Drama, Drci-Masken-Vcrlag, Berlin. — ״Die verwandelte Welt“ Deutsch-östcrr. Verlag, Wien. — ״Die Tür ins Unmögliche“, K. Wolff, Leipzig, 1919. — ״Die reine Wirklichkeit“ Henris-Verlag, Reichenberg, 1921. ständigung des jüdischen und des arabischen Volkes sprechen, mögen nun i h r Mittel nennen, wenn sie ein besseres haben. Wir bleiben bei unserer Erkenntnis, daß es hier um nichts anderes geht als urn die Frage, ob Palästina jüdisches Land werden soll und daß, wie die Dinge heute stehen, die Araber, die Palästina als arabisches Land beanspruchen, nicht irgendeiner Ueberredungskunst, sondern nur der Macht weichen werden. Je deutlicher diese Macht heute zugunsten des jüdischen Palästina in Erscheinung tritt, um 80 größer ist die Hoffnung, daß dieses jüdische Palästina ohne ernste und blutige Kämpfe mit den arabischen Einwohnern entstehen wird. Die Zahl der Araber in Palästina ist nicht so groß, das politische Interesse des Gcsamtarabertums an Palästina ist nicht so stark, daß nicht eine feste Politik die heutigen Widerstände beseitigen und damit die Entstehung des jüdischen Palästina ermöglichen könnte. Aber diese Jeste Politik ist notwendig, sie muß am Anfang stehen, wenn das Ende die friedliche Verständigung von Juden und Arabern werden solL 6re$-Israel Arbtiterbildungskurse in Palästina Jerusalem, 19. Januar. (J.C. B.) Das Kulturkomitee der jüdischen Arbeiterorganisation hat in letzter Zeit Schritte unternommen, um einen geregelten Fortbildungsunterricht unter den Arbeitern zu ermöglichen, abgesehen von dem hebräischen Sprachunterricht, der schon seit mehreren Jahren durch eigene Lehrer unter der Arbeiterschaft Palästina» gepflegt wird. Zu diesem Zwecke hat die Arbeiter- Organisation mit Unterstützung der Palestinc Immigrant Wclfare Committces einen Wanderlehrer für Naturkunde bestellt, der in den verschiedenen Punkten Galiläas lokale Museen einrichtet; desgleichen sind zwei monatliche Kurse für hebräische Literaturgeschichtc und Nationalökonomie in Judäa eingerichtet worden, in Jerusalem hat die Arbeiterorganisation volkstümliche Kurse eingerichtet, in welchen unterrichtet wird: Zeichnen für Bauhandwerker, Tischler und Straßenarbeiter, Chemie, Botanik, Paiästinakunde, Psychologie, .Geschichte der arabischen Kultur, jüdische Geschichte. In der vergangenen Woche hat unter großer Beteiligung der Kursus von Dt Leo Mayer über Oeschichte der arabischen Kultur, Dr. Klausner über Entstehung des Christentums und Prof. D&naburg über Rom und Jerusalem in der Geschichte begonnen. Lithographische Abteilung beim Bezalel. Die wo« der Ktmstgewerbcscliule Bezalel in Europa bestellten Maschinen für eine lithographische Abteilung sind in Jerusalem cinget roffen, und die Abteilung wird jetzt ,imstande sein, alle Arbeiten, die die palästinensischen Verleger nach Aegypten vergeben mußten, selbst auszuführen, Von der Tabakindustrie. Die vor kurzem, etöffnete Zigarettenfabrik ״Ariel“ beschäftigt 40 Arbeiter, die 8—35 Piaster (ein Piaster — 1/ino ägyptisches Pfund) täglich verdienen. Mehrere Facharbeiter könnten noch Beschäftigung finden. Es mangelt besonders an Vor- Arbeitern. Einige ChaJuzim arbeiten zurzeit Halbschicht, bis sie das Tabakschncklcn und Sortieren erlernt haben. Zweifel gegenüber, der ersdüittert, aller wissend der Tragödie des Lehens zusieht, den furchtbaren Sclvinmcraschreien lauscht und der weiß, daß es keine Hilfe gibt, als sidh dem Gräßlichen, Rasenden, Schönen, Hinreißenden dieses Lebens, wie es ist, hinzugeben. Und neben dem Glauben an die Eriösbarkeit der Welt durch die hingebungsvolle Opfcrtat, durdi die fleckenlose Reinheit des einzelnen tritt der tätige Wille des Kompno• misses, der weiß, daß jeder Realisierung auf Erden, falls sic nicht im Traum des einzelnen sich verlieren will, falls sie helfen, lindem will, und sei es selbst um den Preis, das Uncrträglidie in seinen Orundzügcn vorläufig fortbcstehcn lassen zu müssen, ein peinlicher Rest anhaften muß, daß jeder Weg zum Alltag uml zur Masse ein Abstieg, ein Absturz ist und daß er des»• noch gemacht werden muß. Am tiefsten ist diese Problematik in dem Roma« ״Die Tür ins Unmögliche“ erfaßt. Das Sdiuld- und Sühneproblcm, nidit unbeeinflußt von der russischen, perversen Auffassung (״Strafe ohne Schuld ist süß“) spielt mit herein. In geballter Kraft straffen sich die Ereignisse, durch das Andcutende der Sprache wie in leicht unwirklidic Ferne gerückt. Grenzen des Seelenlebens werden betreten, in selten Eingestandenes getaucht, letzte, nie verwirklichte Möglichkeiten enthüllt. Die sorgsam behüteten Schranken brechen ein, und das Nackte, Mensch-Göttliche tritt zutage. Das Göttliche: der ungeheuere Wille der Schöpfung d*9 Neuen aus unerhörter Qual an dem Bestellenden; das Menschliche: das Unvermögen, die blinde Ahnung dc9 Weges in Klartieit des Marsches zu heben. ״Sehen Sie, die Qual ist, daß man sidt nicht vorstcllen kann, wie alles geändort werden soll und ebdt weiß, daß es unmöglich ist, es zu lassen, wie es ist*“ Eine merkwürdige innige Realistik belebt im Oegensatz dazu den anderen Roman Baums aus dieser Zeit: ״Die verwandelte Welt“ (״Da» Wunder“, ״Die