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Jüdische Rundschau · 1922-01-20 · Heft 6 (20.1.1922) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 6 (20.1.1922)
Date
1922-01-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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^SBSBOB l*te 6 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Seile 37 irnttinf 9wlcVhAn 7WPI Wpffpn 1U1<J wahrhaft Nützliclie der europäischen Kultur 1/6» IVallipi *WlavllCll & Wvl v v überncluncn und cs mit dem Outen, Schönen und 1 seinen fälschet, ' IN־ wo. hai wit erdii. fGcnhii luotvil^ M'*cl1c tu Sk: e nicht Mä/ciic Intwidf. die in« Ichad idit ak In <fcr n Zeit fahrend Iß aber »ringen, 1. Dai l Zeir. n dem n« י Kul tu: trister- Ueber. üebietc st Bis aiizig« r über tr wird ie voa (fisch St war tß der rt. In & rieh histoeferent iischen »e einer ho■ r Vert. Die tweifel- : jungt Poe9ie ut ist pradie lepiiarkönne hkena■ tn die ׳ Ausieferat räisühe :batten ajefültt 1“ mir xtstige wird, fonung se, ariisenen wurde K riet f herbuth"- richtet 1 Lärm ango izelnen ewigelegte ן die la nd ie das!־fährt, , 9w> rage״, >lle״ ilter lebräi- * jUo I vo« Tau- (lern «ninu• giclicn r, lerung Hi die» jtänd« M«"־?׳ | und s Er*!die6 gr der (tilgte, Von Dr. Josef Klausner, Jerusalem. Wir bringen nachstehenden Artikel des bckannten und verdienten Verfassers, der zweifellos interessante Perspektiven enthält, zum Abdruck, obwohl wir uns seine Betrachtungsweise nicht in allen Punkten zu eigen machen möchten. «cd. d. ״J. R.“. Neue Unruhen in J e r u s a 1 e ■in . . . Der zweite Ueberfall auf Juden in der heiligen Stadt, Ueberfällein Jaffa, Rechoboth, Pctach-Tikwah,Chedera. Zusammenstöße in allen anderen Kolonien, von Bcr-Tuwiah bis Mctullah. Ermordete .Schomrim, Kolonisten und Arbeiter von 1882—-1922. Was ist die Ursache dieser Unglücksfälle? Die Effendis und die arabischen Christen sollen den Pöbel gegen uns atifhctzen. Das stimmt. Aber warum läßt sich denn der Pöbel so leicht gegen ms atifhctzen? Die■ englische Regierung zeigt eine •ewisse Schwäche und besondere Nachgiebigkeit Tkn Arabern gegenüber. Auch das stimmt. Gab e; denn aber weniger Ueberfälle unter der türkischen, Herrschaft, der man eine solche ״Schwäche“ nicht vorwerfen kann? Es• muß docli eine tiefere Ursache ^:ben. ln diesen uiruhigen ,Zeiten können wir sie r cht bemerken. Wie sollten sie denn andere beli crken? Wir kennen die Araber. Wir wissen, wie wild, wie unwissend! sie sind. Trotzdem lebten wir vor dem Kriege in Städten und Kolonien friedlich beieinander. Es gab gelegentlich Ueberfälle und vereinzelte Morde, wie! es unter halbwilden Völkern nidit anders möglich ist. Aber eine bc wußte! Gegnerschaft gegen die Juden gab es nicht. Nun soll auf einmal das nationale Bewußtsein m den Arabern erwacht sein. Der Krieg soll sic uweckt haben. Die christlichen Antisemiten sollen sie aufgerüttelt haben. Doch daran mag vieles wahr sein. Noch kann, eine solche gewaltige geistige Umwälzung in dnem! halbwilden Volke unmöglich durch j rein äußere Ursachen hervorgerufen1 werden. Natbnales Bewußtsein setzt eilte ziemlich ho!ve Kulturstufe voraus. Nidit .einmal das russische Volk, das doch der Welt Tolstoi ,und Dostojewski geschenkt hat, diät das! volle nationale!Bewußtsein erlangt. Woher solle ein Häuflein Fellachen, die selber nur die Beduinen! als ״Araber“ bezeichnen, in einem halbwüstcn, kulturlosen Lande, das nicht einmal einen eigenen arabischen Schriftsteller erzeugt hat, allein zu nationalem Bewußtsein kommen? Nein, es ist nicht allein nationales Bewußtsein. Wäre dies die Ursache des Kampfes zwischen Arabau und Juden, so hätten die Effendis und die wenigen nationalistischen Intellektuellen (wieviel Araber gibt es denn überhaupt in Palästina, die auch nur des Lesens kundig sind?) nicht eine Bewegung entfachen können, vor der der Oberkomrmssar zurückschreckt und! Kolonialminister Chureh 111 sich genötigt sicht, ihr Rechnung zu tragen. Die Ursache des! Erfolges der arabischen cliauviuistischcn Propaganda ist darin zu suchen, daß der Gegensatz zwischen Juden und Arabern zu einem Kulturkampf, einem Kampf zwischen zwei Kulturen, einem Kampf zwischen zwei Welten geworden ist. Die Geschichte hat es nun einmal entschieden: Die Kultur Asiens und Afrikas muß vor der europäisdi-amerikanischen Kultur weichen. Die europäisch-amerikanisclie Kultur, die in sich Bestandteile der jüdischen, griechischen und römischen Kulturen aufgenommen hat, ist besonders stark und elastisch, ׳und die anderen Kulturen sind gezwungen, sich ihr zu unterwerfen. Die Japaner haben diesen Prozeß erkannt, sich ihm freiwillig unter- ״rdnet und haben dieser Unterordnung ihre Stärke zu verdanken. China wklersctzt sich diesem Prozeß und bildet den Schauplatz eines entsetzlichen Bürgerkrieges und furchtbarer Wirren, die das ganze Und zerfleischen. Die muselmaniscle Welt befindet sich in einem Zustande 'der Lethargie, seitdem sic »1« Spanien ausgestoßen wurde. Die griechische Philosophie, die die Musulmancn selbst den europäischen Völkern des Mittelalters vermittelt haben, haben sie vergessen. Die jüdische Religion und die jüdische Ethik hat sich der Islam nie aneignen können, und vom römischen Recht, Staats- Ordnung und politischer Kunst hat er niemals auch nur die leiseste Ahnung gehabt. Die Islamlinder sind immer mehr in Verfall geraten, bis der Weltkrieg sie überraschte. Die meisten von ihnen haben ihre Selbständigkeit verloren und sind in europäische Hände geraten. Die europäische Kullur wird die träge Islamkultur verdrängen. Nur tmc Möglichkeit gibt es, die Katastrophe abzuwenden. Das ist der Weg, den der Engländer B a - COn bezug auf die Natur gewiesen hat: Indem’ 1״an sich den Naturgesetzen, unterordnet, kann man die Natur beherrschen. Man muß das Gute, Neue Nützlichen der alioricntalischen Kultur vcrsclfmelzcn. Wir Juden haben das längst erkannt. Wir sind ein ost-wcstliclics (Volk. Orientalen der Abstammung und den Neigungen nach! (denn, was ist der Drang nach Zion anderes als eine Neigung zum Orient?), sind wir im Verlaufe der Geschichte und unserer fünfzehnhuudertjährigen Wanderung durch I Europa zu Europäern geworden. Unsere Sprache 1 ist orientalisch-europäisch. Das Neu hebräische fußt | ebenso auf Jesaias und H il lei Hanassi wie { auf Plato und Byron. Die neuhebräische Litera- 1 tur hat in sich gleichzeitig so viel Orientalisches j und Europäisches, daß man bei Mendele, Bia- 1 ik und Ach ad Haam nicht weiß, wo der Jude aus der Zeit des zweiten Tempels endet und der' Europäer des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt. Unsere gegenwärtige jüdische Kultur ist ein <)emisch von Judentum und Menschentum, von Orient, der von Europäismus durchtränkt ist. Koren Hojosaod Am Montag, den 23.Januar, abend« 8 Uhr findet in den Räume« de# K J. V., KurfUrstenttr. 160 eine von der Koron Hajessod-Zontrale für Deutschland und der KerenHajessod-KommiasloD der B. Z.V. gemein* 8am einberufeno Sitzung aller alojustiecken Mitarbeiter statt, mit der ausschließlichen Tagesordnung: ,.Stand und V/oitorfQSirung der Keren Hajossod»Arbeit in Berlin״ Referent: Herr Rechtsanwalt F• Hx Roaenblilth Es wird erwartet, daß an dieser außerordentlich wichtigen Sitzung nicht nur die Vorstttude und Keren Ilajejsod-Leltor der Bezirksgruppeu, sondern auch alle anderKereuHsjcsfOd-ArbeitinteressiertenGesianung»- genossen teilnehmen werden. Mit einer 'solchen Sprache und Literatur, mit solcher Kultur, mit solchen altneuen Idealen der Wiederherstellung einer auf eigener produktiver Arbeit basierenden nationalen Wirtschaft und Wiedergeburt eines Rationalen Geistes kamen Juden nach Palästina und stießen dort auf die Araber, die genau so leben!wie sie vor Jahrhunderten ge-, lebt l\aben. Der Araber sicht eine Welt vor sich, die zu seiner eigenen in krassem Gegensatz steht. Der Araber, der noch heute seine Frau für Geld kauft wie sein Pferd und seinen Esel, der auf die Frage: ״wozu hast du eine zweite, alte und häßliehe Frau gekauft, wo du doch noch eine junge und schöne Frau hast“, antwortet: ״die kostet mich ja bloß! 2 ,Pfund“; der vor kurzem beim Oberkommissar sich darüber beklagte, daß! man Frauen bei Gericht zuläßt —dieser Araber sieht Tel-Awiw vor sich, wo Männer und Frauen als vollständig gleichgestellt auf den Straßen Zusammengehen. Dieser Araber, der in jedem Arbeiter und einfachen Fellachen einen Knecht oder doch einen Menschen zweiten Grades sieht, findet in den Kolonien Arbeiter und Bauern, die zwar arm sind und mit eigenen Händen arbeiten, also keine Effendis sind und dennoch wie Effendis aufrechtgehen, Zeitungen lesen, Versammlungen abhalten, protestieren, streiken, (demonstrieren und Forderungen stellen. Er sieht eine fremde Kultur, sonderbare Sitten, merkwürdige An• schauungen .und ihm unbekannte Lebcnsgewohnheiten,!und er fürchtet dieses Neue. Jeder Mensch ist konservativ;und mehr als lalle der Orten tale. Er fürchtet das Neue und kann, sich daran nicht gewöhnen.,!und da der Träger all dieses Neuen noch dazu einem fremden Volke angehört, steigert sich bei ihm die Angst (und überträgt sich! von der Sache auf die. Person. Das führt zu Mißverständnissen. Er kann und will dieses Neue nicht verstellen. Phantastische Gerüchte über dieses eigentümliche Volk verbreiten sich nach orientalisicher Art unter allen Schichten des Volkes, das Mißtrauen dringt bis in die persönlichsten Beziehungen, und der Haß wird immer größer. Und so wird der Boden beseitet für alle Hetzer, die die Unwissenheit und Kulturlosigkeit des Volkes zu ihren Zwecken mißbrauchen, um seine Aufmerksamkeit auf die Träger dieser neuen Sitten zu lenken und es gegen sie aufzuhetzen. Dies ist der Nährboden der Unruhen, die in ihrer Form an die Unruhen in Rußland, in der Ukraine und Polen, erinnern, in ihrem Wesen aber von ihnen grundverschieden sind. Was können und sollen wir dagegen tun? Sollen wir etwa die europäische Kultur, aufgeben, wie es uns neulich das in Jerusalem' erscheinende Blatt der ״eingeborenen Juden“ ,geraten hat? (Gemeint ist des• ״Doar Hajom“. Antn. ä. Red. d. ״Jüd. Rundsch.“) Das wäre die größte Sünde gegen den Fortschritt, gegen die allgemein-menschliche Kultur, gegen di!e Nation sowohl wie gegen die Menschheil Es hieße das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. Nicht um׳ Asiaten zu werden, sind wir nach Palästina gekommen. Wir wollen nach Asien das beste ,aus der europäischen Kultur hinüberretten, al>er Ruch das beste aus der asiatischen Kultur, die ja zum großen Teil auch unsere Kultur ist, in der neuen, von uns zu schaffenden Kultur verarbeiten. Wenn wir nach Palästina gehen sollten, um (Araber zu werden, dann hat (der ganze Zionismus nach innen und nach außen keine Daseinsbered», tigung. Nach innen kann nur die Wiederbelebung der alten hebräischen Kultur auf einer neuen Wirtschaftlichcn Grundlage der produktiven Arbeit die enormen Opfer rechtfertigen. Nach außen hin kann der Zionismus nur als eine Brücke zwischen Orient und Okzident betrachtet werden, wobei unter Orient die alt e arabisch-jüdische Kultur zu verstehen ist und nicht die gegen wartige arabische Welt. Die Araber der ganzen Welt geben heute der Kultur nichts, die Araber PalästinaS haben ihr nie etwas gegeben. Und wenn wir es nicht zustandebringen, sie zu uns emporzuheben, wenn wir zu ihnen hinuntersteigen sollten, so haben die übermenschlichen Anstrengungen, ohne die ein armes, halbverwüstetes Landeben nicht aufzubauen ist. ׳keinen Sinn. Uns bleibt nichts anderes übrig, als an der europäisch-jüdischen Kultur festzuhalten und den Arabern klar zu machen, daß unsere Kultur nicht allein europäisch, sondern europäisch -orientali'sch ist, westöstlich, semitisch und arisch zugleich. Und wenn die Araber ein Kulturvolk werden wollen, bleibt auch ihnen nichts anderes übrig, als den von uns betretenen Weg einzuschiagcn, auf daß die in Palästina entstehende Kultur nicht nur eine orientaüsch-okzidentale, sondern auch in gewissein ßinnc eine jüdisch-arabische werde. Doch Jst ein kulturloses und unwissendes Volk sehr schwer zu belehren. Es gehört eine gewisse Kulturstufe dazu, die der Araber von heute noch nicht — oder nicht!mehr — hat. Der Unwissende, des Lesens und Schreibens nicht kundige, dunkle Araber haßt und fürchtet jede neue Regung und sicht in dem׳ Träger dieses Neuen seinen Feind. Er fürchtet für seine Religion, für seine Kultur, aber noch mehr für seine Vorurteile, seinen Aberglauben und seine barbarisehen Sitten. Jedes Predigen, jede Aufklärung, jede Rechtfertigung ist vollkommen nutzlos. Hier können nur Zeit und Ausdauer helfen. Der mißtrauische Araber muß wissen, daß das Neue eine Kraft ist, die niemand wagen darf, ungestraft anzutasten. So war es auch unter der türkischen Herrschaft. Ein Europäer war das Heiligste in den Augen eines Arabers. v Wenn er ihn auch in seinem Herzen haßte, fürchtete er ihn dennoch und achtete ihn. Diese Furcht führte zu Ehrfurcht und schließlich zur Nachahmung. Zunächst war die Nachahmung rein äußerlich, aber dies ist der Weg jeder Erneuerung einer Kultur. Zunächst ändert sie sich nur äußerlich, und erst nachher kommt die innere Umwandlung. Der Araber sieht im Juden den Träger einer neuen, europäischen Kultur. Das Orientalische, Semitische, Asiatische in uns .sieht er nicht: In das Innere des Juden dringt er nicht und ist auch nicht imstande zu dringen. Seinem Aeußercn nach aber ist der aus Europa kommende Jude vollkommen Europäer, das Symbol der fremden, verhaßten europätseben Kultur. Der Araber haßt also im Juden den Europäer, während der Europäer im Juden den Juden haßt. Vom europäischen Juden überträgt der Araber seinen Haß auch auf die anderen . Juden, auf die orientalischen, denen er früher, wenn auch keine Liebe, 90 doch Wohlwollen entgegenbrachte. Dieses psychologische Moment nutzen Christen, Araber und Europäer (die zu diesem Zweck ihren Europäismus etwas zurückdrängen) aus, um die Lunte des arabischen Nationalismus an das Pulverfaß des Hasses der fremden Kultur zu legen. So entstehen Unruhen unter dem antisemitische« General Bois wie auch unter dem ״ersten jüdischen Oberkommissar“, der sich selbst erheblich um das Zustandekommen der Balfour-Dcklaration verdient gemacht hat, lange bevor er auch nur im entferntesten an dieses Oberkommissariat dachte. Dies ist die richtige Erklärung für den Erfolg der chauvini• stischen Propaganda bei einem gewissen Teil der Araber. Von nationalem Bewußtsein europäischem Sinne kann hier keine Rede sein, wohl aber gibt es hier eine abgrundtiefe Kulturlosigkeit, Stumpfsinn und Unwissenheit und vor allem einen Haß gegen alles Neue, einen Haß gegen ganz Europa, einen Haß gegen seine Re־ ligion, Kultur, Macht, Sitten und Gewohnheiten. Auch dort, wo es keinen Juden! und keinen Zionismus gibt, in Aegypten, Mesopotamien, Indien, kommt allmonatlich dieser mohammedanische Haß gegen alles Fremde in Form von Aufständen und Demonstrationen zum Ausbruch, gegen England oder gegen jede andere europäische Macht, die sie nicht, wie Frankreich Syrien, aufs grau-

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