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Jüdische Rundschau · 1922-01-17 · Heft 5 (17.1.1922) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 5 (17.1.1922)
Date
1922-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Das taSischc Leben in der Diaspora werde immer anormal;״h1 disliannonisdi sein. Nur in Palästina könne j;ne cinlreitlidic, normale und harmonische Schule ge- ״■haften werden. ln der vierten Sitzung wurde die Debatte zu den Referaten von Schneerson und Outma 11 n über die Form und den Inlialt der jüdischen Erziehung fortgeveirt. Der Leiter der russischen ״Tarbuth", Chaim Orünberg, vrsdiien im Saale und wurde wann begrüßt. Orünberg dankte für die Begrüßung und erzählte, wie vor dem Kriege zum ersten Male von ihm .«1 Jabot i n sky das Objekt einer jüdischen Schule mit hebräischer Unterichtsprache ausgearbeitet wurde. Was damals ein frommer Wunsch war, das sehen wir heute liier verwirklicht. In der ganzen Welt bestehen jetzt aWrcicIic Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache. Die polnische Judcnhcit, die in kompakten Massen lebt, ist in der glücklichen Lage, in dieser hcbräisclien Be- «ep»g voranzugehen. Die Zuhörer dankten Orünberg (ür seine glänzenden Ausführungen mit stürmischem beinhaltendem Beifall. (Schluß folgt.) Die Stellung der Juden in Wilna Wir haben bereits über die Besprechungen berichtet, die die polnische Regierung mit Vertretern der Wilnacr liklenschaft eingeleitct hat. Bekanntlich, haben die Juden «ich bei den Wahlen zum Wilnacr Sejm der Stimme mfhalten, um keine Praejudiz für die Anerkennung der polnischen Herrschaft zu schaffen, bevor die Frage vor dem Völkerbund gelöst ist. Ueber die Fortsetzung der Verhandlungen, die keine n offiziellen Charakter trüget^ geht uns nachfolgender Beridit zu: Die üklischen Vertreter legten den Standpunkt der Juden bezüglich ihrer Wahlenthaltung klar. Die Re-?immgsvertreter erklärten in inoffizieller Weise, daß die Regierung bereit sei: 1. Die jüdischen Oemeinden im Wiinaer Gebiet zu legalisieren. 2. Die polnische Regierung könne jedoch nicht den Waad-hak’hUot (Verband der jiklisdien Gemeinden) anerkennen, solange die Einzelgcmeinden nicht legalisiert wären. Sollte sich aber die Notwendigkeit der Existenz eines solchen Verbandes zeigen, werde die Regierung gegen die Gründung eines solchen nicht auftreten. 3. Die Regierung sei im Prinzip bereit, die jüdiwhen Schulen im Gebiet von Wilna zum Teile »1( Regierungskosten zu erhalten. Die zeit- »eilige Regierungskomniission in Wilna müsse die diestaüglichcn Budgetvorlagen der Regierung einschicken 4. Die Regierung beabsichtigt nicht, in Wilna das Gesetz über die Sonntagsruhe in der Schärfe wie h Bolen «uszuführen. Für die Erfüllung dieser Forderungen verlange die Reperung von der jüdischen Bevölkerung, daß sie nicht feindlich gegen die polnischen Gpiranten auftrete. Die Wilnacr Judenschaft solle daher dem Ausland zu verstehen geben, daß ihre Wahl- Enthaltung keinen feindlichen Akt gegen die Vereinigung Wilnas mit Polen bedeute. , Hierauf erklärten die jüdischen Vertreter, *daß sie ’di als Bürger von Großlitauen fühlen; die Wilnacr judenschaft sei gegen Polen nicht feindlich gestimmt. Als Bürger von Großlitauen haben die Juden nur den Wohlstand ihres Landes im Auge. Sollte das Ausland *e über ihren Standpunkt in der Frage ihres Landes Wragern so werden sie mit der gehörigen Würde die Antwort erteilen. Hierauf wurden die inoffiziellen Bc- Vechungcn ohne positiven Erfolg geschlossea JUED18GHE RUNDSCHAU Seite 20 Citauen Gleichstellung der Jüdischen Gemeinden mit den städtischen Selbstverwaltungen Kowno, 10. Januar. Von den zuständigen Re- Pwungsstcllen ist eine Erklärung erfolgt, wonach die Fischen Gemeinden von der Leistung der Postgebühren ״weit werden, da sie im Sinne der Verfassung analoge 1 stitutioncn wie die Organe der Munizipalität und der "Ei! selbst verwal tu:!ren sind. Pogromhetzeride Wrangel-Offizlcre. Konstantine►- rs!0. Jan. (J.C. B.) Eine Gruppe der zur Wrangel- ^nnec gehörenden Offiziere marschierte vorgestern י״ך auf die Straße und warf sich unter der Losung!p>cl11agt die Juden nieder! Rettet RußlandI“ auf die Wuschen Passanten. Der Zwischenfall dauerte nicht fA£e! da bald darauf englische Soldaten auf dem Platz «Wuenen, die die vagabundierenden Wranget-Hclden ״®(hafteten und sie dem Oericht einlicfertcn. Das «mfitsvertahrcn wird gegen sie in Kürze aufgenommen ״«Wen, ,״,Volkszählung in Siebenbürgen. Die amtliche Volks- *«niung ln Siebenbürgen hat 5208345 Einwohner fest- Wellt, von denen 170 943 Juden and. (Ziko.) Das Martyrium der jüdischen Flüchtlinge am Dnjcslr Die rumänische Presse veröffentlicht Berichte über verschiedene Vorgänge an der russisch-bcßarabischen Grenze, aus denen ersichtlich wird, daß am Dnjcstr von rumänischen Soldaten Schandtaten verübt wurden, deren Opfer die jüdischen Flüchtlinge aus Sowjetrußland sind. ״Mantufrca״ berichtet von Füllen, in denen solche Flüchtlinge, darunter auch Frauen und Kinder, getötet oder ihrer gesamten Habe beraubt wurden. Der ״Adeverul“ in Bukarest bespricht in einem Artikel die Raub- und Mordtaten, die sich seit geraumer Zeit am Dnjcstr abspielen und die in der letzten Zeit den Charakter von Massakrcs angenommen haben. Diese Zustände dauerten an, obgleich der Minister des Innern gegen Exzesse von Soldaten cingcschrittcn sei, welche sich den Kriegszustand und die Zensur für ihr Verbrechen zunutze gemacht haben. Das Blatt berichtet von einem grüßliehen Fall aus den letzten Tagen, wo eine Gruppe von acht Personen von einem Grenzposten in gräßlicher Weise verstümmelt und dann erschossen wurde. Es wurde eine Untersuchung angeordnet, bei welcher zunächst die barbarische Roheit fcstgcstellt wurde, mit der die Mörder vorgegangen waren. Die russischen Behörden forderten, daß eine Kommission von vier Offizieren die Erlaubnis erhalle, über den Dnjestr zu kommen, um sich über die Vorfälle zu informieren. Die erbetene Erlaubnis wurde erteilt. Diese Offiziere wurden von rumänischen Grenzsoldaten verhaftet, mißhandelt und aiisgcrnubt und, nachdem ihnen alles weggenommen war, schließlich erschossen. Mit dem Bericht über all diese Schreckenstaten, deren Urheber der Kapitän Mardarie ist, begab sich der Minister des Innern ins königliche Palais. Der König hat verfügt, daß die Herren Take Jonescu und Kriegsministcr General 'Holban sofort telephonisch ins Palais berufen würden. Die Diskussion, die hernach folgte, dauerte fast zwei Stunden. Soviel kann berichtet werden, daß der König erklärt hat, er werde nicht dulden, daß diese Situation auch nur noch einen Tag dauere. Der Minister- Präsident versprach, daß die strengsten Maßnah• in e n gegen die Schuldigen ergriffen werden würden. Es wurde auch die Angelegenheit des Belagerungszu- Standes besprochen, dem zum größten Teil diese Schreckenstaten zu danken sind. Deutschland Die Po&le-Zion auf der Konferenz derü.S.P.D. in Leipzig Im Namen des Weltvcrbandes Poalc-Zion begrüßte die Konferenz der U.S. P. D. Herr S. Rubaschowt Nachdem er die Bedeutung der U. S. P. D. und die Entwicklttng des Weltvcrbandes Poale-Zion, wie auch seine Stellung innerhalb der internationalen Arbeitsgemeinschaft charakterisierte, fuhr: er fort: ״Die jüdische sozialistische Arbeiterbewegung hat vom Deutschen Sozialismus viel gelernt. Der wisset»- schaftlichc Sozialismus Deutschlands war von jeher weg- Weisung für die jüdische Arbeiterbewegung, Wir wollen cs auch nicht vergessen, daß, als das jüdische Proletariat in einer ernsten Stunde der Entscheidung vorm Tribunal der damals noch geeinigten Internationale in Amsterdam erschienen ist, und die Anerkennung seiner Rechte auf nationale Entfaltung in allen Ländern seiner Siedlung und auf Aufbau seiner freien jüdischen Gesellschaft in Palästina forderte, es die U, S. P. D. war, die diesen unseren Lebensfragen Verständnis und Stütze entgegengebracht hat. Euer Führer, der unvergeßliche Hugo Hnase war es, der mit unseren Vertretern für diese Anerkennung gerungen und sic miterrungen hat. Im Laufe der letzten Zeit haben viele Heimlosc und arbeitslose jüdische Arbeiter aus dem Osten in Deutschland Unterkunft und Arbeit gefunden. Und als sie auf manche große Schwierigkeiten stießen und «unsere Genossen den Kampf um ihr Recht auf Arbeit aufgenommen haben, war es wieder die U. S. P. D״ die sie auch diesmal iin Kampf brüderlich unterstützt hat. Möge dieser Geist der internationalen Solidarität auch fernerhin die Tätigkeit der U. S. P. D. beherrschen. Im Clvor des internationalen Sozialismus darf jetzt unsere Stimme heller ertönen als je zuvor. Weil wir jetzt nur noch schwierigeren, aber noch zukunftsreicheren Arbeiten und Aufgaben stehen. Nicht allein von Pogroincn und Verfolgungen haben wir jetzt zu berichten. Leider immer noch auch davon, aber nicht ausschließlich davon. Nicht allein unsere sozialistische Bereitschaft und unseren revolutionären Enthusiasmus haben wir hier zu ׳bekunden. Sicherlich auch dies, aber nicht ausschließlich dies. Unseren Brüdern im Kampfe haben wir jetzt noch die Mitteilung zu machen, daß wir den Weg der Selbstbefreiung und der sozialistischen Verwirklichung beschritten haben. Unsere Avantgarde in Palästina arbeitet .jetzt mclit allein an der Befreiung des jüdischen Volkes, sondern auch an der Verwirklichung des Traumes der Sozialisten aller Länder und Zeiten. Unsere Gesellschaft, die sie dort in anfopfcrusvollcr Weise jetzt gründet, soll auf den Grundlagen der Selbstarbeit, des Kollektivismus und der internationalen Solidarität gebaut sein, und wir möchten hoffen, daß uns bei dieser Wirtschaftliehen Aufbauarbeit die Unterstützung des Weltproletariates ebenso gewiß sein wird, wie sic uns stets in unserem politischen Kampfe zuteil geworden war. Nehmen Sie jetzt die SolldaritätsgrüOe unseres Welt• verbände« so auf, wie sie wirklich gemeint sind: mit vollem Vertrauen^ auf brüderliche Art, Glück und Erfolg wünschend." Die Rede wurde mit großer Aufmerksamkeit an• gehört und vielmals durch Applaus unterbrochen. Zionistische Bewegung Gedenkfeier für A. D. Idelson Am Sonnabend, den 7. Januar, veranstaltete da« Lökalkomitce der russisch-ukrainischen zionistischen Föderation im Saale» cics ״Rheingold" einen Traucrabcnd zur Erinnerung an den verstorbenen Redakteur des ״Raswjet" und ״Haolam“, A. D. Idelson. Der Saal war mit dem Bild des Verstorbenen und mit der mit Trauerflor umwundenen Nationalflagge geschmückt. Der Grund ton aller Reden war der, daß die zionistische Oeffcntlichkeit den immer bescheidenen und zurückhaltenden Idelson nicht gebührend gewürdigt hat. I. A. Rosow, der die langjährige Tätigkeit Idelsons verfolgt und miterlebt luit, sprach über Idelson als von der lebendigen Geschichte des russischen Zionismus. Idelson war der Initiator und die treibende Kraft aller Unternehmungen des rassischen Zionismus, jedoch hielt er sich immer zurück, blieb gern im Hintergründe, während er seine Ideen seinen Mitarbeitern und der Organisation vermittelte. Dr. A. «Klee wies auf das tragische Schicksal des Verstorbenen hin, der ein Sinnbild der gesamten russisch-jüdischen Intelligenz war. Dr. FI i n d e 9 charakterisierte die moralische Gestalt von Idelson, die Reinheit der Idee und tiefe Maischlichkeit erfüllte. Diese edlen Eigenschaften lebten in Idelson unter der Maske der Strenge und der Satire. Gorelik charakterisierte die literarische Tätigkeit Idelsons und seine politischen Anschauungen. Schechtmann schilderte Idelson als Lehrer, der niemals die Massen belehren wollte, wohl aber die Jugend, aus der die zukünftigen Lehrer und Führer hervorgehen sollen, Ein begeistertes Schlußwort hielt Bialik. Er erzählte von seiner Tätigkeit mit Idelson und Ach ad Ffaam, die an der Konferenz in Minsk im Jahre 1904 die Kulturkommission bildeten. Obwohl Idelson und Achad Haam politische Gegner waren, arbeiteten sie ausgezeichnet zusammen, weil beide ihre Anschauungen aus ein und derselben Quelle schöpften — aus der nationalen Romantik. Eine charakteristische Eigenschaft Idelsons war, daß er es liebte, seine Romantik unter der Maske des nüchternen Realismus zu verbergen. Die Versammlung, der Dr. A. S. Rosenthal präsidierte, ging unter dem Eindruck tiefer Trauer Und Verehrung für den Verstorbenen auseinander Die Opposition der französischen Zionisten (J. P. Z.) Eine Reihe französischer Zionisten, an der Spitze Max Nordan und Prof. Marmorek, veröffentlichen im ״Pcuple Juif“ eine Deklaration, wonach die von der Zionistischen Organisation begangenen und ihr in gerechter Weise vorgeworfer. m Fehler sich auch auf die Keren H a j e s s o d - A k t i o n zu erstrecken beginnen. Sic seien daher nur bereit, nur unter folgenden Modalitäten für den Keren Hajcssod zu arbeiten; Deponierung der in Frankreich gesammelten Fonds in einer Bank, Bildung eines beträchtlichen Fond9 vor Verwendung der Gelder, die erreichte Minimalglobalsumme soll direkt nach Palästina überwiesen werdet» und einzig für Immobilarzwccke verwendet werden, Reduktiou der Gencralunkostcn auf ein Minimum, nur die subalternen Beamten dürfen entlohnt werden, Gründung eines nicht bezahlten (!) Komitees für Leitung und Kontrahierung der Operationen, vollständige Scheidung zwischen dem Keren Hajcssod und dem speziellen Budget der Zionistischen Organisationen. Merkwürdige Wege geht die Opposition der französischen Zionisten! Es wäre erfreulicher, wenn man von ihnen endlich einmal zionistische Taten zu hören bekäme statt böswillige Deklarationen, deren Wert nur in ihrem demonstrativen Charakter liegen kann. Die Forderungen der holländischen Zionisten Den Haag, 10. Jan. (J.C. B.) Hier wurde die 22. Jahrcskonferenz der holländischen zionistischen Organisation abgchalten. Der Antrag Abraham Simons auf Reorganisierung der Leitung der Zionistischen Weltorganisaiion wurde einstimmig angenommen. Der Antrag lautet: ״Mit Rücksicht auf den Umstand, daß die einzige Aufgabe der Zionistischen Weltorganisation der Wiederaufbau Palästinas sei, unter strenger Aua- Schaltung der Galuth-Arbeit jedweder• Art, fordert die Konferenz: a) Die Reorganisierung der Zionistischen Weltorganisation in folgender Weise: 1. Die Stabilisierung einer homogenen Exe-, kutive mit genau umschriebener Verantwortlichkeit; 2. die Ernennung von Fachleuten zur Leitung der verschiedenen Institutionen, die zur Durchführung des Wiederaufbaues in Palästina bestimmt sind; 3. die Ernennung einer besonderen Körperschaft zur Ausübung der finanziellen Kontrolle; 4. den Wiederaufbau Palästinas durch Einschrinkung aller unproduktiven Auslagen zugunsten der produktiven. b) Diese Konferenz fordert sämtliche zionistische Föderatlonen gleicher Auffassung auf, mit dem holländi* sehen Zionistenbunde behufs Verwirklichung de• obigen Programms mitzuarbeiten.

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