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Jüdische Rundschau · 1922-01-17 · Heft 5 (17.1.1922) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 5 (17.1.1922)
Date
1922-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 28 Jnstruktionen haben, im Sinne der Zentraircgicrung zu handeln. Wir sehen ab von dem den Tatsachenbericht enthaltenden Teile des Weißbuches, welcher eine anschauliche und spannende Darstellung der Ercignisse in Jaffa und in den Kolonien gibt. Wir wollen auch nicht auf die Frage eingchen, ob bei Feststellung der Tatsachen die Kommission stets ganz unanfechtbar verfahren ist, insbesondere bei Zeugenvernehmungen, Ortsaugenschein u. dgl. Wichtig aber ist vor allem jener Abschnitt, der ״Conclusions“ (Schlußfolgerungen) überschrieben ist. Dieser Abschnitt sucht die Gründe für den Ausbruch der Unruhen festzustellen und er findet den Hauptgrund in der Unzufriedenheit der arabischen Bevölkerung mit der von England eiligesclilagcncn zionisteufrcundlichen Politik. Die Angäbe verschiedener jüdischer Zeugen, daß der Widerstand sich im Grunde nicht gegen die Zionisten, sondern gegen die britische Verwaltung richte, bezeichnet der Bericht als grundfalsch. Nur so weit sei die britische Verwaltung Ziel der arabischen Angriffe, als inan ihr vorwirft, daß sie die Minderheit zum Nachteil der großen Mehrheit der Bevölkerung begünstigt. Die zionistischen Anspräche sind also die letzte Ursache aller Verwirrung. Diese Auffassung ist der Angelpunkt, auf welchem die ganze politische Deduktion sich atifbaut. Sie bestimmt auch den Gesamtem• druck, obwohl inan in E i n z e 1 h e i t e 11 oft einen guten Eindruck von der Tätigkeit und objektiven Haltung der Kommission hat. Im einzelnen ist die Kommission geneigt, den Arabern unrecht zu geben. Sie kann nicht umhin, zu konstatieren, daß die große Mehrheit der Juden, einschließlich der Arbeiterschaft, mit Bolschewismus nicht das geringste zu tun hat, und daß daher die Rechtfertigung der Pogrome als antibolschewistischer Abwehr wegfällt. Sie gibt zu, daß der arabische Pöbel mit einer Grausamkeit sondergleichen vorgegangen ist, und daß die Mordtaten von einer Orgie der Plünderung begleitet waren, so daß selbst Vergeltungstaten der Juden begreiflich erscheinen müssen. Außerordentlich belangvoll ist ferner die Darstellung der Kommission von dem ’Ueberfall auf Chcdcra. Es wird darin geschildert, daß die Stimmung der arabischen Bevölkerung in Tulkeram und anderen Orten durch offenkundig falsche Gerüchte gegen die Juden aufgehetzt wurde. Es hieß, daß in Jaffa die Araber von den Juden gemordet werden; es hieß ferner, dal) in Chedera arabische Arbeiter gewaltsam festgehalten werden; es hieß, daß die Juden bewaffnet sind und im ganzen Lande zum Kampf gegen die Araber rüsten. Alle diese Gerüchte erzeugten eine furchtbare Aufregung, und cs gelang nicht, die völlige Grundlosigkeit und Lügenhaftigkeit der Gerüchte rechtzeitig nachzuweisen. Es wäre u. E. Pflicht der Kommission gewesen, diesen Gerüchten mit größter Genauigkeit und peinlichster Sorgfalt aui den Grund zu gehen, und vielleicht hätte die Kommission auf diese Weise eine Quelle des Unfriedens entdecken können, die viel wesentlicher eingewirkt hat als die Tatsache der zionistischen Ansprüche, die ihrem Wesen nach der arabischen Bevölkerung־ keinen Nachteil bringen können. Die Kommission hätte sich bemühen müssen, den Herd der Verieumdungen und Vergiftungen der öffentlichen Meinung aufzuspüren. Denn die Gerüchte, die in Tulkeram umgingen und die die Kommission so genau zu schildern weiß, mußten doch irgendeinen Ursprung haben, und es ist naheliegend, diesen Ursprung bei Elementen zu suchen, die, an Intelligenz über der arabischen Bevölkerung stehend, ein gewisses Interesse daran haben, im Lande einen Unfrieden zu stiften, dessen Opfer letzten Endes die Juden sein müssen. Daß diese Elemente erfolgreich gearbeitet haben, beweist sogar der Bericht der Kommission, die selbst ein Opfer dieser Stimmungsmache geworden ist und sich davon hat überzeugen lassen, daß die zionistischcn Ansprüche eine Bedrohung der gegenwärtigen Bevölkerung darstcllen. In der Praxis ist es noch niemals zu einer Schädigung oder Entrechtung von Arabern durch den Zionismus gekommen. Vielmehr sind nicht nur die materiellen Aussichten der arabischen Bevölkerung Palästinas durch den Zionismus gestiegen, sondern auch ihre politische Bedeutung. Die Zionisten legen den größten Wert darauf, zu einem freundschaftlichen Zusammenarbeiten mit den Arabern zu kommen. Aber es gibt eben andere Faktoren, die eine solche Verständigung dadurch vereiteln, daß sie durch lügenhafte Uebertrcibungen und Intrigen die lnstinkte des arabischen Volkes gegen die Juden aufhetzen. Es ist selbstverständlich, daß dadurch auch die Stimmung der Juden beeinflußt wird. Niemand darf sich wundern, wenn nach einem JUEDISCHE RUNDSCHAU Pogrom in Jerusalem oder Jaffa die betroffenen Juden nicht gerade araberfreundiieher werden. Damit ist aber das Werk der gegenseitigen Verhetzung gelungen, und der Nationalitätenkonflikt im Laude verschärft sich immer mehr. Dieser Gesichtspunkt ist u. E. in dem Berieht viel zu wenig beachtet worden, obwohl die tatsächlichen Feststellungen der Kommission gcradezu zu einer solchen Betrachtung herausfordern. Denn nicht nur die unkontrotlicrbarcn Urheber der Lügcubcrichtc sind die Hauptschuldigen an den Vorkommnissen, sondern es werden auch in dem Bericht selbst eine Anzahl von Beamten namentlich angeführt, die in einer geradezu demonstrativen Weise ihre Pflichten versäumt haben. So z. B. wird berichtet, daß der Distriktkommandant der Polizei, Mister Waiuwright, atn 30. April für einige Tage auf Urlaub gefahren ist, obwohl er wußte, daß für den 1. Mai eine Maifeier der Arbeiter vorbereitet war und selbst seinen Stell- Vertreter dahin informierte, es würde seiner Meinung nach zu einem Kampf kommen. Die Haltung der Polizei findet überhaupt in dem Berieht eine vernichtende Kritik. Die Polizei griff mit gestohlener Munition aktiv in den Pogrom ein. Der Polizeioffizier Hannah Effendi Bordcosh stand während der Demolierung des Beth Chaluzim ruhig daneben und ging mitten während des Mordens mittags nach Hause, um zu frühstücken. Diese Beispiele sprechen Bände. Hier ist ein vorbereitetes, planmäßiges Teufelsspiel am Werk. Sehen wir also in der fehlenden Aufhellung der umlaufenden ״Gerüchte“ und ihrer Quellen einen Hauptmangel des Berichtes, so liegt der andere Mangel in der einseitigen und tendenziösen Auffassung des Zionismus. Das letzte Kapitel be• schäftigt sich mit den Ursachen der arabischen Feindschaft gegen die Juden, und es führt eine Reihe von Beschwerden an, die die Araber gegen die zionistische Politik erheben. Aus dem Tone des Berichtes wird es ganz klar, daß die Kommission den arabischen Beschwerden eine Bcrcch• tigung zuerkennt. Sie geht sogar selbst noch weiter und führt eine Reihe von Zionisten an, die den imperialistischen Charakter des Zionismus be• weisen sollen. Den schlechtesten Eindruck hat ■auf die Kommission die Aussage Dr. Eders gemacht, der als Repräsentant der Zionist Commission zweifellos die offizielle Auffassung zum Ausdruck bringe. Die Kommission hörte aus seinen Worten ganz deutlich den Willen heraus, eine jüdische Herrschaft in Palästina aufzurichten, obwohl. er nicht von ״Herrschaft“, sondern bloß von ״Uebergewicht“ sprach. Die Kommission hat es offenbar für ganz unnötig gehalten, den Text des Mandates einmal zu studieren und die dort den Juden eingeräumten Rechte als Maßstab heranzuziehen. In dem, was der Bericht über die Haltung der Zionisten sagt, ist vielleicht an manchen Stellen ein Körnchen Wahrheit. Aber während die antizlonistischcn Argumente alle hcrangezogen werden, kommt der zionistische Standpunkt in ihrer Wiedergäbe überhaupt nicht zum Ausdruck. Weizmann hat unlängst in seiner Rede erklärt, daß die Exekutive eine Antwort auf das Weißbuch veröffentlichen wird. Es ist nur zu bedauern, daß dies noch nicht verwirklicht wurde, so daß auf der anderen Seite noch Unklarheit über.den ״offiziellen“ zionistischen Standpunkt herrschen kann. Tatsache ist jedoch, daß sich die Auffassung des Problems, wie sie die Kommission vertritt, stets auf die Rede des Oberkontinissars vom 3. Juni beruft, demnach auch dieser Bericht in den Rahmen der Politik Herbert Samuels eingefügt werden muß. Darum wird es nötig sein, sich mit dieser Politik nochmals eingehend zu beschäftigen. R. W. Lord Rcading and Montague zurückgetreten Der Staatssekretär für Indien Montague und der Vizekönig von Indien Lord Rcading sind von ihren Aemterii z11 r ii c k g e t r c t e n. Man nimmt an, daß die unfreundliche Aufnahme, die der Prinz von Wales bei 'der indischen Reise gefunden hat, die Ursache dieser Demission bilde. 111 politisch gutunterrichtetcn Kreisen wird als Hauptgrund das Scheitern der englischen Politik in Indien betrachtet, für das Montague und Rcading verantwortlich gemacht werden. Bekanntlich sind beide Staatsmänner Juden, die stets von antisemitischer Seite heftig bekämpft wurden. Das Joint für die Hadassa. Die Sitzung der Joint- Exekutive hat das am 1. d. M. erloschene Ucbcrciiv kommen mit der amerikanischen zionistischen Organisatkm, wonach der Joint das durch die Hadassa geleitete Hilfswerk in Palästina mit 12000 Dollar nionatlieh zu subventionieren hatte, wieder erneuert. Die Joint-Exekutive assignierte zu diesem Zwecke neuer* ding* 75000 Dollar für die Dauer von sechs Monaten. Nr. 5 PoUn Die ״Tarbuth“- Konferenz in Warschau Nr, Die a •avd t ,•nis-pt .Schult und * dien >dUM zctchn nicht;üdisc und '• ' eine ftcfcfl Sonn setzt, ü rü grüßt f erzähl wl J Iiebri! ■Luna hier «Wn ,Die ן langa die I I 1 ' (iebv j 5! den; m rl <iert Exist Regit tretet Am Mittwoch, den 4. Januor, wurde im Zentral- ' theater in Warschau die Konferenz zur Förderung der j hebräischen Sprache und Literat!« (״Tarbuth“) Ln I\>k-t1 1 eröffnet. Die Konferenz war von allen Teilen Polens 1 zahlreich beschickt worden. De Sitzung wird vom Ab- : geordneten Dr. Osias Thon eröffnet, der die Erschienej, nen begrüßt. Er weist darauf hin, «daß, während man sonst ( in zionistischen Versammlungen und Konferenzen immer ן über die Notwendigkeit des Hebräischen debattiert und! -diafl nur Beschlüsse faßt, hier zum ersten Male eine Ver- * b Sammlung von Menschen stattiiiv!ct, die mitten in der i praktischen hebräischen Arbeit stellen, praktische fragen I zu lösen IkhIk'ii und die gefaßten Beschlüsse in die! Tat Umsetzer» werden. Redner schildert die gegenwärtige ■ Lage des östlichen Judentums und weist auch auf die!, günstigen Veränderungen hin, diein den letzten Jahre» j vor sich gegangen sind. De polnische Verfassung, di« } zwar nicht ganz ehrlich durchgefüliri wird, bietet immerl hin unvergleichlich mehr Möglichkeiten für die geistige Entwicklung des Judentums als der Zarismus vor acht Jahren. ״Genau so, wie wir in politischer Beziehung die Anerkennung als Volk in San Remo erhalten haben und keine Debatten mehr darüber zu führen haben, (dist in ob wir ein Volk sind oder nicht, genau so »vollen wir |.jweg1l auch nicht mehr über die Frage ״Hebräisch oder für Jiddisch“ debattieren. Wir wollen unsere Sache tun und die hebräische Kultur in Polen fördern.“ Die Rede von Thon, die in sephardis eher Aussprache gehalten wurde, machte auf die Versammelten einen tiefen Eindruck. Nachdem von verschiedenen Organisationen und Privatpersonen Begrüßungen v erlesen wurden, erhielt der junge Gelehrte, Professor Dr. Sclinecrson, das i die d Wort zu einem längeren Referat über ״De neuen Wege! (udci in der jüdischen Erziehung.“ ]keiner spricht in der sich askanasischcn Aussprache, die in Polen vorherrscht. J entha Dem cinstüiuligen Referat folgten die Versammelten mit | polni angespannter Aufmerksamkeit. Re dner, der selbst Arzt : ,!cm und Pädagoge ist, erörtert die Frage, ob die Lehrer, Verls die Erzieher der jungen Generation, die Schöpfer I geht der Geschichte oder bloß ihre ausführenden Organe j; j sind. Die ״TarbutfF'-Organisatioi», die ihre Tätigkeit j Jude! ausschließlich auf das Gebiet des Schulwesens beschränkt, i Tjeru läßt die Tatsache außer acht, drill die Schule nur zum Teil die junge Generation erzieht. Die Schule und der Lehrer sind nur Episoden im Leben des Kindes. De Familie, die Eltern und die ganze Umgebung!and permanent und wirken auf die Anschauungen und auf das Gemüt des Kindes viel intensiver 013 die Schule. Daher muß dem Hause eine größere Aufmerksamkeit zugewendet werden, als es bis jetzt der Fall war. Redner schildert die Tragödie des modernen gebildeten Juden und seiner Irrungen in einer Zeit, wo die gesamte Kultur vor einer Krisis und einer Umwertung der alten Werte steht. Ist die Erziehungslrage für die ganze Welt ein schwieriges Problem, so ist sie besonder* sch• schwierig für uns Juden, die wir in einer Ucbergangsa״f cpoclie leben, Dis Handeln und das Vermitteln ist; weilij uns verhaßt, wir sehnen uns tu ein natürlichen Lebens-! t>ezü| bedingungen. Trotzdem fahren wir in der alten Leben*■ I * < weise fort. Wir leben im Westen und blicken n:1ch dem Osten. Dies ist nicht nur geographisch, sondern auch kulturell zu verstehen. Das religiöse Gefühl ist ln uns ebenso stark wie zuvor, doch haben wir auf• gehört, in den alten Wegen Gottes zu gehen und suche» neue Wege. Dieser Zwiespalt winkt natürlich auf die Kinder. Mit bitterer Ironie spricht Redner von der Irv gischen Lage der modernen Eltern, die, wenn sie auch selbst nicht antireligiös sind, sich doch schämen, ihre# Kindern eine religiöse Erziehung zu geben. Er erzähll von Fällen, in denen Kinder niditreligiöser Eltern fromm geworden sind. De wahre jüdische Pädagogik, die dir alte Tradition verwertet, um die Kluft in der Serie einigermaßen zu iVbcrbrückerx muß erst geschallen werden. Nach dem Referat von Profess*«־ Schnecrson stellte der Vorsitzende Dr. Thon den itra Saale erschienenen Vertreter der polnischen Regierung vor. Dr. Thon meinte, der Vertreter der Regierung habe hier Ge legenheit, sich von der Aufbauarbeit der Juden zu über zeugen. Dese Arbeit hält sich vollständig im Rahme» der polnischen Verfassung. ״Wir würden nicht um rin Haar diese Verfassung überschreit*!», seien aber auch entschlossen, nicht um Haaresbreite von unseren Rechten abzugehen.“ ln der zweiten Sitzung wird zunächst die Tage* Ordnung angenommen und eine Maiulatkommission sowie eine Permanenzkommission gewählt, Hierauf berichtet Herr Lewitcki über die Tätigkeit der ״Tarbuth", die 264 Bildimgsanstnltcn umfaßt, •darunter 227 Volks־ schulen, 30 Kindergärten, 4 Gymnasien und 4 Fachschulen. Insgesamt erhalten iri dieser» Anstalten 34 230 ,; Kinder von 1010 Lehrern hebräi schien und allgemeine» . ,; Unterricht, alles in hebräischer Sprache. Aus den einj j pel, 7.einen Berichten aus der Provinz ist die Tatsache iniee j Arm cssant, daß aus Bjalistok nach Palästina ausgewan-. derie Chaluzim, die drüben an Chausseen arbeiten,;!'לך von ihren geringen Mitteln die ״Tarbuth“-Schulc»,;!.“* in Bjalistok unterstützen. i: ej־S Nachdem zu Beginn der drittem Sitzung vcrschir e 1 dene Wahlen vorgenommen winden, erhält Herr Gut•‘ ״*g mann das Wort zum Korreferat über ״Die neue» w Wege in der jüdischen Erziehung'Der , Korreferent ן; . hebt hervor, daß die Kritik des gegenwärtigen Zustande» j! der jüdischen Erziehung eine positive Aufbauarbeit ist! | M 1 das j« מ 1 '1 i Regit nie] ' Asp dahe j enthi , Vcre 1 - 1 sich , Jude Als Wob .•; *e t befn! Antv *pr«!;::er! jüdi befr Inst: t olfi

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