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Jüdische Rundschau · 1922-01-17 · Heft 5 (17.1.1922) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVII (1922)
Issue
Heft 5 (17.1.1922)
Date
1922-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Pe*t»p»rk*»1»nemt Wien, K»1to Nr. 156 0301 Fftr T»cbrfiM»«1low»V«|{ Pealiparkeeienamt Prag, Konto Nr. 15LB0, — RedektieoMtrhluB ,SonaUf «04 Mittwoch *•cbmittef• —־ סבת* תרפ״ב *r | xxvn. jahrg, ptr Zionismus erstrebt für das JQdlsche Volk die Schaltung elnor öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm". es Po-4. Verci» alilungoi 0 Bosd* Sinto eu► ׳Montag, lelslr. 3b. SF?35nRP*?£ Big ך Beho S T*ltp ™ Nor.)»« Hochzc itlichkei net arloticni t Uoet»tu| Aufsicht 0 Synago* .עדר linptata' Zionisten! Juden! Der 18. Tcweth ist ein hochbcdcutsamer GeifcnktaR in der Geschichte der zionistischen Be- *cgung. An diesem Tage hat vor zwanzig Jahren der V. Zionisteukongreß die Gründung des Keren Kajemeth Lejisrael beschlossen. Damit nahm der erleuchtete Plan, den Professor Schapira schon in der WcrdesUmde unserer Organisation vertreten ar.d der I. Kongreß als den Beginn der Erlösung unseres Landes mit begeisterter Zustimmung aufgenommen hatte, feste Gestalt an. Es stand den Vertretern unseres Volkes vor der Seele, einen Fonds zu schaffen, der den Boden Erez-Israels in das unveräußerliche Eigentum des jüdischen Volkes bringt und damit den nationalen Charakter der jüdischen Siedlung dauernd sichert. Und Herzl, der seine ganze Persönlichkeit für die Gründung des Keren Kajemeth eingesetzt hatte, gab ihm die denkwürdigen Worte zum Geleit: ״Das Volk soll nicht nur der Stifter, sondern auch der dauernde Herr dieses Zweckvermögens sein." hn Keren Kajemeth ist ein hoher Gedanke der mosaischen Gesetzgebung wieder aufgelebt, nie Idee der sozialen Gerechtigkeit. Deshalb wandte sich dem Keren Kajemeth von der ersten Stunde die Sympathie, ja die Liebe aller Juden zu. Seine Einnahmen, die sich aus kleinen und kleinsten, stets erneuten Spenden von tausenden und abertausenden seiner Freunde in allen Ländern der Welt zusaimnensetzten, stiegen trotz der größten Katastrophen, die über unser Volk hereinbrachen, unaufhaltsam, von 12 000 £ im ersten Sammeljahr 1902, auf 161000 £ im Jahre 1920. Und die Gesamtsumme der Spendeneinnahmen des Keren Kajemeth in den 20 Jahren seines Bestandes beläuft sich auf 880000 £. Dank diesem Aufschwung konnte unser Volksschätz seine Arbeit in Erez-lsrael alsbald aufnehmen. Zunächst galt es, die Voraussetzungen lür den zweckmäßigen Erwerb des Bodens und *fine Kolonisierung m schaffen. Deshalb hat der Keren Kajemeth aus seinen Mitteln alle Absätze «ner nationalen Be!:icdlungstätigkeit zu fördern gestrebt und so die Begründung neuer, selbstän- <%cr Kolonisationsinstitute erleichtert. Als nun, weh San Remo,' die Hemmnisse des Bodenerwerbs in Wegfall kamen und die oberste zionistische Instanz den Keren Kajemeth als Träger der jiidisehen Bodenpolitik in Stadt und Land proklamierte, nat er, seiner eigentlichen Aufgabe wieder zugewandt, den nationalen Bodenbesitz mit festem Ent- Schluß auf 75000 Dunam hochgebracht. Hiermit sind die Anfänge einer wahrhaft (1 •••י nationalen Besiedlung ermöglicht, aber noch lange nicht die Aufgaben unseres Volksschatzes erfüllt. Allein im letzten Jahre hat er Land um 360 000 £ gekauft und sich für lange hinaus mit Verpflichlangen belastet; er muß sie einlösbn, er muß die gekauften Böden ameliorieren, er muß für die |gfr. 231 Engenden Bedürfnisse tausender Volksgenossen, taa 332ל| nach Erez-lsrael strömen und dort nach Land und Arbeit verlangen, planmäßige Vorsorge treffen, er muß eine große Landreserve sichern. Der zwanzigste Gedenktag des Keren Kajemcth ruft alle seine Freunde, ruft das ganze jüfische Volk zu Einkehr und Arbeit. Das Jubi- ^utnsjahr sei, in doppeltem Eifer, in doppelter Anstrengung, dem Dienste unseres Volksschatzes geweiht Das Fundament der rtationalen Kolo- ״Nation ist und bleibt der Boden. Geulah Titnu Haaret Bringt dem väterlichen Boden Erlösung, Erschließet dem landlosen Volke die Quelle neuen ‘*ebenst Im Teweth 5682. י . Die Zionistische Exekutive: Welzmann. Das Direktorium des Keren Kajemeth Lejisrael: * ‘ Ussischkin, Schocken. nt ר OB«) der ja• ,bni |r Sftrtgcjj »Feitllfli: Iies pr dem Bi für erhol! Ufhcrwntl! ieVerpfWI Id Mit•«)«* flnterepej fratabsun l poInM Felortai to®tg«a ca bsr di euch' Kein Erfolg der antizionistischen Araberdeputation Int Londoner ״Observer“ vom 8. Januar er* klärt der bekannte Orientfachmann Sir Valentin! Chirol in einem längeren Artikel, ״Britische Politik im Osten“, daß die Deputation, welche die Araber in Palästina vor einigen Monaten nach London sandten, mit leeren Händen zurückgekehrt sei. __ Die Waffentransporte In Haifa Vor kurzem wurde in Haifa eine Waffensen•^ düng entdeckt, die an Herrn Rosenberg adressiert war. Die Waffen waren in Bienenstöcken versteckt und wurden bei der Ausladung gefunden. Die Sache hat in Palästina Aufsehen erregt und ist Gegenstand einer genauen Untersuchung. Die arabische Agitation beutet natürlich die Entdeckung entsprechend aus. Der Vorsitzende der nationalen muselmanischen Vereinigung in Haifa und die muselmanisch-christliche Verein!- gung in Haifa haben Deputationen nach Jerusalem gesendet, um die strengste Untersuchung zu fordern, und die arabische Auslandsdelegation telegraphisch zu informieren. Die Araber benützen den Zwischenfall, um von der Regierung zu verlangen, daß sie die den jüdisehen Kolonien bewilligten Waffen zurücknimmt. Wir werden auf die Sache noch zurückkommen. Das Gerichtsverfahren gegen die Mörder J. Ch. Brenners Jerusalem, 9. Januar. (J.C.B.) Für den 16. Januar wurde die Gerichtsverhandlung gegen 36 Araber anberaumt, unter denen sich einige befinden, die der Ermordung des hebräischen Schriftstellers J. Ch. Brenner während der Ausschreitungen am 1. Mai 1921 beschuldigt werden. Ach&d Haatn in Palästina ’ Wie aus Haifa mitgeteilt wird, ,ist Achad Haam mit seiner Familie dort eingetroffen. Achad Haam wird in Haifa seinen dauernden Wohnsitz nehmen. Die Arbeit fm Emek Jesreel Jerusalem, 10. Januar. (J.C. B.) Auf dem neu• gekauften Nationalfondsboden geht die Arbeit gut vonstatten. In der Arbeitssiedlnng ״Mahlul“ bei Nnza* reth werden Amcliorationsarbeiten vorgenommen. Frauen und Kinder wohnen des Fiebers wegen vorläufig in Nazareth. Die Kinder erhalten dort ln einem Kinder• garten Unterricht. In Nuris wurden zur Entsumpiung ‘55000 Eukalyptusbäume gepflanzt. Mit Hilfe zweier amerikanischer Ingenieure werden in dem von den bisherigen arabischen Bewohnern verlassenen Dorf Nuris Vorbereitungen zur Einrichtung einer großzügigen Tischlcrciwcrkstätte getroffen, damit im Frühjahr mit dem Häuserbau begonnen werden kann. Dia Einwanderung Im Dezember J. C. B. erfährt aus Jerusalem, daß im Monat Dezember v. J. 1100 Personen nach Palästina eingewandert sind. Diese Zahl bedeutet im Vergleich zur Einwan■ derongsziffer im November (765 Personen) eine Steigenuig von 335 Peräonen. : Die Arbeit lör den ״Keren Hajcssod‘• unter den russischen Juden in Deutschland Am 11. d. M. fand in der Privätwohmmg des bekannten Großindustriellen D. ,Margolin die Gründung»• Versammlung des ,,Keren Hajcssod für Arbeit zwischen den russischen Jaiden in Deutschland“ statt. Die Ver- Sammlung wurde vom Herrn Wirkl. Staatsrat J. T e i ■ te 1, dem Vorsitzenden des ״Verbandes der russischen Juden in Deutschland“,. geleitet, ln der Versammlung «ahmen 11. a. der Vorsitzende des Finanz* und Wirtschaft»־ rates Herr J. Naiditz, Senator O. O. Orusenberg u a. teil. Der Bevollmächtigte des Direktoriums des Keren Hajcssod, Dr. Trivus, sprach über die Ziele und Bedeutung des Keren Hajcssod. Nach kurzer und lebhafter Debatte hat die Versammlung folgendes provisorisches .Komitee gewählt: M A r ins t ei n, O. O. G rusenberg, L. Landau, Dr. A. Lürle, D, M argolin, J.Pacnsson, S. Schallt, Dr. Sch Ir* man, E, Sclikm? n Und J. Teitel. Das zweite Weißbuch Zwei Weißbücher über Palästina sind dem englischen Parlament vorgelegt worden. Das erste erschien im Juli des vergangenen Jahres als erster Jahresbericht Herbert Samuels über seine Verwaltungstätigkcit in Palästina. Das zweite wurde dem Parlament im Oktober vorgelegt und enthält den Bericht der unter der Leitung von Sir Thomas H a y c r a f t stehenden Untersuclmngskommission über die Unruhen im Mai 1921. Das 5arlament hat diese Berichte bisher nicht eigentich ausführlich diskutiert, doch sind Einzelheiten daraus Gegenstand kleiner Anfragen gewesen, und vor allem hat sich die Presse des Materials be* mächtigt, um damit ihre Stellungnahme zum Zionismus zu begründen. Wir haben zu Ende des vorigen Jahrgangs in unserer Rubrik ״Dokumente und Quellen“ dieses neue Weißbuch in seinem vollen Text abgedruckt, so daß wir bei unseren Lesern eine genaue Kenntnis des Dokumentes selbst voraussetzen dürfen. Es bleibt noch ein ab* schließendes Wort darüber zu sagen. Die beiden Weißbücher sind von Bedeutung vor allem als Manifestation einer politischen Auffassung, die gegenwärtig bei der palästinensischen Regierung herrschend ist. Die Haltung Herbert Samuels ist seit den A4aiunruhen und seit seiner Rede׳vom 3. Juni in zionistischen Kreisen und auch in der Presse wiederholt ausführlich erörtert und zum Teil sehr scharf kritisiert worden. Die beiden Weißbücher geben zum ersten Male die Möglich* keit eines tieferen Erfassens dieser politischen An* schauung, und ihr Studium ist daher zum Ver* ständnis der Lage unerläßlich. Während aber das erste Weißbuch, das wir in Nr. 78/79 des vorigen Jahrgangs besprochen haben, unmittelbar den Standpunkt Samuels selbst zum Ausdruck bringt und keine Zweifel übrig läßt, ist das zweite Weißbuch keine Aeußerung des High Commissioner, sondern der Bericht der Kommission, zu dem der High Commissioner seiner ganzen allgemein politischen Anschauung gemäß nichts hinzuzufügen sich berechtigt fand. Samuel hat den Bericht der Kommission mit einem Begleitschreiben an das Kolonialministerium weitergelcitet. in welchem er zwar gewisse praktische Konsequenzen aus den Resultaten der Untersuchung zu ziehen versucht, im übrigen aber an der Tätigkeit der Kommission keinerlei Kritik übt. Damit ist keineswegs gesagt, daß er sich mit allen über das Tatsächliche hinausgehenden Auffassungen des Berichtes identifi* ziert, aber in gewissem Sinne fällt das Dokument doch ihm als dem verantwortlichen Regieruugschef zur Last Das Dokument als solches hat zunächst zwei Seiten: eine, juristische und eine politische. Soweit die juristische Frage in Betracht kommt, können wir uns ein näheres Eingehen ersparen. Aber dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, wie leicht durch politische Urteile und Vorurteile der Blick der Untersuchungsrichter getrübt wird. Denn die Untersuchungskonimission macht aus ihrer politischen Anschauung gar kein Hehl. Sie enthüllt in den Schlußfolgerungen ihres Berichtes ziemlich offenkundig ihre Gesinnung, die im Grunde eine Mißbilligung der offiziellen englischen Politik seit der Baliour-Dcklaration bedeutet. Diese Ausführungen sind besonders bemerkenswert, nicht um des Neuen willen, das sie etwa zutage fördern, sondern vor allem als eine Manifestation dieser Gesinnung, als der dokumentarische Nachweis dafür, wie ein großer Teil der mit der Verwaltung betrauten englischen Beamten- Schaft die Politik der Balfour-Dcklaration nicht nur ablehnt, sondern auch in der Praxis zu sabotieren sucht. Der Bericht der Kommission be-, weist stärker als viele Beschwerden es vermöchteri, die Richtigkeit der zionistischen Forderung, daß zunächst einmal der palästinensische Beamtenapparat so aufgebaut werden muß, daß die im Mandat formulierte Politik reibungslos verwirklicht werden kann. So wichtig auch die Zusicherungen der Londoner Zentralregierung sein mögen, sie sind wirkungslos, solange die Juden im Lande selbst ein Spielball der Beamtenwillkür sind und solange nicht alle Organe der Verwaltung bindende

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