Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1922)
- Date
- 1922-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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In ihrer Lösung wird sich erweisen, ob die Juden die Kraft besitzen, in Palästina in produktiver Arbeit Werte zu schaffen, ob sie die Fähigkeit haben, dort in eigenen Formen gemeinsam zu leben, ob der Sinn für Gerechtigkeit, dem das Judentum seine Größe verdankt, als herrschende Macht des jüdischen Lebens wirksam werden wird. / Jeder Jude muß heute wissen, daß das Schicksal der neuen jüdischen Siedlung in Palästina auch für ihn von Bedeutung ist. Die jüdische Leistung im jüdischen Lande wird Geist und Kraft der gesamten Judenhcit stärken. Darum muß das Werk über die Parteien erhoben und durch ein Zusammenwirken Aller zum Erfolg geführt werden. / Groß sind die Schwierigkeiten, aber nicht unüberwindbar; zahllos sind die Aufgaben, aber nicht undurchführbar. Der Boden Palästinas soll der Landwirtschaft erschlossen, der Lauf seiner Gewässer soll geregelt werden, Straßen, Eisenbahnen und Häfen sollen gebaut werden. Die Sanierung des Landes muß in Angriff genommen, Krankenhäuser müssen gebaut und ärztliche Hilfe muß eingerichtet werden, Volksschulen, Mittel- und Fachschulen müssen errichtet und ausgebaut werden, soziale Hilfe und Ordnung sind in weitestem Maße durchzuführen. / An diesem Werke tätigen Anteil zu nehmen, ist die Pflicht der Juden Deutschlands. Außerordentlich große Mittel müssen aufgebracht werden. Mit den gesammelten deutschen Geldern soll der Palästinasache ein möglichst großer Dienst geleistet werden. Mit Rücksicht auf die Entwertung der deutschen Währung sollen diese Gelder daher ausschließlich in Deutschland für Palästina verausgabt werden. Dem Aufbauwerk wird am besten gedient, wenn in Deutschland Waren gekauft werden, die Palästina braucht, wenn Palästinawanderer durch Ausrüstung und Werkzeug unterstützt werden, wenn in Deutschland Ausbildungsstätten geschaffen werden,die sie landwirtschaftlich und handwerklich auf ihr neucsLcben vorbereiten./ Unser Weckruf geht an alle Juden Deutschlands. Wie durch die weltumspannende Keren Hajessod-Aktion eine Organisation aller Juden für den Aufbau Palästinas geschaffen worden ist, so soll hier der Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. die Kräfte aller Juden Deutschlands zu gemeinsamerPalästina-Arbeit vereinen./ Der Keren Hajessod dient ausschließlich dem praktischen Siedlungswerk in Palästina. Die Durchführung desWerkes erfordert von jedem Einzelnen Leistungen,die der Größe derAufgabe entsprechen. Dr. Alfred Apfel / Leopold Bad* / Rabbiner Dr. Beeck / Dr. Cora Berliner / Kurt Blumenfeld Prof. Dr. Albert Einstein / Santt&israi Dr. Leopold Felldienfeid / Prof. Dr. Adolph Goldschmidt / Dr. Arthur Hantke / Siegmund Hirsch / Prof.Dr.S. Kalischer / Dr. Alfred Klee / Generalkonsul Eugen Landau / Dr. Rudolf Leszynsky / Justizrat Dr.h.c. Magnus Prof. Dr. Eugen Mittwoch / Dr. Felix Pinner / Rechtsanwalt Felix Rosenblüth / Dr. Aron Sandler / Kommerzienrat Gcrson Simon Bankier Hugo Simon / Prof. Dr. Moritz Sobemheim / Geheimrat Dr. Julius Stern« ^'״orfTKh.ro^findT'DJrlta / Hermann Siruck Geh. Justizrat Berthold Timendorfer / Dr. Ernst Wassermann / Oskar Wassermann / Siddy Wronsky sämtlich in Berlin Weitere Unterschriften aus allen Teilen des Deutschen Reiches werden demnächst veröffentlicht werden. Organisation wiedergeben wird. Daß ״Haolam“ nach wie vor den allgemein jüdischen Interessen und denen der hebräischen Kultur dienen wird, bedarf nicht erst einer besonderen Erwähnung. . rnmmmmmmm .. 1 Neue Bodenkäufe Jerusalem, 4. Jan. (J. C. B.) Die Palestine Land Developpment Co. hat zwischen den Kolonien in der Jesreel-Ebene 22000 Duivun Boden käuflich erworben, wovon sie 8000 Dun am der amerikanischen Zion!Commonwealth abgetreten hat. Uhrer, der einige diassidisclic Melodien anstimnitc. Im Kinderdorf K’far Gilendi erscheint auch eine Kmderzcitung. Sie wird handschriftlich hcrgestellt. Von Zeit zu Zeit gibt der Lehrer ein, zwei Stichworte, auf welchen dann die Kleinen ihre Geschichten aufhaucn und sie der Redaktion die in den Händen de3 Lehrers liegt, überreichen. Die beste Erzählung wird zum Zeichen der Anerkennung in der Zeitung veröffentlicht. Ao und «1 werden die besonders ges duckten und scharfsinnigen Kind erst reiche der ganz Kleinen aus der Altersklasse von zwei bis drei Jahren für die Zeitung verarbeitet. Besonders anmutig und interessant ist die Neuigkeitsrubrik. Aus dieser Rubrik erfuhr ich, daß die Radieschen bereits den Boden gesprengt haben und ihre Blättchen Jus der Erde hervorgucken. Eine andere wichtige Meltag bringt die Neuigkeit, daß die Kinder den Kohl, den sie selbst gepflanzt hatten, am vorangegangenen Tage mit Appetit verzehrten. Die Meldung, daß einer der schadhaft gewordenen Anstandsorte von den älteren Jungen wieder instand gesetzt wurde, hatte auf de taer die Wirkung einer Sensation. In einer der veröffentliditcn Erzählungen wird ein kleines Mädchen geschildert. Die Verfasserin rühmt ihrer Heldin die berrliebsten Eigenschaften nach: ״Sie wusch immer den Tisch sauber ab, putzte die Messer, Gabeln und Löffel, scheiterte die Töpfe blank und hielt die Küche rein.“ dieser Weise malten sich die kleinen Jüdinnen das Ideal einer Frau im selbständigen Wirkungskreis aus. Dieser Versuch der Kündererzichung, wie er jetzt m K'far Gilcadi erprobt wird, befindet sich natürlich ״och in seinen Anfangsstadien. Palästina ist reich an "«,rlidien Hoffnungen, die noch nicht erfüllt sind, und ״*Zukunftsplänen, die vielleicht niemals in Erfüllung vif wm1e״* Id* wollte mit dieser Erzählung durchaus n|cht dieser jüdischen Dorfschule, wie sie heute ist, die Sicgerpalmc reichen. Mein Zweck war bloß, das leben und Treiben in diesem jüdischen Kinderdorf als Zeidien für sicherlich sehr interessante Erziehung^• ״estrebungen zu beschreiben. , Deutschland Späte Erkenntnis Wir haben stets darauf aufmerksam gemacht, wie verkehrt die von mehreren deutschen Regierungen unter dem Druck der nationalistischen Parteien cingeschlageno Ausländerpolitik ist, welche besonders hart die Ostjuden getroffen hat. Wiederholt haben, wir darauf hingewiesen, daß nicht nu!r aus Menschlichkeit und aus sittlichen Gründen, sondern auch aus realpolitischen Gründen eine grundsätzlich freundliche Haltung den Ausländern gcgcnn über im deutschen Interesse liegt, denn Deutschland brauchte nach der Niederlage nichts so notwendig wie Anknüpfung neuer Beziehungen zu den benachbarten Staaten. Die deutschen Haketikreuzler meinen besonders patriotisch zu sein, wenn sie wacker und unentwegt auf alle Ausländer schimpfen und eine maßlose Haß- Propaganda gegen die ״Feinde“ auch nach dem Zusnmmenbruch des deutschen Militarismus weiterführen. Natürlich war das beliebteste Kampfobjekt der Ostjude, weil er unter den Ausländem der schwächste und wehrloseste ist, also ein geeignetes Objekt für deutsches Heldentum. I>ic maßlosen Leiden, die die Ostjuden! in Deutschland durchzumaehen hatten, die Bcschimpfutir gen, Mißhandlungen, Internierungen, Entlassungen, Aus- Weisungen, und darüber hinaus die großen Schwierig־ keitco, mit denen jeder Ostjude zu kämpfen hatte, der in Deutschland irgendein Geschäft zu besorgen! halte, haben nicht dazu bcitrajyen können, Deutschland besonders beliebt zu machen^ und tatsächlich haben auch die meisten möglichst bald Deutschland zu verlassen gesucht. Nach einer Mitteilung des Arbeiterfürsorgeamtes wurde allein durch die Tätigkeit dieses Amtes 50000 Flüchtlingen zur Weiterreise aus Deutschland verholfen. Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge in Deutschland ist heute bereits außerordentlich ziisammcngcschrumpft, und nur die bornierteste antisemitische Demagogie vermag heute noch von einer Uebcrschwemmung Deutschlands mit Ostjuden zu sprechen, wie es z. B. vor einigen Tagen wieder ein Artikel der ״Kölnischen Zeitung“ tut. Daß Deutschland unter diesen Umständen für die Ausländer nicht viel Verlockendes hat, ist begreiflich. Man 9011 sieh nur vorstcllcn, welchen ungeheuren Leidensweg etwa ein russischer Student durchzuinachcn liat, der in Deutschland sein Studium zu Ende führen will. Nach zahllosen Zurückweisungen .und1 Demütigungen geiingt es ihm vielleicht nach langer Zeit, unter Aufgebot aller ihm etwa zur Verfügung stellenden Protektionen die Bewilligung zur Immatrikulation zu erhalten. Eine ganze Zahl Studenten gibt nach vielen fruchtlosen BemÜbungen den Versuch auf, an einer deutschen Hochschule unterzulcommen und hält anderswo Umschau. Da ist es nun nicht nur interessant, sondern geradezu etwas komisch, wenn die ״Tägliche Rundschau“, das am weitesten rechtsstehende Organ der Deutschen Volkspartei, das in Chauvinismus und Antisemitismus manches deutschnationale Organ übeitrifft, in einem ״Ke neue Pansiar wistenzcntrale“ übcrsdiricbencn Artikel bewegliche Klage darüber führt, daß die Tschechoslowakei den Versuch macht, den Strom der russischen Emigranten nach Prag zu ziehen. Die Prager Regierung habe alle russischen Studenten, die an deutschen U n i v e r s i - täten studieren wollten, eingeladen, nach Prag zu kommen, und die Zahl derer, die der Einladung Folge geleistet haben, überschreite 1000. Ebenso sind viele Professoren der russischen Universitäten, die im Ausland weilen, zu einem Kongreß nach Prag gekommen. Die ״Tägliche Rundschau“ macht darauf aufmerksam, wie gefährlich diese Verschiebung von Berlin nach Prag ist. Zum erstenmal wird hier von rechtsstehender Seile dieselbe Argumentation verwendet, die wir jahrelang tauben Ohren gepredigt haben. Es wird auf die große Bedeutung der rassischen Emigranten für die künftigen deutsch-russischen Beziehungen, insbesondere für die Handels- und wissenschaftlichen Beziehungen, hingewiesen. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß bei dieser Sehnsucht nach den russischen Emigranten der Umstand eine Rolle spielt, daß man in ihnen konterrevoli»• tionäre Elemente vermutet, die gerade die ״Tägliche Rum!schau“ gern in Deutschland sieht. Trotzdem ist es von großer Bedeutung, daß einmal die Erkenntnis ausgesprochen wird, daß euch die Behandlung der Ausländer• in Deutschland ein für die künftige Stellung Deutschlands außerordentlich wichtiges Moment darstellt. Man darf begierig sein, ob aus dieser Erkenntnis nun auch in der praktischen Ausländerpolitik der hinter der ״Tägliehen Rundschau“ stehenden Partei die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden. Zu Wcizmanns Besuch Presse-Nachlese ״ Der ״B c r 1 i n e r L o k a I - A n z c i g e 1", dessen Redaktion, wie sich schon bei mehreren Anlässen zeigte, offenbar ganz besonders unter dem Einfluß der Naumann- Gruppe steht, hat anläßlich der Weizmann-Vcrsammhmg in seinem Bericht ,besonders Wcizmanns Appell an die jüdische Intelligenz Deutschlands, beim Aufbau Palästinas mitzuwirken, glossiert und darauf hingewiesen, wie notwendig demgegenüber die Bestrebungen des ״Verbandes nationaldeutscher Juden“ seien, die jüdische Intelligenz für das Deutschtum zu gcwinnca Einige Tage später veröffentlicht der ״Lokal-Anzeiger“ nach st eilende Notiz: ״Vom Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens werden wir unter Bezugnahme auf unseren Bericht über den