Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1922)
- Date
- 1922-01-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652410-2652412--14605-2672990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2 7cg®) clt, Wien. nnn vor allen ehrlichen r sogenannten Araber. .!!מ Exzeß gehnlchtes G. ahrviernentcn iibeibi i aller Hochnrhtiiii[! ‘•es wichtigste 1 ,roblcnl mit ehrlichen Mitteln 1 נ iH'incrkt werden: es n erialistischcs,. nodi ein jlieti der Frage wie der Ansicht, daß cs ökotio- Zwiespalt /wischen iriedJich nebeneinandernoch die Ansicht, dalt einiger Agitatoren ent- Zeit, die leichtfertige ht nur als Initiatoren, 1c der Differenzen hinan der Zeit zu sein iteneliätzendcn Einfluß Mißwollens englischer urüek/uschrauben, denn t rüg wichtiges geistiges eine Bewegung hervor- «veit Tieferem fundiert (xditisclien Agitation ine Bewegung in Flull derkniale eines clenienden Geistes- und Get mens tragt. Wie man inen sollte, den Anti* eit zu behandeln, die böswilliger Faktoren enig darf man diesen | histliche, gewollte Ne-?echte oder Tendenzen diese Einstellung, die ommt, und keine Taktik Taktik, die dieser Ein- 1 diesem Zusammenhang;ehichte einer Methode!ie aber dennoch einen us soweit er über n.iiiswachsend, sich in :nid Methoden niedernismus war ein Kind er) Gefühlshaltung — j'X'cltfrcrndheit“ irgendliier Gewohnheit, war ad Europa im Willen us. Was das jüdische jahrlnuidcrtalten Un- ‘1iommene westliclic — unähnliche — Jude uiken, seinen äußeren :che Formen gießen, mterordnen. So mußte נrganisch anderer und der andern, ist), zumindest auf seinem geschätzte Autor zur 1s mitteilt, später in 1 rn“ erscheinen. Nr. 2 von der Abteilung ajessod. ist hier eine kleine hen, aus denen man Landes durch jüdische;ektstadium (Gründer- ׳or Jaffa) und dann zanderdiinen und ihre Austrocknung von ilüger und jüdische lc über die neue Palästinaarbeit und r Reihe von Sprachen dem Gedanken des ina. Jüdischer Verlag. |* Fischer und Gultie m Wagner a Debes!er Beschriftung und Interessen zur Aushaftliclie Bedeutung hs Hauptinteresse an (enkämpfer ״Zwischen 1 außerdem noch die len stein, ״Ucbcfoai-Front von Kriegspns durch die Engi-thlcm; ״Die antike |Raul Range: ״Die זיי- Palästina front in deutsche Jildirim- I-Iias englische Welt- Fr.<, München: ,,Der |bej der kaiserliche« »»er Samsun nach ftge zur Verwirklichung, und 90 mußte er alle seine Möglichkeiten in dem Charter einer europäischen oder türkischen Macht, in der Kraftäußerung einer Refficrung sehen. Die* *« nicht in die letzten ethischen Tiefen des zionistischen Gedankens - der wie jede Idee schon an sich ethische Berechtigung hat - gehende Kurzsichtigkeit war verständlich im ersten Rausch der Entdeckung, verständlich auch in jener Zeit, welch•.־ die j ende Methode durch die BuSour-Deklaration zu bestätigen! schien! du der Maditpaioxismtw kaum eines Menschen } [jim unverletzt ließ, sie wurde aber immer Unverstand- Ucher, je mehr sich die Waniungsrufc und die warnenden Beispiele häuiten. Der Charter schien die Erlösung, | dodi noch ehe cs zum Charter kam, wurden schüchterne! Stimmen laut, die zu bedenken gaben, daß mit einen! [ Charter, daß mit einem Machtspruch noch nicht alles! *׳der politisch, noch moralisch, erledigt wäre; es wurden 1 etwa anfangs 1917 Stimmen laut, die eine minder dij lettantische Beantwortung der Frage forderten, was mit j den Arabern Palästinas in einem jüdischen Gemein- , wesen zu geschehen habe, die eine bessere Antwor: verlangen, als Jenen famosen Plan, das arabische Pa- ' listina einfadi — wohl auch durch einen Charter - in die Ebene des Wahr barada, um Damaskus, anzusicdeln. Sie waren die ersten Vorboten jener leidenschaftlichen Diskussion, die heute die Einigkeit des zionistischen Oanzen ganz außerordentlich gefährdet, Vorboten, zu einer Zeit, da das Arabcrtum vom Zionismus noch keine Notiz genommen hatte. Dann wurde es wieder still. Der Freudentaumel des zweiten November erstickte die Warner und die Unentwegten, die Novemberzionisten lachten der Iden des März und die kaum aufgetauchte Araberfrage übcrbrülltc jener behördlich gestattete Paroxismus, der den Behörden später recht peinlich wurde. Die vereinzelten Rufer — auch der Schreiber dieser Zeilen — wurden zu Defaitisten gestempelt; die Angelegenhcit wurde ad acta gelegt, denn die Machtpsychose de« kriegerischen und nachkriegcrischcii Europas hatte auch den Zionismus derart ergriffen, daß er, in diese־ Form ein Kind westlicher Mentalität, in den sittlichen Verankerungen dieser Angelegenheit Fakta geringster Wichtigkeit sah und sich den Bajonetten der präsumtiven Chartermacht völlig anvertraute — bis eben die Hoffnung auf diese Bajonette tiefer Enttäuschung wich und es ach in den ersten Pogromen in Palästina wieder erwies, daß man nicht einmal zwischen Bajonetten, geschweige denn auf Bajonetten sitzen kann. Nun stand wieder die Notwendigkeit auf, sich mit dem Problem, um dessen intensive Behandlung man sich solange gedrückt hatte, ernstlich zu beschäftigen. Bald ward die Diskussion leidenschaftlich, und aus allen len Richtungen, die diese Angelegenheit innerhalb des palästinozentrischen Judentums bildete, kristallisierten sch allmählich die beiden Grupjaen heraus, deren eine die nun einmal aufgerollte Araberfrage aus o p p o r - tunistischen Gründen gelöst sehen will, während sie der anderen nicht nur eine jüdische, sondern auch eine allgemein sittliche Frage ist. Während die eine Gruppe in erster Linie an der Lösung vom rein jüdischen Standpunkt interessiert ist, sieht die andere weit schwächere in weitere Splürcn, sieht ein pansemiti- *dies Bündnis als Ziel. Den von den Tatsachen unterstützten Warnern war es endlich gelungen, die Widerstrebenden zur Stellungmhme zur Araberfrage zu zwingen. Dies war ein nicht ni unterschätzender Fortschritt gegen den früheren Zu- *Und und wenn auch heute der Dilettantismus in Theorie Dr. Grobbas Arbeit läßt ahnen, was wir bezii״- lidt der Sinai-Halbinsel versäumt haben. Ihm hat auch der El-Arisch-Bericht der zionistischen Expedition von W3 zur Verfügung gestanden, der dem Initiator dieser Aktion stets verweigert worden war. Dafür bin ich jetzt in der Lage, meine Behauptung vollauf bestätigt zu finden, wonach die Darstellung der Möglichkeiten 1ז0יי El-Arisch, wie ric auf dem Uganda-Kongreß gegeben *zuzde, völlig irreführend gewesen Ist. Diese Feststellung entspricht nicht dein Gesichts* Punkt der Rechthaberei. Es ist mir ein geringer Trost, wenn meine Propositionen für die _ zionistische ™beit Jahre oder Jahrzehnte später als die richtigen verkannt werden. Die verlorene Zeit, die vergeblich oder nicht zu voller Wirkung verausgabten Mittel und vor allem die mangels Möglichkeiten in und um Pafetina an andere Länder ״verlorenen“ Juden lassen *ich nicht mehr zurückltolen. ״Mangels Möglichkeiten" bedeute* hier nicht, daß m Möglidikeitcn nicht da waren, sondern viclmclir, ץ" sie von den zionistischen Instanzen, auf die jene Juden blickten, ludit ■erkannt oder geradezu bestritten ״zw, falsch oder unzureichend dargestelit und propagiert wunden. — Auf diese Weise ist es für viele zu spät — *'e »n anderen Fällen, so auch bezüglich des Sinai. — noch liegen große Möglichkeiten vor uns, 5owohl solche von kolonisatorischem wie von koloni- 2־יhonsstrategisdiem Charakter, und es ist anzunehmen, 4,ß diejenigen, die Grobbas Arbeit (und auch den sonstigen auf Sinai bezügliche» Inhalt des erwähnten jMrbuches) gut studieren, mehr Verständnis auch für?[!neuen Möglidikeitcn dieses in jedem Wirtschaftj[01tn und kolonisatorischen Sinne zu Palästina ge- Trigen Gebiets haben werden. ^och ein Buch des Harx’schen Verlages. ln diesem Verlage, der im zionistischen Kreise noch Wat sehr bekannt ist, erscheinen seit 1914 die Neu- «uflagen eines der bekanntesten zionistischen Büdicr. «,der Ist es nur dem Titel nadt wirklich bekannt, wihrend der Inhalt tatsächlich eine Ablehnung erfährt, re mit der Wertschätzung des Buches und seines ™!tors in einem für den Außenstehenden unfaßbarem ״*derspruch steht. Es ist das Buch vom zionisti- ־״Jtti Maximaiismus: Theodor Herzls ״Altneuland״, wie wäre es, wenn — Herd» Anregung folgend — Seite 0 wie ln Praxis durchaus nicht zu unterschätzen ist, sind! die Möglichkeiten, zu einem endgültigen Frieden zu kommen, doch größere - trotz Jaffa — wett größere als vor etwa einem Jahre. Nun es sei dort uugckiiüpft, wo dieser historische Exkurs begann -- nun sind wieder die früher erwähnten Mittel zur Diskussion gestellt, die alten Ansichten von den Ursachen der Arahernot neuerlich als richtig fixiert, Uekonumische Ursachen -• materialistische Doktrin — individuelle, willensbewuüte Triebkräfte — idealistische Doktrin. Wieder weiden von Natur aus zweifelhafte DeukcrgeLüsse als axiomutische Maße auf Bewegungen fremder, anders gearteter Mentalitäten übertragen. Die in dieser Beziehung völlig unvorbereitete zionistische Politik sah sich plötzlich vor der Notwendigkeit, möglichst schnell einen Weg zu finden. Sie besehritt den nächsten und siehe: er führte zu keinem Ziel, denn sie vergaß einen wichtigen, den wichtigsten Teil des Komplexes: daß die arabische Bewegung von Arabern getragen wird, von Orientalen und daß die Abwehrstellung des Judentums Wer eine völlig andere als die in den Ländern Europas erprobte zu sein habe, wo es sich um Zusammcnstöüe mit völlig anders gearteten, völlig fremden Mentalitäten handelt. Dort ist die Rassendivergenz die primäre Grundlage des Antisemitismus (auch als Basis der sekundären, ökonomischen Anlässe); diese Erkenntnis ist errungen: sie ist aber kein Allheilmittel und muß im Araberstreit versagen, denn hier sind die Rassenunter־ schiede zu geringfügige. Hier ist die unstillbare Quelle, aus der die Bewegung gegen die einwanderndeii Juden gespeist wird, nicht der Rnssengcgensatz. Sie ist die immer übersehene konservative Eigengesctzlichkeit, die Eigentümlichkeit des Islam, der alles Leben und alles Denken orientierenden religiösen Einstellung des Fallnli. Sie ist das Urelement einer kämpferischen Bereitschaft, eines schlummernden steten Fanatismus. Sie ist der gewaltige unterirdische Puls dieser Bewegung, die wir, trotzdem sic stellenweise unerhört elementar ist, unterschätzten, die wir noch immer mit ökonomischen, mit politischen Mitteln zu paralisicrcn suchen. Wieder müssen wir uns unserer Fehler erinnern, wieder ties Mangels an Verständnis uns erinnern, der alle unsere Arbeit zum Dilettiercn machte. Als die Notwendigkeit an uns heran trat, uns mit dem Araber zu beschäftigen, erkannten wir, daß uns auch nur das primitivste Wissen von seinen Eigenarten, von seinem Wesen und von seiner Mentalität fehlte. Eine Zeitlang versuchten wir, diesen Mangel durch ein forciertes Europäerttmi zu Überfällen, und erst in der allerletzten Zeit w’urde die Mahnung einiger weniger von breiteren Massen erhört und der Ruf ״Brüderlichkeit mit den Arabern!" wurde dann und wann auch weitergegdben. Entspringt er aber nicht sittlichen Energien allein, ist er nur Postulat aus der Zeit der Not, dann kann er nicht in die Tiefe wirken, denn kann er immer nur Handlungen auslösen, die ־zum erstrebten Ziel in keinem Verhältnis stehen. Soll er wirken, dann muß er an das sittliche Ideal appellieren, er muß die Seele vollends revolutionieren, tun einen Aufstand der Liebe hervorznrufen. Dieser Revolution erst kann die Bereitschaft folgen, all das nachzuholen, was wir versäumt haben. Vcrsäumt haben wir nicht allein, in den weitesten Kreisen die Erlernung der arabischen Sprache zu propagieren, unser größeres, schwerer wiegendes Manko ist unsere Unkenntnis der religiösen Energien, die bestintinend sind im Leben des Arabers, und unser größter Fehler jst unsere Selbstüberhebung, die uns *״:״■»*■< w.■■» ך.׳!**,.״,!■*..?■ זד.■1»;«?! ״ ■ari״ ״Joes" Bericht über die DurchfWmwg der Kolonisation wirklich auf PhoiiographcinvaLzen gebracht und bei allen zionistischen Veranstaltungen cinleitenderweise fteruntergedreht würde? Vielleicht würde das die maßgebenden Instanzen zur Besinnung bringen, und dann bekäme auch das traditionelle Absingen der Hatikwah beim Schluß der Veranstaltungen mehr Sinn Einstweilen sieht es dami', tiod» ziemlich hoffnungslos aus. Der Altneulaml-Üedanke. der zur Zeit der ersten Veröffentlichung sein• gefährlich war, weil er alles auf das Wunder des Charters eingestellt hatte (audi die vorbereitenden Arbeiten waren ta eingestellt, oder, richtiger gesagt, gar nicht gewollt), ist heute — seit das noch viel größere Wunder des aus dem Weltkriege entsprungenen jüdischen Palästina zur Wirklichkeit geworden ist — zur selbstverständlichen Gcdankcneiiistcllung geworden. Nur leider nicht für die Zionisten und dadurch audi ohne Einfluß aut die jüdischen Massen. Sollte man nicht wirklich glauben, daß die zionistische Auffassung ücrzls große!) Plan (damals als er unmöglich und gefährlich war) 'eben deshalb so begeistert aufgenommen hat, weil er Panier war und Wadis auf der Plionographcjiwalze? Während heute, wo seine Annahme die Verpflichtung zur Durchführung enthält, alles־ das als Volksverführung und verbrecherischer Dilettantismus denunziert wird, was audi nur entfernt an lierzls damaligen Maßstab erinnern könnte? Boris Kazman: Das Efnhcitssytem. Ein Entwurf für dfc Kolonisation Palästinas. Die von der Zionistischen Organisation Amerikas herausgegebene Schrift war für die Delegierten des XII. Kongresses bestimmt. Sie will eine systematische Untersuchung der günstigsten Methoden darstcllcn und läuft darauf hinaus, eine Einlidt von 100000 Personen zu einem Gemeinwesen zusammenzufassen, das als organisierte und selbständige Körperschaft eine Unmenge von systematischen Verbesserungen und Ersparnissen gegenüber der zersplitterten, zufälligen und gelegat tliaicn bisherigen Arbeit bedeutet, Die 100 000 Menschen sollen nun nicht etwa ,/las jüdische Palästina" darstcllcn, sondern dieses jüdische Palästina 90ß aus einer Anzahl solcher Gemeinwesen von je 1Ö0 000 ■ bestehen. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß nur groß« zus-uiunenhängendie nicht erkennen läßt, daß alle Anstrengungen zwecklos sind, eite wir die Energien nicht kennen, die den Araber bewegen. Wie eine Welt nicht aus den Angeln zu heben ist, ehe ein Standpunkt fixiert ist, so ist kein Verhältnis zum arabischen Volke - - das auf mehr als auf Bajonetten fundiert ist — zu erzwingen, ehe seine geistigen Grundlagen erkannt sind. Eine der wichtigsten Grundlagen aber ist der Islam, die Religion, die, wie vielleicht bei keinem Volke der Welt, ILuiptfaktor olles Denkens und Tuns ist. Der vordere Orient ist eine Materialisation des religiösen Gefühls, daran dürfen wir nicht rütteln, daran dürfen wir nie vergessen. Einem zu tiefst — mitunter vielleicht gar nicht bewußten — religiösen Gefühl entstammt jedes Gesetz der Gemein- Schaft wie des einzelnem Das ist ein Axiom. Wenn wir mm das arabische Volk; Palästinas vor ein neues Problem stellen wollen — tmd ein solches ist ihm ja der zionistische Wunsch — muß gefragt werden, zu allererst gefragt werden: wie ist dieses Net« auf den vorhandenen religiösen Grundlagen aufzubauen? An diese Frage hat das Judentum, dieses dem Arabcrtum innerlich unerhört nahe Judentum vergessen, denn es hat — seien wir ehrlich — in dem Augenblick, da es dem Ghetto entrönnen, europäisches Gewand an!egen durfte, auf «eine eigenen religiösen Grundlagen vergessen, vergessen, daß auch im Judentum das gesamte geistige, handelnde und das Gefühlsleben auf das religiös bestimmte Oesefz tmd auf das religiöse Erleben gegründet war. Die dem gegenwärtigen Geisteszustände der modernen europäisdie» Stadt entspringende Geringschätzung von Religion und Religiosität bat auf das Judentum übergegriffen, und aus dieser Assimilationserscheinung heraus wurde der Islam, das einzig treibende Moment im vorderen Orient, unterschätzt, übersehen, gering geachtet. So mußte es kommen, daß der durchschnittliche zionistisdie Parteigänger keine innere Beziehung zum Orient hat, keine innere Beziehung;.um Araber haben kann*). Es scheint aber doch aus allen Gründen notwendig, gesellschaftliche titxl geistige Zusammenhänge unabhängig von den ökono־ mischen — zu erzwingen. Diese Brücken aber sind nur dann haltbar, wenn das religiös bestimmte Volkv empfinden sich mit der Existenz der jüdischen Gemeinschaft abfindet, sie sanktioniert. Nicht der Scheich, nicht der Notable mit der Ulema muß sie anerkennen, sondern der religiöse Volksinstinkt. Ehe also nicht der Islam den Zionismus anerkennt. Hin nicht mit sich in Einklang gebracht hat, ist an eine Besserung der Verhältnisse nicht zu denken. Diese Anerkennung kann und wird eine stillschweigende sein, wie ja der — außerordentlich' tolerante Islam schon andere, größere Bewegungen stillschweigend sanktionierte. Solange also nicht ein Idschma (consensus ecclcsiac) eintritt, kann keine Sicherheit eintreten. Der Bolschewismus, der unter den denkbar günstigsten Voraussetzungen, zu einer Zeit, da die entflammenden religiös-nationalen Freiheitsbewegungen des *) Das englische Weißbuch über die Maiunruhen, das zwar parteiisch genug ist, bc1״e:kt trotz allem sehr richtig, daß zwischen den jüdischen Kolonien und den arabischen Nadibnitlörfern kein feindliches, sondern überhaupt kein Verhältnis bestellt. Dieser traurige Zustand der Bezielumgslosigkeit zwischen Juden und Arabern besteht auch 111 den Städten und scheint mir eine der Hauptursadien, die eine mitunter grotesk unsinnige Hetz- Propaganda ermöglicht, da nidit nur die Juden über den Araber uniformiert sind, 90ndem auch umgekehrt der Araber vom Juden nicht mehr weiß, als daß er dem nicht sehr beliebten Europäer verdammt ähnelt — und ihm zu glcidien sich bemüht. Flächen und die lokale Zusammenfassung größerer Menschenmengen die Bewirtschaftung mittels maschineller und sonstiger arbeitsparender Methoden gestattet. 111 vielen Dingen basiert die Schrift auf einer früheren Veröffentlichung der amerikanisch-zionistischen Ingcnicur- und Landwirtschafts-Vereinigung, die ebenfalls für Laiidwirtsdiaft und Industrie mit einer Einheit von 100000 rechneten, nidit um sich damit zu begnügen, sondern um zu multiplizieren. Auch bezüglich der industriellen Methoden und Ihrer Uebertragung auf landwirtschaftliche Verhältnisse verdient die kleine Schrift aufmerksamste Beachtung. Dagegen kann ich mich nidit mit ״dem Kostenanschlag" für eine Arbeitersiedlung befreunden, mit welchem die Broschüre sdilicßt. Es werden dort wieder einmal 1200 £ pro anzusicdelndem Arbeiter beansprucht, und zwar ohne den Boden. Für die zweite Gemeinschaft wird ein vvcsentlidi geringeres Budget (״vermutlich wird es die Hälfte des ersten sein") In Aussicht gestellt. Ich hoffe, sehr bald in der Praxis zeigen zu können, daß es einschließlich des Bodens bereit» für die erste Siedlung von nennenswerter Dimension (zirka eintausend, statt 100000) mit einem Viertel der obigen Ziffer zu machen ist. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: An- Siedlungsziffern für unterstützte Kolonisation (d. h. für Kolonisation, die auf öffentliche Mittel zurückgreift) ist von vornherein unmöglich tmd undiskutabet, wenn sie Summen beansprucht, mit denen die ganze Weltorganisation und die ganze jüdische Welt int besten Fall ein paar tausend Leute jährlich in Palästina ansiedeln kann! Die Kostciv.iffern müssen vielmehr sich in solchen Grenzen halten, daß eine Massenhilfe und eine v 61 ksmüßige Kolonisation möglich werden. Systeme, die 1000 £ per Familie oder irgendwie filmlidte oder gar größere Summen erfordern, schciden von vornherein aus. (Schluß folgt.) Blalik-Ncuausgabcn. Die jiddischen Gedichte von Uh. N. Bialik erscheinen demnächst im ״Klal-Verlag" (Berlin, Verlängerte Cliarbttenstr. 1 B.) in einer vom Dichter verbesserten und vermehrten Neuausgabe. Gleichzeitig erscheint im ״Klal-Verlag" eine Neuaufl-we מסי/י Biaiiks jüdischer Gedichtsammlung ״Zaar un Zorn" und »einer hebräischen Novelle ״An*h baal auf“,