Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVII (1922)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1922)
- Date
- 1922-01-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1 Von der Alijab ln den drei Monaten September bis November sind 2465 Personen nach Palästina eiugewaudert. Zum grollten Teil sind es verheiratete Kaiitleule und Handwerker, die auf Aufforderung ihrer in Palästina lebenden Verwandten ins Land gekodmeit sind und Maschinen, Werkzeuge, Waren und Hau^eräte niitgebracht haben. Mit geringe■ ihnen zur Verfügung■ gestellten Geldmitteln können sie sich im Lande sehr leicht eine Existenz gründen. Bis zur Regenzeit war die Lage auf dem Arbcitsmarkt sehr günsti..'. Mit Beginn der Regenzeit, die die Bauarbeiten stör;, stieg die Zahl der Arbcitslosen. Viele benutzten '!diese Zeit, um sich in irgend einem Fach auszubilden |nd sich als Handwerker niederzulassen. Sie brauchen djazu kleinere Vorschüsse, die sie nachher leicht z.urückerstjittcn können. Die Zentrale für Einwandercriürsorge wanjlte sich mit einem Memorandum *n das in Wien tagende‘ A.-C. mit der Bitte, den Ein- Wanderern diese Kredite j/u gewähren. Neue Arbeitersiedlungen Der XII. Kongreß beschloß, auf dem Boden des Nationalfonds zwei neue Spillingen zu errichten und zwar in der Form von Arbeitersiedlungen (Moschawe-Ovvdim). Als Mcnschcmnatcrial kfmmen hierfür palästinensische Arbeiter in Betracht, die bereits 10 bis 12 Jahre irn Lande als landwirtschaftliche Ajbeitcr tätig sind, sich gut akklimatisiert haben und iilkr genügende Erfahrungen verfügen. Jeder Siedler elält vom N.-F. soviel Boden, als eine Familie mit eigeten Arbeitskräften ohne fremde Arbeiter bearbeiten kann Eine Gruppe, aus 80 Familien bestehend, läßt jach in M a 111 u 1 nieder, die andere Gruppe, aus 60 |־amilicn bestehend, wird. sich im benachbarten N urisjinsiedcln. Auch hier ist Raum für 80 Familien. Die reiflichen 20 schließen sich dieser Gnippe später an. Beid| Gruppen werden den Boden genossenschaftlich bearbeibn. Vorläufig wohnen die Siedler in Zeiten, bis sie sief aus den benachbarten Steinbrüehen selbst Steine gihrochcn und Häuser gebaut haben. Erweiterung de! Siedlung in Nuris Jerusalem, 13. lez. (J. C, B.) Auf der Ver- Sammlung der lamhviitsfeaftlidieu Arbeiter, die Ende November in Haifa slattfnd, befaßte man sich in erster Reihe mit der Erweitcrfig der Siedlung, welche vor einigen Wochen auf dqti neugekauflen Terrain des J. N.-F. Ln Nuris in der|.csracl-Ebcne, begründet worden ist. Derzeit befinde)! sieb in Nuris 120 Arbeiter, die sämtlich der Organfation Gdud Haawodaii (Arbeitsarmee) angeboren. Es wurde beschlossen, die Siedlung so zu erwcitii, daß die Zahl der Angehörigen der Mitglieder Iler Gdud Haawodah auf 250 erhöht werden soll; ferftr werden 60 Familien verheirateter landwirtschaftliler Arbeiter angesiedclt werden, endlich die beiden foruppen des Haschomer Hazair (zirka 120 Map) und die in Chcfzeba arbeitende deutsch-slowakisie Gruppe (zirka 40 Mann). Dieser Beschluß, dessen ialisierung allerdings von den finanziellen Möglichkeiten*cs Keren Hajessod abhängt, wurde in den Käsen der Arbeiter Palästinas mit ungeheurer Freude uU Genugtuung aufgenommen. Handel- und I|dustrie-Abtellanf; Auf Beschluß des Kotircsscs wird bei der Palestine Executive eine Abteilung f ir Handel und Industrie zur Förderung der städtisclti Kolonisation eingerichtet. Leiter dieser Abteilung istflerr N. Tisch, der bis jetzt im Londoner Zentralbüro Itig war. Die Aufgabe dieser Abteilung besteht darin, Ille Anfragen bezüglich ver- «chiedcner Industrie- und Handelszweige in Palästina zu beantworten, Material llarüber zu sammeln und es kapitalkräftigen Leuten z| Verfügung zu stellen, die in Palästina Industrieundjlandelsuntcrnchmnngcn griinden wollen. j Zentrale furOartenstadte L Die vom XII. Kongr i beschlossene Zentrale für Oartcnstädtebau wird jets des Kolonisationsdepartem Gartenstädte in England in Palästina als Abteilung its unter der Leitung von Davis Trietsch eröffn! Nachdem Trietsch einige td Deutschland besucht bat, wird er im Februar nac Palästina übersiedeln. Die Aufgabe dieser Zentralste allen GartenbaugeseKsi haft dernsten und billigsten Einleitungen zu geben, wie über• haupt die Bewegung für Gltenstädtebau zu zentralisieren und zu vereinheitlichen für Gartenbau wird sein, 11 Informationen über die mo- Die Weizmanosche Bll In Jerusalem iofhek im chemischen itut Ifzember. (Privat.) Binnen kurzem wird das ch emi!:h e Institut als ein Teil der Universität in jerusal n eröffnet werden. Das Budget von 20 000 Pfund Herling ist bereits bewilligt. Herr Kadoori e aus Ch a sagte eine namhafte BeitragsZahlung für den Baulnds des Laboratoriums zu. Der jüngst verstorbene Mi Rosenblum in Brighton vermachte dem chemisdicrelnsitut 1003 Pfund Sterling. Präsident Professor Wefmann überläßt zunächst leihweise dem Institut, seil ganze Bibliothek und die kompletten Chemischen Beblfe, deren Wert nodi vor dem Kriege mit 8000 Pfujl Sterling! geschätzt wurde. Herbert Samncl in der jüdischen KatlonnlbibHothek Am 14. Dezember kündigte Sir Herbert Samuel unvermutet seinen Besuch in der Nationalbibliotltek an. Dort empfingen ihn Herr M. M. U s s i s c h k i n, Leiter der Kulturdepartcments der Exekutive, die Herren Marcus Kalia« und David J eil in als Vertreter des Bibliotlieksausschusscs und der derzeitige Leiter der Bibliothek Dr. Hugo Bergmann. Der High Commissioner verweilte eine halbe Stunde in der Bibliothek und intcressierte sich lebhaft für deren Schätze, insbesondere für die aus der Gcnisah in Kairo stammenden Hand- Schriften aus dem 11. und 12. Jahrhundert, für die alten Ausgaben der Bibel und Hagadot sowie die hebräischen Wiegendrucke. Er gab seiner Befriedigung über das Gesehene Ausdruck und versprach, selbst gelcger.tüch der Bibliothek interessante Bücher zu überseitdem (Der Sohn des High Commissioner, Mr. Philipp Samuel, hat, wie seinerzeit gemeldet, der Bibliothek sechs Kisten sehr wertvoller Bücher aus Cambridge überbracht.) Weitere Verurteilung von Arabern Jerusalem, 21. Dez. (J C B.) Das Gericht hat über weitere fünf Araber, unter denen sich auch zwei Frauen befanden, wegen Beteiligung an den Ausschreitungen vom 2. November die urteile verkündet. Ein Araber wurde zu elf Jahren Zuchthaus, zwei zu fünf Jahren und die beiden Frauen zu je einem. Jahre Gefängnis verurteilt. Die Mörder Brenners Jerusalem, 16. Dez. Die Gerichtsverhandlung gegen die Araber, die der Teilnahme an der Ermordung des bekannten hebräischen Schriftstellers 1. Ch. Brenn e r beschuldigt werden, soll noch im Laufe dieses Monats in Jaffa stattfinden. (J. C. B.) Eintreibung der Geldstrafe von den arabischen Dörfern Jerusalem, 13. Dez. (J.C. B.) Die arabische Presse berichtet aus Tul-Kerem: ״Am vergangenen Freitag abend erschienen ägyptische, englische und arabische Soldaten, umzingelten Tul-Kerem mit Panzerautomobilen und Maschinengewehren. Am Morgen wurden einige angesehene Personen des Ortes verhaftet, die Regierung plakatierte Kundmachungen, nach denen der Stadt eine Strafe von 6003 Pfund auferlegt wird, das Vielt des Ortes wurde bis zur Bezahlung der auferlegten Strafe beschlagnahmt. Strenge Maßnahmen gegen eventuelle Unruhen Jerusalem, 14. Dez. (J. C. B.) Die palästinen-!;ische Regierung erließ eine weitläufige Verordnung an sämtliche Polizeichefs, in welcher diese angewiesen werden, in ihren Bezirken die strengsten Maßnahmen gegen etwaige Unruhestifter zu ergreifen und eventuelle Ausbrüclte mit allen Mitteln schon im Keime zu ersticken. David Yellln und die Araber Jerusalem, 13. Dez. (J.C. B.) Im Zusammenhang mit einer Rede des Jerusalemer Vizebürgcrmcisters David Yellin auf dem Karlsbader Kongreß, welche Ln der arabischen Presse entstellt wiedergegeben worden war, hatte die arabische Presse ein Kesseltreiben gegen David Yellin begonnen und ihm beschuldigt, daß er die Juden zum bewaffneten Angriff gegen die Araber aufgeimintcrt habe. Sie verstiegen sich sogar so weit, zu behaupten, daß Yellin an den Ereignissen vom 2. November schuldig sei. Nach seiner Rückkehr von Karlsbad richtete Yellin an den Zivilsekretär und an die Redaktion der arabischen Zeitung ״Al Seba“ ein Schreiben, in dem er den Bericht in Abrede stelle und seinem tiefen Bedauern darüber Ausdruck gibt, daß der Nationalitätenkampf in Palästina zu einer solchen Schärfe gediehen ist, daß inan ihn, dessen friedvolles Wirken seit Jahrzehnten in Palästina bekannt ist, in derart unsinniger Weise beschuldigen konnte. Einlangcn eines zweiten amerikanischen Werkzeugtransportes Jerusalem, 13. Dez. (J, C. B.) In Haifa traf ein zweiter Transport in Amerika gesammelter Maschinen und Werkzeuge für die jüdischen Arbeiter in Palästina ein. Die abcssynische Delegation Die abcssynische Delegation unter Führung des Vizekönigs von' Abessynicn, welche eine Reise durch das Heilige Land unternahm, widmete einen Teil ihrer Zeit dem Studium der jüdischen Siedlung. In Jerusalem wurde zu Ehren der Abcssynier ein Empfangsabend veranstaltet, an welchem der bekannte Förderer der Falascha-Juden in Abessynicn, Dr. Fcitlowitsch, sowie die Führer der jüdischen Gemeinde, von der Exekutive Ussi sch kin und Dr. Eder, vorn Nationalrat Y c [- lin und Dr. Thon sowie die Mitglieder des Rabbinatcs tcilnahmcn. Der Führer der abcssynischcn Delegation wies darauf hin, daß die Abcssynier sich nach ihrer Tradition als die direkten Abkömmlinge der Israeliten betrachten und erst spät zum Christentum llbcrgcgangcn seien, ln Abessynicn gebe cs keine religiöse Ur.duidsamkeif, und nach alldem, was die Delegation in Palästina gesehen und erfahren habe, werde sic nach ihrer Heimkehr alles aufbieten, um das Interesse für die Bestrebungen des Judentums in der abcssynischcn Bevölkerung zu er■ höhen und zu festigen. Er sei überzeugt, daß dadurch die Freundschaft zwischen den Abessynicrn und dem Judentum zum Nutzen beider gestärkt werden wird, UCIirtscbaltUcbe Palästina-Dadiricbten Neogründungen in Palästina j Aus Jaffa wird berichtet: Sechs neue Geschäft*- j tmtcrncliinungcn, sämtlich liier, sind gegründet worden, I Die Palästina-Textil - A.-G., mit einem Kapital vo» 6000 ägyptischen Pfund; die Raanan-ucselischaft, Tel-Awiw׳, Konfektionäre, mit 2000 ägyptischen j Ptund; die Achdut Haawodah Vcrlags-Ge 1 Seilschaft, Tel-Awiw, mit 1010 ägyptischen Pfund,! die Ncglia Tcl-Awiw-Bäder-Gesellschaft mit 4032 ägyptischen Pfund; die I n d 11 s t r i c 11 e K r e - dit-Gcscllschaft Palästinas zur Förderung der industriellen, kommerziellen, ackerbaulichen und tech-; nischcn Entwicklung mit 100000 ägyptischen Pltind und! die Städtische Hypothekenbank von P'älästina mit 100 000 ägyptischen Pfund. Des weiteren hat man die Raania Palästina Land Verbesserungs-Gesellschaft, die lQli in Rußland begründet wurde, mit einem Kapital von 30 000 ägyptischen Pfund reorganisiert. Ferner ist die G eu Ia• Gcscllschalt zum Landkauf in Palästina registriert worden. Sie wurde 1004 in Odessa von Zionistenführcm begründet Im Laufe der vergangenen siebzehn Jahre ist es der Ocula gelungen, ausgedehnte Gründe besonders in den Kolonien und in Tel-Awiw zu erwerbet» und zu verkaufen. Ihr Kapital beläuft sich gegenwärtig auf 100 030 ägyptische Pfund. Tabakbau in Rischon-Ie-Zion Jerusalem, 20. Dez. (J. C. B.) Der landwirtschaftlichc Ausschuß von Rischon-Ie-Zion hat an die Landwirte der Kolonie einen Aufntf gerichtet, worin er sie auf die Notwendigkeit des Tabakbaues hinwie3. De Regierung gibt die Sämereien gratis und hat versprochen, Fachleute zur Unterweisung der Landwirte zu entsenden. Die Petach-Tikwah-Bahn Die neue Eisenbahn Petach-Tikwah-Ras-es-Ein be schränkt sich vorderhand nur auf Warentransport, der jetzt, infolge der Orangenernte, ziemlich groß ist. Dit Eisenbahnverbindung ist noch temporär, der endgültig« Bau 9011 bald vollendet werden, ebenso die Eisenbahnbrücke. Zum Stationsvorstand in Petach Tikwah wurde ein Jude, der bisherige Gehilfe des Stations- Vorstandes von Ras-el-Ein, ernannt. Die kommende Touristensaison Jerusalem, 10. Dez. Hier werden bereits Vorbereitungen für die kommende Touristensaison ge■ troffen, und die Hotels der Stadt treffen alle Vorkehrungc», um diese sicherlich ״erwünschten׳‘ Ein• Wanderer aufzimelmien und ihren Ansprüchen zu genügen. Laut Informationen, die bei den verschiedenen Reisegesellschaften cingeholt wurden, wird die Reisesairon in diesem Jahre im Januar beginnen. Aber schon im Dezember werden größere Gruppen erwartet, die, die Weihnachtstage und das Neujahr in Jerusalem verj bringen wollen. Größere Schübe werden jedoch erst | gegen Ende Februar oder zu Beginn des Monats März! erwartet. Das;Weltrciscburcau Cook & Son rechnet mit dem Transport von ungefähr tausend Personen, die in der Zeit zwischen Dezember und April Palästina besuchen wollen Das Reisebureau Frank Clark hat Anmeldungen von etwa 1500 Personen, die in zwei Oruppen im Februar und im März die Palästina-Reise unternehmen. Auch die American Expreß Company trifft Vorbereitungen für die Beförderung und Unterbringung von rund 500 Touristen. Diese Reiseagenturen haben bereits mit den verschiedenen Hotels in Jerusalem, so mit dem Hotel ״Allcnby“, ferner dem neuen Grand-Hotel, dem Zentralhotcl ״Amdtirsky“ und anderen abgeschlossen. Aber außer diesen mit Hilfe der Reisegcscllschaften reisenden Touristen sind viele selbst• ständige Reisende angcmcldet. Die Palestine Expre0 Co. hat auch eine größere Zahl von Privatanmeldungen zu verzeichnen. Man rechnet heute schon mit etwa 10 000 Palästina-Touristen in der kommenden Saison Im allgemeinen herrscht die Ansicht vor, daß die Ereignissc vorn 2. November auf die Saison keinen uiv günstigen Einfluß üben werden. Inzwischen herrscht in der Industrie für Palästina-Andenken erhöhte Arbeit, um für die Saison gerüstet zu sein Die amerikanische Handelsgesellschaft für Palästina New York, 24. Dez. (J. C. B.) Der ״American Palestine Co.״ veranstaltete zu Ehren des aus Palästina zu rückgek ehrten Dr. Benderli ein groß« Bankett, zu welchem 600 überaus angesehene ameri• kanische Geschäftsleute erschienen waren. Der Vor• sitzende, Mr. Satnuel Lampart, rollte den Bemühungen Dr. Benderlis um die Untersuchung der Handclsmög• Üchkeit in Palästina besonderes Lob und wies auf die Ziele der Gesellschaft hin, die Judenheit der Vereinigten Staaten für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas zu interessieren. Riditcr Rosalski ermunterte die jüdischen Geschäftsleute zur Investierung von Privat• |f kapital in Palästina. Nach einem Bericht Dr. Bervf f deriis über die wirtschaftliche Hage Palästinas sowie über die Leiden der Chaluziin, wurde eine vom Rabbiner Dr, Silvcrman vorgcschbgenc Resolution cingebracht, in welcher der englischen Regierung der Dank für die Balfour-Deklaration ausgedrückt und die Anwesenden auf• gefordert werden, an der Durchführung des Aufbaues von Palästina mitzuwirken. Viele Anwesende zeic’n• ncten und bezahlten sofort zahlreiche Anteile, wodurch sich die Zahl der Aktionäre auf 300 erhöhte und da! von ihnen eingezahlte Kapital die Höhe von 400 000 Dollar erreichte. 1a P iS s* 1 d cl t B d! P n A 4 ]< s 1t H A