Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 100 (16.12.1921)
- Date
- 1921-12-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 714 Ludendorff Von Carl Glaser. Motto; Leben bleiben sowie sterilen Für das VMorlaiv.1 ist süß . . . Calinnniare .ludaeter . . . Der Jmle Saul <ah den Pliilklerkrie;׳ verloren; d.» siürrie er sieh ins Schwert. Der Semit 11 a n n i h a I nahm ׳Gilt, als er nach einem Kampf ohnegleichen nichts mehr für sein sterbendes Vaterland tu» konnte, das ilm von Anfang an verraten hatte. Der Römer Brutus tötete sich, um das limle der Freiheit nicht erleben zu ,müssen, für die er sieglos gekämpft, mul der Preis Oe Friedrich war entschlossen, eher ins Ural» zu steigen, als den Untergang seines Staates mit zu ertragen. Ludeivdorff, dem das deutsche Volk Vertrauen ohnegleichen, das Leben seiner Vater und Söhne, die Gesundheit seiner Frauen und Kinder, Gut und Blut bis zum letzten anvertraut hatte, damit er es rette --׳ Ludendorff floh nach unerhörter Niederläge nach Schweden, um sein Lebe■!! in Sicherheit zu bringen. Ludcndnrff schreibt mit emsigen! FiciB Bücher und freut sich der Scheine, die ihr Erlös ihm bringt. Ludenunrff füllt Seite auf Seite, um su beweisen, daß er schuldlos, die Gemeinheit des Feindes, die Unfähigkeit deutscher Staatsmänner •um! Generale, die Unzulänglichheit des deutschen Volkes, der Verrat der Sozialisten, die Machtgier des jüdischen Volkes schuldig an allem Unheil seien. Laidetv.lorff ist vielleicht ein genialer Taktiker; er ist nicht vou dem Holz, aus dem ׳das Schicksal Helden schnitzt. Er ist ein kleiner Mensch — aber wer bat ein Recht, Grölic zu fordern? Immerhin gibt es eine notwendige Dcsdieidenheit des Mißerfolgs, eine natüp־ liehe Zurückhaltung nach der verschuldeten oder tmverschuldeten Niederlage, die uns selbstverständlich erscheint. Barbarische Völker töteten ihre glücklosen Generale; Römerstolz dankte selbst ihnen für Pflichterfüllung. Aber wir haben nicht gehört, daß der Konsul Varro nach dem Zusammenbruch von Cannae für sich oder seine Partei die Führung des Staates beansprucht habe. - Gesunde Nationen bestrafen nicht den Mißerfolg, aber sie erwarte!), daß der Veranfwoitliche selbst seine Konsequenzen zieht. Ludendorff hat das nicht begriffen. Der Entmachtete kann die Tage seiner Allmacht nicht vergessen. Er will herrschen, ,wieder herrschen. Deshalb flieht er siel! selbst aut' tausend Seiten Lorbeerkr.'inze, riilunt er in hundert Kapitel» sein Tun und seine Voraussicht, beschwichtigt er sein eigenes Gewissen durch spitzfindige Venuuiftgründe, Schmähungen und Anklagen gegen andere, immer gegen andere. Und doch hielt er den Fekihcrrnstab in Händen; hatte er die ganze Macht. Erlahmte das Volk - er mußte es cmporrüttel». Gab cs Verrat er mußte ihn entdecken, unterdrücken. Versagte das Heer er mußte die Moral der Truppen heben, die Mannschaft zu Hingabe Und Sieg brtreißen! Was er auch sagen mag ■■ alles klagt ihn an, nur ihn. Er hatte die Macht! Er trug die Verantwortung! Das mag er spüren. So bedarf er einer dämonischen Gewalt, einer Kraft, die über Mensdicnstärkc geht, so- Zusagen einer ״force majeure“, um der Anklage, die ihn ewig verfolgen mag, wenigstens vor der Außenwelt ledig zu werden. Er fand sie in den Jaden. Die Masse verstellt das uralte Volle aus dem Osten nicht, das mitten unter ihr lebt; sic mißtraut seiner Geschichte, seinen merkwürdigen Uehcrlicferungen um! religiösen Gebräuchen, seilten alten Büchern in unlieimlieber Schrift, seinen seltsamen Zusammenhängen, seiner trotz allem unlösbaren Gemeinsamkeit. Die Masse be- JUEDISCHE RUNDSCHAU arjjwülmt die .Juden, schreibt ihnen gern die Sduild an’ allem Bösen zu, füchtet sie und ist leicht geneigt, sie zu hassen und aus Furcht nialerztiödthigen, wie!«an ehedem ״Hexen“ tötete und u!!be1j111־me Geister als Zauberer verbrannte. — Der Jude ist für die Halbgebildeten, die Ungebildeten und Unglücklichen eine Art böses Prinzip, der leibhaftige Satan; sie glauben seinen dunklen Machenschaften, da sie Erklärung für ihre Nat suchen, ihre trostlose Lage zu verdanken und spüren in dieser Uvherzcugung zugleich Gruseln und Erlcichteruivg. Diese Stimmung ist von je vou Reakt.oturcu tuul Antisemiten für ihre Pläne a1.׳>geuut/t worden. Es war ja so Bequem, politische Gegner als Werkzeuge geheimnisvoller jüdischer Macht hinzustellen und sic so uuheilha; zu schädigen. Nach so uraltem Rezept verfuhr Ludendorff in seinem netwu Buch ״Politik und Kriegführung“. Und wie geschickt versteht er sein Gift zu verspritzen. Lauter kleine Andeutungen, gelegentlich Fätdrangen -׳- ta> zitiert er aas einem Buch des Sanitätsrates Marct/.ki-Borli» über den Orden Bnci Uris in Deutscham! eine Stelle, in der über die Wirksamkeit der Logen gesprochen wird, bewußt falsch. Atts ״fruchtbarer Energie“ macht er ״furchtbare Energie“ furclilhnrc Energie vier U.O. B. B. Man denke! Eine Kleinigkeit, nicht wahr? Aber unser Mann wußte gut, was er damit bezweckte. Nie läßt er sieb dazu herbei, Beweise für seine Verdächtigungen zu erbringen. Er erhebt lediglich Anklage: Das jüdische Volk, an seiner Spitze die Logen!, die Zionistische Organisation und seine geheimnisvolle Oberleitung über deren Art und Zusammensetzung Ludcudorff nichts zu wissen erklärt, zu deren ■Kennzeichnung er aber die bekannten Worte Rathen,׳ms von den dreihundert Männern, die das wirtschaftliche Geschick des Kontinents leiten, zitiert ■־ habe die Niederlage fXmtsehlands gebraucht, ״um den Juden in Palästina ein Staatsgebiet mul Anerkennung als Volk zu erwerben und ihnen in Europa und Amerika eine überstaatliche und übel-kapitalistische Herrschaft zu verschaffen.“ Und Teile dieses jüdischen Volkes Statuten innerhalb Deutschland! Gpenzeu . . . . __ Ti'ci» äpTeffer gruselts und geheimnisvolle Andeutungen sollen ihn noch ängstlicher, in seiner Angst noch zorniger auf diese Träger ungreifbaren Verrates machen. -- Hat nicht der in Deutschland lebende Professor Weizmann nie hatte er seinen Wohnsitz in Deutschland! - schon l'Hli) mit Haltbar und England wegen Palästinas verhandelt? Enthielt nicht das Buch Theodor llcrzls vom Judenstaat in seiner Auflage von 1918 ein Vonvort Otto Warburgs, das in späteren Auflagen — 11m, 11111! — fehlt! Daß spätere Auflagen nicht erschienen, was das Vorwort enthielt, sagt der Herr General nicht! Hat nicht der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland im Jahre 1921 den Beschluß gefaßt, daß ״der Sitz der Exekutive entsprechend den gegenwärtigen, politischen, «organisatorischen und finanziellen Ergebnissen London sein solle?“ Gab es nicht Juden in Deutschland, die sich der Balfour-Deklaration schon während des Krieges freuten? Und beweisen nicht Aus- Sprüche Lloyd Georges, Balfours, vor allen! aber die. zwar von gegnerischer Seite angczweifcltcn ״Weisen von Zion“, daß . . . Kurz, und gut: Verrat, finsterer, tückischer Verrat! Aber nirgends, nein nirgends ein Wort klaren Beweises für unerhörte Vorwürfe! Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, Bemerkungen, entstellt, und verdächtig gemacht - aber nie Tatsachen, nie auch am* der Versuch einer Nachprüfung! Kein Wort davon, daß die Zionistische Organisation während des Krieges eine Politik völliger ()Öffentlichkeit, absoluter Loyalität der Neutralität nach allen Seilen führte. Die Zionisten bluteten in den Heeren _ Nr. 100 ihrer Staaten; die Leiter der Bewegung verhandelt!■׳! mit den Leitern ihrer Länder um ein, nur!־in Krierx/it1׳ das wir den Zufälligkeiten des Krieges iuk! Sieges zu entziehen trachteten, um die jüdische Heimstätte in jx,. lästina, die unser Volk brauchte, um nicht vollends imtv*. zugehen. Das!mißten Sie wissen und sagen, Herr General Sie wisse», daß deutsche• Staatsmänner unser Verhalten billigten und wir erinnern Sie an die Erklärung <)t, deutschen Unterstaatssek: etärs von der ßussche-1 ladde!!. hausen für die jüdische Heimstätte. Sie mußten wissen, daß im Kriege und nach dem. Kriege ein deutsches ]>!,״ Palästina-Komitee bestand, de!« Politiker von Westarp bis Ledebour angcliörtett, und das noch 1919 für unser einziges Kriegsziet eint rat . . . Sie wollen das alles nicht wissen, Herr Genera! Die Juden .11ab.n1 Sie um den!;ichereil Sieg gebradu' Die Juden haben die Niederlage verschuldet, nicht Sie Ein Held sind Sic, ein Siegfried, den tückische Hinterlist fällte. Und der, Unglück und Schinde überwindend, das verratene Volk allein wieder zu Freiheit und Gluck zurückführen kann. Sie wollen herrsdien. Was kommt es Ihnen, um dies Ziel zu erreichen, auf Glück, Ehre, Leben von ei« paar hunderttausend Atcn •eilen an? Sie wußten doch wohl auch von den Armenicrmetzelcien? Sie gaben doch wohl ihre Zustimmung zur Fahrt Lenins nach Rußland־« Sie wollen herrschen. Was stört Sie eine Lüge mehr oder minder? Wir haben Ihre Bulletins, die den Geist des .Volkes betören sollten und ihn schließlich zersetzten, noch nicht vergessen! -- Wären wir d:e Raubtiere, als die sie uns schildern, hätten wir nur einen Teil der Macht, die Sie uns amlichten, auch nur ein Wenig des Willens zur .Macht — Sie und ihre Freunde vom Miesbachcr Anzeiger und Völkischen Beobachter Ihre ganze Lumpengarde dürfte so nicht sprechen! Uni nicht verfaulten die Leichen Hundcrttausendcr von Juden auf dem blutigen Boden der Ukraine. Wir wollen nicht herrschen. Wir wollen ir. Frieden unser Land erbauen, nicht zuletzt als Zufluchtsstätte vor Ihnen und Ihresgleichen. — Nur Sic wollen herrschen, einst über die Welt, jetzt über das arme deutsche Volk, dessen Verzweiflung Ihnen für Ihre Agitation gerade recht ist, 1 ׳ \14-! י'| Wir wissen nicht, welche Rcgierrnigstorm der Augcublick erfordert, Monarchie oder Republik, Demokratie oder Diktatur. Aber Diktatoren müssen, soll nicht ewiger Ftuch sie treffen, Männer reinen Willens, heldenhafter Größe sein. Sic aber lügen, Herr General. Beweisen Sie Ihre Behauptungen oder wundem Sie sich nicht, wenn inr.n Sie, aller Soldatenehre bar, für einen Verbrecher halt, der mit eigener Schuld Unschukiigc belastet. (״Das Jikl, Echo“,) Leichenbegängnis Dr. Poznanskis Warschau, 7. Dez. (Verspätet J.C. B.) Den: gestern nachmittags stattgefundenen Leichenbegängnis!:!. Poznansiris folgte ein Zu!g von 103000 Juden, also ungefähr eines Drittels der gesamten Warschauer Judenheit. IVni Zuge schritten voran eine Vertretung d.-s jüdischen Sejmklubs, der Vorstand der jüdischen Cie• meindc, ein Vertreter des Kuluisministcritnmc sowie /.•hlreiche Delegationen vieler Parteien und Institutionen. Der Ordner- und Ehrenwachdienst wurde von der jüdische;) Mittelschuljiigeiid versehen. Trauerreden hielten Dr. Thon, der militärische Seelsorger Dr. Mieses, Prof. Dr. Bnlab.in, Gemeindevorstand Dawidson, Abg. Grtinhaum, Vorstand des Syiiagogenverbandcs H. Gokt-tein, ferner Dr. Klumel und Abraham Podlischewski. Die Familie des Verstorbenen erhielt vom englischen Gesandten m Warschau ein Beileidsschreiben. Zwei A'manaclie 5682 * 1921/22. jüdischer Almanach. Herausgegeben von Raphael Chatnizer, Leipzig. Leipzig, M. W. Kaufmann, 1921. 308 S. 8°. , Die Geschichte des Zionismus ist bisher trotz aller Versuche nach keineswegs erschöpfend dargeslellt warden, wiewohl gerade in den letzten Jahren auch nacli dieser Richtung hin bedeutsame Beiträge erschienen sind. Die erste Geschichte des Zionismus von \J)r. Oscr Kok e s c h erschien in der Berliner Zeitschrift ״Zion“ in! Jahre 1895. Aber bereits früher hatte die Redaktion dieser Monatsschrift unter dem Titel ״Archiv zu einer künftigen Geschichte der nationaljüdischen Bewegung“ aus allen Zeitschriften •tuid Büchern Zeitdokumente herausgesucht, die den Uebv-rbliek über die zionistische Vorgeschichte wesentlich erweiterten. Ganz irrig ist die Meinung, daß Theodor Herzl, dessen־ .große Person- Hchkcit diese Bewegung groß gemacht Int, sie auch geschaffen hätte. Selbst die Namen ״Zionismus“!und ״Zionistische Partei“ sind älter. Sie wurden von Nathan Birnbaum bewußt geschaffen, erstlich als Ueber- Setzung von ״Chowewe Zion“ und ״Chibbath Zion“, sodann, um der bis dahin zumeist •üblichen Benennung■ der Partei als ״Jüdisch-Nationale“ einen schärferen. Hinwas _ auf das erstrebte Ziel zu geben, und endlich, ,urn einer kleinen Gruppe innerhalb der jüdisch-nationalen Partei entgegenzukommen, die am Worte ״national“, wohl zumeist ans taktischen Erwägungen heraus, — Anstoß nahm. Obwohl nun bereits im Jahre 1893 eine c *‘omstischen Bewegung erschienen ist, FrKÄn• s1e *ur ״IC .mc1stcn überhaupt erst mit dem dcr^Wclt"eAUcktcx™S Judcnstaat> dcr »896 Licht nisrnS m\tdSäÄr PCitTA? mr 0*«Wehte des Zin- Dr RaÄ Ctamber h״mde “»**«*&«*» Der von »vanach ist mehr a?s &^״TbcT Jüdische Alein zionistischer Atm-!,״Srrc.,lbls־״er erschienene Einstellung, £r boainntm^?uCha ,^ütrk historischer ** nogmnt mit denselben hoch intercssanten jüdisch-nationalen Dokumenten vom Jahre 1S10 und 1811, die auch beim ״Zion“ zuerst abgednickt worden sind. Es folgen Zwi Hirsch Kali sehe r, Moses Ff e II und Leon Pinskcr. Aber nicht etwa Schritten über sie, sondern solche Auszüge ans ihren zionistischen Schriften, daß sie ein Gesamtbild in aller Kürze von ihren Anschauungen und ihrem Wollen geben. Sie sprechen für sich seihst, bringen sich selbst zur Dar- Stellung. Dann folgen die bedeutsamsten Herzl-Dokumente vorn ״Iudenstaat“ bis zur letzten grollen Kongreßrede. Und an ihn reiht sich in kürzerer aber ähnlicher Weise sein Paladin Max Nord au au. ln geradezu vorbildlicher Weise ist nun eine Zusammenstcllung der jüdischen Forderungen an die Friedenskongresse nebst den Regicrungszustinimiingcii der großen und kleinen Staaten gegeben, wobei England und Frankreich zwar voran sind, aber auch Deutschland, China, Siam, die Araber und zuletzt das befreundet gewordene Armenien nicht vergessen worden sind, ln historischer Folge kommen nun Balfours einführende Worte in Sokolows Geschichte des Zionismus, die Reden auf dem Albert Hall-Meeting in London und endlich der Text des Palästinamandatcs in deutscher Geber־ Setzung. Es ■wäre kein vollständiges Bild der zionistisehen Rciiaissauoehcwcguug, weint nicht auch ein größerer Aufsatz der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem gewidmet wäre. Es folgen noch eine ganze Reihe von anderen Dokumenten, vor ollem poetischer Art. Auch ein hebräisches ChaUizinilied ist nicht vergossen. Ueber ein Psychotechnisdies Institut ist vom Herausgeber des Almarvachs eine fachmännisch begrün* dete Arbeit gedruckt, aber auch zwölf faksimilierte Briefe Heinrich Heines gegeben. Daß im AJmanach der jüdische Kalender nicht fehlt, ist selbstverständlich, Bilder von hervorragenden Führern der zionistischen Bcwemm׳׳■ schmücken das Buch. u “ Der Almanach bedeutet eine kurze dokumentarische Geschichte der zionistischen Bewegung seit 1840 Die früheren Epochen, auf die in der Monatsschrift Zion“ hingewiesen wurde, auf die von derselben Seite Material m der ״Welt“, im ״Litcraturblatt der Jüdischen Rund«■ schau“, in ״Volk und Land“ und an anderen Steiler, gesammelt und horau-gegeben worden ist, wurden J1i-׳r übergangen. Hoffentlich ist es dein Herausgeber 1hschieden, in einer Fortsetzung seiner hervorragenden l-eistung im nächsten Jahre auch diese Perioden in ahnlieber Weise mit zu behandeln. Mindestens ein weiteres ganzes Jahrhundert kann er so rückschauend vor unserai Augen erstehen lassen. Immerhin deutet er den großen historischen Zusammenhang zwischen den alten zionisti־ sehen Bestrebungen und der neuen Bewegung־׳ an, wem! er dem ganzen Buche vier Worte aus dem talmudischen Traktate Kcthuhoth voranstellt, in denen die politische Richtung auf den Wiedererwerb Palästinas durch das jüdische Volk in das ganz intime Ehegcset/ bincingctragc» worden ist. Der Almanach ist inhaltlich eine tedeinsame Leisten;; und es wäre erfreulich, wenn sich 'recht viele Zionisten und Nichtzionisten atts ihm unmittelbare Kenntnisse, vor, der Geschichte der national jüdischen Bewegung holen würden. Sie würden sich daraus unter der Schwell»' des Bewußtseins selbst eine kleine kritische Geschieht« des Zionismus in ihren Gedanken aufbauen. . Noch eine Bemerkung: Dr. Chami/er gehört einer Familie an, eieren große künstlerische Veranlagung sich schon in einem vorangehenden Geschicchte ganz auf die Ausstattung des Buches gelegt hat. Es ist weht zu verwundern, daß dieses Jahrbuch durch seine bescheideuc und zugieidt vornehme, einfache jaul gleichzeitig künstlerisch schöne, sachgemäße und gediegene Au»■ stattung ausgezeichnet ist. Außerhalb der Atiila ■e wurden HX) numerierte Exemplare auf echtem Bullen gedruckt und in Pergament gebunden. Aller die gewöhnliehe Ausgabe, ebenfalls auf vorzüglichem holzfreiem Papier, wirkt um nichts weniger vornehm. , wer Wunsch hat, seinen Angehörigen cm schönes Geschenk zu Chanukkah zu machen, das zügleieh einer, gediegenen historischen Inhalt liat, und dÄei 11» der Ausstattung• nichts zu wünschen ü*>ritf laßt, der greife zu diesem Jüdischen Almanach 5öS-1 vor» Dr, Raphael Chatnizer, dessen ganz persönliche Leistung hier vorliegt. Heinrich L o e w e.