Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 98 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70! JUEDI3CHE RUNDSCHAU Nr. 08 für dan Präsidenten der Zionistischen Organisation ך« ■>»*■״״־׳ —, ' JUS veranstaltet vom Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ÜB fi IUIVI ÜW^Ug abends 8 Uhr, im Großen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße 22/23 Nichtnumerierte Eintrittskarten zu 5—. Mk. // Numerierte Eintrittskarten zu 10.— und 20.— Mk. // Logenplätze zu 50.־ Mk Vorverkauf ab Mittwoch, den 14. Dezember 1921 im Zionistischen Büro, Seydelstrasse 3, Buchhandlung Ewer“ Knesebeckstrasse 53/54, sowie bei sämtlichen Theaterkassen von Bote & Bock und Wertheim, Rosenberg, Grenadierstrasse 38, Buchhandlung ״Hedem" Charlottenburg, Dahlmannstr. 8, Buchhandlung F. Ostertag, Augsburger Strasse 28.. Satze: ״Der XU. Kongreß nimmt also mit Befriedigung Kenntnis von den Schritten, die die Exekutive auf Grund der Beschlüsse der Prager A-C.-Tagiuig bei der britischen Regierung unternommen hat, und fordert sie auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die i’ostulate ehestens durchzrisctzen“ Ist daraus zu .:.;״•;w;;, iL.ß der Le!:iu1vsbesc!tluß von Prag, der von der arabischen Welt und zum Teil von der jüdischen ()Öffentlichkeit sehr ungünstig aufgcnoinmen wurde, bestehen blieb, der peinliche Kampf in den Kommissionen doch mit dem Siege des Legiousgedankens besclilossen wurde und Jabotinskv in seinem Rechte ist, wenn er, auch n .1 c 11 dein Kongresse, fortwährend die Notwendig, keit der Legion proklamiert, dabei auch das in seiner Art sehr kluge Wort von Ussisclikin (״die Legion macht man entweder oder macht man sie nicht; aber jedenfalls spricht man nicht von ihr“) vollständig vergessend? Wenn man an einzelne Acußerungen der Exekutivc-Mit. Glieder iu bezug auf das arabische Problem denkt, so wird die Sache nicht viel klarer. Sokolow und Wcizniajin sprachen über Verständigungsnotwendigkeit, das ist außer Zweifel. Sokolow hat sogar ein Wort fallen Lassen, das auf eine sehr weite Auffassung des palüstn iiensisduti Problems und der Zionismusmission im Orient schließen ließ•; das• ist der Satz aus seiner Eröffnung*, rede: ״Nicht los vom Orient., sondern mit dem ganzen Grient werden wir unser Ideal verwirklichen‘‘ und etwas weiter: ״Ihr Volker des Orients wir bringen Euch eine Botschaft der Wiedergeburt, des Fortschritts, der Er. lösung! Sehet, wir a'iie bedürfen des Trostes, wir sind im Dunkel der Hoffnungslosigkeit gewesen und irr war unser Tun. Davon müssen und werden wir uns be» freien.“ Er sah.juch ״nur eine Art der Möglichkeit für unser Beisammensein“ -- das gegenseitige Verstehen. Wenn man aber mit diewi! doch, scheint cs, genügend klaren Worten die Behauptung Jabotinskys über sein 1* 1cheremstimmen mit Weizmann in der Legionsfrage tmd die Kougrcßrode desselben Jabotinsky vergleicht, י° 'v׳rd man die arabische Politik der Exekutive, in der doch Sokolow, Weizmann und Jabotinsky zusammen» etzen, kaum eindeutig und klar finden. Ist 'es eine Botschaft des Friedens, der gemeinsamen Erlösung, wenn Jabotinsky unsere palästinensische Kolonisation mit der.!,־nigen von Amerika und Australien vergleicht: ״Hat mau Amerika und Australien mit Zustimmung der Ab« v.'igencs kolonisiert?“ — Es ist unnütz, um kein stärkeres '*ort zu gebrauchen, über die Wiedergeburt des Orients tmd gemeinsame Interessen zu sprechen, wenn inan «len Arabern das Zukunftsbild von Amerika• und Austra. hen-Eingeborcnen vor die Augen hält. Die nationale Politik in der Diaspora: auch in dieser f rage scheint es, Hs ob der Kongreß klare Resolutionen gefaßt hat; es dürfte sc!>011 diejenige, in welcher das Kopenhagen** Manifest bestätigt wird, genügen. Auch war Sokolow in seinen Ausführungen klar gering: ״Die ftagmatiker kommen und erklären, das sei nicht unsere Sache, sondern Sachs* der Landesverbände. Aber ich erkläre Ihnen: ich werde es immer als ineine Sache auffassen. Ich werde im Namen der Zionisti« scheu Organisation (von mir gesperrt. M. B.) intervenieren, offiziell, hocboffiziell,. immer wenn es gilt, für Ehre und Recht des jüdischen Volkes einzutreten.“ vbr stolz gesagt; und wirklich verzeichnet die Kongreß, wiiung bei dieser Stelle; ״Stürmischer Beifall.“ Wer jxl aber diese ״Dogmatiker“? Nur Simon״ Jean Fischer, '׳/'■uischer? Unlängst wurde ein Brief von Weiz« ״!•utn an Untcrmeyer, vom August d. Js., also wenige Wochen vor dem Kongresse, datiert, veröffentlicht; der “fief enthält u. a. folgende Sätze (ich zitiere nach ״Ha. hk'wah“״ Nr. 18—19): ״Es ist kein Schatten der Wahr, "tit in der Behauptung, daß die Frage des Nationalis. mus der HauptgegcnstaiKl der Kongreßdiskussion bilden '■'׳ird. Nie war cs 90 und es wird nie so sein. Es K{ einfach ein Märchen, das in Amerika ausgedacht .Es ist wahr, daß gewisse zionistische -,nippen, vor allem in Polen, an den politischen An. Gelegenheiten von Polen tcilgemoinmen haben; sie haben «! aber nicht als Zionisten, sondern als Juden, die zu. wlig auch Zionisten sind, getan.Die Zionistische Urgani6atk>n hat es immer sorgfältig vermieden, sich ln die lokalen Angelegenheiten politischen Charakters ^“,1JHschcu,, indem sie sich vollständig bewußt ist, eine 90!che Tat die Zerstörung des Zionismus be* deutet hätte.“ (Ucbrigens ist auch der Brief von Unter• meyer,. auf welchen Weizmann so antwortet, durch seinen Ton und seinen Geist sehr bemerkenswert.) Wer vertritt also die Anschauungen der Exekutive als Ganzes — der Dogmatiker Weizmann oder Sokolow? l ür diese Tatsachen,, die tiefe Differenzen iu der Exekutive selbst in Bezug auf politische Fragen er. kennen lassen, sind zwei Deutungen möglich: erstens, daß die neue Leitung eine Art Koalition darstellt, in der verschiedene Anschauungen vertreten sind. Die Koalition an sich ist wirklich in jeder nationalen Be. wegung sehr wertvoll,, nur dann aber, wenn sie eine wirkliche Koalition ist,, d, 11. wenn sie auf einem gewissen Minimum der gemeinsamen Bestrebungen basiert ist — in diesem Falle aber wurde gerade dieses Minimum entweder nicht erreicht oder jedenfalls der zionistischen ()Öffentlichkeit nicht mitgeteilt. Wenn aber dieses Mi. nimum der Uebercinstimmtmg nicht existiert, so hat man es nicht mit einer Koalition, sondern mit Prinzipien, losigkeit zu tun. Die zweite Einwendung besteht gerade in der Apologie dieser Prinzipienlosigkeit: die Zionisti« sehe Organisation sei auch nicht stark genug um be. stimmte Grundsätze für ihre Politik a»wenden zu können mul ״man wird maclieii was mau kann.“ Ein solcher Geist aber, falls er die Exekutive und den Kongieß beherrscht, müßte bekämpft werden. Eben deshalb, weil die zionistische Bewegung als politischer Machtfaktor wenig i!% Betracht kommt, muß sie ihre Grundsätze be. sonders sorgfältig wahren und ausarbeiten; ein mächtiger Staat,, wenn er durch leichtfertige Politik in eine Sack, gasse geraten ist, kann sich zeitweilig schwächen, er wird sich dann aller wieder erheben und riskiert jederv. falls nicht seine Existenz. Anders bei einer nationalen Bewegung, die noch für ihre Anerkennung, und das sowohl bei den politischen Mächten wie beim eigenen Volke, kämpft. Mau meint noch immer, die Bewegung befindet sich in ihren unbestimmten Anfängen und man vergegenwärtigt sich nicht, in welche entscheidende Epoche das jüdische Volk ciiigetreten ist und welche Anstrengungen, welche Opfer — bei weitem nicht nur materiell gedacht״ welche Behauptungskraft im Alltag der Zionismus verlangt und weiche neue Einstellung dem ganzen Lcbciisproblem, der Weltanffassung gegen, über er bedeuten kann und bedeuten muß, wenn er siegen will. Man spricht viel von den, Realitäten, die die Basis der zionistischen Politik bilden, und der Balfour*Deklaration den realen Wert geben müssen. Man denkt dabei fast ausschließlich an die palästinensische Arbeit und man ist sich noch wenig bewußt, daß die erste Realität, die Voraussetzung aller anderen Realitäten, das jüdische Volk und seine Organisierung ist. So lange das Judentum einen auch geistig in allen Weltteilen zerstreuten Körper bildet, solange es nicht einig in einem Gefidil, in einem Streben ist, solange die Einheit des jii<1 i sehen Volkes ein frommer Wunsch bleibt, wird sielt der Palästinaaufbau in Kleinlichkeiten verlierea Daran sollten auch die, in ihrer Art alle Achtung ver״ dienenden Realpolitiker wie Simon denken. Die groß, artige Organisierungsarbeit ist aber nur durch Prinzipien durch Ideen״ durch Ethik, zu vollbringen — damit, um Wciziuanns schöne Worte beim Koiigreßsdiluß nt gebrauchen, ״aus dieser schweren Prüfung eine bessere Generation entsteht, die den richtigen und den geraden Weg njeh Zion finden wird.“ Der erste Schritt dazu muß darin bestehen, daß die Leitung ihre eigenen. Richtlinien in den Grundfragen der zionistischen Politik klärt und proklamiert. Der Kongreß ist nicht mehr da; er hat diese seine Aufgabe nicht voll und ganz erfüllt. Es ist also die Pflicht des Actions-Comitüs und der Exekutive selbst, es zu tun. Das Hilfswerk in Sowjetrußland. Einer Mitteilung des Joint Distribution Committecs zufolge, werde die Hilfstätigkeit dieser Organisation in Sowjictrußland fort• an ausschließlich von der Hoovcr-Commi ssion und der Society of Friends ausgeführt werden. Zu diesem Zwecke seien bereits 700000 Dollar bestimmt worden. Der Hoovcrschea Kommission sei Mr. Joseph Rosen als spezieller Vertreter des ״Joint" zugeteilt worden. Der• selbe habe sich bereits nach Moskau begeben. Abraham D. Idelsohn Am' 7. d. Mts. starb in Berlin nach einer kurzen Krankheit der hervorragende zionistische Journalist und Politiker, langjähriger Redakteur des ״Rasswjct" und zuletzt des ״Haoiam“, einer der angesehensten Führer und Erzieher des russischen Zionismus, Abraham D. Idelsohn. Der Verstorbene, der in seinem 57. Lebensjahre stand, wurde im Jahre 1864 in Wekschni geboren. Ende der achtziger Jahre des IQ. Jahr- Hunderts, gründete er in Moskau, wo er studiert hat, zusammen mit einigen Freunden, den zionistisehen Verein ״Bnc-Zion“, aus dem Tschlenow, Ussischkin, Rabbiner Mas(׳, W. T j o m k i n, Chissin und andere Führer des Zionismus und des russischen Judentums hervorgingen. Idelsohn schloß sich sofort dem politischen Zionismus an, dem er seitdem ununterbrochen seine besten Ki und seine glänzende Feder gewidmet hat. Er einer der Mitbegründer der ״Demokratischen F tion“ und einer der Schöpfer des ״Helsingfo Programms“, das noch bis jetzt seine Gelt in der zionistischen Politik nicht ringebüßt u.u. Selbst ein Meister der Feder, gründete Idelsohn den ״Rasswjct", das offizielle Organ der russischen Zionistischen Organisation, das er auch bis zuletzt geleitet hatte. In seinem Amt als Redakteur des ״Rasswjct“ wurde er von allen russischen Delegiertentagen einstimmig bestätigt. Die vorzüglichen Aufsätze Idelsohns, wie die ganze Leitung des ״Rassvvjet“, machten ihn zum Erzieher der russischjüdischen Jugend im Sinne des synthetischen Zianismus, des.nüchternen, realen, aber entschlossenen Idealismus, der die ״Bne-Zion" von jeher auszeichnete. Idelsohn war auch Mitglied des russischcn Z. K., sowie des großen A. C. Nachdem Idelsohn in London, einsam, fern von seinem Kreise, den ״Haolom“ geleitet hat, hat er sich gefreut, in Berlin wieder einige seiner Freunde getroffen zu haben, mit denen zusammen er neue Pläne für die Zukunft hegte. So sollte auf seine Anregung hin, in Berlin eine zionistische Pressebesprechung stattfinden, um die großzügige Erörterung der zionistischen Probleme in der Presse anzuregen und in ihr den alten zionistischen Schwung wieder hineinzubringen. Auch hatte er begonnen, ein größeres Buch über aktuelle Fragen des Zionismus zu schreiben. lX*r Tod machte allen seinen Hoffnungen und Plänen ein Ende. Die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" und die ganze zionistische Presse beklagen in tiefer Trauer den Verlust des vorzüglichen Kollegen. Die Zionistensteuer Wir weisen bierdarch nochmals darauf hin, daß wir die Z1 o n I 81 e n 8 t e u e r für 1921 von allen denjenigen Gcslnnnngsgcnossen, die unseren direkten Zahlangsaofforderongen bis zotn 15. Dezember d. Js. nicht nach, kommen, oder uns keinen Grand för die Nichtzahlung angebea durch Nachnahme erheben werden. Zionistische Vereinigung für Deutschland Bankkonto: Nationalbank ffir öentichland, Deposltenkasse Karfintendamm 211, ' Postacheckkonto: Berlin 8091.