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Jüdische Rundschau · 1921-12-09 · Heft 98 (9.12.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 98 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mr. 68 Seite 700 ׳)UEDISCHE RUNDSCHAU Kissen, hat inan die organisatorischen, die vcrwalüingstechnischen Notwendigkeiten ganz übersehen. Während der Kongreß und seine Ausschüsse sich tagelang darüber unterhielten, wie man die Politik der Exekutive am besten kontrollieren könne, dal! der Exekutive ja nicht zu Viel Macht; verliehen würde, liat man ganz übersehen, daß dem Kongreß diesmal kein Bericht der Revisionskommission Vorgelegen fiat, die statutengemäß die Bücher der Zionistischen Organisation zu prüfen hat. Ich halte gar nichts von der Tätigkeit einer solchen Kommission, die drei odet vier Tage vordem Kongreß sich hinsetzt und bestenfalls ein paar Stichproben machen kann. Aber es ist doch bezeichnend, wie leicht man über dieses Mindestmaß einer Kontrolle sich diesmal hinweggesetzt hat und sicher ganz ohne Absicht. Die Beträge, die heute durch die Hände zionistischer lnstitutionvn gehen, sind zu groß, als daß sie unkontrolliert verwaltet werden könnten, wie das tatsächlich geschieht, und hierbei sind keineswegs nur die Beträge gemeint, die etwa in London, im Haag oder in Jcrusaiem zusammeulanfen. Auch die Finanzgebarung der einzelnen Organisationen und Vcrbände ist zu umfangreich geworden, als daß man sich mit den formellen Koutrolimaßnalmicn bcgrnigen könnte, die bei uns überall noch gang und gäbe sind. Das mag genügen für alle anderen jüdischen Organisationen, aber wir haben ja selbst oft genug über die Wirtschaft in den verschiedenen Hilfswerken usw. geklagt. Wir haben auch hier den ersten Schritt zu tun, um uns aus "der Niederung des Vereinswesens zur Höhe staatlicher Auffassung zu erheben. Es müssen Kontrollinstanzen geschaffen werden, die, ausschließlich dem Kongreß voran!• wörtlich, so gestellt und eingerichtet sein müssen, daß sie die Macht und die Möglichkeit haben, jede Geschäftsführung zu prüfen, die irgendwo und irgendwie namens der Zionistischen Organisation geschieht. Diese Prüfung soll sicli keineswegs bloß auf die Verwaltung der Gelder erstrecken. Es 11 an* delt sich ja nicht um Unterschiede, die wir befürchten. Wir wissen, daß die Zionistische Organisation bis in ihre untersten Verästelungen hinab in jeder Hinsicht intakt dasteht und keinerlei Rechenscliaft zu scheuen braucht. Es handelt sich mehr noch um die sachliche Verwendung der Gelder, um die beste Art ihrer Verwaltung. Es handelt sich auch darum, daß der Apparat dauernd geprüft werde auf seine letzte Zweckmäßigkeit und höchste Ockonomic. Es muß jeder Instanz, die .Gelder auszugeben, die Stellungen zu schaffen, die Kräfte anzustellen hat, bewußt sein, daß über ihr das Damoklesschwert einer sozusagen Obcrrechnungskammer schwebt, einer unabhängigen Institution, die streng sachlich, unbeeinflußt von irgendwelchen Erwägungen, die nicht durch die Sachlage geboten sind, all das prüft, was sich in dieser Form oder in jener in Ausgaben aus zionistischen Geldern vorwandelt. Eine solche Stelle hätte Bestimmungen auszuarbeiten, die für die Schaffung neuer Stellen, für die Anstellung von Beamten maßgebend sind. Es kann auf die Dauer nicht so bleiben, daß jede vorgesetzte Stelle imstande ist, sich ihren eigenen Apparat zu schaffen und ihn nach Belieben auszudehnen. Noch ist unser Apparat verhältnismäßig klein und noch können wir grundlegende Einrichtungen treffen, die es uns ermöglichen, ihn von Anfang an entsprechend den besonderen JBediirfnissen der Zionistischen Organisation und den spezivilen Anforderungen des zukünftigen Palästina aufzubaucn. Es müßten hierbei wahrscheinlich ganz neuartige Wege auch in sozialer Hinsicht eiligeschlagen werden, über die gelegentlich noch etwas zu sagen wäre. Wir müssen auf diese Weise dazu kommen, daß der Aufbau unseres Verwaltungsapparates immer weniger eine persönliche Angelegenheit dieses oder jenes Vorgesetzten ist, immer mehr auf den großzügigen Gesichtspunkt eingestellt wird, der von uns verlangt, daß wir die Kaders schaffen, aus denen einmal die Palästina-Verwaltung rekrutiert werden soll. Wird diese Bedingung systematisch duncligeführt, wird die ganze Beamtenfrage auf ein höheres Niveau behoben, so bekommt die ganze Bürokratisierung unserer Organisation ein anderes Aussehen und kann ein ganz anderes Vertrauen beanspruchen als heute. Bei alldem, was hier gesagt wurde, so technis! es manchmal klingt, handelt es sich letzten End nicht um technische Dinge. Bei uns war in d< Ktzten Jahren so viel die Rede von ״Verwir lichung“. Auch dieser Begriff, wie so manch andere, ist im Strudel der Parteikämpfe ertrunkc Die, die ihn am meisten forderten, haben a meisten dazu beigetragen, daß er zu einem Schla 8,',cb 1.ns Gegenteil verkehrte. \X brauchen die Verwirklichung, wir stehen in F änapS״asdt״ dnd *rbeit-«J "f!b ‘ ,n der Zionistischen Organisati geleistet werden muß, hat nur Sinn, wenn Wh lichkcilen schafft, sich aus dem' Bereich der Wort-!;;impfe, der Diskussionen, der Theoretisiercrci erhebt. Sachlicher Zionismus ist nötig. Es soll nicht behauptet werden, daß der Weg, der in diesen Artikeln gewiesen wurde, d-T einzige ist. der zu ihm hinführt. Aber daß es einer der Wege ist, die unbedingt jetzt besclirittcn werden müssen, wenn wir nicht ganz vom Ziele abkommen wollen, scheint mir unbestreitbar. Wir haben zwei Jahre Zeit bis zum nächsten Kongreß. Ich glaube nicht, daß wir beim nächsten Kongreß schon das fertige Resultat einer Entwicklung aufweisen können, wie sie hier gezeichnet wurde. Aber wenn schon das erreicht wird, daß bis zum nächsten Kongreß der Apparat so eingerichtet ist, daß die Kongreßwahlen überall unter den strengsten Gesichtspunkten erfolgen müssen, wenn die Erziehung zur Sachlichkeit bis dahin so weit gediehen ist, daß es selbstverständlieh wird, daß zum Kongreß nur die wirklichen Arbeiter entsandt werden, dann wird der nächste Kongreß bewußt das darstellen, was der XII. Kongreif nur aus einem guten Instinkt heraus war: ein Arbeitskongreß. Und dann wird auch der theoretisehen Erörterung, wird dem Kampf um die Idee, um die Tendenz von selbst der ihr zukommende Platz eingeräumt werden. Dann wird auch diese Erörterung sachlich sein und frei von allem persönliehen Gehabe und parteipolitischem Schielen. Die Zionistische Organisation aber wird so allmählich das Instrument werden, das der Zionismus braucht. Die Affäre jabotiasby Die ״J.P.Z.“ teilt mit: ״Die Meldung eines ukrainischen Pressebüros, wo• nach'Jabot insky mit Pctljura eine Vereinbarung getroffen hätte, die von Jabotinsky bestritten wurde, scheint sich nun doch zu bewahrheiten. Wie vcrlautet, soll nun feslstchcn, daß Jabotinsky mit Pctljura vereinbart habe, in der Ukraine jüdische Regimenter zu organisieren. Diese Abmachung hat in führenden zk* nistisclicn Kreisen einen außerordentlich peinlichen Eindruck gemacht. Die zionistische Exekutive hatte keine Ahnung von diesem eigenmächtigen Schritt Jaboiinskys tuvJ wandte sich jetzt an ihn nach Amerika um ־Aufklärung. Jabotinsky antwortete telegraphisch, die Aufklärung treffe per Post «in. Es macht sich eine starke Strömung bemerkbar, Jabotinsky zur Rcsignation zu zwingen. Die Vereinbarung ist inzwischen auch der bolschewistischen Regierung bekannt geworden, und steilen die Zionistengegner in Rußland die Forderung, inan solle alle zionistischen Führer in Rußland in Haft setzen. I>cr unüberlegte Schritt Jabo• tinskys erregt selbst bei seinen besten Freunden große Entrüstung“. Die Londoner ״Zajt“ veröffentlicht einen sehr scharfen Artikel von Morris Meier, der den sofortigen Rücktritt Jabotinskys fordert. Wir haben auf die seltsame Affäre in Nr. 9i «kr ״Jüdische Rundschau" hingewiesen und begrüßen mit Befriedigung die offizielle Erklärung, die die Ziomstische Exekutive nunmehr erlassen hat Diese Erklärung bestätigt unsere Annahme, daß die Verbandlungen des Herrn Jabotinsky mit Herrn Stavinsky lediglieh den Zweck verfolgten, den Juden weitere Leiden in der Ukraine zu ersparen, daß sie das zionistische Prinzip der politischen Neutralität nicht verletzt haben und überdies ohne Wissen der Exekutive oder einzclner ihrer Mitglieder geführt wurden. Eine Erklärung der zionistischen Exekutive Zu den Mitteilungen, welche in der letzten Zeit durch die Presse gingen, bezüglich der Vorhandlungen, die in Karlsbad zwischen Herrn Jabotinsky und Harn Slavinsky geführt wurden, erläßt die Exekutive der Zionistischen Organisation folgende offizielle Erklärung: ״Obwohl die Verhandlungen des Herrn Jabotinsky mit Herrn Slavinsky Sicherheit in Uebercinstimmung mit den Prinzipien der Zionistisehen Organisation keinerlei Einmischung in politische Kämpfe oder Bürgerkriege bedeuteten, s:mdem nur den einen Zweck verfolgten, die jüdische Bevölkerung in der Ukraine vor Pogromen zu schützen, hält es die Exekutive der Zionistischen Organisation für nötig, nachdrücklich zu erklären, daß die Zionistische Organisation niemals für oder gegen eine politische Partei oder Gruppe oder irgendeine politische Macht Stellung genommen hat. Eine solche Stellungnahme wäre unvereinbar mit den Grundsätzen der Zionistischen Organisation. Die Exekutive der Zionistischen Organisation stellt ferner fest, daß die Verhandlungen des Herrn Jabotinsky mit Herrn Slavinsky privater Natur waren. Weder die zionistische Exekutive im ganzen, noch irgendeines ihrer Mitglieder, mit Ausnähme von Herrn Jabotinsky selbst, hat von diesen Verhandlungen irgendwelche Kenntnis gehabt.‘‘ - -- ' ׳ r ' Die eene Exekutive und die zionfotische Bewegung Von Moses Beitinsoa, Rom. Wem» der Kongreß eine Volksvertretung ist die Exekutive sein ausführendes Organ, sein Ministeran,! so ist zu erwarten, daß die Karvdiilatcn auf diesen höchsten Organisations!>osten, war ihrer Wahl dem Kot», preß ihr Programm klar auseinamlersctzen, damit da• Kongreü genau weiß, welche Tendenz«» die zu (.f. wählenden Männer vertreten. Es ist festzustellen, daß auf dem XII. Kongreß davon keine Rede war; es ist unnütz nachzuforschen, wen die Schuld daran trifft die Delegierten, die es nicht verlangt haben, ,.kr die Exekutive-Kandidaten, die nicht für nötig hielten <*.s zu tun. Tatsache ist, daß die Kongreßresolutionen an demselben Abend angenommen wurden, an welchem׳ die Wahl, oder richtiger gesagt die Bestätigung der von dem PermanenzausscJniß vorgcschlagenm» Kiuididaten, vor sich ging. Es scheint, als ob die Resolutionen und die Liste von den Fraktionen besprochen wurden ׳ die breite zionistische Ocfientlichkc-it aber, die über Komi missionsgcsprädie und Abkommen nicht informiert ist urtd nicht verpflichtet ist, informiert zu sein, ist wie vorher über das Programm der neuen Exekutive im Dunklen geblichen. Die Resolutionen, speziell die poli. tischen, sind zu unbestimmt und einer zu weiten And legung fähig, um eine wirkliche Richtschnur der Politik zu bilden. Es scheint also, daß die politische Tätigkeit der Zionistischen Organisation auch weiterhin, wie vor dem Kongresse, auf dem persönlichen Gutdünken der Führer, zu denen man persönliches Vertrauen hat, ba* sieren wird. Aus diesen Betrachtungen ist von Anfang an de palästinensische Exekutive auszuschlicßen. Ussischkinv palästinensische Richth'nien sind ja glänzend, und nicht erst seit gestern, bekannt; Ruppüi hat mit seinem Re. terato seine Pflicht vollständig erfüllt und auch Pick und. Sprinzak, als Vertreter von Parteien, deren Pro. gramm bekannt ist, können keine Ueberrasdiungen b״:> ficn. Nicht nur in den Grundlinien, sondern auch m Einzelheiten weiß die zionistische Ocffentlichkeit, was sie von der palästinensischen Exekutive zu erwarte!» bat. Anders steht es aber mit der politischen Exekutive mit dem Sitz in London. Zum Teil besieht sie aus für diesen Posten neuen Männern: Motzkin und Soloweitsdtik, die aus ihrer Tätigkeit in anderen Gebieten bekannt sind, die aber nicht nötig lütten, ihren Standpunkt in bezug auf allgeineinzäonistisdie politische Aufgaben vor dern Kongresse auseinander* zusetzen. Solowcitschik als litauischer Minister mag ausgezeichnete Qualitäten bewiesen haben, wie er aber über, sagen wir, das arabische Problem oder die Politik des Zionismus in der Diaspora denkt, davon weiß man nichts. Dasselbe gilt für Motzkin.׳״) Die übrigen Mit. glieder der Exekutive, wenn man noch Gowen, der einen mehr technischen Posten bekleidet, ausschließt, stellen dieselbe Leitung dar, bei welcher das Fehlen prinzipieller Richtlinien schon so oft beklagt wurde. Die politische Arbeit der Zionistischen Organ!• sation zerfällt eigentlich in drei Teile: Verhältnis zum Völkerbund und zu England, Verhältnis 211 den Arabern, nationale Arbeit im Gallith. Die zionistische Oeffentlich• keit hat das Recht über die Stellung der Exekutive in diesen Hauptfragen im klaren zu sein, sei cs auch nicht in festen Thesen, sondern in allgemeinen, aber genügend eindeutigen Richtlinien. Ueber das Verliä'.tnis der Zionistischen Organisation zum Völkerbünde hat man beim Kongresse gar nicht gesprochen, als ob Pa* lästina nicht de jure in seinem Besitze wäre und als ob es nicht im höchsten Interesse des Zionismus־ wäre, diese Tatsache immerfort hervorzuhebei!. Ueber das Verhältnis zu England sagte Weizmann nur unbestimmte Dinge, die irv der Meetingatmosphäre vom Kongreß manchmal schön klangen und auch stark erschienen, die aber beim Durchlesen seiner Rede den Eindruck voll« ständiger Unbestimmtheit!unterlassen. Auf welche Krähe in England stützt sich die zionistische Politik, welche Bedingungen hat man England gestellt, welche MM״• nahmen hat man ergriffen, um die Verantwortung für die englische Politik im Oriente nicht vollständig zu teilen, in welchem Verhältnis steht überhaupt die Zio nistische Organisation und für sie die Leitung zur englischen und zur palästinensischen Regierung — davon weiß man herzlich wenig. Es ist möglich, daß Weizmann darüber Ln der politische!» Kommission gesprochen hat und dort klarer und ausführlicher war — die zionistische ()Öffentlichkeit aber, die doch auch ihr« Rechte hat, braucht sich nicht mit den Brocken, die aus der Kornmissiou 11cra 11 sgeschmuggelt wurden, zu begnügt*!!. Eine gewisse Reserve ihr gegenüber ist wohl verständlich und manchmal absolut nötig; sie wäre aber nur dann gerechtfertigt, wenn in anderen weniger diskreten Fragen eine rolle Klarheit bestehen würde und man somit gewußt hätte, was für Geist überhaupt in der Zio* nistischcn Exekutive herrscht. Mit den zwei übrigen politischen Fragen sieht es aber noch schlimmer .ווו**. Die Araber frage: Es gibt eine Reihe von Resolutionen, die eine Politik der Verständigung einleiten sollten. Die vierte Resolution schließt aber mit dem *) Hier geht unser verehrter Mitarbeiter vielleicht insofern zu weit, als gerade eine so alte Kongreß!!״״ wie Motzkin wohl schon ein ausgesprochenes zionistisches Profil hat Ucberhaupt fassen wir die Berner- Lungen über die neuen Mitglieder der Exekutive nicht als Ausdruck des Zweifels an deren zionistischer Quali- M״*״» au,• 50*tdern als eine Kritik der parlamentarischen Methode des Kongresses, der gar nicht!orderte, daß At־ Kandidaten vor der Wahl 1W Programm vor ihm entwickeln. Amn, d. Red.

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