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Jüdische Rundschau · 1921-12-09 · Heft 98 (9.12.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 98 (9.12.1921)
Date
1921-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dar Zionismus erstrebt fQr das Jüdisch© Volk die Schaffung einer CffantHch-rechtllch gesicherten HolmstHtto In Palästina. ״Basaler Programm.’ Zentralisierung der Emigrationsffirsorge Am 5. Dezember hat in Berlin unter Tcilnalmic Ai ״ ( ük i 11 s eine Sitzung des von der letzten Prager Kmnvrciu gewählten Exekutiv-Komitecs der Jü- ,!;«dien Weithilfszentrale stattgefunden, welche sich vor allem mit dem Plane einer Vereinigung samtliehe! Emigrationsorgaiiisationen beschäftigte. Bekamitlich ist die Initiative hierzu von der Konferenz ausgegangcii, welche kürzlich in Paris seitens der großen philanthropischen Verbände veranstaltet wurde, nachdem bereits die Prager Konferenz im September die Emigrationszentrale beauftragt hatte, Verhandlungen wegen Vereinheitlichung der Tätigkeit auf dem Gebiete der Emigration aimikiiüpfen. Obwohl im Rahmen des Exekutiv-Komitecs von einzchnn SeiKm mit Rücksicht auf den rein philanthropisch. n Oharaktcr der anderen Verbände Bedenken laut wurden, hat doch das Komitee beschlossen, ik'ri Vorschlag der Pariser Konferenz anzunehmen. Damit ist die unmittelbare Vereinigung aller auf dein Gebiet der Emigration arbeitenden Organisationen. darunter lea, Joint Distribution Committee, Hins, der Emigrationszentrale, Jiilfsvcrein der Deutsehen Juden tisw., angebahnt. Wie wir erfahren, soll in Ausführung dieses Planes demnächst ein großes zentrales Em i g r a t io n s bü ro in Paris gegründet werden, das von einem Komitee geleitet wird, in welchem alle beteiligten Organisationen vertreten sein werden. Diese Vereinigung ist als ein äußerst wichtiger Schritt wärmstens zu begrüßen, da das ungelieuer schwierige und beinahe unlösbare Problem der Regelung der jüdischen Emigration nur gelöst werden kann. wenn jede Zersplitterung der Kräfte vermieden wird und alle beteiligten Faktoren planmäßig zusnmmenwirken. Eine der ersten Taten der neuen Zentralstelle soll die Schaffung der Emigntionsbank sein, die es ermöglichen wird, die vielfach noch gebrauch'- liehen philanthropischen Methoden durch sozialpoüti-sclK• Maßnahmen zu ersetzen. Die osfpreußische jüdische Lehrerschaft zum Keren Hajessod Der Verein jüdischer Religionslehrcr Ostpreußens hat תו seiner Jahresversammlung am 1&. November d. J. m Königsberg nach einem eingehenden Referat des Herrn Kantor Woilheim-Königsberg folgende Resolution /um Keren Hajessod angenommen: ״Der Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens sicht in der Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und in der Schaffung eines großen jüdischen tiemeimvcseiK int heiligen Eaude, in dem die jüdische Religion und die jüdische Kultur zur vollen, itngehemmten Auswirkung gelangen können, Tatsachen und Aufgaben von unermeßlichem Werte für die gesamte Judenhe.it und das Judentum aller Richtungen, die alle davon starke belebende religiöse und geistige Anregnngen empfangen dürften. Der Verein erachtet es darum als Pflicht jedes Juden, zum Aufbau des jüdischen Palästina beizutragen und fordert alle ostprctülischen jüdischen Lehrer und Kultusbeamten auf, bei den Sammlangen für diesen Zweck in ihrer Gemeinde tatkräftig naitznhdfen.“ Sokolow und das Palästinamandat New York, November. (J.C. B.) In bezug auf die wiederholten Erklärungen der Washingtoner Regierung, daß die Frage des Palästinamandates auf der Abrüstungskonferenz zur Verhandlung nicht kommen werde, erfahren wir, daß die von Sokolow bei seiner Ankunft in New York gemachte Aeußerung, die das Gegenteil andeutete, nur auf diese Weise zu erklären sei, daß Sokolow wahrscheinlich Kunde von einer niög« Wien privaten Diskussion des Palastinamandates zwischen Hughes, Balfour und Briand haben müßte. Diesbezügliche Anfragen an amtlichen Stellen begegneten keiner Zernierung. Wenn auch diese Meinung richtig sein sollte, würde sie nicht bedeuten, daß die Konferenz diese Frage aufwerfen werde, was gerade Mr. Hughes sorgfältig Vermeiden möchte. Es ist klar, warum Sokolow die Frage in Waslvington geregelt sehen möchte, denn es war eben die bekannte Note Hughes, die die Ratifizierung de9 Palävtinamandates durch die letzten Völkcrbundsversamm« lungen verhinderte. Wenn die Frage der Hughesschen Note erledigt wird, wird die Ratifizierung des Mandates durch die nächste Völkerbundsversammlung nichts mehr im Wege stehen. Dies sei wahrscheinlich das Hauptziel der Inter■ renttoaen Sokolows in Washington gewesen. Sachlicher Zionismus Von Julius Berger. IU. Der Aufbau der Verwaltung. Die Frage des Aufbaus der zionistischen Verwaltung ist keineswegs nur ein technisches Problem. Wir haben bereits auf die Verhältnisse in Palästina hingewiesen, die sich deshalb so unerfreulich gestalteten, weil keine organisierte, dauerndc, unabhängige Verwaltung da war. Was an der palästinensischen Arbeit in den letzten Jahren so unangenehm berührte, war die vollkommene Unmöglichkeit der Feststellung der Verantwortlichkeit. Jeder, der vor das Forum der öffentlichen Kritik geladen wurde, konnte sich darauf berufen, daß nicht er derjenige sei, der die bemängelten Dinge veranlaßt habe, oder umgekehrt, daß er keine Möglichkeit gehabt habe, erkannte Fehler zu korrigieren, weil ihm die Autorität fehlte oder genommen wurde usw. Es war nicht anders innerhalb der Zionistischen Organisation. Nicht das war das Unerträgliche, daß Differenzen innerhalb der leitenden Körperschaften entstanden, sondern daß diese Differenzen, die niemals ganz zu vermeiden sein werden, sofort sich bis in den letzten Nerv der Organisation hinein fühlbar machten, die Arbeit innerhalb des ganzen Bereiches der Organisation lahm legten. Jede einzelne Stelle bis hinab zur kleinsten glaubte Steilung nehmen zu müssen, wurde zur Stellungnähme aufgerufen, jeder Funktionär sah sich vor• die Frage gestellt, ob er im Falle dieser oder jener Entscheidung noch länger mitarbeiten könne usw. Das ist natürlich unerträglich, muß jede kontinuierliehe Arbeit unmöglich machen. Wir brauchen eine Verwaltung, die, so wie die Verwaltung jedes geordnoton Staatswesen«, unabhängig ist von dem parlamcntarischcn Schicksal der Regierung, eine Verwaltung, die die Stabilität der Arbeit gewährleistet Viel zu sehr wurden bisher alle Differenzen ins Prinzipielle hinein vergrößert und vergröbert. Viel zu wenig war die Auffassung Allgemeingut, daß es weniger darauf ankommt, daß jeder Zionist zu jedem inneren und äußeren Problem eine Entweder- oder-Stellung cimiimmt, als daß die Arbeit geleistet wird. Die Reform dieser Verhältnisse muß mit oben beginnen und von oben aus cinsetzen. Wir müssen vor allen Dingen in ein Stadium kommen, in dem die persönlichen Fragen, vor allem auch die Frage der Zusammensetzung der Leitung, nicht mehr zur beherrschenden Frage der Organisation wird. Der XII. Kongreß mußte noch um eine Leitung kämpfen, mindestens der nächste Kongreß muß von dieser Frage vollkommen befreit bleiben. Die Stabilität der Verwaltung muß ihren ersten Ausdruck finden in der Stabilität der Leitung. Das hindert natürlich nicht Aendcrungen, die sich als notwendig erweisen, aber sie müssen sich allmählich auch bei uns vollziehen, ohne daß das ganze Gefüge der Organisation dadurch erschüttert wird. Die Leitung selbst kann sehr viel dazu beitragen, daß wir aus der permanenten Krisenslimmung herauskommen. Abgesehen von einer ruhigen und sachlichen Behandlung auch der persönlichen Fragen, die wir als selbstverständlich voraussetzen dürfen, muß sie dafür sorgen, daß alle Verwaltungsstellen so sehr sachlich orientiert werden, soviel Material und Anleitung für die sachliche Arbeit erhalten, daß nicht jeder Vereinsvorsitzende jede Differenz in der Leitung, jede Mißhelligkeit innerhalb der Organisation als ein gefundenes Fressen betrachten muß, um einmal wieder einen Vereinsabend interessant gestalten zu können. Je mehr Infonnation über sachliche Dinge von der Leitung ausgellt und je mehr der Apparat so ausgebaut wird, daß diese Information regelmäßig bis zur untersten Verwaltungsstelle gelangt, um so mehr wird die Arbeit von allen innerpolitischen Differetvzen losgelöst, und kann tnan damit rechnen, daß sie nicht nur sachlich wird, sondern vor allen Dingen kontinuierlich geschieht. Wir haben ja erlebt, wie die Keren Hajessod-Arbcit überall gelitten hat unter dem beherrschenden Eindruck, den der Streit mit Amerika allmählich für die ganze Organisation annahm. Jede Initiative wurde erstickt und vor allen Dingen war jeden» Böswilligen der ersehnte Vorwand gegeben, die Arbeit - und die Bezahlung - zu vertagen bis zum Austrag des Streites. Es muß ein Zustand erreicht werden, in dem «• selbstverständlich wird, daß nicht die politische Stellungnahme entscheidend ist für die Uelxrnahme einer Funktion. Wir haben dafür zu sorgen, daß die Sicherheit der sachlichen Arbeit gegeben wird, daß nach der Eignung gefragt wird, nach der fachliehen Qualität. Wir müssen uns einen Stab von Funktionären, bezahlten und unbezahlten, schaffen, von denen wir sicher sind, daß ihnen die Durchführung der Arbeit, nicht die Durchsetzung ihrer Idee oder gar ihrer Person, als Lebensziel erscheint. Wir müssen uns einen neuen Typ des zionistisch.cn Funktionärs schaffen, dessen Pflichtgefühl von dem starken Bewußtsein von der Notwendigkeit der Einordnung, der Unterordnung, von einem Begreifen des Staatlichen in unserem Werke getragen wird. Es würde zu weit führen, hier irn einzelnen zu erörtert, wie wir zu einem solchen Beamtenstand kommen können. Einiges von dem, was die Leitung dazu tun kann, war oben angedeutet. Sehr viel hängt von der Selbsterziehung der Organisation und der einzelnen Zionisten ab. Man könnte das, was nötig ist, roh etwa so umschreiben: Wenn erst dk־ rednerische Begabung hinderlich ist für eine zionistische Karriere, wenn jedem, der die Worte gut zu setzen weiß, von vornherein mit besonderem Mißtrauen begegnet wird, dann sind wir vielleicht auf dem richtigen Wege zur Verwirklichung des sachliehen Zionismus, dem diese Ausführungen gewidmet sind. Sehr viel muß noch geschehen hinsichtlich des Schutzes unserer Funktionäre, vor allen Dingen derjenigen, die selbstlos genug, die so besessen von der Aufgabe sind, daß sie sich ihr als Lebensaufgabe widmen, sie zur Grundlage ihrer Existenz machen. Es muß endlich ein Gefühl dafür erweckt werden, daß gerade die besten Kräfte gut genug für diese Arbeit sind, daß wir, wenn wir solche Kräfte gewinnen oder behalten wollen, verpflichtet sind, sie, um nur eines herauszuheben, materiell so ־/u stellen, daß sie nicht sozial degradiert erscheinen. Die blödsinnige Umrechncrci der in einem Lande mit hoher Valuta gezahlten Gehälter in die der Länder mit ausgerechnet niedriger Valuta sollte aufhören und das Geschrei darüber sollte von de* Urteilsfähigen nicht anders aufgenommen werden, als die übliche Klage des Steuerzahlers über den Beamtenapparat. So wie es in jedem Staate ist, daß sich Menschen darauf vorbereiten, Beamte z* werden und darin eine gesicherte und anständige Laufbahn erblicken können, so muß es bei uns sein, daß es allmählich schätzenswert wird, sein Leben von vornherein auf die Karriere eines zionistischen Beamten einzustellen. Sehr viel wäre über diese Dinge noch zu sagen, das für eine andere Gelegenheit aufgehoben sein möge. Ein Punkt sei noch behandelt, weil er von besonderer Bedeutung ist und weil gerade seine Vernachlässigung mit am meisten zu der Ver. wirrung der Anschauungen gegenüber der zionistischen Bürokratie beigetragen hat. Wir befinden uns an dem Punkt einer Entwicklung, wo wir alle* daran setzen müssen, um uns eine gute Bürokratie innerhalb der Organisation zu schaffen, die so geschult werden müßte, daß sie allmählich zu dem Reservoir würde, aus demwirdie zukünftige palastinensische Bürokratie beziehen können. Indem wir die Zionistische Organisation aus einem Vereinsverbaad in den Zustand eines werdenden Staatswesens überführen, sie in wachsendem Maße den Händen einer Bürokratie anvertrauen, müssen wir aber auch dafür sorgen, daß die Grenzen dieser Bürokratie von Anfang an fcstgcstellt werden. Noch sind wir kein Staat und haben keinerlei Zwangsmittel eines Staates, noch sind wir ganz angewiesen auf die Freiwilligkeit der Leistung, auf das Vertrauen, das man ms entgegenbringt. Da muß alles getan werden daß dieses Vertrauen nicht in dem Augenblick erschüttert wird, wo wir den gewaltigen Schritt vorwärts machen, wo wir die großen Anforderungen stellen die großen Mittel bekommen. Die Kontrolle müß geschaffen und unter allen Umständen bis ins etzfe durehgefuhrt werden, die jeder Staat gegen- SraHeTeMibHCrWaltUr|8:Sapparat cinSr«r*chtct L : P1" ,,Ien Mitteln verankert hat Auch bei der Be. Handlung dieses Punktes hat man sich bisher viel ru •ehr von innerpolitischen Gesichtspunkte״ ielti£

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