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Jüdische Rundschau · 1921-12-06 · Heft 97 (6.12.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 97 (6.12.1921)
Date
1921-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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־ ■״ £ e> ilte te02 |ö! , 0:i E סי n dsgk a ט Nr. 07 der jüdischen Zukunft tritt das Daseinsproblcm des jüdischen Volkes malmend und fordernd au das Pflichtbewußtsein ebenso der Zionisten wie der Nichtzionisten heran. Vor bald 25 Jahren, als wir die Parole der Wicdcrcrncucrung Israels in die große Oeffentiichkeit hinausriefen, da waren die stärksten Einwände unserer Gegner diejenigen, welche jetzt durch die politischen Tatsuchen behoben wurden. Gegenüber der ersten Baseler Deklaration hieß es immer, daß die äußeren Hindernisse dem jüdischen Volke niemals gestatten würden, in Palästina ein Heim zu errichten. Nicht am jüdischen Volke, sondern an dem Mangel der politischen Vorbedingungen würde das Werk scliei״ tern. Ja, die Organisierung des Zionismus selbst war damals eine Konsequenz dieser Zweifel, dieser Bedenken, dieser Hindernisse. Der Wille des Zionismus hat jene Skepsis und jene Zweifel zunichte gemacht. Nicht gelöst hingegen ist das zweite Problem, das scheinbar einfachere: die Gewinnung des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit. Jene vielen Zweifler aber, die ihre Reserviertheit durch äußere Hindernisse begründeten, haben damit für die veränderten Verhältnisse eine Ehrenpflicht auf sich genommen, und diese Ehrenpflicht der Aktivität ist noch nicht erfüllt. In den ersten Momenten nach den errungenen politischen Erfolgen des Zionismus wuchs die Zahl der Bekenner der Bewegung und der Anhänger der Organisation mit einzigartiger Schnelligkeit auf das Vielfache an. Denen, welche seit Jahr und Tag den Zionismus gepredigt hatten, drückte das jüdische Volk ein außergewöhnliches Vertrauen aus. ln ganz Osteuropa hob die überwältigende Majorität der jüdischen Millionenmassen die Vertreter des Zionismus empor und proklamierte sie zu Führern des jüdischen Lebens, der jüdischen Gemeinden, der jüdischen Vertretungen nach außen und nach innen. Der alles mitreißende Strom der Begeisterung erfaßte alle Kreise, von den obersten Spitzen des Wohlstandes bis zu den äußersten Schichten der Arbeit, in gleicher Weise das traditionclle wie das moderne Judentum. Allein schon nach kurzem ist die Skepsis wieder mächtig geworden. Denn durch alle Reihen der Zionisten und Nichtzionisten ergeht die berechtigte Frage: Was haben wir nun erreicht? Was können wir tun, um auf unserem Wege wciterz.ukommcu? Wann wird der Fortschritt auf dein Wege zum Ziele sichtbar werden? So berechtigt diese Fragen sind, so kann die neue Leitung der Zionistischen Organisation die entmutigenden Konsequenzen nicht anerkennen, die häufig aus der Beantwortung solcher Fragen gezogen werden. Aus der gegenwärtigen Stimmung darf sich nur die eine Parole ergeben: Intensivierunß aller Aktionen des Zionismus, An- Spannung aller Kräfte, damit der Zustand, welcher solche Fragen und Stimmungen erzeugte, aus der .Welt schwindet. Selber von dieser erklärlichen, durchaus zionistischen und fruchtbringenden Unzufriedenheit erfüllt, will die in Karlsbad eingesetzte Exekutive folgendes Programm verwirklichen: organische Einheit ist, in Glieder iiieinandergrcifcn das stärkste beinflüssea, mus bestrebt sein, über denen sich das jüdische der die einzelnen und einander auf muß der Zionisalle Aktionen, in Leben äußert, die ideelle Kontrolle zu haben. Denn aus der weitverzweigten Fülle der Aktionen, welche zur Erhaltung des Judentums in der gesamten Welt dienen, wollen wir ein einheitliebes Ganzes schaffen, das zu gleicher Zeit dem Volke wie dem Lande nützen soll. An Euch, Gesinnungsgenossen, ergeht darum unsere Mahnung: Organisiert von neuem alle Eure Gruppen und Verbände, schafft die intensivste Aktionsfähigkeit auf allen Gebieten, denn groß und weit ist das Programm des Zionismus, welcher ebenso die Zukunft des jüdischen Volkes zimmert, wie an der Erhaltung der jüdischen Gegenwart wirkt. Erneuert den ideellen Gehalt Eurer Organisation, tretet in nahe Beziehung zu dem jüdischen Leben in seiner Gesamtheit und beeinflußt dieses durch Eure Idee. Tretet in engen Kontakt mit der von Euch in Karlsbad gewählten Exekutive der Zionistischen Organisation. Von hier wie von dort soll in gleicher Weise der Wille ausgehen, zwischen allen Organen des Zionismus einen engen Zusammenhang herbeizuführen, alle Teile unserer Bewegung informativ und aufklärend und anspornend zu beeinflussen und alle lebensfähige« Kräfte des Zionismus für den Dienst der Bewegung mobil zu machen, damit Palästina aufgebaut werde und die zionistische Bewegung überall als entscheidender Faktor den jüdischen Volksmasscn und den jüdischen Führern zum Bewußtsein komme. Setzt mit derselben oder noch größeren Energie wie bisher Eure Arbeit für die Beschaffung der finanziellen Mittel fort. Entrichtet den Maasser und lehret den Maasser zu entrichten. Bringt den jüdischen Kreisen, welche über Wohlstand und Einfluß verfügen, gleichgültig, welchem Lager sie angehören, die Ueberzeugung bei, daß sie sich unter keinem Vorwand der großen Arbeit für Palästina und der geschichtlichen Verantwortung vor ihrem Volk entziehen können. Macht alle Fonds ausfindig, welche für unser Ziel nutzbar gemacht werden können, rafft alle Kräfte, die aktiven wie die latenten zusammen, entzündet den Feuereifer in allen jüdischen Herzen und setzt Euch selbst mit allem, was ihr leisten könnt, ein, um das jüdische Palästina zu schaffen. Mögen alle Juden wissen und dessen ein־ gedenk sein, daß jetzt das Schicksal des jüdischen Volkes von ihnen selbst abhängt! Lond 0« JcTu sa ~ Die Exekutive der Zionistischen Organisation: Chaltn Wctrmaaa. Nahutn Sokolow, Jotcph Cowcn, M. D. Eder. Berihold Feiwel. Georg Holpern. Wladimir Jaboiltuky. Richard LUJUhctm. Leo Motzkln. Itaak Natdlhd*. Hermann Pick. Bemk«rd Rotenblait. Arthur Ruppln, M. Solowelitdaik. Joief Sprlnzak. Menachem Uitischkin. lern, im November 1921. A. Fortsetzung der politischen Aktionen zwecks endgültiger Festlegung unserer An- Sprüche auf Palästina, Sicherung der bereits bestehenden Positionen in Palästina im weitesten Sinne, insbesondere Schutz des Jischub im Sinne der bereits gefaßten Be- Schlüsse, Erringung unbeschränkter rechtlieber Möglichkeiten für eine große Ein- Wanderung nach Palästina und Besiedlung des Landes. ß. Reorganisierung der Zionistischen Organisation, Aufrüttelung der Bewegung dort, wo .' sie im Erlahmen begriffen ist, Beeinflussung des' gesamten jüdischen Volkes zum An- , Schluß an die Zionistische Organisation. C. Regelung des Aufbaus Palästinas, sowohl der Aktionen, welche von der Zionistischen 4 Organisation ausgehen, als auch derer, die .gemeinsam mit anderen jüdischen Kreisen . unternommen werden. Durch systematische , und programmatische Aufbauarbeit soll cs erreicht werden, daß alle Schichten im Juden- . tum am Aufbau Palästinas arbeiten und daß sie zu der Zionistischen Organisation vollstes Vertrauen haben. Es soll erreicht werden, daß die Arbeit in Palästina durch sich selbst ein Mittel der Propaganda werde, es soll . ' erreicht werden, daß durch wirtschaftliche Leistungen immer neue wirtschaftliche;' Leistungen hervorgerufen werden. -(1>. Esnsoll erreicht werden, daß jede Aktion im jüdischen Leben vom Geiste der ziomstischen Ideenwelt beeinflußt werde. Im Bewußtsein, daß das jüdische Leben eine zionisti: London, 28. Nov. Bei einem Bankett zu Ehren des hier weilenden Oberrabbiners Doktor Chajes erklärte Dr. Weizmann, daß Oberrabbiner Chajes demnächst im Sinne des ft״. Schlusses des Karlsbader Zionistenkongresses als Führer der zionistischen Delegation, die sich zum High Commissioner Herbert Samuel begibt, nach Palästina reist. Vor seiner Abreise aus London soll Oberrabbiner Chajes im englischen Kolonialministerium in Sachen der Einwanderung nach Palästina vorsprechen. Alles — außer Pogromen 1 Professor S «1 i k o w i t s c 11, Vertreter des New Yorker ״Jüdischen Tageblatts“ in Washington, erzählt folgende Episode: Eine arabische Delegation, bestehend aus Miss Victoria Ta nus, einer paiästinerv. sisehen Christin, die einer arabischen Zeitung in New York nahesteht, lind Salim Al za Ich, einem Araber, ersuchten Mr. Arthur Balfour, den Chef der engl lischen Delegation bei der Konferenz in Washington, utn eine Audienz, die er ihnen jedoch nicht gewähren wollte Daraufhin ersudite Miss Tanus Balfour, sie ah jounu» listin zu empfangen, was Balfour ihr nicht absdihig. Miss Tanus bat in der Unterredung Balfour um eine autlven. tisdie Erklärung, was die Bai four-Dcklaration bedeute, worauf dieser erwiderte: ״Alles — außer Pogromen.“ Balfour soll dann mit erregter Stimme hinzugefügt haben: ״Sagen Sic Ihren fanatischen Anhängern, daß ihr Ver. halten eine Schande für den Islam und für die ganz* Zivilisation ist." Die Zionistensteuer Das Ergebnis der Propaganda für die Zionistensteuer. Eingänge vom 1. bis 30. November 1921, Allcnstein .... M. .. 430 Halbcrstadt . . , M. . 16779 Ascherslcben . . 1000 Hannover .... . 250 Bamberg .... 30 Harburg. .. 60 Berlin. . 48667 Heideiber!׳ . . . 15 Benthen. . S05 Heppenheim .... . 125 Bielefeld .... . 310 Hindenburg ... . 2205 Bochum. . 910 Karlsruhe .... . 375 Brandt־ uburg , 100(» Königsberg . . , Leipzig- . . 1117 Breslau. . 2*50 . 25781 Bruchsal. 25 Magdeburg- . . 121ß0 . 10635 Celle . 25 München .... Chemnitz .... . 8750 Neuenahr .... . 200 Coln a. Rh. . . . . 4870 Nord hausen . . . . 500 Darmstadt . . . . 400 Nürnberg .... . 18928 Dortmund .... . 330 Raiibor. . 4 0 Dresden. . 3850 Rvbnik . . 200 Düsseldorf . . . . 7125 Soden . ., 60 Elberfeld .... . 7000 Schönlanke . . . . 30 Essen. . 12340 Stettin . . 1547 Frankfurt a, M. . .33725 Stuttgart . . . , . 50?6 Breiburg .... . 1200 Trier. ,.,18390 Gclsciikirchcn . . . 2300 Wetzlar. . :50 Gera . 210 Wiesbaden . . . 2 )00 Glogau . . 100 Zwickau. . 1590 üolinow. . 100 Sitzung des Actions-Comitäs Die Exekutive der Zionistischen Organisation in London teilt mit, daß die nächste Sitzung des Actions-Comitcs am 27. Dezember in Wien stattfindet. Gleichzeitig werden Sitzungen des Direktoriums des Keren Hajessod, des Finanz- und Wirtschaftsrates und des Direktoriums des Jüdisehen Nationalfonds in Wien stattfinden. Die Verhandlungen mit dem englischen Kolonialministerium Am 25. November sprachen Dr. Weizmann und Dr. Chajes beim Kolonialministcrium in London vor. Die Verhandlungen betrafen die Frage der Einwanderung, die die Zionistische Organisation wieder in den status quo vor den Maiereignissen bringen wollte. Wie die Londoner ״Zeit" gehört haben will, sollen die Verhandlungen aussichtsreich verlaufen, und es besteht die Hoffnung, daß die Einwanderung wieder freigegeben wird. Die erste Zusammenkunft Dr. Weizmanas mit der arabischen Delegation J. C. B. teilt aus London mit, daß am 29. November im Ko'.onialmiiüsterium die erste nichtolfl zielle Zusammenkunft von Dr. Weizmann, der in Begleitung von Georg H alpern und Dr. Berthold Feiwel erschien, mit der arabischen Dcicgation unter Führung von Mussak Kasimal Hussein stattgefunden hat' Sa e> freu lieh das zahlenmäßige Ergebnis der Zionistenelngänge an and für sich ist,so muß doch konstatiert werden, daß an der Aufbringung der Beträge nar eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Orten beteiligt ist. Während an einer Reihe von Plätzen, die in der oben abgedruckten Statistik schon mit S'alt’icben Beträge« enthalten sind, noch neue große Zeichnungen geworben worden sind, mit deren Einziehung man beschäftigt ist, scheint die Werbearbeit für die Zionis'ensteuer an vielen Plätzen überhaupt noch nicht anfgenotnmtn worden zu sein. So haben Aachen, Bernburg, Braunschweig, Wolffenbüttel, Bremen, Bruchsal, Cassel, Cocthen, Darmstadt, Dessau, Deutsch-Eylaa, Eisenach, Emden, E* ch w ei le r, Fr n kf u r t 4• 0, Fulda, 0«t h a, ünmbinnen, Halle, Hamm, Büdesheim, Insterburg, Karlsruhe, Katta• wltz, Kiel, Königshütte, Konstanz, Lübeck, Mainz, Mannheim, Memel, Münster, Neuwied, Nord hausen, Oldenburg Oppeln, Pforzheim, Plauen. Rees, Rybtück, Saarbrücken, Schön• lanke, Soeat, Spandau, Stettin, Stolp, Tarno• witz, Tilsit, Varel, Westerwal d/Sleg, Worms, Würzburg bisher gar keine oder Sehr unbefriedigende Beträge für die Zionisten.teuer abgeliefert. Wir richten hierdurch an alle Gruppen und Vertrauens• leute, die dringende Auffordciung. uns über das Ergebnil Ihrer Bemühungen für die Durchführung «er Zionisiensteuer Sofort zu berichten, und uns die aufgenommenen Zeich• nangen aufzugeben, und die clngezogcnen Beträge schleunigit za überweist«. Wir b tten ferner alle Gesinnungsgenossen, die direkte Aufforderungen zur Einsendung ihrer Zionistrnsteuer für das Jahr 1921 bekommen haben, die Absetzung de* Betrages nunmehr umgehend vorzunehmen. Wir machen gleiclueitig darauf aufmerksam, daß wir die Steuer von allen denjenigen, die dieselbe bis zum 15. Dez. d. J. nicht eingeschkkt haben, und von denen wir keinerlei Mitteilung erhalten, dur.h Nachnahme erheben weiden. Wir wilden diesen Weg, weil wir glauben, damit den Wünschen vieler Geslnnungcgenosten, denen diese Zahlung*־ weile bequemer erscheint, entgegen zu kommen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Bankkonto; Nationalbank f Deutschland, Postscheckkonto: Dcpoiiunkassc, Korfärstendaranj 211 Berka SU9I•

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