Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-12-06 · Heft 97 (6.12.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 97 (6.12.1921)
Date
1921-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652403--14524-2672357
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■v * זו®‘* *!ו •■'י® «!סלחי1 ®«u 4,^4 tatoliä, ןן%}01^ נשר J«4. «* »*יי «aypUi, •kUl!,, נשר ־־r :y v. ״*־״״י־־-/ * h״״״✓ f rJ f I ץךיי**!•^.. *n ן 1 R«!«Vtiaa and Vml•* W 15, S**«U«fc• St/aB• 8. ZrtAmi J#<j*• Oiaaataf und F׳«<»»• »•MI•[*•‘* 6*1 J« «■d 2•• pMlintera vtatUljlbfli* יי.— Ü. 1• 0mUc|iIm<I. ■Kito Wtfdaa i» dar Libran! dar •umIm• Laad» W»d>״V. Nummer 97 |Beril 6 ,׳ XII. 1921 Antelgen-Verwültiihg: Jüdkck• RsadichaaQ.M.W.R, Berlin WTS, Saduisck«Str.8 TaUpbaa: Aatt Ubltad •<S and 146. Aa1alf«ap>tli (Br dia •lob«■;•• ס• II••« NaaparalHaatQ• i. — U-> & M, pro Z«ü« Aa11lf«a««11)«fI 01•«%(•! «»4 FigtUf *fccbmitf»* 4 Uhr. T»!®pHf*a: UiU«04 44S ».I4&. PeititkeekkoetoJ B«H• Ni22*5 17 ״׳; Füur Oe«t«rr»»ti». P«al1|71rktM*B1Mt ,Wie», )Coat» Nr. 136 030. IFar Tac^rchoRlowaVeiJ Po»t*p»ark*a*«*«tnt Pr■!־, )Canto Nr. 156 &3A. — RoddiktiaoMehiuS <Uaol»{ 0*44 MiUw<ml1 •״•־ ו7כסל0 תרפ״בpocv17jaütft Dar Zlon»#1ra1» erstrebt tOr das (Odlsctte Voih die Schaltung »inet Öffentlich•rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.* Hm״, %aW **®abnrg *•/»*י An die Zionisten. Der Zionismus ist in eine neue Phase eingetreten. Nach achtjähriger Pause hat der 210nistische Wille des jüdischen Volkes im Septemher 1921 in Karlsbad wiederum seinen historischen Ausdruck gefunden. Unter dem Eindruck und dem Widerhall einer Katastrophe, wie sie seit Jahrhunderten das jüdische Volk nicht mehr getroffen hat, hat der XII. Zionistenkongreß ein Fazit der neuesten jüdischen Vergangenheit gezogen und dabei seinem Schmerz und seinem Zorn gegenüber den schändlichsten Gewalttaten Ausdruck verliehen, hat der Kongreß die großen politischen Errungenschaften des Zionismus gewürdigt und die bevorstehenden Palästinaaufbauaktionen sanktioniert Der Zionistenkongreß hat den entscheidenden Tatsachen, welche in der zionistischen Bewegung und im Leben der Zionistischen Organisation sich abgespielt haben, die Legalität verliehen. Durch den Kongreß hat das jüdische Volk die Balfourdeklaration entgegengenommen, die jüdischen An* spräche auf Palästina formuliert und nochmals vor aller Welt die Perspektiven des künftigen Judenturtis offenbart. Seit der Karlsbader Tagung existiert von neuem die Zionistische Organisation in ihrer disziplinierten Form. Durch konstitutionelle Akte sind sämtliche Instanzen der Zionistischen Organisation, Exekutive, Actions-Comitö, Wirtschaftsrn\ Verwaltungen der Finanzinstitute usw., entsprechend dem Willen des Kongresses bestätigt oder neu gewählt worden. Nicht unmittelbar nach jenem großen Tag des Jahres 1917, der bleibend sein wird, nicht nach der Entscheidung von San Rcmo hat der Kongreß sich versammeln können. Bruder und Bruder, Gesinnungsgenosse und Gcsiimuiigsgcnasse blichen noch immer von cinaiuler getrennt, bis endlich nach Beseitigung der schwersten technischen Hindernisse die Zusammenkunft der von den zionistischen Massen Gewählten erfolgen konnte. Zwischen den historischen Ereignissen, welche der jüdischen Geschichte der Neuzeit ihren Stempel aufprägen werden und dem Karlsbader Kongreß vergingen Monate, ja Jahre, in denen die Begeisterung in zahllosen und unvergeßlichen Kundgebungen das ganze Judentum erschütterte. Erst in einer Zeit, da das jüdische Volk die mit großen politischen Erfolgen entstandenen Möglichketten endlich in konkreten Ergebnissen in Paiästina erfüllt sehen wollte, kam die Vertretung der Million zionistischer Juden in Karlsbad zusammen. Eins mh den Wünschen und Empfindungen des leidenden Volkes, befand sich diese Vertretung hauptsächlich unter dem Bann des schweren Problcmes, wie die politischen Errungenschäften in ein Instrument zur Erreichung des zionistischen Zieles umgcwandelt werden können. Das dominierende Problem, welches die Gemüter erfüllte und über den Verhandlungen in Karlsbad schwebte, war das Problem der Besiedlung Palästinas durch große Judenmassen, ln diesem Sinne lastete auf allen Kongreßteilnehmern das Gefühl der Verantwortung und der Pflicht. Der XII. Zio- »istenkongreß hatte darum einen ganz besonderen Charakter, den Charakter ernstester Sachlichkeit; er war vom Streben getragen, die seelischen Er- Icbtiisse״ selbst die stärksten, in den Hintergrund ׳u rücken und möglichst feste Grundlagen für bevorstehende Taten zu schaffen. Nach dem hochsten Wendepunkt in der bisherigen zionistischen Politik appellierte der erste Zionistenkongreß der neuesten Zeit weniger an die Phantasie als an das Pflichtgefühl. Es galt, nicht mehr in den Bildern der jüdischen Zukunft, wie sie vom Zionismus erstrebt und erhofft wird, zu schwelgen, sondern die Wege ausfindig zu machen, auf denen das Ziel zu erreichen sei. Der Kongreß war im hochsten Sinne des Wortes ein Geschäfts-Kongreß, ein Kongreß der Arbeit, des Wollens und des Denkens, Durch die Fülle von Arbeiten, welche zuvor in den bereits bestehenden Instanzen der Zionistischen Organisation und dann in den Kommissionen des Kongresses selbst geleistet wurden, entwickelte sich der Kongreß in seinen Beschlüssen zu zahlreichen Kernfragen als ein programmatischer, der den Zionisten die Marschroute vorschrieb und einen wcscntlichcn Teil der Fragen klärte, welche die zionistische Welt bewegen. Alle die eingehenden und instruktiven Diskussionen über die politischen, finanziellen, organisatorischen, kulturellen, nationalen Fragen des Zionismus, welche in den letzten zwei Jahren die zionistische und die allgemeine jüdische Welt auf das Lebhafteste beschäftigt hatten, enthielten in gewissem Sinne eine Revision des Zionismus, eine Revision selbst des ideellen Gehalts der Bewegung. Ungeachtet mancher Gegnerschaft ist im Einklang mit der überwältigenden Mehrheit der Anhänger des Zionismus aller Weltteile durch den Zionistenkongreß die grundlegende nationale Idee in ihrer vollen Stärke wiederum zum Ausdruck gekommen, in jener Stärke, in der sie während der ersten zionistischen Epoche im jüdischen Leben eine Umwertung aller Werte hervorgerufen hat. Oegenüber dieser ideellen und prinzipiellen Frage stand in seiner drohenden Größe jenes andere Problem, bis zu welchen quantitativen und qualitativen Leistungen die Einwanderung der Juden nach Palästina und der Umfang der Kolonisation erhöht werden kann. Werden die Zionisten imstande sein, In den nächsten Jahren hundcrttauscude von Juden na;11 Palästina zu bringen? Dies wäre ungefähr die Parole, die der Kongreß ausgegeben hätte, wenn er die Emp- Bildungen und Wünsche der Delegierten und der ungeheuren Schar von Anhängern den Zionismus, die nah und fern mit intensivstem Interesse den Verhandlungen folgten, formuliert hätte. Ohne direkt ausgesprochen zu werden, stand diese Forderung bei der Behandlung eines jeden Punktes der Tagesordnung gewissermaßen im Hintergründe. Aus allem resultiert die Verpflichtung für die Zionistische Organisation״ die Mobilisierung des jüdischen Volkes, in erster Reihe aber der eigenen Scharen zur Durchführung einer großen Wanderung auszurufen. Im Bewußtsein, daß nur durch die Energie sämtlicher jüdischen Schichten, nur durch die mannigfaltigsten Mittel und Wege das historische Ziel zu erreichen sei, mahnten die Vertreter des Zionismus, welche in den meisten Ländern auch die gewählten Führer des auf allgemeiner Grundlage organisierten Judentums sind, das jüdische Volk, mit vereinigten Kräften an das Werk zu gehen. Bei dieser Rück- und Vorschau ergab sich die klare Erkenntnis, daß die Verantwortung in gleicher Weise auf sämtlichen Juden lastet. Wie der Erfolg dem ganzen jüdischen Volke zugute kommen wird, so würde der Mißerfolg nicht allein die Zionistische Organisation, sondern das gesamte Judentum treffen. Wir verkennen keineswegs die Schwierigkeiten, welche gerade in den letzten zwei Jahren für unsere Arbeiten in Palästina erwachsen sind. Es ist leider unseren Feinden gelungen, einen Teil der arabischen Bevölkerung gegen die zionistisehen Absichten, d. h. gegen die Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina aufzuhetzen, und das hat zu gewalttätigen Angriffen auf die schuldlosen jüdischen Siedlungen geführt. Obschon wir feststellen konnten, daß diese Ausbrüche künstlich hervorgerufen wurden, haben wir uns doch keinen Selbsttäuschungen hingegeben und die ganze Schwere des Problems und der moralischen Verantwortung erfaßt, welche wir als Juden und als Zionistei! vor der Welt tragen. Auf dem Kongreß haben wir uns darum von neuem Rechenschaft über unsere Stellung zu dem arabischen Volk gegeben. Wir haben vor der Welt und vor uns selber klar gemacht, daß unsere Niederlassung in unserem Lande kelndn Angriff auf das arabische Volkstum bedeutet, sondern nur die Selbsterhaltung des jüdischen Volkes im edelsten Sinne, und daß andererseits schon die Anfänge der Besiedlung Palästinas durch Juden der arabischen Bevölkerung unschätzbare Dienste erwiesen haben. Trotz des frisch vergossenen Blutes, trotz der Gewalttaten, die von der arabischen Bevclkcrung Palästinas an uns verübt wurden, haben wir deutlich erklärt, daß wir die Araber weder verdrängen, noch ihre Rechte beeinträchtigen wollen und daß wir aufrichtig bestrebt sind, zu einer Verständigung mit ihnen zu gelangen. Aber diese Verständigung muß zur Grundlage haben, daß das historische Anrecht der Juden auf Palästina and die daraus folgende Absicht zur Errichtung einer nationalen Heimstätte anerkannt wird. Sobald die Einflüsse sich nicht mehr geltend machen werden, die heute zwischen uns und den Arabern Unfrieden zu stiften suchen und sobald innerhalb der Reihen unserer palästinensischen Nachbarn Beruhigung eingetreten ist, v/ird es sich zeigen, daß mit der kulturellen und wirtschaftlichen Erschließung Palästinas durch die Juden auch der Aufstieg seiner arabischen Bevölkerung verbunden ist, nicht nur weil dieser Aufstieg unser moralischer Wunsch ist, sondern vor allem, weil er eine unmittelbare Folge der wirtschaftlichen Entwicklung sein wird. Wir sind uns freilich darüber klar, daß es uns nur allmählich gelingen wird, die Araber von der Verkehrtheit ihrer heutigen gegen uns gerichteten Po litik zu überzeugen. Darum hielten wir es für unsere Pflicht, kund zu tun, daß uns nichts ln der Verfolgung unseres Zieles wankend machen kann, daß wir in unserer palästinensischen Arbeit keinen Augenblick Halt machen, sondern alle jüdischen Energien zur Erreichung des zionistischen Zieles in Bewegung setzen werden. Auf die uugerechtfertigten Angriffe weiden wir durch unsere Arbeit und durch würdige Abwehr erwidern. Die Zukunft wird lehren, daß der von uns erstrebte Wiederaufbau Palästinas nicht nur dem jüdischen Volke, sondern schließlich auch dem arabische« Volke Glück bringen wird. Als wichtigstes Instrument für die Durchführung der Besiedlung Palästinas, wurde der vor einem Jahre auf der Londoner Konferenz gegründete Keren Hajessod vom zionistischen Parlament anerkannt und proklamiert. Damit eröffnet der Zionismus auch all den Juden, die infolge ihrer Erziehung oder infolge mißverständlicher Auffassungen des Zionismus sich noch nicht zu unserem Ideal durchgerungen haben, die Möglichkeit, ohne der Zionistischen Organisation sich anzugliedern, am Aufbau Palästinas zu arbeiten. Noch niemals ist an die materiellen Kräfte des jüdischen Volkes eine solche Aufgabe gestellt worden. Der Zionismus hat die Forderung der Schaffung eines so gewaltigen Fonds nur im Glauben an das jüdische Volk, an sein Verständnis für die Bedeutung unserer Epoche und an seine Opferfreudigkeit proklamieren dürfen. Von diesem aus der jüdischen Geschichte geschöpften Glauben getragen, hat der Kongreß die Losung ausgegeben, daß der Keren Hajessod die Leistung einer freiwilligen Steuer in bestimmter Höhe bedeute, zu der Zionisten wie Nichtzionisten verpflichtet seien. Dringender noch als in den ersten Tagen nach Basel, da der Zionismus unter unserem großen Führer Herz! sich zu organisieren begann, ergeht heute unser Ruf an das jüdische Volk: Gedenket der Stunde, die Ihr jetzt durchlebt! Schließt Euch zusammen und tut alles, was Ihr vermögt, da solche Stunden in der Geschichte nicht wiederkehren! Die Völker haben durch internationale Vereinbarung eingewilligt, daß das jüdische Volk in Palästina sein nationales Heim erhalten soll; die Schaffung des Heimes ist jedoch einzig und allein Aufgabe des Volkes selbst. Wie weit sind wir aber von der Erfüllung dieser Aufgabe! Noch wird erst der Grundstein des ganzen Gebäudes gelegt, wetches unseren Leiden ein Ende bereiten und unsere schöpferische Kraft bis zur Erringung unserer einstigen Leistungsfähigkeit entwickeln so». Im Hinblick auf dieses große Gebäude

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.