Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 95 (29.11.1921)
- Date
- 1921-11-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Seite 680 JUEDISCHE RUNDSCHAU 85 ram befehligte und der gleichzeitig anwesend war, wofil mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit in der Stadt betraut werden konnte. Obgleich wir Bedenken haben zu behaupten, dal) auf diese Art die Kolonie gerettet worden wäre, glauben wir doch, daß er hätte den Versuch machen müssen. Die Panzcrautoa warteten damals auf Verwendung. Sie hätten etwas nützen können, wenn sie rechtzeitig nach Chederati ge• «andt worden wären, etwa um Maschinengewehre iür die Verteidigung hinzubringen, Mr. Beard sandte bloß fünf Polizisten, um mit den ander ei» zusammen den aussichtslose» Versuch zru machen, die Menge zuriidaiiliaJtcii. Sie habe» weder etwas genützt noch gesdtadet. Als Wadi Effcndi von Kalkiliclt zurüdzgekoinmeu war, setzte •er sich wieder in telephonische Verbindung mit dem Zivilsekrctar und cs wurde beschlossen, daß <5r zwei Notabcln und den Bürgermeister nach Chederah mitnclmica sollte, um die Beliauptungen betreffs der Arbeiter zu untersuchen. Ucbcr diese Sache entwickelte «Id» eine lange Unterhandlung, da die Menge ihrem Bürgermeister\md de» Notabel״ zuredete, sich in keine Gefahr zu setzen. Endlich beschloß man, daß Wadi Effcndi den Sohn des Bürgermeisters und zwei andere Söhne von Notabel» in einem Fordwagen m'itnchmen •olle, der von einem Panzerauto und einem Anhänger unter Kommando von Leutnant Mc Donald und! mit vier Polizisten als Verstärkung der militärischen Be- Setzung eskortiert wurde. Die Expedition nahm keinen glänzenden Verlauf. Das Panzerauto mit Anhänger blieb itn Sand .stecken und erreichte die Kolonie erst nach 2</ä Stunden, der Ford-Wagen mit Wadi Effendi und den jungen Notabcln kam überhaupt nicht bis dahin, da ihn Mr. Mc Donald etwa eine Meile vor Chcderali zurückließ, da der Angriff in Entwicklung und die 111י gassen imbewaffnet waren. Nun kommen wir dazu, was in der Kolonie während der Zeit geschah, wo Tulkeram der Mittelpunkt der Unruhe war. Gliedcrah ist außerordentlich isoliert von Tulkeram und nur unbestimmte Sandwege verbinden die beiden Orte. Zu Pferde kann man schneller hinkoiatwe«. Es lag nicht im Bezirke Wadi Eifendis und er w*r niemals dort gewesen Der Bezirksbeamte am Orte war damals Mr. Andrews, der zum Kreisamt Haifa gehörte. Donnerstag, den 5., war Mr. Andrews in einer anderen, weiter nördlich gelegenen 'jüdischen Kolonic, um deren Verteidigung zu sichern, uni war sich ganz klar (1?.rüber, daß ein Angriff auf die Juden!eilen Augenblick unternommen werden könnte. Freitag■, den 0., um 7 Ulir früh, war er in Chcderali. Die arabischen Arbeiter waren tags vorher entlassen und die Kolonisten hatten sich im Hof und Haus von Herrn Schneierson im nordwestlichen Teile des Dorfes verrammelt. Mr, Andrews ging zur Station, um zu teie« phonicren, bekam Verbindung mit Haifa und verlangte die Entsendung von einem Dutzend Soldaten per Balm, *»wie vom Divisimisquartier in Ludd einen Aeroplan. Die von Haifa gesandten indischen Truppen konnten nidit rechtzeitig ankommen, selbst wenn nidits sie auf« gehalten hätte. Sie wurden eine Stunde lang in Kafr iamir aufgchaUen, wahrscheinlich infolge der Gleich• Gültigkeit und Stumpfheit eines Balmbeamten, Naim Eff. Ei Khoury, der den Zug begleitete. Was allein verhinderte, daß aus dem Ueberfall eine Katastrophe wurde, war die Ankunft des Acioplans. Um 10 Uhr vormittags erhielt Fliegeroffizicr Flymi, R. A. F., Befehl von seinem Kommandanten nach Che« deral! zu!liegen und Araber, die dort angriffen, zu rekognoszieren, mit der Beifügung, ״nur im Notfälle angrilfsweise vorzugdien“. Er verließ Ranileh um 10,20 Uhr vormittags und war um 10,53 Uhr über Cliederah. Er sah etwa 500 Araber in einer Entfernung von der Kolonie, die er auf 31/2 Meilen, schätzte. Sie schienen in Angriffsformation auf einer Front von zwei Meilen zu siehe». Der Flieger ließ Bomben, in größerem Abstande von den, Arabern fallen und gab Maschinen» gewchrfcuer, um sie zu erschrecken, und dies hatte den Erfolg, daß sic sich in ■ein Beduinenlager südlich von der Kolonie zurückzogen. Sodann flog er nach Ojcnin, um weitere Befehle. Er konnte ndit in der Luft bleiben, bis die Araber wirklich angriffeil und bis •ein Benzin ausgegangen war. Er zögerte, Gewalt anzuweuden, weil noch kein Angriff unternommen war. Er begab sich «ach Djenin, um genauere Weisungen und sandte von dort eine Meldung nach Ranileh mit der Bitte um einen zweiten Aeroplan. Als der Flieger um 12,3ä Uhr wiederkani, waren die Angreifer bereits vom Siidosten her unter dein Schutze eines Eukalyptusliaines in das Dorf cingcdrungen. Sie hatten in diesem Teil des I>orfc9 nach Willkür verbrannt, geplündert, zerstört und geraubt. Für einen Augenblick hatte» such ihnen drei berittene Wächter cntgegcngestcllt, die bei Ihrer Annälierimc; zurückgingen, aber bis dahin war zwischen ihnen und den Bewohnern der Kolonie noch kein Zusammenstoß erfolgt. Mr. Flynn kreiste rund um das Dorf in geringer Höhe un« überzeugte sich genau von der Lage. Gelegentlich■ seines erste» Fluges . frc Araber durch eine Demonstration ohne wirkliche Gewaltanwendung nicht von ihrem Angriff ab« bringen können. Das zweitemal erzeugte seine Rück« kehr eine I a»1k unter den Eindringlingen, infolge deren ae aus dem Dorfe liefe» und bei ihrer Flucht so viel! Beute als möglich mitsdi'cpptcn. Bei ihrer Flucht wur. aen die As aber durch Bomben und Maschinengewehr« teuer weitergcjngt. Ihre Verluste waren nidit so pro!) wie man halte glauben können. Soviel mail weiß, wurden ״P., Araber getötet und drei verwundet. Unter den fluditcnden Arabern, welche Mr. Flynn als eine Menge fa,r? WO Personen sdiätzte, waren diel!» beratenen I ©hzistea. Der Feldwebel behauptet, daß 7 ^11'f L£“te militärische Formation annehme» ließ, d^ fm״m״ 'Crtr schc!,' *10""0י dali sie nicht ei» Teil sAiotw L* v? Ulld tfernje1dcn könne, auf sic zu daubte jiVni^H ־*i“11 •*K1■ f*ali cs Polizisten waren, £S1 M ״»*<?«» Angreifern zurück« «e«?d1t darauf SS teilnahmc» und legte cs ment darauf an, zwischen ihnen und dem Rest der Menge •einen Unterschied zu ״?'. K ״ ü r teKSk4״» **"י*׳* ׳istlich, Vu«d drei vüai^taT dTedäd1tMer^SSÄ^^e^״ ££« auto und ein zweiter Aeroplan unter Fülirungdes Flieger, {cutnnnts Routlv an. Unsere Schätzung über die Anzahl der Arigrctifcr beruht hauptsächlich auf den Beobachtungen der Flieger. Mr. Flynn der ein Interesse an der Beobachtung der Zahl der Leute hatte, mit denen er zu schallen bekam, schätzte die Masse der Angreifer, die er bei seinem ersten Fluge vorgehe» Und bei dem zweiten zurück« feilen sah,’ auf 4Ü0 bis 500 Mann. Er konnte nicht sahen, daß die von ihm Beobachtete» bereits;die Leute wäre«, die an der Unternehmung beteiligt waren, aber es war nicht schwer, Leute auf dieser flache» Ebene zu scheu, und er beobachtete sonst keine mmnens׳• werten Gruppe» von Menschen. Es gab wenig Baume mul wenig Deckung, die die Anwesenheit einer größeren Gruppe hätte verbergen können und als wir Mr. Flynn dringend fragten, erklärte er, daß keinesfalls mehr als 1000 Mensche» alles ziisainnieiigeiiommen dabei gewesen sei» konnte». Angesichts dieser Meinung und der Beobachtung von Mr. Routh, dein zweiten Flieger, der in seiner Aussage kleinere Ziffern .jingab, glauben wir nicht, daß mehr als 1000 Menschen insgesamt an diesem Angriff teil nahmen und daß mehr als 50D die Kolonie wirklich erreichte». Von den letzteren sah man viele beim Rückzug Beute nritschleppcn, aber mitgetrie« benes Vielt wurde nicht beobachtet Das Leben der Kolonisten wurde gerettet. Sie waren i» großer Gefahr gewesen, und wir zweifeln nicht daran, daß die Kolonie, waren die Angriffe nicht unterbrochen׳ worden, zerstört worden Wäre. Als ihre große Angst und Besorgnis beseitigt war, zeigte sich die Reaktion bei den Kolonisten in merkwürdiger Art. Wir drücken keine Meinung über die Höhe des angerichtete» Scha׳• dens aus. Raiib und Zerstörung von Einrictitungsgcgenständen und Hausrat waren in ihrer Gründlichkeit und Wildheit erschreckend. Die durch den Anblick ihres zerstörten Eigentums naturgemäß erzeugte Entrüstung wandte sich in Abwesenheit der Eindringlinge gegen die unglücklichen Polizisten, die in dem Panzerauto _angekomme« waren und gegen andere. Die Klagen sind in einem schriftlichen Memorandum des Kolonie-Komitees an die Regierung zu• lesen, worin wilde und unbegrüridete Anschuldigungen rücksichtslos gegen eine Anzahl einzelner Personen geschleudert werden. Wir wollen nicht mehr sagen, als dal) wir mit einiger Sorgfalt diese Anklagen geprüft liaibci» und sie einstimmig ableimen. Was nach dem Ueberfall geschah, ist von geringerer Bedeutung. Die verspäteten Truppen kamen an, zunächst Infanterie, daun Kavallerie. Es wurde 'beschlossen, in den verdächtigen Dörfer» am Samstag nach Raub zu suche» und dabei Militär witzuiwhmen. Das würde die Notwendigkeit mit sich gebracht haben, Juden mitzunehmen, um gefundene •uivj verdächtige Gegenstände zu identifizieren. Major Tute, der Präsident des Bezirksgerichts in Nahlus, wurde an die Spitze der Untersucluiugen an Ort und Stelle durch Auftrag der Regierung gestellt, und er entschied, daß beim damaligen erregten Zustaml der öffentlichen Meinung diese Nachforschung unrätlich sei und der Plan blieb unausgeführt. Die Kolonisten nahmen dies übe|, d! sie meinte», ihre Interessen würden vernachlässigt, u!n die Empfindlichkeiten von Arabern zu schonen, die alle mehr oder weniger in eine verbrecherische Konspiration verwickelt wäre». Wir wollen nicht untersuchen, ob die Entscheidüng von Major Tute weise war. "iEine Sache muß noch aufgeklärt werden, bevor diese kurze Darstellung des Angriffes auf Chcderali vollständig ist, und das ist die Frage: ״Waren arabische Arbeiter in Chcderali tagelang, vom 4. bis zum 6. mittags, wie dies behauptet wurde, oder überhaupt eine Zeitlang «»gesperrt?“ Trotz der Hartnäckigkeit dieses Gerüchtes imil der Aussage von vier Zeugen, welche beeideten, daß sie von den Juden eingesperrt worden seien (und es gab noch viele, die bereit waren, dieselbe Aussage zu geben), glauben wir doch die ganze Geschichte nicht nach sorgfältiger Abwägung der Aussagen lind der Wahrscheinlichkeiten, Der Ort, wo diese Zeugen nach ihrem Eid mit andere» cingesperrt gewesen sein sollen, und zwar in einer Zahl von 103 bis 130, ist ein Stall und Hof, ei» Teil gerade des Gebäudes, in welchem die Jude» mit Frauen und Familien während des Angriffes ihre Zuflucht suchten. Als die Flieger in geringer Höhe cs umkreisten, konnte» sie in den Hof sehen, und sic sahen dort nur Juden und ihre Tiere. Es ist so luvwahrscheinlich, daß die Juden, die damals in Todesfurcht waren, 100 bis 150 Araber in ihrer!Mitte eingesperrt hätten, daß wir nicht zögern, diese Behauptun״ abzuieimc». Der Angriff auf Chedcrah am 6. Mai kan» als Folgeerscheinung der Exzesse in Jaffa am 1. Mai betrachtet werden und gehört zu derselben Reihe von Ereignissen, wie die Angriffe der Araber auf Pelach- Tikwah am 5. Mai. Die Tatsache, daß es bewaffnete Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden gegeben hatte und daß Araber gelötet worden waren, genügte, um einen Zustand heftiger Erregung zu schaffen, unter dessen Einfluß nur ein Gedanke vorherrschte — daß Araber von Juden getötet worden waren. Kein anderer Umstand wurde in Rechnung gezogen. Kein Gerücht war so unsinnig, daß es nicht geglaubt worden wäre. Die Gegend, für die Tulkeram das Verwaltung*- Zentrum ist, enthält etwa 40 Dörfer und eine Anzahl von Bcduinenlagern. Die Leute sind von besonders lebhaftem und leidensrtiaftÜchem Temperament und sind gleichzeitig veili.ilininniißlg gut gebildet. Man sagt, daß •10 ״/ס der Bevölkerung lesen und schreiben können. Sie ist überwiegend mohammedanisch. Es gibt ein paar Christen, eine samaritanische Familie, aber keine Juden. Chcderali gehört, obgleich es nur zwölf Meilen entfernt _ liegt, zu einem anderen Ver*valtun״s״ebict. Es IS* ,,c1n isolierter Punkt in einer Sandebenc und von Tulkeram per Auto schwer zugänglich. Die Juden von Chedcrah senden ihre Produkte per Eisenbahn oder per öchiff ab und verkaufen sie nicht auf dem Markt von Tulkeram. Es ist Ja ganz richtig, daß seit einem McnschenaKer Frieden zwischen Araber» und Juden geherrscht hat. Es war je»e Art von Friede», die zwischen zwei Menschengruppen besteht, die wenig oder nichts miteinander zu tun haben. Insofern es Beziehungen gab erwähnte Mr. Rcading zwei Ursachen von Mißstimmung 1 zwischen den Kolonisten von Chcderah und der Be- ’ völkerung von Tulkeram und Umgebung, aber diese Ursachen waren nicht so ernstlich und trugen, wo;» überhaupt, nur wenig bei, um den Angriff herbcizu!ühK.a Mit der aH[!־e1m!n>en Haltung der naüs’iuitiYMstW Araber gegen die Juden und mit der des tionalen Heims“, soweit sie mit den Ereignisse»' rj tun hat, wollen wir uns in unserem liaujitbericht (}e. schuftigen. Hier genüge es, daß wir in den Dörfern rings um Tulkeram eine sehr starxe und klar bc;tim1v,t^ Haltung vorfanden. Der Bürgermeister von Tu'kcra•!! spricht von der Üalfour-Deklaration, und ob er nun cint i deutlichere Vorstellung von ihrer Bedeutung hat als an- : de re Leute oder nicht, jedenfalls druckt er seine Mcinu!״ darüber sehr entschieden aus. In einem kleinen mösam. mcianischen Zentrum dieser Art haben die Leute mehr Sinn für Politik: als in einer kleinen englischen Lnni stailt, und politische Diskussionen sind ihre luuptGelv liehe, wenn nicht einzige Beschäftigung. Ein jmntr arabischer Notabel, Mitglied des dortigen nationalen Klubs, erzählte uns, daß er und seine Freunde in Huchem und Zeitungen vom Zionismus lesen, daß atisgcwählte Auszüge übersetzt und denjenigen, die nicht englisch lesen •oder verstellen, vorgdesen werden. Er verwies! uns auf Bücher, worin sie, wie er behauptete, Erkläre». s ge!» fanden, die ihneft aufregend und herausfordernd er. schienen. Sodann wurden die Vorfälle bei den Exzessen m Jaffa maßlos übertrieben. Zwei Araber, toll vor Aul. regung, entblößten ihre Brüste und schrien dem Bezirksamtmann von Djenin: ״Wir haben Frauen und Kinder gesehen, die von den Fuder» ermordet waren." Sic sind jetzt in Haft. Es gab Gerüchte von ermordeten Arabern in Kalkilich, von cingcsperrten und auch ermordeten in Chedcrah, von Waffen, die den Juden voa der Regierung und auch von anderen gegeben wurden, Angst und Schrecken verbreiteten sich wie ein Laufj teuer. Die Befürchtungen, die diese Gerüchte erzeugj ten und verstärkten, waren nicht erheuchelt. Frauen j flohen mit ihren Kindern tatsächlich von Dörfern, die i man für bedroht hielt. Bei aller Intelligenz ist das : Volk leichtgläubig in einem unglaublichen Grade, wenn nur die umgehenden Gerüchte danach sind, eine be• : stehende Empfindung aufzupeitschen. Man hat uns gegenüber behauptet, der jetzige Zustand der öffentlichen Meinung sei auf eine künstliche Agitation zurückzuführen, die durch Leute gefördert werde, die unter dem Regierungswechsel leiden, die Vorteile, die sie unter dem alten korrupten Regime genossen, verloren hätten, sich bemühten, der hritisehen Verwaltung mit allen Mitteln Schwierigkeiten zu machen, und einen Regierungswechsel herbeizuführen, und sie hätten die natürliche ,Methode des Angriffs auf die jüdische Politik gewählt. Man sagt auch, daß die Scheichs und Geldwucherer fürchten, ihren Einfluß auf das Volk zu verlieren, wenn die Juden eine Macht im landwirtschaftlichen Leben werden. Es mag in diesen Argumenten ein Körnchen Wahrheit sein und es ist nicht unwahrscheinlich, daß es Menschen der genannten Kategorie gibt, die alles tun. um Unzufriedenheit hervorzurufen. Aber das genügt noch nicht, um den derzeitigen Stand der Dinge zu erklären, Die Intelligenz de; Vo'kes besteht aus Bohnen des Bodens und eie befassen sich mit Politik. Sie sind zu zahlreich, um als Gesamtheit ein wirkliches Interesse an einer Rückkehr der türkisehen Regierung zu haben. Man deutet auch an, daß eine Neigung zu einer französischen Regierung besteht, weil die Franzosen kurzen Prozeß mit dem Zionismt:» machen würden, wir haben aber keinen Grund anzunehmen, daß diese Andeutung auf Richtigkeit beruht. Nun kommen wir zu einer anderen Frage. Man sagte, das eigentliche Ziel der Araber sei Raub; wenn Unruhen entstünden, so benutzten sie sic zur Plimderurig und diese Plünderungssucht sei der Grund der ganzen antijüdischen Bewegung. Es ist wahr, daß Araber, allgemein gesprochen, wenn sie kämpfen, auch rauben. Das ist gar nichts besonderes.!Man kann an den Fingern einer Hand abzahlcn, wieviel Jahre es her ist, seit eine europäische Nation systematische Plünderung zum Teil ihres Kriegssystems machte. Die Beduinen plündern ohne Feindschaft und ohne Blutvergießen, wenn sie auf keinen bewaffneten Widerstand stoßen. Von keinem Teil Palästinas ist es weit isadi Transjordanien, wohin des Königs Arm nicht reicht und wo man Plünderung nicht als Diebstahl, somlcra als ein tapferes Unternehmen ansieht. Während unserer Untersuchung machten Beduinen vom jenseitigen Ufer Einfälle in Palästina, um Vieh zi» rauben; aber weder die Dorfaraber noch die einheimischen Beduinen griiien jemals Chedcrah an vor den Exzessen in Jaffa.!Er Wunsch zu plündern erklärt nicht, was geschah, obgleich er wahrscheinlich als Anreiz mitgewirkt hat Was Beschuldigungen gegen einzelne Personen anlangt, so wallen wir uns zunächst rnit dem Fall von Wadi Eff. Isawi, dem stellvertretenden Bezirksamimann, befassen. Er war auf einen Posten von äußerster Schwierigkeit gestellt, wurde zwei Tage lang von erregten Ansammlungen belagert und hatte mit Bewegungen z.u tun, die aus Gerüchten entstanden, die zwar alle falsch waren, ihm aber Unruhe und Sorge i!n höc!1s‘!cn Maße verursachten. Chedcrah lag nicht in seinem Amtsbezirk und er kannte es auch gar nicht. Gleichzeitig war cs seine Pilicht, seine Leute von einem Angriff über die Grenzen hinaus abzuhalten. Die Richtung, nach der die Erregung ging, blieb nicht immer gleich und am Freitag friili schien sic mehr gegen Kal kill!•11 zu grlu'11. Dies machte ihm s» viel zu schaffen, dal} er selbst nach diesem Dorfe ging. Dali Juden an diesem Orte Mohammedaner angriti'en, wurde so allgemein geglaubt, daß das ganze Land hierdurch in' panischen Schrecken versetzt war. Als er zurückkam, fand er die Frage der gefangen gehaltenen Araber auf dem Tapet. Audi da glaubte er nicht, daß die Kolonie tatsächlich das Ziel einer bewaffneten Expedition sei. Als er in seinem Wagen dorthin kam, geschah dies nicht, uni die Kolonie zu schützen, sondern um das Mißverständnis •bezüglich der gefangen gehaltenen Araber aufzuklären. Wir glaoben, daß er sein bestes tat. Es war für einen junge« Palästinenser sdiwer, eine Situation von dieser Jirt zu beherrschen. Etwas anders liegt die Sache mit Mr. Beard. Er ist ein Engländer, er führte das Kommando über die Polizei und hätte die Situation in der Hand behalten müssen. Keinesfalls durfte er arabische Polizisten in der Macht eines arabischen Volkshaufens von solcher Größe ... 1